i
2-
der
Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions-Comite.
Jahrgang 1901.
Mit 1 Karte, 3 Tafeln und 3 Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1902.
Inhalt des Jahrganges 1901.
Friedrich Easpe f S. V.
Verzeichniss der Mitglieder S. VII.
A. Sitzungshericlite.
I. Section für Zoologie S. 3 und 17. — Heller, K. : Ausgestorbene madagassische
Eiesenstrausse S. 4. — Nitsche, H.: Stimmapparat der Cicaden S. 3; Beobachtungen
über tropische Ameisen, zoologische Eeiseeindrücke in Südungarn, Vorlage eines Kranich-
kopfes S. 4; zoologische Seiten der Malaria- Frage S. 17 ; neue Litteratur S. 3 und 17. —
Eeibisch, Th.: Demonstration von Missbildungen S. 17, mit Bemerkungen von
H. Nits che. — Eibbe, K. : Künstliche Erzeugung von Schmetterlingsvarietäten S. 3. —
Eichter, A.: Vorlage eines Elephantenstosszahnes S. 4. — Schiller, K.: Grattungs-
kennzeichen der in Sachsen vorkommenden Hydrachniden S. 4; Vorlage von Acridium
tartaricum^ neue Litteratur S. 3. — Viehmeyer, H.: Wie finden die Ameisen den
Weg zu ihrem Neste zurück? S. 3.
II. Section für Botanik S. 4 und 17. — Beck, E.; Einige Parasiten von forstlicher
Bedeutung S. 5; .... und Nitsche, H.: Bekämpfung des Schüttepilzes S. 5. —
Drude, O.: Holzzu^vachs beim Lärchenkrebs S. 5; Jubiläum der K. K. Zoologisch-
botanischen Gesellschaft in Wien, Gründung einer internationalen Botaniker -Vereinigung,
Kuntze’s Eingabe betreffend einen Staatszuschuss zu Eugler’s „Pflanzenreich“, syste-
matische Morphologie der Gattungen Abies^ Picea ^ Larix und Linus S. 6; einige
physiologische Culturversuche S. 17; Aussaat -Ergebnisse von Samen einer gelben
Eeineclaudensorte , Anstrichmittel gegen Hasenfrass, Topographie der Ehön, über
Euphrasia minima Jacqu., Hügelflora der Basalte des Lausitzer Hügellandes S. 18;
Vorlage eines Pm-ws -Zweiges S. 4; neue Litteratur S. 5 und 18; .... und
Nitsche, H.: Neuere Anschauungen auf dem Gebiete der Descendenztheorie S. 5. —
Fritzsche, F.: Neue Funde des Elbhügellandes S. 18. — Missbach, E. : Bestände
von Rhododendron myrtifolnmi in Siebenbürgen S. 19. — Naumann, A.: Wand-
tafeln für den botanischen Unterricht, botanische Ergebnisse seiner Eeise nach
Siebenbürgen S. 19. — Nitsche, H.: Leuchten der Hallimasch -Mycelien S. 5. —
Schneider, ü.: Vorlage und Besprechung einer Sammlung von Skorpionen S. 19.
— Schorle r, B.: Bryogeographische Forschungen von A. GeheebS. 18. — Thümer,A.:
Demonstration eines Mikroskops S. 5; Flora der Commons S. 19.— Wobst, K.: Neue
Funde ausserhalb Sachsens S. 19. — Worgitzky, G.: Leber Blüthengeheimnisse S. 19,
mit Bemerkungen von O. Drude.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6 und 20. — Bergt, W. : Lausitzer
Diabas mit Kantengeröllen , Erzlagerstätten und Erzgänge bei Freiberg S. 7 ; über
Kugelgranite S. 20; neue Litteratur S. 7 und 20. — Döring, H.: Strudellöcher im
Elbbett, geschrammte Geschiebe von Zschertnitz S.7. — Engelhardt, H.: Geologische
Beschaffenheit und Erforschung Bosniens S. 6. — Kalkowsky, E.: Schlammvulkan
von Modena, Flysch in Ligurien, eruptiver Gneiss des Erzgebirges, Erkennung
künstlich gebleichter Granite S. 20; Vorlagen S. 6; neue Litteratur S. 6, 7 und 20. —
Kruft, L.: Phosphoritknollen im vogtländischen Silur und ihre organischen Ein-
schlüsse S. 20. — Nessig, E.: Neue Bohrung in der Dresdner Haide S. 6. —
Petrascheck, W.; Ammoniten der sächsischen Kreide S. 7. — Wagner, P.: Das
Centralplateau in Frankreich S. 6.
IV. Section für prähistorische Forschungen S. 7 und 20. — Deichmüller, J.: Hügel-
gräber nördlich von Bucha in Sachsen S. 7; neue Urnenfunde in Blasewitz S. 8; Inven-
tarisirang der urgeschichtlichen Alterthümer des Königreichs Sachsen S. 20; neue
IV
Litteratur S. 8. — Deichmüller, J., Döring, H. und Ludwig, H.: Vorlage und
Besprechung neuer Funde von Steingeräthen , Urnen , Bronzen u. s. w. aus Sachsen
S. 7, 8, 20 und 21. — Döring, H.: Burgwälle von Schliehen und Cosilenzien S. 7. —
Engelhardt, H.: Bunensteine von Bornholm S. 7. — Jentsch, A.: Slavisches
Grefäss mit Leichenhrand S. 20. — Wiechel, H.; Die ältesten Wege in Sachsen S.8. —
Excursion nach der Göhrischschanze bei Diesbar S. 8.
V. Section für Physik und Chemie S. 8 und 21. — Kühler, W.; Die gebräuchlichen
Methoden der drahtlosen Telegraphie S. 21. — Schlossmann, A. : Bedeutung des
Phosphors in der belebten Natur S. 8. — Walther, R. von: Beductionen mit Hülfe
von Metallen, die Aluminothermie S. 8. — Excursion nach der Nährmittelfahrik
von Dr. Klopfer in Leubnitz -Neuostra S. 9.
YI. Section für Mathematik S. 9 und 21. — Heger, B.: Ueher Parabel und Ellipse
S. 9; über einen Satz der Determinanten - Theorie S. 24. — Henke, B.: Die Be-
ziehungen des Dreiecks zum Kreise im geometrischen Unterricht S. 23. — Krause, M.:
Charles Hermite S. 9. — Naetsch, E.; Ueher ein in der Vector- Analysis auftretendes
System partieller Differentialgleichungen I. Ordnung S. 10. — Bohn, K.; Die
8 Schnittpunkte dreier Flächen II. Grades S. 22. — Weinmeister, Ph.: Schmiegungs-
parabeln der Ellipse S. 9; Ankreis -Mittelpunkte der Dreiecke mit gleichem Um- und
Inkreis S. 10; die Strophoide (Quetelet’sche Fokale) in synthetischer Behandlung S. 21.
YIT. Hauptversammlimgen S. 10 und 24. — Beschluss über Beginn der Sitzungen S. 11. —
Beamte im Jahre 1902 S. 29. — Wahl eines Mitgliedes des Verwaltungsrathes S. 11. —
Kassenabschluss für 1900 S. 10, 11 und 13. — Voranschlag für 1901 S. 10. — Frei-
willige Beiträge zur Kasse S.28. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 12. und 27. —
Bericht des Bibliothekars S. 31. — Dr. Fr. Baspe f S. 11. — Drude, 0.: Die Ent-
wickelung der „Technischen Botanik“ bis 1900 S. 24. — Engelhardt, H.: Vorlage
von Pflanzen aus Californien S. 10. — Foerster, Fr.: Ueher elektrische Oefen S. 10;
Demonstrationen S. 11. — Hempel, W.: Vorkommen des Schwefels in der Natur
S. 11. — Nitsche, H. : Das Benthier als Jagd- und Hausthier der Polarvölker S. 26. —
Schiller, K.: Vorlage von Apus productus S. 11, von Polyporus giganteus S. 26. —
Schlossmann, A. ; Die biologischen Anschauungen des i 9. Jahrhunderts S. 26. —
Wolf, C.: Infectionskrankheiten und die Art der Uehertragung derselben auf den
menschlichen Körper S. 11. — Excursion nach Waldheim S. 11, nach dem K. Fernheiz-
und Elektricitätswerk in Dresden S. 12, nach dem Albertpark in Dresden S. 26.
B. Abhandlungen.
Deichmüller, J. : Ein verziertes Steinheil aus Sachsen. Mit 1 Abbildung. S. 16.
Frenzei, A,: Ueber ein Steinbeil von Halsbach. Mit 2 Abbildungen. S. 111.
Kalkowsky, E.: Die Verkieselung der Gesteine in der nördlichen Kalahari. Mit
3 Tafeln. S. 55.
Krause, M.: Charles Hermite. S. 3.
Nessig, B.: Tiefbohrung in der Dresdner Haide. S. 14.
Petrascheck, W.: Ueber eine Discordanz zwischen Kreide und Tertiär bei Dresden, S. 108.
Wiechel, H.: Die ältesten Wege in Sachsen. Mit 1 Karte. S. 18.
Die Axitoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen,
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
t
Dr. Friedrich Raspe.
Am 7. April 1901 verschied in Dresden der Chemiker Dr. Friedrich
Raspe, wirkliches Mitglied unserer Gesellschaft seit 1880.
Friedrich Raspe wurde am 15. März 1836 in Rostock geboren, wo sein
Vater als Professor der Rechte an der Universität wirkte. Nach dem
Besuch des Gymnasiums seiner Vaterstadt und nach dem Abschluss seiner
Lehrzeit als Apotheker in Hamburg war er mehrere Jahre als Apotheker-
gehülfe in Chemnitz und Gotha thätig und studirte dann in Rostock, wo
er 1862 den Doctorgrad erlangte. 1863 associirte er sich mit dem Apo-
theker Minder in Moskau, um eine von diesem geplante, mit der Apo-
theke verbundene Mineralwasserfabrik einzurichten. Durch unermüdliche
Thätigkeit und peinlichste Sorgfalt bei der Herstellung der künstlichen
Mineralwässer der verschiedensten Art brachte er diese Fabrik schnell zu
grosser Blüthe. 1866 verheirathete er sich mit Marie Feuereisen und
lebte mit ihr bis zu seinem Tode in glücklichster, durch sieben Kinder
gesegneter Ehe. Die anstrengende Thätigkeit und das für ihn ungünstige
Klima von Moskau erschütterten seine Gesundheit leider derart, dass er
sich genöthigt sah, 1877 seinen Wirkungskreis aufzugeben; seitdem lebte
er mit seiner Familie in Dresden in leidlich wiederhergestellter Gesundheit.
Die unfreiwillige Muse, zu der der energische und an rastloses
Schaffen gewöhnte Mann schon mit 41 Jahren gezwungen war, füllte er
mit praktischen Arbeiten, z. B. mit der Herstellung von Obstweinen, vor
allem aber mit chemischen Untersuchungen und litterarischen Arbeiten
aus dem Gebiete seiner früheren Thätigkeit aus. 1885 erschien bei
Wilhelm Baensch in Dresden sein hervorragendes Werk ,, Heilquellen-
Analysen für normale Verhältnisse und zur Mineralwasserfahrikation be-
rechnet auf 10000 Theile“, in welchem alte und neue Analysen der Heil-
quellen fast aller Badeorte der Erde kritisch gesichtet und zum Zwecke
der bequemeren Handhabung für den Fabrikanten nach einheitlichen Ge-
sichtspunkten umgerechnet sind. Die hier mit ganz ungewöhnlicher Sorg-
falt und ausserordentlicher Gewissenhaftigkeit aufgestellten Tabellen bilden
eine wesentliche Besonderheit der kurz vor Raspe’s Hinscheiden erschienenen
vierten Auflage von L. von Bertenson’s „Heilwässer, See- und Schlamm-
bäder in Russland und im Auslande“. In der Vorrede zu diesem Werke
gedenkt der Verfasser mit besonderer Dankbarkeit der mühevollen und
selbstlosen Hülfe, die ihm Raspe’s bis in die neueste Zeit fortgesetzten
Untersuchungen gewährt haben. Das Material für den grössten Theil einer
*
neuen vermehrten und umgearbeiteten Auflage seines umfangreichen Werkes
über die HeiL^aellen- Analysen hat Fr. Raspe hinterlassen. Zahlreiche
kleinere Abhandlungen aus seiner Feder finden sich in verschiedenen Fach-
zeitschriften, im Archiv für Hygiene eine Arbeit über ,, Frauenmilch und
künstliche Ernährung der Säuglinge“, auf Grund eigener Untersuchungen
der Milch verschiedener Frauen von der ersten Woche bis zum vollendeten
ersten Lebensjahre des Säuglings; in den achtziger Jahren in der Zeit-
schrift für Mineralwasserfabrikation eine Reihe von Aufsätzen, in denen er
das Verfahren der Fabrikation wesentlich aufklärte und sich energisch
gegen die Kunstbrunnenwässer ä la Appollinaris aussprach; in der Zeit-
schrift für die gesammte Kohlensäure -Industrie noch 1896 eine Abhand-
lung über „Die Angabe der Mineralwasser- Analysen in Form von Ionen“.
Im Jahre 1880 trat der Verewigte als wirkliches Mitglied in unsere
Gesellschaft ein und nahm mit regem Interesse bis kurz vor seinem Tode
an den Sitzungen derselben Theil, selbst durch zahlreiche kleinere Mit-
theilungen, Vorlagen und einzelne grössere Vorträge, u. a. über den Ein-
fluss der Wasserleitung und der Canalisation auf die Infection und die
Desinfection des Bodens, über Untersuchungen der Frauenmilch, über einen
alten Begräbnissplatz bei Moskau, zur Belebung der wissenschaftlichen Ver-
handlungen nicht unwesentlich beitragend. In den Jahren 1883 — 1885
gehörte er dem Vorstande der Sectionen für Zoologie und für vorgeschicht-
liche Forschungen an, Anfang 1888 berief ihn das Vertrauen unserer Mit-
glieder in den Verwaltungsrath der Gesellschaft, dem er bis zu seinem
Tode angehörte und als dessen Vorsitzender er in den Jahren 1891 — 1897
die vermögensrechtlichen Angelegenheiten der Isis mit grosser Hingebung
leitete.
Asthmatische Leiden, zu denen er den Grund schon früher gelegt
hatte, quälten ihn seit einigen Jahren derart, dass er trotz energischen
Kampfes seiner Willenskraft gegen die Leiden seines Körpers allmählich
jede ernstliche Arbeit einstellen und auch den Sitzungen unserer Gesell-
schaft oftmals fernbleiben musste. Am 7. April 1901 verschied er nach
kurzer Krankheit an Herzlähmung, betrauert von Allen, die ihm im Leben
nahe gestanden und seinen scharfen Verstand, seine Willenskraft und die
unbedingte Rechtlichkeit seines Charakters kennen gelernt hatten. Unsere
Gesellschaft wird dem Verewigten in dankbarer Anerkennung seiner Ver-
dienste ein dauerndes Andenken bewahren.
Verzeiclmiss der Mitglieder
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden
im Juni 1901.
Berichtigungen bittet man an den Secretär der Gesellschaft,
d. Z. Prof. Dr. J. Y. Deichmiiiler in Dresden, K. Mineral. - geologisches Museum im
Zwinger, zu richten.
'.n
-i,-
•1
L Wirkliche Mitglieder.
A. in Dresden, jaurder
Aufnahme.
1. Alvenslelbeii, Ludw. Osc. von, Landschaftsmaler, Kaitzerstr. 7 1895
2. Baensclij Wilh., Yerlagsbuchhandlung und Buchdruckerei, Waisenhausstr. 34 1898
3. Barth, Gurt, Dr. phil, Chemiker an der städtischen G-asanstalt, Königshriicker-
strasse 97 .... 1899
4. Baumeyer, Gr. Hermann, Privatus, Holbeinstr. 38 1852
5. Beck, P. Heinr., Bezirksschullehrer, Lortzingstr. 15 1896
6. Beckel, Eduard, em. Lehrer, Schandauerstr. 33 1900
7. Becker, Herrn., Dr. med., Pragerstr, 46 1897
8. Beiger, Grottl. Bud., Bürgerschullehrer, Wittenbergerstr. 67 ...... . 1893
9. Berger, Carl, Dr. med., Struvestr. 14 1898
10. Bernkopf, G-eorg, Bildhauer, Wittenbergerstr. 43 1900
11. Besser, C. Ernst, Professor a. D., , Löbtauerstr. 24 1863
12. Beyer, Th. Washington, Maschinenfabrikant, Grossenhainerstr. 19 1871
13. BeytMen, Adolf, Dr. phiL, Director des ehern. Untersuchungsamtes der Stadt
Dresden, Lothringerstr. 2 1900
14. Biedermann, Paul, Dr. phil., Professor an der K. Thierärztlichen Hochschule
und Oberlehrer an der Annenschule, Eabenerstr. 7 1898
15. Bley, W. Carl, Apothekenverwalter am Stadtkrankenhause, Friedrichstr. 39 . 1862
16. Bock, G. Max., Dr. phil , Fabrikbesitzer, Beethovenstr. 3 1900
17. Böttger, Adolf, Realschuloberlehrer, Zölliierstr. 19 . 1897
18. Bose, 0. Mor. von, Dr. phil., Chemiker, Leipzigerstr. 11 1868
19. Botke, F. Alb., Dr. phil, Professor, Conrector an der Dreikönigschule, Tieck-
strasse 9 1859
20. Ca ’herla, Gust. Mor., Privatus, Bürgerwiese 8 . 1846
21. Ca .berla, Heinr., Privatus, Bürgerwiese 8 . . . 1897
22. Crnsius, Georg, Dr. phil., Privatus, Lindengasse 24 1888
23. Cüppers, Friedr., Kaufmann, Comeniusstr. 43 1896
24. Belchmüller, Joh. Vict., Dr. phil., Professor, Custos des K. Mineral.-geolog.
Museums nebst der Prähistor. Sammlung, Fürstenstr. 64 1874
25. Bensf, Paul, Dr., Ingenieur, Reichenbachstr. 13 1901
26. Dörng, Herrn., Bezirksschuloberlehrer, Reissigerstr. 19 1885
27. Boering, Carl, Bezirksschullehrer, an der Ziegelscheune 22. 1899
28. Br j 9, Osc., Dr. phil., Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hochschule
und Director des K. Botanischen Gartens, Stübel- Allee 2 1879
29. Ebertj Gust. Rob., Dr. phil., Professor a. D., Gr. Plauenschestr. 15 ... . 1863
30. Ebert, Otto, Lehrer an der Taubstummenanstalt, Löbtauerstr. 9 1885
31. Elinert, Osc. Max, Yermessungsingenieur, Zinzendorfstr. 50 1893
32. Engelhardt, Bas. von, Dr. phil, Kais. Russ. Staatsrath, Astronom, Liebig-
strasse 1 ..... • 1884
33. Engelhardt, Herrn., Professor an der Dreikönigschule, Bautznerstr. 34 . . . 1865
34. Fischer, Hugo Rob., Professor an der K. Technischen Hochschule, Schnorr-
strasse 57 . 1879
35. Flachs, Rieh., Dr. med., Pragerstr. 21 1897
36. Foerster, J. S. Friedr., Dr. phil, Professor an der K. Technischen Hochschule,
Werderstr. 23 ... 1895
37. Freude, Aug. Bruno, Bürgerschullehrer, Peterstr. 40 1889
38. Freyer, Carl, Bürgerschullehrer, Tittmannstr. 25 1896
X
Jahr der
Aufnahme.
39. Friedricli, Edm., Dr. med., Sanitätsratli, Lindengasse 20 1865
40. Frölicli, Gust., K. HofarcMtect und Hofbauinspector, Ludwig Richterstr. 9 . 1888
41. Galewskjj Eug. Eman., Dr. med., Waisenhausstr. 8 1899
42. Gebliardt, Mart., Dr. pMl., Oberlehrer am Vitztlium’schen Gymnasium, Winckel-
mannstr. 47 1894
43. Geinitz, 0. Leop., Büreau- Assistent an den K. Sächs. Staatsbahnen, Lindenau-
strasse 10 1886
44. Giseke, Carl, Privatus, Franklinstr. 9 , 1893
45. Grayelius, Harry, Dr. phil., Astronom, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Reissigerstr. 13 1897
46. Grosse, C. Joh., Dr. med., Kyffhäuserstr. 20 1895
47. Grub, Carl, Stabsapotheker a. D., Hassestr. 6 1890
48. Grübler, Mart., Kais. Russ. Staatsrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Sedanstr. 18 1900
49. Grimdler, Joh., Dr. med., Comeniusstr, 31 1897
50. Gübiie, Herrn Beruh., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Jägerstr. 28 1896
51. Günther, Rud. Biederm., Dr. med.. Geh. Rath, Präsident des K. Landes-
medicinal- Collegiums, Eliasstr. 22 1873
52. Guthmann, Louis, Fabrikbesitzer, Pragerstr. 34 1884
53. Hänel, F. Paul, Chemiker, Hertelstr. 29 1899
54. Hallwachs, Wilh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Münchnerstr. 2 1893
55. Hartmann, Alb., Ingenieur, Reichenbachstr. 11 1896
56. Hefelmann, Rud., Dr. phil., Chemiker, Schreibergasse 6 1884
57. Heger, Gust. Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule und
am 'Wettiner Gymnasium, Winckelmannstr. 37 1868
58. Heinrich, Carl, Buchdruckereibesitzer, Nieritzstr. 14 1898
59. Heller, Carl, Dr. phil., Custos des K. Zoolog, und Anthrop.-ethnogr. Museums,
Franklinstr. 22 • 1900
60. Helm, Georg Ferd., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Lindenaustr. 1 a 1874
61. Hempel, Waith. Matthias, Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor an der K. Tech-
nischen Hochschule, Zelleschestr. 44 1874
62. Henke, C. Rieh., Dr. phil., Professor, Conrector an der Annenschule, Lindenau-
strasse 9 1898
63. Hertwig, Theod., Bergdirector a. D., Holbeinstr. 26 1888
64. Hirt, F. Rob., Stadtrath a. D., Fabrikbesitzer, Bürgerwiese 1 1886
65. Hofmann, Alex. Emil, Dr. phil.. Geh. Hofrath, Goethestr. 5 1866
66. Hoyer, C. Ernst, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Schubertstr. 29 1897
67. Hübner, Georg, Dr. phil., Apotheker, Am Markt 3 und 4 1888
68. Jabr, J. Rieh., Photochemiker, Schubertstr. 15 1899
69. Jenke, Andreas, Bezirksschullehrer, Circusstr. 10 1891
70. Jentscli, Joh. Aug., Bezirksschullehrer, Eisenbergerstr. 13 1885
71. Jühling, Frz., Streichinstrum.- und Saitenfabrikant, Stephanienstr. 43 . . . 1900
72. IMe, Carl Herrn., Professor am K. Gymnasium zu Neustadt, Kamenzerstr. 9 1894
73. Kämnitz, Max, Chemiker, Bautznerstr. 79 1894
74. Käseberg, Mor. Rieh., Dr. phil., Institutslehrer, Kl. Plauenschestr. 29 . . . 1886
75. Kalkowsky, Ernst, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule
und Director des K. Miner.-geolog. Museums nebst der Prähistor. Sammlung,
Franklinstr. 32 1894
76. Kayser, Agnes, Sanitätsraths -Wittwe, Terrassenufer 3 1883
77. Kelling, Ein. Georg, Dr. med., Christianstr. 30 1899
78. Klälir, Max., Realscliullehrer, Bergmannstr. 18 1899
79. Klein, Herrn., Dr. phil, Professor a. D., Grosse Plauenschestr. 15 .... 1863
80. Klette, Alphons, Privatus, Residenzstr. 18 1883
81. König, Clem., Professor am K. Gymnasium zu Neustadt, Katharinenstr. 16. 1890
82. Kopeke, Clauss, Geh. Rath, Strehlenerstr. 25 1877
83. Kranse, Mart., I)r. phil. Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Kaitzerstr. 12 1888
84. Krone, Herrn., Professor an der K. Technischen Hochschule, Josephinenstr. 2 1852
85. Kühnseberf, Emil, Fabrikbesitzer, Gr. Plauenschestr. 20 1866
86. Knntze, F. Alb. Arth., Bankier, an der Kreuzkirche 1 1880
87. Ledebnr, Hans Em. Freiherr von, Friedensrichter, Uhlandstr. 6 . ... 1885
88. Ledien, Franz, Garten-Inspector am K. Botanischen Garten, Stübel- Allee 2 1889
XI
JaJir der
Aufnahme.
89. Lehmann, F. Georg’, K. Hofbuchhändler, Albrechtstr. 22 1898
90. Leuner, F. Osc., Ingenieur, Lannerstr. 3 1885
91. Lewicki, J. Leonidas, Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Zelleschestr. 29 1875
92. Lohmann, Hans, Dr. phil., Oberlehrer an der Annenschule, Falkenstr. 7 . 1896
93. Lohrmann, Ernst, Dr. phil., Oberlehrer an der II. Realschule, Struvestr. 34 1892
94. Lottermoser, C. A. Alfred, Dr. phil., Assistent an der K. Technischen Hoch-
schule, Zelleschestr. 31 1898
95. Ludwig, J. Herrn., Bezirksschullehrer, Wintergartenstr. 58 1897
96. Mann, Max Georg, Dr. med., Ostra- Allee 7 1900
97. Meier, E. F. Gust., Gymnasiallehrer, Gr. Plauenschestr. 17/19 1900
98. Meinert, Eug., Dr. jur., Moltkeplatz 3 1895
99. Meissner, Herrn. Linus, Bürgerschullehrer, Löbtauerstr. 24 1872
100. Menzel, Paul, Dr. med., Mathildenstr. 46 1894
101. Meyer, Ad. Beruh., Dr. med.. Geh. Hofrath, Director des K. Zoolog, und
Anthrop.-ethnogr. Museums, Wienerstr. 43 1875
102. Meyer, Ernst von, Dr. phil.. Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Lessingstr. 6 1894
103. Modes, Herrn., Ingenieur, Antonstr. 18 1887
104. Möhlau, Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Semperstr. 4 1895
105. Mollier, Rob. Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule,
Uhlandstr. 40 1897
106. Morgenstern, Osc. Wold., Oberlehrer an der Annenschule, Chemnitzerstr. 21 1891
107. Mühlfriedel, Rieh., Bezirksschuloberlehrer, Ludwigstr. 1 1898
108. Müller, C. Alb., Dr. phil., Oberlehrer an der öffentlichen Handelslehranstalt,
Albrechtstr. 35 1888
109. Müller, Herrn. Otto, Forstassessor, Circusstr. 6 1896
HO. Müller, Max Erich, Dr. phil, Chemiker, Wasastr. 15 1898
111. /Naumann, 0. Arno, Dr. phil., Assistent am K. Botanischen Garten und Lehrer
an der Gartenbauschule, Nicolaistr. 19 1889
112. Nessig, Rob., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Lutherplatz 9 . 1893
113. Niedner, Ohr. Franz, Dr. med., Obermedicinalrath, Stadtbezirksarzt, Winckel-
mannstrasse 33 1873
114. T^owotny, Franz, Oberfinanzrath a. D., Chemnitzerstr. 27 1870
115. Pattenkausen , Beruh., Professor an der K. Technischen Hochschule und
Director des K. Mathem.-physikaL Salons, Eisenstuckstr. 43 1893
116. Paulack, Theod., Apotheker, Paul Gerhardtstr. 4 1898
117. Pestei, Rieh. Martin, Mechaniker und Optiker, Hauptstr. 1 und 3 . . . . 1899
118. Peuckert, F. Adolf, Institutslehrer, Seilergasse 2 1873
119. Pfitzner, Paul, Dr. phil., Gymnasiallehrer, Fürstenstr. 3 1901
120. Pötschke, Jul., Techniker, Gärtnergasse 5 1882
121. Pohle, Rieh., Ingenieur, Schweizerstr. 12 1897
122. Polscher, A., Zahnkünstler, Pragerstr. 13 1897
123. Prinzhorn, Joh. Ludw., Pastor und Director a. D., Zinzendorfstr. 13 . 1896
124. Putscher, J. Wilh., Privatus, Bergstr. 4:4 \ 1872
125. Raheuhorst, G. Ludw., Privatus, Stolpenerstr. 8 . 1881
126. Range, E. Alb., Finanz- und Baurath, Moltkeplatz 9 1898
127. Rehenstorff, Herrn. Alb., Oberlehrer beim K. Cadettencorps, Priessnitzstr. 2 1895
128. Reichardt, Alex. Wilibald, Dr. phil., Oberlehrer am Wettiner Gymnasium,
Chemnitzerstr. 35 1897
129. Renk, Friedr., Dr. med.. Geh. Medicinalrath, Professor an der K. Technischen
Hochschule und Director der Centralstelle für öffentliche Gesundheitspflege,
Residenzstr. 16 1894
130. Richter, C. Wilh., Dr. med., Hähnelstr. 1 1898
131. Richter, Conr., Oberlehrer an der Annenschule, Leipzigerstr. 9 1895
132. Risch, Osc., Privatus, Gutzkowstr. 10 1893
133. Röhner, C. Wilh., Bezirksschullehrer, Elisenstr. 16 ' . 1898
134. Rohn, Carl, Dr. phil., Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hoch-
schule, Liebigstr. 18 1885
135. Salhach, Franz, Ingenieur, Yictoriastr. 3 1895
136. Schanz, Alfr., Dr. med., Räcknitzstr. 13 1897
137. Scheele, Curt, Dr. phil., Oberlehrer am Wettiner Gymnasium, Blasewitzer-
strasse 13 1893
XII
Jahr der
Aufnahme.
138. Schiller, Carl, Privatus, Bautznerstr. 47 1872
139. Schlossmann, Arth. Herrn., Dr. med., Privatdocent an der K. Technischen
Hochschule, Franklinstr. 7 .......... 1896
140. Schmidt, Herrn. Gr., Bezirksschullehrer, Niederwaldstr. 15 1898
141. Schneider, Beruh. Alfr., Dr. phil., Corpsstabsapotheker, Bietschelstr. 14 . . 1895
142. Schniise, Wilh., Privatus, Werderstr. 22 1901
143. Schöpf, Adolf, Betriebsdirector des Zoologischen Gartens, Thiergartenstr. 1 1897
144. Schorler, Beruh., Dr. phil., Bealschullehrer und Assistent an der K. Tech-
nischen Hochschule, Haydnstr. 5 . . 1887
145. Schulze, Georg, Dr. phil, Oberlehrer an der Dreikönigschule, Markgrafen-
strasse 34 1891
146. Schulze, Jul. Ferd., Privatus, Liebigstr. 2 1882
147. Schuster, Osc., Generalmajor z. D., Sedanstr. 1 1869
148. Schwede, Pud., Chemiker, Gutzkowstr. 28 1901
149. Schweissinger, Otto, Dr. phil., Apotheker, Medicinalassessor, Dippoldis-
waldaerplatz 3 ...................... 1890
150. Schweizer, Mor., Bürgerschullehrer, Kl. Plauenschestr. 12 1891
151. Seyde, F. Ernst, Kaufmann, Strehlenerstr. 29 1891
152. Siegert, Theod., Professor, Antonstr. 16 1895
153. Siemens, Friedr., Dr. ing., Civilingenieur und Fabrikbesitzer, Liebigstr. 4 1872
154. Siemers, Auguste, Privata, Schnorrstr. 45 1872
155. Siemers, Florentine, Tonkünstlers Wittwe, Schnorrstr. 45 1872
156. Stiefelhagen, Hans, Bezirksschullehrer, Lüttichaustr. 13 1897
157. Streit, Wilh., Yerlagsbuch- und Kunsthändler, Uhlandstr. 8 1897
158. Stresemann, Bich. Theod., Dr. phil., Apotheker, Pesidenzstr. 42 .... 1897
159. Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer, Struvestr. 8 . . . . 1898
160. Stübel, Mor. Alphons, Dr. phil., Geolog, Feldgasse 10 1856
161. Stutz, Ludw., Docent an der K. Technischen Hochschule, Schnorrstr. 38 . 1900
162. Teichmaiin, Balduin, Major a. D., Comeniusstr. 16 1895
163. Tempel, Paul, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Keustadt, Markgrafen-
strasse 37 1891
164. Thallwitz, Joh., Dr. phil., Oberlehrer an der Annenschule, Schnorrstr. 70 . 1888
165. Thiele, Carl, Apotheker, Leipzigerstr. 60 1900
166. Thiele, Herrn., Dr. phil., Chemiker, Winckelmannstr. 27 1895
167. Thonner, Franz, Privatus, Uhlandstr. 9 1896
168. Toepler, Aug., Dr. phil. et med.. Geh. Hofrath, Professor a. D., Winckel-
mannstr. 43 1877
169. Toepler, Max., Dr. phil., Privatdocent und Adjunct an der K. Techn. Hoch-
schule, Winckelmannstr. 43 1896
170. Ulbricht, F. Pich., Dr. phil., Oberbaurath, Professor an der K. Technischen
Hochschule, Strehlenerstr. 43 1885
171. Umlauf, Carl, Dr. phil, Oberlehrer an der Dreikönigschule, Schillerstr. 40 . 1897
172. Yetters, Carl W. E., em. Bürgerschuloberlehrer, Görlitzerstr. 28 1865
173. Yiehmeyer, Hugo, Bezirksschullehrer, Peissigerstr. 21 . . 1898
174. Yieth, Joh. von, Dr. phil., Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, Arndt-
strasse 6 1884
175. Yogel, G. Clem., Bezirksschullehrer, Lindenaustr. 25 1894
176. Yogel, J. Carl, Fabrikbesitzer, Leubnitz er str. 14 1881
177. Yorländer, Herrn., Privatus, Parkstr. 2 1872
178. Wähmanu, Friedr., Bezirksschullehrer, Hüblerstr. 10 1898
179. Wagner, Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Pealschule, Hüblerstr. 9 . . 1897
180. Walther, Peinhold Freiherr von, Dr. phil., Professor an der K. Technischen
Hochschule, Schnorrstr. 40 1895
181. Weber, Friedr. Aug., Institutslehrer, Circusstr. 34 1865
182. Weigel, Johannes, Kaufmann, Marienstr. 12 1894
183. Weissbach, Pob., Geh. Hofrath, Professor an der K. Technischen Hochschule,
Schnorrstr. 5 1877
184. Werther, Johannes, Dr. med., Pragerstr. 15 1896
185. Wiechel, Hugo, Finanz- und Baurath, Bismarckplatz 14 1880
186. Wilkens, Carl, Dr. phil., Director der Steingutfabrik von Villeroy & Boch,
Leipzigerstr. 4 1876
187. Witting, Alex., Dr. phil., Oberlehrer an der Kreuzschule, Waterloostr. 13 . 1886
188. Wobst, Carl, Professor an der Annenschule, Ammonstr. 78 . 1868
189. Worgitzky, Eug. Georg, Dr. phil., Oberlehrer an der Kreuzschule, Elisenstr. 28 1894
XIII
Jahr der
Aufnahme.
190. Zeuner, Gust., Dr. pMl-, Geh. Eath, Professor a. D., Lindenaustr. 1 a . . . 1874
191. Zielte, Otto, Apotheker, Altmarkt 10 1899
192. Zipfel, E. Aug., Oberlehrer und Dirigent der II. städtischen Fortbildungs-
schule, Zöllnerstr. 7 1876
193. Zschuppe, F. Aug., Finanz -Yermessungsingenieur, Holbeinstr. 15 ... . 1879
B. Ausserhalb Dresden.
194. Beck, Ant. Eich., Forstassessor in Tharandt 1896
195. Bergt, Waith., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule und
Assistent am K. Mineral.- geolog. Museum, in Plauen b. Dr., Bienertstr. 19 1891
196. Boxherg, Georg von, Eittergutsbesitzer auf Eehnsdorf bei Kamenz . . . 1883
197. Carlowitz, Carl von, K. Kammerherr, Majoratsherr auf Liebstadt .... 1885
198. Contractor, Koshirvan, Student an der K. Forstakademie in Tharandt . . 1899
199. Degenkolh, Herrn., Eittergutsbesitzer auf Eottwerndorf bei Pirna .... 1870
200. Dressier, Heinr., Seminar-Oberlehrer in Plauen b. Dr., Eeisewitzerstr. 30 . 1893
201. Drosshach, G. P., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Freiberg 1897
202. Engelhardt, Eud., Dr. phil., Chemiker in Eadebeul, Goethestr. 7 . . . . 1896
203. Pickel, Joh., Dr. phil, Professor am Wettiner Gymnasium, in Alt-Gruna,
Pirnaischestr. 37 ' 1894
204. Francke, Hugo, Dr. phil., Mineralog in Plauen b. Dr., Eathhausstr. 5 . . . 1889
205. Fritzsche, Felix, Privatus in Niederlössnitz, Wilhelmstr. 2 1890
206. Günther, Osw., Chemiker in Pirna, Gartenstr 1899
207. Günther, Eich., Architect in Blasewitz, Forsthausstr. 7 1891
208. Hähle, Herrn., Dr. phil., Chemiker in Eadebeul, Albertstr. 5 1897
209. Jacohy, Julius, K. Hofjuwelier in Blasewitz, Emser Allee 12 1882
210. Jentzsch, Albin, Dr. phil., Fabrikbesitzer in Eadebeul, Goethestr. 181 . . 1896
211. Keil, Eich., Dr. phil., Professor a. D., Fabrikbesitzer in Eadebeul, Garten-
strasse 18 1873
212. Kesselmeyer, Charles, Esqu., in Bowdon, Cheshire 1863
213. Klette, Emil, Privatus, in Trachenberge b. Dr., Kändlerstr. 8 . . . . • 1895
214. Krutzsch, Herrn., K. Oberförster in Hohnstein . . . • 1894
215. Lewicki, Ernst, Ingenieur, Adjunct an der K. Technischen Hochschule, in
Plauen b. Dr., Bernhardstr. 20 1898
216. Müller, Eud. Ludw., Dr. med. in Blasewitz, Friedrich Auguststr. 25 . . . 1877
217. Naetsch, Emil, Dr. phil., Privatdocent an der K. Technischen Hochschule, in
Blasewitz, Striesenerstr. 5 1896
218. Naumann, Bruno, Geh. Commerzienrath in Losch witz, Bautznerstr. 20 . . 1900
219. Oshorne, Wilh., Privatus in Serkowitz, Wasastr. 1 1876
220. Oshorne, Wilh., Dr. phil., Chemiker, in Serkowitz, Wasastr. 1 1898
221. Ostermaier, Joseph, Kaufmann in Blasewitz, Striesenerstr. 27 1896
222. Petrasclieck , Wilh., Dr. phil., Assistent am mineralog. Institut der K.
Technischen Hochschule, in Plauen b. Dr., Hohestr. 17 1900
223. Reihisch, Theod., Privatlehrer in Plauen b. Dr., Bienertstr. 24 1851
224. Richter, F. Arth., Privatus in Blasewitz, Marschall- Allee 18 1899
225. Scheidhauer, Eich., Civilingenieur in Blasewitz, Thielaustr. 4 1898
226. Schreiter, Br., Bergdirector a. D. in Berggiesshübel 1883
227. Schunke, Th. Huldreich, Dr. phil., Seminaroberlehrer, in Blasewitz, Waldpark-
strasse 2 1877
228. Seidel, T. J. Eudolf, Kunst- und Handelsgärtner in Laubegast, Uferstr. 7 . 1899
229. Süss , P. , Dr. phil. , Assistent an der K. Technischen Hochschule, in Blase-
^ witz, Dohnaerstr. 4 1899
230. Thoss, Fr. Aug., Seminaroberlehrer in Plauen b. Dr., Hohestr. 56 ... . 1898
231. Thümer, Ant. Jul., Institutsdirector in Blasewitz, Eesidenzstr. 12 ... . 1872
232. Weher, Eich., Apotheker in Königstein a. E 1893
233. Weinmeister, Joh. Philipp, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in
Tharandt 1900
234. Wislicenus, Adolf, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1899
235. Wolf, Curt, Dr. med., K. Polizeiarzt in Plauen b. Dr., Eeisewitzerstr. 22 . 1894
236. Wolf, Theod., Dr. phil, Privatgelehrter in Plauen b. Dr., Hohestr. 15 . . . 1891
237. Zschau, E. Fchgtt., Professor a. D. in Plauen b. Dr., Poststr. 6 1849
XIV
n. Ehrenmitglieder. jaur der
Aufnahme.
1. Agassiz, Alex., Dr. pMl., Curator a. D. des Museums of Comparative Zoology in
Cambridge, Mass. . 1877
2. Carus, Jul. Yict., Dr. phil., Professor an der Universität in Leipzig . . . 1869
3. Credner, Herrn., Dr. phiL, Geh. Bergrath, Professor an der Universität und
Director der geologischen Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen in
Leipzig (1869)1895
4. Flügel, Felix, Dr. phil., Vertreter der Smithsonian Institution in Leipzig . 1855
5. Galle, J. G., Dr. phil., Geh. Begierungsrath, Professor a. D. in Potsdam . . 1866
6. Haugliton, ßev. Sam., Professor am Trinity College in Dublin 1862
7. Jones, T. Rupert, Professor a. D. in London 1878
8. Köllicker, Alb. von, Dr., Geh. Rath, Professor an der Universität in Würzburg 1866
9. Laube, Gust., Dr. phil., Professor an der Universität in Prag ...... 1870
10. Ludwig, Friedr., Dr. phil, Professor am Gymnasium in Greiz .... (1887)1895
11. Magnus, Paul, Dr. phil., Professor an der Universität in Berlin ..... 1895
12. Mercklin, Carl von, Dr., Geh. Rath, in Petersburg 1868
13. MöM, Heinr., Dr. phil., Professor in Kassel 1875
14. Mtsche, Hinr., Dr. phil., Geh. Hofrath, Professor an der K. Forstakademie in
Tharandt 1893
15. Hostiz-Wallwitz, Herrn, von, Dr., Staatsminister a. D. in Dresden, Kaiser
Wilhelmsplatz 10 1869
16. Omboni, Giov., Professor an der Universität in Padua ........ 1868
17. Silva, Mig. Ant. da, Professor an der Ecole centrale in Rio de Janeiro . . 1868
18. Stacke, Guido, Dr. phil., K. K. Oberbergrath, Director der K. K. Geolo-
gischen Reichsanstalt in Wien . (1877)1894
19. Tsckermak, Gst., Dr., Hofrath, Professor an der Universität in Wien . . . 1869
20. Yerbeek, Rogier D. M., Dr. phil, Director der geologischen Landesuntersuchung
von Niederländisch-Indien in Buitenzorg 1885
21. Yirckow, Rud., Dr. med., Geh. Medicinalrath, Professor an der Universität in Berlin 1871
22. Wolf, Frz., Dr. phil, Professor, Realschuldirector in Rochlitz 1895
23. Zeuner, Gust., Dr. phil. Geh. Rath, Professor a. D. in Dresden, Lindenaustr. la 1874
24. Zirkel, Ferd., Dr. phil. Geh. Rath, Professor an der Universität in Leipzig . . 1895
III. Correspondirende Mitglieder.
1. Alberti, Osc. von, Bergamtsreferendar in Freiberg . 1890
2. Altenkirck, Gust. Mor., Dr. phil, Realschullehrer in Osehatz 1892
3. Amthor, C. E. A., Dr. phil, in Hannover ............. 1877
4. Ancona, Cesare de, Dr., Professor am R, Instituto di studi superiori in Florenz 1863
5. Ardissone, Frz., Dr. phil, Professor an dem Technischen Institut und der
Ackerbauschule in Mailand 1880
6. Artzt, Ant., Vermessungsingenieur in Plauen i. V 1883
7. Aseherson, Paul, Dr. phil, Professor an der Universität in Berlin .... 1870
8. Bachmann, Ewald, Dr. phil, Professor an der Realschule in Plauen i. V. . 1883
9. Baessler, Herrn., Director der Strafanstalt in Voigtsberg 1866
10. Baldauf, Rieh., Bergdirector in Dux 1878
11. Baltzer, Armin, Dr. phil, Professor an der Universität in Bern 1883
12. Bernhardt, Joh., Landbauinspector in Altenburg, . . 1891
13. Bibliothek, Königliche, in Berlin 1882
14. Blanford, Will T., Esqu., in London 1862
15. Blaschka, Rud., naturwissensch. Modelleur in Hosterwitz ....... 1880
16. Blochmann, Rud., Dr. phil, Physiker am Marine-Laboratorium in Kiel . . 1890
17. Bombicci, Luigi, Professor an der Universität in Bologna 1869
18. Brusina, Spiridion, Professor an der Universität in Agram . 1870
19. Bureau, Ed., Dr., Professor am naturhistor. Museum in Paris 1868
20. Carstens, C. Dietr., Ingenieur in Varel .............. 1874
21. Conwentz, Hugo Wilh., Dr. phil, Professor, Director des Westpreuss. Pro-
vincialmuseums in Danzig . 1886
22. Banzig, Emil, Dr. phil, Oberlehrer an der Realschule in Rochlitz .... 1883
23. Bathe, Ernst, Dr. phil, K. Preuss. Landesgeolog in Berlin 1880
XV
Jahr der
Aufnahme.
24. Dittmarsch, A., Bergschuldirector in Zwickau 1870
25. Döll, Ed., Dr., Oberrealschuldirector in Wien 1864
26. Doss, Bruno, Dr, pMl., Docent am Kais. Polytechnikum in Riga 1888
27. Bziediiszycki, Wladimir Graf, in Lemberg 1852
28. Eisei, Bob., Privatus in Gera 1857
29. Flolir, Conrad, Amtsgerichtsrath, Amtsrichter in Leipzig 1879
30. Erencli, C., Esqu., Governement Entomologist in Melbourne 1877
31. Frenzei, A., Dr. phil., Lehrer an der Bergschule und K. HüttenchemikerinEreiberg 1872
32. Friederich, A., Dr. med., Sanitätsrath in Wernigerode 1881
33. Friedrich, Osc., Dr, phil., Professor, Conrector am Gymnasium in Zittau . 1872
34. Fritsch, Ant., Dr. med,, Professor an der Universität und Gustos am böhmi-
schen Landesmuseum in Prag 1867
35. Gaudry, Alb., Dr., Membre de Flnstitut, Professor am naturhistorischen
Museum in Paris 1868
36. Geheeh, Adelb., Apotheker in Freiburg i. Br 1877
37. Geinitz, Frz. Eug., Dr. phil., Professor an der Universität in Rostock . . . 1877
38. Gonnermann, Max, Dr. phil., Apotheker und Chemiker in Rostock . . . 1865
39. Groth, Paul, Dr. phil., Professor an der Universität in München 1865
40. Hartung, H., Bergmeister in Lobenstein 1867
41. Heim, Alb., Dr. phil., Professor an der Universität und am Polytechnikum iiiZürich 1872
42. Heine, Ferd., K. Domänenpächter und Klostergutsbesitzer auf Hadmersleben 1863
43. Hennig, Georg Rieh., Dr. phil., Docent am Kais. Polytechnikum in Riga . 1888
44. Herb, Salinendirector in Traunstein 1862
45. Hering, C. Adolf, Berg- und Hütteningenieur in Freiberg 1895
46. Herrmann, Wilh., Dr. theoi. et phil., Professor an der Universität in Marburg 1862
47. Hihsch, Emanuel, Dr. phil., Professor an der Höh. Ackerbauschule in Lieb-
werd bei Tetschen 1885
48. Hilgard, W. Eug., Professor, an der Universität in Berkeley, Californien . . 1869
49. Hilgendorf, Frz., Dr. phil., Professor, Custos am K. zoolog. Museum in Berlin 1871
50. Hirzel, Heinr., Dr. phil., Professor a. D. in Leipzig 1862
51. Hofmann, Herrn., Bürgerschullehrer in Grossenhain 1894
52. Hühner, Ad., Oberliüttenmeister auf der Halsbrückner Hütte bei Freiberg . 1871
53. HnU, Ed., Dr., Professor in London 1870
54. Israel, ,A., Oberschulrath, Seminardirector a D. in Blase witz 1868
55. Issel, Arth., Dr., Professor an der Universität in Genua 1874
56. Jentzscli, Alfr., Dr. phil, Professor, K. Preuss. Landesgeolog in Berlin . 1871
57. Kesselmeyer, Wilh., in Manchester 1863
58. Kirhacli, Fr. Paul, Dr. phil, Oberlehrer an der Realschule in Meissen . . 1894
59. Klein, Herrn., Herausgeber der „Gaea“ in Köln 1865
60. Köhler, Ernst, Dr. phil., Seminaroberlehrer a. D. in Schneeberg 1858
61. König von Warthausen, Wilh. Rieh. Freiherr von, Kammerherr auf Wart-
hausen bei Biberach 1855
62. Kornhuher, Andreas von, Dr., Professor am Polytechnikum in Wien . . . 1857
63. Krebs, Willi., Privatgelehrter in Altona 1885
64. Krieger, W., Lehrer in Königstein 1888
65. Kühn, Em., Dr. phil., Sclmlrath, Bezirksschulinspector in Leipzig .... 1865
66. Kyber, Arth., Chemiker in Riga 1870
67. Lange, Theod., Dr. phil, Apotheker in Werningshausen 1890
68. Lanzi, Matthaeus, Dr. med., in Rom 1880
69. Lapparent, Alb. de, Ingenieur des mines, Professor in Paris 1868
70. Lefevre, Theod., Dr., in Brüssel 1876
71. Le Jolis, Aug., Dr. phil., Präsident der Societe nation. des Sciences natur.
et mathem. in Cherbourg 1866
72. Leonhardt, Otto Emil, Seminaroberlehrer in Nossen 1890
73. Lüttke, Joh., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Hamburg 1884
74. Mayer, Charles, Dr., Professor an der Universität in Zürich 1869
75. Mehnert, Ernst, Dr. phil., Seminaroberlehrer in Pirna 1882
76. Menzel, Carl, Oberbergrath, Bergamtsrath in Freiberg 1869
77. Möller, Valerian von, Kais. Russ. Staatsrath, Oberberghauptmann in Peters-
burg 1869
78. Naschold, Heinr., Dr. phil, Fabrikbesitzer in Aussig 1866
79. Naumann, Ernst, Dr. phil, Geolog in Berlin • . . . 1898
80. Naumann, Ferd., Dr. med., Marinestabsarzt a. D. in Gera 1889
81. Naumann, Herrn., Professor an der Realschule in Bautzen 1884
XVI
Jahr der
Aufnahme.
82. Nobbe, Friedr., Dr. phil, Geh. Hofrath, Prof, an der K. Forstakademie in Tharandt 1864
83. Pabst, Mor., Dr. phil., Professor, Conrector am Pealgymnasium in Chemnitz 1866
84. Pabst, Wilh., Dr. phil., Custos der naturhistor. Sammlungen in Gotha . . 1881
85. Papperitz, Erwin, Dr. phil., Oberhergrath, Professor an der K. Bergakademie
in Freiherg 1886
86. Pescbel, Ernst, Lehrer in Nünchritz 1899
87. Petermann, A., Dr., Director der Station agronomique in Gemhloux . . . 1868
88. Pigorini, L., Dr., Professor an der Universität und Director des Museums
Kircherianum in Pom 1876
89. Prasse, Ernst Alfr., Betriehsingenieur a. D. in Leipzig 1866
90. Rebmann, Antoni, Dr., Professor an der Universität in Lemberg .... 1869
91. Reiche, Carl, Dr. phil., in Santiago, Chile 1886
92. Reidemeister, C., Dr. phil., Fabrikdirector in Schönebeck 1884
93. Schimpf ky, Paul Bich., Lehrer in Lommatzsch 1894
94. Schlichen, H. L. von. Oberst z. D. in Badebeul 1862
95. Schneider, Osc., Dr. phil., Professor a. D. in Blasewitz 1863
96. Schnorr, Veit Hanns, Professor a. D. in Zwickau 1867
97. Schreiber, Paul, Dr. phil., Professor, Director des K. Sächs. Meteorolog.
Instituts in Chemnitz 1888
98. Scott, Dr. phil., Director der Meteorological Office in London 1862
99. Seidel, Osc. Mor., Seminaroberlehrer in Zschopau 1883
100. Seidel, Heinr. Beruh., Seminaroberlehrer in Zschopau 1872
101. Seidlitz, Georg von, Dr. phil, in Ludwigsort bei Königsberg i. Pr. ... 1868
102. Sieber, Georg, Bittergutspächter in Grossgrabe bei Kamenz 1879
103. Sonntag, F., Privatus in Berlin 1869
104. Stanss, Waith., Dr. phil, Chemiker in Hamburg 1885
105. Stephani, Franz, Kaufmann in Leipzig 1893
106. Sterzei, Joh. Traug., Dr. phil, Professor an der I. höheren Mädchenschule
in Chemnitz 1876
107. Steuer, Alex., Dr. phil, Grossherzogi. Hess. Landesgeolog in Darmstadt . 1888
108. Stevenson, John J., Professor an der University of the City in New-York 1892
109. Stossich, Mich., Professor in Triest 1860
HO. Temple, Bud., Director des Landesversicherungsamts in Pesth 1869
111. Ulbricht, B., Dr. phil, Professor a. D. in Dahme 1884
112. Ulrich, George H. F., Dr. phil, Professor an der Universität in Dunedin,
Neu- Seeland 1876
113. Tater, Heinr., Dr. phil, Professor an der K. Forstakademie in Tharandt . 1882
114. Tetters, K., Dr. phil, Professor an den Technischen Staatslehranstalten in
Chemnitz 1884
115. Yoigt, Bernh., Steuerrath, Bezirkssteuerinspector in Chemnitz 1867
116. Yoretzsch, Max, Dr. phil, Professor am Herzog! Ernst-Bealgymnasium in
Altenburg 1893
117. Wartmann, B., Dr. med., Professor in St. Gallen 1861
118. Weinland, Dav. Friedr., Dr., in Hohen Wittlingen bei Urach 1861
119. Weise, Aug., Buchhalter in Ebersbach 1881
120. Welemeiishy, Jac., Dr. med. in Prag 1882
121. White, Charles, Dr., Curator am National -Museum in Washington . . . 1893
122. Wiesiier, Jul., Dr., Professor an der Universität in Wien 1868
123. Wolff, F. A., Seminaroberlehrer in Pirna 1883
124. Wünsche, F. Otto, Dr. phil, Professor am Gymnasium in Zwickau . . . 1869
125. Zimmermann, Osc., Dr. phil, Professor am Bealgymnasium in Chemnitz . 1880
Sitzungsberichte
der
N aturwissenschaftlichen G-esellschaft
ISIS
in Dresden.
1901.
1. Section für Zoologie.
Erste Sitzung am 21. Februar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend 30 Mitglieder und Gäste.
Herr K. Ribbe als Gast berichtet über die von ihm angestellten
Versuche, durch Einwirkung hoher und niederer Temperaturen auf die
Jugendstadien Schmetterlingsvarietäten künstlich zu erzeugen.
Verwendet wurden hierzu Vanessa Jo, V. Atalanta, Y. Poly chlor os , V. Urticae
und V. Antiopa. Die Ergebnisse dieser Zuchtversuche werden vorgelegt.
Der Vorsitzende lässt folgende mit dem Inhalt des Vortrags in
Beziehung stehende Werke herumgehen:
Weismann, A.: Studien zur Descendenztheorie. I. Ueber den Saisondimor-
phismus der Schmetterlinge. Leipzig 1875;
Derselbe; Neue Versuche zum Saisondimorphismus der Schmetterlinge.
Jena 1895;
Fischer, E.; Transmutation der Schmetterlinge infolge Temperaturänderungen.
Berlin 1895;
Derselbe: Experimentelle Untersuchungen und Betrachtungen über das Wesen
und die Ursachen der Aberrationen in der Faltergruppe Vanessa. Berlin 1896.
Privatus K. Schiller legt eine der Mediterranfauna angehörige Heu-
schrecke Acridium tartariciim (— A. aegyptium L.) in einem frischen,
nach Dresden mit italienischem Gemüse eingeschleppten Exemplare vor
und erläutert deren Unterschiede von der eigentlichen Wanderheuschrecke.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht über den Stimmapparat der Cicaden
unter Vorlegung von Präparaten.
Zweite Sitzung am 11. April 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche.
— Anwesend 35 Mitglieder und 1 Gast.
Bibliothekar K. Schiller legt als neue Erwerbung vor:
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft, Band XXV,
Heft 1 und 2.
Bezirksschullehrer H. Viehmeyer hält einen Vortrag über die Frage:
Wie finden die Ameisen den Weg zu ihrem Neste zurück? Als
einschlägige Litteratur legt der Vortragende vor:
Lubbock, J.; Ameisen, Bienen und Wespen. Beobachtung u. s. w. Leipzig 1883;
Derselbe: Die Sinne und das geistige Leben der Thiere, insbesonders der
Insecten. Leipzig 1899 ;
Weismann, A.; Wie sehen die Insecten? Deutsche Rundschau 1895, Heft 9;
4
Was mann, E.: Die psychischen Fähigkeiten der Ameisen. Mit 3 Taf.
Stuttgart 1899;
Bethe, A.: Dürfen wir den Ameisen und Bienen psychische Qualitäten zu-
schreiben? Bonn 1898.
Anschliessend hieran referirt der Vorsitzende über einige von C. Chun
während der Reise der „Valdivia“ gemachte Beobachtungen über tro-
pische Ameisen.
Prof. Dr. H. Nits che legt den frischen Kopf eines vor wenigen
Tagen in Grünberg bei Hermsdorf, 12 km nördlich von Dresden erlegten
Kranichs vor und bespricht Kopfgefieder und Schnabelbau.
Gustos Dr. K. Heller hält unter Vorlegung von Skelett- und Eier-
abbildungen einen Vortrag über die ausgestorbenen madagassischen
Riesenstrausse.
Dritte Sitzung am 20. Juni 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath. Prof.
Dr. H. Nitsche. — Anwesend 27 Mitglieder.
Privatus K. Schiller bespricht die Gattungskennzeichen der in
Sachsen vorkommenden Hydrachniden unter Vorlegung einiger
lebender Thiere, mikroskopischer Präparate und besonders vieler selbst-
gefertigter Abbildungen.
Auf Anregung des Vorsitzenden wird der Vortragende gebeten, die instructive, an
der schwarzen Tafel vorgeführte Bestimmungstabelle der Gattungen mit erläuternden
Abbildungen für die Abhandlungen der Gesellschaft auszuarbeiten.
Es circulirt ein von Chemiker A. Richter mitgebrachter Querschnitt
eines Elephantenstosszahnes mit eingewachsener Bleikugel.
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die von ihm auf einem
Frühjahrsausfluge gewonnenen zoologischen Reiseeindrücke in Süd-
ungarn unter Vorlegung verschiedener Objecte.
Erläutert wird der Vortrag durch Projectionsbilder, unter denen Originalaufnahmen
von Seeadlerhorsten und ein Seeadlerflugbild hervorzuheben sind.
11. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 10. Januar 1901 (in Gemeinschaft mit der Section
für Zoologie). Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend
58 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende begrüsst die Versammlung im begonnenen neuen
Jahrhundert und hebt hervor, dass das für den heutigen Abend zum Doppel-
vortrag von botanischer und zoologischer Seite gewählte Thema dazu be-
stimmt sei, einen Rückblick auf eine der gewaltigsten Leistungen in der
letzten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts zu veranstalten und Umschau
zu halten, welchen Einfluss diese Leistungen auf die weitere Forschung
unserer Zeit zu nehmen haben.
Vor Beginn der Vorträge wird ein lebender Zweig von Pinus Pinaster
= P. maHtima mit Zapfen aus Südfrankreich vorgelegt;
5
ferner demonstrirt Institutsdirector A. Thümer sein grosses Mikro-
skop von Leitz in Wetzlar, dessen Vergleicli mit dem ähnlichen von
Seibert in Wetzlar gewünscht worden war.
Der Doppelvortrag über neuere Anschauungen auf dem Gebiete
derDescendenztheorie wird dann von Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude
und Prof. Dr. H. Nitsche in gegenseitiger Ergänzung gehalten, woran
sich ein lebhafter Meinungsaustausch im Anschluss an einige neuerdings
erschienene Bücher anknüpft.
Im botanischen Theil bespricht vom botanischen Standpunkte 0. Drude die von
Sachs aufgestellten „Architypen“ mit den von von Wettstein daran angeknüpften
Modificationen und sucht dieselben mit den von Koken („Die Vorwelt und ihre Ent-
wickelungsgeschichte“, 1893) ausgesprochenen Ideen über die sehr frühzeitige Trennung
der wesentlichsten Thiertypen in Einklang zu setzen.
Vom zoologischen Standpunkte unterzieht H. Nitsche Fleischmann’s Buch;
„Die Descendenztheorie“ einer eingehenden Kritik.
Zweite Sitzung am 7. März 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof.
Dr. 0. Drude. — Anwesend 32 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt an neuerer Litteratur vor:
Plowright, Oh.; A monograph of the British Uredineae and Ustilagineae.
London 1899;
Dalla Tor re und L. Graf von Sarntheim: Die Litteratur der Flora von
Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein. Innsbruck 1900;
Müller, K.; Genera muscorum frondosorum. Leipzig 1901;
Mac Millan, C.: Minnesota plant life. St. Paul, Minnesota 1899;
Wissenschaftliche Beiträge zum Gedächtniss der 100jährigen Wiederkehr
des Antritts von L. von Humboldt’s Reise nach Amerika am 5. Juni 1799.
Ges. für Erdkunde zu Berlin 1899.
Forstassessor R. Beck hält einen Vortrag über einige Parasiten
von forstlicher Bedeutung unter Vorlage natürlichen Demonstrations-
materials und entsprechender Abbildungen.
Vortragender bespricht unter Berücksichtigung der Lebensweise und der wirksamen
Gegenmittel von den Wurzelparasiten; Agaricus melleus und Trametes radiciperda,
von Stammparasiten: Trametes pini^ von Rindenparasiten : die krebserzeugenden Nectrien
und vor allem Peziza Willkommii^ den Lärchenkrebs, schliesslich von Nadelparasiten;
Hysterium Pinastri^ welches die Pilzschütte erzeugt.
Zu einer Aussprache regt eine Bemerkung des Prof. Dr. H. Nitsche
an, welcher eine eigene Erfahrung über das Leuchten der Hallimasch-
Mycelien mittheilt.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude berichtet über eine den Holzzuwachs
beim Lärchenkrebs betreffende Beobachtung Sorauer’s.
Prof. Dr. H. Nitsche macht auf die Schwierigkeit der Bekämpfung
des Schüttepilzes durch Bespritzung mit Bordelaiser Brühe aufmerksam,
welche bei grösseren Beständen in der Beschaffung des nöthigen Wassers
liegt.
Forstassessor R. Beck theilt die Beobachtungen Tuboeufs ‘mit, dass
das Bespritzen bei Sämlingen und einjährigen Pflanzen unwirksam ist.
Der Vorsitzende macht noch einige Mittheilungen über die K. K.
Zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien und ihre Wirksamkeit.
6
Dritte Sitzung am 2. Mai 1901 (im K. Botanisclien Garten). Vor-
sitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 27 Mitglieder.
Der Sitzung ist eine Monatsversammlung im botanischen Garten mit
Besichtigungen vorausgegangen.
Der Vorsitzende berichtet über seine Reise nach Wien zum Jubiläum
der K. K. Zoologisch-botanischen Gesellschaft, erzählt von der
liebenswürdigen Aufnahme, die er sowohl für seine Person wie als Vertreter
der ,,Isis“ daselbst gefunden und hofft, die botanische Section selbst einmal
dorthin zu floristischen Studien führen zu können (zu Pfingsten 1902).
Derselbe legt einen Aufruf zur Gründung einer internationalen
Botaniker-Vereinigung („Association internationale des botanistes“) vor,
wozu die Anregung von Genf ausgeht, und bespricht die darin hervor-
tretenden Tendenzen.
Gleichfalls bespricht er in herber Kritik als schlechtes Zeichen der
Zeit Dr. 0. Kuntze’s Eingabe an den preussischen Landtag zur Verhinder-
ung eines Staatszuschusses zu Engler’s „Pfianzenreich“, — eine Frucht der
durch die Nomenclatur-Streitigkeiten hervorgerufenen Zersetzung unter den
Botanikern.
Im Anschluss an die im Garten vorangegangenen Demonstrationen hält
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude einen Vortrag über die systematische
Morphologie der Gattungen Ahies, Picea, Larix und Pinus unter
vergleichender Heranziehung der verwandten Gattungen Cedrus, Pseudo-
tsuga und Tsuga.
Die Gesammtsumme der Arten dieser Gattungen betrug in Endlicher’s Synopsis
Coniferariim 112, jetzt etwa 125—130, von denen auf Europa 4 Tannen, 3 Fichten,
2 Lärchen, 11 Kiefern entfallen. (Ein Eingehen auf die Sectionen, endemischen Arten,
geographischen Areale als Fortsetzung des Vortrags ist für eine ähnliche Sitzung im
botanischen Garten für das Jahr 1902 beabsichtigt.)
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 17. Januar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 34 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. R. Nessig macht Mittheilung über eine neue Boh-
rung in der Dresdner Haide, welche Thonlager im Haidesand und das
alte Elbbett auf Plänerunterlage aufschloss. (Vergl. Abhandlung II.)
Prof. H. Engelhardt berichtet über die geologische Beschaffen-
heit und Erforschung Bosniens.
Oberlehrer Dr. P. Wagner hält einen Vortrag über das Central-
Plateau in Frankreich unter Vorlage von Karten und zahlreichen
Photographien.
Zweite Sitzung am 14. März 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
ke wsky. — Anwesend 40 Mitglieder.
^ Der Vorsitzende legt einige neu erworbene Mineralien und neue
Litteratur vor.
7
Dr. W. Petrascheck hält einen Vortrag über die Ammoniten der
sächsischen Kreide unter Vorlage der neu bestimmten Arten.
Prof. Dr. AV. Bergt legt Lausitzer Diabas mit Kantengeröllen
vor (vergl. Abhandl. der Isis 1900, Heft 2, S. 111) und
spricht dann über die Erzlagerstätten bei Freiberg in Sachsen.
Prof. Dr. E. Kalkowsky legt vor und bespricht R. Beck: Die Lehre
von den Erzlagerstätten. Berlin 1901.
Dritte Sitzung am 9. Mai 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Bergt.
— Anwesend 29 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt neue Litteratur vor und hält einen Vortrag
über die Erzgänge von Freiberg.
Oberlehrer H. Döring macht Mittheilung über Strudellöcher im
Elbbett und über geschrammte Greschiebe im Gescbiebelebm von
Zschertnitz.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 7. Februar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 20 Mitglieder.
Prof. H. Engelhardt bringt Nachbildungen mehrerer Runensteine
von der Insel Bornholm zur Ansicht und erläutert deren Inschriften.
Oberlehrer H. Döring berichtet über einen Besuch des Burgwalls
von Schlieben und des zwischen Cosilenzien, Cröbeln und Oschätzchen
gelegenen Rundwalls.
Lehrer H. Ludwig legt einen zwischen Nickern und Sobrigau
gefundenen Mahlstein aus Quarzporphyr, mehrere Gefässe aus den
ürnenfeldern bei Kauscha und Kleinzschachwitz und ein in der
Elbe bei Laubegast aufgefundenes Flachbeilchen aus Hornblende-
schiefer vor.
Prof. Dr. J. Deichmüller spricht über die von ihm mit Pastor Rin-
hardt in Bucha im Herbst 1900 untersuchten Hügelgräber im Lamperts-
walder Rittergutsforst nördlich von Bucha in Sachsen.
Die in den Grabhügeln aufgefundenen Thongefässe, darunter nicht selten Buckel-
gefässe verschiedener Form, beweisen, dass diese Hügelgräber derselben Zeit angehören
wie die Urnenfelder vom älteren Lausitzer Typus. Zur Vorlage kommen auch photo-
graphische Aufnahmen der Hügelgräber-Gruppe und einzelner besser erhaltener Grab-
hügel.
Zum Schluss macht Derselbe noch aufmerksam auf einige ausgestellte
Fundstücke: den Abguss einer eisernen Axt mit Silbertauschirung
von Guben in der Niederlausitz, einen Bronzedolch aus der Luppe-
aue bei Grossdölzig westlich von Leipzig und einen prachtvollen, 32 cm
langen Bronzedolch aus dem Lehmlager der Nötzold’schen Dampfziegelei
8
in Briessnitz bei Dresden, welcher von Herrn M. Nötzold nebst einem
daselbst bereits vor mehreren Jahren gefundenen Flachcelt aus Bronze
der K. Prähistorischen Sammlung in Dresden als Geschenk überwiesen
worden ist.
Zweite Sitzung am 18. April 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 35 Mitglieder und 3 Gäste.
Der Vorsitzende bespricht folgende neuerschienene Schriften:
Beltz, E.; Neue steinzeitliclie Funde in Mecklenburg. Jahrbuch, des Vereins
für mecklenburg. Geschichte LXVI, S. 115 u. f. ;
Götze, A.: Beiträge zur Kenntniss der neolithischen Keramik. Zeitschrift
für Ethnologie und Verhandl. d. Berliner Ges. lür Anthropologie 1900;
Keinecke, P.: Zur jüngeren Steinzeit in West- und Süddeutschland. West-
deutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst XIX, Heft III.
Derselbe berichtet weiter über neue Funde auf dem Urnenfelde
vom älteren Lausitzer Typus in Blasewitz, Emser-Allee No. 9, und
legt vor ein im Lehm der Nötzold’schen Dampfziegelei in Briessnitz
gefundenes Steinbeil, einen Steinhammer aus dem Garten des Stadt-
guts in Lommatzsch und zwei Steinbeile aus dem Aulehm der
J. A. Rose’schen Ziegelei nordwestlich von Borna.
Finanz- und Baurath H. Wiechel hält einen Vortrag über die ältesten
Wege in Sachsen und ihre Beziehung zur ältesten Geschichte
und zu prähistorischen Fundstätten. (Vergl. Abhandlung IV.)
Excursion. Am 15. Juni 1901 besuchten 12 Mitglieder die auf dem
linken Elbufer unterhalb Meissen, Diesbar gegenüber gelegene Göhrisch-
schanze.
Die hohe Umwallung ist auf der Nord- und Nordwestseite des Göhrischfelsens noch
wohlerhalten; zahlreiche in dem vom Wall umschlossenen Kessel gesammelte Geiäss-
scherben und eine bereits in früherer Zeit daselbst gefundene Lanzenspitze aus Bronze
weisen darauf hin, dass die Anlage der ümwallung bereits in vorslavischer Zeit er-
folgt ist.
V. Section für Physik und Chemie.
Erste Sitzung am 24. Januar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. B. Frei-
herr von Walther. — Anwesend 50 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. A. Schlossmann hält einen Vortrag über die Be-
deutung des Phosphors in der belebten Natur und erläutert seine
Ausführungen durch Versuche.
Zweite Sitzung am 21. März 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Frei-
herr von Walther. — Anwesend 38 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. von Walther spricht über Reductionen mit Hülfe
von Metallen und über die Aluminothermie und erläutert seine
Ausführungen durch zahlreiche Versuche.
9
Vortragender bespricht zunächst die Reductions weisen und Reductionsmittel für
Metalle und geht dann ausführlicher ein auf Versuche, die schon aus den Zeiten Berzelius’
und Wöhler’s stammen, aber erst durch Clemens Winkler eine rationelle Untersuchung
gefunden haben, nämlich aus Metalloxydverbindungen und einem zweiten Metall das erste
zu verdrängen und zu isoliren. Dieser Vorgang ist wesentlich begründet in der Differenz
der Wärmetönungen der betreffenden Metalle. So ist es beispielsweise möglich, Natrium,
Kalium, Calcium, Rubidium, Chrom, Cer (ebenso wie die Metalloide Kohlenstoff, Silicium) etc.
aus ihren Oxyden durch Erhitzen mit Magnesium zu gewinnen. Noch energischer wie
Magnesium wirkt Aluminium, welches den Vortheil grösserer Billigkeit hat. Letzteres
wird nach dem Vorschläge von Dr. (doldschmidt- Essen gegenwärtig zu den sogenannten
aluminothermischen Processen benutzt.
Vortragender bespricht des Weiteren die Anwendungsformen des „Thermit“ (einer
Mischung von Eisenoxyd und Aluminiumpulver) und das mit dieser Mischung durch-
geführte neue (doldschmidt’sche Schweiss- und Giessverfahren.
Excursion. An Stelle der dritten Sitzung fand am 6. Juni 1901
eine Excursion unter Führung von Prof. Dr. R. von Walther nach der
neuen Nährmittelfabrik von Dr.V. Klopfer in Leubnitz-Neuostra
statt, deren moderne Einrichtung den zahlreich erschienenen Theilnehmern
von dem Besitzer selbst in der zuvorkommendsten Weise erläutert wurde.
Vl. Section für Mathematik.
Erste Sitzung am 14. Februar 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 8 Mitglieder.
Prof. Dr. R. Heger spricht über Parabel und Ellipse.
Der Vortragende entwickelt Methoden, um ohne analytisch-geometrische Hülfsmittel
die Krümmung von Kegelschnitten, speciell die Krümmung der Parabel und der Ellipse
zu untersuchen. Dabei wird jedesmal zuerst der besondere Fall der Krümmung im
Scheitel, resp. in den Scheiteln, erledigt und nachher die Krümmung in einem beliebigen
Punkte der betreffenden Curve besprochen. Ausserdem wei'den einige Anwendungen
der gefundenen Resultate gegeben, u. a. eine auf Benutzung mehrerer Krümmungskreise
beruhende N äherungsconstruction der Ellipse.
An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion.
Zweite Sitzung am 18. April 1901. — Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 14 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über Charles Hermite.
(Vergl. Abhandlung I.)
Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über die Schmiegungsparabeln
der Ellipse.
Als_ Schmiegungsparabel einer gegebenen Ellipse ist eine Parabel zu bezeichnen,
sobald die vier gemeinschaftlichen Punkte der beiden Kegelschnitte zusammenfallen.
Redner zeigt, wie eine_ Reihe von Aufgaben, zu denen die Schmiegungsparabeln einer
Ellipse Anlass geben, in einfachster Weise gelöst werden können; und zwar dient als
Ausgangspunkt der Betrachtungen die Thatsache, dass die gegebene Ellipse und eine
beliebige Schmiegungsparabel derselben durch eine geeignete Parallelprojection stets
übergeführt werden können in einen Kreis und eine Parabel, welche von dem letzteren
in ihrem Scheitel osculirt wird.
10
Dritte Sitzung am 13. Juni 1901 — Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 11 Mitglieder und Gäste.
Dr. E. Naetsch spricht über ein in der Vector- Analysis auf-
tretendes System partieller Differentialgleichungen 1. Ordnung.
Nach einigen kurzen Bemerkungen über Entstehung und Grundlagen der Vector-
Analysis, insbesondere über die Begriffe Vector, Divergenz und Curl, bespricht Vor-
tragender die Aufgabe, einen Vector 58 zu ermitteln, dessen Curl ein gegebener Vector
(S sein soll; dieselbe ist identisch mit dem Problem, drei Functionen X, Y, Z der drei
Veränderlichen x, z zu finden, welche mit drei gegebenen Functionen P, Q, R dieser
drei Veränderlichen durch die Gleichungen
Zy Yz = P, Xz Zx — Q, Yx Xy = R
Zusammenhängen. Es wird auseinandergesetzt, dass man dieses Problem vollständig
erledigen kann, ohne von der Theorie der partiellen Differentialgleichungen II. Ordnung
Gebrauch zu machen; nur der Lehre vom Jacobi’schen Multiplicator und der Theorie
des Pfaff sehen Problems hat man je einen Satz zu entlehnen.
Hierauf .bespricht Prof. Dr. Ph. Weinmeister die Ankreis-Mittel-
punkte der Dreiecke, die denselben Umkreis und Inkreis haben.
Jene Punkte gehören einem dritten Kreise an, dessen Durchmesser noch einmal
so gross als der des Umkreises ist und der ausserdem mit dem Umkreis den Inkreis-
Mittelpunkt zum äusseren Aehnlichkeitspunkt hat.
VII. Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 31. Januar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr.
Foerster. — Anwesend 88 Mitglieder und Gäste.
Prof. H. Engelhardt legt eine Sammlung getrockneter wildwachsender
Pflanzen und eine grössere, aus einer Sequoia geschnittene Platte aus
Californien vor.
Prof. Dr. Fr. Foerster spricht über elektrische Oefen.
Der Vortragende schildert die wesentlichen Ergebnisse, welche Moissan mit Hülfe
der hohen Temperaturen des elektrischen Ofens erzielt hat. Er verweilt dabei besonders
bei den Versuchen über die künstliche Darstellung des Diamanten und bei den von
Moissan besonders eingehend bearbeiteten neuen und eigenartigen Kohlenstoffverbindungen
der Elemente. Von diesen werden besonders die technisch wichtigen, das Calciumcarbid
und das Siliciumcarbid (Carborundum) ausführlicher behandelt und dabei das technische
Arbeiten mit dem elektrischen Ofen näher beschrieben und an kleinen Modellen vor-
geführt. Zum Schluss wird die Frage nach der billigsten Gewinnung elektrischer Energie
erörtert und der grosse Einfluss dargelegt, den das Vorhandensein grosser geeigneter
Wasserkräfte auf die Centralisation und die Ausbildung gewisser Theile der elektro-
chemischen Technik in den Alpen ausgeübt hat.
Zweite Sitzung am 28. Februar 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr.
Foerster. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste.
Prof. H. Engelhardt erstattet Bericht über den Kassenabschluss
der Gesellschaft vom Jahre 1900 (vergl. S. 13) und legt den Voranschlag
für 1901 vor, welcher genehmigt wird.
Als Rechnungsrevisoren werden Bankier A. Kuntze und Architect
R. Günther gewählt.
11
Hieran schliessen sich die von Prof. Dr. Fr. Fo erster angekiindigten
Demonstrationen.
Es werden zunächst Exemplare der auf der Pariser Ausstellung von Chenal,
Douillet & Co. ausgestellten, sehr sorgfältig gereinigten Salze des Neodyms und Prase-
odyms, sowie des G-adoliniums und Samariums vorgelegt. Die Salze der beiden ersteren
Metalle zeigen ähnliche complementäre Färbungen wie die von Kobalt und Nickel.
In zweiter Linie gelangen Aluminiumstücke zur Vorlage, welche die Verwendung
dieses Metalles zu elektrischen Leitungen illustriren, sowie eine Sammlung, welche die
mannigfache Verwendbarkeit des Magnaliums darthut.
An dritter Stelle wird eine grössere Sammlung von mit Glanzgold, Glanzplatin
und ähnlichen Edelmetallen überzogenen Porzellan- und Glasgegenständen besprochen,
und dabei insbesondere die durch Glanzmetalle beim Aufträgen in verschieden dicker
Schicht hervorgerufene Aenderung der Färbungen hervorgehoben. Die Sammlung zeigt
stetige Uebergänge von den Färbungen der reinen Metalle zu denen, mit welchen die
Metalle Glasflüsse färben, und deren Uebereinstimmung mit den Farben der colloidalen
Metalllösungen durch Versuche nachgewiesen wird.
Dritte Sitzung am 28. März 1901. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr. Fo er st er.
— Anwesend 79 Mitglieder und Gäste.
Prof. H. Engelhardt theilt mit, dass die Rechnungsrevisoren den
Kassenabschluss für 1900 geprüft und richtig befunden haben. Der
Kassirer wird hierauf entlastet.
Sodann wird beschlossen, die Sectionssitzungen wie die Haupt-
versammlungen in Zukunft pünktlich um 8 Uhr beginnen zu lassen.
Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel hält dann einen Vortrag über
das Vorkommen des Schwefels in der Natur.
Vierte Sitzung am 25. April 1901. Vorsitzender: Prof. H. Engel-
hardt. — Anwesend 30 Mitglieder.
Der Vorsitzende widmet dem am 7. April 1901 verstorbenen lang-
jährigen zweiten Vorsitzenden der Gesellschaft Dr. Fr. Raspe einen
ehrenden Nachruf.
Privatdocent Dr. C. Wolf spricht über Infectionskrankheiten und
über die Art der üebertragung derselben auf den menschlichen
Körper.
An verschiedenen Karten wird gezeigt, wie sich Infectionskrankheiten über die
Erde und in einzelnen Städten verbreiten, an tabellarischen Zusammenstellungen die
Sterblichkeit an Lungenschwindsucht in Städten von mehr als 500000 Einwohnern, nach
Altersklassen und Geschlechtern geordnet, die Abnahme der Sterblichkeit an Tuberkulose
in verschiedenen deutschen Staaten im Vergleich zu Oesterreich -Ungarn und die Zu-
nahme der Tuberkulose an Rindern und Schweinen.
Privatus C. Schiller zeigt lebende Exemplare von Apus pro-
ductus L. aus Wiesengräben in der Nähe des Grossen Gartens in Dresden.
An Stelle des verstorbenen Dr. Fr. Raspe wird als Mitglied des Ver-
waltungsrathes Prof. Dr. F. G. Helm gewählt.
Excursionen. Am 16. Mai 1901 vereinigten sich 14 Mitglieder zu
einem Ausfluge nach Waldheim, um die Granulite mit den sie durch-
12
setzenden Granitgängen und die Serpentine der dortigen Gegend zu be-
sichtigen. Der Weg wurde von Waldheim durch das Zschopauthal bis
Kriebstein -Ehrenberg und zurück über die goldene Höhe nach Waldheim
genommen. —
Am 27. Juni 1901 besichtigten 46 Mitglieder und Gäste das K. Fern-
heiz- und Elektricitätswerk in Dresden.
Gell. Baiirath J. E. Temper erläuterte an der Hand von Plänen in längerem Vor-
trage die Grundgedanken, welche zur Errichtung des Fernheizwerkes geführt hatten
und hei seiner Erbauung verfolgt wurden. Alsdann fand ein Pundgang durch die Kessel-
und Maschinenräume des Fernheizwerkes und der damit verbundenen elektrischen Licht-
station statt, an welchen sich eine ausgedehnte Wanderung durch den die Eerndampf-
leitung und die elektrischen Lichtleitungen einschliesseuden unterirdischen Kanal an-
schloss.
Yeränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 21. Januar 1901 starb Bankbeamter Paul Stopp in Dresden,
wirkliches Mitglied seit 1895.
Am 7. April 1901 verschied in Dresden Chemiker Dr. Friedrich Haspe,
wirkliches Mitglied seit 1880.
Nekrolog s. am Anfänge dieses Heftes.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Denso, Paul, Dr., Ingenieur in Dresden,
Pfitzner, Paul, Dr. phih, Gymnasiallehrer in Dresden
Schnuse, Wilh., Privatus in Dresden, am 28. Februar 1901;
Schwede, Hud., Chemiker in Dresden, am 31. Januar 1901.
am 27. Juni 1901;
In die wirklichen Mitglieder sind übergetreten:
Lohrmann, Ernst, Dr. phil., Healschullehrer in Dresden;
Richter, Conrad, Realgymnasialoberlehrer in Dresden.
Kassenabschluss der Gesellschaft ISIS vom Jahre 1900.
Position. Einnalmie, Position. Ausgabe.
13
^<35(X)OOr^^OOd^O
O O rt^
C52
’ScO<35C005fli— ICOCP
CO O 1— <
O
^ «X 1—1 02 <02 CO i—<
02 00
O
1-^ 1—1
^ o CO I ic o --H I
PL, lO CO I 05 05 lO CO I
05
'S -
Ö
S ö
C <D
^ O,
2 «2 CÖ ö
.fl 05
O fH S fH
ö 05 .S fl
OP ^ fl o
=Q ö
2
Ö c so
§Sji ö
•S £
OP CD ^ ;ü
WMQW
• so •
so
. • rH ,
lO ^
O 05 .
05 bß
"I •
05
■
cö
1-5 ?H •
05
d fO .
S ^
fO m
N ^05 .
CO ^
fl .
:d
t|-
Stil
s: ^
GO
05:;
CO
"d
,s t: s "1
CO d 05 o ^
f-t Pnr^ fl d
<15 7/5 05 >-2
02 t> d
ö fH <15
<15 <15 CO
rS g CO M
o <X> CÜ
PMfflP p^M
’— (OiCOTj<lO<X)?>00 05 Or-I
+: X 1 1 fl 02
P 02 1 1 J> <05
16
05
O
KH 05 <X <X 05 CO
05
02
'S rH X 3> 02
d
O
^ 00 X 1— 1
fl
O
d 02
d
OOOOOOOOi-^iC
CQi>>OiO'ctSOJ^C5iCO
iOOOi
rHOJ CO C30r-tT— <X)Ttl?5-
OOi>OOfliOiOOOiC
fl t-H CO 1—1 rH
MM
<15
s
fl
o
CO
CD
O CP
CO I 05 o
PC I 'Ct< i-H 05
.iilr-<OflOO?>i— lOOOiP-
JsOOOi— <1— lr-<02
Sa ^
<D
2 so
P OP
05
^ <d
:d CO
h fl
Jo <C5
, <D d
> CQ s-i
H~» pO (15
d fl cq d
d 05 ^
g 02
g 9
ce ^
s-'S.Ö
ce 05-^,
Qß bß
g s=i
P d
d
i
.. g
ö ^
^ (D
CD M
CO o
.2<1
CS3
.1—1 pp CO CO
d d 05
pH C+^ P
05 fl d fl
g-^ g ^
fl PLh
O <D d
wOd5 g
006T ‘IIX ’TS raoA
sjn-ji map qo'BM
d
N
bßrd
§1
s p ' w • ■
05 -4-3
CO CO
rö CO pH CD
ce ce >■
d
i §
CZ _o
^ d
: nP
d
bß
fl
d
ce
?q
^ "d
ce P
bß. . . -
2 d CO CO
d pd'
P-iOlly
a • 3 S M
rrt S -M ö
d '-+3 .2 fen^ .Jll p 02
c3 M q-i 2. -P i d
05 ^ - c:3 n, . -,
LP U3 . pH '-'3 -u ■ ^ —
P P d d O rO P
opPdcodäoPr'spH
^ s g ^p bß V g
COflröfl-L=fl PH CO CO
dOOCDd^ 'd*'~^05
M<iPQci50t>'i^MPH
ößbß
P d
P §
CO s— I -4_J -p—
2+3 g g „
Ö ö 0^ -i_3 o
g 05 .Jh CcSflifl 2<<D
02 CO fl iX»
Dresden, am 27. Februar 1901. Hofbuchhändler G. Lehmann, z. Z. Kassirer der Isis.
s
i
Sitzungsberichte
der
N aturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1901.
I. Section für Zoologie.
Yierte Sitzung am 5. December 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 49 Mitglieder und Gäste.
Director Th. Reihisch demonstrirt mit kurzen Erläuterungen zwei
Missbildungen, das Gehörn einer vierhörnigen Ziege und das Rumpf-
und Extremitätenskelett eines dreibeinigen Huhnes.
In der sich anschliessenden Besprechung, an welcher sich Geh. Hof-
rath Prof. Dr. 0. Drude und Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel be-
theiligen, weist der Vorsitzende darauf hin, dass hei dem Huhne offenbar
ein Fall von unvollkommener Doppelmissbildung vorliege, und erläutert
die Entstehung solcher Doppelbildungen an einigen anderen Beispielen.
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche bespricht alsdann in längerem,
durch Tafeln und Präparate erläutertem Vortrage die zoologischen
Seiten der Malaria-Frage unter Hinweis auf eine Reihe ähnlicher
Krankheiten, welche gleichfalls auf durch Arthropodenstiche verursachter
Infection mit krankheitserregenden Protozoen beruhen.
Es werden von letzteren besonders besprochen die Tsetsefliegen -Seuche der süd-
afrikanischen und das Texasfieber der amerikanischen Rinder. Der Vortragende knüpft
seine Darlegungen an das neuerschienene Werk von F. Doflein: Die Protozoen als
Parasiten und Krankheitserreger. Jena 1901.
Ausserdem gelangt zur Vorlage A. Labbe: Sporozoa. 5. Lief, von: Das Thierreich.
Eine Zusammenstellung und Kennzeichnung der recenten Thierformen, herausgegeben
von der deutschen zoologischen Gesellschaft. Berlin 1899.
An der folgenden Discussion betheiligen sich Geh. Hofrath Prof.
Dr. 0. Drude, Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel, Medicinalrath Dr.
W. Hesse, Dr. A. Schlossmann und Dr. A. Stübel.
II. Section für Botanik.
Vierte Sitzung am 3. October 1901 (im K. Botanischen Garten).
Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 18 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude bespricht einige physiologische
Cultur versuche mit Vorführung der betreffenden Pflanzen.
1. Maispflanzen auf Wasser cultivirt und mittelst Nährstofflösung bis zur Er-
zeugung von Kolben gebracht.
18
2. Kürbispflaiizen iii gewöhnlicher aber sehr nährstoifarmer Erde, welcher ein dem
normalen Nährstoff bedürfnisse entsprechendes Nährsalzgemenge, aber z. Th. ohne das
nothwendige Stickstoffsalz, zugesetzt wurde, zur Demonstration der Wichtigkeit dieses
Nährstoffes. Pflanzen ohne jede Nährsalzzusätze werden nicht schlechter als die letzteren.
Früchte lagen ebenfalls vor,
3. Erbsen, in derselben Weise behandelt wie die Kürbispflanzen, zeigten ein
anderes Verhalten als diese; das Fehlen einer Stickstoffgabe beeinträchtigt ihre Ent-
wickelung nicht, da sie sich durch Symbiose mit Wurzelbakterien den Stickstoff' der
Luft nutzbar machen.
Derselbe berichtet ferner über Aussaat-Ergebnisse von Samen
einer gelben Reineclaudensorte, welche blaufrüchtige Bäume er-
gab, und
legt zur Warnung vor einem gegen Hasenfrass empfohlenen
Anstrichmittel ,,Antilepin“ gespaltene Stammstücke eines Pflaumen-
baumes vor, dessen in diesem Jahre zu bildender Jahresring an den be-
strichenen Stellen zerstört bez. nicht zur Entwickelung gekommen war,
was den Tod des Baumes im Sommer herbeiführte. Apfel- und Birnbäume
hatten nicht in demselben Masse gelitten.
Dr. B. Schorler spricht über bryogeographische Forschungen
von A. Geheeb (früher in Geisa, jetzt in Freiburg i. B.), welche die Be-
deutung der Moosflora der Rhön in pflanzengeographischer Hinsicht be-
sonders an dem reizend geschriebenen Aufsatz über ,,die Milseburg“ in
das rechte Licht setzen.
Der Vorsitzende erläutert die Topographie der Rhön an einer
von ihm im Sommer aufgenommenen Skizze für die Vertheilung der Vege-
tationsformationen in der Rhön.
Zur Vorlage gelangen noch:
Dennert, E.: Die Wahrheit über Ernst Häckel und seine Welträthsel.
Halle 1901;
Nippold, Fr.: Kollegiales Sendschreiben an Ernst Häckel. Berlin 1901.
Die Nothwendigkeit, sich mit dem Inhalt der „Welträthsel“ Häckel’s
selbst bekannt zu machen, wird betont.
Fünfte Sitzung am 10. October 1901 (Floristenabend). Vorsitzender:
Prof. K. Wobst. — Anwesend 27 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude legt vor und bespricht Euphrasia
minima Jacqu.
Diese alpine Form wurde von Dr. F. Naumann- Hera in diesem Jahre bei ge-
nannter Stadt gesammelt und dem Herb. Flor. Saxonica übermittelt. Im Anschluss
daran erläutert Vortragender eingehend die Arten genannter Gattung, ganz besonders
den Euphrasia Typus.
Derselbe spricht weiter über die interessante Hügelflora der
Basalte des Lausitzer Hügellandes und legt zahlreiche Formen aus
genanntem Gebiete im Bereich des „Bernstädter Hügellandes“ zwischen
Löbau und Zittau vor.
Privatus F. Fritzsche bringt zur Vorlage eine Anzahl neuer Funde
des Elbhügellandes zwischen Dresden und Meissen.
19
Prof. K. Wobst berichtet über zwei neue Funde ausserhalb
Sachsens.
1. Medicago arabica All. {M. maculata Wils.) mit Wollstaub, welcher als Dünger
verwandt wurde, bei Heinersdorf, Kreis Lebus, 1901 eingesclileppt;
2, Cirsium olerarium x arvense. Ein einziges Exemplar zwischen zahlreichen
Stammformen genannten Bastards Juli 1900 bei Bad Salzungen in Thüringen gesammelt.
Assistent Dr. A, Naumann hält einen Vortrag über die bota-
nischen Ergebnisse seiner Reise nach Siebenbürgen, mit Zu-
grundeleguDg zahlreicher von ihm gesammelter Pflanzen, welche nach
Formationen auf grossen Papptafeln zusammengestellt waren.
Im Anschluss daran schildert Lehrer R. Missbach seine Beobachtungen
über die Bestände von Bhododendron myrtifolium im genannten
Gebiete.
Dr. A. Naumann giebt noch Auskunft über das Vorkommen von
Tanne, Zirbelkiefer und Lärche in Siebenbürgen.
Sechste Sitzung am 21. NoYemher 1901 (in Gemeinschaft mit der
Section für Zoologie). Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. —
Anwesend 40 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. 0. Schneider zeigt mehrere lebende Exemplare von
Euscorpius italiais und eine reiche Sammlung z. Th. in Spiritus, z. Th.
trocken conservirter Skorpione aus allen Welttheilen.
Er bespricht deren Lebensweise in Freiheit und Gefangenschaft. Selbstmord des
Skorpions in der Gefangenschaft ist von zuverlässigen Beobachtern noch niemals be-
richtet worden.
Dr. G, Worgitzky legt sein Buch über „Blüthengeheimnisse“
(erschienen bei Teubner in Leipzig) vor und macht in seinem Vortrage
über die Entwickelung dieser Kenntnisse besonders auf die neueren
Knuth’schen Arbeiten aufmerksam.
Der Vorsitzende betont die hohe Bedeutung des vom Vortragenden
erwählten Themas für die heutige Biologie, sowohl nach der Seite
der floristischen Landesforschung als nach der des naturkundlichen Unter-
richts, und hebt das Bedürfniss hervor, dass ein ausgezeichneter und
kritischer Bearbeiter der zahlreich sich findenden Einzelheiten auch für
die Zwecke unserer Arbeitstheilung in der Isis erstehe, welche Lücke der
Vortragende ausfüllen möge.
Dr. A. Naumann zeigt Wandtafeln, welche er für den bota-
nischen Unterricht in der hiesigen Gartenbauschule angefertigt hat,
die wie das vorerwähnte Buch die Blüthenformen und ihre Anpassung
für eine durch Insecten herbeizuführende Fremdbestäubung demonstriren.
Institutsdirector A. Thümer schildert von einer Reise durch England
die Flora gewisser als „Commons“ (Gemeingut) bezeichneter Landstriche,
welche, da sie nicht irgendwie in Benutzung genommen werden dürfen,
die ursprüngliche Pflanzendecke bewahren.
Ein Hauptrepräsentant der dortigen Flora, TJlex nanus^ lag im Herbarexemplar vor.
20
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Tierte Sitzung am 17. Octolber 1901. Vorsitzender : Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende legt neue Litteratur vor.
Prof. Dr. W. Bergt referirt über die Arbeit von J. T, Sterzei: Gruppe
verkieselter Araucariten- Stämme. Chemnitz 1900, und über die Unter-
suchungen von F. E. Suess über den Moldavit.
Derselbe spricht ferner über Kugelgranite unter Vorlage von
Stufen aus Dr. A. Stübel’s Sammlung.
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag über den Schlamm-
vulkan von Modena, den Flysch in Ligurien und den angeblich
eruptiven Gneiss des Erzgebirges.
Fünfte Sitzung am 12. December 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
E. Kalkowsky. — Anwesend 35 Mitglieder.
Der Vorsitzende führt eine Reaction aus, durch die es möglich ist,
künstlich mit Schwefelsäure gebleichte Werkstücke von Granit als solche
zu erkennen, ohne sie zerschlagen zu müssen.
Dr. L. Kruft hält einen Vortrag über die Phosphoritknollen im
vogtländischen Silur und ihre organischen Einschlüsse.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Dritte Sitzung am 14. November 1901. Vorsitzender Prof. Dr.
J. Deichmüller. — Anwesend 24 Mitglieder.
Prof. Dr. J. Deichmüller spricht über die von ihm im Sommer d. J.
im Aufträge des K. Sächs. Ministeriums des Innern begonnene Inven-
tarisirung der vorgeschichtlichen Alterthümer des Königreichs
Sachsen und über deren bisherige Ergebnisse.
Oberlehrer H. Döring legt bearbeitete Feuersteine und Gefäss-
scherben mit Bandverzierung aus einer Sandgrube bei Merschwitz vor
und bespricht Gefässreste und Thierknochen, u. a. drei linke Unter-
kieferhälften vom Biber, aus einer slavischen Siedelung östlich vom
Burg wall bei Leckwitz, germanische und slavische Scherben vom
Burgberg bei Zehren und ein ziemlich vollständig erhaltenes Gefäss
von der Heidenschanze bei Koschütz, welches keine Spur der An-
wendung der Drehscheibe erkennen lässt und doch einen sogenannten
Bodenstempel, eine Töpfermarke zeigt.
Lehrer J. A. Jentsch macht auf den Fund eines slavischen*^, Ge-
fässes mit Leichenbrand von Lössnig bei Strehla a. E. aufmerksam,
welches in den Verhandl. d. Berl. Ges. f. Anthropologie 1901, S. 39, be-
schrieben ist.
21
Lehrer H. Ludwig legt Gefässscherben vor, die aus einer Herd-
stelle in der Nähe der Windmühle von Niedersedlitz stammen
und die solchen aus Gräberfeldern vom Lausitzer Typus ähnlich sind,
ferner aus Herdstellen in der Nähe des Gräberfeldes der La Tene-Zeit
bei Kauscha ein Flachbeil aus Gneiss, ein sogenanntes Webstuhl-
gewicht und Gefässscherben, aus dem Gräberfelde von Kauscha
selbst die Bruchstücke einer Thonschale und einen Eisenring, einen
zwischen Niedersedlitz und Lockwitz gefundenen Klopfstein, ein
in der Elbe bei Riesa gefundenes Steinbeil aus Amphibolit, Reste
grösserer, dickwandiger Gefässe vom Kuhhübel bei Sörnewitz und eine
geschnittene, an einer Seite doppelt durchlochte Knochenplatte von
der Heidenschanze bei Koschütz.
Prof. Dr. J. Deichmüller bringt aus den neueren Erwerbungen der
K. Prähistorischen Sammlung in Dresden mehrere Beile aus Amphibolit
zur Vorlage, welche in der Umgebung von Nünchritz, auf der Ritter-
gutsflur Riesa und beim Kirchenbau in Zeithain aufgefunden worden
sind, weiter eine sauber gearbeitete Pfeilspitze aus weissem Feuerstein
von Roda bei Grossenhain, ein beim Abteufen eines Brunnens in der Brauerei
Chrieschwitz bei Plauen i. V. gefundenes Amphibolitbeil, einen aus
neun Gegenständen bestehenden jüngeren Bronzedepotfund von Lausa
bei Dresden und verschiedene Beigaben aus Skelettgräbern der Völker-
wanderungszeit bei Werningshausen im Herzogthum Sachsen-Co-
burg-Gotha.
Derselbe macht zum Schluss noch aufmerksam auf einen roh be-
arbeiteten Hammer aus Gneiss mit angefangener Bohrung von Lockwitz
und auf einen Hammer aus Diabas von Naundorf bei Ortrand,
dessen Form auf nordische Herkunft schliessen lässt.
V. Section für Physik und Chemie.
Dritte Sitzung am 7. November 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Freiherr von Walther. — Anwesend 101 Mitglieder und Gäste.
Prof. W. Kühler hält einen Experimentalvortrag über die gebräuch-
lichen Methoden der drahtlosen Telegraphie.
VI. Section für Mathematik.
Vierte Sitzung am 10. October 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 9 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über die Strophoide (Que-
telet’sche Fokale) in synthetischer Behandlung.
Vortragender hebt einleitend hervor, dass bei einer Reihe von ebenen Curven, die
in_ der Regel nach den Methoden der analytischen Geometrie behandelt werden , zahl-
reiche Eigenschaften auch in leichter und eleganter Weise auf elementarem, synthetischem
22
Wege gefuudeu werden können, sobald ein genügend einfaches Entstehnngsgesetz der
betreffenden Cnrve vorliegt. Ein ausgezeichnetes Beispiel hierfür bietet die Strophoide,
über deren Geschichte und Litteratur der Redner eine Reihe von Mittheilungen macht.
Als Ausgangspunkt für die synthetische Behandlung der Strophoide dient ein
Entstehungsgesetz, bei welchem ein fester Punkt F — „Brennpunkt“ — , eine feste
Gerade — „Leitlinie“ — und ein auf der letzteren gelegener zweiter fester Punkt 0
vorausgesetzt werden ; wenn dann ein beliebiger Punkt Q, der Leitlinie mit F durch eine
Gerade verbunden und auf letzterer ein Punkt P so bestimmt wird, dass PQ = OQ, ist,
so gehöi’t P der Strophoide an. Aus dieser Entstehungsart wird ohne Schwierigkeit
eine zweite hergeleitet, bei welcher die Strophoide als geometrischer Ort für den
Scheitel eines veränderlichen Winkels erscheint, dessen Halbirungslinie und dessen einer
Schenkel durch je einen festen Punkt gehen, während der andere Schenkel einer festen
Richtung parallel ist. Auch wenn drei feste Punkte A, B, C gegeben sind, und nun-
mehr Winkel construirt werden, deren beide Schenkel bez. durch A und durch B gehen,
während die Halbirungslinien durch C verlaufen, erhält man als geometrischen Ort für
die Scheitel eine Strophoide. Aus den Entstehungsgesetzen leitet Redner eine Reihe
von Eigenschaften der Strophoide ab, welche sich auf den Doppelpunkt und die zuge-
hörigen Tangenten, die Asymptote, den Wendepunkt u. a. beziehen; auch der besondere
Fall der sogenannten geraden Strophoide, bei welcher OF senkrecht zur Leitlinie ist,
wird in Betracht gezogen. Eingehende Behandlung finden sodann die zahlreichen und
interessanten Beziehungen zu den Kegelschnitten, mit denen die Strophoide auf mannig-
fache Weise in Zusammenhang gebracht werden kann. Eine besondere Beleuchtung
erfährt die Rolle, welche die Strophoide als Quetelet’sche Fokale spielt: Wenn E irgend
eine die Achse eines gegebenen Rotationskegels enthaltende Ebene, t eine zu E senk-
rechte Tangente dieses Kegels ist , und nunmehr durch t beliebige Ebenen gelegt werden,
so ist der Ort der Brennpunkte der entstehenden Kegelschnitte eine in E gelegene
Strophoide, welche als Quetelet’sche Fokale bezeichnet wird; ihr Brennpunkt ist der
Spurpunkt der Geraden t auf der Ebene E.
Fünfte Sitzung am 21. November 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 13 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. K. Rohn spricht über die acht Schnittpunkte
dreier Flächen H. Grades^').
Da sich leicht beweisen lässt, dass die sämmtlichen oo" Flächen II. Grades, welche
man durch sieben willkürlich angenommene Punkte legen kann, stets noch durch einen
gewissen achten Punkt hindurchgehen, so ist sicher, dass die acht Schnittpunkte dreier
beliebiger Flächen II. Grades nicht voneinander unabhängig sein können, dass vielmehr
jeder einzelne von ihnen durch die sieben übrigen bestimmt sein muss. Es entsteht
daher das Problem , zu sieben gegebenen Punkten eines solchen Punktsystems den achten
Punkt zu finden, ein Problem, welches sowohl geometrisch -constructiv, als auch analy-
tisch behandelt werden kann. Redner giebt — nach einigen Notizen historischen und
litterarischen Inhalts — im ersten Theile seines Vortrages eine analytische Lösung des
Problems; dieselbe besteht darin, dass ein Weg gezeigt wird, auf dem man zu linearen
Gleichungen gelangen kann, denen die Coordinaten des gesuchten Punktes Genüge
leisten müssen.
Vortragender bezeichnet durch 1, 2, 3 ... 8 die acht Punkte des in Frage kommenden
Punktsystems , durch 0 einen weiteren , laufenden Punkt und durch (i, k, 1, m) die aus
den 16 homogenen Coordinaten der vier Punkte i, k, 1, m gebildete vierreihige Determinante.
Dann kann zunächst leicht nachgewiesen werden, dass die Gleichung
(8524) (6724) + (8624) (7524) + (8724) (5624) = 0
eine Identität ist. Ferner lässt sich sofort übersehen, dass die in Bezug auf die Co-
ordinaten des laufenden Punktes 0 quadratische Gleichung
Q (8520) (6730) + u (8620) (7530) + r (8720) (5630) = 0
eine Fläche II. Grades dar stellt, welche, wie auch die Coeffizienten ^,(r, r gewählt werden
mögen, stets durch die sechs Punkte 2, 3, 5, 6, 7, 8 hindurchgeht; und wenn insbesondere
*) lieber den gleichen Gegenstand hatte Vortragender bereits in der vorangehenden
(vierten) Sectionssitzung eine Mittheilung gemacht.
23
^ = (6724): (6734), (T = (7524) : (7534) , r = (5624) : (5634)
gesetzt wird, so enthält die betreffende Fläche auch noch den Punkt 4, wie man mit
Hilfe der obigen Identität sofort verifiziren kann. Da mithin diese Fläche durch sieben
Punkte des betrachteten Punktsystems geht, muss auf ihr auch noch der achte Punkt
desselben, d. h. der Punkt 1, gelegen sein, es muss also zwischen den Coordinaten der
acht Punkte des Systems die ßelation
(6724) (8521) (6731) (7524) (8621) (7531) (5624) (8721) (5631) _
(6734) ” (7534) (5634)
stattfinden. Diese ist aber offenbar eine in Bezug auf die Coordinaten des Punktes 8
lineare Gleichung.
Im zweiten Th eile des Vortrages werden die Resultate der analytischen Be-
trachtungen geometrisch gedeutet.
Sechste Sitzung am 12. Decemher 1901. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. M. Krause. — Anwesend 14 Mitglieder.
Conrector Prof. Dr. R. Henke spricht über die Beziehungen des
Dreiecks zum Kreise im geometrischen Unterricht.
Den Gegenstand des Vortrages bilden eine Reihe von Tbatsachen aus der Geometrie
des ebenen Dreiecks, welche, obwohl im geometrischen Unterricht nur selten berück-
sichtigt, demselben dennoch sehr wohl auf seinen verschiedenen Stufen zugänglich sind
und auch reichhaltigen Stoff zu Aufgaben constructiver und rechnerischer Art bieten.
Im ersten Theile des Vortrages handelt es sich in der Hauptsache um gewisse
Beziehungen, zu denen man gelangen kann, wenn ein beliebiges Dreieck, sein Umkreis
und die Halbirungslinie eines Dreieckswinkels in Betracht gezogen wird. Dabei werden
die Seiten und Winkel des Dreiecks, sowie die Radien des Umkreises und Inkreises in
der üblichen Weise bezeichnet, ausserdem wird A(a — 5) = cZ, — ß)== (f gesetzt, und
unter q der Abstand der Seite c vom Schnittpunkte des Umkreises mit der Halbirungs-
linie des Winkels y verstanden. Auf Grund der gedachten Beziehungen lässt sich als-
dann das Dreieck construiren, bez. berechnen, wenn r, g, d oder h, g, d oder r, Ä, d ge-
geben sind, wobei in den beiden ersten Fällen das Dreieck eindeutig, im dritten Falle
hingegen zweideutig bestimmt ist.
Im zweiten Theü seines Vortrages zieht Redner den Feuerbach’schen Kreis in
Betracht und giebt einen Beweis des Feuerbach’schen Satzes, nach welchem dieser Kreis
sowohl den Inkreis, als auch die drei Ankreise des Dreiecks berührt. Dabei wird
der Aufgabe gedacht, ein Dreieck aus r, g, d zu construiren, welche im Allgemeinen
zwei Lösungen zulässt. Ein bemerkenswerther Umstand zeigt sich, wenn man von
irgend einem Punkte U des Umkreises Lothe auf die drei Seiten des Dreiecks fällt und
die gerade Linie (Simson’sche Gerade) construirt, auf welcher die Fusspunkte dieser drei
Lothe gelegen sind; wird nämlich U mit dem Höhenpunkte E des Dreiecks verbunden,
so liegt der Halbirungspunkt V von UH stets auf der genannten geraden Linie; und
wenn U den ganzen Umkreis durchläuft, so beschreibt gleichzeitig V den Feuerbach’schen
Kreis. Zu interessanten Betrachtungen giebt auch der Begriff der Gegentransversale*)
Anlass. Verbindet man irgend einen Punkt P der Ebene mit den drei Ecken eines
gegebenen Dreiecks und construirt zu diesen drei Verbindungslinien die Gegentrans-
versalen, so gehen die letzteren durch einen Punkt Pj, den sogenannten Gegenpunkt
von P in Bezug auf das betreffende Dreieck. Ist insbesondere P ein Punkt des Um-
kreises, so liegt Pj unendlich fern, indem alsdann die drei Gegentransversalen zu ein-
ander parallel sind.
An der auf den Vortrag folgenden Discussion betheiligen sich Prof.
Dr. Ph. Weinmeister, Prof. Dr. R. Heger und Dr. J. von Vieth.
*) Zwei von einer Ecke des Dreiecks ausgehende Transversalen desselben werden
Gegentransversalen genannt, wenn sie symmetrisch liegen zur Halbirungslinie des be-
treffenden Dreiecks Winkels.
24
Hierauf spricht Prof. Dr. R. Heger über einen Satz der
m in an ten -Theorie.
Die Ausführungen des Vortragenden beziehen sich auf den Nachweis,
Gleichung ^ _ ^gj (34 ^ a) = 0,
in welcher « zur Abkürzung steht für 567 . . .n, eine Identität ist.
Deter-
dass die
VII. Hauptversammlungen.
Fünfte Sitzung am 24. October 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
Fr. Fo erster. — Anwesend 47 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude spricht über die Entwickelung
der „Technischen Botanik“ bis 1900,
Die „Technische. Botanik“ begreift in sich diejenigen Beziehungen der Wissen-
schaft zu der anwendenden Praxis, welche zum Lehrgebiet der technischen Hochschulen
gehören. Sie ist demgemäss an sich kein eigenes abgeschlossenes Wissensgebiet, son-
dern vielmehr eine sich in stetiger Weiterentwickelung befindende Kette vielseitiger
Beziehungen, welche ebenso sehr vom Fortschritte der reinen Wissenschaft als von den
Forderungen technologischer Praxis abhängen. Die Fortschritte in der Erkenntniss der
Gährungsphysiologie einerseits und das Bedürfniss, die zu Papier benutzten pfianzlichen
Rohstoffe bei ihrer steten Vermehrung sicher mikroskopisch unterscheiden zu können,
anderseits mögen als zwei treffliche Beispiele für diese Beziehungen und ihre Ab-
hängigkeit dienen.
Den Haupttheil der Technischen Botanik bildet die seit 1793 von Beckmann
und Böhmer wissenschaftlich begründete und begrenzte technologische Rohstofflehre
oder „Waarenkunde“, welche zuerst mit äusseilichen Beschreibungen und der Aufzählung
der besonderen Eigenschaften der diese Rohstoffe liefernden Nutzpflanzen und der
geographischen Verbreitung derselben begann. Heute erkennen wir in der festen Ver-
bindung dieser älteren ,,Waarenkunde“ mit der bestimmenden Anatomie und der Zell-
physiologie das wissenschaftliche Gefüge und den dauernd befestigten Untergrund, auf
dem allein die Beziehungen zwischen den Bedürfnissen der Technologie und der wissen-
schaftlichen Botanik zur selbständigen Blüthe gelangen können, und "dies liefert zugleich
den Massstab für unsere Beurtheilung in der Geschichte der Rohstofflehre und ihrer
eigenen Handbücher. Wenn wir die jetzt an der Jahrhundertwende erscheinende neue
Rohstofflehre von J, Wiesner in ihrer chemisch- physiologisch und anatomisch-systematisch
durchgeführten Vertiefung mit den vor mehr als 100 Jahren erschienenen, damals hoch-
gelehrten und dem entstehenden Bedürfniss der Praxis vollkommen gerecht werdenden
Büchern von Beckmann und Böhmer vergleichen, so überblicken wir sofort den
ganzen Entwickelungsgang und wissenschaftlichen Fortschritt der technischen Botanik
und sehen, dass wie auf anderen Gebieten so auch hier aus einer einfachen Empirie
sich ein complicirtes Lehrsystem entwickelte. Die ,,Waarenkunde“ bezeichnete einen
Lehrgegenstand für technische Gewerbeschulen, die Rohstofflehre von heute einen solchen
für die technischen Hochschulen der Gegenwart.
Die ersten Jahrzehnte des nunmehr abgeschlossenen Jahrhunderts, in dem neben
so vielen blühenden Gebieten angewendeter Natuiforschung auch die technische Botanik
heranwuchs als ein in seiner Bedeutung kaum schon genügend gewürdigter Zweig,
zeigten nach den Eingangs genannten Werken keinerlei grössere Fortschritte. Die
mikroskopische Technik musste sich erst selbst zu grösserem Umfange ausbilden, und
nachdem Schleiden’s vernichtende Kritik gegen den lahmen Geist in der Botanik der
vierziger Jahre und gegen die Ablehnung alles dessen, was die Praxis mit wissen-
schaftlicher Anregung zu befruchten im Stande sei, auch die noch mangelhaft genug
gebliebenen Beziehungen auf technischem Gebiete herb hervorgehoben hatte, blieb es
einigen Arbeiten von Schacht und Reis sek zunächst Vorbehalten, die neue Zell-
physiologie auf dem Gebiete der Technologie der Gespinnstfasern praktisch zu ver-
werthen und eine Brücke von der Waarenkunde zur angewandten Anatomie herüber zu
schlagen. Aber eine grosse Entscheidung wurde dadurch noch nicht herbeigeführt.
Dieselbe konnte erst durch moderne Umarbeitung des Gesammtstoffes erfolgen, durch
25
zielbewusstes Vorgehen und Belehren der Jünger dieser Kichtung, und hier war der
Mann der That Julius Wiesner in Wien, & zuerst an der dortigen Technischen
Hochschule die Fundamente der ganzen uns heute beschäftigenden Bichtung neu be-
gründete. Seine Einleitung in die „Technische Mikroskopie“ vom Jahre 1867 und seine
erste Ausgabe der „Rohstoffe des Pflanzenreiches“ im Jahre 1873 sind die Marksteine
der eigenartigen und kräftigen Entwickelung eines neuen Lehrzweiges angewandter
Botanik. Auch nach seinem üebertritt von der Technischen Hochschule zur pflanzen-
physiologischeii Lehrkanzel an der Universität in Wien hat Wiesner dieses Kind seiner
ersten wissenschaftlichen Anstrengungen weiter gepflegt und konnte es unter der Obhut
von Schülern kräftig heranwachsen sehen. So ist die zweite Ausgabe seiner „Rohstoffe“,
von der jetzt erst noch der 1. Band vollendet vorliegt*), ein ebenso bedeutungsvoller
Markstein für das Ende unseres Jahrhunderts. Nicht weniger als elf Autoren haben
neben Wiesner an demselben mitgewirkt, ausser Miko sch in Brünn und Molisch in
Prag lauter Wiener Naturforscher; ihr stattlicher Kreis zeigt ebenso deutlich den Um-
fang und die Mannigfaltigkeit verschiedenartiger Beziehungen in der Rohstofflehre, als
die Blüthe, zu der dieser Zweig der Wissenschaft gerade in Wien gelangt ist. „Die
technische Waarenkunde auf wissenschaftliche Orundlage gestellt zu haben bleibt ein
Verdienst Wiesner’ s“, so lautet in knappen, sehr viel Wahrheit in sich schliessenden
Worten ein Ausspruch in der Geschichte der Botanik in Wien im Jubelbande der
dortigen zoologisch -botanischen Gesellschaft 1901.
Die einer wissenschaftlich begründeten Lehre von den technisch verwendeten Roh-
stoffen des Pflanzenreichs zufallendeu Aufgaben erstrecken sich auf folgende Hauptpunkte :
1. Genaue Unterscheidung.
2. Ermittelung der die Verwendung beeinflussenden Eigenschaften, vom botanischen
Standpunkte.
3. Ermittelung der Herkunft und Gewinnungsweise:
a) nach anatomischer Organographie,
b) nach systematischer Charakterisirung,
c) nach Heimath, bez. Culturgebiet und geographischen Rassen.
Zumeist werden sich die praktischen Technologen mit Punkt 1 — 2 begnügen und
sich durch diese zu mikroskopischen Untersuchungsmethoden führen lassen.
Immer mehr stellt sich eine nützliche Arbeitstheilung zwischen Mitteleuropa und
den reichen tropischen Productionsländern heraus der Art, dass die Entfaltung der
technologischen Industrie zur Verarbeitung von Rohstoffen in den Ländern der nördlich
gemässigten Zone stattfindet, während die Tropen zur Entfaltung des Plantagenbaues
und der rationellen Ausbeutung natürlicher Vegetationsbestände zur Gewinnung solcher
Rohstoffe schreiten. In der Vielseitigkeit wissenschaftlicher und praktischer
Rücksichten entwickelt sich dabei die Rohstofflehre der Pflanzen zu
einer besonderen Disciplin, und der Lage der Sache nach zu der bota-
nischen Besonderheit technischer Hochschulen.
So können wir heute mit besonderem Stolz auf das schauen, was auf diesem Ge-
biete von 1870 — 1900 geleistet worden ist; war die erste Periode der Geschichte der
„Technischen Botanik“ von 1793 — 1867 im Wesentlichen „Waarenkunde“, so gestaltete sich
die zweite Periode seit Wiesner ’s „Technischer Mikroskopie“ zu einer strebsamen
Vertiefung auf dem Gebiete der anatomisch - physiologischen Mikroskopie, welche leb-
haften Antheil an dem Gesammtfortschritte der Wissenschaft nahm und in einer grossen
Zahl technisch wichtiger Pflanzenkörper das wissenschaftliche Lehrgebäude selbständig
förderte. Allseitig ist das Interesse an den Nutzpflanzen und ihren Producten erwacht;
die botanischen Museen eröffnen diesen ihre Säle und bemühen sich, gemeinnütziges
Wissen dadurch zu fördern; Monographien aus den Tropen werden in ihnen zu dem
Zwecke bearbeitet, wie z. B. der grosse Band über die „Nutzpflanzen Ostafrikas“ aus
dem Berliner Museum. Gleichzeitig arbeitet dm Chemie mächtig an der Synthese so
vieler Dinge, die sie aus dem Pflanzenreiche kennen lernte, und sucht die Natur der
Rohstoffe von ihrem Standpunkte aus ebenfalls zu charakterisiren und aufzuhellen.
So lässt sich erwarten, dass die technischen Hochschulen diesen Zweig der Botanik
weiterhin kräftig ausbilden helfen werden, den sie als ihr eigenstes Gebiet im Kreise
der organischen Naturwissenschaften überkommen haben. Die jetzt noch geringe Schüler-
zahl wird sich in dem Umfange heben, wie die Verwendung der analytischen Mikros-
*) Die Rohstoffe des Pflanzenreichs; Versuch einer technischen Rohstoff lehre des
Pflanzenreiches. Von Dr. Julius Wiesner. Leipzig, Verlag von W. Engelmann.
Bd. I, 1900. 795 S. 8 <>.
26
kopie auch in den Untersuchmigsämtern für Nahrungsmittel und für landwirthschaft-
liche Grewerhe steigt. Die einmal geknüpfte Verbindung der Botanik mit den tech-
nischen Hochschulen wird sich von selbst kräftigen und vertiefen, sowohl wegen ihrer
jetzt die weitesten Kreise beschäftigenden physiologischen Lehrmethode, als auch wegen
der den Sinn auf grosse Verbindungen richtenden Weltlage.
Privatus K. Schiller lässt zum Schluss einen Polyporus giganteus
circuliren.
Sechste Sitzung am 28. November 1901. Vorsitzender; Prof. Dr.
Fr. Foerster. — Anwesend 51 Mitglieder und 4 Gäste.
Nach der Wahl der Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1902
(s. S. 29) spricht
Dr. A. Schlossmann unter Vorführung zahlreicher Projectionsbilder
über die biologischen Anschauungen des 19. Jahrhunderts.
An den Vortrag schliesst sich eine längere Discussion, an welcher
sich Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. Fr. Foerster, Geh. Hof-
rath Prof. Dr. E. von Meyer und der Vortragende betheiligen.
Siebente Sitzung am 19. December 1901. Vorsitzender: Prof. Dr.
Fr. Foerster. — Anwesend 61 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche spricht in längerem, durch Wand-
tafeln, Projectionsbilder, Geweihe und Modelle erläutertem Vortrage über
das Kenthier als Jagd- und Hausthier der Polarvölker.
Hervorzubeben ist aus der Darstellung, dass der Vortragende, gestützt auf eigene
eingehende Studien, nach weist, dass das Kenthier von den verschiedenen altweltlichen
Polarvölkern als Hausthier in vier ganz verschiedenen Weisen genützt wird.
Bei den Lappen ist das Ren im Sommer Melkthier und Tragthier, während es im
Winter einspännig den einem halben Boote ähnlichen Schlitten zieht. Als Reitthier
verwenden es die Lappen niemals.
Bei allen weiter östlich wohnenden Renthierzüchtern wird das Ren dagegen nicht
gemolken, sondern nur als Transportthier verwendet.
Bei den Samojeden zieht dasselbe sowohl im Sommer wie im Winter den mehr-
spännigen Kufenschlitten, dessen Sitz ziemlich hoch über den Kufen steht.
Von den Tungusen (und Jakuten) wird das Ren nicht vor den Schlitten gespannt,
sondern als Reit- und Tragthier benutzt. Reit- und Lastsattel sind nach dem Muster
des gewöhnlichen Bocksattels für Pferde gebaut, so dass dieser Lastsattel sich typisch
unterscheidet von dem nach ganz anderen Principien gebauten Lastsattel der Lappländer.
Die Behringsvölker des östlichsten Asiens, besonders die Tschuktschen und Korjäken
benutzen dagegen das Ren wieder ausschliesslich als Zugthier an mehrspännigen Kufen-
schlitten, dessen Sitz aber, wie der der Hundeschlitten, sehr niedrig steht.
Aus letzteren Thatsachen ergiebt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass bei
den Tungusen die Renthiernutzung nicht ursprünglich üblich war, sondern bei ihnen
das Ren an die Stelle des Pferdes trat, als dieser mongolische Volksstamm aus seiner
ursprünglichen südlichen Heimath in die polaren Gebiete hinaufgedrängt wurde.
Ebenso scheinen die Behringsvölker aus ihrer eigentlichen Heimath, dem nörd-
lichsten Amerika nur den Hund als Zugthier mitgebracht und erst in Asien das Ren
als theilweisen Ersatz für ihn angenommen zu haben.
Excursion. An Stelle der Hauptversammlung vom 26. September 1901
fand am Nachmittag des 28. September d. J. unter Führung von Prof.
H. Engelhardt eine Besichtigung des Albertparkes in Dresden-
Neustadt statt, an welcher sich 12 Mitglieder und Gäste betheiligten.
27
Yeränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 14. September 1901 starb in Blasewitz Architect Richard Günther,
wirkliches Mitglied seit 1891.
Am 1. December 1901 starb der consultirende Bergingenieur Adolf
Hering, von 1895 — 1899 wirkliches Mitglied unserer Gesellschaft, seitdem
correspondirendes Mitglied in Freiberg.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Barthel, Theod., Kais. Obertelegraphenassistent in Dresden, am 19. De-
cember 1901;
Dieseldorff, Arth., Dr. phiL, Assistent am mineralog. Institut
der K. Technischen Hochschule in Dresden,
Fehrmann, Max, Bürgerschullehrer in Dresden,
Gerlach, G. Th., Dr. phil, Privatus in Dresden, am 28. November 1901;
Hesse, Waith., Dr. med., Medicinalrath in Dresden,
His, Wilh., Dr. med., Oberarzt am städtischen Krankenhaus
in Dresden,
Hoffmann, Rieh., Dr. med. in Dresden,
Kunz-Krause, Herrn., Dr. phil, Professor an der K. Thierärztlichen Hoch-
schule in Dresden, am 28. November 1901;
Meigen, Frdr., Dr. phil., Realschuloberlehrer in Dresden, am 19. De-
cember 1901 ;
Meis er, Emil, Mechaniker in Dresden, am 28. November 1901;
Müller, Otto, Dr. med. in Dresden, am 19. December 1901;
Richter, M. Em., Dr. jur., Rechtsanwalt in Dresden, am 28. November 1901;
Rössner, Paul, Bezirksschullehrer in Löbtau,
Schanz, Fritz, Dr. med. in Dresden,
am 24. Oc-
tober 1901;
am 19. De-
cember
1901;
I am 19. December 1901.
In die wirklichen Mitglieder sind übergetreten:
Stauss, Waith., Dr. phil., Chemiker in Dresden;
Vater, Heinr., Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt.
Neu ernanntes Ehrenmitglied:
Rad de, Gust., Dr. phil., Kais. Russ. Staatsrath, Director des Kaukasischen
Museums in Tiflis, am 28. November 1901.
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
Petrascheck, Wilh., Dr. phil., Sectionsgeolog in Wien.
28
Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse
zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bachmann, Plauen i. V.,
3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Bl aschka,
Hosterwitz, 3 Mk.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Bergmeister Hartung,
Lohenstein, 4 Mk.; Bergingenieur Hering, Freiherg, 3 Mk. 15 Pf.; Prof.
Dr. Hibsch, Liebwerd, 3 Mk.; Bürgerschullehrer Hof mann, Grossenhain,
3 Mk.; Apotheker Dr. Lange, Werningshausen, 6 Mk,; Fabrikbesitzer
Dr. Naschold, Aussig, 15 Mk. 10 Pf.; Prof. Naumann, Bautzen, 3 Mk.;
Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Betriebsingenieur a. D, Prasse,
Leipzig, 6 Mk.; Dr. Reiche, Santiago -Chile, 3 Mk.; Director Dr. Reide-
ln ei st er, Schönebeck, 3 Mk.; Prof. Dr. Schneider, Blasewitz, 9 Mk. ;
Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 Mk. 20 Pf.; Rittergutspachter Sieber,
Grossgrabe, 3 Mk. 15 Pf.; Fabrikbesitzer Dr. Siemens, Dresden, 100 Mk.;
Dr. Stau SS, Hamburg, 3 Mk.; Prof. Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Landes-
geolog Dr. Steuer, Darmstadt, 3 Mk. 10 Pf.; Prof. Dr. Vater, Tharandt,
3 Mk.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk. — ln Summa 197 Mk. 70 Pf.
G. Lehmann,
Kassirer der „Isis“.
29
Beamte der Isis im Jahre 1902.
Yorstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. Fr. Foerster.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Directorium.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. Fr. Foerster.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche,
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude,
Prof. Dr. E. Kalkowsky,
Prof. Dr. J. Deichmüller,
Privatdocent Dr. A. Schlossmann,
Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Erster Secretär: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Y erwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Mitglieder: 1. Fabrikbesitzer L. Gut h mann,
2. Privatus W. Putscher,
3. Fabrikbesitzer E. Kühnscherf,
4. Prof. Dr. G. Helm,
5. Prof. H. Fischer,
6. Fabrikbesitzer Dr. Fr. Siemens.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Bibliothekar: Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Sectionsheamte.
I. Seetion für Zoologie.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz.
Protocollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
II. Seetion für Botanik.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Prof. K. Wobst.
Protocollant: Garteninspector F. Le dien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
30
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Vorstand: Prof. Dr. E, Kalkowsky.
Stellvertreter: Prof. Dr. W. Bergt.
Protocollant: Oberlehrer Dr. R. Nessig.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. P. Wagner.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Vorstand: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Oberlehrer H. Döring.
Protocollant: Taubstummenlehrer 0. Ebert.
Stellvertreter: Lehrer H. Ludwig.
V. Section für Physik und Chemie.
Vorstand: Privatdocent Dr. A. Schlossmann.
Stellvertreter: Dr. A. Beythien.
Protocollant: Dr. H. Thiele.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
VI. Section für Mathematik.
Vorstand: Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Stellvertreter : Oberlehrer Dr. A. W i 1 1 i n g.
Protocollant: Privatdocent Dr. E. Naetsch.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Redactions - Comite.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1901 wurde die Bibliothek der ,,Isis“ durch folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tauscli.
I. E 11. x* o p a.
1. Deutschland.
Altenburg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mitteil., neue
Folge, 9. Bd. [Aa 69.]
Annaher g-BuchhoU: Verein für Naturkunde.
Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg.
Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. — XVIII. Bericht. [Aa 19.]
Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“.
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.42.
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 52, Heft 3
und 4; Bd. 53, Heft 1-3. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., Juni 1900 bis April 1901. [G 55.]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Bheinlande, Westfalens
und des Keg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 57. Jahrg. [Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs-
ber., 1900. [Aa 322.]
Braunschtveig: Verein für Naturwissenschaft.
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XV, Heft 3;
Bd. XVH, Heft 1. [Aa 2.]
Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 78. Jahresber.
[Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Chemnitz: K. Sächsisches m.eteorologisches Institut. — Jahrbuch, XVI. Jahrg.,
1. — 2. Abth. [Ec 57.] — Abhandl., Heft 5 — 6. [Ec 57 b.] — Dekaden
Monatsberichte 1900. [Ec 57c.] — Das Klima des Königreichs Sachsen,
Heft 6. [Ec 57.]
Danziq: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. X, Heft 2 — 3.
[Aa 80.]
Darmstadt: Verein für Erdkunde und Grossherzogi. geologische Landes-
anstalt. — Notizbl., 4. Folge, 21. Heft. [Fa 8.]
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landesteile.
32
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1899 — 1900.
[Aa 47.]
Dresden: Gesellschaft für Botanik und Gartenbau ,,Flora‘^ — Sitzungsber.
u. Abbandl., 4. u. 5. Jabrg. [Ca 26.]
Dresden: K. Mineralogisch -geologisches Museum.
Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum.
Dresden: K. Oeffentliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde.
Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXIl. [G 75.]
Dresden: Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.
1900— 1901. [Ha 9.]
Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinär wesen
in Sachsen, 45. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sächs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1900 — 1901; Verzeichniss der Vorlesungen
und Uehungen sammt Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1901, W.-S.
1901— 1902. [Je 63.] — Personalverz. Nr. XXIH. [Je 63b.]
Dürhlieim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. —
LVH. u. LVHI. Jahresber.; Mitteil. Nr. 13 — 15. [Aa 56.]
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein.
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 85. Jahresber. [Aa 48b.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfiwt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrb., Heft XXV
bis XXVII. [Aa 263.] _
Erlangen: Physikalisch -medicinische Societät.
Frankfurt a. M.: Senckenhergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1901. [Aa 9 a.]
Frankfurt a. M,: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1899—1900.
[Eb 35.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 18. Bd.; Societatum litterae, Jahrg. XIV.
[Aa 282.]
Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 136. Studien-
jahr. [Aa 323.]
Frefburg i. B.: Naturfor sehende Gesellschaft.
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften.
Giessen: Oberhessisebe Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl., Bd. 23. [Aa 3.J
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 76; Codex diplomat. Lusatiae superioris H,
Bd. II, Heft 1. [Aa 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
Greifsiuald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 32. Jahrg. [Aa 68.]
Greifsiuald: Geographische Gesellschaft.
Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. —
Mittheil., VI. Bd., Heft 6 — 8. [G 102.]
Güstroiu : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft.
33
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXVI, Nr. 12; Heft XXXVII. [Aa 62.]
Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1901. [Fa 16.]
Hamburg: Naturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XVII, mit Bei-
heft 1—4. [Aa 276.]
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XVI, 2. Hälfte.
[Aa 293.] — Verhandl., HI. Folge, 8. Heft. [Aa 293b.]
Hamburg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. — Verhandl.,
Bd. XI. [Aa 204.]
Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. - — Jahresber. 48 u, 49. [Aa 52.]
Hannover: Geographische Gesellschaft.
Heidelberg: Naturhistorisch -medicinischer Verein. — Verhandl., Bd. VI,
Heft 4 — 5. [Aa 90.]
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde.
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. XIV. [Aa 88.
Karlsruhe: Badischer zoologischer Verein. — Mitteil., Nr. 1 — 10. [Ba 27.
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Bericht, Nr. 46. [Aa 242.^
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschr.,
Bd. XXIV, 2. Heft; Bd. XXV; Mittheil., Jahrg. 1899 u. 1900. [Fa 21.]
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig -Holstein. — ScWften,
Bd. XH, 1. Heft. [Aa 189.]
Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Lehen, Jahrg. 37. [Aa 41.]
Königsberg i. Pr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften,
41. Jahrg. [Aa 81.] — Bericht über die Verwaltung des Ostpreus-
sischen Provinzialmuseums von 1893 — 95. [Aa 81b.]
Königsberg i. Pr.: Altertums -Gesellschaft Prussia.
Krefeld: Verein für Naturkunde.
Landshut: Botanischer Verein. — Bericht 16. [Ca 14.]
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg. 26 u. 27.
[Aa 202.]
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl., mathem.-phys. Classe, LH. Bd., Heft 6 u. 7; LIII. Bd.,
Heft 1 — 3. [Aa 296.]
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Erläuterungen
zu Sect. Glauchau -Waldenburg (Bl. 94), 2. Aufl. [De 146.]
Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. —
Mitteil., 2. Reihe, Heft 14 u. 15. [Aa 279 b.]
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg.
— Jahresh. XV, mit Erinnerungsschrift. [Aa 210.]
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein.
Mainz: Römisch -germanisches Centralmuseum. — Bericht 1895 — 1900.
[G 145.]
Mannheim: Verein für“ Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesummten Naturwissen-
schaften. — Sitzungsber., Jahrg. 1899 u. 1900. [Aa 266.]
Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1900. [Ec 40.] — Mittheilungen aus den
Sitzungen des Vereinsjahres 1900 — 1901. [Aa 319.]
Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst.
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft ,,Philomathie“. — 30. Bericht. [Aa28.]
34
Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Festschrift zur Säcularfeier
1901. [Aa 5.]
Offenhach: Verein für Naturkunde. — 37. — 42. Bericht. [Aa 27.]
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. — XIV. Jahresber. [Aa 177.]
Fassau: Naturhistorischer Verein. — 18. Jahresber. [Aa 55.]
Posen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil.,
7. Jahrg., Heft 3; 8. Jahrg., Heft 1 — 2. [Aa 316.]
Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein.
Regensburg: K. botanische Gesellschaft.
Reichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde.
Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXV. [Bf 57.]
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg. 57. [Aa 60.]
Stuttgart: Württembergischer Altertums verein. — Württemberg. Viertel-
jahrshefte für Landesgeschichte, n. F., 10. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LV; LVI, Heft 1. (In der Bibliothek
der Versuchsstation im botan. Garten.)
Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst.
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. — Die Saecularfeier mit
Festschr., 1901. [Aa 262.]
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften.
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. ^ — Mittheil., n.F., 15. Heft. [Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde.
Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1900. [Aa 85.]
Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein.
Zivickau: Verein für Naturkunde.
2. Oesterreich-Ungarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbelehrlingsschule. — XXV. Jahresber. [Je 105.]
Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandh, Bd. XXXVHI, u. 18. Bericht
der meteorolog. Commission. [Aa 87.]
Brünn: Lehrerverein, Club für Naturkunde. — Bericht HI. [Aa 330.]
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXX.
köt., 10 — 12. füz.; XXXI. köt., 1 — 9. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften. — Mathemat. u. naturwissensch. Berichte,
14.— 16. Bd. [Ea 37.]
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg.
1900. [Aa 72.]
Hermannstadt: SiebenbürgischerVerein für Naturwissenschaften. — Verhandl.
und Mittheil., L. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein.
35
Innsbruck: Naturwissenschaftlicli-medicinisclier Verein. — Berichte, XXVI.
Jahrg. [Aa 171.]
Klagenfurt: Natur historisches Landes -Museum von Kärnthen. — Jahrbuch,
26. Heft. [Aa 42.] — Diagramme der magnet. u. meteorolog. Beobacht,
zu Klagenfurt, 1900. [Ec 64.]
Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1900, Nr. 10; 1901,
Nr. 4-7. [Aa 302.]
Laibach: Musealverein für Krain.
Lins: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — 30. Jahresber.
[Aa 213.]
Lins: Museum Francisco-Carolinum. — 59. Bericht nebst der 53. Lieferung
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Prag: Deutscher naturwissenschaftlich -medicinischer Verein für Böhmen
„Lotos“. — Sitzungsber., Bd. XX. [Aa 63.]
Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., mathem.-
naturwissensch. CI., 1900. [Aa 269.] — Jahresber. für 1900. [Aa 270.]
Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Geschäftsber.
1900. [Aa272.] — Pamätky archaeologicke, dil.XVIIl, ses.6 — 8; dil.XIX,
ses. 1 — 5. [G71.] — Starozit nosti zeme ceske, dil. 1, svazek2. [G71.]
IVag: Lese- und Bedehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 1900.
[Ja 70.]
Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Kozpravy, trida II,
rocnik 9. [Aa 313.]
Presbmg:^ QTQm für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., n.F., Heftl2. [Aa92.]
Peichenberg: Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 32. [Aa 70.J
Salsburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheil., Bd. XL.
[Aa 71.]
Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zettudomänyi Füzetek, XXIV. köt., füz. 4; XXV. köt. [Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates.
Triest: Museo civico di storia naturale.
Triest: Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Mittheil, der praehistor.
Commission, Bd. 5. [G 111.] — Anzeiger, 1898, Nr. 13—27; 1899;
1900; 1901, Nr. 1-20. [Aa 11.]
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XLI. [Aa 82.]
Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. XV, Nr. 3 — 4.
[Aa 280.]
Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXX, Heft 6;
Bd. XXXI, Heft 1—5; Generalregister zu Bd. XXI— XXX. [Bd 1.]
Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Abhandl., Bd. XVI, Heft 1. [Da 1.]
— Jahrbuch, Bd. L, Heft 2. [Da 4.] — Verhandl., 1900, Nr. 13—18;
1901, Nr. 1 — 14. [Da 16.] — Geologische Karte der Oesterreich-
Ungarischen Monarchie. S.-W.- Gruppe, Nr. 71 u. Nr. 121, mit Erläut.
[Da 33.]
Wien: K. K. zoologisch -botanische Gesellschaft — Verhandl., Bd. L, u.
Festschrift. [Aa 95.]
Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität.
Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1898; 1899, 1. Theil. [Ec 82.]
36
3. Rumänien.
Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie.
4. Schweiz.
: Aargauische naturforschende Gesellschaft. — Mittheil., Heft 9. [Aa317.]
Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XIII, Heft 1 — 2;
Register für Bd. XI-— XH; Bd. XIV. [Aa 86.J
Bern: Naturforschende Gesellschaft. — MittheiL, Nr. 1451—1499. [Aa 254.'
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 11. [Ca 24.'
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 82.
u. 83. Jahresversammlung. [Aa 255.]
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens.
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft 14.
[Aa 261.]
Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Bulletin, vol, VHI.
[Aa 264.] — Memoires: Chemie, Bd. I, no. 1 — 2; Botanik, Bd. 1, no. 1;
Geologie und Geographie, Bd. I. [Aa 264h.]
St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1898— 99. [Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
vol. XXXVI, no. 138; vol. XXXVll, no. 139 — 141. [Aa 248.]
Neuchatel: Societe des Sciences naturelles.
Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil,,
Vol. X, Heft 8. [Bk 222.]
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles.
Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Viertel] ahrsschr., Jahrg. 45,
Heft 3 — 4; Jahrg. 46, Heft 1 — 2. [Aa 96.] — Neujahrsbl. 1901. [Aa 96b.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France.
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires,
ser. 5, tome V, cah. 2; appendice au tome V; proces verbaux, annee
1899—1900. [Aa 253.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. —
Memoires, tome XXXI. [Aa 137.]
Dijon: Academie des Sciences, arts et helles lettres. — Memoires, tome VII.
[Aa 138.] ^^ ^
Le Mans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXIX, fase. 4; tome XXX, fase. 1. [Aa 221.]
Lyon: Societe Linneenne.
Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie.
Lyon: Academie des Sciences et lettres.
Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXV. [Ba 24.]
Toulouse: Societe Frangaise de botanique.
6. Belgien.
Brüssel: Societe royale m.alacologique de Belgique. — Annales, tome XXXIV
bis xxxy. [Bi 1.]
Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome XLIV.
[Bk 13.] — Memoires, tome VIII. [Bk 13b.]
37
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXXIX.
[Ca 16.]
Gembloux: Station agronoinique de l’etat. — Bulletin, no. 69 — 70. [Hb 75.]
Lüttich: Societe geologique de Belgique.
7. Holland.
Gent: Kruidkundig Genootscbap ,,I)odonaea“.
Groningen: Naturkundig Genootscbap. — Centralbureau voor de Kennis
van de Provincie Groningen en omgebgen streken: Bejdragen, deel 1,
stuk 3—4. [Je 80 b.]
Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. VII, p. 3. [Aa 317.]
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises
des Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome IV, livr. 3 — 3; tome
V u. VI. [Aa 357.]
8. Luxemburg.
Luxemburg: botanique du Grandduche de Luxembourg. — Memoires
et travaux, Nr. XIV. [Ca 11.]
Luxemburg: Institut grand-ducal. — Publications, tome XXVI. [Aa 144.]
Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde ,, Fauna“. — Mittheil., 10.
Jahrg. [Ba 36.]
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari per Fanno 1900. [Aa 199.}
Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. 4, vol. XIII.
[Aa 149.] — Bollettino, ^fasc. LXIV — LXX. [Aa 149b.]
Florenz: B. Instituto. — Section für Physik und Naturgesch., Publicat.,
Nr. 38 — 39;. Section für Medicin und Chirurgie, Publicat.. Nr. 15,
18 — 30. [Aa 339.]
Florenz: Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXXII, tr. 4;
anno XXXIII, tr. 1 — 3. [Bk 193.]
Mailand: Societa Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXIX,
fase. 3 — 4; vol. XL, fase. 1—3. [Aa 150.] — Memorie, vol. VI, fase. 3.
[Aa 150b.]
Mailand: B. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Bendiconti, ser. 3,
vol. XXXIII. [Aa 161.] — Memorie, vol. XVIII, fase. 11; vol. XIX,
fase. 1—4. [Aa 167.]
Modena: Societa dei naturalisti.
Padua: Societa Veneto Trentina di scienze naturali.
Palermo : Societa di scienze naturali ed economiche. — Giornale, vol. XXII.
[Aa 334.]
Parma: Bedazione del Bullettino di paletnologia Italiana.
Pisa: Societa Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XII (35. XL
1900-5. V. 1901.) [Aa 309.]
Pom: Accademia dei Lincei. — Atti, Bendiconti, ser. 5, vol. IX, 3. sem.,
fase. 11 — 13; vol. X, 1. sem.; 3. sem., fase. 1 — 11. [Aa 336.]
Pom: B. Comitato geologico dTtalia.
Turin: Societa meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II,
vol. XX, no. 7 — 13; vol. XXI, no. 1—8. [Ec 3.]
Venedig: B. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti.
Verona: Accademia di Verona. — Atti e Memoire, ser. IV, vol.L, fase. 1. [Ha 14.]
38
10. Grrossbritannien und Irland.
Dublin: Royal geological society of Irland.
Edinhurg: Geological Society. — Transactions, vol. VIII, p. 1. [Da 14.]
Edinburg: Scottish meteorological society. — Journal, new. ser., no.70 — 79.
[Ec 3.]
Glasgotv: Natural history society.
Glasgoiv: Geological society.
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXVII, p. 1 — 7. [Da 20.]
Neivcastle-upon-Tyne: Tynesicle naturalists field club, und: Natural history
society of Northumberland, Durham and Newcastle -upon-Tyne.
11. Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarsberetning 1900; Aarbog 1900, 2. Heft und 1901,
1. Heft. [Aa 294.] — Meeresfauna von Bergen, Heft 1. [Aa 294b.]
Cliristiania: Universität.
Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerksers bevaring. —
Aarsberetning for 1898 — 1900. [G 2.] — Kunst og handverk fra
Norges fortid, 2. Reihe, Heft 4. [G 81.]
Stochholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 21.
[Bk 12.]
Stockholm: K. Vitterbets Historie och Antiqvitets Akademien. — Mänads-
blad, 1896 u. 1900. [G 135 a.]
Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1898 — 1900; Aarshefter XXHI. [Aa 243.]
Upsala: Geological institution of the university. — Bulletin, vol. V, p. 1.
[Da 30.]
12. Russland.
Ekqtharpienburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. —
Bulletin, tome XXH. [Aa 259.]
Helsingfors: Societas pro fauna et flora fennica.
Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale.
Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XVI, livr. 2. [Aa 298.]
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, 1900; 1901, no. 1—2.
[Aa 134.] ^
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle - Russie. — Memoires,
tome XXHI, p. 1 — 2. [Aa 256.]
Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tomeXVI;
tome XV Hl, fase. 1—3. [Ca 10.]
Petersburg: Comite geologique. — Bulletins, vol. XIX; XX, no. 1 — 6. [Da 23.]
— Memoires, vol. XIII, no. 3; vol. XVHI, no. 1 — 2. — - Bibliotheque
geologique de la Russie, 1897. [Da 24.]
Petersburg: Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jabrg. 1899.
[Ec r.]
Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V,
tome XII, no. 2 — 5; tome XHI, no. 1—3. [Aa 315.]
Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verbandl., 2. Ser.,
Bd. 38, Lief. 2; Bd. 39, Lief. 1. [Da 29.] — Travaux de la section
geologique du cabinet de sa majeste, vol. IH, livr. 2; vol. IV. [Da 29c.]
Riga: Naturforscher-Verein. — Arbeiten, n. F., 10. Heft. [Aa 12.] —
Korrespondenzblatt, XLIV. [Aa 34.]
39
II«. ^ m e I* i li a.
1. Nord-Amerika.
Alhany: New York state museum of natural history. — Annual report
49, p. 3; 50, p. 2; 51. [Aa 119.J
Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XIX,
no. 144—147; vol. XX, no. 148-153; vol. XXL no. 154. [Aa 278.] —
American Journal of mathematics, vol.XXII, no. 2 — 4; vol. XXIII. [Ea38.]
— American Chemical Journal, vol. XXIII, no.5 — 6; vol. XXIV; vol. XXV;
vol. XXVI, no. 1 — 3. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic.
Science, ser. XVIII, no. 5—12; ser. XIX, no. 1 — 9. [Fb 125.] —
American Journal of philology, vol. XXI, no. 1 — 4; vol. XXII, no. 1—2.
[Ja 64.] — Maryland geological survey, Allegany county, w. Atlas;
Maryland and its natural recources; eocene report. [Da 35.]
Berkeley: University of California. — Departement of geology; Bulletin II,
no. 7; register 1899—1900, vol. II, no. 1; presidents report, vol. II,
no. 3; library bulletin, no. 13. [Da 31.]
Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. XXIX, no. 9 — 14.
[Aa 111.] — VIemoirs, vol. V, no. 6—7. [Aa 106.]
Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser.,
vol. XXXVI, 9 — 29; vol. XXXVII, 1 — 3. [Aa 170.] — Occasional
papers, vol. I, p. 3. [Aa 111b.]
Buffalo: Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. VII, no. 1. [Aa 185.]
Cambridge: Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. XXXVI,
no. 5-8; vol. XXXVII, no. 3; vol. XXXVIII, no. 1-4; vol. XXXIX,
no. 1. — Annual report 1898 — 1901. [Ba 14.]
Chicago: Academy of Sciences.
CJiicago: Field Columhian Museum. — Publications 45, 51 — 59. [Aa 324.]
Davenport: Academy of natural Sciences.
Halifax: Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and
transactions, 2. ser., vol. III, p. 2. [Aa 304.]
Lawrence: Kansas University. — Quarterly, series A: Science and mathe-
matics, vol. IX, no. 3 — 4; vol. X, no. 1 — 2. [Aa 328.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters. — Transactions,
vol. XII, p. 2; vol. XIII, p. 1. [Aa 206.]
Mexiko: Sociedad cientifica „Antonio Alzate“. — Memorias yBevista, tomoXIII,
cuad. 1 — 2; tomo XIV, cuad. 11—12; tomo XV, cuad. 1 — 10. [Aa 291.]
Mexiko: Instituto geologico de Mexico: ßosqueio geologico, boletin 10 — 13.
[Da 32.].
Mikuaukee: Public Museum of the City of Milwaukee.
Milwaukee: Wisconsin natural history society. — Bulletin, new ser., vol. I,
no. 3 — 4. [Aa 233.]
Montreal: Natural history society. — The canadian record of Science,
vol. VIII, no. 6. [Aa 109.]
Neiv-Haven: Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions,
vol. X, p. 2. [Aa 124.]
New- York: Academy of Sciences. — Annals, vol. XIII, no. 1 — 3. | Aa 101.] —
Memoirs, vol. II, p. 2—3. [Aa 258b.]
New - York : American mmseum of natural history.
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1900, p. II — III;
1901, p. I. [Aa 117.]
40
Philadelphia : American philosophical society. — Proceedings, vol. XXXIX ;
vol. XL. f Aa 283.]
Philadelphia'. Wagner free Institute of Science.
Philadelphia: Zoological society. — Annual report 29. [Ba 22.]
Rochester: Academy of Science. — Proceedings, vol. IV, pag. 1 — 64. [Aa 312.]
Eochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XI; Index to
vol. I-X. [Da 28.]
Salem: Essex Institute.
San Francisco: California academy of Sciences. — Proceedings, 3. ser.,
vol. II, no. 1 — 6. [Aa 112.] — Occasinal papers, vol. VII. [^Aa 112b.]
St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. IX, no. 6 — 9; vol. X,
no. 1 — 8. [Aa 125.]
St. Louis: Missouri botanical garden. — 12. annual report. [Ca 25.]
Topeka: Kansas academy of Science.
Toronto: Canadian institute. — Proceedings, vol. II, p. 4. [Aa 222.] —
Transactions, vol. VII, p. 1. [Aa 222b.]
Tiifts College.
Washington: Smitbsonian Institution. — Annual report 1898 und 1899. —
Report of the U. St. nat. museum, 1897, p. 2; 1898; 1899. [Aa 120 c.]
Washington: United States geological survey. — XX. annual report,
p. 2 — 7; XXI. annual report, p. 1, 6. [De 120 a.] — Bulletin, no. 163
l3is 176. [De 120b.] — Monographs, vol. XXXIX u. XL. [De 120c.
— Preliminary report on the Cape Xome gold region Alaska. [De 1 20 d.^
Washington: Bureau of education.
2. Süd-Amerika.
Buenos- Aires: Museo nacional. — Communicaciones, tomoI,no.8— 9. [Aal47b.]
Buenos -Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo L, entr. 4 — 6;
tomo LI; tomo LII, entr. 1 — 3. [Aa 230.]
Cordoha: Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo XVI, entr. 2 — 4.
[Aa 208 a.]
Moritevideo: Museo nacional. — Anales, fase. XVII — XXL [Aa 326.]
Rio de Janeiro: Museo nacional.
San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica. —
Insectos, Moluscos de Costa Rica. [Aa 297.]
Säo Paulo: Commissäo geographica e geologica de S. Paulo.
La Plata: Museum.
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein.
111. A. s i e n«
Batavia: K. naturkundige Vereeniging. — Xatuurk. Tijdschrift voor
Nederlandsch Indie, Deel 60. [Aa 250.]
Calcutta: Geological survey of India. — Memoirs, vol. XXVIII, p. 2;
vol. XXX, p. 2; vol. XXXI, p. 1; vol. XXXIII, p. 1. [Da 8.] — Palaeon-
tologia Indica, ser. XV, vol. III, p. 2; ser. IX, vol. II, p. 2; vol. III, p. 1;
new. ser., vol. I, p. 3. [Da 9.] — General report 1900 — 1901. [Da 18.]
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. —
Mittheil., Bd. VIII, Th. 2 u. Supplem. [Aa 187.]
41
IV- ^ n s t r a 1 i e n.
Melbourne: Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary
for mines, 1900. [Da 21.]
B. Durch Creschenke.
Aquila^ Zeitschrift für Ornithologie, Jahrg. V— VI. [Bf 68.]
Beythien, A,: 11 Separata über Untersuchungen der Nahrungs- und Ge-
nussmittel. 1900. [Hb 129 k — q.]
Blanforcl, W. T.: The distribution of vertebrate animals in India, Ceylon
and Burma. Sep. 1901. [Bb 59b.]
Conwentz, H.: Subfossile Beste der Wassernuss. Sep. 1900. [Cd 109b |.
Credner, H.: Die vogtländischen Erdbebenschwärme während des Juli
und des August. Sep. 1900. [De 137i.]
Credner, H.: Das sächsische Schüttergebiet des Sudetischen Erdbebens
am 10. Januar 1901. Sep. [De 137 k.]
Credner, H.: Armorika. Sep. 1901. [De 1371.]
Dathe, JE.: 6 Separata über geologiscbeVerhältnisse in Schlesien. [De 196k— p.]
DeichmüUer, J.: Die steinzeitlichen Funde im Königreich Sachsen. Sep.
1900. [G 119c.]
Engelhardt, H.: üeber Tertiärpflanzen vom Himmelsberge bei Fulda.
Sep. 1901. [Dd 94r.]
Frenzd, A.: üeber den Plusinglanz. Sep. 1901. [Db 93h.]
Fritsch, A.: Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation
Böhmens. Bd. IV, Heft 3. [Dd 19.]
Oeinits, E.: Mittheilungen aus der Grossherzogi. Mecklenburgischen Landes-
anstalt. Nr. XII u. XIIL [De 217h-i.]
Goppelsroeder, F.: Capillaranalyse und das Emporsteigen der Farbstoffe
in den Pflanzen. Sep. 1901. [Cc 66.]
Hartmann, Q.: Die kreisende Energie als Grundgesetz der Natur. [Eb 47.]
Hang, H: Vergleichende Erdkunde und alttestamentlich- geographische
Weltgeschichte. Mit Atlas. 1894. [Fb 133.]
Maiden, gardens and domains in Sydney. Report for 1899. (Cd 118.]
Möhl, H : Die Witterungsverhältnisse des Jahres 1900. [Ec 91.]
Neupert, C.: Mechanik des Himmels und der Moleküle. 1901. [Ea 47.]
Niedenza, F.: Arbeiten aus dem botanischen Institut in Braunsberg, Ost-
preussen. I. [Cd 124.]
Fassalsky, P.: Anomalies magnetiques dans la region des mines de Krivoi-
Bog. 1901. [Ec 98.]
Raleigh: Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol.XVII,p. 1—2. [Aa300.]
Rütimeyer, L.: Gesammelte kleine Schriften. [Ab 90.]
Salonique: Bulletin annuaire de la Station meteorologique, 1899. [Ec 89.
Sars, G.: An account of the Crustacea of Norway, vol. IV, p. 1 — 2. [Bl 29b.
Schmidt, E. v. : Eine neue physiolog. Thatsache psycholog. gedeutet. [Bc 47.
Staudinger, 0.: Biogr., gegeben von Prof. 0. Schneider. Sep. 1900. [Jb 86.
Sterzei, J. T.: 6 Separata. [Dd 93 i — o.]
Stevensen, J.: 7 Separata. [De 222g — n.]
Stossich, M.: Osservazioni elmintologiche. Sep. 1901. [Bm 54hh.]
Stühel, A.: Ein Wort über den Sitz der vulkanischen Kräfte in der Gegen-
wart. [De 237 b.]
Theile, F.i Selbstbiographie. [Jb 79b.]
42
Thonner, F.: Excursionsflora von Europa. 1901. [Cd 125.]
Voretzsch, M.: Die Beziehungen des Kurfürsten Ernst und des Herzogs
Albrecht von Sachsen zur Stadt Altenhurg. Sep. [G 146.]
Wien: K.K. Central -Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst-
und historischen Denkmale. Bericht für 1900. [G 142.]
Wislicenus, H.: Zur Beurtheilung und Abwehr von Bauchschäden. Sep.
1901. [Ed 70.]
Wolfj F.: Unser Bochlitz. 1901. [Ja 81.]
Wolf^ Th.: Potentillenstudien, I. 1901. [Cd 123.]
Worgitzlcy, G.: Blütengeheimnisse. 1901. [Cc 68.]
Ziegler^ J. und König^ W.: Das Klima von Frankfurt a. M. [Ec 85.]
C. Durch Kauf.
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft,
Bd. XXV, Heft 2; Bd. XXVI, Heft 3; Bd. XXVIII. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, neueFolge, Bd.HI, Heft 1, mit Beil. [Gl.]
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XXIV. [Ba 21.]
Bronn' s Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. H, Abth. 3 (Echino-
dermen). Lief. 37 — 43; Bd. III (Mollusca), Lief. 54 — 61; Suppl.,
Lief. 26 — 30; Bd. V (Crustacea), Abth. 2, Lief. 60—62; Bd. VI, Ahth. 1
(Pisces), Lief. 1. [Bb 54.]
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1901.
[Fa 19.]
Hedwigia, Bd. 40. [Ca 2.]
Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, Jahrg. 36. [Fa 5.]
Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 19. [Ca 22.]
Nachrichten, entomologische, Jahrg. 17. [Bk 235.] (Vom Isis -Lesezirkel.)
Natur, Jahrg. 49. [Aa 76.] (Vom Isis- Lesezirkel.)
Prähistorische Blätter, Jahrg. XHI. [G 112.]
Suess, E,\ Das Antlitz der Erde. Bd. III, 1. [De 161.]
Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd. XVI. [Aa 311.] (Vom Isis -Lese-
zirkel.)
Zeitschrift, allgemeine, für Entomologie, Bd. VI. [Bk 245.]
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 73, Nr. 3 — 6;
Bd. 74, Nr. 1—2. [Aa 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 18. [Ec 66.]
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XVII, Heft 2—4;
Bd. XVIII, Heft 1—2. [Ee 16.]
Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 51. [Ca 8.]
Zeitung, botanische, Jahrg. 59. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1901.
C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
,,Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1901.
I. Charles Hermite*).
Yon Martin Krause.
Am 14. Januar d. J. starb in Paris der Altmeister der französischen
Mathematiker, Charles Hermite. Ein Leben, aiisgefüllt von der reinsten
und tiefsten Pflege unserer schönen Wissenschaft, reich an Erfolgen und
Ehren, nahm damit sein schmerzliches Ende. Wie weit verbreitet und
hochangesehen der Name Hermite war, wie einschneidend und mächtig
seine Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten unserer Wissenschaft ge-
wirkt hatten, das zeigte sich vor allem an seinem 70. Geburtstage, den
er am 24. December 1892 in voller geistiger und körperlicher Frische
verleben durfte. Die gesammten Mathematiker Frankreichs vereinigten sich
mit vielen Hunderten von Mathematikern aus der ganzen civilisirten Welt,
darunter die besten Namen, um ihm ihre Huldigung und den Ausdruck
ihrer Dankbarkeit darzubringen.
Wir Deutschen haben besonderen Grund, seiner mit Pietät zu gedenken.
Als junger Student sandte er seine Erstlingsarbeiten an Jacobi, aus dessen
Schriften sie hervorgegangen waren, und nahm von ihm die ersten Lor-
beeren in seinem an Erfolgen so reichen Leben entgegen. Jacobi’ s Ein-
fluss hat ihn sein Leben lang begleitet — die Fundamenta nova lagen
stets auf seinem Arbeitstische — daneben aber verbanden ihn unausgesetzt
enge wissenschaftliche und persönliche Beziehungen mit den besten unserer
deutschen Mathematiker, mit Borchardt, Kronecker, Heine und vielen
der jetzt noch Lebenden. In einer etwas dürren Zeit war es ihm be-
schieden, das Studium der Werke von Gauss und von Jacobi in Frank-
reich heimisch zu machen, und während seines ganzen wissenschaftlichen
Lebens war er ein Vermittler der deutschen und der französischen Mathematik.
Als Rosenhain, als Kronecker, Kummer und Weierstrass uns durch
den unerbittlichen Tod entrissen wurden, da war er es, der ihren Verlust
in der französischen Academie verkündigte und dem Schmerze um den-
selben beredten Ausdruck gab. Als die Universität Heidelberg im Jahre
1886 ihr fünfhundertjähriges Jubiläum feierte, da nahm er als Ehrengast
und Vertreter der französischen Academie daran Theil, kurz, bei allen
Gelegenheiten, wo er konnte, zeigte er sein Interesse und seine Sympathie
für unsere deutsche Wissenschaft.
*) Vortrag, gehalten in der mathematischen Section der naturwissenschaftlichen
Gesellschaft Isis in Dresden am 18. April 1901.
4
Umgekelirt aber ist sein Einfluss auf die Entwickelung der mathe-
matischen Studien in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ein grosser
und mächtiger gewesen. In erster Linie waren es naturgemäss seine
Schriften, die sich hierbei wirksam zeigten, zumal- ein wichtiger Theil der-
selben in deutschen Journalen veröffentlicht ist, daneben aber war es auch
der Einfluss seiner ebenso liebenswürdigen, wie mächtigen Persönlichkeit,
die sich in seinen Briefen an alle diejenigen aussprach, die sich ihm
wissenschaftlich nahten. In seiner Begrüssungsrede am 24. December 1892
sagte Herr Darboux mit vollem Hecht: ,,Accueillant avec bienveillance
toutes les Communications, M. Hermite n’a pas tarde ä entrer en relations
avec les etudiants et les geometres du monde entier. Bepondant ä tous,
au plus humble comme au plus illustre, sans mesurer son temps ni sa
peine, que de fois il a su repandre d’une main liberale, et sans rien re-
clamer pour lui meme, ces indications geniales, qui communiquees ä un
esprit bien doue, peuvent Feclairir subitement, lui faire franchir le pas
difficile et lui inspirer une longue suite d’excellents travaux.“
Unter diesem Briefwechsel nimmt der mit deutschen Mathematikern
einen hervorragenden Platz ein. Selbstverständlich ist es nicht möglich,
das von hier aus statistisch festzustellen, sicher aber hat Hermite durch
seine stets anerkennende, aufmunternde und liebenswürdige Art auf viele
unserer deutschen Fachgenossen in glücklichster Weise gewirkt.
Da ist es denn eine Pflicht der Pietät, wenn seiner auch bei uns in
dankbarer und eingehender Weise gedacht wird.
Ueber die äusseren Lebensschicksale Hermite’s ist mir nur wenig
bekannt geworden. Zu Dieuze in Lothringen im Jahre 1822 geboren, be-
suchte er nach einander das Lyceum von Nancy und die Lyceen „Henry IV“
und „Louis le Grand“ in Paris. Schon auf der Schule fesselte ihn die
Lectüre mathematischer Werke, insbesondere der Algebra von Lagrange
und der Zahlentheorie von Gauss. Er pflegte später öfters zu bemerken,
dass es vor allem diese Werke gewesen seien, aus denen er Algebra ge-
lernt habe. Ende 1842 bezog er die polytechnische Schule in Paris in
der Absicht, Ingenieur zu werden. Hier fesselte ihn aber das Studium
der reinen Mathematik in dem Grade, dass er die praktische Laufbahn
aufgab und sich ganz der reinen Mathematik zuwandte. 1848 begann
Hermite als Repetent für analytische Mathematik am Polytechnicum seine
Lehrthätigkeit. Im Jahre 1856 wurde er zum Mitgliede der Pariser Academie
der Wissenschaften gewählt, im Jahre 1862 schaffte man für ihn einen
Lehrstuhl an der Ecole Normale, nur wenig später wurde er zu gleicher
Zeit Professor an der Ucole Polytechnique und an der Sorbonne. Hier
entfaltete er eine äusserlich und innerlich reich gesegnete und bedeutungs-
volle Thätigkeit, unter anderem war es ihm vergönnt, jene hervorragenden
jungen Männer zu seinen begeisterten Schülern zu zählen, die jetzt den
ersten Platz unter den Mathematikern Frankreichs einnehmen.
Bewunderungswürdig war die geistige Frische, die er sich bis an sein
Ende bewahrte. Bis in die letzten Lebensjahre hinein noch schöpferisch
thätig, beobachtete er die mathematische Entwickelung der neuesten Zeit
mit Liebe und mit Interesse. Fand auch nicht jede Phase derselben seine
Zustimmung, so schied er doch mit der Ueberzeugung und der Gewissheit
aus dem Leben, dass der Mathematik im 20. Jahrhundert eine glückliche
und grosse Zukunft gewiss sei.
5
Die Zahl der in vielen Zeitschriften der verschiedensten Länder zer-
streuten Arbeiten von Hermite ist eine sehr bedeutende, die Arbeiten
selbst erstrecken sich im wesentlichen auf drei Gebiete, die Analysis, die
Algebra und die Zahlentheorie.
Es kann mir nicht beikommen, im Laufe einer kurzen Stunde eine
eingehende und abgeschlossene Würdigung aller dieser vielen Arbeiten
geben und damit den wissenschaftlichen Inhalt eines so überaus reichen
und gesegneten Lebens erschöpfend darstellen zu wollen. Schon die Art
seiner Arbeiten würde das unmöglich machen. Mit dem sicheren Blicke
des Genies hat Hermite es verstanden, Probleme herauszufinden und zu
bearbeiten, die den Keim einer grossen Entwickelung in sich trugen, und
hat dieser Entwickelung die Wege gezeigt und geebnet. Unter, solchen
Umständen schliesst eine eingehende Darstellung seiner Arbeiten zu gleicher
Zeit die Geschichte grösserer mathematischer Disciplinen in den letzten
fünfzig Jahren in sich und würde mehr Zeit beanspruchen als mir zur
Verfügung steht. Ich will mich daher damit begnügen, gewisse Arbeiten
analytischen Charakters zusammen mit ihren Anwendungen auf Algebra
und Zahlentheorie in etwas ausführlicherer Weise zu besprechen, die übrigen
Arbeiten Hermite ’s dagegen nur kurz zu charakterisiren.
Eine überaus grosse Anzahl analytischer Arbeiten, die ihn vor allem
in den späteren Jahren seines Lebens in Anspruch nahmen, fällt in das
Gebiet der Differential- und Integralrechnung sammt deren mannigfachen
Anwendungen und Beziehungen zu anderen Theorien, wie der Theorie der
Fourier’schen Reihen, der elementaren, der Kugel, der Bernouilli’schen
und der Gammafunctionen. Es sind vielfach kleinere Aufgaben, die hier
behandelt werden. Hermite liebte es, einzelne specielle Probleme, auch
solche, die schon von anderen Analytikern behandelt waren, herauszugreifen
und in eigenartiger Weise zu Ende zu führen. Hierhin gehören Aufgaben
aus der Theorie der höheren Differentialquotienten, der Mac-Laurin’schen
Reihe, der Interpolationstheorie, der Partialbruch-Entwickelung gebrochener
Functionen, der Auswerthung bestimmter und unbestimmter Integrale,
Beziehungen zwischen der Integralrechnung und den Kettenbrüchen, Ent-
wickelung wichtiger Eigenschaften der Gammafunctionen und ähnliche
Probleme. Es sind nicht immer die höchsten Aufgaben, die sich hier dar-
bieten, gleichbleibend ist aber das analytische Geschick und die Originalität
in der Behandlung derselben. Es zeigt sich eine Meisterschaft und eine
Feinheit in der Behandlung des Calcüls, wie sie vor ihm, etwa Gauch y
besessen hat und wie sie heute immer mehr und mehr im Verschwinden
begriffen ist.
Unter allen jenen vielen Arbeiten dürften nun wohl den ersten Platz
diejenigen über die Kettenbrüche einnehmen, die ihn lange beschäftigten,
ihn im Jahre 1873 zu der folgenschweren Untersuchung über die Zahl e
führten und damit die Brücke zur Lösung des Quadraturproblemes des
Kreises abgaben. Jahrhunderte lang hatten sich Berufene und Unberufene
damit beschäftigt, die Quadratur des Kreises mit Hülfe von Zirkel und
Lineal ‘ durchzuführen , ohne weder dieses Problem lösen, noch die Un-
möglichkeit seiner Lösung nachweisen zu können. Es ist das grosse Ver-
dienst von Hermite, hier die Wege geebnet zu haben. Im Jahre 1873
erschien die schon angedeutete Arbeit über die Zahl e. In ihr wies er
nach, dass e nicht Wurzel einer algebraischen Gleichung irgend welchen
Grades mit rationalen Coefficienten sein kann und zwar geschah der Nach-
6
weis mit Hülfe gewisser Relationen zwischen bestimmten Integralen, die
auf’s engste mit der Theorie der Kettenbrüche Zusammenhängen. Her mite
konnte damals einen Zusammenhang zwischen seinen Theorien und dem
Quadraturprohlem nicht entdecken oder doch nicht durchführen — wenigstens •
schreibt er in demselben Jahre 1873 an Borchardt: „Je ne me hasarderai
point ä la recherche d’une demonstration de la transcendance du nombre n.
Que d’autres tentent l’entreprise, nul ne sera plus heureux que moi de
leur succes, mais croyez-m’en, mon eher ami, il ne laissera pas de leur
coüter quelques efforts“.
Und doch bildeten seine Untersuchungen die wesentliche Grundlage
für die Lösung des Problems, die im Jahre 1882 von Herrn Lindemann
gegeben wurde und allen bisherigen Versuchen einen glänzenden Abschluss
gab. Muss hiernach Herrn Linde mann schlechterdings die endgültige
Lösung des berühmten Problems als grosses Verdienst zugeschrieben werden,
so darf doch auch das Verdienst von Hermite hierbei nicht ausser Acht
gelassen werden. Mit Recht bemerkt hierzu Herr Camille Jordan;
„On se ferait une idee bien incomplete du role des grandes esprits en
les mesurant exclusivement sur les verites nouvelles qu’ils ont enoncees
explicitement. Les methodes qu’ils ont leguees ä leurs successeurs, en
leur laissant le soin de les appliquer ä de nouveaux prohlemes qu’eux-memes
ne prevoyaient peut-etre pas, constituent une autre part de leur gloire et
parfois la principale, comme le montre l’exemple de Leibnitz‘‘.
Wir kommen nunmehr zu einer zweiten grossen Kategorie von Arbeiten,
die sich auf die Theorie der elliptischen und hyperelliptischen Transcen-
denten und deren mannigfache Anwendungen beziehen. Wie ein rother
Faden ziehen sich diese Arbeiten durch das Leben von Hermite — sie
beginnen mit dem Jahre 1843, werden zeitweise durch andere Arbeiten
durchbrochen, kehren aber bis in sein spätes Alter immer wieder. In
einer seiner ersten Arbeiten aus diesem Gebiete, die sich in einem Briefe
an Jacobi aus dem Jahre 1844 befindet, wird schon jenes wichtige
Princip entwickelt, welches unter dem Namen des Hermite’schen Trans-
formationsprincipes bekannt geworden ist und eine überaus einfache Dar-
stellung der überwiegenden Mehrzahl der Thetarelationen zulässt. Kurz
skizzirt besteht der Inhalt jenes Theorems darin, dass alle ganzen trans-
cendenten Functionen, die gewissen Functionalgleichungen Genüge leisten,
sich aus einer bestimmten Anzahl bekannter Functionen linear zusammen-
setzen lassen.
Hermite giebt in der citirten Arbeit die ersten Anwendungen auf die
Transformationstheorie — in späteren Jahren verwendet er sein Theorem
in ausführlicher Weise für die Entwickelung der gesammten Theorie der
elliptischen Functionen und zvrar in dem Anhang zur sechsten Ausgabe
von Lacroix’s Traite elementaire de calcul differentiel et integral. Andere
Autoren haben sich diesem Verfahren angeschlossen, insbesondere möge
hier auf das bekannte Werk von Weber verwiesen werden. Die Vorzüge
der hier vertretenen Auffassungsweise beruhen in der ungemeinen Durch-
sichtigkeit, Klarheit und Allgemeinheit der Methoden, Vorzüge, vor denen
die Nachtheile, die in der heuristischen Art des Vorgehens beruhen, zurück-
treten müssen.
Auch sonst hat Hermite sich mit der Transformationstheorie viel-
fach beschäftigt. In das Jahr 1858 fällt die vollständige Bestimmung der
Constanten für die lineare Transformation der Thetafunctionen mit Hülfe
7
der Gaus si sehen Summen und etwa in dieselbe Zeit gehört die Auf-
stellung der Transformationstabellen für die schon von Jacob i eingeführ-
ten achten Wurzeln der Moduln der elliptischen Functionen sowie einiger
anderer Ausdrücke. Beide Untersuchungen haben auf das Wesentlichste
zur Förderung der Transformationstheorie Anlass gegeben und eine weitere
Anzahl wichtiger Arbeiten aus demselben Gebiete hervorgerufen, von denen
hier nur an die Arbeiten der H. H. Weber und Koenigsberger erinnert
werden möge.
In eingehender Weise hat sich sodann Her mite mit den allgemeinen
doppelt periodischen Functionen beschäftigt, die er in drei Arten eintheilt.
Für die Functionen erster und zweiter Art giebt er eine Zerfällung in
gewisse Elementarfunctionen und auch bei den Functionen dritter Art, die
er vielfach in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, ist ihm die Elementar-
function bekannt, auf welche Herr Appell in seinen grundlegenden Arbeiten
über diese Functionen geführt wird. Diese Elementarfunctionen sowie
andere einfache doppelt periodische Functionen der verschiedenen Arten
sucht Her mite auf mannigfachem Wege durch unendliche Reihen, seien es
Potenz oder Fourier’sche Reihen, darzustellen. Er kommt hierbei in glück-
lichster Weise zu neuen Resultaten, die befruchtend und anregend auf die
spätere Entwickelung der genannten Disciplinen gewirkt haben und zu dem
eisernen Bestand der heutigen Theorie der elliptischen Eunctionen gehören.
Mit den angedeuteten Arbeiten ist der Kreis der Hermite’schen
Untersuchungen aus der Theorie der elliptischen Transcendenten aber noch
keineswegs abgeschlossen. Es finden sich noch Arbeiten über die ver-
schiedensten Theile derselben, über das Additionstheorem, über die Reihen-
entwickelungen für den Modul der elliptischen Functionen, über die Inte-
graltheorie, weitere specielle Fragen der Transformationstheorie u. s. f., so
dass man füglich sagen kann, dass es nur wenige Theile dieser weitver-
zweigten Wissenschaft geben dürfte, die von ihm nicht wesentlich ge-
fördert sind. Die Arbeiten reichen bis in sein Alter — es finden sich in
ihnen eine Fülle von Keimen, die noch der Entwickelung harren.
Neben der Pflege der eigentlichen Theorie hat Her mite es sich an-
gelegen sein lassen, Beziehungen zu andern Disciplinen herzustellen und zwar
zu der Algebra, der Zahlentheorie und der Theorie der Differentialgleich-
ungen.
Nachdem Abel im Jahre 1824 die Unmöglichkeit nachgewiesen hatte,
allgemeine algebraische Gleichungen vom 5. Grade mit Hülfe von Irrationali-
täten zu lösen, handelte es sich darum, Kategorien von Gleichungen heraus-
greifen, die algebraisch lösbar sind. Es war Galois beschieden, auf diesem
Gebiete bahnbrechend vorzugehen. Seine erste Arbeit über die algebra-
ische Auflösung der Gleichungen stammt aus dem Jahre 1830, seine letzten
Betrachtungen finden sich in einem Schreiben, das er einen Tag vor seinem
im Jahre 1832 im Duell erfolgten Tode an seinen Lehrer Chevalier ge-
richtet hat. Galois stellt den so folgenschwer gewordenen Begriff der
Gruppe einer algebraischen Gleichung auf und wendet denselben auf die
Modulargleichungen an, die vor allem von Jacobi in die Theorie der
elliptischen Functionen eingeführt worden sind. Es gelingt ihm die Gruppe
derselben zu bestimmen, er giebt ferner an, dass die zu den Transforma-
tionsgraden 5, 7, 11 gehörenden Modulargleichungen erniedrigt werden
können. An diese letzten Resultate von Galois knüpft Her mite an. In
einer berühmt gewordenen Arbeit vom April 1858 führt er die Reduction
8
für den 5. Transformatioiisgrad wirklich durch. Die Modulargleichung ist
vom 6. Grade, nennt man ihre Wurzeln in bestimmter Reihenfolge
^2’ '^3’ '^4’ und setzt y =={Vq — Voq) {v^ — {v^ — z^g), so leistet y einer
Gleichung 5. Grades Genüge, die unmittelbar auf die bekannte Jerrard-
Bring’sche Form zu reduciren ist. Damit war das lange vergeblich unter-
suchte Problem gelöst, die Auflösung der allgemeinen Gleichung 5. Grades
in glänzender Weise zu Ende geführt. Die Hermite’sche Entdeckung
traf sich mit einer von Kronecker. Schon im Juni desselben Jahres
th eilte letzterer H er mite mit, dass er sich vor zwei Jahren mit ähnlichen
Untersuchungen beschäftigt habe und gab eine zweite Lösung desselben
Problems. Mit diesen beiden Arbeiten, denen sich sehr bald solche von
Brioschi anschlossen, war der Weg für die mächtige Entwickelung ge-
ebnet, welche die Theorie der Gleichungen 5. Grades seither gefunden hat.
Auch nach anderer Richtung hin zeigte sich die Beschäftigung mit
den Modulargleichungen für die Algebra von grosser Bedeutung. Es ge-
lang Hermite im Jahre 1859 die Discriminantengleichungen derselben
wirklich aufzulösen und damit eine neue Kategorie von Gleichungen höheren
Grades der Rechnung zugänglich zu machen. Der Grundgedanke dieser
Auflösung beruht darin, dass zu gleichen Moduln der elliptischen Func-
tionen Werthe der Thetaparameter gehören, die in einer linearen Bezieh-
ung zu einander stehen. Hermite hat diesen Satz seiner Arbeit aus dem
Jahre 1859 stillschweigend und ohne Beweis zu Grunde gelegt, im Jahre
1877 kommt er in einem Briefe an Herrn Fuchs auf denselben zurück und
zwar mit folgenden Worten: ,,N’y aurait il point lieu d’observer qu’en
faisant = il resulte de votre analyse que toutes les Solutions de
l’equation f {H) = f {Ho) soht donnees par la formule H — ^
en insistant sur Fextreme importance de ce resultat, pour la deter-
niination des modules singuliers de M. Kronecker, et en remarquant que
les belles decouvertes de l’illustre geometre, sur les applications de la
theorie des fonctions elliptiques ä Tarithmetique paraissent reposer essen-
tiellement sur cette proposition, dont la demonstration n’avait pas encore
ete donnee?“
Wir stehen hier bei einem der folgenschwersten Punkte in der Ent-
wickelung der heutigen Functionentheorie. Noch in demselben Jahre 1877
erklärte Herr Dedekind in seiner fundamentalen Arbeit über die Modul-
functionen jenen Satz als die Grundlage seiner Theorie. Sie alle wissen,
welchen grossartigen Aufschwung diese und ähnliche Theorien in den Händen
der ersten Mathematiker unserer Zeit sowie ihrer Schüler genommen haben
und da dürfte es von Interesse sein hervorzuheben, dass Hermite den
fundamentalen Lehrsatz unabhängig von Kronecker schon im Jahre 1859
benutzt und im Jahre 1877 zuerst auf seine Bedeutung öffentlich aufmerk-
sam gemacht hat.
Weitere Anwendungen 'der elliptischen Functionen beziehen sich auf
die Zahlentheorie. Auf derartige Anwendungen hatte schon Jacobi in den
Fundamenten und später in einer Arbeit im 37. Bande des Crelle’schen
Journals aus dem Jahre 1848 hingewiesen.
Im Jahre 1859 eröffnete Kronecker ein neues Gebiet unerwarteter
Beziehungen und erweiterte dasselbe in den Jahren 1862 und 1875. Er
zeigte nämlich, dass mit Hülfe der complexen Multiplication der elliptischen
9
Functionen eine Reihe merkwürdiger Beziehungen, zwischen den Classen-
zahlen gewisser quadratischer Formen hergestellt werden können und gab
eine eigenartige Darstellung von drei Producten von je drei Thetafunc-
tionen mit Hülfe der unendlichen Reihen. An diese Arbeiten von Kronecker
knüpfen eine Anzahl von Arbeiten von Her mite an, und zwar stammen
die ersten aus den Jahren 1861 und 1863, während die letzten in das Jahr
1884 und später fallen. Die Grundlage von Hermite ist eine wesentlich
andere als bei Kronecker. Er legt die Theorie der doppelt periodischen
Functionen dritter Art zu Grunde und zwar insbesondere die Entwickelung
in Fourier’sche Reihen. Indem er eine und dieselbe Function auf mehr-
fachem Wege darstellt und die Integral theorie hinzunimmt, erhält er durch
einige wenige geschickte Operationen die vorhin genannten Kroneck er-
sehen Resultate. Hermite geht aber noch über 'dieselben hinaus. Er
zieht auch weitere Producte von Thetafunctionen in Betracht und zwar
von drei und fünf Factoren und bestimmt mit ihrer Hülfe, wie oft eine
ganze Zahl als Summe von drei und von fünf Quadraten dargestellt werden
kann. Auch sonst enthalten die diesbezüglichen Arbeiten noch viele neue
Resultate zahlentheoretischer Natur. Bei allen diesen Arbeiten sind vor
allem die schönen und durchsichtigen Methoden zu bewundern, welche die
neuen arithmetischen Sätze von vorneherein in ein eigenartiges und helles
Licht setzen.
Die dritte Anwendung der elliptischen Functionen bezieht sich auf die
Theorie der Differentialgleichungen. Aufgaben aus der Wärmelehre führten
Lame zu einer Differentialgleichung zweiter Ordnung, die neben einer
ganzen positiven Zahl n noch einen willkürlichen Parameter h enthielt. Es
gelang Lame ein Integral dieser Gleichung zu finden, wenn h in bestimmter
Weise gewählt wird, Liouville und unabhängig von ihm Heine haben
für dieselben Werthe von h das zweite Integral bestimmt.
An diese Arbeiten knüpft Hermite an und findet im Jahre 1872 für
einen beliebigen Werth von h die beiden Integrale der vorgelegten Gleichung
und zwar mit Hülfe der von ihm eingeführten doppeltperiodischen Functionen
zweiter Art. Hermite hat seine Resultate im Jahre 1872 zunächst nur einem
kleineren Kreise zugänglich gemacht, erst im Jahre 1877 wurden sie durch
Veröffentlichung in den Comptes Rendus weiteren Kreisen bekannt. Auch
hier begegnet er sich mit den Arbeiten eines deutschen Mathematikers
und zwar von Herrn Fuchs. Letzterer legte in demselben Jahre 1877
seinen diesbezüglichen Untersuchungen die Theorie gewisser allgemeiner
Differentialgleichungen zweiter Ordnung zu Grunde, mit denen er sich schon
früher beschäftigt hatte und gelangte durch Umkehrung der Integrale zur
Integration der Lame’schen Differentialgleichung im Hermite’schen Sinne.
Mittlerweile hatten auch andere Mathematiker diesem interessanten Gegen-
stand ihre Aufmerksamkeit zugewandt, vor allem war es wieder Brioschi,
neben ihm die Herren Mittag-Leffler und Picard. In enger Fühlung
mit ihnen gelang es Hermite noch weitere Differentialgleichungen mit
doppeltperiodischen Coefficienten der Integration zugänglich zu machen.
Alle die soeben skizzirten Hermite’schen Untersuchungen, die im Jahre
1885 in einem eigenen Werke zusammengefasst wurden, sind verwoben mit
der Lösung einiger mechanischer Probleme und zwar des Jacobi’schen Ro-
tationsproblemes, des Problemes der Gleichgewichtsfigur einer elastischen
Feder und des sphärischen Pendels, die alle drei mit Hülfe der doppelt-
periodischen Functionen zweiter Art zu Ende geführt werden. Das ge-
10
nannte Werk gehört zu den schönsten Erzeugnissen unserer mathematischen
Litteratur. Es zeichnet sich ebenso durch Gedankenreichthum wie durch
Eleganz der Darstellung aus und hat Anregung zu einer grossen Reihe
weiterer Arbeiten über dasselbe Gebiet gegeben, von denen nur nochmals
auf die geistvollen Arbeiten von Herrn Picard hingewieseii werden möge.
— Mit der Theorie der elliptischen Functionen ist die der hyperelliptischen
enge verbunden. In ihr Gebiet fällt eine der ersten Arbeiten von Her mite.
In einem Briefe an Jacobi vom Januar 1843 giebt der zwanzigjährige
Student die Lösung des Divisionsproblemes der hyperelliptischen Func-
tionen erster Ordnung und zwar sowohl für beliebige Werthe des Argu-
mentes, wie für die Nullwerthe derselben, Jacobi erkannte sofort die
hohe Bedeutung der Arbeit, die ihren Verfasser mit einem Schlage den
Mathematikern ersten Ranges gleichstellte. Er antwortete ihm mit den
Worten: ,,Je vous remercie bien sincerement de la belle et importante
communication que vous venez de me faire, touchant la division des fonc-
tions abeliennes. Vous vous etes ouvert par la decouverte de cette divi-
sion un vaste champ de recherches et de decouvertes nouvelles qui annon-
cent un grand essor ä hart analytique. Je vous prie de faire mes compli-
ments ä mon illustre ami M, Liouville. Je lui sais bon gre d’avoir bien
voulu me procurer le grand plaisir que j’ai ressenti en lisant le Memoire
d’un jeune geometre, dont le talent s’annonce avec tant d’eclat dans ce
que la Science a de plus abstrait.“ Lame und Liouville erstatteten der
französischen ikcademie über die Arbeit Bericht und veranlassten ihre Auf-
nahme in den Recueil des Savants etrangers.
In das Jahr 1855 fällt die classische Arbeit über die Transformation
der Abel’schen Functionen. Wer immer sich auf diesem schwierigen Ge-
biet bethätigen will, wird zu derselben als dem Quell und dem Ausgangs-
punkt aller weiteren Untersuchungen zurückgehen müssen. Was Göpel
und Rosenhain für die allgemeine Theorie der hyperelliptischen Func-
tionen geleistet haben, das hat Hermite für die Transformationstheorie ge-
leistet — er hat das Fundament gegeben, auf welchem mit Sicherheit weiter
gebaut werden kann.
Neben all’ diesen vielen speciellen Functionen blieb Hermite auch
der Theorie der analytischen Functionen nicht ferne. In einem Alter, in
dem es im Allgemeinen schon schwer wird, sich in neue fremdartige Ideen-
kreise hereinzudenken, widmete er sich dem Studium der Weierstrass-
schen und Mittag-Leffler’schen Arbeiten und kam hierbei zu neuen
selbstständigen Methoden, sowie zahlreichen Anwendungen, die er in mehreren
Arbeiten aus dem Jahre 1880 und später niederlegte. Daneben liess er
sich angelegen sein, das Studium der Weierstrass’schen Arbeiten in Frank-
reich einzubürgern, mit welchem Erfolge, das lehren die schönen Arbeiten
der jungen französischen Mathematiker auf diesem Gebiet.
Mit dem soeben Bemerkten dürfte der Kreis der Arbeiten einigermassen
umgrenzt sein, die entweder rein analytischen Charakters sind oder mit
der Analysis in tieferer Beziehung stehen. Zu ihnen kommt eine grössere
Anzahl von Arbeiten arithmetischen und algebraischen Inhalts, wobei
freilich eine scharfe Umgrenzung nicht möglich ist, da auch in ihnen sich
Untersuchungen rein analytischer Natur vorfinden. Alle diese Arbeiten
fallen in sein kräftigstes Mannesalter. Die Erfindungsgabe zeigt sich in
ihnen in bewunderungswürdiger Weise. Die neuen Ideen, die neuen Re-
sultate und Sätze drängen einander, sie bringen den Namen Hermite in
11
immer weitere und weitere Kreise und eröffnen dem Vierunddreissigjährigen
die Hallen der französischen Academie.
Die Arbeiten arithmetischen Charakters setzen ungefähr im Jahre 1850
ein. Ihr Zweck war es, zunächst die Annäherungsmethode schärfer zu
untersuchen, die Jacobi in seiner bekannten Arbeit über die Unmöglich-
keit von Functionen einer veränderlichen Grösse mit mehr als zwei Perioden
aufgestellt hatte. Her mite überzeugte sich bald, dass diese Fragen, sowie
eine grosse Anzahl ähnlicher von der Keduction der quadratischen Formen
abhängig zu machen ist. „Mais une fois arrive ä ce point de vue“, so
schreibt er im Jahre 1850 an Jacobi, „les problemes si vastes que j’avais
cru me proposer, m’ont semble peu de chose ä cote des grancles questions
de la theorie des formes, considerees d’une maniere generale.“ Auf diesem
Wege gelangt er zu der arithmetischen Theorie der Formen und traf sich
hierbei mit den Arbeiten von Gauss, Eisenstein, Jacobi und Anderen.
Her mite untersuchte zunächst die quadratischen Formen mit beliebig
vielen Veränderlichen. Er führte sie auf gewisse reducirte Formen zu-
rück und wies nach, dass die Classenanzahl bei vorgelegter Determinante
und ganzzahligen Coefficienten eine endliche ist. Für den Fall der in-
definiten Formen war hierbei eine grosse Anzahl von Schwierigkeiten zu
überwinden, die er in geistvollster Weise löste. Er führte dazu unter
anderem den Begriff der continuirlichen Veränderungen in die Formen-
theorie ein und gab damit eine Reduction von Fragen über ganze Zahlen
auf Fragen rein analytischen Charakters. Auch das Problem, die Trans-
formationen einer Form in sich selbst zu finden, musste in Angriff ge-
nommen werden.
In ähnlicher Weise wird die Theorie der Formen von beliebigem Grade
untersucht, welche in lineare Factoren zerfällt werden können. Hier findet
Her mite jenen schönen Satz über die vertauschbaren ganzzahligen Trans-
formationen einer Form in sich, welche die Theorie derselben auf die Po-
tenzen von Transformationen zurückführt.
Auch die Hinzunahme complexer Grössen zeigt sich von schwerwie-
gender Bedeutung. Hermite führte zuerst die nach ihm benannten bilinearen
Formen mit conjugirt complexen Veränderlichen ein und gab damit die
Grundlage für weitgehende neuere Untersuchungen, unter denen vor allem
diejenigen von Herrn Picard zu erwähnen sind. Daneben gelang es ihm,
die schönen Sätze von Jacobi über die Zerlegung ganzer Zahlen in die
Summe von vier Quadraten von neuem zu beweisen. Auch die Theorie
der in Linearfactoren zerlegbaren Formen beliebigen Grades mit ganzen
complexen Coefficienten wurde in den Bereich der Betrachtungen gezogen
und gab Anlass zu dem berühmten Satze, dass die Wurzeln der algebra-
ischen Gleichungen mit ganzen complexen Coefficienten und gleicher Dis-
criminante sich durch eine begrenzte Anzahl von einander verschiedener
Irrationalitäten ausdrücken lassen.
Glänzend waren die Anwendungen auf die Algebra. Es gelang ihm,
das Sturm’sche Problem über die Anzahl der reellen Wurzeln einer
algebraischen Gleichung zwischen vorgelegten Grenzen auf Grund des
Trägheitsgesetzes der quadratischen Formen in einer eleganten Form zu
lösen. Herr Weber hat diese Lösung in seiner Algebra dem deutschen
Publicum allgemein zugänglich gemacht. Auch algebraische Gleichungen
mit complexen Coefficienten werden betrachtet. Hermite associirt den-
selben gewisse quadratische Formen und kommt damit zu Resultaten,
12
welche die Cauchy’schen Theoreme über die Anzahl complexer Lösungen
in einem vorgeschriebenen Bereiche als unmittelbare Folgerung ergeben.
Mittlerweile war eine neue Richtung in der Formentheorie hervorgetreten.
Durch die Bemühungen von Boole und Cayley hatten sich in den vier-
ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten Keime der Invarianten-
theorie entwickelt. Auch hier war es Hermite beschieden, schöpferisch
in die Entwickelung einzugreifen und neue Wege vorzuschreiben, die
später von Anderen weiter verfolgt werden. Seine Arbeiten beginnen im
wesentlichen im Jahre 1854 und berühren sich vielfach mit den Arbeiten
von Cayley und Sylvester, so dass es, wie Herr Jordan sagt, schwer,
ja kaum wünschenswerth ist, den Antheil eines Jeden an dem gemeinsamen
Werke zu präcisiren. „Wir, Cayley, Hermite und ich“, so sagt Syl-
vester, ,, bildeten damals eine invariante Trinität“. Jedenfalls ist Hermite
das berühmte Reciprocitätsgesetz zuzuschreiben, welches die invarianten
Bildungen im binären Gebiete in einer merkwürdigen Art zu Paaren ordnet
und eine überaus grosse Anzahl wichtiger Anwendungen zulässt. Indem
Hermite ferner, wie H. F. Meyer bemerkt, im Falle einer binären Form
ungerader Ordnung zwei lineare Covarianten als neue Veränderliche ein-
führt, vermag er die erstere in eine „typische“ Gestalt zu bringen, in
welcher die Coefficienten selbst Invarianten sind. Im unmittelbaren Zu-
sammenhänge damit stehen die Systeme „associirter Formen“, von denen
jede weitere zur ursprünglichen Form gehörige Bildung in rationaler Weise
abhängt. Eine überaus interessante Anwendung dieser Theoreme bezieht
sich auf die Formen 5. Grades. Hier findet Hermite neben den drei
von Sylvester entdeckten Invarianten eine vierte von der Eigenschaft,
dass sich alle anderen Invarianten als ganze Functionen dieser vier fun-
damentalen Grössen darstellen lassen. Dieselbe bietet das erste Beispiel
einer schiefen Invariante dar, d. h. einer solchen, die in sich selbst multi-
plicirt mit einer ungeraden Potenz der Substitutionsdeterminante übergeht.
Die Coefficienten der typischen Form vom 5. Grade drücken sich rational
durch diese Invarianten aus. Hieraus folgert Hermite, dass jede Gleichung
5. Grades so umgeformt werden kann, dass sie nur von zwei Parametern
abhängt, die absolute Invarianten sind, und giebt Invariantenkriterien für
die Realität ihrer Wurzeln.
„La lecture de ces beaux Memoires“, so sagt Herr Picard, „laisse
une impression de simplicite et de force; aucun mathematicien du
XIX® siede n’eut, plus qu’ Hermite, le secret de ces transformations al-
gebriques profondes et cachees qui, une fois trouvees, paraissent d’ailleurs
si simples. C’est ä un tel art du calcul algebrique que pensait sans doute
Lagrange, quand il disait ä Lavoisier que la Chimie deviendrait un
jour facile comme FAlgebre“.
Ich bin am Schlüsse meiner Betrachtungen angelangt. Vieles habe
ich nur andeuten und flüchtig berühren hönnen, vielleicht aber dürften
Sie doch aus dem Bemerkten entnommen haben, wie mächtig und um-
fassend der Geist war, der mit Hermite dahingegangen ist.
Ungezählte Jünger unserer Wissenschaft haben aus seinen Werken
Weisheit und Belehrung gezogen. Wie aus einem tiefen unerschöpflichen
Born, so strömen aus ihnen krystallhell eine Fülle neuer Gedanken und
zwingen den Leser zur Mit- und Fortarbeit. Viele seiner Ideen und
Resultate sind zum Gemeingut unserer Wissenschaft geworden, aber auch
sie wird man in Zukunft gerne an der Quelle studiren wollen, viele andere
13
dagegen harren noch der Entwickelung. So hat sich denn Her mite in
seinen Werken ein Monument gesetzt, welches die Zeiten überdauern
wird und seinen Namen mit dem Zauber der Unsterblichkeit umgiebt.
Wir aber, die wir ihm persönlich nahen durften, werden des grossen und
gütigen Mannes nimmermehr vergessen 1
Litteraturangaben.
Ausser den Werken von Hermite habe ich benutzt:
1. Die Fortschritte der Mathematik.
2. Enneper: Elliptische Functionen. Theorie und Geschichte.
Halle 1890.
3. Krause: Theorie der doppeltperiodischen Functionen einer
veränderlichen Grösse. Leipzig. Litteraturnachweise.
4. F. Klein: Vorlesungen über das Ikosaeder. Leipzig 1894.
5. Franz Meyer: Bericht über den gegenwärtigen Stand der
Invariantentheorie. Jahresbericht der deutschen math. Ver-
einigung 1892.
6. Vahlen: Arithmetische Theorie der Formen. Encyklopädie der
math. Wissenschaften.
7. Jubile de Hermite. Paris 1893.
8. Notice sur M. Ch. Hermite; par M. C. Jordan. Comptes Rendus
21. Janvier 1901.
Nach Fertigstellung des Manuscriptes wurde mir die Arbeit von Herrn
Picard über Hermite aus dem letzten Hefte der Annales de TlScole Nor-
male bekannt. Ich konnte diese geistvolle und eingehende Untersuchung
unter solchen Umständen nicht mehr in eingehender Weise berücksichtigen
— immerhin sind einige Bemerkungen derselben in den Vortrag auf-
genommen worden.
II. Tiefbohrmig ln der Dresdner Haide.
Von Dr. Robert Wessig.
Eine im Jahre 1899 in der Dresdner Haide hinter dem Waldschlösschen
vorgenommene Bohrung*) schloss in einer Tiefe von 20,80 m ein 3,70 m
mächtiges Thonlager auf und führte weiter in die diluvialen Thalkiese
und Thalsande des Elbstromes bis zur Teufe von 40, lo m hinab. Als
weiterer Beitrag zur Kenntniss der Untergrundverhältnisse des rechten
Elbufers dient folgende Bohrliste, die sich aus einer in unmittelbarer Nähe
des erwähnten Aufschlusses im Frühjahr 1900 vorgenommenen Tiefbohrung
ergab :
Haidesand
0,00-
0,30-
10,20-
13.40-
18,10-
18,60-
20,20-
20,60-
21.30-
23.80-
24.40-
26,15-
26.50-
27,10
32,20-
33,70-
34.80-
36.30-
38,40 -
40.30-
41.50-
42.40-
44.80-
45,30
0,30 m
10.20 55
13,40 55
-18,10 ,5
■18,60 „
20.20 ,5
•20,60 „
21.30 „
23,80 „
■24,40 55
26,15 5,
26,50 55
■27,10 „
32.20 55
33.70 „
-34,80 55
■36,30 55
■ 38,40 55
40.30 55
■41,50 55
•42,40 „
-44,80 „
-45,30 „
45.70 55
aufgefüllter Boden,
grauer Sand,
grauer Sand mit Steinen (Granitfragmente),
gelber Sand mit Steinen,
grauer, feiner Sand,
feiner Kies,
grober Kies,
brauner Thon,
blauer Thon,
Thon mit Eisensandschichten,
thoniges Gerolle,
grober Kies,
grauer Sand,
Erbskies,
grober Kies,
feiner Sand,
grober Kies,
feiner Sand,
feiner Kies,
grober Kies,
feiner Kies,
grober Kies (einschliessl. schlammige Schicht
5 — 10 cm mächtig),
grober, thoniger Kies,
grober Kies,
*) Abhandl. d. naturwiss. Ges. Isis in Dresden 1899, S. 16.
15
45,70 — 47,20 m feiner Kies,
47,20 — 47,35 „ gelber Thon,
47,35 — 47,90 „ blauer Thon,
47,90 — 50,oo „ Pläner (Labiatus- Pläner).
Aus dem gebotenen Profile geht abermals die Anwesenheit des Thon-
lagers in einer Mächtigkeit von 3,80 m hervor, lieber demselben sammeln
sich die „verlorenen Wasser“ der Haidesandterrasse an (auch in den Brunnen
der Simmig’schen Villen nachgewiesen). Der Thon offenbarte als speckiges
Material die bekannte Beschaffenheit, d. h. er zerfloss beim Brennen im
Steingutofen bei 1250^ in Folge des starken Eisen- und Kalkgehaltes zu
einem rothbraunen Kuchen, ein Verhalten, welches z. B. dem Brongniarti-
Mergel nicht eigen ist. Die über dem Thone lagernden Sande erwiesen
sich als echte Haidesande, die nur direct im Hangenden des Thones in
Kies übergingen, so dass wir hier, wie anderwärts im Gebiet, die kiesigen
Basisschichten des Haidesandes vor uns haben. Dies Verhältniss kommt
auch zum Ausdruck durch die Vergleichung der trigonometrischen Fest-
punkte, die hier in Frage kommen. Der im Niveau der jüngsten Thal-
stufe der Elbe befindliche Elbbolzen Nr. 736 an der Südwestecke des
Wasserwerkes zeigt 109, 094 m, das Terrain in der Umgebung des Bohr-
loches 133,772 m, so dass das Niveau des Thonlagers bei einer Tiefenlage
von 20,60 — 24,40 m ziemlich genau der Höhenlage der unteren Elbaue
entspricht. Damit ist die Entstehung des Thones als Elbschlick über dem
alten zugeschütteten Elbbett wahrscheinlich gemacht, auch besonders des-
halb, weil unter dem Thon der Bohrer deutliche Elbschotter mit zahl-
reichen, charakteristischen Geschieben, als Basalt, Phonolith, Quadersand-
stein, metamorphosirte Andalusitgneisse und selbst Porzellanjaspis von den
Kohlenbrandherden aus Böhmen durchteufte.
Wie aus der Bohrliste ersichtlich, findet eine deutliche Wechsellagerung
von Sand und Kies statt, und schliesslich folgen bei 47,35 m blaue Thone,
die nach dem Befunde als verwitterte und aufgearbeitete Pläner anzusehen
sind und die im Gegensätze zu dem oben erwähnten Thone beim Brennen
wenig deformirte, gelbgraue Scherben lieferten. Unter dieser, nur wenig
mächtigen Lage erscheint der feste Labiatus -Pläner, das Grundgebirge
der Elbthalwanne, welches, durch die Lausitzer Verwerfung am Lausitzer
Granit abgesunken, sich sicher bis zum Bruchrande der Granitplatte unter
der Haidesandterrasse hinzieht, wie die Aufschlüsse an den Hellerbergen
verrathen. Ausser im artesischen Brunnen*) auf der Antonstrasse, im
Brunnen der Werft zu Uebigau*) und im Bohrloch im Priessnitzgrunde**)
sind die Pläner auf dem rechten Elbufer sonst nirgends in der Tiefe auf-
geschlossen worden, und dürfte die jüngste Bohrung als weiterer Beitrag
zur Lösung der Frage nach der Entstehung des Elbthales, der Lage und
Ausdehnung des diluvialen Elbbettes dienen.
*) Sect. Dresden, S. 84.
**) Abhandl. d. naturwiss. Ges. Isis in Dresden 1899, S. 16.
III. Ein verziertes Steinbeil aus Sachsen.
Von J. Deiehmüller.
Im Herbst vorigen Jahres kam die Königliche Prähistorische Samm-
lung in Dresden in den Besitz von drei Steingeräthen, welche auf der Flur
Zeicha bei Mügeln, Regierungsbezirk Leipzig, von dem dortigen Guts-
besitzer Herrn Grüble bei der Bestellung seiner Felder einzeln gefunden
und Herrn Oberlehrer Fl. Schubert in Mügeln als Geschenk für das Dresdner
Museum übergeben worden waren. Das eine derselben ist ein wohlerhal-
tenes, 19 cm langes, facettirtes Steinbeil aus Amphibolit von der in Sachsen
schon mehrfach gefundenen Form mit Verstärkungsrippen zu beiden Seiten
des Schaftlochs, das zweite das 11 cm lange Schneidenende eines am
Schaftloch abgebrochenen Steinbeils von viereckigem Querschnitt aus ähn-
lichem Gestein; das dritte, auch nur ein Schneidenende, zeichnet sich
durch die auf demselben angebrachten vertieften Ornamente aus.
Das wenig mehr als 8 cm lange Bruchstück hat schlank dreieckigen,
nach der stumpfen Schneide zugerundeten Grundriss (siehe nebenstehende
Abbildung), fast rechteckigen, an der Bruchfläche 4 cm
breiten und 3 cm hohen Querschnitt und an der Schneide
eine Höhe von 2,3 cm. Ober- und Unterfläche sind eben,
die Seitenflächen gleichmässig flach gewölbt. Mit Aus-
nahme der unteren Fläche sind alle übrigen mit ver-
tieften, eingeritzten Ornamenten bedeckt. Auf den Seiten-
flächen verlaufen je vier ungleich starke, bis 1 mm tiefe
und breite Längslinien in ziemlich regelmässigen Ab-
ständen von 7 mm, die auf der in der Abbildung sicht-
baren Seitenfläche 4 cm, auf der gegenüberliegenden
4,5 cm vor der Schneide enden. Die obere Fläche wird
längs der Mitte durch eine 3 — 3,5 mm breite, gegen
1 mm tiefe, nach der Schneide verflachte, gerundete
1/2 der natürl. Grösse. Furche getheilt, von welcher beiderseits schief nach den
Rändern unregelmässige, eingeritzte schwächere Linien abzweigen, wodurch
ein tannenzweigartiges Ornament entsteht.
Das zu dem Geräth verwendete Gestein ist nach der im Königlichen
Mineralogisch -geologischen Museum in Dresden durch Prof. Dr. W. Bergt
ausgeführten mikroskopischen Untersuchung ein massiger „Grünstein“,
wahrscheinlich ein durch Gebirgsdruck besonders in der Zusammensetzung
veränderter, in der Struktur aber noch erkennbarer, feinkörniger Diabas.
17
Derartige verzierte Steingeräthe gehören allgemein zu den Seltenheiten;
unter den aus dem Königreich Sachsen bisher bekannten, nicht aus Feuer-
stein hergestellten Steinwerkzeugen, deren Zahl bereits mehr als 300 be-
trägt, ist das Zeicha’er Bruchstück das einzige, welches mit vertieften
Linien geziert ist. Ein dem hier beschriebenen ähnliches tannenzweigartiges
Ornament hat E. Friedei auf dem Bahnende eines Steinhammers von Jüter-
bogk gefunden und in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für
Anthropologie 1875, S. 183 abgebildet.
f
IV. Die ältesten Wege in Sachsen*).
Yon Finanz- und Baurath H. Wiechel.
Mit 1 Karte.
Die Eckpunkte des zu untersuchenden Gebietes bilden im Nordwesten
die Saaleübergänge Halle, Merseburg, Weissenfels, Naumburg, im Süd westen
die Uebergangspunkte am Nordrande des Fichtelgebirges Hof, Asch, Eger;
im Süden bildet die Eger und Prag, im Osten die Iser-Neisselinie die
Interessengrenze, während im Norden die altalluviale Niederung Eilenburg-
Torgau-Elsterwerda-Senftenberg-Eriebus einen natürlichen Abschluss dar-
bietet.
Dieses Gebiet wurde noch 1100 n. Chr. quer durchzogen von einem 20
bis 60 km breiten Waldgebirge, dessen etwa 1250 n. Chr. vollendete Rodung
und Besiedelung dem Lande die äussere Erscheinung gegeben hat, welche
es fast unverändert noch heute besitzt. Eine ähnliche durchgreifende Ver-
änderung des ganzen Landesbildes könnte man sich für die Zeit des Ueber-
ganges von Weidewirthschaft zum Ackerbau vorstellen; indessen fehlen, um
hierauf einzugehen, heute noch ausreichende Anhaltspunkte. Bestehen doch
noch Zweifel über die Agrarzustände in der Broncezeit, deren Spuren fast
in allen Ortschaften, die die deutsche Eroberung seit etwa 800 n. Chr.
von Slaven besiedelt antraf, zu Tage treten. Das Bedürfniss nach einem
sicheren Heim für den langen Winter, nach Ansammlung von Essvorrath
für die unwirthlichen Monate kann schon in der jüngeren Steinzeit, deren
Eundgebiet sich in unerwarteter Weise fortwährend erweitert, zu einer ge-
wissen Sesshaftigkeit, Bodenvertheilung und Bodenbearbeitung geführt haben,
wozu übrigens auch der milde fruchtbare Lössboden auf der Linie Pegau-
Lommatzsch-Bautzen einladen musste. Jedenfalls hat sich, wie alle prä-
historischen Funde beweisen, das Leben der Bewohner seit den ältesten
Zeiten auf demselben Gebiete abgespielt, auf dem wir die Siedelungen
der Wenden bei der deutschen Besitzergreifung vorfinden, auf einem
Gebiet, das sich in seinem Aeusseren nur wenig verändert erhalten haben
dürfte.
Untersuchungen über die ältesten Wege im Zeitabschnitte der deutschen
Besitznahme, also etwa 800 bis 1200 werden daher nicht nur grundlegende
Bedeutung für die Weiterverfolgung der Entwickelung des Wegenetzes bis
*) Unter Benutzung seines am 18. April 1901 in der Section für prähistorische
Forschungen der naturwissenschaftlichen Glesellschaft Isis in Dresden gehaltenen Vortrags.
19
zur Neuzeit, sondern auch für die Rückblicke in die vorhistorische Zeit
besitzen.
Die historischen Nachrichten, die wiederholt bearbeitet worden sind*),
beschränken sich für die älteste Zeit auf Nennung einiger weniger Orts-
und Localnamen in Berichten über Heereszüge und vereinzelte Reisen oder
über Zollstätten. So werthvoll diese Anhaltspunkte sind, so reichen sie
doch nicht aus, ein Wegenetz für jene alte Zeit aus ihnen zu construiren,
so wenig wie man aus den Triangulationspunkten einer Landesvermessung
eine Landkarte zu entwerfen vermag.
Für die Erkenntniss der Einzelheiten der ältesten Wegeanlagen fliesst
aber eine überraschend reiche Quelle, aus der noch wenig geschöpft worden
ist — das ist die Spur der Vorzeit auf dem heutigen Antlitz des Landes.
So mancher älteste Weg ist noch vorhanden, sei es in der vornehmen
Gestalt einer grossen Strasse oder eines bescheidenen Verbindungsweges,
oder gar nur als vom Verkehr verlassener, grasüberwucherter Feldweg, als
seitab liegen gebliebener Hohlweg von Strauch- und Baumwuchs erfüllt.
Ja bis zum Feldrain, bis zur Grenzlinie schreitet die Rückbildung vor,
wenn nicht gar durch Zusammenlegungen von Feldfluren jedwede Spur des
alten Weges in den Ackerfurchen untergeht.
Aber nicht nur die sichtbar wie auf einem Palimpseste auf der Landes-
oberfläche von den aufeinanderfolgenden Jahrhunderten eingegrabenen Weg-
zeichnungen selbst sind uns zur Entwirrung aufbewahrt, sondern auch un-
sichtbare, aber gleich fest an die Scholle gebundeneUeberlieferungen erzählen
von den ältesten Wegen: die Localnamen, zunächst die Wegnamen selbst.
Bei der Treue der Erhaltung vieler Localnamen lässt sich sogar zuweilen
noch deren althochdeutscher oder mittelhochdeutscher Charakter und da-
mit deren Zeitstellung erkennen.
Alle diese topographischen Einzelheiten und Flurnamen liefert in un-
übertrefflicher Klarheit die Landesaufnahme des kursächsischen In-
genieurcorps aus der Zeit um 1780, die in Kupfer gestochen als
Oberreit’scher Atlas**) bekannt ist.
Es ist nun versucht worden, an der Hand der historischen Angaben
unter Voraussetzung eines Siedelungszustandes vor der deutschen Colonisa-
tion, also vor 1200 die ältesten Wegzüge in allen Einzelheiten aus dem
vielgefalteten Antlitz des Landes selbst abzulesen. Ehe auf die einzelnen
Wegzüge eingegangen wird, sind die Grundsätze in der Eührung der Strassen
und die mit dem Wege im Zusammenhang stehenden Anlagen, wie sie jener
Culturepoche in unserem Gebiete entsprechen, zu erörtern.
*) H. Scliurtz: Die Pässe des Erzgebirges. Leipzig 1891. — A Simon: Die
Verkehrsstrassen in Sachsen n. s. w. Stuttgart 1892.
Zn nennen sind noch: »
0. Posse: Die Markgrafen von Meissen. Leipzig 1881. Umfasst die Zeit von
968 bis 1156. — E. 0. Schulze: Die Colonisirung und Germanisirung der Gebiete
zwischen Saale und Elbe. Leipzig 1896.
**) Es ist zu bedauern, dass diese Karte für wissenschaftliche Zwecke nicht mehr
abgedruckt und in den Handel gebracht wird. Auf kostspielige Nachträge könnte wohl
verzichtet werden, da neuere Kartenwerke das moderne Bedürfniss befriedigen. Die
Vervielfältigung der älteren Platten, sei es auch nur durch Umdruck, ist aber für die
culturgeschichtliche Forschung so werthvoll, weil sie eine Fülle von Einzelheiten und
Namen enthalten, die man auf den neuen Kartenwerken vermisst.
*>!=
20
Di© Trassirung der Wege.
Wenn auch Wege sowohl in der Urzeit wie heute jede Einzelsiedelung
mit der benachbarten verbanden, also in der Gesammtheit ein unentwirr-
bar dichtes Netz bildeten,
„Seitab liegt der Sitz des Feindes
Wenn er am Wege auch wohnt;
Zum Freunde aber führt ein Richtsteig,
Zog er auch fernhin fort.“ (Edda.)
so hoben sich doch immer die „länderverbindenden“ Hauptwege ab, um die
es sich hier nur handelt. Diese Wege mieden nun in alter Zeit mit
Aengstlichkeit das Alluvium, die Thalaue sowohl in der Längserstreckung
der Thäler als auch bei Durchquerungen, so dass immer der bestgangbare
Pass durch das Inundationsgebiet sorgfältig ausgesucht wurde. Auch die
Lage unmittelbar parallel dem Alluvialrande auf erhöhtem Boden war un-
beliebt wegen der Nothwendigkeit, zahllose Querbäche zu kreuzen und das
gerade an den Stellen, wm diese Seitenzuflüsse das meiste Wasser führen..
Die ältesten Wege ziehen sich daher stets in der Nähe der Wasserscheiden
auf den Landrücken hin, ohne gerade peinlich diese Lage zu suchen,
weil die Kreuzung kurzer Wasserläufe in der Nähe des Ursprunges, mithin
ohne grösseres Sammelgebiet, nie schwierig ist. Oft findet man gerade an
diesen Uebergängen Damm- und Teichanlagen zur Anstauung der nicht
übermässigen Wasserläufe und fast regelmässig findet sich dann der Local-
name „Strassenteich“ oder „alte Teich“.
Besondere Schwierigkeiten bereitete stets die Querung wasserreicher
Thalauen. Hier mussten Siedelungen, Schutzbauten von Uranfang an ent-
stehen, war doch das Heer, der Reisende bei hohem Wasserstand, wie ihn
nicht nur das Schneeschmelzen, sondern auch Gewitterregen erzeugen konnten,
geradezu gezwungen, wie wiederholt historisch überliefert, wochenlang auf
günstige Verhältnisse zu warten. Dass a,us diesen Siedelungen an den
Fürthen die meisten grösseren Orte, Handelsstädte erwachsen sind, ist be-
kannt.
Auf einen wuchtigen Umstand ist hier noch hinzuweisen. Konnten
die ältesten Wegzüge nicht an der Grenze zwischen Alluvium und Diluvium
gesucht werden, so ist doch diese Scheidelinie von ausschlaggebender Be-
deutung für die Siedelungen. Alle alten Orte finden sich wie Perlenschnuren
zu beiden Seiten der Alluvialränder aufgereiht. In die Thalaue selbst baute
man nur die Zufluchtsorte, Wasserburgen. In diesem Zusammenhang sind
auch die Pfahlbauten zu erwähnen. Mit Zunahme der Cultur rutschen die
alten Strassen so zu sagen zu Thal. Schon die wasserbaukundigen Colonisten
aus Friesland, Holland, Vlamland werden in den Jahren 1100 bis 1250 das
ihrige zu diesem Process beigetragen haben. So läuft der erkennbar älteste
Südweg von Leipzig, der „Dösener Marktweg“ bei Wachau, unter dem höchst
bezeichnenden Namen „Heerwmg“ etwa 13 km landeinw^ärts vom Pleissenauen-
rand, dem entlang die „alte Poststrasse“ über Rötha nach Borna hinzieht,
während von Crostewitz ab die „alte Strasse“ die Verbindung mit dem Heer-
w^eg in Magdeborn herstellt. Offenbar ist die Bezeichnung „alt“ nur eine
relative, sie liefert für die absolute Zeitstellung noch kein entscheidendes
Merkmal. Aehnlich liegt es bei der alten Hauptstrasse Chemnitz-Lichtenstein-
Zwickau, die in der Kappelbachaue und weiter im Lungwitzthale hinzieht
und wohl erst nach 1100, Lichtenstein wird um 1200 erstmalig genannt,
21
aufkommt. In der „Pflockenstrasse“ von Chemnitz über den Zschockenberg
und der anschliessenden „Freitagsstrasse“ nach Zwickau, die sich immer
auf den Höhenrücken halten, sodann in der mehr nördlich von Chemnitz
durch den Rabensteiner Wald ziehenden „Hartstrasse‘‘ über den Rödenberg
dicht nördlich Hohenstein nach Glauchau haben wir wahrscheinlich die ältesten
West- Ost-Wege dieser Gegend vor uns. Ein drittes Beispiel einer alten Thal-
strasse bietet der später zur Hohen- und Stapelstrasse ausgewachsene Weg
Altenburg -Gössnitz -Werdau, der die Pleissenaue nicht verlässt und mit der
Entwickelung Altenburgs aufgekommen sein dürfte, während die ohne Zweifel
ältere Nordsüdstrasse etwa 12 km westlich von Luckau auf dem Rücken über
Meuselwitz, Kayna, Hohenkirchen, Ronneburg nach Reichenbach u. s. w.
hinzieht.
Es soll nur angedeutet werden, dass fernere Untersuchungen auch
die verschiedene Lage von Sommerwegen und Winterwegen erkennen lassen
mögen, da das winterlich hartgefrorene Alluvium manche wünschenswerthe
Durchquerungen zulässt, die im Sommer besser umgangen werden.
Die Scheu vor dem tieferen Wasser bringt es auch mit sich, dass die
ältesten Wege gern einzelne Flussarme oder Nebenflüsse vor der Vereinigung
durchqueren, weil jeder einzelne Wasserlauf leichter zu bewältigen ist, als
nach der Vereinigung. Bekanntlich verfährt die neuere Wegebaukunst
genau entgegengesetzt, so dass derartige alte Trassirungen seltsam anmuthen.
Die Unabhängigkeit der ältesten Wege von den Einzelheiten der Fluss-
windungen ermöglicht auf dem hindernisslosen Rückengebiet eine schlanke
Linienführung ohne Knicke oder scharfe Abbiegungen. Da die Baukunst
hier nicht wie bei den alten Römerstrassen in Spiel kommt, sind genau
eingefluchtete, geradlinige Richtungen bei alten Wegen absolut ausgeschlossen,
solche schnurgerade Linien sind sogar ein untrügliches Kennzeichen moderner
Entstehung. Trotzdem lassen sich in unserem Gebiete zahlreiche alte 100
bis 200 km lange Wegrichtungen erkennen, die gleichsam als Naturproducte
entstanden sind, die zwar keine schnurgerade Linie bilden, aber von ihr
kaum mehr als einige wenige Kilometer abweichen, so der 210 km lange
Wegzug Halle-Strehla-Bautzen-GöiTitz mit nirgends mehr als 4 km Seiten-
abweichung.
Localnamen an Wegen.
Von der Heranziehung der vorgeschichtlichen Funde selbst soll hier
abgesehen werden, da sie noch nicht in grösserem Umfange für unser
Gebiet veröffentlicht sind und da sie ausserdem für die Ermittelung von
Durchgangsstrassen nur dann bestimmend sein können, wenn es sich um
sogenannte Depotfunde, die wandernden Händlern zuzuschreiben sein dürften,
handelt. Geräthe, Waffen, Schmuck, Begräbnissbeigaben vertheilen sich
dagegen offenbar über sämmtliche Siedelungen und sind keineswegs an
Heerstrassen, Handelswege gebunden.
Entscheidende Bedeutung haben aber die Localnamen, welche für
unser Gebiet die Oberreit’sche Specialkarte in reichster Fülle darbietet
und zwar zunächst die Wegenamen selbst. Wir lassen eine Sammlung
aus Sachsen folgen.
Heerweg, Heerstrasse, Kriegerstrasse, Reiterweg, Rennweg, Rennsteig
(d. i. Rennerweg, Courierpfad, Läuferweg), Kaiserstrasse, Kaiserweg, alte
Königsweg, Königstrasse, Grafenweg, Staatssteig (1), hohe Strasse, hohe
22
Weg, Hoclisteig sprechen für sich; ebenso kleine Strasse, Schleifweg, Dieb-
steig, Diebstrasse, Räuberstrasse, Pascherweg, Bettelsteig, Zigeunerberg,
Ziegersteig, Mörderweg, Galgenweg, Amtsweg, Gerichtssteig. Andere un-
günstige Eigenschaften bezeichnen die Namen Höllenweg, Höllsteig, schlimme
Weg, Elendsweg, Hundemarterweg, Lottersteig, Pestweg, Pestilenzweg
(Umgehung verpesteter Orte), rauhe Weg. Der Strassenverkehr führt zu
den Namen Rollweg, Spurweg, Kutschweg, Katzschweg, Karrnweg, Kärrner-
weg, Reitersteig, Wanderweg, Ranzenweg, Geleitsstrasse, alte Poststrasse,
Poststeig, Botenweg, Briefsteig, Briefträgerweg; ferner nach dem trans-
portirten Gegenstand: Alte Salzstrasse, Eisenweg, Zinnstrasse, Silbersteig,
(Katzensilberweg), Eisensteinweg, Kalkweg, Thonstrasse, Topfgasse, Töppel-
strasse, alte Kohlstrasse (Holzkohlen), Pechweg, Fischweg, Garnstrasse,
Schachtelweg, Klötzerweg, Ziegelweg, Methsteig, Malzweg, alte Bierweg,
Bierstrasse, Zwiebelberg, Brodsteig, Butterstrasse, Buttermilchsteig, Molken-
steig, Milchsteig, Holzweg, Holzstrasse, Beersteig, Viehweg, Schaafweg,'
Triftweg, Sauweg, Ochsenweg, Bocksweg, Mistweg. Hierzu treten die
Bezeichnungen, die von den benutzenden Personen und gewissen persönlichen
Beziehungen entlehnt sind: Hofweg, Zehendweg, Zehndenweg, Eröhnerweg,
Frohnweg, Bauersteig, Feldweg, Scheibenweg, Folgenweg, Hufenweg, Land-
steig, Graslersteig, Grassteig, grüne Weg, Kleesteig, Heuweg, Rasenweg,
Häuersteig, Hauerweg, Hüttensteig, Zechensteig, Hammerweg, Köhlerweg,
Ascheweg, Töpfersträsse, Glaserweg, Leineweberweg, Drechslerweg, Zimmer-
steig, Pfeiferweg, Böttchersteig, Bäckerstrasse, Gärtnerweg, Fischersteig,
Tuchmachersteig, Marktsteig, Messweg. An den Wald erinnern: Wald-
strasse, Forstweg, Buschweg, Harthweg, Hartstrasse, Leithenweg, Wurzel-
weg, Heideweg, Hahneweg, Hainweg, Haickweg, Heckenweg, Heegweg, Erl-
weg, Ebschweg, Espigweg, Eichweg, Lindenweg, Rothweg, Brandweg, Dorn-
gasse, während Steinweg, Bohlweg, Reissigweg, Strauchweg sich auf die
Oberflächenbefestigung des Weges beziehen werden. Nach der Lage sind
die Namen gegeben: Bergweg, Bergstrasse, Kammweg, Fürstenweg (d. i.
Eirstweg), lange, schiefe, krumme Weg, tiefe, breite, schmale Weg, Hohl-
weg, Winkelweg, Mittelweg, Querweg, Kreuzweg, keilige Weg, Zwiesel-
weg (Gabelung), die Dehne. Die kirchlichen Einrichtungen spiegeln sich
wieder in: Kirchweg, Brautweg, Heiligenweg, Pfaffenweg, Pfaffengasse,
Nonnenweg, Münchweg, Mönchsweg, Bischofsweg, Pfarrsteig, Pfarrweg,
Todtenweg, Leichenweg, Spitalweg, Spittelweg, Schülersteig. Auf Grenzen
beziehen sich: Grenzweg, Markweg, Scheidung, Rainweg, Limselweg (von
limes?). Zum Schlüsse noch einige seltenere Namen: Hessweg, Klüften-
steig, Kliebenstrasse, Stelzenweg, Kesselweg, Hordweg, Feilweg, Zoppei-
steig, Lageweg, Pflockenstrasse (Pflocken = Wollkämmereiabfall), Liebstrasse,
Krutschenweg, Brauschenweg, Warmweg, Raitzenweg (Raita = Heerfahrt),
Hipweg, Engelweg, Rosenweg, Wisselsweg, der Schlung, Lachtweg, Klingen-
weg, Nieschweg, Kalaunenweg.
Die Namensübersicht ist in weiterem Umfange dargeboten worden,
um ein Bild der Mannigfaltigkeit der Benennungen zu geben; allerdings
wird nur ein kleiner Theil der Namen aus ältester Zeit stammen.
Entlang der Wege müssen in gewissen Abständen U nterkunftsb auten,
Schutzanlagen vorhanden gewesen sein in jenen Zeiten geringerer Sicher-
heit gegenüber Mensch und Thier. Die Haupttheilung folgt der täglichen
Marschleistung, die je nach der Wegsamkeit 20 bis 40 km betragen haben
dürfte. Diesen Abstand halten die Stationen an der sibirischen Heerstrasse
23
inne, 30 km betrug der römische Soldatentagemarscli. Die erobernden
Deutschen erbauten mit slavisclien Arbeitskräften etwa zwischen 930 und
1200 Strassenburgen als Standquartiere der Milites oder Geleitsmänner
nebst Bauernwachen. In Verbindung mit diesen Lagerwachen werden
Wirthshäuser bestanden haben; in Abhängigkeit sind die Einzelwacht-
posten gewesen, die an geeigneten Punkten auch seitw^ärts der Wege ein-
gerichtet werden mussten, um akustische oder optische Signale dem Stand-
quartier zukommen lassen zu können. So entstanden die folgenden Local-
namen, welche die alten Strassen begleiten: Schlössl, Burg, Wall, Trotzling,
Grötsch, Hradschin, Schanze, Wahlberg, Wachberg, Wachtelberg (doch
nicht vom Vogel?), Wachstange, Wachholderschänke, Wachholderberg,
Wachholderbaum (= Wachhalterbaum, Posten im Gezweige eines Baumes
wie die Kosakenposten), Laurich, Lauerberg, Lerchenberg (v/ohl von lauern,
nicht vom Vogel, oder dem Baum?), Lagerholz, Lagerweg, Hutberg (Vieh-
hut?), Kiebitz (von kupic= künstlicher spitzer Hügel?), Spiegelberg (specula =
Warte), Kübauch (cubare = lagern), Kühberg (vom Thier?), Krähenberg
(chrana = Schutz oder vom Vogel?), Strassberg, Strohwalde, Strohschütz
(straz = Wache), Stubenberg (stupa = Wachthurm), Beuthe, Beuthenberg
(mittelhochd. beiten == warten) , Kriegberg, Kriegbusch, Mordgrund, Zug-
mantel, Zickmantel (Ort, wo der Mantelsack zur Verzollung vom Boss
gezogen wurde, oder Stelle, wo Räuber den Mantelsack rauben?), Baitholz,
Biedenholz, die Reiten, Reitzenhain (reite = kriegerischer Angriff, gireiti =
Heergeräthwagen, Bisswagen).
Von den akustischen Wachpostensignalen stammen die Local-
namen: Trommelsberg, Schallberg, Schaller Raum, Schellberg, Schellenberg
(von schulen == verborgen sein?), Klingelstein, Glockenpöhl, Klingenberge, die
Klinge (von klinec = Keil, klinice =' Schossbalken, also Strassensperre ?),
Bombenberg.
Auf optische Signale, Feuerzeichen weisen: Brennhaufen, Sprüh-
birke, Meisensprüh (oder Meisensprenkel ?), Zietsch, Zietschholz (zici = glühen),
Gnandstein (von gnaneist = Funke ?), Funkenburg, Finkenburg, Schillerberg,
Gockelsberg, Jockisch, Gukelsberg, Jäckelsberg, Guksen, Kukuksberg, Kux,
(gokeln = Feuerzeichen geben?). Gehören etwa auch die Schwedenschanzen
(althochdeutsch sweda = Rauchdampf) hierher?
Den Durchgang, Durchhau durch Waldsperren deuten an: Friebus
(privoz = Durchgang, z. B. Prebischthor), Possek, Ossek, Preseka (sek =
hauen), Satzung und Natschung (sateska, nateska von tes = Hieb mit der
Axt).
Von einer alterthümlichen Wegbezeichnung, wie sie noch als ge-
zeichnete Bäume, Steinhaufen, Steinmandl der Alpen vorkommt, stammen
vielleicht: Taschenberg, Tatzberg (tacen = Zeichen?), der eine oder andere
Ziegenberg (mhd. Zeichen oder vom Thier?), Steinhügel, Steinhübel, Stein-
berg (nicht immer von natürlicher Felsenbildung!), Markstein, Marstein,
Rinnelstein, Rinnenstein, Weisestein (oft an den ältesten Wegen, vielleicht
um eine Grenze oder Wegrichtung zu „weisen“?) u. s. w.
Den Richtpunkt des Zusammenlaufens von Wegen bedeutet viel-
leicht Geiersberg (althochdeutsch heran = richten, wenden, gehre = Keil-
stück, Gierfähre, der Vogel Geier — der Gierige).
Zu erwähnen sind noch Zolldorf, Tollenstein, Birkwitz (berka = Steuer-
einnehmer, berna = Steueramt); endlich deutet Zigeunerbrunn (auch ab-
gekürzt Ziegenbrunn), Zigeunerlager auf alte durchlaufende Pfade, welche
24
diese allerdings erst seit 1488 urkundlich erwähnten Leute mit Vorliebe
benutzen; dahin gehören auch die Diebsteige.
Nach diesen Vorbemerkungen, die nöthig waren, um die Art der
Forschungshülfsmittel andeutungsweise zu bezeichnen, die neben dem spär-
lichen historischen Quellenmaterial hei der Aufsuchung der ältesten Wege
herangezogen wurden, sind nun die Wege im Einzelnen kurz zu verfolgen.
Die östlichen Salzwege von Halle.
Aus der Nordwestecke unseres Gebietes drang nicht nur die deutsche
Cultur herein, schon seit den ältesten Zeiten wird von hier aus das älteste
Frachtgut, das Salz, verbreitet worden sein. In fast rein östlicher, fast
ganz gerader ßichtung zieht sich eine Gruppe von Wegen, noch heute den
Namen „alte Salzstrasse“ tragend, die Mulde, Elbe, Neisse kreuzend durch
unser Gebiet. Die Verfolgung dieser Salzwege von Halle und ihrer Haupt-
seitenzweige wird den Faden bei der Entwirrung des Wegenetzes liefern.
1. Von Halle laufen zunächst zwei Wege nach dem Muldenübergang
Eilenhurg, die beide den Namen „alte Salzstrasse“ tragen. Der südlichere,
dem Wasserscheidenrücken mehr angepasste Zweig zieht über Canena, Os-
münde, Beulitz über das Breitenfelder Schlachtfeld am „Schatzhaufen“ vor-
bei über Limehna; der nördlichere, geradere Zweig berührt Crondorf, Burg hei
Reideburg, Zwochau, Cletzen. In Eilenburg zweigt nordöstlich ein Weg nach
Torgau ab; die östliche Fortsetzung der Strasse gabelt sich in den „Kärner-
weg“ über Schilda und die ,, Salzstrasse“ über Staupitz, Beckwitz, die sich am
Elbühergange Beigem vereinen, um sich über Liebenwerda, Senftenberg,
Spremherg nach dem Neisseübergang Muskaü (Priebus) östlich fortzusetzen.
2. Berührte die Richtung 1 das Gebiet Sachsens nur, so läuft die zweite
Oststrasse ab Halle kurz vor Schladitz von dem besprochenen Wege ab-
zweigend als ,, Karnweg“ und „Töpferweg“ über Grebehna, Hohenhaida,
Lübschütz als „alte Salzstrasse“ nach der Muldenfurth Wurzen und von
hier immer ungefähr parallel der sächsischen Nordgrenze als ,,hohe Strasse“
über Dornreichenbach, Knathewitz, als „kleine Strasse“ nach Dahlen, über
Lampertswalde, Lübschütz nach der Elbfurth Strehla. Zu erwähnen
ist die Verbindung vom Weg 1 ab Limehna nach Püchau mit Namen „Salz-
strasse“, die weiter über Lübschütz nach Wurzen führt, aber auch auf
einen alten Muldenübergang bei Püchau hinweisen kann, denn es liegt gegen-
über an der Mulde die „Renne Wiese“, von wo der ,, Rasenweg“ den An-
schluss nach Dornreichenbach herstellt. Auch die alte Verbindung vom
Eilenburger Uebergang, über Mölbitz entlang der Grenze südlich Kobers-
hain auf der Wasserscheide nördlich Ochsensaal nach Olganitz bis zum
Uebergang Strehla hinlaufend, ist bemerkenswerth. Vom Hauptübergang
Strehla verzweigen sich nun folgende alte Wege in östlicher und südöst-
licher Richtung ab.
2 a. Die ,,alte Salzstrasse“ läuft von Strehla über Streumen, Görzig,
Zabeltitz, Uebigau nach Weissig, wo sich ein Hauptzweig abtrennt, der über
Linz, Röhrsdorf, Laussnitz, Pulsnitz, Bischofswerda nach dem wichtigen
Spreeübergang Kirschau führt. Von Weissig setzt sich die Ostrichtung
fort über Ortrand als ,,alte Strasse“ nach Cosel, nun sich spaltend erstens
nach Hoyerswerda, dann zweitens über Ossling, Wittichenau, Ratzen, Uhyst
nach der Neissefurth Rothenburg und endlich drittens über Strass-
gräbchen, Milstrich, Zorna nach Bautzen. Kurz vor Cosel zweigt bei Zeis-
25
holz ein anderer Hauptast ab, der über Schwepnitz, Jesau (oder Kamenz)
nach Bautzen gerichtet ist.
2 b. Der zweite Hauptweg von Strehla läuft als ,,Kollweg“ über Zeit-
hain, Glaubitz, Wildenhain nach Grossenhain; dazu der in Glaubitz mündende
Seitenzweig der „hohe Weg“ nördlich um Zeithain. In Grossenhain schliesst
sich auch der relativ alte (aber wohl nicht älteste) Weg durch die Elbfurth
bei Boritz-Hirschstein-Merschwitz ,,die alte Poststrasse“ an. lieber Grossen-
hain setzt sich mit mehrfachen Nebenwegen die bekannte alte Haupt-
strasse über Königsbrück, Kamenz nach Bautzen und weiter zurNeisse-
furth Görlitz fort unter den Namen: „hohe Strasse“, „alte Poststrasse“,
„kleine Poststrasse‘S „kleine Strasse“, „die alten Strassen“. Von dem süd-
lichsten der alten parallelen Nebenwege zwischen Bautzen und Görlitz, der
zwischen Besehen und Unwürde (nördlich Löbau) den Namen ,,alte Strasse“
führt, zweigt bei Besehen eine alte Wegrichtung ab über Grossdehsa, Löbau,
„Zuckmantel“biszueinemKreuzungspunkt alter Wege nördlich Strah-
walde, wo die Localnamen „Zigeunerplan“, „Rumburgsborn“, „Johannisborn“,
,, Lerchenberg“ Vorkommen. Von hier laufen zwei Wegarme nach der alten
Neissefurth Ostritz als „alte Bernstädter Strasse“ über Bernstadt und als
„alte Löbauer Strasse“ über Niederrennersdorf, den ,,rothen Berg“, „Butter-
berg“, als „hohe Strasse“ nach Ostritz und weiter über Seidenberg, Marklissa
nach Liegnitz. Von dem alten Wegknoten von Rumburgsborn (nördlich Strah-
walde) laufen auch zwei alte Wege als „Hinterstrasse“ westlich, als „alte
Strasse“ östlich vom Königsholz am Sonnenhübel nach Zittau. Von
Grossenhain spaltet sich von der Bautzener „hohen Strasse“ eine ebenfalls
bemerkenswerthe Strasse ab über Wessnitz, Göhra, Niederrödern, Radeburg,
Radeberg, Stolpen, Neustadt, Schluckenau, Rumburg, Tollenstein, Böhm.-
Leipa, „Mikenhan“, Hirschberg, Zolldorf, Brandeis, Prag. An diesen ältesten
ostelbischen Lausitzer Gebirgsübergang schliesst sich auch die süd-
östliche Fortsetzung des Weges 2 a über Kirschau an.
Zu erwähnen sind östliche Seitenzweige von dieser Hauptstrasse in der
Richtung Bautzen und zwar über Okrylla als ,,alte Strasse“ über Grossnaun-
dorf, als ,, Gasse“ nach Elstra und als „KärnerWeg“ ebenfalls von Okrylla
über Lomnitz nach Pulsnitz. Ein wichtiger Weg zweigt in Rumburg als ,, langer
Weg“ und „Kälberweg“ nach Zittau ab, wo er sich wieder gabelt nach Kratzau,
Reichenberg, Gablonz zum Iserübergang in Eisenbrod und andererseits über
Friedland nach Schlesien.
2 c. Der dritte Hauptweg von Strehla zieht sich südöstlich in etwa 4 km
Abstand östlich der Elbe hin, setzt sich auch nördlich von Strehla in gleichem
Charakter fort; er ist als östlicher Parallelweg, der durch das Elbthal seine
Richtung empfangen hat, anzusehen. Von ihm laufen die Seitenzweige nach
den alten Elbfurthen oderEährstellen. Dieser Weg berührt zwischenNünchritz
und der Schwedenschanze bei Leckwitz auf etwa 13 km das Hochufer der
Elbe, läuft dann über Göltzscha, Kmehlen, Gröbern, Weinböhla, als „alte
Strasse von Mühlberg“ nördlich Coswig vorbei, hier das Waldwegzeichen Z
tragend, weiter durch die Lössnitz über das „Weisse Ross“ nach Radebeul
und von hier durch die Haide auf verzweigten Nebenwegen, die wiederum
das Zeichen Z und gestrichenes Z und die Namen ,, Rennsteig“*), „Diebs-
steig“, „Schwesternsteig“ tragen. Der Rennsteig hält sich möglichst auf
*) H. Wiechel: Rennsteige und Rainwege in Sachsen. Wiss. Beil. d. Leipz. Ztg.
1898, No. 81. — L. Hertel: Die Rennsteige und Renn wege. Hildhurghausen 1899.
26
den Wasserscheiden und tritt in Biela-Quohren aus der Haide, von wo sich
die Wegrichtung als ,,alte Poststrasse“ hisRossendorf fortsetzt, über Ditters-
bach als ,,hohe Strasse“ bis Hohnstein, als „alte böhmische Glasstrasse“
über Lohsdorf, Ulbersdorf, Thomasdorf, als „Diebsstrasse“ überHemmhühel,
Schönlinde bis Tollenstein läuft, wo der Anschluss an die ebenfalls alte
Strasse 2 b über Stolpen-Schluckenau- Rumburg stattfindet.
Dem am meisten der Elbe auf der Ostseite genäherten Wege 2c ent-
spricht der knapp das Elbsandsteingebiet umziehende Weg nach Prag von
Zeidler über Wolfsberg, ,, Hohle Ditte“, Schnauhübel, am,, Hemmhübel“ vorbei
nach Altdaubitz, über ,,Irichtberg“, Kreibitz, ,, Nusshübel“, „Auberg“, Hasel,
Kamnitz, ,, Hanne“, Gersdorf, ,, Oberratzel“, Karlsthal, Sandau, Pölitz, Gräber,
Beiswedel, Raschowitz, ,,Wochberg“, „Lümmel“ nach Aujezd, Brotzen, Liboch,
an dem Hochufer der Elbe hin bis Melnik und weiter nach Prag. Ver-
längert man diese fast genau südnördliche gerade Richtung von Prag nach
Zeidler über diesen Ort nördlich weiter, so trifft man in den Weg über
Kunnersdorf, „Lodersberg“, „Silberberg“, Schluckenau, Rosenhain, Sohland,
wo das Spreethal erreicht wird, in dem der Weg über Schirgiswalde, Kirschau
bis Postwitz und dann weiter bis Bautzen läuft, sich auch in gleicher Nord-
richtung über Radibor, Ratzau nach Spremberg fortsetzt. Ohne Zweifel
stellt dieser Weg die geradeste Verbindung von Prag mit Bautzen dar;
seiner Trassirung nach scheint er als Durchgangsweg doch jünger zu sein,
wie der etwas weiter nach Osten ausholende sehr alte Weg über Zwickau-
Tollenstein, wenn auch einzelne Wegstrecken die Zeichen höheren Alters an
sich tragen. Zahlreich sind die erwähnten Anschlüsse an die Elbübergänge
zwischenPirna undStrehla, die nicht im Einzelnen behandelt werden können.
Einzelne dieser Elbübergänge werden mit dem Auftauchen und Wichtig-
werden der Orte Pirna, Dresden und Meissen entstanden sein. Aus dem
Charakter der alten Wege ist aber zu schliessen, dass die ältesten länder-
verbindenden Richtungen dem Elbübergang Strehla folgen.
3. Von Halle ist deutlich eine alte Wegrichtung nach der Mulden-
furth Trebsen erkennbar. Aus der alten Salzstrasse 2 über Hohenhaida
löst sich dieser Zweig los, führt über Wüste Mark Pesswitz entweder über
Mochern, Leutitz oder über Gerichshain, Brandis, Polenz nach Trebsen. Hier
setzen zwei bemerkenswerthe Richtungen an: die eine östlich am Rodaer See
als „Bischofsweg“ nach Wernisdorf und nun mehrfach verästelt als „hohe
Weg“, „das alte Q“, „die Trift“, ,,die breite Allee“, „der Oberweg“, „Butter-
weg“, ,, lange Rain“ dicht südlich am Collmberg vorbei nach Oschatz
laufend, mit einem südlicheren Parallelweg über Lampertsdorf, Thalheim,
Kreischa als „Kaiserweg“ östlich bei Oschatz vorüber durch Borna nach
Strehla. Die andere Hauptrichtung wendet sich von Trebsen über Nerchau
nach Südost und bildet in ihrer Fortsetzung den alten Oederan-Brüxer
Gebirgsübergang, der auch durch einen rechtsmuldischen Hochuferweg nörd-
lich über Trebsen hinaus an die Uebergänge Wurzen (Püchau), Eilenburg
angeschlossen ist. Diese alte böhmische Strasse scheint sich in der
That an diese ältesten Muldenfurthen der Halle’schen Wege anzuheften,
wozu auch der bekannte Reisebericht Ibrahim ben Jakub’s von 973
stimmt, der vom Hoflager Kaiser Ottos H. in Magdeburg nach Prag zu-
rückreiste über Qaliwa (Kalbe), Nubgrad (Nienburg), die Saline ,,al-Jahüd“ =
Halle am Flusse ,,Salawa“, von da nach Nurnhin, was als Wurzen*) oder
*) W. Schulte in der wiss. Beil. d. Leipz. Ztg. 1892, No. 14.
27
Nerchau gedeutet worden ist. Es folgen die Angaben: von da (Nurnhin)
bis zur (nördlichen) Grenze des Waldes 25 Meilen, vom Anfang bis zum
Ende des Waldes über Berge und durch Wildnisse 40 Meilen, vom (süd-
lichen) Ende des Waldes (Oberleutensdorf) bis zum Sumpf (Seewiesen) bis
zur hölzernen Brücke durch den Sumpf (Brüx) 2 Meilen; dann geht man
ein in die Stadt Braga (Prag). Der alte Weg misst von Oberleutensdorf
bis Wurzen 106 km, bis Nerchau 95 km, so dass bei 65 (arabischen) Meilen
sich für jede 1,6 bezw. 1,5 km berechnete, was beides nicht unwahrschein-
lich ist, da diese Meilen 1000 Doppelschritte umfassen, wie die römische
Meile von = 1,4785 km Länge, bei der der Schritt der kleineren Italiener sich
auf 0,74 m stellt. Ermittelt man den Waldanfang nach dem Verhältnisse
von 25 zu 40 Meilen, so fällt er von Wurzen gerechnet auf die Wegstelle
am Vorwerk Masseney, von Nerchau gezählt, auf die Striegisfurth dicht vor
Hainichen. Die dortigen Localnamen, besonders der Name Hainichen selbst
machen die letztere Annahme recht wahrscheinlich; es sind somit weder aus
der Richtung der ältesten Wege noch aus der Lage des Urwaldanfanges
Einwendungen gegen die Deutung auf Nerchau zu entlehnen.
Der alte böhmische Weg selbst lief über Nerchau, Pöhsig, Dürr-
weitzschen am „Zetsch“ vorbei durch die Muldenfurth bei Altleisnig auf
dem Rücken über die Flurstelle „der Vogelgesang“ (Wohnungen oder Wach-
posten auf Bäumen, ähnlich Wachhalterbaum), Plartha, bei Waldheim die
Zschopau kreuzend, Vorwerk Masseney (gegenüber der „Wachholderberg“),
den Nonnenwald westlich berührend, durch die jetzigen Orte Hainichen,
Cunnersdorf, oder wahrscheinlicher auf dem etwa 0,8 km nördlich parallel
laufenden Rückenweg über Ottendorf sich nach Bockendorf und durch die
Waldstelle ,,die Beutha“ nach Oöderan wendend. Der weitere Verlauf über
Mittelsayda als ,,alte böhmische Heerstrasse“ und Sayda und Pursch enstein
ist bekannt. Von hier spaltet sich der Weg in die Richtung über Einsiedel,
Kreuzweg, östlich Georgenthal nach Brüx und in die ältere Richtung über
Göhren, Rascha oder Zeltl, Oberleutensdorf, Rosenthal, Kopitz, Brüx.
4. Von der südlicheren alten Salzstrasse unter 1 zweigt bei Beulitz ein
Weg nach Schkeuditz ab, das auch direct von Halle durch die ebenfalls
alte Strasse über Bruckdorf, Grosskugel erreicht wird. Dicht am rechten
Elsterhochufer läuft der Weg dann über Wahren nach Leipzig, einen Zweig
von Wahren über die Sanct Thekla-Kirche und den ,,KrätzBerg“ nach Taucha
und weiter nach der Furth Wurzen und als „Töpferweg“ über Brandis nach
der Furth Trebsen entsendend. Diese Wege sind erst mit dem Auf-
kommen von Tauchau und Leipzig entstanden. Der Leipziger Zweig zieht
sich dann über Holzhausen, Naunhof als „alte Poststrasse“ nach Grimma.
A eher wird der Weg von Holzhausen dicht neben dem Collmberg und dem
„Kriegteich“ vorbei durch Grosspössna nach dem Kreuzpunkt ältester
Strassen am ,, alten Schloss“, einer nahezu rechteckigen Strassen-
schanze*), die wenig verändert noch im Universitätsholze zu erkennen ist.
Von hier lief über Köhra, Lindhardt die ,, hohe Strasse“ nach Grimma;
ferner zweigte hier die „alte Strasse“ nach Rochlitz über Belgershain,
Lausigk ab, von der sich wieder ein alter Zweig in Belgershain abspaltete
über Pomsen, Grossbardau, Grossbothen, am Waldort ,, Zuckemandel“ vor-
bei nach der Muldenfurth Sermuth und auf dem linken Ufer bleibend
als ,,alte Strasse“ über ,,Zschetsch“ nach dem Uebergang Colditz. Noch
D Vergl. Verhandl. der Berlin. Ges. für Anthrop. in der Zeitschr. für Ethnol. 1901.
28
ein dritter rein südlich gerichteter Weg zweigt am „alten Schlosse^ ^ ab, um
Borna zu erreichen als „alte Strasse'^, durch den Forstort „Rosenthal“ als
„breiter Weg“ nach Kamlitz und am Flurort „Rosendorf“ in den „Heerweg“
einmündend, der von Leipzig über die „Funckenburg“, Dösen (auchDösener
Weg genannt), Güldengossa, Dalitzsch elbenfalls Borna zustrebt. Aber auch
die älteste Ostwestverbindung Grimma-Eythra läuft neben dem „alten Schloss“
vorbei, sich hier theilend in die alten Zweige über Grobem, Gaschwitz, Budi-
gasser Mark und andererseits überMagdeborn, Stöhna, Zeschwitz, Zwenckau.
4a, Jenseits der alten Muldenfurth Grimma läuft der Weg östlich
am ,, Lerchenberg“, ,,Huthbaum“ neben dem Huthberg vorbei über Brösen
als „alte Salzstrasse“ über einen zweiten „Huthberg“ und „Wachberg“ nach
Zschoppach, Klemmen, immer auf dem Rücken nach Zaschwitz, Jessnitz
zur Jahnafurth Zschaitz über Glaucha, von wo sich mit dem Aufkommen
Meissens der Zweig überLeuben, Kubschütz durch den ,, tiefen Grund“ über
Mohlis und den Jahneberg ansetzt, während der älteste Weg über Kurschütz,
Lommatzsch immer auf dem Rücken als „Ochsenstrasse“, Seitenzweige nach
den Uebergängen Zadel, Seusslitz entsendend, nach der Elb für th Boritz-
M er schwitz lief. Beachtlich ist der Name Ochsenstrasse, der auf die
Ochsenkarren der ältesten Zeit hinweist und den auch der älteste Nordsüd-
weg auf dem Landrücken in Schleswüg und Holstein trägt. In diesem echten
Höhenwege Grimma-Zschaitz-Lommatzsch-Boritz lässt sich wohl der älteste
östliche Durchgangsweg dieser Gegend erkennen.
4b, Jenseits der Muldenfurth Colditz zieht sich ein Verbindungs-
weg nach der Strasse 4a rechts von Collmen bei der „Glocke“, dem „Lasten-
berg“, dem „Gieks“ vorbei über Brösen und durch Leisnig. Ausserdem läuft
ein Weg auf dem Höhenrücken über Meuselwitz, den ,, Wachhübel“ nach
Harthau zum Anschluss an den alten böhmischen Weg unter 3.
4c. Jenseits Rochlitz, das als Mittelpunkt ältester Siedelungen seit
ältester Zeit von Bedeutung war, verzweigen sich zwmi anscheinend alte Wege.
Der eine läuft über Zschachwütz, Aitzendorf, Geringswalde als ,,Töpelstrasse“
nach der Zschopaufurth Töpeln, die ganz anolog der Muldenfurth Sermuth
gelegen ist, nach Döbeln. Von diesem wichtigen Muldenübergang lief ein
Seitenzweig über Mochau nach Lommatzsch, ein anderer über Grossstein-
bach, Lüttewitz, Mutzschwitz, Leippen über den Kuhberg als ,,Kuhbe.rg-
strasse“ neben ,, Stroischen“ nach Meissen, während ein dritter älterer Weg
weiter südlich, dem Rücken folgend, Döbeln mit Meissen verband über die
Punkte ,,Juchhee“, „Höhbaum“, „Trommelberg“, Choren, Gruna, als ,, grüner
Weg“ nach Mahlitzsch, Heinitz und Luga. Bei Mahlitzsch zweigte von diesem
alten Rückenwege und dessen Parallelwegen die Richtung in den Gau
Nisani ab, als ,, Salzweg“ zur Triebischfurth bei Munzig hinablaufend und
über Wilsdruff, Pennrich, Pesterwitz, Döltzschen, Plauen, Leubnitz nach Dohna
hinziehend (da Dresden erst später Anziehungsmittelpunkt wurde), der die
Weisseritz auf der Linie Kesselsdorf, Potschappel, Coschütz, Leubnitz
kreuzt. Diese Wege dürften die älteste Verbindung der Landschaften Glomaci
und Nisani darstellen; die Linie Meissen- Wilsdruff- Dresden ist offenbar
erst die Folge des Aufkommens dieser Orte.
Der zweite alte Weg zieht von Rochlitz südöstlich am „Trotzling“ vor-
bei über Neugepülzig nach der Zschopaufurth Mittweida, um den An-
schluss an die alte böhmische Strasse über den Flurort ,, Tabakspfeife“ am
,,Behnitz Winkel“ östlich Rossau zu gewinnen. Diese Einmündung liegt un-
mittelbar vor der unter 3 erörterten Urwaldgrenze an der Striegisfurth.
29
Eine ziemlich alte Fortsetzung findet dieser Verbindungsweg über Otten-
dorf, „Steintiscb“ (hier vom Parallelweg der böbmiscben Strasse sich los-
lösend) über Riechberg, Bräunsdorf, Freiberg, Halsbacb, Naundorf, als ,, Salz-
strasse“ über „Diebskammer“, „Streithübel“, Klingenberg mit dem „Gickels-
berg“, Höckendorf mit dem „Mückenberg“ (mig-nouti = flimmern, also
Funkenberg), „Geierswacht“ hinter Grossölsa sich in die Richtungen Kreischa,
Sayda, Dohna, ferner Possendorf, Babisnau, Lockwitz und endlich Bannewitz,
Räcknitz, Dresden tbeilend. Dieser Weg Halle-Rocblitz- Mittweida -Dohna
dürfte als das etwas jüngere Seitenstück zu dem ältesten nördlicheren Westost-
Weg nach dem Gau Nisani über Munzig oder Roitzschen anzusehen sein.
4d. Aus dem Wegzweig über Lausigk nach Rochlitz zweigt bei dem
Wegknoten Ebersbach ein Ast über Geithain, den „Wachhübel“ bei Ober-
gräfenhain nach der Muldenfurth Lunzenau ab, sich von hier auf dem
Rücken über den ,, Gickelsberg“ am ,, Tauerstein“ vorbei nach der alten
Chemnitzer Strasse wendend.
Die südlichen Salzwege von Halle.
Der besseren Uehersicht halber sind die folgenden Wege in eine neue
Gruppe zusammengefasst worden.
5. Der wichtige Muldenübergang Penig ist durch mehrere alte Wege
mit Halle verbunden, deren Verfolgung zur Klärung des ältesten Wegnetzes
wesentlich beiträgt.
An den ältesten östlichen Salzweg von Halle unter 1 schliesst sich ein
echter Rückenweg an, der mit 2 als „Karnweg“, „Töpferweg“ in grossem
Bogen über Wüste Mark Pesswitz, Brandts, Polenz, als der „hohe Weg“ über
den ,,Kiewitz“, Klinga, Pomsen, den ,, Groitzsch“, Lausigk, Ebersbach, Altdorf-
Geithain, Ossa, Jahnshain, als „alte Strasse“ nach Penig führt, dessen Seiten-
zweige nach Trebsen, Grimma, Colditz, Rochlitz, Lunzenau bereits erwähnt
sind. Hervorzuheben ist ein 1 bis 3 km östlich gelegener Parallelweg
zwischen Ebersbach, Neumarkt -Geithain, Rathendorf mit dem „Kaiserborn“
und „Salzberg“ nach Penig. Diese Wegrichtung ist besonders bemerkens-
werth, weil auf ihr Penig von Halle aus ohne Durchfurthung von Flüssen
erreicht wird; Kreuzungen finden nur mit Bächen ohne grosses Sammel-
gebiet statt.
Aehnlich trassirt, aber gerader gerichtet verläuft die sich an Weg 4
über Schkeuditz, Leipzig anschliessende Richtung über Borna. Der beiden
Wege von Leipzig über Güldengossa (Heerweg) und das alte Schloss
(breite Weg) w^ar schon gedacht. Von Borna zieht der sich auf dem
Rücken haltende älteste Weg über Nenkersdorf, den ,,Strassenteich“, Roda,
Kohren, Sahlis, Linda, durch das Pastholz zum Anschluss an die soeben
erwähnte alte Strasse von Jahnshain nach Penig. Ein anderer, ab Borna
das rechte Hochufer der Wyhra begleitender Weg durchfurthet diese bei
Frohburg und läuft über Gnandstein, Goldener Pflug, den „Speckhusch“
nahezu geradlinig als die „lange oder Thonstrasse“ nach der Muldenfurth
Waldenburg.
Die anderen Wege von Halle, die zweimal die Elster und die Pleisse
kreuzen, schliessen sich an den später zu behandelnden Salzweg durch die
Schkeuditzer Furth an.
Jenseits Penig läuft die Richtung als die bekannte Hohestrasse weiter
am „Strassenteich“, „Zugmantel“, ,, Mordgrund“ vorbei, wo der Lunzenauer
30
Zweig anschliesst, über Chemnitz, den „Kriegshübel“, den ,,Schellberg“, das
„Raithholz“ am ,, Rollfeld“, Gornau, Zschopau zur Hilmersdorfer Höhe.
Hier trennen sich die Wege nach den drei alten Uebergängen Reitzenhain,
Kühnhaide und Rübenau, von denen nach den Localnamen der letztere der
älteste sein muss, obgleich dieser Weg die Pockau bei Lauterstein an einer
schwierigeren Stelle wie bei Kühnhaide und Reitzenhain durchfurthet. Dieser
somit älteste Weg läuft über Lauta, Lauter stein, Zöblitz fast geradlinig
nach Rübenau, Kallich, Bernau und auf dem Rücken über Platten (Blatno)
nach Kommotau. Auf einem Seitenweg über Gersdorf, ührissen kann auch
Görkau erreicht werden. Ein Parallelweg hierzu mit Abzweigung am „Rung-
stockborn“ oder am „Steinhübel“ führt als „alte Kommotauer Strasse“ über
„Kriegwald“ an der ,, Schwedenschanze“ vorbei nach Obernatschkau (oder
Natschung), über die Annasäule am Steinhübel, Rodenau, Quinau ebenfalls
nach Kommotau. Welcher von beiden Wegen der ältere ist, ist schwer zu
entscheiden.
Der mittlere Weg von der Hilmersdorfer Höhe zieht sich über
Marienberg, früher Dorf Schlettenberg, Gelobtland als ,,Jörkauer Strasse“
über Kühnhaide sich an den vorigen Weg in Obernatschung anschliessend.
Der westliche Weg läuft über die drei Brüder Höhe (Schacht-
name), nimmt die „Kärrner Strasse“ von Wolkenstein auf und zieht sich
fast gerade über die „Fuchskaloppe“, die ,, hohe Brücke“ nach Reitzenhain,
Sebastiansberg, Krima, den ,,Klinger“, Domina nach Kommotau.
Von Kommotau und Görkau laufen die Wege über die Egerfurthen
bei Saaz, Posteiberg oder Laun, sich jenseits vereinigend über Schlan
nach Prag.
Auf diese Gebirgsübergänge bezieht sich die Notiz in der etwa 1015
geschriebenen Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar aus dem Jahr 892:
„in der „Provinz“ Daleminzien nicht weit vom Flusse Caminizi in dem
,,Gaue“ Chutizi starb Arno, neunter Bischof von Würzburg, als er von
einem Feldzug gegen die Böhmen zurückkehrte und unweit der Land-
strasse auf der nördlichen Seite in seinem auf einem Hügel aufge-
schlagenen Zelte Hochamt hielt, umringt von einem Haufen Feinde, mit
den Seinigen den Märtyrertod“. Da der alte ,,Gau“ Chutizi den Chemnitz-
lluss zur Ostgrenze hatte*), die Kirchenprovinz Meissen, in der Hauptsache
aus dem Gau Daleminzien bestehend, zu Thietmar’s Zeit aber sich über
die Chemnitz bis zur Mulde erstreckte, so passt die Thietmar’sche Orts-
beschreibung nur auf das Gebiet zwischen Chemnitz und Mulde. Hier
läuft aber „unweit (d. h. 1 bis 3 km westlich) der Chemnitz“ der unter
4d erwähnte Lunzenauer W eg hin. Der „Tauerstein“ bei Burgstädt bietet
hier einen dem heranziehenden Arno nördlich von der Landstrasse er-
scheinenden Hügel dar, der wohl geeignet ist, sich zur Rast in feindlich
gesinnter Umgebung zurückzuziehen. Die Trassirung dieses Weges spricht
durchaus für ein hohes Alter, so dass auch von dieser Seite Bedenken gegen
die Localisirung nicht vorliegen.
6. Der unter 4 behandelte Salzweg über Schkeuditz sendet hier die
Elster dur chfurthend einen wichtigen Zweig nach Süden in den 20 bis
40 km breiten, 125 km langen Landrücken zwischen Saale und Elster,
der zwar nur zum kleinsten Theile unserem Gebiete angehört, dessen mittlerer
'} 0. Posse a, a. 0.
31
Längsweg aber nicht ausser Betracht bleiben kann. In der verkehrsreichen
Nordspitze dieses Landrückens treten die Einwirkungen der wohl von jeher
wichtigen Uebergänge Burgliebenau -Pretsch (Elster), Merseburg -Pretsch,
Corbetha sowie Weissenfels (Saale), Eythra und Pegau (Elster) und später
Plagwitz-Leipzig hinzu. Der Halle’sche rein südliche Verkehr kann daher
abkürzend wenn auch durch zweimalige Saalekreuzung und in späterer Zeit
die genannten Saalefurthen anstatt den Pass bei Schkeuditz benutzt haben.
Der alte Rückenweg gewinnt nach der Elsterdurchfurthung bei Gross-
dölzig das Südhochufer und läuft von hier weiter, den Zweig von Pretsch
aufnehmend und den Zweig „die Salzstrasse“ über Knauth- Naundorf nach
Eythra entsendend. Rein südlich setzt sich der Weg durch die Wüste Mark
Pfaffendorf 1 km östlich Schköhlen bis Schkeitbar fort, wo die von
Pretsch und dem jüngeren Dürrenberg herkommende südlichere Salzstrasse
nach Eythra kreuzt, wo sich auch ein gerader Weg nach der Elsterfurth
Pegau ablöst. Von Schkeitbar zieht auch ein Zweig die ,,alte Strasse“
rein westlich über Meyhen südlich durch das „Rosenthal“ um Lützen über
Bothfeld nach Corbetha und weiter über das Rossbacher Schlachtfeld, bei
Leiha in die Hauptstrasse nach Freiburg laufend. Weiter berührt der
Rückenweg Eisdorf, wo der Anschluss von Eythra aufgenommen wird,
als „grosser (oder kleiner) tiefer Weg“ Grossgörschen, unter dem Namen
„die hohe Eisenberger Strasse“ Grossgrimma, wo der „Zwiebelweg“ direct
von Eythra und ein ostwestlicher Weg von Pegau nach der Saalefurth
Naumburg, der den bemerkenswerthen Namen „Ochsenweg“ trägt, sich an-
schliesst. Auf der Höhe läuft der Weg über Köttichau -Trebnitz nach
Meineweh, wo sich ein Parallelweg Eisdorf- Steckelberg-Teuchern wieder
anschliesst. Heber Roda, wo Seitenzweige von Naumburg und Zeitz ein-
münden, zieht der Rückenweg über Eisenberg, Klosterlausnitz, wo der Zweig
nach Gera, Tautendorf, wo der Zweig nach Weida, Greiz, Elsterberg sich
ablöst, nach dem „Radberg“, ,,Geheege“ und Auma. Hier trennen sich
wichtige Aeste nach Zeulenroda -Pöllwitz -Elsterberg, nach Pausa-Plauen
und nach Strassberg, während der Rückenweg über Schleiz, „Zollgrün“,
Gefall oder Münchenreuth, Feilitzsch und den „Labyrinthberg“ die Saale-
furth Hof erreicht und von hier über Asch die Verbindung mit Eger
findet. Dieser Rückenweg dürfte seinem Verlaufe nach wohl als die ent-
scheidende Leitlinie im Westen unseres Gebiets anzusehen sein.
Es sind nun die Wege, die sich jenseits der Elsterfurthen südöstlich
ansetzen, zu verfolgen.
6a. Von Eythra wird der Weg anfänglich rein östlich nach der Budi-
gasser Mark die Aue durchquert haben. Von hier läuft der unter 4 ge-
nannte alte Ostweg Güldengossa -Altes Schloss, von hier verzweigt sich nur
noch als Wegrest ein „Kaiserweg“ nordöstlich, von hier zieht in gerader
Richtung die „Heerstrasse“ nach Pulgar und weiter als „Salzstrasse“ nach
Borna. Gelegentlich ist der Prödel-Zeschwitz verbindende ,, Rennsteigweg“
zu nennen. In Kieritzsch zweigt von der Bornaer Salzstrasse ein Weg ab
am ,,Strassenteich“ und Lutherdenkmal vorbei über Breunsdorf, Breitingen,
Gerstenberg nach Altenberg, von wo in südlicher Richtung über Saara,
Zürchau, die Pleissefurth Gössnitz, „Schwanefeld“, „Ameisenbüschel“ mit
„Burgstadt“, den „Bog“, Mosel der westliche Hochuferrand der Mulde und
dem entlang Zwickau erreicht wird. Von Altenburg nach der Mulden-
furth Waldenburg zieht sich der alte Weg über Paditz, „Burgberg“, „Wach-
hügel“ mit „Tommelgrund“, Goesdorf, Wickersdorf, „Meisensprüh“.
32
6b. Von der Elsterfurtb Pegau-Groitzsch zieht sich ein Wege-
paar „der Pfaffenweg“, „der Gösser Weg“, „die alte Strasse“ nach dem
alten Strassenknoten Borna. Der Hauptweg läuft über „die Wachtel“ bei
Lucka nach Altenburg. Bei Lucka schliesst sich ein wichtiger Rücken-
weg zwischen Pleisse und Elster an, der sich auch noch nördlich
über Obertitz, Stolpen, Pulgar in der Richtung des Rennsteigweges und
Kaiserweges bis zum Pleisseübergang bei Raschwitz südlich Leipzig ver-
folgen lässt. Von Lucka südlich läuft er über Meuselwitz, den „Geyersberg“,
Kayna, Hohenkirchen, Grossenstein, Ronneburg, „Vogelgesang“, „Lerchen-
berg“, Trünzig, Teichwolframsdorf^ Reudnitz, Reichenbach und von hier
fast geradlinig bis Eger. Zunächst läuft die Wegfortsetzung von Reichen-
bach mit der grossen Hofer Strasse die Göltzsch durchfurthend oder mehr
geradlinig durch die Weissensander Furth, über Treuen, Poppengrün, über
Schöneck oder als älterer Weg dicht östlich bei Schöneck vorbei als „grüner
Weg“ nach dem „Geierswald“, Fribus, über den „Kühbauch“, Mark-
neuHrchen, „Schanzholz“, Landwüst, „alte Schloss“, am „Geyersberg“ vor-
bei nach Schönberg mit den „Geyerhäusern“, „Altenteich“, Oberndorf,
Langenbrück, Lehenstein bis Eger. Dieser Weg stellt mithin eine zweite,
aber fast geradlinige Verbindung Halle (-Merseburg -Zeitz) -Eger dar und
zwar ebenfalls als Rückenweg entsprechend dem westlicheren Weg unter 6.
6c. Von der Elsterfurth Zeitz zweigt sich ein Weg ab, der den
Rückenweg 6b bei Sachsenroda kreuzt und sich weiter über Reichstadt,
Raudenitz, Schönhaide, „Scheidegrund“, Rudelswalde dicht südlich Crimmit-
schau, bei „Kniegasse“ und „Karthause“ die Pleisse kreuzend, als Rücken-
weg über den „finsteren Graben“, die „Hölle“, Denkritz, die „Schatzgrube“,
den „Wachholderberg“ und Weissenborn nach Zwickau hinzieht. Ausser-
dem zweigt ein südwestlicher Weg nach Gera, Auma, Schleiz, Hof ab.
Der wichtige Ostwestweg durch Zeitz wird später behandelt.
6d. Vom Rückenweg unter 6 zweigt ein Seitenweg über Weida nach
der Elsterfurth Greiz ab, der sich weiter bis Reichenbach fortsetzt.
In der Richtung dieses Weges schliesst sich der zweite Gebirgsübergangs-
weg nach dem Egerthale an, der von Reichenbach hinzieht über Lengen-
feld, den „Finkenberg“, als „Königstrasse“ nach Auerbach, „Tollengrün“,
Hohengrün, als „hohe Strasse“ über Jägersgrün nach dem „Aschberg“, über
„Grünberg“ nach Grasslitz, Heinrichsgrün, sich hier nach den Egerfurthen
Falkenau, Ellbogen und über Chodau nach Rodisfort gabelnd. Sowohl die
Localnamen als die Weglage lassen in den beiden Wegen 6b und 6d von
Reichenbach ins Egerthal alte Verbindungen erkennen. Der Name Königs-
weg ist wohl mit dem 1086 gekrönten Böhmenkönig Wratislaw, der lebhafte
Verbindung mit seinem Schwiegersohn Wiprecht von Groitzsch unterhielt,
in Zusammenhang zu bringen.
6e. Die unweit Greiz gelegene Elsterfurth Elsterberg vermittelt
ebenfalls den Uebergang eines alten Weges nach Süden und zwar nach
Asch über Reinhardtsgrün, die „Possecke“, am „Gräfenstein“ und „Schloss
Reuth“ mit „Wallwiese“ vorbei durch Thossfell, Altensalz, Neuensalz,
Theuma, als „alte Strasse“ am „alten Berge“ und „Salzhübel“ durch die
Elsterfurth Oelsnitz über den „Geiersberg“, „Heinzens Höhe“, Rossbach.
Von Oelsnitz zweigen zwei Parallelwege über den Geiersberg ab als „alte
Strasse“ über Obertriebei, Poseck und die (jüngere?) über Untertriebei;
beide über Gassenreuth mit dem „alten Schloss“ und der „alten Schanze“
nach Hof laufend.
33
6f. Ein alter Zweig der Rückenstrasse 6 trennt sich in Auma ab, um
ohne den Umweg über Hof das Egerthal direct zu erreichen; er läuft über
Zeulenroda nach dem alten Wegknotenpunkt Pausa, wo er einen Seiten-
weg über Schönberg, Misslareuth nach Hof entsendet. Von Pausa über Mehl-
theuer als „hohe Strasse“ am Flurorte „der weise Stein“ vorbei zieht der
Weg als „Schaafweg“ nach der alten Elsterfurth Strassberg mit „Warth-
Hübel“ und der „Burg“, Taltitz, den „Geiersberg“, Raschau, durch das jetzige
Oelsnitz über Tirschendorf, Schöneck, „Wachtelbusch“, Kottenhaide, Klingen-
thal, den Anschluss an die alte Strasse unter 6d in Grasslitz suchend.
6g. Nach der später mehr in den Vordergrund getretenen Elster-
furth Plauen zweigt bei Mehltheuer vom vorigen ein Weg ab, der über
Syrau mit „Neumarkt“, den „Strassenhübel“, „Bärenstein“ nach Plauen
und weiter am „Wachhübel“ vorbei über Oberlosa, am „Salzhühel“ den
Weg 6e kreuzend, über Voigtsberg, Görnitz, „Warthebaum“, Leubetha am
westlichen Elsterhochufer gegenüber Adorf hinläuft. Der merkwürdige
Localname „Wachbaum“ kommt nordöstlich Voigtsberg noch einmal vor.
6h. Adorf ist eine alte Elsterfurth für die Verbindung Schöneck-
Asch und zugleich Anschlusspunkt für den interessanten Kamm- und
Grenzweg über Misslareuth, Grobau, Hainersgrün, „Wachhübel“, die
„Beuten“, am „Assenberg“ mit „altem Schloss“ nach Sachsgrün, in Gassen-
reuth den Zweig 6e kreuzend, über Oberbergen, Freiberg nach Adorf, von
wo aus der Anschluss als „hohe Strasse“ und „alte Poststrasse“ über Jugels-
burg, „Finkenburg“ (Funkenhurg?), „Strassenbusch“ in Landwüst an die
grosse Nordsüdstrasse 6 b erfolgt.
Alle bisher verfolgten Wege strahlen von Halle, wenn man will auch
von den später aufgekommenen Nachbarorten Merseburg und Leipzig aus,
entweder sich rein östlich hinziehend, das unzugängliche Elbsandsteingebirge
in grossem Bogen östlich umziehend, das Erzgebirge südöstlich über-
schreitend oder endlich der Fichtelgebirgsabdachung Hof-Eger zustrebend.
Mannigfache alte Verästelungen könnten noch erwähnt werden, andererseits
sind noch eine Reihe von wichtigen alten Verbindungen hervorzuheben, die,
um die üebersicht nicht zu stören, bisher nicht genannt wurden.
Die Wege von Prag.
Was Halle für den Norden ist Prag für den Süden unseres Gebietes;
ist es auch erst seit etwa 869 der herrschende politische Mittelpunkt, so
haben wohl von jeher die Hauptorte der früher selbständigen Einzelland-
schaften wie Ellbogen, Saaz, Leitmeritz, Tetschen zur Mitte des Böhmer-
landes lebhafte Beziehungen gehabt. Auch nach den Fundkarten bildet
Prag etwa die Mitte des in prähistorischer Zeit besiedelten Gebietes, das
gegen Sachsen hin durch eine Linie Kaaden-Tetschen begrenzt wird. Wenn
für Halle die nordwärts gerichteten Flussthäler als Hindernisse, deren
Fürthen als Leitpunkte anzusehen waren, so ist für Prag der Gebirgskamm
zwar als Hinderniss, die am Südfuss desselben hinlaufende alte Westost-
strasse aber als Leitlinie mit den Wegknoten als Leitpunkten aufzufassen.
7. Die alte nordböhmische Querstrasse ist deutlich von Eger bis
zu den Iserkammpässen zu verfolgen, üeber „Langenbruch“, wo die er-
wähnten alten Wege von Hof, Adorf und Reichenbach zusammenlaufen, wo
auch ein anscheinend alter Zweig über „Ensenbruck“ und „Bruck“ nach
Fraureuth und weiter sich anschliesst, zieht der Querweg über Mariakulni
*
34
(wo ein Nordsüdweg kreuzt, der von Klingenthal über Gossengrün nach der
Egerfurth Königsberg läuft), weiter über Zwodau neben der Eger-
furth Falkenau nach Chodau (chodba = Fussweg, chod = Gang). An
diesen beiden alten Orten schliessen sich zwei Ausläufer vom alten Pass
bei Sauersack mit „Posteiberg“ und Frühbuss an, deren einer über
Schönlind, dicht östlich Heinrichsgrün über „Hochfeld“, „Hochtanne“, „Knot-
berg“, Thein nach Zwodau -Falkenau, deren anderer über „Kuhberg“, Ordt,
Kösteldorf, „Leitenberg“ nach Chodau und zur Egerfurth Ellbogen sich
hinzieht.
Von Chodau zum wichtigen Egerübergang „Kodisfort“ laufen zwei
Parallelwege; der nördliche über Neurohlau nimmt hinter Spittengrün den
östlichsten Zweig vom Passe bei Frühbuss, der Neudeck, „Gibacht“, Tüppels-
grün berührt, und weiterhin den alten Gebirgsweg von Halbmeil-Kuhberg-
Mückenberg auf, welcher letztere über „Irrgang“, Bäringen, „Drachenfels“
(draha = Spur, Strasse), Edersgrün herabsteigt. Kurz vor Rodisfort mündet
noch ein anscheinend alter Rückenweg, der sich am Mückenberg abzweigt
und über „Hahnberg“, „Spitzberg“, „Schimitzberg“ (westlich Joachimsthal),
„Koberstein“, Pfaffengrün und Schlackenwerth läuft. Der südliche ältere
Parallelweg geht über Altrohlau, Zettlitz, Hohndorf, Elim nach Rodisfort.
Der Anziehungspunkt Karlsbad gehört in spätere Zeit, doch wird bei
den Schiffhäusern und Drahowitz (draha = Weg) eine alte Egerfurth
bestanden haben, die über Ottowitz Zweige nach den Passwegen über
Frühbuss und Halbmeil entsendet, auch südlich Fortsetzung über „Espen-
thor“, Engelhaus, Sollmus gefunden haben wird.
Laufen in Rodisfort alle alten Wege von Westen zusammen, so gabeln
sie sich auch von hier aus nach Osten. Der Hauptweg läuft auf dem
Rücken über „Höllenkoppe“, Hermersdorf, „Hochwald“, Liesen, „Langenau“,
„Langensack“, „Kolinerberg“, Pohlig, Quon und Liebotschan nach der Eger-
furth Saaz; ein Seitenzweig führt von Liesen über den „Sahlerberg“,
Rodenitz, „Höllenberg“, Atschau nach der Egerfurth Kaaden. Westlich
x4tschau, kaum 1 km von dieser Strasse liegt das Plateau des „Burgbergs“,
etwa 1 km lang und 0,7 km breit mit dem Dörfchen Burgberg, nach allen
Seiten steil abfallend und recht geeignet, eine Volksburg (die Kadansburg?)
aufzunehmen.
Zwischen Rodisfort und Kaaden ist zu erwähnen die Egerfurth bei
Okenau mit Anschlüssen im Süden bei Hochwald, im Norden über „Pür-
stein“, „Höllenstein“ nach Schmiedeberg und „Schlössl“ bei Hammerunter-
wiesenthal, sowie nach Weipert. Jünger dürfte die Egerfurth Klösterle mit
ihren Weganschlüssen sein.
Der wichtige Uebergang Kaaden ist mit drei Parallelwegen an den
alten Pass Pressnitz angeschlossen, deren ältester (der mittlere) über
„Königsberg“, Wernsdorf, Radis, Kretscham läuft.
7 a. In Kaaden tritt die nordböhmische Querstrasse in altbesiedeltes,
fruchtbares Flachland mit zahlreichen vorgeschichtlichen Fundorten und
spaltet sich in den die See wiesen südlich umgehenden Zweig über Pröhl,
Tuschmitz, Priesen, Eidlitz, Pösswitz, Holtschitz, Triebschitz, Brüx, Prohn,
Priesen nach dem alten Wegknoten 0,8 km östlich Dux und den nörd-
licheren über Seehäusl, Prösteritz, Retschitz, Körbitz, Sporitz, „Gröschl“ (grod),
Kommotau, Görkau, Türmaul, Schimberg, Eisenberg, Tschernitz, Bettelgrün,
Oberleutensdorf, Ladung, „Saleshöhe“, Os segg. Diese beiden Parallelwege
35
werden nun auf dieser Strecke durchkreuzt von den alten Gebirgsüber-
gangswegen nach Prag.
Vom Pressnitzpasse läuft ein alter Zweig auf der Höhe über den
„ßeischberg“, durch Sonnenberg, Zollhaus nach Krima, sich hier an den
Reitzenhainer Weg anschliessend. Auch drei directe Paralielwege nach Saaz
zweigen an dieser Stelle ab, deren westlicher von Zollhaus über Platz,
D. Kralupp, „Spielhübel“, „Ruhstein“, Dreihöf den Charakter eines Rücken-
weges in hohem Masse besitzt. Die Gebirgswege nach Kommotau sind
schon benannt; es bleibt noch die alte Verbindung Sayda-Saaz über Grün-
thal, Brandau, Kleinhan, Ladung, Stolzenhan, Türmaul, Görkau oder
Kleinhan-Göttersdorf nach Görkau und von hier weiter über Eidlitz, Horatitz
zu erwähnen.
Jenseits der Seewiesen kreuzt der uralte He er weg überPurschen-
stein mit den erwähnten Parallelwegen über Einsiedel und Göhren, die
sich in Brüx vereinigen.
Der jüngere Pass bei Rechenberg entsendet den alten Weg über
Zollhaus, Eleyh, Langenwiese, „Droscheberg“ (draha, droha=Weg), Ladung,
das Dorf Wiese (zu vergl. Langenwiese) und Paredl nach Brüx. Von Langen-
wiese läuft ein Zweig über Riesenberg, Ossegg, Unterhaan, am „Riesen-
bad“ vorbei nach dem Wegknoten östlich Dux, sich nach Bilin fort-
setzend. Die weitere Fortsetzung der Wege bis zu den Egerfurthen bei
Saaz, Posteiberg und Laun und weiter bis Prag kann hier ausser Betracht
bleiben. Nach dem Charakter der ältesten Wegzüge muss der Postei-
berger Uebergang später zwischen die beiden älteren Fürthen einge-
schoben sein.
7b. Zwischen Ossegg-Dux und Tetschen bildet jetzt Teplitz den An-
ziehungspunkt. Im alten Wegnetz erscheint dagegen Teplitz nur als an
einer alten Wegrichtung gelegen, keineswegs aber als wichtigster Weg-
knoten wie in neuerer Zeit. Die nordböhmische Querstrasse über den
Wegknoten östlich Dux setzt sich über Losch, Hundorf, Teplitz, Turn,
Soborten nach Mariaschein fort, wo sie sich mit dem Weg am Gebirgsfuss
vereint, welcher von Osseg über Deutzendorf, Klostergrab, Kosten, Tischau,
Eichwald, Pisanken, Dreihanken (Drahenky) und Graupen gleichfalls Maria-
schein erreicht. Von hier läuft ein alter Seitenweg über Karbitz am
„Bihana“-Berg vorbei nach Aussig, während der nordböhmische Querweg
nun vereint über Hohenstein, Straden, Kulm, Arbesau bei Kninitz die Wasser-
scheide des Eulaer Baches erreicht, um sich über Eula, Schönborn, Kröglitz
nach Tetschen zu wenden. Die Strecke Kninitz -Eula ist allerdings in
ihrer alten Trassirung aus der öste'rreichischen Generalstabskarte 1 : 75 000
nicht so genau wie bei allen bisher erwähnten alten Wegrichtungen er-
kennbar — die Lage der jetzigen Kunststrasse durch Königswald, die stets
in der Eulabachaue hinläuft, kann für die älteste Zeit wohl nicht in Frage
kommen. Der alte Weg muss sich von Kninitz am „Hutberge“ bei Klein-
kahn vorbei, wo noch die Flurgrenze hinläuft, nach dem „Hegeberge“ ge-
wendet haben, wo sich dann der noch deutlich sichtbare Theil des Höhen-
weges, gleichfalls an einem „Hutberge“ nach Tetschen laufend, anschliesst.
Der Kninitzer Sattel stellt den bei weitem günstigsten Abstieg vom
Erzgebirgskamm dar; beträgt doch der Höhenunterschied nur 310 m, während
die anderen alten Abstiege bei Kulm, am Geiersberg und bei Graupen je
etwa 510 m Höhenunterschied aufweisen. Unzweifelhaft läuft der Weg
nach dem alten Elbübergang Aussig über den Nollendorfer Pass, Kninitz,
36
„Zuckmantel“, Troschig, „Spiegelsberg“, „Lerchenfeld“. Neben Aussig be-
standen für die Nordwege die westlicheren Zielpunkte ßilin und Brüx, die
beide über Teplitz und den Wegknoten östlich Dux erreichbar waren.
Hierhin zogen sich die Abstiege von den drei alten Nachbarpässen am
„Mückenberge“, am „Geyersberge“ und am „Schauplatz“ (mit Kulmer Kapelle).
Nebenher senden diese drei Abstiege auch Seitenwege nach Aussig und
zwar: Graupen -Mariaschein- Marschen -Karbitz, ferner Geiersberg -Hohen-
stein-Karbitz und endlich Kulmer Kapelle -Kulm- Böhm. Neudörfl-Herbitz-
Prödlitz -Aussig.
Mit dem Vortreten des Einflusses von Prag wird auch das Bestreben
erwachsen sein, diesen Mittelpunkt nicht erst durch die zwischenliegenden
Orte Aussig, Bilin, Brüx, Saaz, sondern möglichst direct zu erreichen.
Vielleicht erst in dieser um 800 n. Chr. zu setzenden Zeit wird das Hinderniss,
das das böhmische Mittelgebirge darbot, durch ein wirkliches Wege-
netz überzogen worden sein. An die genannten drei Pässe sowie an den
von Kninitz setzen sich nun die Wegzweige direct nach Süden an. Der
Zielpunkt ist Weissaujezd (üjezd = Wegfahrt), wo die Wege von Aussig
über „Ellbogen“, Dubitz, „alte Berg“ und von Wiklitz über die Bielafurth
Hlinai, Schima zusammenlaufen, um sich über Wellemin zu spalten nach
den fünf Egerfurthen zwischen Perutz und Leitmeritz, von wo sie sich
dann wdeder in Schlan zusammenschliessen. In Wiklitz laufen von Graupen,
Hohenstein, Kulm und Kninitz die Wegzweige von den Gebirgspässen zu-
sammen. Zu nennen ist der anscheinend jüngere Parallelweg durch das
Mittelgebirge über Milleschau. Nach Weissauj ezd führen überdies auch
Seitenzweige von der nordböhmischen Querstrasse einmal von Kosten über
„Kleinujezd“, Settenz, dicht w^estlich bei Teplitz vorbei, über „Wachhübel“,
Weibine, Schallan, „Wachtberg“ und „Paschkopole“ und sodann in Teplitz
ansetzend am „Schlossberg“ vorbei über Drakowa, Suchei, Haberzie, Hlinai,
hier in die alte Nordsüdstrasse mündend.
7c. Von Tetschen bis zu den Neissefurthen zieht sich der alte nord-
böhmische Querweg südlich um das Lausitzer Gebirge hin zwischen „Poppen-
berg“ und „Falkenberg“ hindurch in Richtung auf die Markersdorfer Kirche,
beim „Wachberg“ und „Hachenberg“ vorüber, Böhm. Kamnitz und den
„Schlossberg“, Steinschönau, Pärchen berührend, über den „Kammberg“,
Blottendorf, dicht am „Kleiss“ und „Falkenberg“ vorbei nach Zwickau,
einem alten Wegknoten, wo die Richtungen von Rumburg über Tollenstein,
von Löbau über Grossschönau, an der Lausche vorüber, von Zittau, von
Leipa und von Niemes Zusammentreffen. Von Zwickau ziehen zwei Parallel-
wege zwischen Isergebirge und Lausitzer Gebirge nach Friedland und
weiter östlich ; der nördliche über Cunnersdorf, am „Lerchenberg“, „Haide-
berg“, „Hutberg“, an der „Brückellehne“ nach Finkendorf, über den „Lerchen-
hübel“, den „Passerkamm“ mit 450 m Seehöhe*) erreichend und über
„Giebelsberg“, die Neissefurth Ketten und die wichtige Burg „Grafenstein“,
Oppelsdorf als „Diebsstrasse“ über Zollhaus Friedland zustrebend. Der
südliche Weg läuft von Zwickau über Gabel, Ringelshain oder Jahnsdorf
nach Pankratz, überschreitet in nur 391 m Seehöhe*) den Kamm am
„Raben stein“, sinkt zur Neissefurth Weisskirchen herab und erreicht über
„Schelleberg“, „Gickelsberg“, „Lichtenberg“ als „Diebsteig“ am „Wachberg“
und „Geiersberg“ vorbei Friedland. Die geringere Passhöhe und die Local-
*) Nach der Österreich. Generalstabskarte 1 : 75 000.
37
narnen sprechen für ein höheres Alter dieses Weges; andererseits ist die
Linienführung des nördlichen Weges eine alterthümlichere.
In die Stationen dieses alten Querweges laufen von Norden die bereits
erwähnten alten Wege aus der rechtselbischen Gegend. Zu bemerken ist
der alte Wegknoten bei Finkendorf, wohin auch ein Zweig von Zwickau
über Kunnersdorf, Gabel, Yogelsang, „Eichkamm“ führt. Von Finkendorf
setzt sich nicht nur der alte Weg über Passerkamm nach Grafenstein-
Friedland fort, es setzt sich am Passerkamm auch ein Zweig über Grottau
an, der als Kückenweg zwischen Neisse und Wittig über Reibersdorf, als
„Loh- (Lug) -Strasse“ über den „Lohnberg“ nordwärts läuft. Bei Finken-
dorf zweigt auch eine alte Verbindung nach Zittau ab über „Raub-
schloss“, „Scheibenberg“, die „3 Orln“, bei der „Ausspaimung“ die wohl
etwas jüngere Strasse von Gabel über Petersdorf, Lückendorf kreuzend,
als „Grenzweg“ am „Zigeunerberg“ und den „Hölllöchern“ vorbei, über das
Rathsvorwerk in die böhmische Vorstadt, über die Kuhbrücke nach Zittau.
Die Lage dieser ältesten Zittauer Brücke ist vom Standpunkte der alten
Wegtrassirung bemerkenswerth, weil hier wieder die Kreuzung zweier Ge-
wässer kurz vor deren Vereinigung erfolgt. Von der Kuhbrücke über die
Mandau läuft der alte Südostweg nach Reichenberg nach der Papiermühlen-
brücke über die Neisse, während nur 400 m östlich beide Flüsse zu-
sammenlaufen.
Die sächsischen Wege über das Erzgebirge.
Es bleiben nach der Erwähnung der alten Salzstrassen von Halle, des
böhmischen Wegenetzes südlich des Gebirges und des voigtländischen Netzes
noch einige ältere Wegrichtungen nachzutragen.
8. Von dem alten Wegknoten Zwickau laufen als Fortsetzung der
besprochenen Nordstrassen alte Wegzüge nach sämmtlichen alten Eger-
furthen zwischen Ellbogen und Saaz über die erwähnten alten Gebirgs-
Passstellen.
Ein alter Weg wird von Zwickau über Oberhohndorf, Vielau, Schönau
nach Wiesenburg gegangen sein, von wo ein echter Rückenweg über
„Vogelheerd“, „Wolfsschacht“, „Saupfütze“, „Luchsplatz“, „Pferdebrunn“
nach dem „Sonnenberg“ und „Rissigberg“ nebst einem dicht westlich ge-
legenen Parallelweg hinzieht, um über die „Ochsentränke“ zur Muldenfurth
Oberblauenthal hinabzusteigen und weiter über den „Rösnigberg“, Eiben-
stock und über das „Hirtenraumei“, die „Spinnei, jetzt die Tafel“, Weiters
Glashütte, die Mordhütte, an der Grenze am „Kranichsee“ östlich vorbei-
ziehend den Pass Sauersack -Frühbuss zu erreichen.
Es ist aber wahrscheinlich, dass ein älterer Weg eingeschlagen
wurde, der die zweimalige Muldendurchfurthung vermeidet, der sich also
von Zwickau über den „Schleifberg“ oder Planitz nach Wendischrott-
mannsdorf, Niedercrinitz, an den „Bohlteichen“ am „Bohlberge“ vorüber bis
Kirchberg hingezogen haben musste. Allerdings vermisst man auf dieser
wahrscheinlich schon zeitig mit dem Aufblühen Zwickaus und Wiesen-
burgs verlassenen Strecke den üblichen Charakter der schlanken lang-
gestreckten ältesten Wegzüge. Von Kirchberg schliesst sich dann einer
der gewohnten alten Rückenwege über den „Jüdenstein“, Bärnwalde, den
„Schirrberg“, am „Zollhaus“ und „Hohenstein“ vorbei nach Hundshübel
über den „Hemmstein“, bei Muldenhammer die Mulde durchfurthend nach
Eibenstock an.
38
Ein in ünterblauenthal die Mulde kreuzender östlicher Zweig über
Losa, den „Riesenberg“, Sauschwemme -Steinbach, an der Landesgrenze
ebenfalls einen „Kranichsee“ (daher wohl ohne Zweifel mit hranice =
Grenze zusammengesetzt) streifend, über „Henneberg“, die „Farbenleithe“,
den „tiefen Graben“, der dicht östlich von Platten vorbeizieht und bei
Bäringen Anschluss an den erwähnten Halbmeilpass findet, scheint
weniger alt zu sein. Dasselbe gilt mit noch grösserer Wahrscheinlichkeit
von dem westlich gelegenen Verbindungsweg über Hirschenstand,
8 a. Der Hauptgebirgsweg von Zwickau wird aber den für die Prager
Richtung bestgelegenen Pressnitz er Pass gesucht haben. Zunächst ist
der sich an die Muldenfurth Wiesenburg anschliessende anscheinend alte
Weg zu neunen, der sich an der Saupfütze an den Eibenstocker Weg unter
8 anschliesst und über Lindenau, den „Schimmelberg“ südlich um Neustadt,
über den „Lerchenberg“ nach Albernau, Bockau, über den „Sachsenstein“
bis Schwarzenberg läuft. Ein nördlicher, wohl älterer Parallelweg zieht
über die „goldene Höhe“, den „Mühlberg“ dicht südlich Schneeberg vorbei
über den „Gleesberg“, „Brünlassberg“, durch Aue und über Lauter nach
Schwarzenberg. Von hier lief die älteste Richtung als Höhenweg über
den „Knochen“, den Rücken südlich Langenberg, nördlich um den „Krahen-
hübel“ am „Schaafberg“ und südlich dicht am „Scheibenberg“ vorbei unter
dem Namen „Fürstenweg“, setzt sich fort bei der „Ruine“ in Crottendorf,
als „böhmische Strasse“ durch Cranzahl, am Zollhaus in eine ebenfalls
alte, hier von Stollberg, Chemnitz und Wolkenstein zusammenlaufeiide Strasse
einmündend und mit ihr über „Kühberg“, „Schloss Stein“, den „weissen
Hirsch“, Pleil dem Pressnitzer Passe zustrebend.
8b. Zeiclien eines sehr hohen Alters trägt der den Muldenbogen öst-
lich umgehende Weg, der mit der Oststrasse am „Brückenberge“ östlich
die Mulde quert, am „Freytag“ diese Strasse verlässt, als „hohe Strasse
oder Freytagsstrasse“ über „Einsiedel“, den „Käseberg“, Hartenstein,
„Hundsberg“, die „grüne Lücke“, Lössnitz, über den „Grünwald“ -Rücken,
das „Kornhau“, den „Einsiedel“, „Spiegelwald“, die „3 Tannen“, Waschleithe,
„Hemmberg“, Schwarzbach hinzieht und sich am Scheibenberg dem südlichen
Parallelweg anschliesst. Von hier läuft ein jüngerer Zweig über Neudorf,
Rothenkretscham als „Fürstenweg“ nach dem schon genannten Schlössl,
Schmiedeberg und Pürstein.
Bemerkenswerth ist der Passweg über Gottesgab (ehemals Winters-
grün), nach dem zwei Parallelwege von Lössnitz laufen: der westliche über
Pfannenstiel, den „Riss“, den „Krahl“, Schwarzenberg, die „Bärenstallung“,
das „hohe Rad“, Pöhla, als ,, hoher Weg“ über den „Sechserberg“ und
Dreieberg (draha = Strasse); der östliche Zweig über „Spiegelwald“,
„3 Tannen“, ,, Fürstenberg“, „Fürstenbrunn“, „Oswaldkirche“, „Langen-
berg“, Mittweida, „Ziegenfels“ als „Hundemarterweg“ über die „faule
Brücke“, sich am Dreieberg mit dem westlichen vereinigend und über den
Flurort „in der Rachel“ an der ,, goldenen Höhe“ vorbei nach Gottesgab und
von hier über Schlackenwerth nach dem alten Uebergang Rodisfort an der
Eger laufend. Der Gottesgaber Pass ist mit dem Aufkommen Joachims-
thals lebhafter geworden und hat noch Seitenwege von Scheibenberg (den
,, Proviant- oder Klötzerweg“ über den grossen „Hemmberg“) und von
Schlettau (die „Thalerstrasse^‘ über den kleinen „Hemmberg“ und Katzen-
stein) entstehen lassen.
39
9, Von der Glauchauer Miildenfurth läuft ein reiner Rückenweg durch
den „Rumpf-Wald“, über die „Funkenhurg“ (Signalstation der Zwickau-
Lichtensteiner Strasse), Heinrichsort, Neuesorge, hier einen ,, Kärrnerweg“
von Lichtenstein aufnehmend, „Zschockenberg“, „Sahrberg“ als „hohe
Strasse“ bis zum Anschluss an die alte Strasse über Lössnitz.
Von der Muldenfurth Waldenburg zieht ein Weg über ,, Ausspann-
Callenberg“, die „Katze“, den ,, Eisenberg“, Lungwitz, auf dem Rücken
über das „Kieferholz“, Jägerhaus, Würschnitz, als ,, Fürstenweg“ über den
„Panzerberg“, das ,, Lutzenholz“, Beutha, die ,, grüne Lücke“ nach Lössnitz.
Ein östlicher, wohl wesentlich jüngerer Parallelweg läuft von Würschnitz
über Stollberg, Hohneck, Zwönitz, Grünhain zum Anschluss an den alten
Weg im Spiegelwald.
9a. Ein iDemerkenswerther nach den Localnamen alter Gebirgsüber-
gangsweg setzt in Wüstenbrand an, das, auf der Wasserscheide zwischen
Lungwitzbach und Kappelbach liegend, als Wegdurchgang besonders ge-
eignet ist. Hierher laufen Zweige von Waldenburg über die ,, Katze“, den
„Pfaffenberg“ oder ,,Rödenberg“ bei Hohenstein, ferner von Wolkenburg
als „Bergstrasse“ auf dem Rücken westlich Bräunsdorf oder über den
„hohen Busch“, Bräunsdorf selbst nach Meinsdorf, endlich von Penig über
Tauscha, die Sorge in Bräunsdorf anschliessend. Von Wüstenbrand läuft
der Weg südöstlich als „Landgraben“ über „Dreidörfel“, östlich Leukers-
dorf am ,,Beuthenberg“ vorbei, an den ,,drei Teichen“ die Würschnitz
kreuzend, über ,, Zigeunerbrunn“ nach Jahnsdorf, hier sich in zwei Parallel-
wege, die den Abtwald östlich und westlich umgehen, spaltend. Der West-
weg zieht sich als Kärrnerweg bei Meinersdorf die Zwönitz (die eigentlich
den Namen Chemnitz zu führen hätte) kreuzend, als „Kärrnerstrasse oder
Kalkweg“, dann wieder als „Kärrnerweg“ nach der Höhe nördlich von
Thum, wo sich alte Wege kreuzen, wo auch der östliche Zweig, der als
„Rollweg“ durch das „Rollholz“ über Burkhardtsdorf läuft, sich wieder
anschliesst. Der Weg setzt sich von der Thumer Höhe als ,, Kärrner Strasse“
durch Herold, Neudorf, am ,, Lerchenhübel“ vorüber, zur Zschopaufurth
Wiesa fort, steigt über die „Riesenburg“ zur Stelle zwischen dem Pöhlberg
und dem später erbauten Annaberg, wo alte Wegspuren in der Karte er-
kennbar sind. Hier trennt sich der alte Weg in zwei Parallelwege, den
einen über Königswalde als der „alte Hemmweg“ über Ziegenbrücke
(Zigeuner?), Jöhstadt, Dürrenberg nach Pressnitz und in den anderen älteren
über den „Lerchenhübel“ nach dem Kuhberg mit Schloss Stein, wo er in
die erwähnte alte Zwickau-Pressnitzer Strasse mündet.
10. Da die alten Hauptübergänge über Chemnitz (unter 5) und Oederan
(unter 3) bereits erwähnt worden sind, ist zu den Freiberger Wegen
weiterzugehen. Freiberg ist ebenso wie Leipzig und Dresden kurz nach
der für diese Studie massgebenden Zeit Hauptmittelpunkt des Wegnetzes
geworden; indessen scheinen auch in ältester Zeit Wege die Gegend, wo
später Freiberg auf kam, gekreuzt zu haben, soll doch das Silbererz durch
Harzer Fuhrleute zuerst erkannt worden sein. In der That wird aus dem
Herzen von Daleminzien, der Gegend Nossen-Lommatzsch-Meissen ein Weg
nach dem ältesten Pass bei Sayda geführt haben, der sich nach den
Regeln der Trassirung ältester Wege finden lässt im Zuge: Wendischbohra,
als „Zeisigweg“ über Hirschfeld, Drehfeld (draha== Strasse), ,, Rabenstein“,
hier die Bobritzsch durchfurthend, Bieberstein, Haida, bei Vorwerk Hals
über die Mulde, auf dem Rücken bis dicht östlich an die spätere Frei-
40
berger Sächsstadt. Von hier über den Münzbach sucht der Weg Anschluss
an die alte böhmische Heerstrasse in Mittelsayda, Dörrnthal oder Sayda
auf jetzt vielfach verästelten Wegen, deren ältester über „die drei Kreuze‘‘,
,,alte Mordgrube“, den „Kuhberg“, den „weissen Schwan“, Vorwerk München-
frey, durch das Waldstück ,, Zehntel“, dicht östlich Hartmannsdorf, die
,, untern Lichten“ führt, wo ein alter Weg von Rauenstein als „Fürstenweg“,
„Diebssteig“ und ,, Kammweg“ einmündet. Von hier zieht sich der Weg
als „Kamm weg“ um Obersayda herum nach Dörrnthal.
Aus diesem anscheinend sehr alten Wege zweigen überdies bei der
„alten Mordgrube“ alte Wege über Langenau als alte Poststrasse nach der
alten Zschopaufurth Rauenstein und als ,, Rosenweg“ über Leubsdorfer
Hammer, Metzdorf, am Schellenberg vorbei nach Chemnitz ab.
Die directen Wege Freiberg-Rechenberg und Freiberg-Pass von Graupen
werden etwas jünger sein; der ältere von beiden ist wohl der Weg nach
dem älteren Pass bei Graupen, der auch bezüglich der Localnamen Be-
achtung verdient. Von Freiberg zog dieser Weg über die Hilbersdorfer
Muldenfurth durch „das Geheege“ bei der Kirche über die Bobritzsch, als
„Geiersweg“ am „Geiersberg“ vorbei, als ,, Bergstrasse“ durch den ,, Lücken-
busch“ und Röthenbach, den Röthenbacher Berg, am ,, Burgberg“ vorbei
zur Weisseritzfurth, von hier auf dem Rücken empor zur ,, kahlen Höhe“
als „langer Rainsteig“, an der „faulen Pfütze“ vorbei durch Hennersdorf,
Ammeisdorf, Schönfeld, am ,, Reinberg“ vorüber durch den ,, grünen Wald“,
auf dem Rücken als „schwarzer Leichenweg“ über den Pfaffenbusch, Hinter-
und Vorderzinnwald bis zum Anschluss an die uralten Pässe Graupen-
Geiersberg.
Ein südlicher Parallelweg über Weissenborn, Frauenstein wendet sich
den jüngeren Pässen Moldau-Zaunhaus zu.
In den alten Graupener Passweg mündet unweit der ,, kahlen Höhe“
ein Zweig aus dem Gau Nisani über Possendorf, ,, Einsiedlerstein“, Dippoldis-
walde und als ,, Fürstenweg“ bis zum Anschluss hinter Sadisdorf.
11. Der Plauensche Grund durchschneidet den alten Gau Nisani;
beide Theile werden durch die drei Weisseritzfurthen am Vorwerk Heils-
berg, bei Potschappel und Plauen verbunden, nach denen alte Wege von
Wilsdruff, dem üebergangspunkt nach dem Daleminzier Gau ausstrahlen.
Durch die westliche Furtli läuft ein Weg Meissen-Prag über Wilsdruff,
Braunsdorf, ,, Hirschberg“, Rabenau, ,,Götzenbüschchen“, an der „Klause“
vorbei über das „steinerne Messer“, Dippoldiswalde, Elend, als „Fürsten-
weg“ über den „Windberg“, „Ochsenteich“, den „hohen Wald“, „Schenkens
Höhe“ bei Falkenhain und von hier den „Riesengrund“ westlich über „die
Klinge“ umgehend oder ihn bei der „Ladenmühle“ durchquerend nach
Altenberg, am „tiefen Bach“ hinab nach Geising und über den „Schauhübel“
bei der „Wachsteinrücke“ vorüber nach dem alten Pass von Graupen.
Eine zweite Verbindung Meissen-Prag, durch Vermeidung der Kreuz-
ungen tief eingeschnittener Thäler bemerkenswert!! und deshalb älter,
zweigt schon von Sora (Kneipe) ab und läuft über den „Kühbusch“ durch
die „Struth“ als „Längenweg“ später „langer Weg“ auf dem Rücken nach
Spechtshausen, als „breiter Weg“ oder „Klingenweg“ über Grillenburg
dicht westlich Klingenberg am rechten Hochufer des Colmnitzbaches auf-
wärts durch den „Lückenbusch“, sich hier an die erwähnte alte Freiberg-
Graupen er Strasse anschliessend. Die Verbindung vom Lückenbusch über
Frauenstein nach dem Rechenberger Pass scheint etwas jünger zu sein.
41
Der .mittleren Furth bei Potschappel strebt der Weg von Wilsdruff
am „wüsten Berg“ vorbei über Wurgewitz, seitwärts des „Burgwardberges“
zu, dann führt er über Neucoscbütz, Coschütz mit dem bekannten Burg-
wall, als „Koblweg“ über Mockritz, Leubnitz, Lockwitz, Dohna und damit
in das Herz von Nisani. lieber die untere Furth Plauen läuft entsprechend
ein nördlicher Parallelweg, der sich in Leubnitz anscbliesst.
13. Die anscheinend allerältesten Erzgebirgsübergänge heften sich an
das Plateau zwischen Dohna -Meusegast -Zebista; ein alter Weg zweigt aller-
dings schon von Lockwitz ab und läuft über Pohrsdorf, den „Blauberg“,
„Lerchenhübel“, Maxen, „Heideberg“, Hausdorf, „Grimmstein“ dicht öst-
lich Cunnersdorf nach Glashütte, über den „Sonnenberg“, Börnchen nach
dem „Schulhübel“, wo er sich in den Ast über Lauenstein, Fürstenau,
Graupen und in einen zweiten über den Mühlberg, Liebenau nach Geiers-
berg oder Kulm spaltet.
Von Dohna läuft der bekannte alte Weg über Eulmühle, Seidewitz
als „alte Strasse über den Geiersberg“, jetzt „Kalkstrasse“, über den
„Laurich“, „Käferberg“ am „Mückengeplerre“ (Waldstück) und „Scherbens
Knochen“ vorbei durch Börnersdorf, seitlich „ Scher bers Berg“ nach Breite-
nau, wo er in den zweiten alten Weg mündet, der von der Eulmühle
über Seidewitz, Friedrichswalde, Rittergut Gersdorf nach dem „Jagdstein“
läuft und nun den Namen „Königsweg“ und „alter Königsweg“ führt,
sich am „Raithau“ vorbei nach dem Forstorte „Rennpläne“, durch Hart-
mannsdorf am „Lerchenhübel“ vorbei nach Breitenau zieht. Von hier läuft
der gemeinschaftliche Weg unter dem Namen „alte Töplitzer Strasse“
nach einem Punkt östlich Fürstenwalde, wo sich ein Zweig über Strecke-
walde nach Nollendorf, Kninitz ablöst, während der Stamm weg weiter
südlich bei den „schwarzen Wiesen“ die jetzige Grenze überschreitet und
fast geradlinig über den „Schauplatz“ nach der Kulmer Kapelle läuft,
während der Weg über die Ebersdorfer Kirche nach dem Geiersberg fast
rechtwinklig abbiegt, ein Zeichen, dass der letztere jünger sein
wird wie der Kulmer Weg, den überdies auch die erste historische
Erwähnung betrifft: Markgraf Ekkehard zog 1040 mit einem Sachsenheer,
das er bei Donin versammelt hatte, auf einem Weg, der bei der Burg
Hlumec (Kulm) aus dem Walde in das böhmische Land tritt. Diese Burg
wird wobl auch in dem älteren Berichte von 1004 gemeint sein, nach
welchem der vertriebene Herzog Jaromir dem siegreich das Erzgebirge
überschreitenden Kaiser Heinrich 11. eine Burg, die so recht an der Thür
des Böhmerlandes liegt, übergiebt. Dass es 1136 mehrere Pässe gegeben
hat, geht aus der Notiz hervor, der Böhmenherzog Sobeslav habe gegen
ein heranziehendes deutsches Heer einige der Pässe verhauen und ver-
rammeln lassen.
Nach der Art der Trassirung und der Namen der Wege scheint der
Weg über den Laurich der älteste zu sein; ihm trat seit König Wratislaw
um 1080 der wohl von ihm eingerichtete Königsweg zur Seite, dem er an-
scheinend die Richtung Breitenau- Jagdstein -Schäferbrunn — östlich bei
Ottendorf vorbei — Galgenberg -Zehista gegeben hat. Der Verbindungsweg
von Seidewitz, der den „Leitengrund“ (Bahrathal) zwischen Friedrichs-
walde und Gersdorf ohne zwingende Nothwendigkeit für eine alte Strasse
kreuzt, wird später hinzugetreten sein.
Der älteste Weg nach dem wegen seiner Höhe besonders günstig ge-
legenen Wasserscheidenpunkt Kninitz über Nollendorf hat sich ohne
42
Zweifel in der Gegend der Gersdorfer Wände und der „Rennpläne“ von
den hier zusammenlaufenden Wegen über Seidewitz und über Zehista ab-
gezweigt, um bei Gottleuba das Thal zu kreuzen und an den „14 Notb-
helfern“, dem „Leicbengründel“, „wüsten Schloss“, „Wachstein“ und „Huth-
stein“ vorbei auf dem Kücken über die „Oelsener Höbe“ östlich vom
„Sattelberg“ über Schloss Scbönfeld und durch den „Kübbuscb“ die
Nollendorfer Kirche zu erreichen.
Dieser nach der Trassirung und den Localnamen uralte Weg erhielt
später als Concurrenz eine begünstigtere östliche Parallelstrasse, die sich
schon bei Cotta loslöst und über den „Ladenberg“, Dürrhof, Berggiess-
hübel, den „dürren Berg“ nach Hellendorf, am „Bocksberg“ und der
„Silbergrube“ vorbei durch Peterswald, am „Keibler“ vorüber nach Nollen-
dorf läuft und sich in der Einsattelung des Gebirgskammes bei der Kirche
an den vorerwähnten Weg anschliesst. An Verbindungswegen zwischen
den beiden Parallelstrassen fehlt es nicht.
Kurz ist noch des Kückens zwischen Müglitz und Seidewitzbach zu
gedenken, auf dem ein Weg von Dohna ohne jedwede Thalkreuzung bis
Fürstenwalde hätte geführt werden können. Nirgends lassen sich aber
die charakteristischen Spuren eines alten Weges entlang dieses Kückens
erkennen; der hier vorkommende Name „Langenbrückenberg“ ist alter-
thümlich, kann aber einem Localwege sein Dasein verdanken.
Die unschwierigen Seidewitzbachfurthen an der Eulmühle, bei Zuschen-
dorf und Zehista haben wohl in ältester Zeit bestanden und sind nicht
als ausschlaggebende Verkehrshindernisse angesehen worden.
Als die älteste Passstrasse wird die Kichtung Pirna -Dohna über
Zehista -Kennpläne -Gottleuba -Oelsener Höhe-Nollendorf- Kninitz - Aussig
anzusehen sein. Von Aussig, wo die Biela mit ihrem altbesiedelten Ge-
biete in die Elbe mündet, führten alte Kückenwege nach Leitmeritz sowie
nach den Egerfurthen und Prag.
Als Nebenweg ist die Verbindung Pirna -Tetschen, die zum Theil den
Namen „hohe Strasse“ führt, zu erwähnen.
Die ostelbischen Nordsüdwege.
Schon unter 2 a, b, c ist eine Keihe paralleler Wege, die das Elbsand-
steingebirge östlich umziehen und sich südlich nach Prag oder nach den
Iserfurthen wenden, erwähnt. Den Schlüssel dieser Wege auf böhmischer
Seite bilden Tollenstein und Zwickau.
12. Nordsüdwege laufen von den Elsterübergängen Mückenberg, Kuh-
land, Senftenberg in das Milzienerland, ebenso z. B. von Hoyerswerda,
Wittichenau über Nausslitz, Crostewitz, als „kleine Strasse“ über Uhyst
nach Bischofswerda und weiter; ferner von Hoyerswerda, über Königs-
wartha, Neschwitz, als „Fisch weg“ auf dem Kücken über Grosshänichen eben-
falls nach Bischofswerda. Ein anderer Südweg zieht von Katzen, wo alte
Wege von Spremberg und Muskau zusammenlaufen, am „Lerchenberg“ vor-
bei über Kadibor, Cölln, Salzförstgen, Weissnausslitz, „Kleeschänke“,
Tautewalde, „Dahrener Berg“, Weifa, „Jerkens Berg“, Wehrsdorf, Mittel-
sohland nach Schluckenau zum Anschluss in Zeidler an die alte Tollen-
steiner Strasse. Dieser Nordsüdweg läuft möglichst auf der Höhe und
43
dürfte daher älter sein als der in Radibor abzweigende östliche Parallelweg
die Bautzener Spreefurth, die Mönchswalder Spreefurth, die „Adler-
schenke“, Kleinpostwitz zum Wegknoten Kirschau, Schirgiswalde, Peters-
bach bis zum Anschluss in Mittelsohland an den Ostweg.
Besonders beachtlich ist der schon gestreifte Südweg, der in Löbau,
wo ein System von alten Wegen nach den Neissefurthen zwischen Zittau
und Radmeritz (Joachimstein) abzweigt, sich südlich in gerader Richtung
nach Zwickau wendet, sich bis zur „Landbrücke“ nördlich Waltersdorf in
Parallelwege theilend. Der westliche Weg läuft über „Nonnenberg“, Gross-
schweidnitz, Kottmarsdorf, die „Tümmeln“, „Spreeborn“, Gersdorf, ,, Wechsel-
stein“, „Stachelbergelchen“, Seifhennersdorf, die „Leutherau“, am „Burg-
berg“ vorbei über Warnsdorf zur Landbrücke. Der Ostweg zieht als „hoher
Weg“ dicht westlich Niedercunnersdorf über „Steinglanz“, wo der alte
Kirschau-Zittauer Weg überschnitten wird, am „Haderplan“ vorbei, als „Leier-
oder Grasweg“ dicht westlich um den „Kottmar“ am „Jockelsberg“ und west-
lich am „Spitzberg“ vorüber über den ,, Pfaffenberg“, die ,, Dreiborne Wiese“,
am „Weissenstein“ und „Schwarzenstein“ vorbei über einen zweiten Pfaffen-
berg zur Landbrücke. Eine östlich den Kottmar umziehende Variante durch
Nieder- und Obercunnersdorf trägt den Namen ,, Viehweg oder Königstrasse“,
führt über den „Hungerbrunn“, den ,,Rötherberg“, um sich in Eibau an den
vorigen Weg wieder anzuschliessen. Auch hier kann an König Wratislaw oder
einen späteren böhmischen König gedacht werden, die längere Zeit Milska
beherrschten, Heerzüge von Böhmen über Bautzen gegen Meissen unter-
nahmen und dieseWeg Variante wohl angelegt haben können. Schon vom Feld-
zug 1004 wird berichtet, dass Kaiser Heinrich II. nach seinem üebergang
(bei Kulm?) nach Böhmen wieder zurückgeht auf unwegsamen Pfaden
nach Bautzen, wo er eine Besatzung zurücklässt. Nach den bisherigen
Erörterungen fallen diese ,, Pfade“ entweder in die Richtung über Zwickau
und Löbau oder, was nicht unwahrscheinlich ist, in die anscheinend alte
Abzweigung vom Spreeborn bei Gersdorf am „schlechten Berg“, „Bauer-
berg“, „Fuchslöcherberg“ nach den neuen Häusern östlich Cunewalde. Vom
Pass an der Lausche bis hierher läuft dieser alte Weg fast gerad-
linig. An dieser Stelle weicht der Weg mit westlicher Umbiegung den
Bergen von Wuischke aus, zieht als Brettstrasse über Schönberg, Kosel,
zwischen „Schmorz“ und „Drohmberg“ hindurch über Strehla nach Bautzen.
Die Trassirung dieses sich möglichst auf den Rücken haltenden, schlank
hinlaufenden Weges lässt in der That auf ein höheres Alter schliessen.
Von der Landbrücke aus läuft auch ein anscheinend alter Weg, sich in
Seifhennersdorf vom genannten ablösend, am „Gockelberg“, „Kuhberg“,
„Föppelberg“ vorbei nach Altgeorgswalde und weiter über Oppach, sich
nach den alten Spreefurthen Kirschau und Postwitz gabelnd. Von hier
findet dann die weitere Fortsetzung nach Bautzen statt. Es wird schwer
sein, unter den in Frage kommenden alterthümlichen Wegverbindungen
jenen unwegsamen, also damals noch wenig ausgefahrenen ,,Pfad“ vom
Jahre 1004 ausfindig zu machen. Jedenfalls ist dabei auch der fast gerad-
linige Südnordweg von Prag über Melnik, Sandau, Zeidler, Kirschau nach
Bautzen unter 2 c in Betracht zu ziehen, dessen Vorhandensein bereits im
Jahre 1004 sehr wahrscheinlich ist.
Zu erwähnen sind noch die alten Parallel -Strassen westlich der Neisse
zwischen Görlitz und Zittau, die theils am Hochuferrande, theils über die
Rücken führen.
44
Die mittleren West- Ostwege.
Zwischen den rein östlichen alten Halleschen Salzstrassen und der
nordböhmischen Querstrasse ziehen sich noch Westostverbindungen hin,
die vereinzelt schon berührt wurden, hier aber noch kurz zu erwähnen sind.
14. Mit dem Aufkommen Leipzigs und Grossenhains verschob sich der
Haupttheil des Verkehrs Halle, Eilenburg, Beigem und Strehla auf die
bekannte Hohestrasse, die via regia der Urkunden, bei deren Benutzung
von Leipzig aus die drei Uebergänge Eilenburg, Wurzen, Grimma
wahlweise frei gegeben waren. Der Elbübergang fand in Boritz-Mersch-
witz statt. Näher auf diesen bekannten Strassenzug und auf seine späteren
Varianten einzugehen, kann hier unterbleiben.
Auch auf die in der alten Elsterfurth Eythra sich sammelnden und
östlich weiter ausstrahlenden Wege ist bereits unter 4 und 6 hingewiesen
worden.
Der nächste Ostweg lief von Weissenfels über Zorbau, Steckelberg,
„Zotzsch“, Grossgrimma als „Ochsenweg“ nach Pegau, Borna (No. 6b),
weiter über den ,, alten Strassenteich“, Elössberg mit ,, Schlossberg“, das
,, Schlangenloch“, Lausigk, Ballendorf, die ,, Einsiedelwiese“, die „Braunicke“,
das ,,Dornicht“ nach Colditz und auf erwähnten Wegen (4b) weiter.
Weiter südlich folgt der Ostweg von Naumburg überPretsch nach
Zeitz und Altenburg und östlich weiter über Clause, Lohma, die Strassen-
häuser Beiern am , .Messberg“, Steinbach am „Mäuseberg“, den ,,Zeissig“
nach Penig. Von Altenburg läuft ein alter Weg über den ,,weissen Berg“
(hier wie bei Prag am Punkte des Zusammenlaufens der Wege dicht vor
der Stadt gelegen, also vielleicht ,, wegweisender Berg“), Bocka, Gnand-
stein, Kohren, Ossa nach Kochlitz und weiter.
Schon von Zeitz trennt sich ein nördlicher Zweig, der über Lucka,
Kamsdorf, am „Geiersberg“ vorbei nach Haselbach, Treben, als „alte Strasse“
nach Frohburg, über Greifenhain als ,, Heerstrasse“ durch Ebersbach und
als „grüner Weg“ nach Colditz läuft. Von Frohburg trennt sich ein Weg
über Roda nach Kochlitz ab, der entweder über Geithain und „Gickels-
berg“ oder auf dem anscheinend sehr alten Rückenweg, dem „Laagweg“
(lag = Ordnung, Gesetz, also „Rechtsweg“) über Breitenborn läuft.
15. Für Sachsen von Bedeutung ist der Ostweg von der Saalefurth
Kahla über die Leuchtenburg, Roda, St. Gangloff, „Lerchenberg“, Gera,
Ronneburg, „Raitzhain“, Stolzenberg, Posterstein, Sommeritz, als „Krieger-
strasse“ über Ponitz nach Meerane, Gesau, bei Glauchau über die Mulde,
über den „Scheerberg“, den Lungwitzbach, durch das „Audorf“, über den
,, Elsterberg“ immer auf dem Rücken über den „Kirchberg“, die „Katze“,
den ,,Rödenberg“, dicht nördlich Hohenstein und Wüstenbrand, den „Todten-
stein“ nach Rabenstein und als „Hartstrasse“ nach Chemnitz hinlaufend,
wo Anschluss an die alten Ostwege gefunden wird. Sowohl die Trassirung
wie die Ortsnamen sprechen für ein hohes Alter dieses Weges.
16. Von der Saalefurth Orlamünde, Hummelshain läuft ein alter
Ostweg, der sich mit der ,, hohen Strasse“ von Pössneck bei Rosendorf
vereinigt, über Zwackau nach Triptis, wo der alte Rückenweg von Saal-
feld anschliesst. Oestlich setzt sich diese Richtung fort über Nieder-
pöllnitz nach Weida, Veitsberg, Pohlen, Vogelgesang, Mannichswalde nach
Crimmitschau und weiter. Von Weida entsendet diese alte Oststrasse
einen Zweig über Berga, Klein-Gundorf, den ,, Diebskeller“, Katzendorf,
45
Trünzig mit der „Waclie“, als ,, Landsteig“ über Stöcken, als Querweg zur
alten Strasse von Ronneburg nach Werdau und von hier über den „Wind-
berg“ nach Zwickau.
Von dem wichtigen Verkehrsknoten Saalfeld läuft ein zweiter Ost-
weg über Schleiz und von hier sich spaltend über Pausa, ,, Wachholder-
schenke“, Dobia, Wellsdorf, Trifle nach Greiz und andererseits über Mühl-
troff, Schönberg, über Demeusel, als „Plauenscher Steig“ über Leubnitz,
den ,,Kühberg“, „Schneckengrün“, am „Weisenstein“ (wohl wegweisender
Stein?) die alte Richtung Pausa-Strassberg kreuzend, Neundorf mit „Warth-
hübel“, ,, Ochsenhübel“ nach Plauen.
Von Saalburg über Culm und Zollgrün, Unterkoskau läuft ein Ost-
weg nach Stelzen, wo er sich in die Richtungen nach den Elsterfurthen
Plauen, Strassberg, Kürbitz und Weischlitz verästelt.
17. Jenseits Plauen schliessen sich bemerkenswerthe alte Ostwege
an. Zunächst der südlichere über Friesen, Mockeigrün mit dem „ Z schock au-
berg“, „Plauerberg“, Schönau, „Rammelberg“, Auerbach, „Ameishübel“,
Schnarrtanne, ,, Lauberg“, Schönheide, Eiben stock, das „hohe Thor“, Zimmer-
sacher, Sosa, zu beiden Seiten des „Sonnenberges“ als „Tollberger Weg“
und ,, neuer Weg“, über den „Fellberg“ nach Breitenbrunn zum Anschluss
an den Pass bei Halbmeil, über den „Hahnberg“ nach Gottesgab, Wiesen-
thal, Königsmühle, Oberhals, Kupferberg, Kaaden. Ein nur wenig nörd-
licherer Parallelweg läuft von Plauen über Thosfell nach Treuen als
„Königstrasse“, südlich Eich über den „hohen Brunnen“ nach Rode-
wisch, als ,, Kohlstrasse“ und ,,hohe Strasse“ durch den ,, Ringswald“ nach
Schnarrtanne zum Anschluss an den südlicheren Weg, setzt sich aber auch
von Rodewisch selbständig östlich fort über den „Judenstein“, ,, kalten
Frosch“, Oberstützengrün, den „hohen Stein“, als „alte Strasse“ über den
„kalten Born“ bei dem Forstorte „fröhliche Zusammenkunft“, Zschorlau,
Bockau nach dem alten Wegknoten Schwarzenberg. Von hier läuft der
Weg über den ,, Graul“ an der ,, Oswaldskirche“ vorbei nach Elterlein, am
„Zieg“ und an der ,, Wahrsage“ vorbei über Geyer, ,, Streitberg“, „kalten
Muff“ nach Wolkenstein. Von diesem wichtigen Uebergange laufen alte
Wege nach den erwähnten Pässen Reitzenhain- Rübenau; der Ostweg aber
zieht in Parallelwegen, deren jeder den Namen „Fürstenweg“ und weiterhin
„Seydenweg“ trägt, der nördliche über Rauenstein, der südliche über den
„Flöhberg“, Görsdorf, den „Ochsenberg“ nach Mittelsayda. Von hier
setzt sich der Weg wie erwähnt nach Freiberg, aber auch nach dem Gau
Nisani fort über Zethau, durch die Fürthen in Mulda, Lichtenberg und
Pretzschendorf, hier einen Ast über Dippoldiswalde und einen anderen in
den Plauenschen Grund entsendend, der als ,, Fürstenweg“ oder „Butter-
steig“ vor Höckendorf sich der „Butterstrasse“ oder ,,Mittelgebirgischen
Strasse“ von Rechenberg- Frauenstein anschliesst und mit ihr gemein-
schaftlich über Somsdorf nach Cossmannsdorf läuft.
Die Hof-Chemnitz-Dresden-Ilautzeiier Strasse.
Den Schlussstein bildet dieser bekannte Ostweg, dessen Ausbildung
in das Ende des für diese Studie bemessenen Zeitraums fallen dürfte und
der bald nachher zu hoher Bedeutung gelangte.
18. Von Hof nach Zwickau lassen sich drei Parallelwege unter-
scheiden, deren mittlerer die ehemalige hohe Strasse, jetzt die Chaussee
46
darstellt; er läuft von Hof über den ,, Labyrinth-Berg“ bei „Blosenberg“,
„Wiedersberg“ und dem „alten Schlosse Haag“ mit den nachbarlichen
Localnamen „Weisenstein“ (wegweisender Stein?), „Wachhübel“, die
,, Beuten“, der „graue Stein“ über den ,, Kronenberg“, Zöben, durch die
Elsterfurth „Rosenthal“ über Siebenhitz, die Sonne, neben dem „Glocken-
berg“ vorbei über den „Posthübel“ nach der Elsterfurth Plauen, wo der
Weg sich in zwei alte Hauptrichtungen gabelt; die westliche läuft als
,,alte Strasse“ am „Warthberg“, „Strassenhübel“ vorbei über Pöhl, den
„Scheerhübel“, ,, Kuhholz“, ,,Marktpöhl“, die „Po ss ecke“, wo nicht nur
die alte Verbindung Elsterberg-Treuen gekreuzt wird, sondern sich auch
ein alter Weg über die Gölzschfurth Mylau als „Kutschenweg“ über
Brunn nach Werdau zum Anschluss an die Pleissethalstrasse nach Alten-
burg ablöst. Von der Possecke läuft der Weg über Limbach nach Reichen-
bach aus als „alte Strasse“ dicht östlich bei Reichenbach vorbei über die
„Hölle“, das „Brandei“, als „Marktsteig“ beim „Katzenschwanz“ vorbei
durch Ebersbrunn, Planitz nach Zwickau. Der später zur Chaussee
ausgebaute Weg zieht sich durch die Stadt Reichenbach, hier einen Zweig
nach dem erwähnten Kutschenweg aussendend, über Neumark, Schönfels,
Stenn am ,, Götzenbusch“ vorbei zum Anschluss an die eben erwähnte
Strasse über Planitz oder (als Chaussee ausgebaut) über den „Liebberg“,
,,rothen Berg“ nach Zwickau. Ein anscheinend älterer Parallelweg von
Neumark führt über den ,, langen Berg“, „Kuhberg“ nach Altschönfels.
Der Östliche Weg von Plauen läuft über den „Weinberg“, als ,,Lengen-
felder Weg“ über die „Warthe“, Altensalz mit dem ,, Pfannenstiel“, nach
Thossfell mit der „Warthe“ und dem Flurorte „Zetergeschrei“. Hier
schliesst der später zu erwähnende alte Weg Hof-Öelsnitz sich an; von
hier trennen sich wiederum die eben vereinten Pfade in den Weg nach-
Altenburg und den nach Zwickau. Ersterer läuft, ein echter Rückenweg, als
„Oelsnitzer Steig“ über Pfaffengrün, „krumme Birke“, an der „Igelstaud“
vorbei über den „Mylberg“ zur Elsterfurth Mylau; letztere zieht als
,, Königstrasse“ durch Treuen, als „alte Strasse“ über die Gölzschhäuser
beim ,, Zigeunerholz“ vorbei nach dem Katzenschwanz und Ebersbrunn,
wo die alten Wege von Plauen nach Zwickau sich vereinigen.
Hier ist eines alten Rückenweges zu gedenken, der sich vom Katzen-
schwanz südlich abzweigend über den „Forellenteich“, ,, Lerchenberg“, als
„Waldstrasse“ über den „Wachthübel“ westlich bei Plohn und Abhorn
vorbei (hier die ,, Finkenburg“, wohl = Funkenburg?) sich nun östlich
durch die ,,Zeidelweid“, ,,Rebesbrunn“ zum Anschluss am „Judenstein“
an den alten Ostweg 17 über Stützengrün wendend hinzieht.
Von Hof führt ein östlicher Parallelweg nach Altensalz -Thossfell
zum Anschluss an den mittleren Weg über Plauen; er überschreitet bei
Gassenreuth zwischen der „alten Schanze“ und dem „alten Schloss“ die
Wasserscheide und ist bereits unter 6e erwähnt.
19. Zu gedenken ist des westlichen Weges nach Plauen ohne Elster-
kreuzung, der sich allerdings weniger stark ausgeprägt über Tropen,
Marxgrün, Kröbes, am Burgstein über Schwand mit dem „Schutzberg“,
den „Butterpöhl“ und „Gössnitzberg“nach Strassberg und über den ,, Glocken-
berg“ nach Plauen hinzog, sich auch weiter bis zur Elsterfurth in Elster-
berg über Vorwerk Heidenreich, „Strassenteich“, Jössnitz, „Anspann“ und
„Görschnitzberg“ fortsetzte.
47
20. Zwischen Zwickau und Freiberg lassen sich ausser dem zur
Chaussee ausgebauten Wege noch Nebenrichtungen erkennen. Der Haupt-
weg kreuzt das Muldenthal, läuft über den „Brandberg“ mit der „Funken-
hurg“ über Lichtenstein, den „Chemnitzer Berg“ durch das Lungwitzthal
und Kappelbachthal nach Chemnitz, durch diese Linienführung in den
Thalauen seine Entstehung erst um etwa 1100 wahrscheinlich machend.
Von Chemnitz läuft die Chaussee in sichtlich neuerer Trassirung durch den
Zeisigwald, die „Flöher Aue“, Gückelsberg, die ,, Ausspannung“, Oederan,
das „kalte Feld“, in älterer Richtung über Rittergut Oberschöna am
„Geiersberg“ und „Fernesiechen“ nach Freiberg.
Die älteste Wegrichtung zwischen Chemnitz und dem alten
Wegknoten Oederan wird nach den Trassirungsgrundsätzen für älteste
Wege sich Yon Chemnitz hingezogen haben als ,, Fürstenweg“ entweder am
,,Beuthenberg“ vorbei direct durch Euba nach Plaue oder etwas süd-
licher nächst der Eubaer Kirche über den „Katzenberg“ ebendahin. Von
der Zschopaufurth Plaue durch die ,,Schweddei“ führt über den „Küh-
stein“ der Leithenweg nach der Flöhafurth Falkenau, so dass ganz folge-
richtig die Flusskreuzung vor der Vereinigung in Flöha stattfindet. Von
hier erstieg der alte Weg die Thalgehänge entweder über das Mühlfeld
(wo die Gückelsberger Strasse durchläuft) oder über den ,, Schussberg“
am Höllengrund direct der „Ausspannung“ zustrebend.
Interessanter ist der südliche Parallelweg von Zwickau nach
Chemnitz. Von Zwickau läuft die erwähnte „Freytagstrasse“ bis zum
,,Zsch ockenberg“ (von althochd. suochan = suchen, eigentlich sich
anhängen?), einem sehr alten Wegknoten, von wo der Rückenweg nach
Chemnitz als „Pflockenstrasse“ über das Jägerhaus, Ursprung, als „Fürsten-
weg“ um Neukirchen und westlich Helbersdorf nach Chemnitz zieht.
Aus der Freytagstrasse zweigt ein Chemnitz völlig südlich umgehender
Weg nach Freiberg am „Käseberg“ ab, läuft über Hartenstein bei Beutha
oder Waitzengrün vorüber nach dem „Katzstein“ oder ,, Drachen fels“
(draha ~ Weg), ,, Ellbogenthor“, „Brand“ und „Martinsberg“ in die
Nähe des „grossen Steins“, einer alten Wegkreuzungsstelle. Von hier
läuft der Rückenweg weiter als ,, Eisenweg“ und ,, Zeller Weg“ (Klösterlein
Zella bei Aue) über die ,, Tabaktanne“, das „schwarze Kreuz“, das ,, Höllen-
loch“, durch das ,, Rollholz“, am ,, Drachenstein“ und ,, Geiersberg“ vor-
über, bei Einsiedel die Zwönitz (richtiger die Chemnitz zu nennen) kreuzend,
als ,, Fürstenweg“, „Heege oder Spurweg“ am Adelsberg vorbei, den
„Galgenberg“ südlich Euba erreichend, von wo er sich fortsetzte über die
Zschopaufurth nördlich Erdmannsdorf, am „Lilienstein“ und ,, Schellenberg“
vorüber nach Metzdorf und als schon erwähnter ,, Rosenweg“ nach Freiberg.
Von diesem fast alle alten Wegnamen tragenden anscheinend sehr
alten Höhenwege zweigen sich ebenfalls alterthümliche Verbindungswege
nach verschiedenen Seiten ab, die hier nicht weiter zu verfolgen sind.
Hier mag noch gelegentlich einer weiter südlich parallel gelegenen
Verbindung gedacht werden, die in Schwarzenberg ansetzt, um über Elter-
lein, als „8“ oder „Fürstenweg“ über die „Winterleithe“, die „Kutten“,
die „Abschiedstanne“, am „Wilden Mann“, über die „Honigwiese“, das
„Rabenholz“, als „breiter Weg“ und „Kohlweg“ beim Steinberg vorbei auf
dem Rücken nördlich des „Göckelsbergs“ über den „Ameisberg“, als ,, Eisen-
strasse“, bei Zschopauthal diesen Fluss durchfurthend, über die,, Waldkirche“,
Grünhainichen, Borstendorf, Eppendorf, Langenau, Freiberg zuzustreben.
48
Der Trassirung nach ist auch eine Verbindung, die sich mit Zweigen
an die Nachbarfurthen Plaue und Falkenau ansetzt, um fast rein südlich
den Anschluss an den alten Strassenknoten auf der Hilmersdorfer Höhe
bei Lauta zu suchen, von gleichem Alter wie die von hier abzweigende
Gruppe von Gebirgsübergängen. Dieser Weg läuft über „Schellenberg“, den
„Reuterberg“ nach der „Waldkirche“, Börnichen streifend, über die „kalte
Küche“, den ,, Donnersberg“ im „Bornwald“, am „Zeisighübel“ und der
„Heinzebank“ vorbei.
21. Von Freiberg werden die ältesten Wege sich an die vor dem
Aufkommen Dresdens vorhandenen Wege zunächst angeschlossen haben,
also an die Richtungen von Wilsdruff über Potschappel oder Plauen nach
Leubnitz, Lockwitz, die übrigens, was noch unerwähnt geblieben ist, eine
Tiaturgemässe, anscheinend alte Fortsetzung über Gommern, Mügeln zur
Elbfurth Birkwitz, über ,, Lohecke“, ,, steinerne Brücke“, ,, Lerchenberg“,
Lohmen bis zum Anschluss an Hohnstein findet.
Der directeWeg läuft von Freiberg in Richtung Dresden über die Mulden-
furth bei Halsbach am ,, Hammerberg“ über Naundorf, wo die Salzstrasse (4c)
östlich nach Dohna abzweigt, in zwei Parallelwegen: westlich über das
„Kellerbrückchen“, als ,, Fürstenweg“ am ,,Tellhayn“ und ,,Laux“ vorbei,
als ,, breiter Weg“ neben dem ,, Ascherhübel“, Spechtshausen, als „Hipweg“
über Braunsdorf, Kesselsdorf zum Anschluss an die ältesten Wege nach
Nisani (11). Der östliche Parallelweg läuft als Chaussee ausgehaut über
,, Mückensack“, „Grüllenhurg“, „gebrannte Stein“, ,,Borchelsberg“ als
„Fürstenweg“ ebenfalls nach Braunsdorf oder als „Holzstrasse oder Wald-
weg“, Braunsdorf nördlich umgehend, direct nach Kesselsdorf. Beide
Parallelwege tragen die Kennzeichen alter Trassirung. Bei Borchelsberg
zweigt ein Weg ab, der als „Jagdweg“, „Winkelweg“ den Schlot! tzgrund nicht
umgeht, sondern bei Tharandt durchquert und über den „Schlafberg“ als
„hoher Weg“ nach Döhlen zum Anschluss an die alte Weisseritzfurth
Potschappel führt.
Von der Dohnaer Salzstrasse (4c) zweigt bei Obercunnersdorf ein Weg
ab, der über den „Mückenberg“ an der ,, Geierswacht“ vorbei über die
„Capelllinde“, „Martersäule“, „Weissenstein“, Grossölsa, neben dem
,, Lerchenberg“ nach der Anhöhe die „Laue“ bei Börnichen hinzieht,
von wo er sich nach den Ortschaften im Gau Nisani verästelt, dabei
auch einen Zweig über den „Käferberg“, „Gohligberg“, am ,, Lerchenberg“
vorbei über den Horkenberg, den Kaitzbach umgehend, oder direct über den
„Läuseberg“, ,, Thonberg“, am ,,Bothenberg“ vorbei nach Dresden entsendend.
Westlichere, wohl jüngere Verbindungen laufen von Freiberg über Hutha,
Grund-Mohorn, Herzogs walde, Grumbach nach Kesselsdorf.
Auch der Weg von Freiberg über Plankenstein, der sich an die
Richtung Wilsdruff-Eula-Nossen hier anschliesst, ist jünger wie diese
Richtung selbst gegenüber dem älteren Triebischthalübergang bei Munzig
und dem wohl noch älteren üebergang bei Roitschen mit den alten Local-
namen Geiersberg, Kuhberg, Moderloch, Schanze.
22. Jenseits von Dresden theilen sich die Wege an der Priessnitz-
furth, zu beiden Seiten des ,, Meisenbergs“ (von mezi = zwischen?) westlich
nach Radeberg am „Brodberg“, „Hengstberg“, „Erzberg“, „Dachsenberg“
vorbei nach Radeberg und weiter nach Bautzen, östlich über den weissen
Hirsch, Quohren, als „alte Poststrasse“ über Possendorf nach Stolpen oder
Bischofswerda und Bautzen führend.
49
Zu erwäliüen ist der „Bischofsweg“ von Meissen über Klipphausen,
der bei Briesnitz die Elbe übersetzt, Dresden umgeht und die Priessnitz
etwa 300 m nördlich des vorigen Weges durchfurthet, sich auch in diesem
Abstand nördlich parallel der alten Badeberger Strasse hinzieht, hinter
dem Brodberg sich mit dieser auf eine Strecke vereinigt, sie vor der
,, Hengstbrücke“ verlässt, als ,,Haackschaar oder Bischofsweg“ hinzieht und
über Ullersdorf mit dem ,,Todtberg“ kurz vor Wilschdorf die Haupt-
strasse erreicht.
Welche Bedeutung die Dresdener Elbfurth vor der Verlegung des
Markgrafensitzes dahin, also in ältesten Zeiten gehabt hat, ist schwer zu
construiren. Der sich westlich der Priessnitz bis dicht an die Elbe ziehende
leicht gangbare Landrücken wird einen Uebergang an dieser Stelle von
jeher begünstigt haben, deshalb werden die Wegrichtungen Dresden-
Scheunhöfe-Hechts Weinberg oder Wilder Mann-Boxdorf-Kr eyer und weiter,
sowie Dresden-Königsbrücker Strasse-Reiterexerzirplatz-Klotzsche, am ,, Eier-
busch“ und 5, hohen Berge“ vorbei über Gommlitz, Lausa nach Okrilla
und weiter aus ältester Zeit stammen, ebenso wie die erwähnten Zweige
nach Radeberg und Quohren, sowie endlich die Seitenzweige, die der unter
2 c erwähnte ostelbische Parallelweg (nördlich Dresden Rennsteig genannt)
nach der Dresdener Furth, insbesondere von Kötzschenbroda und Rade-
beul ausgesendet hat.
Wenn wir die vorstehende knapp gefasste, nur durch Stichworte be-
zeichnete Darstellung des Wegnetzes in Sachsen und seiner Anschlüsse
in der Zeit von 800 bis 1200 überblicken, so ist sofort zu erkennen, dass
dieser erste Versuch nichts Abgeschlossenes bieten kann. So manche alte
Wege, die sich von selbst aufdrängen, liegt nur einmal das Hauptgerüst
fest, sind, um nicht zu weitläufig zu werden, unbenannt geblieben, andere
haben wieder gelegentlich Aufnahme gefunden, obschon sie wahrscheinlich
der unmittelbar folgenden Periode etwa 1200 bis 1400 angehören. Nirgends
wird aber das Gegebene in Widerspruch mit dem im Specialkartenbilde
niedergelegten thatsächlichen topographischen Material, noch mit den spär-
lichen historischen Notizen stehen. Zu dem bisher Bekannten und Ver-
öffentlichten neu hinzu treten aber die Ergebnisse der sozusagen natur-
wissenschaftlichen Forschungsmethode, die gewonnen sind durch Beachtung
der urzeitlichen Wegtrassirungsgrundsätze und Heranziehung der Local-
namen. Freilich liegt ausreichendes Material zu solchen Studien nur in
der von Oberreit veröffentlichten vortrefflichen kursächsischen Landes-
aufnahme aus der Zeit um 1780 vor, während für das anstossende Gebiet
die österreichische Karte in 1:75000 und die Reichskarten in 1:100000
zwar schätzbare Angaben enthalten, aber bei weitem nicht jenen, bis in
die kleinsten Einzelheiten dringenden Aufschluss gewähren wie der Ober-
reit’sche Atlas. Im nordwestlichen fruchtbaren Tieflande wird cfie Forschung
überdies beeinträchtigt durch die seit etwa 1830 vorgenommenen Zusammen-
legungen und die damit verbundene Störung des alten Wegnetzes. Für
diese aussersächsischen Gegenden müsste man daher bei specieller Be-
arbeitung auf älteres Specialkartenmaterial zurückgehen.
Auf der beigegebenen Kartenskizze sind Ortsnamen und Localnamen
so weit eingetrp^gen, dass eine Auffindung der benannten Wegrichtungen
möglich ist. Zur Erleichterung der Aufsuchung enthält die Skizze die im
*
50
Text gebrauchte Nummerirung des Wegnetzes. Etwas willkürlich und
in Folge dessen der Kritik unterworfen ist die Abstufung der Wege, die
aber nicht wohl entbehrt Averden kann, soll die üebersichtlichkeit einer
Kartenskizze nicht ganz verloren gehen. Die gegebenen Wegstrecken
selbst nebst den im Text genannten, entlang derselben vorkommenden
Localnamen sind jedoch sämmtlich den Specialkarten entnommen. Eine
Meinungsverschiedenheit kann nur darüber entstehen, ob die getroffene
Auswahl und Combination der einzelnen Wegstrecken die w^ahr-
scheinliche ist. Zahlreiche Wege von unzAveifelhaft hohem Alter Hessen
sich, Avie bereits erwähnt, noch Zwischenschalten; hier handelte es sich
aber darum, zunächst ein Gerüst zu gewinnen, die entscheidenden, richtungs-
weisenden Hauptverkehrszüge festzulegen und den Anlass zu geben zur
Ausgestaltung einer Verkehrskarte jener ZAvischen Vorzeit und Jetztzeit
stehenden kritischen Epoche, einer Karte, die zugleich eine brauchbare
Vorarbeit für die zukünftige Culturkarte jener Zeit abgeben Avürde.
Im Anschlüsse an die vorstehenden Ausführungen ist kurz eines Um-
standes zu gedenken, der bei einer sozusagen naturwissenschaftlichen
Untersuchung der ältesten Wege Beachtung verdient: das Verhältniss der
Wegzüge zu den Flurgrenzen und zu dem Liniensystem der Flurein-
theilung. Dass die ältesten Wohnplätze, Schutzanlagen, Marktstätten in
innigster Beziehung zum ältesten Wegnetz stehen müssen, ist bereits aus-
geführt worden; in dieser Hinsicht lieferte die benutzte Quelle ausgiebige
Anhaltspunkte, sie lässt jedoch völlig im Stich bezüglich der Grenzlinien.
Diesen Mangel der deutschen, sonst so trefflichen, amtlich -militärischen
Kartographie sollen die in Veröffentlichung begriffenen ,, Grundkarten“ in
1:100000 mit Flurgrenzlinien beseitigen; indessen ist deren Fertigstellung
noch nicht so Aveit fortgeschritten, dass grössere zusammenhängende Ge-
biete bearbeitet werden könnten und ausserdem bietet die Verschiedenheit
der Verjüngungen und die Kleinheit des Massstabes der „Grundkarte“
Schwierigkeiten dar, die sich der genaueren Erkenntniss der relativen Lage
der Wegzüge zu den Grenzlinien entgegenstellen. Dass diese relative
Lage von ausschlaggebender Bedeutung für die Erkenntniss des relativen
Alters von Grenze und Weg ist, leuchtet sofort ein, wenn wir unsere
modernen Verkehrswege, die Eisenbahnen vergleichen, wie sie rücksichtslos
das vorhandene Netz von Parzellengrenzen durchschneiden, wie sich ihnen
aber die späteren Zufahrtsstrassen und Stadtviertel auf das Genaueste
anpassen.
Eine wirklich werthvolle Bereicherung der analytischen Mittel, von
denen wir bisher neben den vereinzelten kurzen historischen Ueberlieferungen
die thatsächlich. in die Landesfläche eingegrabenen, in der Specialkarte
festgehaltenen Wegspuren, die Siedelungen und vorgeschichtlichen Funde,
die Wegnamen, die nachbarlichen Localnamen und die Trassirungsweise
angewendet haben, lässt sich nur gewinnen durch Zurückgreifen auf die
Flur karten selbst. So weit gehende Forschungen erfordern aber eine
längere, ausschliessliche, amtlich unterstützte Beschäftigung mit diesem
Gegenstände; schon heute darf aber wohl vorausgesagt werden, dass diese
dritte und letzte Etappe in der Wegforschung in absehbarer Zeit gelegentlich
der bevorstehenden Studien über die örtlichen Einzelheiten der Entwickelung
der Flureintheilung erreicht werden wird. Vorläufig gilt es, über die von
den Historikern bearbeiteten Zusammenstellungen des geschichtlichen
Materials und die beigegebenen, mehr graphischen Darstellungen als wirk-
51
liehen Landkarten ähnelnden linearen Versinnlichungen des historischen
Materials hinauszugehen und nach der naturwissenschaftlichen Methode
wahrscheinliche Karten der Niederschläge des Verkehrslehens der
jeweiligen Epochen zu entwerfen und kritisch zu verbessern, in ähn-
licher Weise, wie sie uns die Geologie aus weit älteren Perioden ohne
Anhaltspunkte an historischen Daten von der Gestaltung der Erdoberfläche
selbst in immer wachsender Vollendung darbietet.
Die wirksamste Förderung aller derartigen culturgeschichtlichen
Arbeiten würde, wie angedeutet, die Veranstaltung von weiteren Kreisen
zugänglichen Abdrücken des Oberreit’schen Atlas des Königreichs Sachsen
sein. Sind die örtlichen wissenschaftlichen und auch touristischen Vereine
im Besitze der ihr Gebiet betreffenden Kartensectionen, so ist ihnen treff-
liches Material und Anregung zur eingehenden weiteren Durcharbeitung
der hier behandelten und anderer culturhistorischen Fragen gegeben und
mancher Wanderlustige wird nicht nur das malerische Waldthal, den aus-
sichtsreichen Gipfel, sondern auch die seitabliegenden, aber durch Alter
und Geschichte ehrwürdigen Pfade als Zielpunkte wählen und ein im
eigentlichen Wortsinne „Bewanderter“ in unseres Volkes und Landes Ver-
gangenheit werden.
Berichtigungen und Zusätze.
In der Karte hat zu stehen: Alte Strasse für Allenstrasse nördlich
Löbau, Kiesenberg für Kiesenburg, Püchau für Pücha, Fribus für Frühbuss
südlich Schöneck, Tauerstein für Jauerstein östlich Penig.
Der Weg Zit tau -Gabel läuft nicht über die Kuhbrücke, sondern über
die Hospitalbrücke.
Zu den auf optische Signale, Feuerzeichen hinweisenden Local-
namen ist wahrscheinlich zu rechnen der „Blitzberg“ südw'estlich Eilen-
burg und der „Blitzenberg“ südlich Johnsdorf bei Zittau.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Glesellschaft
MS
in D r e s d e n.
1901.
V. Die Verkieselung- der Gesteine in der nördlichen
Kalahari.
Mittheilung aus dem Königlichen Mineralogisch -Greologischen Museum
nebst der Prähistorischen Sammlung in Dresden.
Von Prof. Dr. Ernst Kalkowsky.
(Mit drei Tafeln.)
I. Salzpelit und seine Kruste.
A. Der Salzpelit.
B. Die Kruste des Salzpelites.
C. Genetisches,
II. Kalahari - Kalk.
III. Botletle - Schichten.
A. Methoden der Untersuchung.
B. Gesteinsreihen.
C. Gemengtheile.
D. Structur.
IV. Benaka - Schichten.
V. Uebergangsgesteine.
VI. Ngami-Schichten südlich und südöstlich vom Ngami-See.
A. Kieselige Grauwacke.
B. Kalkstein und Mergel.
O. Dolomit.
D. Contactmetamorpher, granathaltiger Kalkstein.
E. Kalkstein -Breccie.
F. Rothsandstein.
G. Ssakke-Sandstein.
VII. Ngami- Schichten der Kaikai- Berge.
VIII. Dolomite von Garn.
IX. Chanse - Schichten.
X. Eruptive Gesteine.
Erläuterung der Tafeln.
1. In den Jahren 1896 bis 1898 durchforschte Herr Dr. Siegfried Passarge
in Steglitz bei Berlin das Ngami-Land in Süd-Afrika in geographischer
und geologischer Hinsicht, ür wird über die Ergebnisse seiner Reisen in
einem grösseren Werke Bericht erstatten; bis jetzt liegen von ihm nur
vor sein am 8. April 1898 in Berlin in der Gesellschaft für Erdkunde ge-
gebener Bericht „Reisen im Ngami-Land“ in den Verhandlungen der Ge-
sellschaft, Bd. XXVI, 1899, No. 4 mit einer Kartenskizze, ein Vortrag „Die
Hydrographie des nördlichen Kalahari-Beckens“ in den Verhandlungen des
56
YII. Internationalen Geographen-Congresses in Berlin, 1900, mit einer Karte,
und eine Abhandlung „Beitrag zur Kenntniss der Geologie von Britisch-
Betscliuana-Land“, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin,
Bd. XXXVI, 1901, mit 5 Tafeln. Das Gebiet seiner Reisen lässt sich durch
das Dreieck Palapye - Gobabis - Andara begrenzen. Die Entfernungen auf
der Karte betragen von der jetzigen Eisenbahnstation Palapye (ungefähr
27^ 20' ö. L. V. Gr. und 22® 40' s. Br.) bis Gobabis in Deutsch-Süd- West-
Afrika (19® ö. L. und 22® 20' s. Br.) ungefähr 800 km, von Gobabis bis
Andara am Okavango (21® 30 ö. L. und 18® s. Br.) in Deutsch-Süd-West-
Afrika ungefähr 750 km und von Andara bis Palabye ungefähr 750 km.
Der Ngami-See liegt so ziemlich in der Mitte dieses Gebietes, das als
nördliche Kalahari seit der Diluvialzeit der Umwandlung in eine Sand-
steppe immer mehr anheimfällt.
2. Ueber die geologischen Verhältnisse dieses Gebietes der nördlichen
Kalahari schreibt mir Herr Dr. Passarge Folgendes:
,,Die Hochfläche des südafrikanischen Continentes ist eine ausgedehnte
Ebene, die sich allmählig von Westen nach Osten hinsenkt und nur ge-
ringe Niveauunterschiede zeigt, einige isolirte Bergketten ausgenommen.
Im Westen wird sie von den hohen Gebirgen des Damara-Landes überragt,
die den Rand des Plateaus bilden; im Osten dagegen endet die Hochfläche
mit einem scharfen Plateaurand, der zu dem Tschobe- und Sambesi-Thal,
dem Schollenland des Betschuanen-Landes und der Limpopo-Ebene hin steil
abfällt. Nördlich des Malopo, der nach Westen hin in die Kalahari hin-
einfliesst, endet das Plateau in nicht näher bekannter Weise. In der Mitte
dieses langen von Nord nach Süd streichenden Plateaus Anden wir an
seinem östlichen Rande eine deutliche Einsenkung, die Maklautsi- Pforte.
Sie vermittelt den Uebergang zwischen den Makarikari -Pfannen, der tiefsten
Stelle des nördlichen Kalahari-Beckens, und der Limpopo-Ebene.
In dem Plateau haben wir in geologischer Hinsicht zwei verschiedene
Componenten zu unterscheiden, das Grundgebirge und die Deckschichten.
A. Das Grundgebirge besteht aus drei verschiedenen Formationen:
1. Die archäische Formation — Gneisse, Granite, alte krystalline
Schiefer und Eruptivgesteine — setzt den grössten Theil des östlichen
(Maschona-Matabele-Land, Transvaal) und westlichen (Damara- und Nama-
Land) Randgebirges zusammen. Auf der Hochfläche wurde sie nur bei
Okwa (Granite und Gneisse) und in den Tschorilo-Bergen (glimmerreiche
Quarzschiefer) gefunden.
2. Die Chanse-Schic Ilten bestehen aus alten Grauwacken, Grau-
wackensandsteinen und Sandsteinen. Untergeordnet kommen Kalksteine
und Schieferthone vor. Sie sind durchweg steil aufgerichtet, durch Ge-
birgsdruck transversal zerklüftet und bilden im ganzen Westen der nörd-
lichen Kalahari das Grundgestein. In dem Dreieck zwischen Oas (West),
Andara (Nord), Chaina-Feld (Ost) dominiren sie vollständig. Ihrem Alter
nach sind sie wahrscheinlich den Swasi- Schichten Transvaals und den
Malmesberg-Schichten des Kaplandes gleichzustellen.
Während der Periode der Chanse- Schichten fand die Eruption der
Totin -Diabase statt, die durch starke Epidotisirung ausgezeichnet sind.
Nach der Gebirgsbildung, die der Ablagerung der Chanse-Schichten folgte,
drangen die Quarzporphyre der Mabale-a-pudi-, der Monekau- und Kwebe-
Berge südlich vom Ngami-See auf längerer Bruchspalte hervor.
57
3. Die Ngami-Schichten liegen als Schollen zwischen den aufge-
richteten Chanse-Schichten. Wo sie vollständig entwickelt sind, bestehen
sie aus drei Stufen: a) Untere Ngami-Schichten — Sandsteine, Grauwacken
und Conglomerate; b) Mittlere Ngami-Schichten — Kalksteine, Dolomite,
Kalkmergel und Kalksandsteine; ein auffallend schneller Facieswechsel ist
für diese Gruppe charakteristisch; c) Obere Ngami-Schichten — Sandsteine,
Conglomerate, Grauwacken,
Die Ngami-Schichten sind den Kap-Schichten gleichzustellen, die eben-
falls in drei Glieder zerfallen ; unten liegt der Tafelberg-Sandstein, in der
Mitte liegen die Bokkeveld- Schiefer und der Malmami-Dolomit, oben die
Zuurberg- oder Ghatsrand-Schichten.
Die Ngami-Schichten finden sich local als Schollen zwischen Grau-
wacken an dem Südufer des Ngami-Sees und im Schadum-Thal. Ausge-
dehnte Ablagerungen bilden sie im Gebiet der Kaikai-Berge bis nach Garn
hin und bei Gobabis. In ersterem Gebiet sind sie nur als Dolomite und
Kalke entwickelt, bei Gobabis aber in typischer Dreitheilung. Ein isolirtes
Vorkommen finden wir in der kleinen Makarikari-Pfanne westlich Ntscho-
kutsa (25^ ö. L.); dort tritt ein für die mittleren Ngami-Schichten charak-
teristisches Gestein am Boden des Pfannenrandes zu Tage.
Im Mangwato-Land finden wir zwischen dem Kalahari-Plateau und
Palapye eine Formation entwickelt, die höchst wahrscheinlich ebenfalls den
Kap-Schichten gleichzustellen ist, und die Mangwato -Schichten genannt
werden mag. Sie sind in typischer Dreitheilung entwickelt: unten dickbankige
quarzitische Sandsteine (Palapye-Sandstein), in der Mitte sandig-thonige
Schiefer (Lotsani-Schiefer), oben mürbe, dickbankige Sandsteine (Ssakke-
Sandstein).
Am Ende der Zeit der Ablagerung der Ngami-Schichten erfolgten er-
hebliche tektonische Bewegungen, die von der Eruption der gangförmig
auftretenden Ngami-Aphanite begleitet wurden. Im Mangwato-Land er-
goss sich eine gewaltige Decke von Mandelstein (Loale-Mandelstein) über
die Mangwato-Schichten.
Es scheint nach jener Periode im heutigen Kalahari-Becken ein Ge-
birgsland bestanden zu haben, das im Laufe der folgenden Zeiten eine
gründliche Denudation erlitt und zwar zur Zeit der permo-triassischen
Karroo-Schichten. Wenigstens finden wir von den letzteren in unserem
Gebiete keine Spur. Die Denudation bewirkte anscheinend die Bildung
einer grossartigen Denudationsebene, peneplaine. Bis auf eingeklemmte
Schollen fielen die Ngami-Schichten der Abtragung zum Opfer. Das Re-
sultat des Processes war die Bildung des plateauförmigen, complicirt aus
Schollen zusammengesetzten Grundgerüstes des heutigen Süd-Afrika.
B. Die Deckschichten sind auf der Denudationsfläche des alten
Gebirgslandes zur Ablagerung gelangt. Diese jungen Schichten lassen sich
in zwei Gruppen gliedern.
1. Die Botletle-Schichten sind vorwiegend Sandsteine mit kiese-
ligem Gement, von oft glasglänzendem Aussehen, die dickbankige klobige
Massen bilden. Daneben kommen aber auch gut gebankte Sandsteine
ohne „glasiges“ Gement vor. Die Botletle-Schichten sind über das ganze
nördliche Kalahari-Becken hin verbreitet. Am östlichen Rande des Kala-
hari-Plateaus brechen sie mit steilem Abfall ab (Loale bis Mohissa). Sie
bilden den Untergrund der östlichen Kalahari bis Tlakani, finden sich im
ganzen Botletle-Thal und am Südrande des Ngami-Sees, liegen in Schollen
58
auf den Chanse-Schichten des Clianse-Feldes und reichen westwärts bis nach
Oas und anscheinend bis nahe an Windhoek heran. Im Kaukau-Feld und
an den Popa-Fällen des Okavango haben sie dieselbe Lagerung und Ge-
steinsbeschaffenheit wie im Süden.
Als besondere Ausbildung der Botletle-Schichten sind aufzufassen die
Refiaka-Schichten und die Pfannen-Sandsteine.
a) Die Renaka-Schichten sind Sandsteine vom Typus der Botletle-
Schichten, die sich in der Ebene zwichen Renaka und Litutwa an der
Südseite des Ngami-Sees finden und nur eine besonders mächtige Aus-
bildung der untersten Partien der Botletle-Schichten vorstellen. Sie liegen
dort über den Chanse-Grauwacken, und zwar sind die zu unterst befind-
lichen Bänke mit eckigen Bruchstücken der Grauwacken erfüllt. Dasselbe
kann man überall beobachten, wo Botletle-Schichten auf dem Grundgestein
liegen, so z. B. in den zahlreichen Pfannen des Chanse-Feldes, deren Boden
von Botletle-Schichten gebildet wird. Es handelt sich hier anscheinend
nicht um eine transgredirende Formation mit Abrasion, sondern um eine
auf primärer Denudationsfläche in flachen Seebecken, vielleicht auch nur
in Sümpfen abgelagerte Schichtenreihe, Dabei bestehen die untersten
Glieder aus infiltrirtem und verkittetem Schutt des liegenden Gesteins,
vielleicht Wüstenschutt.
h) Die Pfannen-Sandsteine: nach oben hin werden die Botletle-
Schichten kalkreicher, kieseliges Gement tritt neben kalkigem auf. In vielen
Fällen wird nun letzteres so vorherrschend, dass uns reine Kalksandsteine
entgegentreten. Letztere bilden, wo sie vorhanden sind, stets das oberste
Glied der Botletle-Schichten und zwar vermitteln sie am Botletle selbst
direct den Uebergang zu der unteren Abtheilung der Kalahari-Schichten,
dem Kalahari-Kalk. Die Pfannen-Sandsteine bilden in sehr vielen Fällen
den Boden und die wasserhaltende Schicht in der Kalahari.
Das Alter der Botletle-Schichten ist nicht festzustellen, wahrscheinlich
sind es aber relativ junge Ablagerungen von vielleicht tertiärem Alter.
Interessant und wichtig ist es, dass ein Theil der kieseligen Botletle-
Schichten an der Oberfläche in zelligen Brauneisenstein — Laterit von
tertiärem Alter — verwandelt worden ist. Die grosse Ausdehnung dieser
Lateritdecke wird durch folgende Fundorte genügend charakterisirt: Plateau-
rand Loale-Mohissa, Oas, Popa-Fälle; wahrscheinlich liegen Botletle-Schich-
ten mit Laterit auch an den Victoria-Fällen des Sambesi.
2. Die Kalahari-Schichten schliessen sich unmittelbar an die
Pfannen-Sandsteine an. Sie zerfallen in den Kalahari-Kalk und den Kala-
hari-Sand.
a) Die Kalahari-Kalke sind sandige oder sandarme Kalke, die in
grosser Zahl Conchylien enthalten, die mit den Arten der jetzigen Oka-
vango-Sümpfe vollständig identisch sind; sie dürften also höchstens dilu-
vialen Alters sein. Sie bedecken den grössten Theil des nördlichen Kala-
hari-Beckens und werden selbst überlagert von dem
b) Kalahari-Sand, einem fein- bis mittelkörnigen Sande.
Es dürfte sich der Nachweis führen lassen, dass die Kalahari-Kalke
zum grössten Theile Ablagerungen in Sümpfen sind, und dass der Kala-
hari-Sand die Ausfüllungsmasse jener Sümpfe durch Flusssande ist.
Wir haben nun zweierlei recente Ablagerungen, die mit den Gliedern
der Deckschichten zu vergleichen sind. Einmal haben wir in den Oka-
59
vango-Sürapfen und in den vom Botletle gespeisten Becken der grossen
Makarikari-Pfannen Ablagerungen von Kalktuff und kalkreichen Sanden —
sie entsprechen den Kalahari-Kalken, sodann aber finden sich in zu- und
abflusslosen Becken des Makarikari-Gebietes — Ntschokutsa, kleine Makari-
kari-Pfanne — ganz eigenthümliche kieselsäurereiche Ablagerungen, die an
der Oberfläche zu harten Chalcedonmassen erstarrt sind und in vieler Be-
ziehung Aehnlichkeit mit den kieseligen Sandsteinen der Botletle-Schichten
haben, so dass man vielleicht berechtigt ist, auch für die entsprechenden
älteren Formationen ähnliche Bildungsverhältnisse anzunehmen“.
3. Herr Dr. Passarge übergab mir gegen 400 Nummern Gesteine aus
diesem Gebiete — weitere Sammlungen sind leider vielleicht endgültig ver-
loren gegangen — zur Durchsicht seiner Bestimmungen. Das schien an-
fangs eine leichte Arbeit, da es sich fast nur um Grauwacken, Sandsteine
und Kalksteine handelte. Allein die flüchtige Untersuchung der Handstücke
und einer Anzahl Dünnschliffe ergab bald so eigenartige und schwierige
Verhältnisse, dass zu der genauesten und eingehendsten Untersuchung ge-
schritten werden musste. Es stellte sich heraus, dass bei der Bildung
und Umbildung der meisten, namentlich aber der jüngeren sedimentären
Gesteine Vorgänge eine Bolle gespielt haben, die meines Wissens bisher
noch nicht genauer untersucht worden sind. Das vorliegende Material bot
aber weiter noch den grossen Vortheil, dass hier recente Bildungen Vor-
lagen, die für die Deutung älterer von wesentlichem Belange sind.
Sedimentäre Gesteine zu untersuchen, die man nicht selbst geschlagen
hat, ist eine besonders heikle Sache; soweit wie irgend möglich wurden
die Schwierigkeiten durch mehrere Conferenzen mit Herrn Dr. Passarge
in Dresden und in Steglitz zu beseitigen gesucht. Doch blieben immer
noch Fälle, in denen ich auf Grund der Untersuchungen an dem Material
eines kleinen Handstückes zu keinem endgültigen Kesultat über die Natur
des Gesteins oder seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Schichten-
verbande kommen konnte. Herr Dr. Passarge wird sich in seinen Aus-
arbeitungen auf manche Diagnosen, die ich ihm für alle Vorkommnisse
zur Verfügung stelle, stützen und dieselben weiter verwenden können; in
dieser Abhandlung berücksichtige ich aber nur solche Stücke, bei denen
sich zwischen dem geologischen Feldbericht und der mikroskopischen u. s. w.
Untersuchung völlige sichere Uebereinstimmung ergab.
Die Untersuchungen der Gesteine waren recht schwierig und mühsam,
und nur langsam konnte zur Erkennung des wahren Sachverhaltes durch-
gedrungen werden; deshalb wolle man aber auch erst am Schlüsse der
Arbeit die Ueberzeugung erwarten, dass das Richtige getroffen worden ist.
Manche Verhältnisse müssen zunächst ohne strengen Beweis vorgeführt
werden, weil sich ein Beweis überhaupt erst aus dem Zusammenhang er-
giebt. Ist es hier doch auch meist unmöglich, Gesteinstypen im Einzelnen
erschöpfend zu beschreiben und wegen des beständigen Wechsels der Ge-
steinsbeschaffenheit auch überflüssig: es sollen die einzelnen Phänomene
im Allgemeinen und die Erscheinungsweise der Gesteine im Grossen und
Ganzen geschildert werden.
4. Die Fundstätten der Gesteine sollen im Folgenden nur gelegentlich
angegeben werden unter Andeutung, wo die Localität in diesem weiten
Gebiete zu suchen ist. Auf unseren geographischen Karten fehlen meist
alle hier in Frage kommenden Ortsbezeichnungen, und selbst auf den an-
60
geführten Kartenskizzen des Herrn Dr. Passarge sind sie hei dem kleinen
Massstabe derselben nicht sämmtlich verzeichnet. Nach Herrn Dr. Pas-
sarge sind in dem Gebiete überhaupt nur Gaunamen das einzig Sichere;
gelegentlich kommen die Namen einzelner Häuptlinge als Ortsangaben zur
Verwendung. In der Orthographie der Namen folge ich natürlich Herrn
Dr. Passarge, jedoch unterdrücke ich alle Schnalzlaute der ßuschmann-
sprachen. Die Schreibweise Ngami ist einmal eingebürgert, obwohl das
Wort „Wasser im Allgemeinen“ in der Sprache der Hottentotten bedeutend,
gami mit einem Schnalzlaute vor dem g lautet; was bei dem einen Namen
allgemein angenommen ist, kann in einer geologischen Abhandlung auch
für andere neueinzuführende geographische Bezeichnungen billig sein.
I. ^alzpelit und teilte Kruste,
5. Südwestlich von dem grossen auf unseren Karten verzeichneten
Gebiete der Makarikari (d. h. Salzpfannen) liegen nahe an dem Rande des
Kalahari-Plateaus noch drei kleine Pfannen, die Passarge auf seiner Reise
berührt hat. Nur von einer derselben, der Pfanne von Ntschokutsa, hat
er von einer Stelle das derselben eigenthümliche Gesteinsmaterial gesammelt,
das aber auch in den beiden anderen gefunden wurde. Den Boden der
der Ueberfluthung jetzt nur periodisch ausgesetzten Pfanne bildet nämlich
ein Salzpelit von unbekannter Mächtigkeit, der eine dünne harte Kruste
trägt. Die Kruste ist unzweifelhaft secundär aus dem Salzpelit entstanden.
Ich erachte es für zweckmässig, die allgemeine und unbestimmte Be-
zeichnung ,,Pelit“ zu verwenden, da hier zum ersten Male eine Unter-
suchung dieser offenbar in grosser Masse vorkommenden Substanz aus-
geführt worden ist. Nach einigen Notizen von Dr. E. Holub scheint
dieselbe Substanz auch in dem weiten Gebiete der grossen Salzpfannen
der Makarikari vorzukommen. Es wird vielleicht die Zeit sein, der Sub-
stanz einen besonderen petrographischen Namen beizulegen, wenn sie ein-
mal auch von anderen Stellen und an reichlicherem Material erforscht
sein wird.
A. Der Salzpelit.
6. Der Salzpelit ist in trockenem Zustande eine dichte, weisse bis
ganz lichtgrüne Masse von geringem specifischem Gewicht; er ist feinporös,
hängt an der Zunge und saugt Wasser auf. Passarge schnitt Stücke des
feuchten und dann noch hellgelblich-braunen Salzpelites mit dem Messer
heraus; ausgetrocknet aber ist die Masse ziemlich fest, sie zerbröckelt unter
dem Messer; sie färbt nicht ab, fühlt sich nicht wie Thon an, sondern
vielmehr ganz schwach fettig etwa wie Bol oder Saponit. In der weissen
Masse stecken unregelmässig vertheilt und makroskopisch sichtbar Sand-
körner und Oolithkörner; manche der vorliegenden Stücke sind anscheinend
frei von diesen Beimengungen, die dem Ganzen eine Art porphyrischer
Structur geben. Ferner aber ist der Salzpelit in allen Proben brecciös;
es liegen in einer Grundmasse bis einige Centimeter im Durchmesser hal-
tende und viele kleinere Stücke von abweichendem Farbentone und ab-
weichender Festigkeit, meist aber mit scharfen Kanten und deutlichster
Bruchstücksform. Die genauere Untersuchung lehrt, dass alle diese Bruch-
stücke auch selbst Salzpelit sind und nur zum Theil eine von der Haupt-
61
masse wenig verschiedene Zusammensetzung haben. Obwohl nur wenig
Material zur Untersuchung vorlag, so zeigt dieses doch deutlichst, dass
Habitus und Beiinischungen des Gesteines schnell wechseln, und dass die
brecciöse Structur nicht durch Zusammenschwemmung und Ablagerung
von Brocken entstanden ist, sondern durch eine Zerstückelung der Masse
in situ, wohl bei ihrer Bildung und Umbildung unter Beihülfe von Salzen.
7. Die Sandkörner in Salzpelit erreichen eine Grösse von 2 bis 3 mm
im Durchmesser; die meisten sind jedoch unter einem Millimeter dick,
herab bis zu sehr geringen Dimensionen. Das Material ist vorherrschend
Quarz, doch finden sich auch Körnchen, die als Sandsteinbröckchen auf-
zufassen sind. Dazu kommen harte Körner von dichter Beschaffenheit,
die als Chalcedon zu deuten sind, eine Bezeichnung, die erst weiter unten
gerechtfertigt werden kann. Es mag aber noch angegeben werden, dass
diese Chalcedonkörner wesentlich identisch sind mit der Substanz der
Kruste des Salzpelites. Unter den Sandkörnern kommen auch solche von
dichtem Kalkstein vor, doch ist es hier manchmal sehr schwer zu ent-
scheiden, ob diese Carbonatkörner wirklich Bruckstückchen dichten Kalk-
steins sind, oder nur missgestaltete und umgewandelte Oolithkörner.
8. Bald in geringerer, bald in grösserer Menge sind in dem Salzpelit
isolirte Oolithkörner vorhanden; ihre Gestalt ist kugelförmig bis wenig
regelmässig, ihre Grösse beträgt am häufigsten nur 0,i bis 0,5 mm, doch
sind auch grössere bis von über 1 mm Durchmesser nicht gerade selten.
Sie bestehen aus lichtbräunlichem Kalk und sind nach mikrochemischer
Analyse frei von Magnesia. Die mikroskopische Untersuchung lehrt, dass
sie die gewöhnliche radiale und concentrisch-schalige Structur besitzen
und nicht selten einen fremden Kern enthalten. Löst man die Oolith-
körner in stark verdünnter Salzsäure langsam auf, so bleibt ein Skelett
von feinstem Thon von der Form der Oolithkörner übrig, das zwar locker,
aber lückenlos ist: die Oolithkörner enthalten gleichmässig in ihrer ganzen
Masse feinsten Thon, der wohl wirklicher Thon, nicht etwa Salzpelit ist.
Mir stand nicht genügend Material zur Verfügung, um eine genauere che-
mische Prüfung des Lösungsrückstandes vorzunehmen.
Besonders auffällig ist das verhältnissmässig häufige Vorkommen von
halbirten Oolithkörnern im Salzpelit; diese halben Körner und noch kleinere
Bruchstücke zeigen unter dem Mikroskop dieselbe Beschaffenheit und Struc-
tur wie die ganzen vollständigen Oolithkörner. Es dürfte ihre Zerstücke-
lung durch krystallisirende Salze herbeigeführt worden sein. Auch in den
norddeutschen Rogensteinen kommen solche halbirten Oolithkörner mit
noch weiteren interessanten Erscheinungen vor; ich werde darüber in kurzem
in einer anderen Abhandlung berichten und dann Gelegenheit haben, auch
auf diese afrikanischen recenten Oolithkörner näher einzugehen.
Im Salzpelit spielen die Oolithkörner nur die Rolle der allothigenen
Sandkörner; oolithische Gesteine oder auch nur vereinzelte Oolithkörner
kommen sonst nirgends in der nördlichen Kalahari vor.
9. Nicht selten sinken die Bruchstücke von Oolithkörnern zu recht
geringen Dimensionen hinab; aber dennoch scheint es, dass die im Salz-
pelit überdies noch vorkommenden kleinsten Partikelchen von kohlensaurem
Kalk nicht als völlig zertheilte Oolithkörner aufzufassen sind, sondern als
Carbonat anderen Ursprungs. Solche Partikelchen mögen kurz als Kalk-
staub bezeichnet werden, sie sind u. d. M. durchaus alle einzeln wahr-
62
nehmbar, aber zweifelhaft bleibt es, ob sie unregelmässige Form oder die
Gestalt von Rhomboedern haben. Winzige scharfe Rhomboeder von Kalk-
spath und von Dolomit werden aus anderen Gesteinen mehrfach zu be-
sprechen sein.
10. Für die Bestimmung der Salze wurde der Salzpelit mit kochen-
dem Wasser behandelt. Vermengt man die wässerige Masse nach dem
Erkalten mit frisch gefälltem Eisenhydroxyd, so gelingt es leicht, den Kalk-
staub, der sonst, man möchte sagen mit Vorliebe, auch durch das beste
Filtrirpapier geht, von der Salzlösung zu trennen. Letztere zeigte starke
Reaction auf Chlor und schwächere auf Schwefelsäure; von Erden konnte
nur Magnesia festgestellt werden. Die Spectralanalyse zeigte, dass neben
reichlichem Natron kein Kali in dem Salzgemisch vorhanden ist. Ebenso
fehlte Kohlensäure durchaus in den in Wasser löslichen Salzen der unter-
suchten Proben. Die mikrochemische Analyse mit Kieselfluorwasserstoff
ergab ebenso ein Vorherrschen des Natriums vor dem Magnesium und das
Fehlen von Kalium. Die wasserklare wässerige Lösung der Salze wird
beim starken Eindampfen gelblich; in den zur Trockne eingedampften Salzen
bleibt eine kleine Menge verbrennbarer, organischer Substanz. Es ist
also in dem Salzpelit ein geringer Betrag einer in Wasser oder doch in
salzhaltigem Wasser löslichen organischen Substanz vorhanden.
Eine quantitative Analyse der Salze wäre werthlos gewesen, denn der
Gehalt des Salzpelites an Chlornatrium und an Magnesiumsulfat schwankt
sowohl qualitativ wie quantitativ. Nach den Mittheilungen des Herrn
Dr. Passarge wird das ausblühende Salz in einer südlich von Ntschokutsa
gelegenen kleinen Nebenpfanne von den Buschmännern als Speisesalz ge-
sammelt; andererseits litten seine Lastthiere unter der abführenden Wir-
kung des Wassers der Pfanne, was ihn schon dort die gelegentliche reich-
lichere Anwesenheit von Magnesiumsalzen erkennen Hess. Jedenfalls aber
stecken in dem Salzpelit der Pfanne von Ntschokutsa doch im Ganzen
bedeutende Mengen von Salzen.
11. Ein glatt geschabtes Stückchen des Salzpelites wurde mit durch
Chloroform verdünntem Canadabalsam bis zur Erhärtung desselben gekocht
und dann dünngechliffen. Während des Kochens schien der Salzpelit sich
nicht zu verändern, namentlich auch nicht Wasser zu verlieren. Das Prä-
parat zeigte ausser den Sand- und Oolithkörnern und dem Kalkstaube nun
auch die eigentliche Salzpelit-Substanz als eine anscheinend homogene
Masse mit sehr schwacher feinkörniger Aggregatpolarisation, in der sonst
weiter keine Einzelheiten erkennbar und unterscheidbar waren. Wenn also
die Substanz auch entschieden schwach doppelbrechend ist, so kann sie
doch als amorphe Masse bezeichnet werden in dem Sinne, in dem der
Mineralog wohl den Meerschaum, den Bol u. dergl. als amorphe Mineralien
bezeichnet, obwohl sie nicht optisch isotrop sind.
Für die chemische Analyse wurde homogenes Material in folgender
Weise gewonnen. Da der Salzpelit in kaltem Wasser nicht völlig zertheil-
bar ist, so wurde er im Handteller mit wenig Wasser zerrieben, wobei eben
möglichst ein Abreiben der Kalkkörner durch die Quarzkörner vermieden
wurde. Durch Schlämmen wurden dann die Sand- und Oolithkörner ab-
gesondert. Der zerriebene Salzpelit setzt sich im Wasser nicht völlig zu
Boden; ein Theil also musste weggegossen werden, um den Salzpelit mit
möglichst wenig Wasser und ohne lösliche Salze auf das Filter zu bringen.
63
Die Poren des Filters aber werden sehr bald verstopft, und das Abfiltriren
des letzten Wasserrestes mit Hülfe der Saugvorrichtung auf einem Scheiben-
filter nahm viele Stunden in Anspruch; es bleibt auf dem Filter eine ganz
hellgrüne filzige Masse zurück. Diese enthält noch etwas Kalkstaub, offen-
bar auch winzige Quarzsplitter, war aber doch homogen zu nennen und
frei von Salzen; nach der chemischen Zusammensetzung des Pelites ist es
auch nicht zu vermuthen, dass die beim Decantiren fortgegossenen Par-
tikelchen eine andere Zusammensetzung hatten, als die gewonnene Masse.
Doch ist kein Zweifel vorhanden, dass jede andere Probe des Salzpelites,
auch wenn dieser direct ohne alles Schlämmen in einer dem Anschein nach
von Sandkörnern aller Art freien Partie analysirt worden wäre, andere
Zahlen bei der Analyse ergeben haben würden. Da aber gerade ein Stück
mit möglichst geringer brecciöser Structur verwendet wurde, so glaube ich
behaupten zu können, dass die gewonnene filzige Masse wirklich die Durch-
schnitts-Zusammensetzung des Pelites ergeben muss.
Diese homogene Silicatmasse ist vor dem Löthrohr schwer schmelz-
bar, sie wird dabei hart bis zum Glasritzen. Beim Austreiben des Wassers
im Platin tiegel sintert die vorher zerriebene Masse stark zusammen. Die
Mikroanalyse mit Kieselfluorwasserstoffsäure ergab einen Gehalt an Natrium
und Magnesium. Das Wasser wurde quantitativ durch Glühverlust be-
stimmt, da die analysirte Masse nur Spuren von Kohlensäure ergab. Die
Kieselsäure wurde durch zwei Analysen bestimmt, das Natrium nur als
Verlust. Die sehr geringe Menge von Eisenoxyd besonders zu bestimmen,
wurde unterlassen.
Das Silicat ist sowohl in concentrirter Salzsäure wie in concentrirter
Kalilauge bei anhaltendem Kochen schwer löslich; kochende Lösungen von
Chlornatrium und von Magnesiumsulfat blieben ohne jede Einwirkung.
Die quantitative Analyse ergab folgende Zahlen:
H^O 18,986
SiO^ 52,799
APO-^ 10,643
Fe^O^ Spur
MgO 9,650
CaO Spur
Na^O 7,922
12. Der Salzpelit der Pfanne von Ntschokutsa ist somit ein Chlor-
natrium und Magnesium haltiges, an Sand- und Oolithkörnern verschieden
reiches, amorphes, wasserhaltiges Natrium -Magnesium -Aluminium -Silicat
von einer keinem bisher bekannten Minerale entsprechenden Zusammen-
setzung, mit brecciöser Structur. Es ist wahrscheinlicher, dass das ana-
lysirte Silicat aus lauter einander gleichen Theilchen besteht, als dass es
ein Gemisch etwa von Kaolin mit einem Natrium-Magnesium-Silicat ist.
Der ganze Salzpelit ist ein Gestein sui generis, dem wohl ein besserer ein-
facher Name gebührt, als die Verlegenheits-Bezeichnung Salzpelit. Aus-
drücklich muss betont werden, dass der Salzpelit durchaus nichts mit irgend
einer eruptiven Masse oder ihren Zersetzungsproducten zu thun hat; nach
Angabe des Herrn Dr. Passarge spukt in Afrika die Bezeichnung Trachyt
für die Masse herum.
64
B. Die Kruste des Salzpelites.
13. Der Salzpelit der Pfanne von Ntschokutsa ist von einer Kruste
bedeckt, die sich als ein äusserst hartes, zähes und schwer zersprengbares
Gestein von grünlicher bis schwärzlicher Farbe darstellt und mit blossem
Auge Sandkörner und Oolithkörner wie der Salzpelit erkennen lässt. Vor-
liegende Handstücke zeigen eine Mächtigkeit von 4 bis 5 cm; an einigen
Stücken haftet auch noch der Salzpelit an dieser Kruste, und die Grenze
ist recht scharf durch den Farbenunterschied und ebenso durch den Gegen-
satz zwischen der mürben und der mit dem Messer nicht ritzbaren Masse.
Die Kruste hat stets eine ausgesprochen brecciöse Structur; lagert die
Kruste nach Passarge’s Mittheilungen an einzelnen Stellen in grosse und
kleine Schollen zerbrochen auf dem Salzpelit, so hat sie auch noch in
diesen Schollen an und für sich eine kleinstückige Zusammensetzung; alle
Bruchstücke sind aber oft wieder zu einem festen lückenlosen Gestein ver-
kittet. Unter den Bruchstücken fallen besonders solche auf, die einem un-
reinen Chalcedon ähneln. In einigen Handstücken sind die Lücken zwischen
den Bruchstücken nur theilweise ausgefüllt; kleine Poren mit einem Ueber-
zug von kohlensaurem Kalk konnten mehrfach beobachtet werden.
14. Dünnschliffe von diesem harten Gestein zeigen zunächst die
Quarz-Sandkörner von derselben Grösse und Form wie der Salzpelit. Die
Oolithkörner, ebenso regellos und im Ganzen nicht gerade reichlich ver-
theilt wie im Salzpelit, sind in manchen Präparaten etwas krystallinisch
geworden. Sonst finden sich dieselben halbirten Oolithkörner und die
kleinsten Bruchstücke von Oolithkörnern, immer noch an ihrer Structur
als solche erkennbar, wie im Salzpelit. Kalkstaub ist in der Kruste in
stark schwankender Menge vorhanden, in einem Präparat erscheint er ge-
radezu als der beinahe vorherrschende Bestandtheil. Beachtenswerth ist
es, dass der Kalkstaub gelegentlich in deutlichen kleinsten und selbst etwas
grösseren Calcitrhomboedern auftritt. Einige kleinere und grössere Frag-
mente zeigen die Structur eines feinkörnigen Chalcedons zwischen gekreuzten
Kicols. Opake Eisenerzpartikeln verursachen die dunkele Farbe des Ge-
steins, obwohl sie gar nicht in besonders reichlicher Menge auftreten.
15. Die Grundmasse nun, die in diesem brecciösen Gestein meist
vor allen erwähnten Bestandtheilen vorwaltet, zeigt zwischen gekreuzten
Nicols eine schwache, ganz feinkörnige Aggregatpolarisation. Feinste wie
Staub erscheinende Partikelchen dürften nur sehr feine Poren sein; sonst
ist die Grundmasse aus homogenen Partikeln zusammengesetzt, abgesehen
von dem Kalkstaub. Mit Rücksicht auf ihre gleich anzugebende chemische
Zusammensetzung und mit Rücksicht auf die Verhältnisse in anderen Ge-
steinen der nördlichen Kalahari muss diese Grundmasse als Chalcedon
bezeichnet werden, als ein unreiner Chalcedon von ganz feinkörniger Structur.
Nur selten wird seine Structur dadurch etwas grobkörniger, dass kleine,
aber noch deutlich aus einzelnen Körnchen zusammengesetzte Partien beim
Drehen des Präparates zwischen gekreuzten Nicols auf einmal das Maxi-
mum der Dunkelheit erreichen. Eine Art poikilitischer Structur dürfte
diese Erscheinung erklären. Grössere Bruchstücke im Gestein haben im
Wesentlichen dieselbe Beschaffenheit wie die ganze Alles verkittende Masse.
Diese Grundmasse ist auch in dünnsten Splittern vor dem Löthrohre
unschmelzbar, doch backt das Pulver beim Glühen im Platintiegel noch
ein wenig zusammen. Für die quantitative Analyse wurde das pulverisirte
65
Krustengestein mit verdünnter Salzsäure entkalkt, um den Vergleich mit
der Analyse des Salzpelit-Silicates zu vereinfachen. Die Analyse ergab:
H"0
SiO^
APO"
Fe^O^
MgO
CaO
Na^O
2,724
92,614
2,648
0,500
1,514
16. Die beiden Analysen des Salzpelit-Silicates und der entkalkten
Kruste lassen sich aber noch nicht ohne Weiteres vergleichen, da ja aus
dem Salzpelit auch der Quarzsand entfernt worden war, was natürlich bei
der Kruste unmöglich war. Wenn man aber im Auge behält, dass Material,
das direct seiner chemischen Zusammensetzung nach verglichen werden
konnte, überhaupt nicht vorlag und nicht präparirt werden konnte, so wird
man zugeben dürfen, dass die mitgetheilten Analysen vergleichbar werden,
sobald man zu der Zusammensetzung des Silicates des Salzpelites noch
einen gewissen Betrag Kieselsäure als dem Quarzsandgehalt der Kruste
entsprechend hinzuschlägt. Wie viel Procent Quarzsand aber in dem Krusten-
gestein, das für die Analyse verwendet wurde, drinstecken, lässt sich auch
wieder nicht genau angeben. Es müssen deshalb willkürliche Mengen SiO^
— also wie unten geschehen 30 und 40 Procent als hohe Beträge — zu
der Zusammensetzung des Salzpelit-Silicates hinzugerechnet werden:
Silicat
Silicat
Silicat
Kruste
+ 30% SiO^
+ 407o SiO^
H^O
18,986
13,290
11,392
2,724
SiO"
52,799
66,959
71,679
92,614
APO"
10,643
7,450
6,386
Fe^O^
—
00
CO
MgO
9,650
6,755
5,790
0,500
Na^O
7,922
5,546
4,753
1,514
Da nun der Augenschein lehrt, dass die Kruste unzweifelhaft aus dem
Salzpelit hervorgegangen ist, und dass ferner die Kruste auch keine wesent-
lich andere Structur hat als der Salzpelit, so ist bei der Bildung der Kruste
viel Kieselsäure und etwas Eisen zugeführt, dagegen Thonerde, Magnesia,
Natron und viel Wasser weggeführt worden. Zufuhr von Kieselsäure allein
genügt nicht, um die chemische Veränderung zu deuten. Die Kruste ist
also ein Kieselgestein, das durch hydatogene Metamorphose aus dem
Salzpelit hervorgegangen ist;« ihre Chalcedon-Grundmasse ist eine Pseudo-
morphose nach dem Silicat des Salzpelites.
C. Genetisches.
17. Die Pfanne Ntschokutsa liegt am südlichen Rande des grossen
Makarikari-Gebietes. In der Gegenwart wird dieses mehrere Kilometer
im Durchmesser haltende Becken nur noch periodisch, z. B. 1898/99, von
Ueberschwemmungen überfluthet, wohl aber muss das früher regelmässig
der Fall gewesen sein. Dennoch wird Niemand behaupten können, dass
der Salzpelit einfach ein primäres Sediment sei. So wenig auch bisher
über die Sedimente in Seebecken im Inneren von grossen Continenten und
66
in Steppen auf Grund genauer Untersuchung bekannt ist, so erscheint doch
die directe Ablagerung eines wasserhaltigen Natron-Magnesia-Thonerde-
Silicates nach allen geodynamischen Theorien unmöglich, zumal vulcanisches
Material ausgeschlossen ist. Ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich
über einen Gegenstand zu speculiren im Begriffe bin, den ich in seiner
ganzen geologischen Massenhaftigkeit nicht gesehen habe; ja mir standen
für die Untersuchung nur kleine Proben und nur von einer Stelle der
Pfanne zur Verfügung. Und Herr Dr. Passarge konnte an Ort und Stelle
ebenso wenig die winzigen Oolithkörner als solche erkennen, wie auf die
Yermuthung kommen, dass der im feuchten Zustande wie Thon aussehende
Salzpelit doch kein Thon, sondern etwas ganz Besonderes sei. Deshalb
werden auch erst in Zukunft die in Frage kommenden Phänomene genauer
studirt und discutirt werden können; es ist aber doch nothwendig, an
diesem Orte die theoretischen Vorstellungen darzulegen, die ich mir nach
meinen Untersuchungen und nach den Schilderungen Passarge’s gebildet
habe. Denn die Erkennung der Entstehung der Salzpelit-Kruste giebt den
einzigen Anhalt für die Erklärung des Phänomens der Verkieselung von
Gesteinen, das uns in der nördlichen Kalahari in einem gewaltigen Ge-
biete überall entgegentritt. Die Thatsachen liegen schon jetzt vor, ihre
theoretische Erklärung wird erst in Zukunft gesichert werden können.
18. Von den Bestandtheilen des Salzpelites sind die Oolithkörner am
leichtesten zu erklären. Dass sie vegetabilischen Ursprungs sind, ist in
der neueren Zeit erkannt worden; ich werde bald Gelegenheit haben, in
einer anderen Arbeit weitere Beweise dafür aus den Oolithen und ver-
wandten Gesteinen selbst beizubringen. Ist also die Ntschokutsa-Pfanne
ein Seebecken oder wenigstens periodisch unter Wasser gewesen, so sind
die Oolithkörner im Salzpelit einfach primäre Bestandtheile desselben.
Die Zerstückelung der Oolithkörner kann am leichtesten durch Auskrystal-
lisiren von Salzlösungen erklärt werden, die in die abgestorbenen Oolith-
körner eingedrungen waren. Zweifelhaft, ja unwahrscheinlich ist es, dass
auch der Kalkstaub, dass aller Kalkstaub von Oolithkörnern herstammt.
Wir wissen vielmehr, dass von vielen niederen Pflanzen auf ihrer Ober-
fläche, manchmal auch in einer pflanzlichen Gallerte, Körnchen von Cal-
ciumcarbonat abgeschieden werden. Auch für den Kalkstaub also können
wir pflanzlichen Ursprung annehmen.
19. Die Quarzsandkörner und die selteneren Gesteinsbröckchen haben
meist nur geringe Dimensionen; ihre Form lässt keinen sicheren Schluss
zu, auf welchem Wege sie in die Pfanne gekommen sind. Einschwemmung
ist nicht unmöglich, daneben aber würde ein Transport durch den Wind
in Frage kommen. Jedenfalls ist es auffällig, dass die Sandkörner im
Salzpelit ganz unregelmässig vertheilt sind.
20. Eingeschwemmt in die Salzpfanne wird eine gewisse Menge von
einem thonerdehaltigen Schlick sein. Aber auch in dem Gebiet der grossen
Makarikari wuchert an allen Seen und Flussläufen eine üppige Schilfvege-
tation, ein Vegetationsgürtel namentlich an den Bändern der Becken, der
wohl geeignet ist, bei Ueberfluthungen der Becken das trübe Wasser zu
flltriren, die Hauptmasse des Schlickes vom Becken fern zu halten, wie
wir darüber Berichte auch aus anderen Gebieten Afrikas haben. Die Ried-
gräser selbst aber sterben auch ab; sie enthalten in ihren Membranen
Kieselsäure, die in allerleichtesten Flöckchen und Theilchen im Verein mit
67
organischer Substanz doch in die Becken gelangt. Es ist mir nicht ge-
lungen, in botanischen Lehrbüchern Angaben über die Schicksale der Kiesel-
säure in abgestorbenen Pflanzentheilen zu finden; irgendwo muss sie doch
bleiben oder im festen oder gelösten Zustande hingeführt werden. Von
den Diatomeen allein kennen wir den Verbleib der Kieselsäure, und Dia-
tomeen werden wohl auch hier bei der Bildung und Umbildung des Salz-
pelites eine Bolle gespielt haben, wenngleich ich sie in ihm nicht mehr
nachweisen konnte. In den Kalahari-Kalken aber habe ich sie gefunden,
wie weiter unten erwähnt werden wird. Ich bin also der Meinung, dass
in den Salzpfannen ein an Kieselsäure vegetabilischen Ursprungs reicher
Schlick abgelagert wurde, der ebenso reich war an Kalkstaub und der
auch organische Substanz in Menge enthielt. Ein bedeutender Theil des
Schlickes mag aber auch gar nicht durch Wasser an Ort und Stelle trans-
portirt worden sein, sondern vielmehr eingewehter Staub, ein äolisches
Sediment sein.
2h Kohlensäure Alkalien konnte ich in dem Salzpelit nicht nachweisen,
er enthält vielmehr nur Na CI und MgSO^. Der Ursprung dieser Salze
wird auf dieselbe Weise zu erklären sein, wie der Salzgehalt von Binnen-
seen — so viel oder so wenig wir davon eigentlich wissen. Hier in diesem
Falle dem Ursprung der Magnesiasalze besonders nachzuforschen, würde
ein eitles Unternehmen sein. Allein es ist wohl denkbar, dass diese Salze,
Chlornatrium und Magnesiumsulfat und vielleicht jetzt nicht mehr vor-
handene Alkalicarbonate, im Verein mit Kieselsäure in mehr oder minder
leicht löslicher Form und im Verein mit organischer, humoser Substanz
im Stande gewesen sind, aus dem Schlick das wasserhaltige Natron-Mag-
nesia-Thonerde-Silicat zu erzeugen. In wie weit hierbei auch noch klima-
tische und meteorologische Verhältnisse in Frage kommen könnten, ent-
zieht sich vorläufig jeder Beurtheilung. Nach Allem, was mir Herr Dr. Pas-
sarge mitgetheilt hat, entsteht der Salzpelit jetzt nicht mehr, er ist ent-
standen in der allerjüngsten Vergangenheit.
22. Die Entstehung der brecciösen Structur des Salzpelites bietet der
Erklärung keine besonderen Schwierigkeiten. Bei periodischer Trocken-
legung wird der sich bildende Salzpelit von Spalten durchzogen werden,
zu deren Vermehrung und Erweiterung auskrystallisirende Salze noch das
Ihrige beitragen: die Breccien sind nicht durch Gebirgsbewegung entstanden,
nicht zusammengeschwemmt, sondern eine Bildung in situ bei der Ent-
stehung der Massen selbst.
23. In dem Salzpelit sind aber wahrscheinlich die Bildungsvorgänge mit
der Entstehung des Silicates doch noch gar nicht abgeschlossen; es finden noch
weitere chemische Processe statt, bei denen Kieselsäure in Bewegung ge-
räth, in Trockenperioden capillar aufsteigt und eine Verkieselung der ober-
flächlichsten Partien herbeiführt, die Bildung der Kruste verursacht. Die
Sonne und die Thiere zerstückeln die sich bildende Kruste, deren Bruch-
stücke immer wieder von Neuem verkittet werden.
Kieselsäure organischen Ursprungs und ihr Transport bei
Gegenwart von Salzen verschiedener Art und organischer, etwa
humoser Substanzen, dazu in anderen Fällen Verschleppung
dieser Beagentien durch Sieker- und Quellwasser — das sind die
Factoren, die in der nördlichen Kalahari das Phänomen der
Verkieselung hervorgerufen haben. Geysirphänomene kommen
durchaus nicht in Frage.
68
II. Kalahari- Kalk.
24. Die jungen Kalahari -Kalke sind mürbe bis ganz feste und
harte Gesteine von dichter Structur und hellen bis hellbraunen Farben.
Die festen Kalksteine zeigen im Dünnschliff meist fleckige Beschaffenheit
durch Herausbildung von Stellen mit etwas gröber krystallinem Korn. Die
mikrochemische Analyse wies in einigen Vorkommnissen einen geringen und
bedeutungslosen Gehalt an Magnesia nach. Beim Auflösen in verdünnter
kalter Salzsäure bleiben übrig feiner Sand, Thon und stets auch Flocken
von organischer Substanz. Es wurden nur einige wenige Vorkommnisse
untersucht, in mehreren aber doch im Lösungsrückstand Spongillen-Nadeln
und Diatomeen, meist in Bruchstücken, in nicht unbeträchtlicher xMenge
nachgewiesen. Die Diatomeen werden von anderer Seite bestimmt w’^erden.
Mit Ausnahme der Oolithkörner enthält also der Kalahari-Kalk alle Be-
standtheile, die für das supponirte Substrat des Salzpelites angesetzt wurden,
wenn vielleicht auch in anderen Mengenverhältnissen.
Die Kalahari-Kalke haben schon makroskopische Eigenthümlichkeiten
der Structur, die dazu führen, diese Kalksteine wesentlich als Kalksinter-
bildungen in Binnengewässern aufzufassen, als Kalksteine terrestrischen,
phytogenen Ursprungs. Diese Auffassung genauer zu begründen, muss an
dieser Stelle unterlassen werden.
25. Hier ist es für den Gegenstand der Abhandlung nur von Bedeu-
tung, dass in einem Vorkommniss von Kalahari-Kalk auch der Beginn der
Verkieselung mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte. Es ist das
der Kalahari-Kalk von der Pfanne Kauganna, östlich von Garn, also west-
lich vom Ngami-See in der Nähe der Grenze von Deutsch-Süd- West- Afrika.
Dieser Kalkstein zeigt in typischer Weise Kalksinterringe von bis 1 cm Durch-
messer, innerhalb deren sich zum Theil ein fast ganz sandfreier Kalk vor-
findet, während die Masse zwischen den Ringen an Sand sehr reich ist.
Stellenweise ist nun an Stelle des Calcites sowohl der Sinterringe wie der
innerhalb und ausserhalb derselben befindlichen Gesteinsmasse ein ganz
feinkörniger, unreiner Chalcedon getreten mit kleinsten fetzenartigen Relic-
ten des Calcites, Erscheinungen, die weiter unten ausführlicher beschrieben
werden sollen. Löst man das Gestein in Salzsäure auf, so bleiben thon-
reiche Brocken übrig, die leicht zerdrückbar sind. Unter dem Mikroskope
findet man in dem in Wasser ausgebreiteten Lösungsrückstand zahlreiche
zackig-faserige Aggregate, die Chalcedon sind. Die Bestimmung dieser in
kochender concentrirter Salzsäure unlöslichen Aggregate als Chalcedon
ergiebt sich aus analogen Verhältnissen in anderen Gesteinen. Die Art
der Verkieselung in diesem Kalahari-Kalk ist überhaupt durchaus analog
der anderer Kalksteine, weshalb hier nicht weiter darauf eingegangen zu
werden braucht.
III. Botletle - 8cliichten.
A. Methoden der Untersuchung.
26. Die Gesteine der Botletle-Schichten und die aller übrigen Schichten-
systeme wurden in Dünnschliffen auf ihre Zusammensetzung und Structur
untersucht. Es wurden gegen 350 Schliffe von den verschiedenen Hand-
69
stücken angefertigt, ausser von denen, die schon makroskopisch mit Sicher-
heit die Identität mit anderen Stücken von demselben Fundpunkte erkennen
Hessen. Es stellte sich aber heraus, dass diese mikroskopische Unter-
suchung in sehr vielen Fällen zur Erkennung der wahren Sachlage nicht
genügte. Zunächst ist es wie bekannt bei den dichten Carbonatgesteinen
nicht möglich, unter dem Mikroskope Kalkspath und Dolomit zu unter-
scheiden; hier, wo es sich meist nur um kleinste Körnchen dieser Mine-
ralien handelt, versagen alle formalen und structurellen Verhältnisse, die
man zum Anhalte nehmen möchte. Dann aber verdecken die Carbonspäthe
durch ihre starke Doppelbrechung sehr häufig allen Gehalt an Thon und
vor Allem auch allen feinvertheilten Chalcedon. Wo es nöthig schien,
wurden besondere Dünnschliffe von solchen Kalksteinen angefertigt; die
fertig geschliffenen Präparate wurden dann entkalkt, d. h. der Kalkspath
wurde langsam durch kalte verdünnte Salzsäure aufgelöst. Verfährt man
hierbei behutsam, so kann man ein solches entkalktes Präparat auch aus-
wässern, ohne dass bei den Proceduren irgend wie die Lagerung und der
Zusammenhang der unlöslichen Partikeln gestört wird. Das trocken ge-
wordene Präparat wird dann zur Hälfte mit einer Lösung von hartgekochtem
Canadabalsam in Chloroform mit einem weichen Pinsel vorsichtig über-
strichen. Ist der Lösungsrückstand auf der Canadabalsamschicht sehr ge-
ring oder augenscheinlich sehr locker, so lässt man einen Tropfen der
Canadabalsamlösung aus dem Pinsel darauf fallen. In jedem Falle ist es
nöthig, entkalkte Kalksteinpräparate frei und mit Canadabalsam bedeckt
zu untersuchen.
27. Aus allen Schichtensystemen wurden zusammen 135 Proben mikro-
chemisch untersucht zur Entscheidung, ob Kalkstein oder Dolomit vor-
liegt. Mit der Untersuchung des Lösungsrückstandes unter dem Mikroskope
und mit allen Vorbereitungen nimmt jede Probe ungefähr 20 Minuten in
Anspruch, auch wenn 10 bis 20 Proben auf einmal bearbeitet werden.
Man schlägt sich kleine Stückchen von etwa 20 bis 30 mm^, womöglich
in Form flacher Scherbchen und möglichst gleich gross von den verschie-
denen zu untersuchenden Gesteinen. Diese Stückchen und ihre Lösungen
werden ferner stets mit denselben vorbereiteten Reagentien und mit gleich
grossen Mengen derselben behandelt, so dass man die Vorgänge mit ein-
ander vergleichen kann. Während der Ausführung der Untersuchung wurden
sofort die Beobachtungen bei jeder Probe auf einem besonderen Zettel notirt.
Die Stückchen Carbonatgestein wurden in ein Keagenzgläschen gelegt,
das zu einem Viertel mit ungefähr 20procentiger kalter Salzsäure gefüllt
war. Kalkstein und Dolomit unterscheiden sich dann nur zum Theil durch
die Art der Entwickelung der Kohlensäure; es kann auch ein normaler
Dolomit in solcher Salzsäure stark aufbrausen, und es kann ein Kalkstein,
der reichlich Thon oder feinvertheilten Chalcedon enthält, nur ganz schwache
Kohlensäure-Entwickelung aufweisen. Nach der Beobachtung der Einwir-
kung der kalten Salzsäure wurde diese einmal oder mehrmals bis zum
anhaltenden Kochen erhitzt, bis möglichst alle Kohlensäure ausgetrieben
war. Die Lösung in dem Reagenzgläschen wurde nun verdünnt bis zur
Ausfüllung des Gläschens. Zu einem Tröpfchen dieser verdünnten Lösung auf
einem Objectträger wurde dann ein Tröpfchen eines ziemlich verdünnten
Gemisches von 50 7o Ammoniak, 25 7o einer Lösung Natriumphosphat
und 25 7o einer Lösung von Ammoniumoxalat gebracht. Man muss sich
den besten Concentrationsgrad des Reagenzes durch Vorversuche mit Calcit
70
und Dolomit ermitteln. Stehen Lösung und Reagenz in bestem Verhält-
niss zu einander, dann geht die Reaction auf Kalk beim Fallenlassen des
Reagenztropfens augenblicklich und bis zur völligen Ausfüllung des Calcium-
oxalates in den bekannten winzigsten, eine zusammenhängende Haut bil-
denden Körnchen vor sich. Das Ammonium-Magnesium-Phosphat scheidet
sich langsamer ab, doch ist auch diese Reaction in 2 bis 3 Minuten be-
endet. Die Krystallgruppen des sich bildenden Magnesiumsalzes sind ihrer
Form nach abhängig von dem Concentrationsgrade der angewandten
Lösungen, in jedem Falle aber höchst charakteristisch und von dem Kalk-
niederschlag leicht zu unterscheiden. Man wird durch diese Reactionen
nicht nur leicht Kalkstein und Dolomit unterscheiden können, sondern auch
genügend den Gehalt an Magnesia in mehr oder minder dolomitischen
Kalksteinen zu bestimmen im Stande sein.
Ein etwaiger Lösungsrückstand der Proben wurde nun gleich weiter
untersucht; es kommt darauf an, ob die Probe eine klare oder trübe
Lösung giebt, ob das Stückchen seine Form unverändert beibehält oder
in Brocken zerfällt, ob der Rest hart ist oder mehr oder minder leicht
zerdrückbar. Pulveriger oder zerdrückter Rückstand wurde stets in Wasser
auf dem Objectträger unter dem Mikroskope untersucht; in vielen Fällen
aber wurde ein besonders beachtenswerther Lösungsrückstand auch noch
nach dem Auswaschen mit Alkohol in Canadabalsam unter Deckglas
untersucht.
B. Gesteinsreihen.
28. Es erwies sich bei der Untersuchung und für die Schilderung als
nöthig, die Gesteine der Botletle-Schichten und die von Passarge als Pfannen-
Sandsteine bezeichneten Vorkommnisse gemeinsam zu behandeln; ich muss
es Herrn Dr. Passarge überlassen, auf Grund meiner ihm zur Verfügung
gestellten Einzeldiagnosen unter Berücksichtigung des Vorkommens und
der Lagerung zu entscheiden, ob durchgreifende Unterschiede zwischen
den Gesteinen der beiden Stufen bestehen. Ich vereinige also diese Vorkomm-
nisse unter der Bezeichnung der Botletle-Gesteine. Es wurden 90 sicher
zu diesen Schichtensystemen gehörige Gesteine von ungefähr 20 Locali-
täten untersucht, die sich über das ganze grosse Gebiet vertheileu. Regio-
nale Unterschiede zwischen den Vorkommnissen konnten in geringem Grade
festgestellt werden, aber irgend welche Schlüsse daraus auf genetische
Verhältnisse zu ziehen, bin ich nicht im Stande gewesen. Deshalb kann
ich es auch unterlassen, die einzelnen Localitäten namhaft zu machen,
die man ja doch vorläufig noch auf keiner Karte aufsuchen kann. Wie
von Herrn Dr. Passarge ein häufiger und schneller Wechsel in der mine-
ralischen Zusammensetzung der Botletle-Gesteine im Grossen beobachtet
werden konnte, so wechseln sie auch im Kleinen, im Handstück und sogar
im einzelnen Dünnschliff; mehrfach zeigte ein und dasselbe Präparat zwei
bis drei ganz verschiedene Structuren und Verhältnisse der Gemengtheile
zu einander.
Die Botletle-Gesteine zerfallen in die zwei genetisch getrennten Typen
der sandigen Kalksteine und der Chalcedon-Sandsteine, die im Grossen
und Ganzen auch den geologischen Abtheilungen der Pfannen-Saudsteine
und der eigentlichen Botletle-Schichten zu entsprechen scheinen.
29. Als Typus der sandigen Kalksteine müssen alle diejenigen
sehr verschiedenen Gesteine zusammengefasst werden, die primär mehr
71
oder minder kalkreiche Sandsteine und sandige bis reine Kalkbteiiie sind
oder waren. Die Gesteine treten jetzt auf als seit ihrer Ablagerung wesent-
lich unverändert oder als durch hydatogene Metamorphose verändert. Die
Veränderungsvorgänge sind die der Dolomitisirung und der Verkieselung,
Vorgänge, die einzeln auftreten oder zusammen und dann augenscheinlich
doch von einander unabhängig. Es ist allerdings ungemein schwierig, sich
hier ein Urtheil zu bilden; ich will auch nur sagen, dass ich im Laufe
der Untersuchungen zu der Vorstellung gekommen bin, dass im Wesent-
lichen eine Dolomitisirung vor der Verkieselung eingetreten ist, ohne dass
irgend wie ein geologisch grosser Zeitraum zwischen den beiden Vorgängen
gelegen ist. Beide Vorgänge könnten also auch als geologisch gleichzeitig
aufgefasst werden; sie sind aber vor Allem von einander unabhängig in
ihrem Auftreten.
Die Dolomitisirung befällt die Gesteine so, dass der kohlensaui-e Kalk
nur zum Theil in Dolomit umgewandelt wird, oder dass alles oder fast
alles Calciumcarbonat in Dolomit übergeht. Von 50 mikrochemisch unter-
suchten Proben ergaben 26 nur Calcium, 9 erwiesen sich als mehr oder
minder magnesiumhaltig, und in 16 Proben war der Gehalt an Magnesium
so hoch, dass das Gestein einfach als Dolomit zu bezeichnen ist, ohne
damit das Vorhandensein von geringen Mengen von reinem magnesiafreien
Calciumcarbonat in Abrede stellen zu wollen.
Die zweite Veränderung dieses Typus der Botletle- Gesteine, die Ver-
kieselung, ist die, dass in ihnen Calcit und Dolomit in Chalcedon ver-
schiedener Art umgewandelt sind, ein Vorgang, der von einer Spur von Ver-
kieselung bis zur völligen Verkieselung und Verdrängung alles Carbonates
durch Kieselsäure fortschreiten kann. Dieser Vorgang soll als Verkiese-
lung bezeichnet werden. Hierbei wird diese Bezeichnung in engerem
Sinne gebraucht als in dem Titel der Abhandlung; doch wird dadurch ein
Irrthum nicht veranlasst werden.
Zu dem Typus der sandigen Kalksteine gehören auch Vorkommnisse,
die eine scheinbare oder echte breceiöse Structur besitzen. Die schein-
bar breceiöse Structur wird entweder durch primär sehr ungleichmässig
vertheilten und rasch wechselnden Sandgehalt verursacht oder durch un-
gleichmässig eingetretene Verkieselung. Es ist bisweilen gar nicht leicht,
diese scheinbar breceiösen Gesteine im Handstück von den wirklich brec-
eiösen zu unterscheiden. Die echten Breccien aber haben alle eine solche
Zusammensetzung und Structur, dass die Breccienbildung auch in situ,
ohne Gebirgsbewegung und ohne Zusammenschwemmung in ganz analoger
Weise wie bei dem Salzpelit und seiner Kruste vor sich gegangen sein muss.
30. Der Typus der Chalcedon-Sandsteine umfasst Gesteine mit
einem Chalcedoncement, von dem an Structur und Art des Auftretens nicht
nachweisbar ist, dass es pseudomorph, authigen secundär, an Stelle von
Carbonat getreten ist. Hier ist der Chalcedon authigen primär wohl in
lockere Sande eingedrungen, diese erst zu einem festen Gestein machend.
Dieser Vorgang soll hier von dem der Verkieselung im engeren Sinne als
Einkieselung unterschieden werden. Für einen entfernt ähnlichen Vorgang
bei der Entstehung der Kohlengesteine hat W. v. Gümbel das Wort In-
kohlung gebildet gehabt, das den Vorgang knapp und klar bezeichnet, aber
doch sprachlich unrichtig gebildet ist. Das neue Wort Einkieselung ist
nach Analogie mit einseifen, einfetten u. s. w. gebildet. Eine scharfe Unter-
scheidung von Verkieselung und Einkieselung ergab sich mir im Laufe der
72
üntersuclmng; erst als diese beiden Vorgänge als zwei ganz verschiedene
Arten der Imprägnation mit Kieselsäure aus einander gehalten wurden, kam
Klarheit in die Bestimmung der Natur der Gesteine der verschiedenen
Schichtensysteme.
Zu dem Typus der Chalcedon-Sandsteine gehören auch echte Breccien
und ferner solche Gesteine, die bei einem reichlichen Gehalt an Braun-
eisenstein kurz als Eisen- Sandsteine bezeichnet werden können. Einige
Vorkommnisse der Chalcedon-Sandsteine, aber auch einige der Kalk-Sand-
steine sind als Köhren-Sandsteine entwickelt, d. h. sie sind durchzogen von
geraden oder gekrümmten hohlen und mit lockerem Material erfüllten
Köhren, die als durch Wurzeln, Schilfstengel und dergleichen verursacht
zu erklären sind; genau die gleiche Erscheinung zeigt sich ja auch in
jüngeren, lacustren Sandsteinen unserer Gegenden.
31. Die Zahl der petrographisch unterscheidbaren Arten der Botletle-
G esteine ist recht gross; namentlich liefert der 'l'ypiis der sandigen Kalk-
steine viel Varietäten, zu deren Bezeichnung nur lange zusammengesetzte
Ausdrücke verwendet werden können. Eine recht arge Verirrung würde
es sein, wollte man im Bereiche der sedimentären Gesteine der Mode
fröhnen, die bei der Beschreibung der Eruptivgesteine im Schwünge ist,
wo man womöglich jedem Handstücke einen besonderen „Species“-Namen
beizulegen beliebt. Die Botletle-Gesteine gehören genetisch zusammen;
es wird nützlich sein, auf kleinem Kaume die Varietäten zusammen ge-
nannt zu finden, die auf Grund der genauen Untersuchung, aber nicht
mit blossem Auge unterschieden werden können. Wahrscheinlich kommen
in der nördlichen Kalahari noch andere Varietäten vor, als die sogleich
aufzuzählenden, ja man kann annehmen, dass dort alle Varietäten ver-
kommen, die sich irgend durch die Combination der Begriffe Sand, Kalkstein,
Dolomitisirung, Verkieselung, Einkieselung, brecciös, conglomeratisch u. s. w.
benennen Hessen. Da aber die Bestimmung der einzelnen Vorkommnisse
eben nur für die Handstücke gilt, die mir gerade Vorlagen, so ist eine
genauere Ortsangabe wohl überflüssig; von Bedeutung ist nur die Zahl
der Vorkommnisse der unterscheidbaren Varietäten. Es zeigt sich, dass
Kalk-Sandstein und Chalcedon-Sandstein am häufigsten als feste primäre
Gesteine erscheinen, dass unter den umgewandelten die dolomitisirten
seltener sind als die verkieselten. Lockerer Quarzsand und mehr oder
minder kalkreicher Sand sind es, die zuerst, in Becken oder dergleichen
abgelagert worden sind.
I. Gruppe:
1. Kalkstein, Zahl der Vorkommnisse 2,
2. schwach verkieselter Kalkstein 1,
3. schwach verkieselter dolomitischer Kalkstein 1,
4. Dolomit 4.
II. Gruppe:
1. sandiger Kalkstein 1,
2. sandiger dolomitischer Kalkstein 3,
3. halbverkieselter sandiger Dolomit 1,
4. halbverkieselter brecciöser sandiger Kalkstein 5.
III. Gruppe:
1. mürber Sandstein, 3 Vorkommnisse untersucht,
2. Kalk- Sand stein 12,
73
3. brecciöser oder conglomeratischer Kalk-Sandstein 6,
4. halbverkieselter Kalk-Sandstein 4,
5. halbverkieselter brecciöser Kalk-Sandstein 1,
6. verkieselte sandige Breccie 1,
7. völlig verkieselter Kalk-Sandstein 6,
8. halbverkieselter dolomitischer Kalk-Sandstein 6,
9. halbverkieselter brecciöser dolomitischer Kalk-Sandstein 1,
10. halbverkieselter Dolomit-Sandstein 1,
11. Dolomit-Sandstein 4,
13. brecciöser oder conglomeratischer Dolomit-Sandstein 4.
IV. Gruppe:
1. Chalcedon-Sandstein 16,
3. Krystall-Sandstein 1,
3. brecciöser Chalcedon-Sandstein 4,
4. Chalcedon-Breccie bis Conglomerat 3,
5. (conglomeratischer) Eisen- Sandstein 1.
C. Oemengtheile.
33. Die Sandkörner in den Botletle-Gesteinen sind stets klein, alle
Sandsteine sind als feinkörnig zu bezeichnen. Unter den Sandkörnern
waltet der Quarz bei Weitem vor. Die Quarzkörner zeigen durchweg
eine Abhängigkeit der Form von der Grösse; die kleinsten Körnchen sind
eckig, die mittleren subangular, die grössten stark abgerundet. Im Auf-
treten dagegen herrscht Regellosigkeit: in manchen Gesteinen sind alle
Quarz-Sandkörner gleich gross, in anderen kommen alle Grössen durch
einander und ohne jede Sonderung, z. B. nach Lagen, vor. Die Quarz-
Sandkörner enthalten oft reichliche und zum Theil grosse Flüssigkeits-
einschlüsse, seltener sind die bekannten dünnen opaken Nadeln; es hat
den Anschein, dass Granite und Gneisse das Sand-Material geliefert haben.
Unter den selteneren Feldspath-Sandkörnern wurden nur Orthoklas und
Mikroklin gefunden; Gesteinspartikeln als Sandkörner sind auch nur
selten und spärlich vorhanden. Dagegen ist noch besonders hervor-
zuüeben das Vorkommen von „Flint“-Sandkörnern, von Körnern von ver-
kieseltem Ngamikalk (siehe weiter unten). Hieran schliessen sich Fetzen
und Bruchstücke von feinkörnigem Chalcedon und Gerölle davon. Es ist
bisweilen recht schwer zu entscheiden, ob grössere Stücke solcher Kiesel-
gesteine wirklich Gerölle sind oder nur Bruchstücke, da es wohl denkbar
ist, dass unter der Tropensonne von Kieseln Stücke abgesprengt werden,
so dass runde Kerne übrig bleiben. Doch kommen hier in den Botletle-
Gesteinen auch unverkennbare Rollkiesel vor.
33. Im Allgemeinen enthalten die Botletle-Gesteine nur wenig Thon,
der überdies im Dünnschliff meist nicht als solcher erkennbar ist, denn
im Kalkspath und im Dolomit verschwindet er durch die starke Doppel-
brechung dieser Substanzen, und im Chalcedon ist er in Folge der Zu-
sammensetzung desselben aus kleinen Theilchen auch nur sehr schwer und
unsicher zu erkennen. Beim Auflösen von carbonathaltigen Gesteinen in
Salzsäure kommt aber der Thon zum Vorschein: als „Thon“ gelten dann
die unbestimmbar winzigen Stäubchen, deren Verschiedenartigkeit man
zum Theil erkennen kann, über deren mineralische Beschaffenheit sich
aber weiter nichts aussagen lässt. Leider ist es auch nicht möglich, die
74
für genetische Verhältnisse wichtige Frage zu entscheiden, ob vielleicht
in dein Thon, wenigstens in den nicht metamorphosirten Kalkgesteinen,
organogene freie Kieselsäure in feinster Vertheilung vorhanden ist.
34. Eisenhydroxyd als Brauneisenstein und vielleicht in manchen
Fällen Eisenglanz ist in den Botletle-Gesteinen meist nur spärlich vor-
handen; seine Menge variirt selbst im einzelnen Handstück, so dass auch
einmal kleine Stellen mit reinem Eisen-Bindemittel neben sonst anders
beschaffenem Bindemittel Vorkommen können. Tritt Brauneisenstein in
etwas grösserer Menge auf, so liebt er es, die Quarz-Sandkörner zu um-
hüllen, oder er erscheint in Fetzen zwischen Chalcedon- oder Calcitkörnern.
Als vorherrschendes Gement im Eisen-Sandstein wird das Brauneisenerz
im Dünnschliff mit kräftig rothbrauner Farbe durchscheinend; durch
chemische Analyse wurde in solchem Brauneisenerz eine nicht unbeträcht-
liche xMenge von Kieselsäure nachgewiesen, die im Dünnschliff nicht als
solche hervortritt. Nur selten erscheint Eisenhydroxyd als jüngste Ab-
lagerung in Poren der Gesteine.
35. Bei der Entstehung der Botletle-Gesteine hat sich augenschein-
lich zuerst dichter Kalkspath als Bindemittel oder als Gestein gebildet,
der also aus allerwinzigsten, kaum unterscheidbaren Körnchen von Calcit
besteht. Auch bei aller Umänderung bleibt der Kalk immer doch noch
mikroskopisch feinkörnig, namentlich treten in diesen jungen Gesteinen
niemals so grosse, von anderen Gesteinsgemength eilen, erfüllte Calcit-
individuen auf wie in den älteren Kalksteinen der Ngami-Schichten. Sehr
bald ist in den Botletle-Gesteinen der dichte Kalk theilweise bis ganz
krystallinisch geworden, d. h. die Componenten des Calcitaggregates sind
so gross geworden, dass sie mikroskopisch einzeln deutlich unterschieden
werden können. Diese Erscheinung zeigt sich ja in unendlich vielen
makroskopisch dichten Kalksteinen; hier in den Botletle-Gesteinen ist es
besonders beachtenswerth, dass bei dem Krystallinischwerden des Kalkes
öfter runde dichte Partien von geringem Durchmesser übrig bleiben, die
dem Dünnschliff eine scheinbar oolithische Structur verleihen können oder
Anlass geben, organische Gestalten wie etwa Foraminiferen zu vermuthen.
Man kann behaupten, dass dieser Vorgang des Krystallinisch werdens
des Calcites erst durch ähnliche Beagentien bewirkt worden ist, wie sie
auch bei der Dolomitisirung in Frage kommen. Abgesehen davon, dass
der Dolomit stets mikroskopisch-körnig, nicht dicht, erscheint, besteht
kein durchgreifendes Kennzeichen, das gestattete, Calcit von Dolomit
u. d. M. zu unterscheiden; allenfalls ist noch für Dolomit charakteristisch
das Vorkommen einer äusserst gleichmässigen, mikroskopisch feinkörnigen
Structur in grösseren Partien. Recht sonderbar ist beim Calcit wie beim
Dolomit das Auftreten einer Structur, die ich nicht besser denn als
„plastisch“-körnig bezeichnen kann; die einzelnen Körner heben sich deut-
lich von einander ab, sie scheinen alle rundliche Conturen zu besitzen,
und doch steckt zwischen ihnen keine andere Substanz als eben wüeder
Carbonat. Haben nun solche Körner des Aggregates nicht kugelige, sondern
etwa walzenförmige Gestalt, so erscheint eine Structur, die man nur als
ein Geflecht bezeichnen kann. (Vergl. hierzu die Abbildung eines solchen
völlig verkieselten Geflechtes Taf. 111, Fig. 1).
Mit dem Krystalliniscliwerden des Calcites und andererseits mit seiner
Umwandlung in Dolomit geht Hand in Hand die Bildung von schlecht
bis sehr gut und scharf ausgebildeten Rhomboeder dien von mikro-
75
skopischen Dimensionen, die aber auch gelegentlich relativ gross werden
können. Rhomboeder von Calcit und von Dolomit sind u. d. M. nicht
von einander zu unterscheiden; es kann auf Zufall beruhen, dass
in den untersuchten Gesteinen nur von Dolomit Rhomboeder auftreten,
die durch einen Kern und zum Theil durch Anwachszonen ausgezeichnet
sind. Poren und Thon sind hier wohl die die Structur verursachenden
Elemente. Solche Rhomboeder mit Kern kommen vereinzelt vor, oder sie
bilden auch die Hauptmasse, des Gesteins, wie in dem der Abbildung
Taf. III, Fig. 5 zu Grunde liegenden Vorkommniss von der Pfanne Garu,
nordwestlich von Garn.
Die Dolomitisirung kann eine im Dünnschliff hervortretende scheinbar
brecciöse Structur erzeugen.
Wird der Calcit oder Dolomit in Chalcedon umgewandelt, so bleiben
bisweilen sehr charakteristische fetzenartig zerrissene und zerlappte Par-
tikeln davon übrig, die im Chalcedon regellos vertheilt die eingetretene
Verkieselung ganz besonders leicht kenntlich machen. Solche „Relicte“
von Carbonat können aber auch mehr geschlossene Formen, wie die rund-
licher oder gestreckter Körner besitzen. E. Geinitz hat in seiner Ab-
handlung „Studien über Mineralpseudomorphosen“ im Neuen Jahrbuch
für Mineralogie 1876, S. 449 bei der Beschreibung der Pseudomorphosen
von Chalcedon nach Kalkspath die Auffassung vertreten, dass solche
Partikeln von Kalkspath dort doch eine Neubildung seien. Ich glaube
auch, dass die Relicte nicht direct die Reste des ehemaligen Calcites
sind ohne Umwandlung oder Umlagerung der Molekeln etwa; aber die
Substanz des Carbonates ist eben nicht von aussen hinzugeführt worden,
sondern ein Rest des Carbonates, das sonst in Chalcedon pseudomorphosirt
ist. Dass aber das Carbonat auch gewiss in molekularer Umlagei“ung im
Chalcedon erscheint, geht schon daraus hervor, dass Calcit und Dolomit
auch in kleinsten Partikeln und auch in winzigen Rhomboedern im Chal-
cedon auftreten.
Als secundär kann derjenige Kalkspath bezeichnet werden, der in
kleinen Adern und öfters das Centrum von Poren ausfüllend auftritt; er
erscheint meist in viel grösseren Körnern, als in der Gesteinsmasse selbst.
36. Die Erscheinungsweise des Chalcedon s und anderer Modifica-
tionen der Kieselsäure, die als Stoff der Verkieselung und der Einkiese ^
lung auftritt, ist dieselbe in allen Gesteinen der nördlichen Kalahari,
welchem Niveau sie auch angehören. Es ist deshalb zweckmässig, an dieser
Stelle zusammenfassend Alles anzugeben, was über die Substanz, die im
Allgemeinen als Chalcedon zu bezeichnen ist, auszusagen ist. Die Kiesel-
säure tritt auf als amorpher Opal, als Chalcedon, als Quarz, aber mit so
allmählichen Uebergängen, dass es oft nicht möglich ist anzugeben, ob die
vorliegende Substanz noch Opal oder schon Chalcedon, ob sie noch Chal-
cedon oder schon Quarz zu nennen ist. Man könnte wohl behaupten,
dass sich amorpher Opal bei schnellem Absatz der Kieselsäure bildet,
Chalcedon bei langsamerem und endlich Quarz bei sehr langsamer Zufüh-
rung der Kieselsäure in stärkerer Verdünnung. Aber abgesehen davon,
dass sich auch ein verschiedener Intensitätsgrad der Metamorphosirung
der Gesteine geltend macht, so möchte man in manchen Fällen Andeu-
tungen dafür finden, dass Opal im Laufe der Zeit in Chalcedon, der Chal-
cedon in Quarz übergehen kann durch Umlagerung der Molekeln und durch
76
Ausstossung der Wasser-Molekeln. Meines Wissens kennt man bisher weder
(3pal noch Chalcedon, von dem sich nach weisen Hesse, dass er älter ist,
als etwa die obere Kreideformation.
In den Gesteinen der nördlichen Kalahari findet sich mehrfach der
Chalcedon auch in grösseren Massen und grösseren Stücken; vielfach er-
scheint er in den Gesteinen, kleine Poren und zum Theil kleine Spalten
und Schmitze fast oder ganz erfüllend. Ist er nur aligemein fein vertheilt
im Gestein vorhanden, dann verleiht er demselben meist, nicht immer,
einen bald schwächeren bald stärkeren Glasglanz auf frischen Bruchflächen;
welche Varietät von Kieselsäure dann aber in dem Gestein enthalten ist,
lässt sich makroskopisch nicht bestimmen.
37. Die Kieselsäure tritt seltener auf als meist wasserklarer Opal
oder Hyalit, vollkommen isotrop auch in den besten Präparaten und bei
stärkster Beleuchtung. Entweder findet sich der Opal in Säumen- von etwa
0,01 bis 0,02 mm Breite um Sandkörner und andere Bestandtheile der Ge-
steine sich herumschmiegend, oder in kleinen unregelmässig gestalteten
Partien. Die Säume von Opal sind entweder ganz homogen oder aus
einzelnen feinsten Lagen zusammengesetzt, die sich mehr oder minder
deutlich von einander abheben. Die Trennung einzelner Lagen von Opal
von einander wird wohl durch Anhäufungen winzigster Poren verursacht.
Im auffallenden Lichte glaubt man auch sonst eine Trübung des Opals
auf Poren zurückführen zu können; ist die Trübung stark, dann liegt keine
Möglichkeit mehr vor zu entscheiden, ob die Masse noch isotrop ist. In
(len unregelmässig gestalteten Partien von Opal, die z. B. mitten in anderer
Kieselmasse liegen, sieht man ihn namentlich bei starker Vergrösserung
von feinen Linien, wohl von Sprüngen durchzogen: der Opal zeigt körnigen
Zerfall, wie man sich ausdrücken kann. Die Abbildung Taf. II, Fig. 5 zeigt
namentlich in ihrer mittleren Partie die Erscheinung sehr deutlich; die
AbbildungTaf.il, Fig. 6 zeigt dieselbe Stelle zwischen gekreuzten Nicols: der
Band der Opalmasse hat ziemlich kräftige Doppelbrechung und Zerfall in
faserige Bestandtheile, während im zerstreuten Lichte isotroper Opal und
sein doppelbrechender Band von einander durchaus nicht zu trennen sind;
letzterer hat sich augenscheinlich im Laufe der Zeit aus dem Opal entwickelt.
Zwischen gekreuzten Nicols zeigen die Säume von Opal bisweilen stellen-
weise auch eine ganz schwache Aufhellung: der Opal ist schwach doppel-
brechend geworden. So kommt es vor, das zwischen völlig isotropen Lagen
von Opal in Säumen sich eine Lage mit schwacher Doppelbrechung ein-
stellt, ein üebergang von Opal in Chalcedon. Auch sonst kann man Massen
von Kieselsäure finden, die zwar die Structur des gemeinen Chalcedons
besitzen, aber nur sehr schwache Doppelbrechung aufweisen. Dazu ge-
hören ferner Massen von fein vertheilter Kieselsäure, die erst in entkalkten
Dünnschliffen zum Vorschein kommen und in Bezug auf ihr optisches Ver-
halten erst geprüft werden können, wenn der entkalkte Schliff mit Canada-
balsam bedeckt wird. Solche Kieselmassen bleiben aber auch dann noch
oft schwer mit Sicherheit erkennbar, während im einfachen Dünnschliff
eines zum Theil verkieselten Kalksteins gar nichts von ihnen zu sehen ist.
38. Diese schwach doppelbrechende Kieselsäure führt vom Opal hin-
über zu dem Chalcedon, der zunächst einmal in seiner typisch faserig-
büscheligen Aushildungsweise auftritt. Da es sich fast immer um kleine
Bäume handelt, in denen der Chalcedon sich ablagern konnte, so sind seine
Fasern auch niemals so lang, wie manchmal in den grossen Cbalccflon-
77
masseii in grossen Drusen und auf Klüften. Kugelförmige Aggregate,
manchmal etwas grösser, meist recht klein, mit gutem, scharfem Inter-
ferenzkreuz, wurden nur ausnahmsweise beobachtet. Meist erscheint der
faserige Chalcedon in Büscheln, also körperlich in Kegeln, die in bekannter
Weise neben einander zu Lagen angeordnet sind. Auffällig war nur das
Auftreten von isolirten Chalceclonkegeln von kräftiger Doppelbrechung mitten
in völlig amorphem Opal. Auch hier, vergleiche die Abbildung Taf. IV, Fig. 1,
erhält man durchaus den Eindruck, dass sich der Chalcedon secundär im
Opal entwickelt hat.
Die Büschel von Chalcedon gruppiren sich auch in schmäleren bis
breiteren Säumen, die oft im zerstreuten Licht durchaus nicht von Opal
zu unterscheiden sind; sie zeigen sich auch ebenso aus z. B. 6 bis 8 Lagen
aufgebaut wie der Opal. Ein solcher Chalcedon mit durch die Büschel
hindurchgehenden Lagen ist dann also gleich dem Achat in mikroskopischem
Massstabe. Man kann hier also etwa den Ausdruck Mikroachat verwenden.
Als ein üebergang von Chalcedon in Quarz ist es dagegen anzusehen,
wenn ein zwischen gekreuzten Nicols feinfaserig und stark divergent-
strahlig erscheinender Chalcedon sich im zerstreuten Licht aus 12 bis
14 Lagen aufgebaut erweist, die durch allerfeinste Linien von einander
getrennt sind von zackigem, Krystallspitzen entsprechendem Verlauf wie
beim Festungsachat oder beim Amethyst (vergl. hierzu E. Geinitz 1. c.).
Ausser dem feinfaserigen Chalcedon erscheint nun aber auch mehr
oder minder grobstengeliger Chalcedon, bei dem die Stengel noch
ebenso nach einem Centrum convergiren wie beim feinfaserigen, während
man doch schon leichter die einzelnen Constituenten des Aggregates von
einander unterscheiden und um so leichter in ihrem optischen Verhalten
prüfen kann, je gröber — immer in mikroskopischem Massstabe — - sie
sind. Da zeigt sich denn, dass die einzeln unterscheidbaren Stengel eine
undulöse Auslöschung zwischen gekreuzten Nicols besitzen, als wären sie
aus nicht erkennbaren, submikroskopischen Faserbüscheln aufgebaut. In
anderen Fällen kann man aber bei den einzelnen Chalcedonstengeln auch
ganz homogene Auslöschung constatiren.
39. Querschnitte solchen grobstengeligen Chalcedones erscheinen im
Dünnschliff als grobkörniger Chalcedon; doch dürfte auch wirklich
Chalcedon Vorkommen, der aus Aggregaten von gröberen Körnern, nicht
aus Stengeln besteht. In sehr auffälliger Weise sind in solchem grob-
körnigen Chalcedon die Grenzen der Körner im zerstreuten Lichte oft
gar nicht oder nur mit Mühe zu erkennen. Die einzelnen Körner löschen
undulös oder homogen aus; in letzterem Falle ist immer noch ein Unter-
schied von Quarz festzustellen, erstens durch das Vorkommen von
charakteristischen Einschlüssen, wie sie in anderen Arten des Chalcedon s
auftreten, zweitens durch die schwächere Lichtbrechung des Chalcedons
im Verhältniss zum Quarz. Aber alle solche Kennzeichen können auch
völlig versagen; es giebt keine scharfe Grenze zwischen einem körnigen
Chalcedon-Aggregat und einem Quarzkorn-Aggregat. Ich habe mich im
Laufe der Untersuchung mit den Ausdrücken „fast Opal“ und ,,fast Quarz“
für solche Uebergangsstufen zu behelfen versucht, möchte aber diese un-
beholfenen Ausdrücke nicht weiter verwenden. Dass aber auch „echter“
Quarz als Endglied der ganzen Reihe erscheint, ist ganz unzweifelhaft.
40. In ziemlich bedeutendem Gegensatz gegen den mikroskopisch
grobkörnigen Chalcedon steht der ganz feinkörnige Chalcedon. Mit
78
recht grosser Sicherheit kann man behaupten, dass bei der Umwandlung
von Carbonspath in Kieselsäure eine Beimengung von Thon die Heraus-
bildung von klarem, deutlich faserigem oder stengeligem Chalcedon ver-
hindert. Es tritt dann der Chalcedon in zum Theil äusserst feinkörnigen
Aggregaten auf, deren Elemente wahrscheinlich kleinste Büschel sind.
Solche Massen können scheinbar, in Folge der Dicke der Präparate, eine
sehr schwache Einwirkung auf polarisirtes Licht aufweisen. Wo aber die
Körnchen bei starker Vergrösserung noch gut prüfbar sind, zeigt sich
ausnahmslos ungleichmässige undulöse Auslöschung. Im zerstreuten Licht
können Stellen von recht feinkörnigem und dabei reinem Chalcedon eine
gewisse Aehnlichkeit mit Tridymit-Aggregaten haben, ohne dass dabei
natürlich an wirklichen Tridymit zu denken ist.
41. Opal und Chalcedon können sich unmittelbar mit scharfer Grenze
an die Quarz-Sandkörner ansetzen. Nicht selten aber schliesst sich die
neu hinzugeführte Kieselsäure als Quarz mit paralleler Lagerung der
Molekeln an die vorhandenen Quarzkörner an, diese ausheilend. Da
kann dann eine Lage um die Quarzkörner vorhanden sein, die gegen diese
genau dieselbe Auslöschungsrichtung, genau dieselbe Stärke der Doppel-
brechung besitzt, während sie nach aussen hin in Körner mit undulöser
Auslöschung, in Chalcedon- Aggregate übergeht. In anderen Fällen tragen
die Quarz-Sandkörner eine dünne Hülle von unzählig vielen Krystallspitzen
in der Richtung der Hauptaxe, von kurzen geradlinig begrenzten Theilchen
in der Prismenzone; es haben sich also viele authigene Subindividuen an
(las allothigene Quarzkorn angesetzt, und das optische Verhalten zeigt
auch hier, dass die Substanz wirklich Quarz, nicht Chalcedon ist. Die
Abbildung Taf. II, Fig 4 zeigt solche Krystallspitzen an dem Korn in der
Mitte in besonders grossem Massstabe.
Recht interessant ist eine Erscheinung in dem einzigen Krystall-
Sandstein zu nennenden Gestein der Botletle-Schichten vom Massarwa-
Thal an der Südseite des Ngami-Sees. Hier sind alle Quarze mehr oder
minder gut mit gleichmässigen Conturen zu Krystallen ausgeheilt, aber
der ausheilende Quarz zeigt oft gekrümmte Anwachsstreifen etwa
parallel den Conturen des Sandkornes im schärfsten Gegensatz gegen den
oben erwähnten stark divergent- büscheligen Chalcedon mit zackig gerad-
linigen Anwachsstreifen. Die Abbildung Taf. IV, Fig. 4 zeigt diese nur
bei gewisser Beleuchtung hervortretenden Anwachsstreifen auf das Deut-
lichste. Das Quarz -Sandkorn und die ausheilende Krystallspitze zeigen
genau dieselbe Interferenzfarbe und völlig homogene Auslöschung zwischen
gekreuzten Nicols; die Sichtbarkeit der Anwachsstreifen muss auf mini-
malen Unterschieden beruhen. Aber macht nicht das Ganze wieder den
Eindruck, als wäre der ausheilende Quarz einst als amorpher Opal ab-
gelagert worden?
42. Der Chalcedon ist öfters feinporös, denn wohl nur als Poren
sind die feinsten Pünktchen zu deuten, die im auffallenden Licht weiss,
im durchfallenden dunkel erscheinen. Recht charakteristisch für den
Chalcedon ist es auch, dass feinere und gröbere Poren in Flocken, an
Stellen in grösserer Anzahl erscheinen. Relativ grosse Poren sind aus-
gezeichnet durch ihre unregelmässigen eckigen Conturen, wodurch sie sich
lebhaft auch von den am sonderbarsten gestalteten Poren z. B. in Granit-
Quarzen unterscheiden. Durch eine grosse Anzahl winziger Poren wird
der Chalcedon im auffallenden Licht milchig weiss, eine Erscheinung, die
79
nur selten beobachtet wurde. Die Armutb oder der Reicbthum an ver-
schiedenartigen Poren in wesentlich aus Chalcedon bestehenden Massen
kann die Ursache einer makroskopisch im Hand stück wie im Dünnschliff
auffallenden Fleckigkeit sein.
4B. In den verschiedenen Gesteinen der nördlichen Kalahari zeigt sich
die authigene Kieselsäure bald nur in einer einzigen Ausbildungsweise, bald
in mehreren Varietäten, die meist wie verschiedene Generationen nach
einander zur Ablagerung gelangt sind. Diese verschiedenen Folgen von
,, Chalcedon“, wie wir kurz sagen wollen, können durch scharfe Grenzen
von einander geschieden sein; sie können aber auch in schnellem Ueber-
gang mit verschwimmenden Grenzen mit einander verbunden sein. Die
Grenzen sind dann manchmal im zerstreuten Licht, manchmal gerade
zwischen gekreuzten Nicols verschwommen; es tritt z* B. der Fall ein, dass
eine im zerstreuten Lichte ganz homogene Masse im polarisirten Lichte
in einen Kern von völlig amorphem Opal und eine Rinde von kräftig polari-
siren dem Chalcedon zerfällt, vergl. oben S.76 und Taf.II, Fig.5 und 6. Solche
Erscheinungen geben immer wieder der Vorstellung Nahrung, dass die
einzelnen Varietäten des Chalcedons auch im Laufe der Zeit in einander
übergehen können in der Richtung auf Entstehung von Quarz. Unzweifel-
haft aber ist hier der oft so schnell zu Hülfe herbeigezogene Gebirgsdruck,
die sogenannte Dynamometamorphose, ganz unschuldig an undulöser Aus-
löschung des Quarzes. Es liegt dann eben kein Quarz vor, sondern ein
dem Quarz nahekommender Chalcedon. Aeltere Ereiberger Geologen haben
z, B. von wasserhaltigem Quarz auf den Erzgängen gesprochen; neuere
Untersuchungen liegen darüber noch nicht vor.
Eür die Verbindung der Varietäten des Chalcedons unter einander
wäre noch die ziemlich häufige Erscheinung zu erwähnen, dass grössere
Partien von feinkörnigem Chalcedon von einem unregelmässigen Netzwerk
von grobkörnigerem durchzogen zu sein pflegen.
44. Die bisher besprochenen Verhältnisse beziehen sich auf reinen und
farblosen Chalcedon. Es kommt daneben, aber doch seltener, auch ein
homogener lichtgelb gefärbter Chalcedon vor, der z. B. auch klein-
körnig und dabei mit tridymitähnlichem Habitus erscheinen kann. Ge-
wöhnlicher ist das Vorkommen einer gelblichen, faserig-streifigen Masse,
die doch auch Chalcedon, von einer Spur von Eisenoxyd gefärbt, sein muss.
In diesem Chalcedon sind niemals Büschel von Fasern vorhanden, die
faserigen Elemente sind vielmehr in verschiedener Weise mit einander ver-
flochten, meist mit striemig-streifiger Anordnung; einzelne Fasern treten
beim Drehen des Präparates zwischen gekreuzten Nicols in verschiedenen
Richtungen besonders hell hervor, und doch kann man im zerstreuten Lichte
auch bei starker Vergrösserung und guter Beleuchtung keine fremden Ele-
mente unterscheiden. Eisenhaltig ist die Substanz gewiss, ob auch noch
andere chemische Bestandtheile darin vorhanden sind, lässt sich nicht
entscheiden.
45. Dagegen tritt auch wirklich Sericit, winzige Partikelchen eines
faserigen Glimmers, als Verunreinigung des Chalcedons auf; er ist recht
wohl von den Theilchen des Chalcedons zu unterscheiden, doch muss der
Nachweis der Sericit-Natur dieser Elemente auf weiter unten verschoben
werden. Thon als Verunreinigung des Chalcedons ist als solcher
u. d. M. nicht erkennbar, es sind nur Vermuthungen über seine gelegent-
liche Anwesenheit möglich. Dagegen ist im Chalcedon stets leicht zu er-
80
keimen jedes auch noch so winzige Partikelchen von Calcit oder Dolomit. .
Diese liegen in allen Arten der authigenen Kieselsäure vom amorphen Opal
bis zum Quarz. Sehr oft haben dabei Calcit und Dolomit die Form von
mehr oder minder scharfen ßhomboedern. Chalcedon und Carhonspäthe
erscheinen in allen Zwischenstufen gemischt vom reinen Chalcedon bis
zum reinen Carbonspatb. Herrscht aber der Carbonspath stark vor,
dann ist der Chalcedon u. d. M. oft schwer aufzufinden; erst in dem
Lösungsrückstande findet man dann höchst charakteristische Chalcedon-
skelette, die lebhaft an Lithistiden- Skelette erinnern können. Seltener wurde
im Lösungsrückstande der Chalcedon in faserig-zackigen porösen Aggre-
gaten gefunden; auch das seltene Vorkommen von einzelnen an die Quarz-
Sandkörner angewachsenen Fasern und Zacken von Chalcedon konnte nur
im Lösungsrückstande nachgewiesen werden.
46. Eine besonders beachtenswerthe Erscheinungsweise des Chalcedons
ist nun noch das Vorkommen von Pseudomorphosen von Chalcedon
nach Calcit oder Dolomit in mehr oder minder scharfen Rhomboedern
von mikroskopischen Dimensionen im Gesteinsgewebe. Dabei kann der
Chalcedon auftreten als feinkörnige Masse, mit faserig-büscheliger Structur,
körnig mit undulöser Auslöschung der einzelnen Körner, endlich als ein-
heitliches Korn mit homogener Auslöschung, also quarzähnlich. Diese
Pseudomorphosen sind oft wesentliche Hülfsmittel für die Erkennung der
eingetretenen Verkieselung, sie werden daher noch mehrfach bei den Ge-
steinen der einzelnen Schichtensysteme zu erwähnen sein. Es mag hier nur noch
auf die Abbildungen Taf. III, Eig. 5 und Taf. IV, Fig. 3 hingewiesen werden.
47. In der Mehrzahl der mikrochemisch untersuchten Gesteine der
Botletle- Schichten zeigte sich beim Auflösen derselben in verdünnter Salz-
säure ebenso ein Gehalt an organischer Substanz wie im Kalahari-
Kalk. Es scheiden sich beim Auflösen leichte Flocken von heller Farbe
ab, die sich in der Lösung meist schnell zu Boden setzen, weil sie Thon
enthalten. Bei einigen Gesteinen, die sich leicht schon in kalter verdünnter
Salzsäure lösen, wurde im Lösungsrückstand die organische Substanz auch
als eine Hülle um Quarz -Sandkörner vorgefunden. Die Verbrennbarkeit
der Flocken und damit ihre Natur als organische Substanz weist man am
leichtesten nach, wenn man den Lösungsrückstand im Uhrglas mit Alkohol
auswäscht und die feuchte Masse, in der die Flocken doch zu oberst liegen,
anzündet; beim Abbrennen des Alkohols verglimmen dann die Flocken mit
einem Ueberrest von Thon. Solche organische Substanz, dem Gewichte
nach offenbar eine sehr geringe Menge, kommt sowohl in kalkigen wie in
dolomitischen, in den härtesten wie in mürberen Gesteinen vor.
Die Schalen von Gastropoden, die in einigen wenigen Gesteinen
vorhanden waren, sind für die vorliegende Untersuchung weiter nicht von
Bedeutung; verkieselte Schalen wurden nicht gefunden.
Es mag noch an dieser Stelle erwähnt werden, dass Chlornatrium
in einem mürben Sandsteine chemisch in reichlicher Menge nachgewiesen
werden^, konnte in Uebereinstimmung mit der Angabe des Herrn Dr. Pas-
sarge. Sonst wurde nach dem Vorhandensein etwa von Spuren von Na CI
als ziemlich selbstverständlich gar nicht erst gesucht.
D. Structur.
48. Bei der Entstehung von Sandsteinen aus Ablagerungen von lockerem
Sande spielt das sogenannte Poren vol um cn der letzteren eine bedeutende
81
Rolle. Die leeren Räume zwischen den Sandkörnern werden hei der Ent-
stehung?, der Sandsteine oft durch ein besonderes Bindemittel ausgefüllt,
dessen Menge dem Rauminhalt nach z. B. also gleich dem des Porenvolumens
des abgelagerten Sandes sein kann. Da aber ein fester Sandstein immer
noch porös sein kann, so empfiehlt es sich, bei der Beschreibung der
mikroskopischen Structur von Sandsteinen den Unterschied festzuhalten
zwischen Interstitien und Poren. Interstitien mögen die Räume zwischen
den einzelnen allothigenen gröberen und feineren Körnern der Sandsteine
und ähnlicher Gesteine genannt werden im Gegensatz zu den Poren, die
bei der Verfestigung der Sandsteine in den Interstitien unausgefüllt übrig
bleiben können. Im lockeren Sand ist also das Interstitialvolumen gleich
dem Porenvolumen; es nähert sich dem möglichen Maximum umsomehr,
je gleichmässiger gross und je mehr kugelförmig die allothigenen Körner
sind. Im festen Sandstein kann nun aber das Volumen des Bindemittels
grösser sein, als das Interstitialvolumen des primären körnigen Sedimentes
zum Beispiel schon dadurch, dass mit den Quarz-Sandkörnern zugleich
Kalkschlamm in grosser Menge zum Absatz gelangte. In einem sandreichen
Kalkstein ist also nach der hier vorgeschlagenen Nomenclatur das Binde-
mittelvolumen, das Interstitialvolumen sehr gross.
Für die Sandsteine der Botletle-Schichten ist es nun in hohem Grade
charakteristisch, dass in allen Vorkommnissen, sowohl von Kalk- und
Dolomit-Sandsteinen, wie in den verkieselten Sandsteinen und in den
Chalcedon-Sandsteinen, das Interstitialvolumen sehr gross ist. Dieses Ver-
hältuiss zeigt sich in einfachster Weise darin, dass die Sandkörner sich
in den Gesteinen im Allgemeinen, einzelne Punkte natürlich ausgenommen,
nicht berühren, sondern Bindemittel zwischen sich haben. Man kann das
Verhältniss nur ungenau so ausdrücken, dass man sagt, das Bindemittel
herrsche vor den Sandkörnern vor; das kommt auch vor, aber eben nur
dann, wenn das Interstitialvolumen ganz besonders gross ist, eine Er-
scheinung, die bei den Botletle-Sandsteinen, die in mehr oder minder
reine Kalksteine oder Dolomite übergehen, natürlich auch vorkommt.
Porös aber sind die Sandsteine der Botletle-Schichten wohl in allen
Fällen nur dadurch geworden, dass bei der Verkieselung ein Theil des
Gementes weggeführt wurde und dass bei der Einkieselung Theile der
Interstitien unausgefüllt blieben.
49. Bei der Besprechung von Kalkspath und Dolomit in 35. ist schon
die Structur der zu dem Typus der sandigen Kalksteine gehörigen
primären Calcitgesteine und ihrer mehr oder minder dolomitisirten
Varietäten genügend mit berücksichtigt worden, da die allothigenen Sand-
körner, regellos vertheilt und wie im vorhergehenden Abschnitt erwähnt
sich niemals berührend, keine weiteren allgemein beachtenswerthen
structurellen Erscheinungen verursachen. Nur das mag noch erwähnt
werden, dass in einigen wenigen Vorkommnissen die Sandkörner zunächst
von radial gestellten kurzen Stengeln von Kalkspath umgeben werden, die
bei der^liUmkrystallisation des Kalkcementes diese Anordnung erhalten
haben. Solche Calcitsäume haben eine grosse Aehnlichkeit mit Chalcedon-
säumen.
Die dolomitischen Gesteine haben keine wesentlich andere Structur
als die Calcitgesteine.
In den verkieselten Gesteinen erscheint der Chalcedon in den
Dü 11 11 schliffen an der Stelle der Carbonspäthe, er hat sie verdrängt. Man
82
möchte mit einem etwas krassen aber doch bezeichnenden Ausdruck sagen,
in manchen Fällen hat der Chalcedon den Carbonspath aufgefressen.
Man findet kleine Partien von reinem Chalcedon, die sich nach aussen
in die Carbonspäthe verlieren; diese Partien sind in anderen Vorkomm-
nissen grösser, in einigen wenigen ist eine völlige Verkieselung eingetreten;
in letzterem Falle kann nur die Structur des Chalcedons, der Vergleich
mit nur stark verkieselten Gesteinen die Auffassung rechtfertigen, dass
man es mit verkieselten und nicht mit eingekieselten Gesteinen zu thun
hat. Bei der Verkieselung bleiben bald Relicte von Carbonspath übrig,
bald vermisst man sie. Im ersteren Falle kann sich auch eine völlige
Umlagerung der Carbonate einstellen, und das Bindemittel eines solchen
Gesteins ist dann, vielleicht nur an einzelnen Stellen, ein sehr feinkörniges
und schwankendes Gemisch von Calcit- (Dolomit-) Körnchen und Chalcedon-
körnchen, das unter dem Mikroskop schwer, aber doch noch an den
dünnsten Rändern der Präparate auflösbar ist; die bedeutenden Unter-
schiede in der Doppelbrechung erleichtern die Trennung der beiden Sub-
stanzen. Ist aber nur wenig Chalcedon gleichmässig im Carbonspath-
gemenge vertheilt, dann wird man ihn durchaus nur im Lösungsrückstand
in skelettartig durchbrochenen Partikeln, selten in zackigen Aggregaten
auffinden.
Wo der Chalcedon in grösserer Partie sich dem Carbonspath nähert,
da löst sich letzterer meist in einzelne Körnchen auf, von denen dann
einige schon ganz in Chalcedon eingebettet sind, während andere noch
mit der primären Carbonatmasse direct Zusammenhängen, dabei aber eine
etwas andere Form aufweisen als die Körnchen der letzteren. Gar nicht
selten ragen von den unumgewandelten Carbonatpartien Krjstallspitzen
in den Chalcedon hinein; Calcit und Dolomit sind auch in diesen Krystall-
spitzen nicht von einander zu unterscheiden, und namentlich ist es sicher
nicht blos der Dolomit, der solche Spitzen bildet.
Solche Structuren lehren, dass bei der Verkieselung erst der Carbon-
spath molekulare Umlagerung erleidet und dann in Chalcedon pseudo-
morphosirt wird. Dieser Verlauf wird noch dadurch nachgewiesen, dass
— in den Botletle-Gesteinen allerdings nur ausnahmsweise — auch Pseudo-
morphosen von Chalcedon in scharfer Rhomboederform auftreten, und
dass ferner auch Partien mit so auffälliger Structur wie die eines
.,plastisch“-körnigen Calcit-Aggregates völlig in Chalcedon metamorphosirt,
man darf sagen pseudomorphosirt worden sind.
50. In den verkieselten Botletle-Gesteinen erscheint in den einzelnen
Vorkommnissen meist nur eine Art von Chalcedon, und zwar fein- bis
feinstkörniger. Dieses Verhältniss erleichtert auch die Erkennung der
Verkieselung in völlig verkieselten Gesteinen. In anderen Vorkommnissen
können sich auch zwei Generationen von Chalcedon zeigen, die durch
ihre Korngrösse oder durch ihre Einschlüsse von einander verschieden
sind. So findet sich öfters ein stark poröser Chalcedon zunächst um die
Quarzkörner, ohne aber dass diese regelmässig oder ganz von ihm um-
hüllt werden. Man muss sich beiläufig bemerkt hüten, solchen im auf-
fallenden Lichte weissen, im durchfallenden Lichte trüben Chalcedon mit
einem Chalcedon-Calcit-Gemisch zu verwechseln. In den Chalcedonmassen
kann man auch Opal im Centrum derselben finden, oder es liegen um-
gekehrt doppelbrechende Chalcedonpartien im Opal; die Structuren sind
eben so verschieden, dass eine erschöpfende Beschreibung nicht gegeben
83
werden kann. Aber niemals finden wir in den verkieselten Gesteinen
scharfe Säume von Clialcedon- Varietäten um die Sandkörner; treten diese
doch gelegentlich in irgend einer Weise in geringer Menge auf, dann muss
man hier ausser der Verkieselung auch noch eine später eingetretene Ein-
kieselung annehmen; zeigt es sich doch, dass bei der Verkieselung grössere
Poren im Centrum der Interstitien übrig bleiben können.
Dadurch, dass die Verkieselung meist von einzelnen wenig von ein-
ander entfernten Punkten ausgeht, kann ein ganz oder stark verkieseltes
Gestein ein kleinfleckiges Aussehen erlangen, das im Handstück entfernt
an oolithische Structur erinnert. Auch ein an Brauneisenerz reiches,
wahrscheinlich aber dabei auch stets kieselhaltiges Bindemittel stellt sich
öfters in kleinen Partien, Flecken erzeugend, ein.
Es ist noch besonders hervorzuheben, dass verschiedene Structuren
in verkieselten Gesteinen neben einander Vorkommen. So zeigte ein halb-
verkieselter, stark dolomitischer Kalk-Sandstein von Pompi am Botletle
in einem und demselben mikroskopisch stark fleckigen Präparat folgende
drei verschiedene Ausbildungsweisen des Bindemittels: 1. dichter Carbon-
spath (Calcit?) mit Chalcedon im Centrum; 2. Chalcedon mit Carbonspath
(Dolomit?) im Centrum; 3. sehr feinkörniges schwankendes Gemisch von
Chalcedon und Carbonspath.
51. Bei ungefähr dem vierten Theile aller Botletle-Gesteine, die von
Carbonspäthen völlig frei sind, waren die Erscheinungen der Verkieselung
nicht nachweisbar; ihr Kieselcement muss durch Einkieselung entstanden
sein. In diesen Gesteinen, Typus der Chalcedon-Sandsteine, erscheinen in
buntem Wechsel alle Arten von Kiesel vom amorphen Opal bis zum ,, echten“
Quarz und zwar meist zwei Arten zugleich; einartige Kieselmasse kommt
nur ausnahmsweise vor. Charakteristisch für die eiugekieselten Gesteine
ist das häufige Vorkommen von Säumen um die Sandkörner und zwar, wie
hervorgehoben werden muss, um alle Sandkörner einzeln, wie das die Ab-
bildung Taf. II, Fig. 1 zeigt. Die Säume heben die Quarzkörner oft sehr
scharf von dem übrigen, anders struirten Bindemittel ab und bestehen bald
aus Opal, bald aus verschiedenartigem Chalcedon; eine gesetzmässige Auf-
einanderfolge der Kieselvarietäten ist nicht zu erkennen. Sandkörner mit
Säumen und einem weiteren Kieselcement zwischen sich stellen die genauen
Analoga der Ringel- oder Sphärenerze dar. Zu dieser Erscheinung gehört
auch das Auftreten von ausheilendem Quarz um die Sandkörner in schmaler
continuirlicher Lage oder, aber nur selten, in zahllosen Krystall-Subindi-
viduen. Meist ist die Ausheilung in den Botletle-Gesteinen nur wenig
stark entwickelt, doch steigert sie sich in einem Falle bis zur Heraus-
bildung eines Gesteines vom Massarwa-Thal an der Südseite des Ngami-
Sees, das nach dem mikroskopischen Befunde nur als Krystall- Sandstein
bezeichnet werden kann; in ihm schliessen sich die Quarzkörner sämrntlich
mit Ausheilung polyedrisch an einander wie in einem Quarzit. Die ge-
krümmten Ausheilungszonen wurden oben S. 78 erwähnt. Das Gestein
hat kleine Poren, ist sonst von hohlen bis 1 cm starken unregelmässigen
Röhren durchzogen, zeigt aber keine Spur von Opal oder Chalcedon.
Ein Staub von Eisenhydroxyd im Chalcedon oder eine dünne oder
stärkere Hülle von Eisenhydroxyd um Quarzkörner kommt auch bisweilen
in diesen eingekieselten Gesteinen vor.
52. Die eingekieselten Gesteine sind immer, wie schon aus der oben
S. 73 gegebenen Aufzählung der Varietäten hervorgeht, typische Sandsteine.
84
Das Gement ist niemals in vorherrschender Menge vorhanden, aber aus
dem Vorkommen von Säumen um die Sandkörner geht schon hervor, dass
oft, sogar meist, das Porenvolumen des primären Sandes in den mannig-
faltigsten Abstufungen von dem Interstitialvolumen der festen Sandsteine
übertroffen wird. Bei den zum Vergleich herbeigezogenen Ringelerzen
kann man ja die Entstehung nur so erklären, dass die auskrystallisiren-
den Gangmineralien die Bruchstücke des Nebengesteins allmählich von ein-
ander entfernt haben. Zu derselben Auffassung nöthigt uns auch die
Structur der eingekieselten Botletle-Sandsteine; die fertigen Sandsteine
haben ein grösseres Volumen, als die primären Sandablagerungen. Hier-
nach könnte man erwarten, dass solche Chalcedon-Sandsteine entweder
bald nach der Ablagerung der Sande entstanden sind, oder dass sie vor
der Einkieselung nicht von anderen mächtigen Massen überlagert worden
sind. Ich kann hier leider keine genügende Auskunft geben, da Herr Dr.
Passarge noch nicht in der Lage gewesen ist, meine Bestimmungen der
einzelnen Gesteine mit seinen Beobachtungen in der Kalahari zusammen-
zustellen. Nur soviel weiss ich, dass die eingekieselten Chalcedon-Sand-
steine bisweilen nur Massen innerhalb von lockeren Sandsteinen bilden.
Andererseits werden wir bei den Renaka-Gesteinen, die auch Chalcedon-
Sandsteine sind, eine auffällige Verschiedenheit der Structur finden, die
auf den Druck überlagernder Massen zurückzuführen ist.
53. Breccien und Conglomerate gehören ihrer Zusammensetzung •
und ihrem Vorkommen nach zu einem der bereits besprochenen Typen,
aber sie geben doch noch Anlass zu einer besonderen Erwägung. Mit
Sicherheit kann man zunächst angeben, dass die grösseren Gesteinsstücke
in diesen Gesteinen sowohl bei der Verkieselung als auch bei der Ein-
kieselung in Mitleidenschaft gezogen worden sind. So sind Stücke rothen
Mergelkalkes in ihrer äusseren Partie ärmer geworden an Eisenhydroxyd,
Aederchen von Chalcedon gehen als Fortsetzungen des Bindemittels des
ganzen Gesteins in die grösseren Stücke hinein, Gerölle von Chalcedon-
masse zeigen eine innere concentrische Lage, die im Schliff trübe und
milchig, also porös ist, während die äusserste Partie klarer durchscheinend,
also wohl noch weiter von Kieselmasse imprägnirt ist. Aber eben diese
Gerölle sind doch schon als wenigstens vorherrschend aus Chalcedon be-
stehende Massen zur Ablagerung gelangt. Ferner treten mehrfach Bruch-
stücke von dem älteren Ngami-Kalkstein in den Botletle-G esteinen auf,
die theilweise oder völlig ganz in der Art verkieselt sind, wie es beim
anstehenden Ngami-Kalk vorkommt. Darnach will es scheinen, dass die
Phänomene der Verkieselung und Einkieselung nicht nur in einem Zeit-
räume, nicht nur einmal stattgefunden haben, sondern entweder in meh-
reren Perioden oder längere Zeit hindurch. Es musste doch auch schon
erwähnt werden, dass gelegentlich und in geringerem Masse bei den ver-
kieselten Gesteinen auch die Erscheinungen der Einkieselung, und zwar
diese immer als spätere Phänomene, verkommen. Auch weiter unten werden
noch Verhältnisse zu erwähnen sein, die gleichfalls für zwei Perioden der
Zufuhr von Kieselsäure sprechen. Im vornherein aber kann erklärt werden,
dass eine sichere Entscheidung auch weiterhin nicht möglich sein wird; die
grossen Verschiedenheiten der Structur werden für diese Frage immer wieder
dadurch zum Theil bedeutungslos, dass es sich immer nur wesentlich um eine
Substanz, Kieselsäure, handelt. Ueberdies kommen hier speciellere Altersver-
hältnisse und die genauereLagerung in Betracht, die ich nicht beurtheilen kann.
85
IV, Keiiaka - JSchicliten.
54-. Herr Dr. Passarge sali sich bei seinen Aufnahmen am Südufer des
Ngami-Sees veranlasst, die liegendsten unter den jungen Sedimenten unter
der besonderen Bezeichnung der Renaka-Schichten zusammenzufassen. Die
zunächst darüberliegenden halbverkieselten Dolomit-Sandsteine gehören zu
den Typen der Botletle-Gesteine. Die Gesteine der Renaka-Schichten sind
sämmtlich Chalcedon-Sandsteine, von denen weitaus die Mehrzahl im
Dünnschliff durch die mikroskopische Untersuchung von den Chalcedon-
Sandsteinen der Botletle-Schichten unterschieden werden konnte. Es kommen
als Renaka-Schichten auch mürbe, poröse und also cementarme Sandsteine
vor; diese geben aber weiter keinen Anlass zu besonderen Beobachtungen,
zumal von ihnen auch nur wenige Proben Vorlagen. Wahrscheinlich ent-
halten auch diese cementarmen Sandsteine ihren Zusammenhalt durch
geringe Mengen von Kieselsäure, deren Nachweis u. d. M. kaum mög-
lich ist. Die vorliegenden Sandsteine sind meist sehr spröde und hart,
von gleichmässigem Korn und glasig glänzenden Bruchflächen; viele sind
kleinfleckig mit in einander verschwimmenden Partien von heller bis
bräunlich- violetter Farbe durch verschiedenen Reichthum an Eisenoxyden.
Auch drei echte Breccien lagen von den Renaka-Gesteinen vor; es treten
in ihnen scharfkantige bis suhangulare Bruchstücke von Chalcedon-Sand-
stein in einer reiclilichen Grundmasse von Chalcedon-Sandstein auf, und
immer hat der Chalcedon in den Bruchstücken eine andere Beschaffenheit,
als der des Grundmasse-Sandsteins. Es herrscht also dasselbe Verbältniss,
wie bei der brecciösen Kruste der Salzpfanne Ntschokiitsa; auch die Refiaka-
Breccien sind nicht durch Gebirgsbewegungen gebildet, sie zeugen vielmehr
nur von einer längeren oder in mehrere Abschnitte zerfallenden Periode
der Verkieselung.
55. Die Renaka-Sandsteine enthalten ganz dieselben allothigenen
Quarz körn er wie die Botletle-Gesteine. Dagegen sind ein klein wenig
häufiger allothigene Gesteinskörnchen, ein feiner Gesteinsschutt des
Liegenden. Dazu gehören auch vereinzelte Körnchen von Epidot. Von
den Chalcedon-Varietäten der Reihe Opal bis Quarz kommen als
Bindemittel nur gerade diejenigen beiden nicht vor, die in allen Gesteinen
der nördlichen Kalahari gern in grösseren Partien erscheinen, nämlich
fein- und langfaseriger Chalcedon und solcher mit deutlichen Interferenz-
kreuzen. Die übrigen Varietäten treten in den einzelnen Vorkommnissen
in sehr wechselnden Mengen auf, doch könnte man behaupten, dass Opal
relativ spärlich, gelber feinkörniger oder striemig-streifiger Chalcedon ver-
hältnissmässig häufig erscheint. Eisenoxydhydrat, wohl Brauneisenstein,
findet sich ebenfalls in wechselnden Mengen, gern Hüllen um die Quarz-
Sandkörner bildend.
56. In den Renaka-Sandsteinen ist das Bindemittel, abgesehen von
lockeren besonders cementarmen Vorkommnissen, selten in überreichlicher
Menge vorhanden; meist scheint das Cementvolumen dem Interstitial-
volumen des primären Sandes an Menge gleichzukommen oder es doch
nur wenig zu übertreffen. Damit steht in engem Zusammenhänge das
Auftreten der authigenen Kieselsäure; es soll versucht werden, hierüber
den genetischen Vorgängen, wie sie sich wahrscheinlich abgespielt haben,
folgend, zu berichten.
86
In Anhäufungen lockeren Sandes dringt eine Kieselsäure enthaltende
Solution nur spärlich oder in besonders starker Verdünnuug ein. x\us
der Lösung scheidet sich die Kieselsäure unmittelbar in krystallinischem
Zustande als Quarz ab, der sich an die allothigenen Quarzkörner ansetzt,
bald in Rinden, bald in zahllosen kleinen Spitzen und Subindividuen; die
Bedingungen für diese Verschiedenartigkeit Hessen sich nicht erkennen.
Die Menge des in dieser Weise ausheilenden Quarzes schwankt sehr,
von Spuren, die nur mit Mühe aufzufinden sind, bis zu reichlichen Mengen.
Die Neubildung von Quarzsubstanz findet ringsherum um alle Quarzkörner
mehr oder minder gleichmässig statt, sie bleibt aber aus, wo auf den
Quarz-Sandkörnern Ablagerungen von Brauneisenstein vorhanden waren
oder sich vielleicht erst bei dem ersten Zutritt der Kiesellösungen bildeten.
Durch die Ausheilung verwachsen vielfach reine Quarz-Sandkörner an den
Berührungsstellen so innig, dass sie zwischen gekreuzten Nicols gerade
so an diesen Stellen an einander grenzen, wie die Quarzkörner in einem
krystallinischen Gestein ; die unregelmässige Grenze ist oft im zerstreuten
Licht gar nicht zu erkennen. Durch die Verwachsung entstehen Gruppen
von zwei und mehreren Körnern, bisweilen kurze Ketten, Formen, die als
allothigene Sandkörner unmöglich sind. Die Abbildung Taf. II, Fig. 3 zeigt
alle Quarzkörner mit sehr feinzackigen rauhen Conturen und einige durch
Ausheilung mit einander verwachsene Sandkörner. Diese Vereinigung von
Quarz-Sandkörnern zu Gruppen wurde nur in den Renaka- Sandsteinen,
niemals in den Botletle-Gesteinen gefunden.
Allein die Vereinigung der Quarzkörner konnte nach dem Befunde
in einigen Vorkommnissen ausser durch Ausheilung auch noch durch einen
anderen Vorgang stattfinden, den ich in meiner Abhandlung „Ueber einen
oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer Ueberschiebung bei Weinböhla in
Sachsen“ (diese Abh. 1897, S. 84) als Ver schweissung von Quarz-
körnern bezeichnet habe. Es zeigt sich, dass öfters ein Quarzkorn in
ein benachbartes eingedrungen ist wie ein Gerölle in ein anderes in der
Kalknagelfluh. Die Abbildung Taf. 11, Fig. 2 zeigt quer hindurch eine Kette
von vier in einander gepressten Körnern ohne Ausheilung. Auch bei den
kleinen Sandkörnern findet man meist das Korn oder die Stelle eines
Kornes mit kleinerem Krümmungsradius eingedrungen in eine Stelle eines
anderen Korns mit grösserem Krümmungsradius; auch hier sind chemische
und mechanische Vorgänge in Wechselwirkung getreten. Druck über-
lagernder Massen und Krystallisationsdruck, der durch das auskrystallisirende
Bindemittel erzeugt wird, veranlasst die Erscheinung der Verschweissung.
Der Druck wirkt aber nicht nur auf die Berührungsstellen, sondern auch
auf die ganzen Körner, die in Folge davon Feldertheilung und undulöse
Auslöschung annehmen. Ein unrichtiges Urtheil ist hier gewiss besonders
leicht möglich; Feldertheilung und undulöse Auslöschung kann die Sub-
stanz der Quarzkörner schon in dem Gestein besessen haben, von dem
sie herstammen, und Quarz-Sandkörner mit diesen Eigenschaften finden
sich wohl in allen Sandsteinen. Aber in den Renaka-Sandsteinen ist eben
diese Erscheinung besonders häufig, ja sie wurde als besonders auffällig
gerade in dem Gestein gefunden, das die stärkste Verschweissung der
Quarzkörner erkennen Hess.
57. In den Renaka-Sandsteinen wird die Erkennung der Gruppen
von Quarz-Sandkörnern oft noch dadurch erleichtert, dass diese Gruppen
sich bei der weiteren Einkieselung wie ein Korn verhalten. Nach der
87
Bildung des ausheilenden Quarzes, der immer nur in geringer Quantität
vorhanden ist, tritt eine Pause ein in der Zufuhr von Lösungen, aus denen
sich Kieselsäure abscheiden kann, oder vielleicht nur eine Aenderung der
chemischen Zusammensetzung der Lösungen; es scheidet sich nicht mehr
Quarz ab, sondern amorpher Opal oder Chalcedon. Oefters tritt diese
(jeneration der Kieselsäure in scharf begrenzten Säumen um die Sand-
körner und um die Gruppen von Quarz- Sandkörnern auf, diese letz-
teren in höchst charakteristischer Weise als Gemengtheil-Einheiten hervor-
hebend. Bald sind es opal-, bald mikroachatartige Chalcedon -Säume ohne
erkennbare Ursache der Verschiedenheit, die diese Structur erzeugen; durch
Säume um Gruppen von Körnern unterscheiden sich die Chalcedon-Sandsteine
der Refiaka-Schichten lebhaft von denen der Botletle-Schichten. Auf die
Säume folgt meist noch eine dritte Generation von Kieselsäure, irgend ein
Chalcedon von anderer Structur oder Opal. Andererseits tritt in den Renaka-
Sandsteinen ziemlich häufig in auffallender Weise auch nur eine Art von Chal-
cedon als Cement auf, z. B. nur sehr feinkörniger und dabei ganz klarer Chal-
cedon, oder nur grober körniger Chalcedon, oder nur gelber Chalcedon. Dem
Absatz dieses einartigen Chalcedons kann Ausheilung der Quarz -Sand-
körner vorausgegangen sein oder nicht. Verschiedene Structuren des
Cementes in einem und demselben Dünnschliff, z. B. das nur sporadische
Auftreten von Säumen, konnten mehrfach beobachtet werden.
Wenn sich aber überhaupt um viele Quarzkörner oder um Gruppen
von Quarzkörnern Säume bilden konnten, so muss auch, analog dem Falle
bei den eingekieselten Botletle- Gesteinen, eine Volumvergrösserung der
Massen bei der Ausscheidung der zweiten Generation von Kieselsäure
stattgefunden haben; es ist aber wohl denkbar, dass dieses Phänomen
räumlich beschränkt gewesen ist, so dass hieraus kein Widerspruch gegen
die Flrscheinung der Verschweissung der Quarzkörner zu folgern ist. Die
Renaka-Sandsteine besitzen im Allgemeinen wenig Kieselcement.
58. Bei der Einkieselung konnten in den Centren der Interstitien
Poren bleiben, die in einem Falle durch secundären Kalkspath ausgefüllt
wurden. Sonst fehlt der Kalkspath den Renaka- Sandsteinen durchaus
und auch Pseudornorphosen von Chalcedon nach einer ,,plastisch“-körnigen
Calcitmasse wurden nur einmal in den Bruchstücken eines brecciösen
Chalcedon-Sandsteines gefunden. Es ist doch auch leicht denkbar, dass
in den primären Sanden, aus denen die Renaka-Sandsteine durch Ein-
kieselung entstanden, auch kleinere Partien vorhanden waren mit einem
Kalkcement, das dann verkieselt wurde.
59. Höchst auffällig bleibt dabei immer der Unterschied zwischen den
Renaka-Gesteinen und den Botletle-Gesteinen im Grossen; in den ersteren,
die ausschliesslich eingekieselte Chalcedon-Sandsteine sind, kommt allein
die Verwachsung der Quarz-Sandkörner durch Ausheilung und Verschweis-
sung vor, während unter den Botletle-Gesteinen die primär kalkhaltigen
bei Weitem vorwalten und die secundäre Verkieselung eine häufige Er-
scheinung ist. Die jüngsten Glieder der ganzen vielleicht tertiären Schichten-
reihe, die Pfannen-Saiidsteine, konnte ich nicht von den Botletle-Gesteinen
nach petrographischen Kennzeichen trennen; wohl aber ist die Abtrennung
der ältesten Glieder, der Refiaka-Gesteine, möglich. Aber alle diese Ge-
steine gehören doch zu einer grösseren Feinheit zusammen; ihre Entstehung
und Metamorphose wird durch die jungen sandigen Kalahari-Kalke und
den lockeren Kalahari- Sand der Steppe einerseits und die recenten Salz-
pelite und ihre Kruste andererseits in trefflicher Weise erläutert.
¥. tlebergaiigsgesteine.
60. ,,Die Deckschichten sind auf der Denudationsfläche des alten Ge-
birgslandes zur Ablagerung gelangt“, so schreibt oben S. 57 Herr Dr. Pas-
sarge. Die untersten Deckschichten, die sich unmittelbar auf dem Aus-
gehenden der älteren Gesteine abgelagert haben, enthalten oft so viel
Material von diesen letzteren, dass es bei der petrographischen Unter-
suchung einigermassen schwer hält, sie mit der unteren Abtheilung, den
Ilenaka-Schi(diten, direct zu vereinigen. Dazu kommt noch, dass auch das
Grundgebirge selbst in seinem oberflächlichsten Ausgehenden eine andere
Art der Metamorphose, andere Phänomene bei der Zufuhr von Kieselsäure
aufweisen kann, als die Hauptmasse des Grundgebirges. Ich muss des-
halb eine Gruppe der üebergangsgesteine ausscheiden, die also geo-
logisch entweder zu den Deckschichten oder zu dem Grundgebirge gehören,
obwohl die Entscheidung darüber selbst im Felde schwierig sein kann.
Wenigstens ergaben sich gerade bei den hier unter dem Namen der Ueber-
gangsgesteine zusammengefassten Vorkommnissen bei meinen Besprechungen
mit Herrn Dr. Passarge Meinungsverschiedenheiten über die Zugehörigkeit
zu der einen oder anderen Gruppe. Da ein continuirliches Profll durch
die oberen Ngami-Schichten am iSüdufer des Ngami-Sees nicht vorhanden
ist, lässt sich die Zusammenfassung etwa eines Dutzends von Vorkommnissen
als üebergangsgesteine wenigstens für die vorliegende Abhandlung recht-
fertigen. Sie geben zu einigen wenigen Bemerkungen Anlass.
61. Conglomerate, z. B. Quarzporphyrconglomerate von Tsillinyana
am Südufer des Ngami-Sees, die geologisch unzweifelhaft zu den Ngami-
Schichten gehören, können eine Menge von ganz besonders reinem Chalce-
don zwischen ihren grösseren und kleineren Bestandth eilen enthalten, der
bisweilen schon makroskopisch wahrnehmbar ist. Obwohl also die klas-
tischen Bestandtheile nicht selten isolirt im reinen Chalcedon liegen, gehört
doch der Chalcedon durchaus nicht etwa der Periode der Ngami-Schichten
an, sondern er ist bei der Einkieselung des Gesteins in jüngerer Zeit ent-
standen. An die Conglomerate schliessen sich dann diejenigen Gesteine
an, die als Schutt und Grus von alten Gesteinen mit jungem, meist
auch sehr reinem Chalcedon zu deuten sind. Als üebergangsgesteine sind
solche Gesteine deshalb anzu führen, weil in ihnen das alte Gesteinsmaterial,
das aufgelockerte, zerklüftete alte Gestein gar keine Aufbereitung er-
fahren hat; es ist vollständig lockerer, grober Schutt von Kieselmasse
durchdrungen worden. Eine dritte Gruppe bilden dann diejenigen Gesteine,
die vor der Einkieselung nicht nur zu Schutt, sondern völlig zu Sand
aufgelöst worden waren. Hier treten dann dieselben Phänomene auf, wie
bei den Deckschichten; Quarzkörner können neuen, ausheilenden Quarz
aufweisen, es erscheinen alle Arten von Kieselsäure vom Opal bis zum
grobkörnigen Chalcedon, es treten Säume von Kieselsäure von verschiedener
Art auf, es können die Partikeln durch die sich verfestigende Kieselsäure
von einander entfernt worden sein. Dass dann Zweifel bestehen können,
ob man es mit einem Deckgestein oder noch* mit einem alten Gestein zu
thun hat, ist leicht erklärlich. Schliesslich können aber auch noch feste
89
aber poröse alte Gesteine, z. B. ausgelaugte Kalksandsteine und Grau-
wacken eingekieselt worden sein, Gesteine also, die ohne eine vorherige
Beeinflussung durch die Atmosphärilien unmöglich eingekieselt werden
konnten. Dass auch Aederchen und kleine Drusen von Chalcedon in
solchen Gesteinen stecken, überrascht nicht weiter.
62. Ist also Einkieselung die herrschende Erscheinung bei diesen Ueber-
gangsgesteinen, so zeigen sich in ihnen doch auch die Phänomene der
Verkieselung in ganz derselben Weise, wie bei den alten Gesteinen überall
da, wo kohlensaurer Kalk vorhanden war. So sind in solchen hierher ge-
hörigen Conglomeraten und Breccien nicht selten Bruchstücke von ver-
kieseltem Ngami-Kalkstein, die wieder auf den Gedanken bringen, dass
zwei getrennte Perioden der Zufuhr von Kieselsäure zu unterscheiden sind,
dass die Verkieselung zeitlich der Einkieselung der ganzen Massen vor-
ausgegangen ist. Da es aber wohl denkbar ist, dass bei der Einkieselung
vorhandene Kalkstein-Bruchstücke in ganz derselbenWeise verkieselt wurden,
wie anderswo der anstehende Kalkstein, so liefern auch diese Uebergangs-
gesteine keinen Anhalt für eine sichere Entscheidung dieser Frage.
¥1. Mg-aiiif-^cliicliteM südlich und siidöstlicli vom Ngnmi-
^ee.
A. Kieselige Grauwacke.
63. Eines der vorherrschenden Gesteine der unteren und der oberen
Ngami-Schichten ist die Grauwacke, ein Name, der den betreffenden
Gesteinen sowohl nach ihrem Alter wie nach ihren Gemengtheilen und
ihrem ganzen Habitus zukommt, wenngleich manche Vorkommnisse mehr
einen reinen Quarzsandstein darstellen. In allen diesen Gesteinen herrschen
unter den allothigenen Gemengtheilen die Körner von Quarz bedeutend
vor. Daneben finden sich aber auch mehr oder minder reichlich nament-
lich Plagioklas, Epidot und zu Viridit umgewandelte Körnchen, Gemeng-
theile, die offenbar von basischen Eruptivgesteinen herstammen. Ferner
sind allothigene Körner von Gesteinen zu erkennen, z. B. in den Grauwacken
der oberen Ngami-Schichten auch Körnchen von Kalkstein.
64r. Die Quarz-Sandkörner zeigen in den Grauwacken nun auch die
Erscheinungen der Ausheilung, ohne dass diese immer auftritt. Die
Quarz-Sandkörner können mit Krystallspitzen oder mit Lagen von Quarz
ausgeheilt sein; ganz besonders häufig tritt dabei der Fall ein, dass alle
Quarz-Sandkörner so innig mit einander verwachsen sind, oder in so in-
nigem Verbände mit dem gleich zu erwähnenden Gemente stehen, dass das
ganze Gestein im Dünnschliff zwischen gekreuzten Nicols den Eindruck
eines holokrystallinen Gesteins macht. G. Linck hat zuerst die Aufmerk-
samkeit auf diese Structur der Grauwacken gelenkt in seiner Abhandlung
,,Geognostisch-petrographische Beschreibung des Grauwackengebirges von
Weiler bei Weissenburg^‘ in Abhandl. z. geol. Specialkarte von Elsass-Loth-
ringen, Bd. III, 1891, S. 1.
Die ,, verschwommene Abgrenzung“ der Quarzkörner gegen einander
und gegen das Bindemittel lässt sich in den Ngami-Grauwacken mit Sicher-
heit auf Ausheilungs-Vorgänge zurückführen. Diese Vorgänge sind wesent-
90
lieh gleich denen in den Deckschichten, sie gehören aber eben alten Zeiten
an und haben mit der jungen Verkieselung der Kalahari-Gesteine nichts
zu schaffen.
65. Und doch wirkten bei der genaueren Untersuchung der Ngami-
G esteine diese in der Erscheinung ganz gleichen Ausheilungen der Quarze
verwirrend, um so mehr, als das Bindemittel dieser Grauwacken erstens
oft in überreicher Menge auftritt, und zweitens weil es aus einem Aggregat
von Partikelchen besteht, das mit einer feinkörnigen Chalcedonmasse die
allergrösste Aehnlichkeit hat. Das Bindemittel erscheint oft in körner-
artigen Partien, vielleicht auch eben deshalb, weil die Quarz-Sandkörner
sich zunächst durch ausheilenden Quarz zu Gruppen zusammengeschlossen
hatten. Die Kieselpartikeln des Bindemittels sind wohl Quarz zu nennen;
ist das Bindemittel etwas grobkörniger, so nimmt man in den einzelnen
Körnern desselben auch nicht selten undulöse Auslöschung wahr, die wmhl
auch auf Krystallisationsdruck zurückgeführt werden kann, nicht darai|.f
zurückgeführt zu werden braucht, dass etwa die Quarzkörnchen durch
molekulare Umlagerung aus divergent -strahligen Chalcedonkörnern ent-
standen sind.
Ueberall enthält ferner das Bindemittel der Grauwacken winzige Blätt-
chen und Fäserchen eines glimmerartigen Minerals, das einfach als Sericit
bezeichnet werden kann. Etwas grösser waren die Blättchen desselben
nur in einem Vorkommniss. Den Sericit werden wir aber merkwürdiger
Weise auch in den verkieselten Ngami-Gesteinen in der jungen Kieselmasse
wiederfinden.
66. Die Ngami- Grauwacken zeigen gar keine Spuren einer jüngeren
hydrochemischen Umwandlung durch Zufuhr von Kieselsäure; in ihnen war
eben nichts mehr da weder für eine Verkieselung noch für eine Einkiese-
lung. Durch ihr Bindemittel verlangen die Ngami-Grauwacken ihre spe-
cielle Bezeichnung als kieselige Grauwacken; es ist damit möglich, diese
alten Gesteine scharf von den jungen Kieselgesteinen getrennt zu halten,
mit denen sie merkwürdige Analogien der Structur aufweisen.
B. Kalkstein und Mergel.
67. Die Kalksteine und Mergel der mittleren Ngami-Schichten sind
dichte Gesteine von ganz heller bis gelbbrauner, brauner und violetter
Farbe; es finden sich darunter ganz reine Kalksteine, mergelige Kalksteine
und Mergel. Von 29 mikrochemisch untersuchten Handstücken zeigten nur
zwei einen geringen Gehalt an Magnesia, der einen Uebergang zu den
Dolomiten dieses Niveaus andeutet. Der Kalkspath zeigt recht oft in
diesen mikroskopisch dichten Gesteinen u. d. M. grosse Körner, die, wie
schon S. 74 erwähnt, von anderen Gemengtheilen des Gesteins erfüllt sind;
dies geht so weit, dass einige Vorkommnisse in den Handstücken grosse,
5 — 8 mm im Durchmesser haltende, spiegelnde, aber dabei meist gekrümmte
Spaltungsflächen des Kalkspaths aufweisen und ganz aus solchen grossen
Kalkspath-Individuen bestehen. Diese Kalksteine etwa deshalb grobkörnig
zu nenne]], will nicht zutreffend erscheinen, denn da gerade sie reich sind
an Thon, so bildet in ihnen der Kalkspath gleichsam nur ein in grossen
Individuen entwickeltes Gement, aber nicht einen für sich bestehenden Ge-
]iiengtheil, nach dem die Korngrösse des Gesteins zu bestimmen wäre.
Ein grosser Theil dieser Gesteine ist mergelig, er enthält Sandkörner
91
und Thon. Der Thon ist in einem solchen kalkreichen Gestein kaum nach
seinen Bestandtheilen u. d. M. zu bestimmen; in den Lösungsrückständen
zeigt er sich bestehend aus feinsten Quarzsplittern, Glimmerblättchen,
Eisenhydroxydpartikeln und winzigsten Elementen, die wohl ein Thonerde-
hydrosilicat sind.
68* Die dichten Ngami-Kalksteine zeigen meistens schon makroskopisch
kleine Partien und Schmitzchen von wenigen Millimetern Durchmesser,
die aus klarem, kleinkörnigem Calcit bestehen und bald nur spärlich, bald
in grösserer Zahl auftreten. Als ein Extrem dieser Herausbildung groben
Kornes ist es zu betrachten, wenn einige Vorkommnisse von einem un-
regelmässigen Geflecht gröberer, meist etwas Eisencarbonat haltiger Adern
durchzogen werden. Aber auch in mikroskopischem Massstabe zeigen sich
im dichten Kalk kleine, bisweilen auffällig runde Partien von etwas grö-
berem, klarem Korn in ganz derselben Weise, wie dies bei den Botletle-
Gesteinen erwähnt worden ist. Diese Veränderungen haben vielleicht ein
hohes Alter und nichts zu thun mit den jüngeren Phänomenen; wahrschein-
lich aber können wir als junge Veränderungen des dichten Kalkes die Her-
ausbildung von Bhomboederchen und von radial-strahligen Kalkspath-
gruppen betrachten, die bei ihrer Entstehung die thonigen, zum Theil eisen-
reichen Bestandtheile in auffälliger Weise zur Seite drängen. Es wurde
schon angeführt, dass die Ngami-Kalksteine öfters unter dem Mikroskope
gerade relativ grosse Kalkspathkörner als einheitliches Gement zeigen; in
diesen ist regelmässig Thon, Eisenhydroxyd und Quarzsand ganz gleich-
mässig vertheilt. Die mikroskopisch kleinen Bhomboederchen aber haben
sich Platz geschafft im Thon, sie sind concretionäre Gebilde im Thon.
Ebenso deutlich ist der seltenere Vorgang, dass radial-strahlige Calcit-
gruppen, gleichsam grobe Sphärulite, sich Platz geschafft haben; ein eisen-
reicher mergeliger Kalkstein besteht nur aus solchen Gruppen mit eisen-
schüssigem Thon als Fülle.
69. Chalcedon erscheint in den Ngami-Kalksteinen zunächst in grosser
Menge bei Tsillinyana am Ngami-See, wo die Schichten eine bogenförmige
Stauchung erlitten haben und dadurch eine Zertrümmerung; die vorliegen-
den Handstücke zeigen Bruchstücke von dichtem, gelbem Kalkstein in recht
reinem Chalcedon mit klein-sphäruliti scher Structur. Die Kalksteinbruch-
stücke ergaben im Lösungsrückstande kleine Stückchen von Chalcedon-
Skeletten. Ausser in diesem Vorkommniss, das bald als Breccie, bald als
von Chalcedonadern durchzogener Kalkstein erscheint, findet man den
Chalcedon gelegentlich auch in kleinen Schmitzen und in feinen Aederchen
schon makroskopisch; u. d. M. bestehen die Aederchen aus einem Gemisch
von Calcit und Chalcedon; Calcit-Kryställchen ragen auch von den Seiten
in die Chalcedon-Adern hinein, und der Chalcedon seinerseits ist in den
Kalkstein eingedrungen.
70. Ein Theil der Ngami-Kalksteine zeigt durch die ganze Masse hin
eine Verkieselung, eine Verdrängung des Kalkspathes durch Chalcedon.
Es fanden sich einige schwach verkieselte, ein halb verkieselter und zwei
stark verkieselte Kalksteine. Mitten im Kalkstein ohne allen Zusammen-
hang mit Adern treten Stellen von sehr feinkörnigem, schwach polarisi-
rendem Chalcedon auf; in anderen Vorkommnissen kann man den Chalce-
don erst im entkalkten Schliff oder im Lösungsrückstande auffinden. Beim
Auflösen von Kalkstein-Stückchen bleiben (ausser etwa einem die Lösung
trübenden Staube) Stückchen übrig mit ziemlich bedeutendem Zusammenhalt.
92
die beim Zerdrücken auf dem Objectträger knirschen. Der halb verkieselte
Kalkstein mit einem geringen Gehalt an Magnesia zeigt u. d. M. einen
mittelkörnigen, gleichmässig mit Kalkspathkörnern und länglichen Fetzen
von Kalkspath erfüllten Chalcedon, der auch einige Glimmer blättclien ent-
hält. Die Fetzen von Kalkspath geben sich zum Theil wenigstens zu er-
kennen als Kerne von Pseudomorphosen von Chalcedon nach Kalkspath,
wie denn auch im zerstreuten Lichte ganz aus Chalcedon bestehende
Pseudoniorphosen hervortreten, die sich zwischen gekreuzten Nicols nicht
von der übrigen Chalcedonmasse abheben. Pseudomorphosen nach Rhom-
boedern wurden auch in anderen Vorkommnissen, z. Th. auch in Gesell-
schaft von nicht veränderten Kalkspath-Rhomboedern aufgefunden. Ein
Gestein ergab sich als ein völlig verkieselter eisenschüssiger, stark mergeliger
Kalkstein; er hat kleine Poren von gerade solcher Form und Vertheilung,
wie sie sonst die makroskopisch sichtbaren Schmitzchen von gröberem
Kalkspath aufweisen.
71. Auch die Mergel sind zum Theil verkieselt; in einem Handstück
zeigte ein stark eisenschüssiger schiefriger Mergel eine jaspisartige, etwa
1,5 cm mächtige Lage, die sich durch ihre unregelmässigen, die Schichtung
durchquerenden Conturen als eine secundär verkieselte Masse erwies; im
Schliff verdeckt auch hier noch der Kalkspath stark den Chalcedon, der
erst im entkalkten Schliff neben den zahlreichen allothigenen Quarzsplittern
hervortritt.
72. Zwei Handstücke eines 3,5 cm mächtigen Ganges von dunkel-
braunem Chalcedon bestehen aus grossen, meist grobfaserigen Sphäru-
liten, die in den centralen Partien von feinem Eisenhydroxydstaub erfüllt
und von einander durch zwischengeklemmte blätterige Fetzen von Braun-
eisenstein getrennt sind. Es hat den Anschein, dass dieser Gang nichts
anderes ist als ein verkieselter, in Chalcedon umgewandelter Gang von
körnigem, Eisencarbonat haltigem Kalkspath.
C. Dolomit.
73. Nur zwei Vorkommnisse aus den mittleren Ngami-Schichten am
Südufer des Ngami-Sees erwiesen sich bei der mikrochemischen Unter-
suchung als so reich an Magnesia, dass sie als Dolomit bezeichnet werden
müssen. Beide Vorkommnisse von Sepote’s Dorf sind aber auch in recht
beachtenswerther VV^eise völlige Analoga zweier eben deshalb vorhin und S. 91
beschriebener Kalksteine. Das eine ist ein von grobem Netzwerk von
Chalcedon durchzogener Dolomit. Der Chalcedon des Netzwerkes ist sehr
rein und zeigt ausser staubartigen Poren nur etwas Eisenerz; er hat schönste
grosse Sphärulite im Gemisch mit grobkörniger, fast quarzartiger Masse:
im zerstreuten Licht ist von der ganzen Structur recht wenig zu sehen.
Der Dolomit liegt im Chalcedon in allerkleinsten bis in grossen Bruch-
stücken; in die kleinsten ist der Chalcedon stark, in die grossen nur wenig
eingedrungen; im Lösungsrückstande der letzteren findet man Chalcedon-
Skelette und Pseudomorphosen nach Kalkspath in Rhomboedern: dieser
Chalcedon enthält auch noch Carbonatkörnchen als Zeugen seiner pseudo-
morphen Entstehung.
Das andere Vorkommniss ist ein halb verkieselter Dolomit, der im
Hand stück grau und verschwommen dunkelfleckig ist und täuschend ähn-
lich dem vorhin erwähnten halb verkieselten Kalkstein aussieht. Im Schliff
93
liegen kleine Dolomitkörnclien und Kryställchen um alle Brocken einer
aus Dolomit und Chalcedon bestehenden Masse, die durch grobkiirnigen
reinen Chalcedon verkittet sind; die Brocken sind die Reste des Carbonat-
gesteins in situ, nicht etwa brecciöse Theilchen; in ihnen sind Partien von
sehr feinkörnigem Chalcedon mit Partien von feinkörnigem Dolomit
durchmengt.
D. Contactmetamorpher, granatlialtiger Kalkstein.
74. In der Refiaka-Bucht am Südufer des Ngami-Sees haben Aphanit-
gänge den von ihnen durchbrochenen Kalkstein der mittleren Ngami-
Schichten metamorphosirt. Die Contactmetamorph ose hat makro-
skopisch wahrnehmbare Veränderungen in dem Kalkstein kaum hervor-
gerufen, so dass es Herrn Dr. Passarge in diesem Falle ganz unmöglich
war, sie im Felde zu beachten^ Trotzdem liegen glücklicher Weise sieben
Handstücke vor, von denen eines ein granathaltiger Kalkstein, ein anderes
ein halb verkieseltes und die übrigen fünf völlig verkieselte solche Contact-
gesteine sind. Sie liefern den handgreiflichen und unwiderlegbaren Be-
weis, dass die Vorgänge der Verkieselung und Einkieselung als jüngere
secundäre Phänomene in der nördlichen Kalahari aufzufassen sind.
Stammen die Handstücke auch nicht von einem continuirlichen Profil,
sondern von verschiedenen Stellen her, so lassen sie doch in ihrer Ge-
sammtheit alle eingetretenen Veränderungen mit völliger Sicherheit ver-
folgen ; es können deshalb die Erscheinungen zum Theil aus den einzelnen
Vorkommnissen combinirt besprochen w'erden.
75. Der helle, dunkelfleckige contactmetamorphe Kalkstein,
der sich bei der mikrochemischen Untersuchung als nur schwach magnesia-
haltig erwies, zeigt unter dem Mikroskope eine klare, feinkörnig-krystalline
Structur. Er enthält stellenweise reichlich Quarz -Sandkörner, die an
anderen Stellen ganz fehlen oder nur vereinzelt auftreten. Eisenoxyde
sind in ihm schon vor der Contactmetamorphose vorhanden gewesen;
einmal tritt (in einem der verkieselten Vorkommnisse) Eisenglanz als
Contactproduct auf. Das hauptsächlichste Contactproduct aber ist farb-
loser Granat, der aus dem Kalkstein mit Salzsäure leicht isolirt werden
konnte. Das isolirte, aber durch Quarzsplitter und etwas Eisenerz ver-
unreinigte Granatmaterial löst sich im Schmelzfluss von kohlensaurem
Natron-Kali nur schwer und langsam auf; die qualitative Analyse ergab
nur Kieselsäure, Thonerde und Kalk, keine Magnesia. Der (Iranat ist
also ein farbloser Kalk -Thonerde -Granat. Er ist überall in dem Kalk-
stein vertheilt, und zwar erstens in Gruppen von Körnchen, die wie aus
Subindividuen ohne scharfe Krystallform aufgebaut erscheinen; diese
Haufwerke sinken zu winzigen Dimensionen herab, die dann besser in
isolirtem Granatmaterial untersucht werden. Da A. Sauer kürzlich über
Granat-Aggregate aus dem bunten Keuper in Baden (Versammlung des
Oberrheinischen geologischen Vereins 1900) berichtet hat, so mag erwähnt
werden, dass, nach der Abbildung bei Sauer zu urtheilen, die hier vor-
liegenden Granatcomplexe gar keine Aehnlichkeit mit den badischen
haben. Ferner tritt der Granat in einzelnen Haufwerken aus grösseren,
zum Theil als sehr scharfe Rhombendodekaeder ausgebildeten Individuen
auf. Zufällig sind die Rhombendodekaeder gerade in den völlig ver-
kieselten Gesteinen besonders schön, scharf und gross, entwickelt; sie ei’-
94
reichen in diesen Gesteinen einen Durchmesser von 0,08 mm. Die
Kryställchen sind oft wasserklar und optisch vollkommen isotrop. Auch
an solchen grösseren Granaten kann man bisweilen noch die Spuren eines
Aufbaues aus Subindividuen erkennen. Die Haufwerke grösserer Granaten
pflegen von einem schmalen Saume von Gruppen von wiuzigen Granat-
körnchen umgeben zu sein. In der Abbildung Taf. IV, Fig. 6 nach einem
der ganz verkieselten Gesteine erscheint dieser Saum von winzigen Granaten
als dunkele Zone, da sich diese nur bei sehr starker Vergrösserung in
ihre Bestandtheile auflöst. Drittens erscheint der Granat reichlicher an-
gehäuft in Zügen und Schmitzen, hier besonders mit Eisenerzen vermengt.
Auch in dem an Sand reichen (jetzt völlig verkieselten) Kalkstein steckt
der Granat wenigstens vereinzelt zwischen den Sandkörnern. Der Granat
und die Art seines Auftretens lassen die Gesteine als unzweifelhaft
contactmetamorph erkennen.
76, Dieser granathaltige contactmetamörphe Kalkstein ist nun stellen-
weise in jüngerer Zeit einer hydatogenen Metamorphose unterworfen
worden. In dem einen Handstück lässt sich keine Spur von Chalcedon
nachweisen, auch nicht in dem Lösungsrückstande. Ein anderes Vor-
kommnis zeigt im Schliff grössere Partien, die stark, andere, die schwächer
verkieselt sind, mit einer Menge Kalkspath in Fetzen als Relicte, weitere
Stellen, in denen kein Chalcedon nachweisbar ist. Der Chalcedon hat
sich an die Stelle von Kalkspath gesetzt, ihn aufgefressen, ganz wie in
den bisher beschriebenen Gesteinen. Dasselbe ist der Fall in den ganz
verkieselten Gesteinen; hier ist Kalkspath nur noch in vereinzelten
Resten oder gar nicht mehr vorhanden. Die Granaten liegen unverändert
in dem Chalcedon mit ganz demselben Verband und Habitus wie in
dem Kalkstein, hier im Chalcedon dem Studium noch viel schöner zu-
gänglich als im Kalkstein. Der verkieselnde Chalcedon ist feinkörnig bis
grobstengelig und grobkörnig; seine Structur in diesen Gesteinen genauer
zu beschreiben, ist überflüssig, doch muss angeführt werden, dass er auch
in scharf begrenzten Pseudomorphosen nach Rhomboedern von Kalkspath
vorkommt. Neben dem verkieselnden Chalcedon steckt nun aber in diesen
völlig verkieselten Gesteinen auch noch ein anderer Chalcedon, der durch
Einkieselung an Ort und Stelle gekommen ist; er tritt zum Theil selbst
in makroskopisch sichtbaren Schmitzen auf, in den Dünnschliffen in
grösseren, völlig reinen Partien. Er bildet auch schmale Säume um andere
Gemengtheile, also z. B. um Sandkörner, die in einem Vorkommniss noch
mit Krystallspitzen besetzt, ausgeheilt sind. Da bei der Einkieselung der
Chalcedon sich in vorhandenen Poren ablagert, so ist es nicht sonderlich
auffällig, dass Säume von Mikroachat gelegentlich auch einzelne grössere
Granatindividuen umgeben und dass an anderen Stellen der einkieselnde
Chalcedon eine Menge winziger Granat-Haufwerke enthält. Der contact-
metamorphe Kalkstein ist eben zum Theil oder stellenweise vor seiner
Verkieselung schon durch die Tageswässer ausgelaugt und porös geworden,
die Granaten aber mussten in den entstehenden Poren liegen bleiben.
E. Kalkstein -Breccie.
77. Im Anschluss an die Kalksteine ist ein Gestein aus der Renaka-
Bucht an der Südseite des Ngami-Sees anzuführen, das gewiss zu der
Gruppe der Uebergangsgesteine gehört, aber vorherrschend aus verkieseltem
95
Ngami-Kalkstein besteht. Das Gestein war ursprünglich eine Breccie
aus sehr kleinen Bruchstücken von Ngami-Kalkstein, die durch sand-
haltigen Kalk verkittet waren. Jetzt liegt es in völlig verkieseltem Zu-
stande vor mit einer Structur, die jeder erschöpfenden Beschreibung
spottet und nur durch die photographische Abbildung veranschaulicht
werden kann. Die fünf Abbildungen Taf. III, Fig. 1 — 5 sind alle nach
einem einzigen Präparat von 1,5 qcm Fläche aufgenommen. Das Binde-
mittel der Breccie besteht neben den bald reichlich vorhandenen, bald
ganz fehlenden Quarz-Sandkörnern wesentlich aus Pseudomorphosen von
feinkörnigem Chalcedon nach Kalkspath-Khomboederchen, Taf. III, Fig. 5,
die zwischen gekreuzten Nicols nicht einzeln zu unterscheiden sind. Es
mag nur erwähnt werden, dass die Structur dieser Pseudomorphosen in
einzelnen Fällen übereinstimmt oder wenigstens nahe kommt der von ge-
wissen Vorkommnissen in den Gesteinen der Kaikai- Berge, die weiter
unten besprochen werden. Die Bruchstücke von Ngami-Kalkstein aber
zeigen jetzt in verkieseltem Zustande die allerverschiedensten Structuren,
Taf. III, Fig. 1 — 4, die sich nur zum Theil als verschiedene Schnittrichtungen
einer und derselben Structur deuten lassen. In ihnen kommt stellenweise
neben der Verkieselung auch etwas P]inkieselung vor. Das ganze Gestein
erweckt die Vorstellung, dass Alles, Bruchstücke und verkittender Sand-
kalk, auf einmal durch einen Process verkieselt worden ist; die Ver-
schiedenheiten der Structur mussten dann auf Verschiedenheiten der mole-
kularen Umlagerung des Kalkspathes zurückgeführt werden, was allerdings
auch seine Bedenklichkeiten hat.
Die fünf Abbildungen geben nur eine beschränkte Vorstellung von
den Verschiedenheiten der Structur, die überhaupt bei den verkieselten
Kalksteinen der nördlichen Kalahari verkommen.
F. Rotlisandstein.
78. Als eine Facies der Kalksteine und Mergel der mittleren Ngami-
Schichten treten namentlich in Inseln im Alluvium an der Südseite des
Ngami-Sees meist Eisenhydroxyd haltige feinkörnige Sandsteine auf, die
von Herrn Dr. Passarge kurz Rothsandsteine genannt wurden. Die
mikroskopische Untersuchung zeigte in der That, dass sie zu einem Typus
zusammengehören. Die geologischen Beziehungen kommen dadurch auch
im Kleinen zum Ausdruck, dass in den Kalksteinen der mittleren Ngami-
Schichten gelegentlich auch dünne Lagen von Rothsandstein auftreten und
ferner dadurch, dass die Rothsandsteine ursprünglich stets Kalk- Sand-
steine waren.
Alle hierher gehörigen Handstücke zeigen eine sehr feinkörnige
Sandsteinmasse; das Mikroskop lehrt, dass die Quarz-Sandkörner ins-
gesammt geringe Dimensionen und die Form von scharfkantigen Splittern
haben; stark gerundete Körnchen kommen darunter gar nicht vor. Im
Dünnschliff erscheinen also alle Quarzkörnchen mit scharfeckigen Conturen,
höchstens tritt untergeordnet auch eine gerundete Stelle auf. Solche
Körner können gelegentlich auch einmal eine regelmässige, quadratische
oder rhombische Gestalt haben. Das ist aber doch ein seltener Ausnahmefall.
Die grosse Mehrzahl der Rothsandsteine enthält Eisenhydroxyd und
ist dadurch dunkel gefärbt, es gehören aber auch eisenarme, graue und
helle Sandsteine nach der Form ihrer Quarz-Sandkörner zu diesem Typus.
96
Ursprünglich ist das Bindemittel in allen diesen Rotlisandsteinen
ein thonhaltiger Kalkspath gewesen; es liegt aber nur ein Handstück vor,
das nicht verkieselt ist. In diesem bildet der Kalkspath 1 — 5 mm im
Durchmesser haltende Körner, die mit Thon und den Quarzsplittern nach
Art des sogenannten krystallisirten Sandsteins erfüllt, sind.
79. Bei der Verkieselung geht diese Structur verloren; ein Hand-
stück, das halb verkieselt ist, zeigt stellenweise nur Chalcedon-Cement,
an anderen Stellen reichliche Reste und Fetzen von Kalkspath, die aber
nicht mehr zu grösseren Individuen zusammengehören. Alle anderen Hand -
stücke zeigen den Rothsandstein in völlig verkieseltem Zustande; auch
kommt bei ihnen stellenweise eine Einkieselung vor, die sich schon ma-
kroskopisch durch dünne, wellige Lagen von Chalcedon als Auskleidung
von grösseren Hohlräumen kenntlich macht. Im Präparat zeigt sich solcher
Chalcedon als rein und von feinfaseriger Structur, während der Chalcedon
als Verkieselungsproduct meist sehr feinkörnig, selten etwas grobkörnig
ist und ausser Eisenoxyden meist mehr oder minder reichlich und deutlich
winzige Blättchen und Fäserchen von Sericit enthält, der sich gewiss erst
bei der Verkieselung als authigener Gemengtheil gebildet hat. In recht
dünnen Schliffen ist der Serecit im zerstreuten Lichte wie zwischen ge-
kreuzten Nicols namentlich bei stärkerer Vergrösserung leicht im Chalce-
don zu erkennen. Dieser aus dem ursprünglichen Thongehalt des Kalk-
spathes entstandene Sericit, ferner ihrer Natur nach nicht genauer be-
stimmbare rothbraune Partikelchen einer Eisenoxyd- Verbindung und feinste
Poren treten als Trübung des feinkörnigen Chalcedons auf.
80. Winzige, äusserst scharfkantige Rhomboederchen, die selten im
Rothsandstein verkommen, sind ohne Mühe als Chalcedon-Pseudomorphosen
zu erkennen. Ausser ihnen gewahrt man aber in den Dünnschliffen aller
Rothsand steine in reichlicher Anzahl grössere Objecte mit im Allgemeinen
rhombischen scharfen Konturen, aber oft mit etwas abgerundeten Ecken,
die auch als Pseudomorphosen von Chalcedon nach Kalkspath aufgefasst
werden müssen. Sie bestehen manchmal deutlichst aus feinkörnigem, fein-
porösem Chalcedon, dann aber auch aus gröberen Körnern mit stark undu-
löser Auslöschung mit oder ohne Interpositionen von Sericit und von Car-
bonatkörnchen, die ja stets leicht an ihrer starken Doppelbrechung zu er-
kennen sind. Nun kommt aber auch ein einheitliches klares Korn mit
völlig homogener Auslöschung als Substanz der auffällig scharf conturirten
Dinge vor, das von Quarz kaum zu unterscheiden ist. Solche Körner sehen
auf den ersten Blick den allothigenen Quarzsplittern in hohem Grade ähn-
lich aus, und ihre richtige Deutung ist mit grossen Schwierigkeiten ver-
bunden. Ich kann auch nach langem Studium dieser Verhältnisse nicht
behaupten, dass ich im Stande wäre, jedes der scbarfeckigen und gerade-
kantigen wasserklaren Körnchen in den Schliffen sei es als allothigenen
Quarz, sei es als quarzähnliches Chalcedonkorn zu bestimmen. Quarz-
Krystalle sind letztere gewiss nicht, da die Auslöschungsrichtungen von den
Conturen unabhängig sind, und wahrscheinlich ist ihre Substanz nicht
Quarz, sondern ein quarzähnlicher Chalcedon von etwas schwächerer Doppel-
brechung als der Quarz. In manchen Vorkommnissen sind solche zweifel-
haften Objecte überraschend häufig; das mag aber darin seinen Grund
haben, dass dann die primären Gesteine stärker mergelig waren, als die
gemeinen Rothsandsteine.
81. Ist es schon für die Deutung der Erscheinungen der Verkieselung
97
von Interesse, dass von dem scharf charakterisirten Typus der Eothsand-
steine sowohl primäre kalkige, als auch halb und völlig verkieselte Ge-
steine Vorlagen, so kommen nun noch contactmetamorphe Vorkomm-
nisse hinzu, die mit Sicherheit erkennen lassen, dass die Confactmetamor-
phose vor der Verkieselung eingetreten ist. Die mir von Herrn Dr. Pas-
sarge als aus der Nachbarschaft von Aphanitgängen herstammend und als
mehr oder minder stark contactmetamorph bezeichneten Vorkommnisse
zeigen im Handstück und im Dünnschliff eine dunklere Farbe, weil in ihnen
das Eisenhydroxyd in Eisenglanz umgewandelt ist, der deutlich als solcher
bestimmbar ist. Mit der Umwandlung des Eisenhydroxydes in Eisenglanz
ist zugleich das Kalkspath-Bindemittel krystallinisch-kleinkörnig geworden,
wobei die Kalkspath-Körner und Rhomboeder bisweilen den Eisenglanz
und die thonigen ßestandtheile deutlich zur Seite gedrängt haben, so dass
sie als Fülle zwischen den Kalkspathkörnern auftreten. In einem stark
metamorphen Gestein zeigt sich auch Granat in Häufchen von winzigen
Körnchen, die im Schliff im auffallenden Licht als weisse Pünktchen er-
scheinen. Abgesehen davon, dass manchmal ihre Isotropie festgestellt
werden konnte, war ihre Bestimmung als Granat natürlich nur möglich
auf Grund ihres Vorkommens auch in den oben beschriebenen contact-
metamorphen Kalksteinen.
Diese contactmetamorphen Rothsandsteine liegen nur in völlig ver-
kieseltem Zustande vor : Granat und Eisenglanz finden sich eingeschlossen
im Chalcedon, der also eine jüngere Bildung sein muss.
82, An die Rothsandsteine reiht sich durch seine Structur ein Vor-
kommniss von kalkiger Grauwacke aus den unteren Ngami-Schichten
an; auch in diesem Gestein liegen die Quarz-(und Feldspath-) Sandkörner
von einander getrennt ihrer ein Dutzend und mehr in je einem Kalkspath-
korn. Es wiederholt sich also dieselbe Structur in verschiedenen Ge-
steinen der Ngami-Shichten. Wahrscheinlich liegt in einem anderen
Vorkommniss ein verkieseltes Aequivalent auch dieses Typus der kalkigen
Grauwacke vor, die Phänomene sind aber darin so wirr, dass ich nicht
nur auf eine Beschreibung, sondern sogar auf eine sichere Deutung ver-
zichten muss.
Gr. Ssakke- Sandstein.
83. Als Aequivalent der oberen Ngami-Schichten fasst Herr Dr. Passarge
den Ssak ke-Sandstein der Mangwato-Schichten am Loale-Plateau
der Kalahari westlich von Palapye auf. Es herrscht als Ssakke-Sandstein
ein Quarz-Sandstein mit kieseligem Bindemittel, das in porösen Varietäten
zum Theil spärlich vorhanden ist. Die Quarz -Sandkörner zeigen öfters
mehr oder minder starke Ausheilung durch Quarz; etwas jünger als der
ausheilende Quarz ist dann ein feinkörniges, aus Quarz und Glimmer be-
stehendes Bindemittel. Dass diese Quarz-Sandsteine auch im Contact mit
Melaphyr verändert Vorkommen, soll nur beiläufig bemerkt werden; eine
jüngere hydrochemische Veränderung ist an ihnen nicht nachweisbar.
Dagegen gehört zu diesem Schichtensysteme auch ein hellbrauner Kalk-
Sandstein, dessen kleine stark gerundete Quarz-Sandkörner alle mit einer
dünnen Haut von Eisenhydroxyd überzogen sind; das Kalkspath-Binde-
mittel, der Menge nach nicht reichlicher als das Interstitialvolumen ver-
langt, erscheint auch hier in grösseren, von vielen Sandkörnern durch-
brochenen Individuen. Die mikrochemische Analyse ergab neben Kalk
98
nur sehr geringe Mengen von Magnesia; im Lösungsrückstande waren
entschiedene Chalcedon- Skelette nachweisbar, die im Dünnschliff durch
den Kalkspath völlig verdeckt werden. Das Gestein zeigt, dass auch im
äussersten Osten des von Herrn Dr. Passarge durchforschten Gebietes
das Phänomen der Verkieselung vorhanden ist, wie in dem nun zu be-
sprechenden westlichen und nördlichen Theil der" nördlichen Kalahari.
YII. Mg^ami-^cMcIitengder Kaikai- Berge.
84. Die Kaikai-Berge hilden^ein Hügelland mit einer Erhebung von
wenigen hundert Metern über das Kalahari -Plateau, WNW. vom Ngami-
See ungefähr unter 19® 45' südlicher Breite und 21® 15' östlicher Länge
nahe der Grenze gegen Deutsch-Süd- West- Afrika. Ihre Gesteine gehören
dem Niveau der mittleren Ngami-Schichtenjan. '‘^Dieselben Massen
finden sich auch noch weiter nördlich in Schollen im Schadum-Thal unter
19® südlicher Breite. Die Schichten sind der|Hauptsache nach primäre
Kalksteine, die hier in ähnlicher Weise wie südlich vom Ngami-See durch
hydrochemische Processe metamorphosirt worden sind. Die Phänomene
sind hier in diesem westlichen und nördlichen Gebiete unzweifelhaft von
demselben Charakter und durch dieselben Reagentien hervorgerufen, aber
die Endproducte sind doch etwas verschieden. Zunächst finden wir in
diesem Gebiete die Dolomitisirung der Kalksteine in umfangreicherer Weise,
dann die ebenfalls in grossem Massstabe| auftretende Verkieselung; ob
aber diese letztere zugleich mit der Dolomitisirung oder erst nach ihr
eingetreten ist, lässt sich mit Sicherheit nicht entscheiden. Das Erstere
scheint mir nach allen meinen Studien das Wahrscheinlichere. Herr
Dr. Passarge giebt an, dass die kieseligen Massen, in denen wir verkieselte
Carbonatgesteine erkennen, in Stöcken, gangartigen Gebilden und Lagern
inmitten^, der Carbonatgesteine erscheinen. Phänomene der Einkieselung
konnten nur bei einigen Gesteinen der Ebene zwischen den einzelnen
Hügeln festgestellt werden.
85. Nur ein Gestein der Kaikai-Berge erwies sich bei der mikro-
chemischen Prüfung als magnesiafreier Kalkstein. In dem Dünnschliff
des dichtenj röthlichen Gesteins gewahrt 1 man ^ feinkörnigen Kalkspath
zwischen groben Kalkspath-Körnern mit polysynthetischer Zwillingsbildung ,
und ungewöhnlich grossen Rhomboedern von Kalkspath ohne Zwillings-
bildung. Sandkörner und vereinzelte Häufchen von Chalcedonkorn-Aggre-
gaten kann man im Schliff wie im Lösungsrückstande beobachten. Aus
dem Schadum-Thal liegt ein schwach dolomitischer dichter Kalkstein vor,
in dessen Lösungsrückstand einige zum Theil sehr porenreiche Chalcedon-
Aggregate und überdies einige Glimmerblättchen und einige Turmalin-
säulchen zu beobachten sind. Ein stark mergeliger Kalkstein aus dem
Schadum-Thal erwies sich bei der mikrochemischen Analyse als magnesia-
frei; wegen des Zusammenhaltes eines mit kochender Salzsäure behandelten
Stückchens ist eine geringe Menge von Chalcedon auch in diesem Gestein
zu vermuthen.
86. Vierzehn Handstücke von den'^iKaikai- Bergen (einschliesslich
dreier aus dem Schadum-Thal) ergaben bei der mikrochemischen Analyse
einen so hohen Gehalt an Magnesia, dass sie als normale Dolomite
zu bezeichnen sind, obwohl^ in einigen auch noch polysynthetisch ver-
99
zwillingte Carbonatkörner zu finden waren. Die Dolomite sind unzweifel-
haft aus dichten Kalksteinen hervorgegangen, indem sich dabei wie ge-
wöhnlich ein mikroskopisch-krystallinisches Korn herausbildete. Die Ver-
änderung der primären Structur ist öfters ungleichmässig vor sich gegangen,
so dass die Dünnschliffe gedeckt aussehen; solche Flecken sind bisweilen
stark gerundet, es zeigen sich auch Conturen; die an Oolithkörner oder
an organische Reste entfernt erinnern. Tritt noch Verkieselung hinzu, so
findet man wohl in einem und demselben Präparat ganz verschieden auf-
gebaute rund und scharf begrenzte Objecte, z. B. innen aus feinkörnigem
und aussen aus grobkörnigem Dolomit bestehend, oder innen Calcit oder
Dolomit und aussen ein Chalcedonring, oder innen klarer einheitlicher
Chalcedon, aussen ein Ring von stark porösem, dolomithaltigem, sehr fein-
körnigem Chalcedon; auch Poren können in der Mitte solcher rundlichen
Gebilde vorhanden sein. In der Abbildung Taf. IV, Fig. 5 zeigt die ovale
Partie in der Mitte dichten Dolomit mit einer grösseren centralen Pore,
darum eine Zone von gröberen Dolomitkörnern, die bisweilen mit Krystall-
conturen an den klaren Chalcedon anstossen.
Eisenhydroxyd, manchmal Eisenglanz, ist in geringer Menge meist vor-
handen; im Lösungsrückstande konnte mehrmals Turmalin in kleinen Säul-
chen nachgewiesen werden. Besonders hervorzuheben ist der Gehalt der
Dolomite an Glimmer, der als authigener Gemengtheil in kleinen Blättchen
im Lösungsrückstand isolirt und dann auch im Chalcedon eingewachsen
erkannt werden konnte. Absichtlich wird hier das Mineral Glimmer, nicht
Sericit genannt.
87. Alle Dolomite enthalten mehr oder minder viel Chalcedon. So
sind zunächst mehrere Handstücke makroskopisch aus zum Theil gekrümm-
ten Schalen von Chalcedon im Wechsel mit Schalen von Dolomit zusammen-
gesetzt. Die Grenzen der einzelnen Lagen sind stets etwas unregelmässig,
im Kleinen gezackt, zum Zeichen, dass wir es mit Umwandlungen, nicht
mit primärer WechsellageruDg zu thun haben. Die mikroskopische Unter-
suchung zeigt, dass Dolomit und Chalcedon niemals scharf getrennt sind,
sondern sich in vielen Abstufungen mit einander mischen. Im Chalcedon,
der kleinkörnig, stellenweise auch ganz klar quarzähnlich und grobkörnig
ist, liegt der Dolomit vielfach in winzigen, ziemlich scharfen Rhomboeder-
chen in unendlicher Anzahl, wie das die Abbildung Taf. IV, Fig. 2 zeigt.
Umgekehrt liegen quarzartig klare Körner von Chalcedon mit winzigsten
rundlichen Dolomitkörnchen namentlich in ihren centralen Partien in einem
vorherrschenden Dolomit-Aggregat,
In anderen Dolomiten findet man den Chalcedon in geringerer oder
grösserer Menge erst im Dünnschliff auf; dieser Chalcedon ist stets körnig,
niemals tritt faseriger Chalcedon auf, niemals erscheinen Mikroachat- oder
Opal-Säume. Der Chalcedon ist äusserst feinkörnig bis ganz quarzartig
grobkörnig, öfters porös und mit Dolomit durchwachsen. Meist enthält
dieser Chalcedon winzigste Körnchen bis kleine und grössere Rhomboeder-
chen von Dolomit, ferner Eisenhydroxyd-Partikeln und Blättchen von autlii-
genem Glimmer. Diese Einschlüsse erscheinen durchaus auch in dem
grobkörnigen Chalcedon, der bald stark undulös, bald ganz homogen aus-
löscht, aber auch im letzteren Falle eben wegen seiner Einschlüsse eine
Neubildung ist, die in diesen Gesteinen noch nicht den Kamen ,, Quarz“ er-
halten kann.
88. Obwohl in diesen Dolomiten der Kaikai-Berge bisweilen auch
100
grössere Rhomboeder von Dolomit unter dem Mikroskope gefunden werden,
und obwohl die Verkieselung oft weit vorgeschritten ist, so Hessen sich
doch in den Dünnschliffen nirgends Pseudo morphosen von Chalcedon
nach Dolomit- Rhomboedern nachweisen. Und doch sind sie in wenigstens
der Hälfte dieser Dolomite vorhanden. Man findet sie erst im Lösungs-
rückstande der Gesteine als höchst auffällige Objecte. Nach dem Studium
dieser konnte ich sie auch einmal in einem Dünnschliff mit Sicherheit
nachweisen; für gewöhnlich wird ihre Anwesenheit völlig von dem stark
doppelbrechenden Dolomit verdeckt. In dem Lösungsrückstand der Dolo-
mite findet man neben Chalcedonkorn-Aggregaten, Glimmerblättchen, Tur-
malinsäulchen, Eisenerzen und eventuell einigen allothigenen Quarzkörn-
chen viereckige Plättchen, seltener dickere viereckige Körner von winzigen
Dimensionen bis zu etwa 0,03 mm Seitenlänge bald nur vereinzelt, bald
in grosser Anzahl. Diese Dinge haben zumeist zwei parallele ganz ge-
radlinige Seiten und zwei dagegen mehr oder minder rechtwinklige Seiten
mit nicht geradlinigem, unregelmässigem Verlauf. Es kommen aber diese
Dinge auch vor mit vier geradlinigen, paarweise parallelen Seiten, die sich
dann stets unter schiefen Winkeln schneiden, also Rhomben bilden; ver-
gleiche Taf. IV, Eig. 3. Besonders gerade an den kleinsten Individuen ist
solche rhombische Gestalt zu finden, die ja zu allererst an die Rhomboeder
der Carboiispäthe erinnert. Obwohl auch manche dieser Dinge sicher
nicht platt, sondern dick sind, habe ich doch nie, auch nicht im auffal-
lenden Licht an der trockenen Substanz gute, leibhaftige Rhomboeder be-
obachten können. Rührt man den isolirten Staub in Canadabalsam ein,
so findet man leicht, namentlich in den grösseren Dingen stets, Partikeln
von Eisenhydroxyd, meist auch winzige Körnchen von Dolomit. Form und
Einschlüsse sprechen dafür, in diesen Dingen Pseudomorphosen von Chal-
cedon nach Dolomit zu sehen; vielleicht stellen sie nur verkieselte Stellen
der Dolomitkörnchen, man möchte sagen verkieselte Spaltungsstückchen von
Dolomit dar. In welcher Weise besonders die kleinsten Plättchen im
Dolomit liegen, ob in Dolomitkörnern oder zwischen Dolomitkörnern,
das war nicht möglich zu erkennen.
Die Form und Begrenzung dieser Pseudomorphosen, — als solche
müssen diese Dinge aufgefasst werden — prüft man am besten nicht an den
im Canadabalsam, sondern an im Wasser befindlichen Proben. In beiden
Mitteln zeigen sich nun aber auch die höchst auffälligen Polarisations-
verhältnisse. Fast alle Vierecke zeigen zwischen gekreuzten Nicols eine
Zertheilung in vier Felder nach zwei sich kreuzenden, den Seiten mehr
oder minder parallelen Linien. Je zwei Felder über Eck löschen bei der-
selben Stellung aus; dreht man das Präparat, so kommt man an eine
Stellung, bei der alle vier Theilstücke den gleichen Grad von Helligkeit
besitzen, während ihre Grenzen gegen einander als ganz feine dunkle Linien
hervortreten. Die Feldertheilung ist bisweilen erstaunlich regelmässig; in
den meisten Fällen sind die Grenzen sehr unregelmässig und es zeigen
sehr oft zwei über Eck liegende Felder eine Brücke zwischen sich, wäh-
rend die beiden anderen dann natürlich ganz von einander getrennt sind
wie in der Abbildung Taf. IV, Eig. 3. Diese Pseudomorphosen verhalten
sich also etwa wie Durchkreuzungszwillinge. Die Polarisationserscheinnngen
sind aber doch im Ganzen unregelmässig und zwar umsomehr, je dicker
die Pseudomorphosen sind; in dicken sind wohl mehr als vier, wahrschein-
lich acht im Raume, Theilstücke vorhanden. Die ganze Structur ist aber
101
durchaus nur eine verhältnissmässig regelmässige Ausbildung der Aggre-
gation von Chalcedonkörnern, wie sie sonst in den Pseudomorphosen von
Chalcedon nach Calcit oder Dolomit nur andeutungsweise vorkommt. Die
Polarisationsverhältnisse des Chalcedons, wie er in all diesen verkieselten
Gesteinen pseudomorph nach irgend welcher Form des Carbonspathes er-
scheint, im Einzelnen verfolgen und studiren zu wollen, ob sich besondere
Gesetzmässigkeiten dabei ergeben, würde eine undankbare und wohl auch
zwecklose Aufgabe sein.
Als auffällig ist es noch besonders hervorzuheben, dass diese über
Kreuz auslöschenden Ghalcedon-Partikeln nur in den Dolomiten der Kaikai-
Berge gefunden wurden.
89. Aus den Kaikai-Bergen liegen ferner ungefähr zehn Handstücke
vor, die so geringe Mengen von Carbonspäthen enthalten, dass es nicht
möglich ist zu entscheiden, ob es verkieselte Kalksteine oder verkieselte
Dolomite sind. Die wahre Natur dieser Kieselgesteine lässt sich auch
nur im Zusammenhang mit den nicht völlig verkieselten Carbonatgesteinen
erkennen. Ihr Chalcedon ist wieder feinkörnig bis grobkörnig-quarzartig
in den verschiedensten Mischungen und üebergängen. Partikeln von Eisen-
oxyden, Blättchen von Glimmer, Staub von Carbonspath und Poren sind
überall in wechselnden Mengen im Chalcedon vorhanden. Selten sind
relativ grosse Pseudomorphosen von Chalcedon in Rhomboederform, wobei
der Raum bisweilen nur zum Theil erfüllt ist. Makroskopisch zeigen diese
Kieselgesteine bald homogene dichte Beschaffenheit, bald sind sie klein-
fleckig; einige Vorkommnisse sind wahre Breccien.
Es mag an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass unter den Ge-
steinen der Kaikai- Berge auch solche mit Quarz-Sandkörnern Vor-
kommen, in denen die Sandkörner durch Quarz derart ausgeheilt sind,
dass sie zwischen gekreuzten Nicols ganz in die Hauptmasse des Kiesel-
gesteins durch Auflösung in kleine Körnchen überzugehen scheinen. Ein
solcher nur zum Theil verkieselter sandhaltiger Dolomit zeigt die aus-
geheilten Sandkörner mitten im Dolomit, an einer Stelle des Präparates
aber in Kieselmasse; die ausheilende Quarzsubstanz enthält in beiden
Fällen zahlreiche winzige Rhomboederchen von Dolomit.
90. In dem südwestlichen Theil des von Herrn Dr. Passarge durch-
forschten Gebietes, zu Gobabis in Deutsch-Süd-West- Afrika unter
22^ 10' südlicher Breite und 19^ östlicher 'Länge, erscheint in mittleren
Ngami-Schichten ein reiner, sehr feinkörniger Dolomit, in dessen Lösungs-
rückstand einige Chalcedontheilchen, darunter einige wenige gute Pseudo-
morphosen von Chalcedon nach Dolomit-Rhomboedern nachgewiesen werden
konnten. Es lag nur ein Vorkommniss aus diesem Gebiete vor.
VIII. Dolomite von €ram.
91. Südlich von den Kaikai-Bergen in der Umgebung von Garn in
Deutsch-Süd-West- Afrika und über die Grenze hinaus erscheinen als Ver-
treter der mittleren Ngami-Schichten feinkörnige, zum Theil zuckerkörnige
bis grobkörnige Dolomite. Alle elf Handstücke von bis ungefähr 23 km
weit von einander entfernten Punkten erwiesen sich bei der mikro-
chemischen Prüfung als normale Dolomite; nur ausnahmsweise wurden
unter dem Mikroskope vereinzelte Körner mit polysynthetischer Ver-
102
zwillingung gefunden. Die Dolomite enthalten Einsprenglinge von Spath-
eisenstein und Körner und Pentagondodekaeder von Pyrit.
Diese Dolomite, die so ganz andere Beschaffenheit besitzen als wie
die sonst dichten Dolomite der Ngami-Schichten, sind doch auch wieder
nichts anderes als umgewandelte dichte Kalksteine. Aber hier bei Garn
hat sich die Umwandlung in wieder anderer Weise vollzogen als in den
Kaikai-Bergen. Die Gesteine sind zu körnigen Dolomiten geworden, in
denen als authigene Gemengtheile noch Quarz und Phlogopit erscheinen,
überdies noch zum Theil auch Rutil und Apatit; eine umfangreichere Ver-
kieselung ist nicht eingetreten.
92. Im Dünnschliff wie im Lösungsrückstand findet man den Phlogopit
bald spärlich bald reichlicher in bis 0,5 mm im Durchmesser haltenden
Körnchen und Blättchen; letztere eignen sich für die Bestimmung des
Winkels der optischen Axen, der immer klein gefunden wurde; doch zer-
theilt sich das Kreuz im Axenbild stets deutlich in Hyperbeln. Die
Blättchen haben am Rande und die Körnchen überall eine grosse Zahl
von Scheinflächen, die durch die Dolomitkörner hervorgerufen sind. Spal-
barkeit nach der Basis ist an den isolirten Blättchen wie im Dünnschliff
leicht zu erkennen. Mit Kieselfluorwasserstoffsäure ergab der Phlogopit
reichliche Kryställchen des Kali- und des Magnesiumsalzes. Die Bestimmung
dieses farblosen Glimmers als Phlogopit ist also sicher. Er enthält bis-
weilen als Einschlüsse stark doppelbrechende gelbe Nüdelchen mit Neigung
zur Zwillingsbildung, die also wohl als Rutil gedeutet werden können, und
meist Körnchen von Dolomit. Beachtenswert!! sind in ihm oft grosse
rundliche Gaseinschlüsse, eine für Glimmer sehr ungewöhnliche Erscheinung.
Das Vorkommen von Phlogopit in den Dolomiten von Garn dient in vor-
trefflicher Weise zum Beweise, dass auch die Bestimmung der Blättchen
und Fäserchen in dem Chalcedon anderer Gesteine als Glimmer resp. als
Sericit zutreffend ist; wie hier die Phlogopite isolirt im Dolomit liegen
oder nur verwachsen mit Quarz Vorkommen, so sind auch die Glimmer
und Sericite in den anderen Gesteinen stets vor dem Chalcedon gebildet
worden, in dem sie als Einschlüsse erscheinen ; hier ist noch die gelegent-
liche Anhäufung der Glimmer um allothigene Quarzkörner zu erwähnen.
93. Die isolirten authigenen Quarzkörner zeigen im trockenen
Lösungsrückstand oder in Wasser eingerührt stets eine Begrenzung durch
eine grosse Anzahl von Scheinflächen, die sich in scharfen Kanten und
Ecken schneiden. Diese Form ist höchst charakteristisch und dabei be-
weisend für authigene Natur. Letztere ergiebt sich auch aus den Ein-
schlüssen; als solche erscheinen selten Rutilnadeln, fast immer Partikeln
von Brauneisenstein und von Dolomit. Die Quarze zeigen entweder
homogene Auslöschung oder seltener schwache Feldertheilung und undulöse
Auslöschung. Ein negatives Kennzeichen ist bei den Quarzen noch be-
sonders beachtenswerth: sie zeigen niemals erkennbare Flüssigkeits-
einschlüsse. E. Geinitz schreibt 1. c. S. 463 bei ,, Hornstein und Kalk-
spath“: „alle Quarze sind frei von Flüssigkeitseinschlüssen“. Das ist nun
aber auch das charakteristische Merkmal aller Varietäten von Chalcedon;
es ist deshalb hier noch besonders zu betonen, dass ich nur in diesen
makroskopisch-krystallin gewordenen Dolomiten von Garn an den authigenen
Quarzkörnern so gar nichts mehr gefunden habe, was noch die Bezeich-
nung als Chalcedon gerechtfertigt hätte; alle diese Körner sind einheitliche
selbständige Individuen und das Bischen undulöse Auslöschung, das ich
103
einzig und allein — wenn das überhaupt nöthig ist — auf Krystallisations-
druck zurückführen muss, kann dem ganzen Habitus gegenüber nicht ins
Gewicht fallen. Dass sonst der mikroskopisch gröber körnige Chalcedon
quarzähnlich im höchsten Grade sein kann, ist ja öfters angegeben worden
und mehr wie einmal ist mir der Zweifel rege geworden, ob ich nicht
geradezu Quarz statt Chalcedon sagen müsste. Die letztere Bezeichnung
ist gewählt worden, um die Zusammengehörigkeit auch solcher „quarz-
ähnlicher“ Massen nach Habitus und Entstehung mit dem „typischen“
Chalcedon hervorzuheben.
94-. Herr Dr. Passarge hatte bei Koanagha, östlich von Garn, auch
Dolomite geschlagen, die ihm durch die grosse Anzahl von harten Körnern,
„Sandkörnern“, die auf der Verwitterungskruste übrig bleiben, aufgefallen
waren. Dieses Vorkommniss erweist sich als an authigenem Glimmer und
Quarz und deren körnigen Anhäufungen überreich; ihnen gegenüber tritt
der Dolomit in manchen Lagen zurück, so dass er nur in einzelnen
Körnern dem Quarz-Glimmer-Gemenge eingelagert ist. Neben Phlogopit
und Quarz und Würfelchen von secundär in Brauneisen umgewandeltem
Pyrit enthält dieses Gestein auch in reichlicher Menge kurze, dicke und
nicht von ebenen Krystallflächen begrenzte Prismen von Apatit. Phosphor-
säure wurde chemisch qualitativ in Menge nachgewiesen. Die Apatite
haben eine dünne äussere Schicht von farbloser Substanz, die Hauptmasse
ist intensiv gefärbt mit überraschend starkem Pleochroismus: die Basis-
farbe ist bräunlich-grün, die Prismenfarbe blass bräunlich.
In diesem Gesteine stecken nun auch zwischen den authigenen Quarzen
und Phlogopiten noch Körner von Orthoklas, Mikroklin und von Quarz
mit grossen Flüssigkeitseinschlüssen wie unerwartete Fremdlinge. Sie
liefern den untrüglichen Beweis, dass auch die Dolomite von Garn aus
Kalksteinen entstanden sind, die stellenweise oder schichten weise auch
Sandkörner enthielten; die Körnchen von Dolomit im authigenen Quarz
und im Phlogopit beweisen die Entstehung dieser Gemengtheile aus den
erdigen Beimischungen des Kalksteins; das Fehlen der Flüssigkeits-
einschlüsse im authigenen Quarz beweist, dass er ganz ähnlichen Ursprung
hat wie sonst der Chalcedon.
IX. Chanise- Schichten.
95. Aus dem tiefsten Schichtensystem der nördlichen Kalahari, den
Chanse-Schichten, lagen nur wenige Handstücke aus verschiedenen Ge-
bieten zur Untersuchung vor. Es gehören zu diesen Schichten phyllitartige
Schiefer, an Feldspath reiche und kalkhaltige Arkosen mit einem weiteren
Bindemittel aus einem Quarz-Glimmer-Gemenge, Grauwacken von anschei-
nend krystallinem Gefüge, zum Theil mit deutlich erkennbar ausgeheiltem
Quarz und mit einem Bindemittel auch aus Quarz "und Glimmer. Durch
Contactmetamorphose veränderte Gesteine kommen auch vor. Nur einen
Kalkstein aus den Chanse-Schichten konnte ich untersuchen, und dieser
zeigt sich von Chalcedon durchdrungen, in einzelnen Fleckchen ziemlich
stark verkieselt. Die mikrochemische Analyse ergab einen geringen Ge-
halt an Magnesia. Beim Kochen eines Stückchens in verdünnter Salzsäure
behält dieses in der gelben, schwach trüben Lösung seine Form unver-
ändert, es ist dann aber leicht zerdrückbar. Im Lösungsrückstand, im
Hsij!
104
entkalkten Dünnschliff und im gewöhnlichen mikroskopischen Präparat
zeigt sich der Chalcedon in einzelnen Körnern und in zusammenhängenden
Massen; überall gehört er der grobkörnigen Varietät an. In dem Lösungs-
rückstand und in dem entkalkten Schliff findet man auch unzweifelhafte
Pseudomorphosen, die sich zwischen gekreuzten Nicols aus kleinen Par-
tikeln mit wandernden Schatten zusammengesetzt erweisen. Manche der-
selben zeigen fast dasselbe Verhalten, wie die über Kreuz auslöschenden
Pseudomorphosen aus den Kaikai-Gesteinen.
■ X, Eruptive Gesteine.
96. Unter den zahlreichen Diabasen und Diabasaphaniten der nörd-
lichen Kalahari, die ich untersucht habe, befindet sich auch ein Aphanit
aus der Renaka-Bucht an der Südseite des Ngami-Sees, der von win-
zigen, ganz unregelmässig verlaufenden Aederchen und kleinen Partien von
Chalcedon durchzogen ist. In einem etwas breiteren Aederchen zeigten
sich scharf begrenzte winzige Pseudomorphosen von Chalcedon in Rhom-
Boederform. Kleine Partien von Chalcedon sitzen fast überall mitten in
den leistenförinigen Plagioklasen und an ihren Rändern. Auch dieses Ge-
stein ist also verkieselt; der Chalcedon hat nichts an sich, was an Chal-
cedondruseii erinnerte, deren Substanz von der Zersetzung des Gesteins
herstammt. Hier hat sich unzweifelhaft bei der Zersetzung des Aphanites
nur Kalkspath gebildet; an seine Stelle ist später der Chalcedon getreten
ganz ebenso wie in den sedimentären Gesteinen.
Neben den Diabasen des Ssane-Hügels am Loale-Plateau westlich
von Palapye schlug Herr Dr. Passarge ein Handstück, das er für einen
gefritteten Sandstein dicht neben dem Eruptiv-Gestein hielt. Das klein-
fleckige Gestein ist hart und splitterig. Im Dünnschliff erkennt man nur
vereinzelte Quarz-Sandkörner, dann kleine Partikeln und Partien von Ferrit
und einer serpentinartigen, nicht näher bestimmbaren Substanz — alles
Uebrige, die Hauptmasse, ist unreiner Chalcedon. Die Structur der Masse
ist höchst sonderbar, und ich kann sie nur in folgender Weise erklären.
Das Gesteinsmaterial war ursprünglich eruptives Magma, das im Contact
mit alten Sandsteinen eine Menge Sandkörner aufgenommen hatte; es er-
starrte zu einem etwa einem Variolit ähnlichen Gestein, in dem je ein
Sandkorn zum Mittelpunkt eines sphärulitartigen Gebildes wurde, das sich
aus Plagioklasleisten auf baute. Dieses Gestein wurde zersetzt unter massen-
hafter Bildung von Kalkspath. Endlich wurde die ganze Masse in Chal-
cedon verwandelt, verkieselt, und zwar so, dass die ganze Umgebung eines
Quarz-Sandkornes dieselbe optische Orientirung erhielt, die das Quarzkorn
besitzt. Zwischen gekreuzten Nicols zerfällt also das ganze Präparat in
grössere ausgezackte Körner, die zum Theil von einander durch Ferrit und
serpentinartige Masse getrennt sind. Eine bessere Auskunft kann über
das einzelne vorliegende Handstück nicht gegeben werden, die Verkiese-
lung aber ist unzweifelhaft.
^ Die weite Verbreitung des Chalcedons in Süd -Afrika ist bereits seit
längerer Zeit bekannt; W. H. Penning hat schon 1885 (Quart. Journ. of the
105
GeoL Soc. of London, Bd. XLI, S. 576) den Namen „Chalcedolite“ benutzt
offenbar für Gesteine, die als verkieselt zu deuten sein werden. Und erst
kürzlich spricht Dantz in einem vorläufigen Bericht über seine Beisen in
Deutsch-Ost- Afrika in der Zeitschrift d. Deutschen Geol. Ges. Berlin, 1900,
Bd. 53, S. -45- von „Chalcedon führenden, sandigen Kalksteinen südöstlich
Ujiji‘‘. Es ist somit zu erwarten, dass das Phänomen der Verkieselung
in einem sehr grossen Theil von Süd- Afrika durch weitere Forschungen
und Studien nachgewiesen werden wird. Dass die Chalcedon führenden
Gesteine und die Dolomite Phänomene der Umwandlung darbieten, ist auch
schon von anderen Forschern angedeutet und erörtert worden. Doch glaube
ich in dieser Abhandlung zuerst den Beweis geliefert zu haben, dass in
der nördlichen Kalahari die Erscheinung der Verkieselung mit
oder ohne Dolomitisirung als eines der grossartigsten Phäno-
mene der hydatogenen Metamorphose an Gesteinen jeden geo-
logischen Alters auftritt, in denen Ka;lkspath als Haupt- oder
Uebergemengtheil vorhanden ist oder war.
Erläuterung der Tafeln.
Tafel II.
Fig. 1, Seite 83.
Chalcedon-Sandstein der Botletle-Schichten am Südrande der Renaka-
Bucht an der Südseite des Ngami-Sees.
Einkieselung. Alle Sandkörner sind meist völlig umgeben von sehr
schwach doppelbrechenden Säumen von Mikroachat. Das Centrum der
Interstitien ist wasserklarer, kleinbüscheliger Chalcedon. Vergrösserung 60.
Fig. 3, Seite 86.
Chalcedon-Sandstein der Renaka- Schichten, östlich von Bolibing in
der Renaka-Bucht an der Südseite des Ngami-Sees.
Einkieselung. Verschweissung der Quarz -Sandkörner. Quer durch
die Abbildung vier zu einer Kette vereinigte Sandkörner. Die Interstitien
sind erfüllt von schwach doppelbrechendem, sehr feinkörnigem Chalcedon
von tridymitartigem Habitus. Vergrösserung 60. «
Fig. 3, Seite 86.
Chalcedon-Sandstein der Renaka-Schichten vom Kap Refiaka an der
Südseite des Ngami-Sees.
Einkieselung. Die Quarz-Sandkörner sind durch schwache Ausheilung
mit viel winzigen Subindividuen mehrfach mit einander verwachsen, wodurch
Formen entstehen, die für freie Sandkörner unmöglich sind. In den Inter-
stitien schwach doppelbrechender, sehr feinkörniger Chalcedon. ' Ver-
grösserung 60.
Fig. 4, Seite 78.
Chalcedon-Sandstein, Uebergangsgestein der untersten Renaka-Schichten
aus der Renaka-Bucht an der Südseite des Ngami-Sees.
Einkieselung. Die direct aus der Grauwacke der Chanse- Schichten
herstammenden Quarz- Sandkörner zeigen Ausheilung durch Krystallspitzen,
106
besonders das mittelste Korn in der Abbildung. Alle Sandkörner sind
von Säumen von Mikroachat ganz umgeben, der im auffallenden Licht
weiss erscheint. Die Interstitien sind erfüllt von ganz klarem feinfaserig-
feinbüscheligem Chalcedon. Vergrösserung 60.
Fig. 5 und 6, Seite 76 und 79.
Chalcedon-Sandstein der Botletle-Schichten östlich von Totin im Bett
des Ngami-Flusses.
Einkieselung. Die Interstitien zeigen sich im zerstreuten Licht in
Fig. 5 von Opal „mit körnigem Zerfall“ erfüllt, der vom Rand bis zum
Centrum keinerlei Verschiedenheiten aufweist. Zwischen gekreuzten Nicols
aber in Fig. 6 zeigen die äusseren Partien der Interstitialmassen kräftige
Aggregatpolarisation. Vergrösserung 60.
Tafel III.
Fig. 1 bis 5, Seite 95, 74, 80.
Verkieselte Kalkstein-Breccie; Uebergangsgestein aus Schutt von Kalk-
stein der mittleren Ngami-Schichten aus der Renaka-Bucht an der Süd-
seite des Ngami-Sees.
Verkieselung. Alle fünf Figuren zeigen Stellen nur eines Präparates.
Vergrösserung 60.
Fig. 1 : Ein „plastisch“-körniges Geflecht von länglichen Calciten ist
völlig verkieselt.
Fig. 2: Ein grob radialstrahliges Aggregat von Calciten ist völlig
verkieselt.
Fig. 3: Völlig verkieselter Kalkstein; die Masse ist ein trübes gekröse-
artiges Geflecht von Strängen von Chalcedon mit kleineren Partien von
reinem Chalcedon; einige an Eisenhydroxyd reichere Flecke.
Fig. 4: Völlig verkieselter, schwach sandiger Kalkstein; die Stränge
von Chalcedon erinnern mit ihren Krümmungen und Windungen an Skelette
von Lithistiden; die hellen Stellen in der Abbildung sind meist reiner
Chalcedon, seltener Quarz-Sandkörner.
Fig. 5: Bindemittel der Breccie, bestehend aus Quarz-Sandkörnern
(vier vom Rande her in die Abbildung hineinragend) und einem Aggregat
von Pseudomorphosen von Chalcedon nach Rhomboedern von Calcit (oder
Dolomit); die dunkleren Flecke in der Mitte der Pseudomorphosen werden
erzeugt durch etwas trüben Chalcedon in sehr feinen concentrischen
Schalen.
Fig. 6, Seite 75.
Brecciöser Dolomit- Sandstein der Botletle-Schichten nordwestlich von
der Pfanne Garu unter 20^ s. Br. in Deutsch-Süd-West-Afrika.
Die Abbildung stellt ein Bruchstück von Dolomit dar, das aus Rhom-
boedern zusammengesetzt ist, die oft einen dunkelen, eisenhaltigen, tho-
nigen Kern enthalten. Vergrösserung 60.
Tafel IV.
Fig. 1, Seite 77.
Halb verkieselter Kalk -Sandstein der Botletle-Schichten von Meno
a kwena am Ufer des Botletle-Flusses.
Die dunkelen Stellen der Abbildung sind dichter Calcit, die hellen
sind Opal. In der Mitte der Abbildung um eine centrale Pore eine Partie
]07
von Opal, in der, wie auch an anderen Stellen der Abbildung, isolirte
Büschel (Kegel) von stark doppelbrechendem Chalcedon liegen. Vergrös-
serung 60.
Fig. 2, Seite 99.
Halbverkieselter Dolomit mit Lagen von fast reinem Chalcedon aus
den mittleren Ngami-Schichten der Kaikai-Berge.
Die Abbildung giebt eine Partie von Chalcedon mit reichlichem „Staub“
von Dolomit - Rhomboederchen; einige Eisenglanzkryställchen. Vergrös-
serung 60.
Fig. 3, Seite 80 und 100.
Isolirte Pseudomorphose von Chalcedon nach einem Carbonspath aus
einem schwach verkieselten Dolomit der mittleren Ngami-Schichten der
Kaikai-Berge.
Die Pseudomorphose ist in Wasser zwischen fast gekreuzten Nicols
photographirt. Vergrösserung 220.
Fig. 4, Seite 78.
Ausgeheiltes Quarz-Sandkorn aus dem Krystall-Sandstein der Botletle-
Schichten vom Massarwa-Thal an der Südseite des Ngami-Sees.
Die obere ausheilende Krystallspitze zeigt genau dieselben Interferenz-
Farben zwischen gekreuzten Nicols wie das untere Sandkorn, dabei aber
doch bei schiefer Beleuchtung sehr feine gekrümmte, dem Umriss des
Sandkorns parallele Anwachsstreifen; an der rechten Seite gehen Anwachs-
streifen auch parallel der Krystallfläche. Vergrösserung 220.
Fig. 5, Seite 99.
Stark verkieselter Dolomit der mittleren Ngami-Schichten der Kai-
kai-Berge.
Verkieselung. Die dunkleren Stellen der Abbildung sind Dolomit, die
ganz hellen sind Chalcedon; um eine Pore im Centrum der Abbildung zu-
nächst feinkörniger Dolomit, dann eine Zone von gröberkörnigem Dolomit,
von der aus einzelne Krystallspitzen in den Chalcedon hineinragen. Ver-
grösserung 60.
Fig. 6, Seite 94.
Völlig verkieselter, contactmetamorpher, granathaltiger Kalkstein der
mittleren Ngami-Schichten in der Renaka -Bucht an der Südseite des
Ngami-Sees.
Verkieselung. Grössere Rhombendodekaeder (von circa 0,o7 mm Durch-
messer) von farblosem Granat liegen gedrängt in klarem Chalcedon und
sind umgeben von einer Zone von winzigen, aus Subindividuen zusammen-
gesetzten Granaten; das Ganze liegt im Chalcedon. Vergrösserung 60.
VI. lieber eine Discordanz zwischen Kreide und Tertiär
bei Dresden.
Von Dr. Wilhelm Petrascheck.
Nördlich vom Dorfe Oberau durchsetzt die Berlin - Elsterwerdaer
Eisenbahn in einem etliche Meter tiefen Einschnitt einen Höhenrücken, der
aus diluvialem Schotter und Sand, aus oligocänem Thon und turonen
Plänern aufgebaut ist. Sämmtliche Schichten sind in ihrer Ueberlagerung
entblösst und jetzt in Folge von Erweiterungsbauten für ein zweites zu
legendes Geleis aufs Neue in frischem Anschnitte der Untersuchung zu-
gänglich. Dieser Ort, in unmittelbarer Nähe der grossen lausitzer Ver-
werfung gelegen, gewinnt erhöhtes Interesse dadurch, dass er neben der
Lausche in Sachsen der einzige Ort ist, an dem tertiäre Schichten die
Kreide überlagernd an getroffen werden können. Die letzteren werden hier
dargestellt durch Pläner mit Inoceramiis lahiatus Schloth., die ersteren
durch lichtgrauen Thon, der namentlich an der Basis von grobem Sand
erfüllt ist und überdies vereinzelte Knollensteine führt. Seine petro-
graphische Beschaffenheit verweist ihn ins Oligocaen.
Der Pläner fällt unter 8 — 10^ nach OSO. ein und wird discordant
vom Tertiär überlagert. Dies lehrt ebensowohl die Gesammtansicht des
langen Profileinschnittes, wie einzelne Stellen desselben, an denen der die
Basis bildende thonige Sand über die nach oben thonig aufgearbeiteten
Plänerbänke hinwegsetzt. Die Auflagerungsfläche zeigt einen flach welligen
Verlauf, indem der oligocäne Thon in weite, 0,5 m Tiefe erreichende, in
den Pläner -Untergrund eingesenkte Mulden eingreift. Kleine eckige Pläner-
brocken findet man mitunter im Thone eingebettet. Die geschilderten
Verbandverhältnisse schliessen die Möglichkeit, dass es sich hier um
Sedimente handelt, die zwar tertiären Ursprungs sind, sich jedoch auf
secundärer Lagerstätte befinden, aus.
Man kann wohl die Lagerungsstörung der Plänerschichten mit der in
nur ca. 500 m Entfernung, im Streichen des Pläners gemessen, liegenden
lausitzer Verwerfung in' Zusammenhang bringen und somit auf das Alter
dieser grossartigen Dislocation schliessen. Während für tektonische Stör-
ungen hercynischer Kichtung am Harze von Koenen*) eine jungmiocäne
Entstehung angenommen wird, lehrt das Profil übereinstimmend mit den
*) Jahrbuch der Preuss. geolog. Laudesanstalt, 1893, S. 79.
109
Anschauungen anderer Autoren, dass an dieser Verwerfung die Bewegungen
bereits in früherer Zeit begonnen haben müssen. Aus der Art des Auf-
tretens von Basalten und Phonolithen beiderseits der lausitzer Ueber-
schiebung folgert Siegert*), dass die Terrainverhältnisse zur Zeit der
Ablagerung des iniocänen Braunkohlenbeckens von Zittau bereits den heutigen
sehr ähnlich gewesen sein müssen, dass also nicht nur die Ueberschiebung
bereits vorhanden war, sondern auch die Abtragung der Kreideschichten auf
der lausitzer Platte weit vorgeschritten gewesen sein muss. Kalkowsky** ***))
verlegt wegen des Vorhandenseins eines die aufgerichteten Plänerkalke von
Weinböhla durchsetzenden Sandsteinganges, der seiner petrographischen
Beschaffenheit nach oligocaenen Alters ist, den Beginn der Bewegungen an
das Ende des Unteroligocaens. Das beschriebene Profil lehrt, dass dieser
noch weiter zurückzu verlegen ist, dass nämlich die Bewegungen schon vor
Ablagerung des Oligocaens Anfang genommen haben müssen. Ob die
Ueberschiebung selbst bereits zu dieser Zeit fertig gebildet war, oder ob
dieselbe erst wenig später erfolgte, wie Kalkowsky daraus schliesst, dass
der Sandsteingang zerbrochen und die beiden Theile desselben um etwas
über 6 m aneinander verschoben wurden und zwar so, dass die Harnisch-
streifung der Verschiebungsfläche senkrecht zur lausitzer Dislocationsfläche
steht, ist nicht zu entscheiden. Der Umstand, dass im erwähnten Eisen-
bahneinschnitt das Oligocaen sich in schwebender Lagerung befindet, schliesst
weitere Bewegungen nicht aus.
Von Wichtigkeit für die Präcisirung des Endes der die lausitzer
Ueberschiebung bewirkt habenden Krustenbewegungen ist das durch Beck
und Hermann'“'^*) mitgetheilte Auftreten eines, die an der Verwerfung
heraufgebrachten jurassischen Kalksteine quer durchsetzenden Ganges von
Feldspathbasalt, der sich bis in den Granit hinein erstreckt. Da die Basalt-
decken der Lausitz das Oberoligocaen überlagern, das Miocaen aber unter-
teufen, kann man folgern, dass die Störungen auf der lausitzer Verwerfungs-
spalte spätestens zu Beginn des Miocaens ihr Ende erreicht haben.
Will man auf Grund des geschilderten Profils annehmen, dass auch
die Ueberschiebung schon vor der Ablagerung des Oligocaens erfolgt sei,
so führt das Vorhandensein des Sandsteinganges zu der weiteren Annahme,
dass die Pressungen an der Verwerfungskluft noch länger andauerten und
das Aufreissen der Gangspalte zur Folge hatten. Ihre Richtung liegt
innerhalb derjenigen des muthmasslich wirkenden Druckes. Dies erfolgte
innerhalb des Oligocaens. Später müssten auf derselben Verwerfungskluft
neue Bewegungen stattgefunden haben, die die Verschiebung des Ganges
verursachten. Dass auf einer Dislocationsspalte zu verschiedenen Zeiten
Zerreissungen und Verschiebungen eingetreten sind, ist eine wiederholt
erwiesene Thatsache. Vielleicht kann man in gewissen seismischen Er-
scheinungen die Aeusserung noch heute andauernder Spannung erblicken f).
Da man in der Regel die Entstehung der Randbrüche der böhmischen
Masse mit der Faltung der Alpen in Beziehung bringt, sei daran erinnert,
dass dieselbe, soweit sie auch postcretacischen Alters ist, sich ebenfalls
in verschiedenen Phasen vollzogen hat. Bekanntlich lässt sich die lausitzer=
*) Erläuterungen zu Section Zittau, S. 23.
**) Abhandlungen der naturwiss. Gesellschaft Isis, 1897, S. 86.
***) Erläuterungen Section Hinterhermsdorf- Dauhitz, S. 42.
t) Vergl. Credner, Zeitschrift für Naturwissenschaft, Bd. 50 (1877), S. 287.
110
sudetische Verwerfung selbst noch im östlichsten Böhmen nachweisen.
Hier, wo sie nach Süd uinbiegt, wird sie von parallelen Brüchen begleitet.
Ueber den von Geiersberg nach Böhm. Trübau streichenden Hauptbruch
greift, wie auf Krejci’s geologischer Karte von Böhmen dargestellt ist,
das Miocaen hinweg, woraus ebenfalls folgt, dass der Bruch älter als
miocaen ist. Für den Pottensteiner Parallelbruch hingegen wird von
Hinterl echner"^') ein sehr jugendliches, vielleicht sogar quartäres Alter
angenommen, ein Beweis dafür, dass auch in dieser Gegend auf der
sudetischen Bruchlinie Krustenbewegungen sich in verschiedenen Phasen
vollzogen haben.
Sicher erwiesen ist für Sachsen bis heute nur, dass schon vor Ab-
lagerung des Oligocaens im Gebiete der heutigen lausitzer Verwerfung
Lagerungsstörungen stattgefunden haben, dass die Spannung während des
Oligocaens anhielt und dass vor der Ablagerung des Miocaens nicht nur
die Ueberschiebung stattgefunden hat, sondern auch beträchtliche Abtrag-
ungen auf dem nördlichen Theile erfolgt sind.
Dresden, Mineralogisch- geologisches Institut der Königl. Sächsischen
Technischen Hochschule. Juli 1901.
*) Jahrbuch tler K. K. geolog. Reichsanstalt, 1900, S. 610.
VII. lieber ein Steinbeil ron Halsbach.
Von Dr. A. Frenz el.
Im April 1901 wurde bei dem Ackerstürzen eines dem Rittergut Halsbacb
zugehörigen Feldes ein Steinbeil aufgefunden^ Ein elfjähriger Knabe fand
bei dem Steinelesen das Beil, welches ihm, seiner Form und Glätte wegen,
auffiel und nahm es deshalb mit nach Hause. Der genaue Fundort ist
auf dem beigegebenen Kärtchen durch
ein + bestimmt. Die Angehörigen
des Knaben — der Vater ein Berg-
arbeiter — hielten den Fund für
einen Wetzstein, wie sich solcher die
Landleute zum Schärfen ihrer Sensen
und Sicheln bedienen. Indessen er-
kannte doch ein älterer Bruder des
Finders, ein Schüler der Königl.
Freiberger Bergschule, das Object für
ein Steinbeil und brachte es mir zur
Ansicht.
Der Ort Halsbach, den Mineralogen
durch den Achatgang mit seinem
schönen Korallenachat bekannt
liegt am rechten Muldengehänge, etwa Stunde östlich von Freiberg.
Der Ort wird hauptsächlich von Berg- und Hüttenarbeitern bewohnt, welche
in kleinen Häuschen wohnen, die an dem Gehänge wie angeklebt erscheinen.
Der Untergrund wird von Gneiss gebildet. Darüber lagert als Ackerboden
diluvialer Gehängelehm. Es ist nicht das erste Mal, dass man in Frei-
bergs Umgebung ein Steinbeil auffand. Das Museum des Freiberger Alter-
thumvereins besitzt bereits vier Exemplare aus der Freiberger Gegend, zu
welcher Sammlung das Halsbacher Beil als fünftes hinzukam.
Ueber diese Beile kann Folgendes bemerkt werden:
1. Eingang 26. Februar 1876. Finder Ingenieur Paul Siede aus
Grossschirma (eingeliefert durch Obersteiger Teuchert auf Kurprinz). Ge-
funden in den Wiesen hinter dem Gasthof von Gaumnitz in Grossschirma.
Grosses Beil mit Durchbohrung. Länge 17 cm, Schneidenbreite 7 cm.
Professor Kreischer schlug seiner Zeit einen Splitter behufs Herstellung
eines Dünnschliffes ab, wobei sich das Gestein unter dem Mikroskop als
0 Siehe H. Müller: Die Erzgänge des Freiberger Bergrevieres, 1901, 226.
112
ein Hornblendeschiefer ergab. Professor Dr. Beck, dem neuerdings der
Dünnschliff vorgelegt wurde, bezeichnete das Gestein als einen Biotit
führenden Amphibolit.
2. Eingang 5. Mai 1876. Geschenk des Bergakademikers, jetzigen
Betriebsdirectors Wengler. Streitaxt, aufgefunden bei dem Ausgraben eines
Schlämmteiches für die alte Thurmhofer Erzwäsche von Himmelfahrt, zwischen
dem Thurmhofschacht und der Frauensteiner Strasse, bei dem dortigen
ehemaligen hohlen Weg. Das Beil zeigt Durchbohrung, ist aber leider
von den Arbeitern damals zerschlagen worden. Das Museum besitzt den
vorderen Theil des Beiles mit der Schneide; derselbe hat eine Länge von
10 cm. Die Flächen des Beiles sind sehr glatt, die Structur des Gestein-
materials feinkörnig, weniger schiefrig als bei den anderen vier Beilen.
3. Eingang 25. Juni 1876. Schenker Oberlieutenant Vollborn. Ein
kleines Beil von schöner Form, Schneide gut erhalten, dagegen das andere
Ende etwas beschädigt. Die Länge beträgt 8^/^ cm, Schneidenbreite 5 cm.
Das Beil wurde aufgefunden bei der kleinen alten Halde unterhalb Reiche
Zeche, am linken Muldenthalgehänge. Es besteht gleichfalls aus Amphi-
bolit mit schiefriger Structur und ist dem Beil von Halsbach überaus
ähnlich, so dass man zu der Meinung kommen kann, diese Beile sind aus
dem gleichen Material hergestellt.
4. Eingang 8. März 1884. Schenker Rittergutsbesitzer Karl Philipp
Steyer in Naundorf. Die Hälfte eines Steinbeiles, aufgefunden auf Naun-
dorfer Flur. Das Beil hat Durchbohrung und misst von der Schneide bis
zur unteren Bohrfläche 3,5 cm. Es besteht gleichfalls aus Amphibolschiefer.
5. Das eingangs gedachte Beil von Halsbach ist ohne Durchbohrung
und besitzt die aus der beigegebenen Abbildung ersichtliche Form, es hat
eine Länge von 9 cm und misst an der breitesten Stelle 4,5 cm. Eine vor-
zügliche Photographie, von dem Photographen Saemann
in Freiberg hergestellt, giebt ein höchst getreues Bild
des Beiles. Die Farbe des Beiles auf frischem Bruche
ist sehr dunkel, schwärzlichgrau, dagegen zeigt das Beil
eine hellgraue Verwitterungsrinde, die es durch das
wohl Jahrtausend lange Liegen in dem Gehängelehm
erhalten hat. Legt man das Beil in Wasser, so lassen
sich dann gut die zwei Gemengtheile, die dunkelgrüne
Hornblende und der weisse Plagioklas, unterscheiden,
auch Eisenkieseinsprenglinge kann man gewahren.
Ein abgeschlagener Splitter zu einem Dünnschliff
verwendet, wurde nach dem mikroskopischen Befunde
durch Herrn Professor Dr. Beck als Amphibolit erkannt.
Auch die vorgeschichtlichen Menschen, die einst-
^/.2 der natürl. Drösse. mals unser Muldenthal bewohnt oder durchstreift haben,
werden ihr Material zu den Beilen und Meisein nicht
weit her geholt haben. Amphibolite finden sich vielfach als Einlagerung
im Gneisse und auch aus der Freiberger Gegend sind dergleichen bekannt.
Man denke an die „Diorite“ von Halsbrücke und aus dem Stadtgraben
von Freiberg (Schwedensteine, durch Springen einer Belagerungsmine
emporgekommen); auch der im hiesigen Obermarktpflaster eingelassene
Stein, auf welchem der Richtklotz des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen
gestanden haben soll, ein Wahrzeichen Freibergs, ist Amphibolit.
d. Isis iji Dresden, 1901.
Taf. 11.
Phot. V. Yerf.
\
]
i
Phot. V. Yerf.
Abliancll. d. Isis in Dresden, 1901
Taf. IV.
Pliot. V. Yerf.
der
Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions - Gomite.
Jahrgang 1901.
Januar l>is Jani.
Mit 1 Karte und 1 Abbildung ini' Text>i'<''
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofhnchhandlung H. Burdacli.
1901.
—
1 ■ ' ■ ' |q
1 ■
1
L
—
h
1
^ ^ r
L
r
Redactions - Comitö für 1901.
Vorsitzender: Prof. Dr. Fr. Foerster.
Mitglieder: Prof. Dr. J. Deiclimüller, Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude, Prof.
Dr. E. Kalkowsky, Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause, Geh. Hofrath Prof. Dr.
H. Kitsche und Prof. Dr. K. Freiherr von Walther.
Verantwortlicher Redacteur: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Inhalt.
Friedrich Raspe f S. V.
Verzeichniss der Mitglieder S. VII.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3. — Heller, K. : Ausgestorbene madagassische Riesen-
strausse S. 4. — Kitsche, H.: Stimmapparat der Cicaden S. 3; Beobachtungen über
tropische Ameisen, zoologische Reiseeindrücke in Südungarn, Vorlage eines Kranich-
kopfes S. 4; neue Litteratur S. 3. — Rihhe, K.: Künstliche Erzeugung von Schmetter-
lingsvarietäten S. 3. — Richter, A.; Vorlage eines Elephantenstosszahnes S. 4. —
Schiller, K. : Gattungskennzeichen der in Sachsen vorkommenden Hydrachniden S. 4;
Vorlage von Acridium tartaricum^ neue Litteratur S. 3. — Viehmeyer, H.; Wie
finden die Ameisen den Weg zu ihrem Keste zurück? S. 3.
II. Section für Botanik S. 4. — Beck, R.; Einige Parasiten von forstlicher Bedeutung
S. 5; und Kitsche, H.: Bekämpfung des Schüttepilzes S. 5. — Drude, 0.:
Holzzuwachs beim Lärchenkrebs S. 5; Jubiläum der K. K. Zoologisch-botanischen Ge-
sellschaft in Wien, Gründung einer internationalen Botaniker -Vereinigung, Kuntze’s
Eingabe betreffend einen Staatszuschuss zu Engler’s „Pflanzenreich“, systematische
Morphologie der Gattungen Äbies, Picea^ Larix und Pinus S. 6; Vorlage eines Pinus-
Zweiges S. 4; neue Litteratur S. 5; und Kitsche, H.: Keuere Anschau-
ungen auf dem Gebiete der Descendenztheorie S. 5. ' — Kitsche, H.: Leuchten der
Hallimasch-Mycelien S. 5. — Thümer, A.: Demonstration eines Mikroskops S. 5.
III. Section für Mineralogie nnd Geologie S. 6. — Bergt, W.; Lausitzer Diabas
mit Kant engeröllen, Erzlagerstätten bei Freiberg, Erzgänge von Freiberg, neue Litteratur
S. 7. — Döring, H.; Strudellöcher im Elbbfett, geschrammte Geschiebe von Zschert-
nitz S. 7. — Engelhardt, H.: Geologische Beschaffenheit und Erforschung Bosniens
S. 6. — Kalkowsky, E.: Vorlagen S. 6; neue Litteratur S. 6 und 7. — Kessig, R.:
Keue Bohrung in der Dresdner Haide S. 6. — Petrascheck, W.: Ammoniten der
sächsischen Kreide S. 7. ~ Wagner, P. : Das Oentralplateau in Frankreich S. 6.
IV. Section für präliistorische Forschungen S. 7. — Deichmüller, J.: Hügel-
gräber nördlich von Bucba in Sachsen S. 7; neue Urnenfunde in Blasewitz S. 8; Vorlage
von Steim und Bronzegeräthen aus Sachsen S. 7 und 8; neue Litteratur S. 8. —
Döring, H.: Burgwälle von Schlieben und Cosilenzien S. 7. — Engelhardt, H.:
Runensteine von Bornholm S. 7. — Ludwig, H.: Vorlage von Steingeräthen und
Urnen aus Sachsen S. 7. — Wiechel, H.: Die ältesten Wege in Sachsen S. 8. . —
Excursion nach der Göhrischschanze bei Diesbar S. 8.
V. Section für Physik nnd Chemie S. 8. — Schlossmann, A.: Bedeutung des Phos-
phors in der belebten Katur S. 8. — Walther, R. von; Reductionen mit Hülfe von
Metallen, die Aluminothermie S. 8. — Excursion nach der Kährmittelfabrik von
Dr. Klopfer in Leubnitz-Keuostra S. 9.
VI. Section für Mathematik S. 9. — Heger, R.: U eher Parabel und Ellipse S. 9. —
Krause, M.: Charles Hermite S. 9. — Kaetsch, E.: Ueber ein in der Vector-
Analysis auftretendes System partieller Differentialgleichungen I. Ordnung S. 10. —
Weinmeister, Ph.; Schmiegungsparabeln der Ellipse S. 9; Ankreis-Mittelpunkte der
Dreiecke mit gleichem Um- und Inkreis S. 10.
VIT. Hauptversammlungen S. 10. — Beschluss über Beginn der Sitzungen S. 11. —
Wahleines Mitgliedes des Yerwaltungsrathes S. 11. — Eassenabschluss für 1900 S. 10,
• 11 und 13. — Voranschlag für 1901 S. 10. — Veränderungen im Mitgliederbestände
S. 12. — Dr. Fr. Baspe f S. 11. — Engelhardt, .H.: Vorlage von Pflanzen aus
Californien S. 10. — Fo erst er, Fr.: lieber elektrische Oefen S. 10; Demonstrationen
S. 11. — Hempel, W.: Vorkommen des Schwefels in der Natur S. 11. — Schiller, K.:
Vorlage Non Ayus /productus S. 11. — Wolf, C.: Infectionskranhheiten und die Art
der Uebertragung derselben auf den menschlichen Körper S. 11. — Excursion nach
Waldheiih S. 11, nach dem K. Fernheiz- und Elektrizitätswerk in Dresden S. 12.
B. Abhandlungen.
Deichmüller, J.: Ein verziertes Steinbeil aus Sachsen. Mit 1 Abbildung. S. 16.
Krause, M.: Charles Hermite. S. 3.
Nessig, R.; Tiefbohrung in der Dresdner Haide. S. 14.
Wiechel, H.: Die ältesten Wege in Sachsen. Mit 1 Karte. S. 18.
Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen,
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder- Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
Sitzungskalender für 1901.
September. 26. Hauptversammlung.
October. 3. Botanik und Zoologie. 10. Mathematik. 17. Mineralogie und Geologie
24. Hauptversammlung.
November. 7. Physik und Chemie. 14. Prähistorische Forschungen. — Mathematik.
21. Zoologie. 28. Hauptversammlung.
Hecember. 5. Botanik. 12. Mine:^logie und Geologie. — Mathematik. 19. Haupt-
versammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der ,,Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkscliriften. Dresden 1860. 8 1 M. 50 Pf.
Festschrift. Dresden 1885. 8 3 M. — Pf.
Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntniss der
Kaukasnsländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6' M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 ]VI. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte., Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . IM. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869 . . 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Juni, October-December 2 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, pro Jahrgang . . 4M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang T880. Juli-December . , . . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1900, pro Jahrgang 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1901. Januar- Juni 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der ,,Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft ,,Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich dor Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Prof. Dr. Deiclmiüller, Dresden-A., Zwingergebäude,
K. Mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins-
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber
in den Sitzungsberichten quittirt wird.
I I
y ' '
Königl. Sächs. Hofbuchhandlung
H. Burdach
Schloss -Strasse 32. DRESDEN. Fernsprecher 162.
empfiehlt sich
zur Bosorgung wissensclsaftliclier Litteratur.
Druck von Wilhelm Baensch in Dresden,
■Sölo.'i s
der
Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions - Gomite.
Jahrgang 1901.
•Juli bis December*.
Mit 3 Tafeln und 2 Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1902.
Redactions -Comite für 1901.
Vorsitzender: Prof. Dr. Pr. Po erst er.
Mitglieder: Prof. Dr. J. Deichmüller, Greh. Hofrath Prof. Dr. O. Drude, Prof.
Dr. E. Kalkowsky, Greh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause, Greh. Hofrath Prof. Dr.
H. Kitsche und Prof. Dr. K. Preiherr von Walther.
Verantwortlicher Redacteur: Prof. Dr. J. Deichmüller.’ -
Sitzungskalender für 1902.
Jamiai*. 9. Physik und Chemie. 16. Prähistorische Porschungen. 23. Zoologie.
30. Hauptversammlung.
Februar. 6. Botanik. 13. Mathematik. 20. Mineralogie und Geologie. 27. Haupt-
versammlung.
März. 6. Physik und Chemie. 13. Prähistorische ^Porschungen. — Mathematik.
20. Hauptversammlung.
April. 3. Zoologie und Botanik. 10. Botanik. 17. Mineralogie und Geologie.
24. Hauptversammlung.
Mai. 1. Physik und Chemie. 8. Excursion. 15. Prähistorische Porschungen. —
Mathematik. . 29. Hauptversammlung.
Juni. 5. Zoologie. 12. Botanik. 19. Mineralogie nnd Geologie. 26. Hauptver-
sammlung.
September. 25. Hauptversammlung.
October. 2. Physik und Chemie. 9. Mathematik. 16. Prähistorische Porschungen.
23. Zoologie. 30. Hauptversammlung.
November. 6. Botanik. 13. Mineralogie und Geologie. 20. Physik und Chemie.
27. Hauptversammlung.
December. 4. Zoologie und Botanik. 11. Prähistorische Porschungen. — Mathematik.
18. Hauptversammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der „Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofhuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8 . . . . . . 1 M. 50 Pf.
Festschrift Dresden 1885. 8. 3 M. — Pf.
Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntniss der
Kankasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln ... 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 ........... l^M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April- Juni, October-December 2 M, — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, pro Jahrgang . . 4 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni . . . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-December . . . . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1901, pro Jahrgang 5 M. — Pf,
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der ,,lsis“ wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft ,,Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Prof. Dr. Deiclimüller, Dresden-A., Zwingergebäude,
K. Mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins-
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber
in den Sitzungsberichten quittirt wird.
^ — — - '
Königl. Sächs. Hofbuchhandlung
H. Burdach
Schloss -Strasse 32. DRESDEN. Fernsprecher 152.
empfiehlt sich
zur Besorgung wissenschaftlicher Litteratur.
Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.
SMngsliericlte ifl AiaMlipn
der
NatuFwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Heraiisgegeben
von dem Redactions - ComitO.
Jahrgang 1902.
Mit 2 Tafeln und 1 Abbildung im Text
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1903.
Inhalt des Jahrganges 1902.
Hmrich Nitsche t S. V.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3 und 15. — Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nits che f S. 15.
— Geschenk für die Bibliothek S. 15. — Drude, 0.: Temperaturverhältnisse, Fauna
und Flora des Plattensees S. 4. — Engelhardt, H.: Neue Litteratur S. 3. —
Heller, K.: Neue Methode der Präparation von Schmetterlingen S. 3; Fauna von
Celebes S. 4; Lebensbild von H. Nitsche S. 15. — Nitsche, H. : Der Kranich als
Brutvogel im Königreich Sachsen S. 3; neuere Anschauungen über das Wesen der
Parthenogenesis und die künstliche Erzeugung derselben, neue Litteratur S. 4. —
Schiller, K.; Biologische Station im Adirondac - Gebirge S. 3. — Schneider, 0.:
Melanismus bei korsischen Käfern S. 3. — SchoiTer, B.: Neue Litteratur S. 3. —
Thallwitz, J.; Thierwelt der Hochgehirgsseen S. 3. — Viehmeyer, H.: Ueber
Höhlenkäfer S. 3. — Besuch des K. Zoologischen und Anthropologisch- ethnographi-
schen Museums in Dresden S. 15.
II. Section für Botanik S. 4 und 15. — Drude, 0.; Die Coniferen Europas und des
Kaukasus und die Grenzen der westpontischen Waldflora um Wien S. 5; über Iris
paradoxa^ das neue biologische Quartier im K. Botanischen Garten S. 6; der „Her-
cynische Florenbezirk“ S. 15. — Fritzsche, F.: Vorlagen S. 6 — Kalkowsky, E.:
Vorlage S. 16. — Menzel, P. : Beziehungen jetztlebender Abietineen zu denen des
Tertiärs S. 6. — Neumann- Spallart, G. von: Vorlage S. 6. — Pohle, R.;
Pflanzengeographie von Nordrussland S. 4. — Schiller, K. und Schorler, B.:
Neue Litteratur S. 16.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6 und 16. — Bergt, W. : Mineralien
von Heidelbach und von der Kunnersdorfer Verwerfung S. 16. — Deninger, K. :
Reisebilder aus Sardinien S. 7. — Kalkowsky, E.: Lagerung der Serpentine und
Gabbros im südlichen Ligurien S. 16. — Nessig, R.: Vorkommen des Graphits im
Loschwitzgrunde, Vorlage S. 16. — Stübel, A.: Genetische Verschiedenheit vulca-
nischer Berge S. 7. — Wagner, P.: Ueber den Würmsee und über die Insel Use-
dom S. 6.
IV. Section für prähistorische Forschungen S. 7 und 16. — Geh. Medicinalrath Prof.
Dr. R. Virchow f S. 16. — Deichmüller, J.: Neue Funde aus Sachsen, Ergebnisse
der Inventarisirung vorgeschichtlicher Alterthümer in der Gegend von Pegau S. 18;
neue Litteratur S. 7. — Döring, H.: Neolithische Funde von Lockwitz S. 7, von
Dresden-Strehlen, von Mockritz und von Rügen S. 17, slavische Funde von Kopschien
S. 7, von Rügen S. 17. — Ludwig, H.; Die neolithische Siedelung von Seebschütz
S, 7, neue Funde aus Sachsen S. 16. — Vogel, 01. : Der Staubenherg bei Westewitz
S. 16. — Excursion nach dem Pfaffenstein S. 7.
V. Section für Physik, Chemie und Physiologie S. 8 und 18. — Foerster, Fr.: Ein-
wirkung von Jod auf Alkali S. 8. — Hall wachs, W.: Ueber Strahlung und Tem-
peraturbestimmung durch Strahlung S. 8. — Kelling, E. G.: Physikalische Unter
suchungen auf dem Gebiete der Muskelphysiologie S. 18. — Müller, M. E.: Quanti
tative Bestimmung der Halogene durch Elektrol5^se S. 8. — Rebenstorff, H..
Unterrichtsversuche über Toninterferenz - Erscheinungen S, 8. — Schlossmann, A.:
Fettausscheidung durch die Faeces S. 8.
VI. Section für reine und angewandte Mathematik S. 8 und 18. — Gravelius, H. :
Aufsuchung und Discussion von Periodicitäten bei meteorologischen und klimatologischen
Erscheinungen S. 9. — Heger, R. : Besondere Kreise in homogenen Coordinaten
IV
S. 8; die Kugeln, welche die Seiten eines windschiefen Vierecks berühren S. 10. —
Helm, Gr.: Die neue statistische Mechanik von W. Gibbs S. 19. — Henke, K. :
Hauptträgheitsachsen des Dreiecks S. 20. — Krause, M.: Theorie der trigono-
metrischen Functionen S. 9. — Kaetsch, E.: Systeme von partiellen Differential-
gleichungen II. Ordnung S. 19. — - Vieth, J. von: Die Dual -Arithmetik von Oliver
Byrne S. 9. — Weinmeister, Ph.: Das Achsenproblem des Kegels II. Ordnung S. 18.
yiT. Hauptversammlungen S. 10 und 20. — Beschluss über Beginn der Sitzungen
S. 21. — Beamte im Jahre 1903 S. 23. — Kassenabschluss für 1901 S. 10, 12 und 20. —
Voranschlag für 1902 S. 10. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 22. — Verän-
derungen im Mitgliederbestände S. 11 und 21. — Bericht des Bibliothekars S. 25. —
Gründung einer Section für Physiologie und Biologie S. 10. — Geh. Hofrath Prof.
Dr. H. Kitsche -j- S. 21. — Buch er er, H.: Die neuere Entwickelung der Indigo-
industrie S. 20. — Gravelius, H. : Bedeutung und Nothwendigkeit einer organisirten
localen meteorologischen Forschung S. 21. — Helm, G.: llenkmal für Otto von
Guericke S. 10. — Kalkowsky, E.: Beise in der Provence S. 21. — Lewicki, E.:
Ueber Dampfturbinen S. 11. — Schorler,B.: Geschichte der Floristik bis auf Linne
S. 10. — Vater, H.: Entwickelung der Petrographie in ihren Grundzügen S. 10. —
Excursion nach dem Stadtkrankenhaus iu Dresden- Johannstadt, nach Moritz bürg
S. 11, nach den ,, Vereinigten Eschebach’schen Werken“ in Radeberg, nach der Felsen-
kellerbrauerei im Plauenschen Grunde S. 20.
B. Abhandlungen.
Bergt, W.: Ueber einige sächsische Gesteine. Mit 2 Tafeln. S. 29.
Drude, 0.: Rückblicke auf die Bearbeitung der Pflanzengeographie von Sachsen und
Thüringen. S. 138.
Gravelius, H. : Methodische Bemerkungen zur Discussion von Periodicitäten in der
Klimatologie. S. 24.
Mammen, F. : Analyse der Kalke von Tharandt und Braunsdorf. S._23.
Nessig, R.: Graphitreiche Zermalmungsproducte des Lausitzer Granites. S. 61.
Schneider, 0.: Ueber Melanismus korsischer Käfer. S. 43.
Schorler, ,13.: Geschichte der Floristik bis auf Linne. S. 3.
Schorler, B ; Bereicherungen der Flora Saxonica in den Jahren 1899 — 1902. S. 129.
Vogel, CI.: Der Burgwall auf dem Staubenberge bei Westewitz. Mit 1 Abbildung.
S. 133.
Wagner, P. : Die mineralogisch -geologische Durchforschung Sachsens in ihrer ge-
schichtlichen Entwickelung. S. 63.
Die Verfasser sind allein verantivortlieh für den Inhalt ihrer
Abhandlungen,
Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder- Abzüge unentgeltlich, eine grössere Anzahl gegen Er-
stattung der Herstellungskosten.
Hinrich Nitsche.
Am 8. November 1902 wurde unsere Gesellschaft von einem schweren
Verluste betroffen, der Geh. Hofrath Dr. Hinrich Nitsche, Professor der
Zoologie an der K. Forstakademie in Tharandt, wurde im Alter von 58 Jahren
unerwartet von einem Schlaganfalle dahingerafft.
Seit dem 30. November 1893 zählte Nitsche zu den Ehrenmitgliedern
der Isis, nachdem er unserer Gesellschaft schon vom 28. Februar 1884
ab als correspondirendes Mitglied angehört hatte. So schmerzlich das
frühe Hinscheiden des ausgezeichneten Lehrers und Forschers um der
zoologischen Wissenschaft willen zu beklagen ist, so tief berührt auch die
Isis der Verlust des trefflichen Mannes, betrauert doch die zoologische
Section in ihm ihren bisherigen Vorsitzenden. Und mit welch aufopfernder
Hingabe vertrat Nitsche seit 1894 dieses Amtl Die Entfernung seines
Wohnortes von Dresden liess ihn die Mühe nicht scheuen, oft ein umfang-
reiches Demonstrationsmaterial aus Tharandt mitzubringen und es spät
des Nachts mit Assistent und Diener wieder nach Hause schaffen zu
lassen. Immer bereit, mit Vorträgen selbst einzuspringen, pflegte er auch
Vorträge Anderer aus seinem reichen Wissensschatze zu ergänzen oder
selbst, stets lernbegierig, Anfragen zu stellen, die zu anregenden Discussionen
führten. Unsere Sitzungsberichte geben von seinen zahlreichen Vorträgen
und Demonstrationen Zeugniss, und es mag hier daran erinnert sein, wie
meisterlich Nitsche es verstand, selbst verwickelte Dinge so anschaulich
und eindringlich zu erläutern und durch drastische Vergleiche und launige
Bemerkungen zu würzen, dass auch dem Gegenstände Fernerstehende mit
Interesse seinen Ausführungen folgten und Belehrung davon gewannen.
Dem scheinbar unbedeutendsten zoologischen Gegenstände wusste er,
sei es in anatomischer, biologischer oder faunistischer Hinsicht, oder
vom Standpunkte der Abstammungslehre, die er vertrat, Interesse abzu-
gewinnen.
Sein heiteres, launiges Naturell, sein scharfer Verstand, der aber nie
herausfordernd, sondern nur mit grosser Bescheidenheit Kritik übte, sein
oft unter rauher, polternder Aeusserlichkeit verborgenes, theilnahmsvolles
Gemüth und vor Allem sein gerader, offener Charakter, der ihn zwang
sich stets so zu geben, wie er dachte, werden ihm bei allen Mitgliedern
der Isis eine dankbare Erinnerung sichern. Pflegte er auch gerne manche
Episode aus seinem Leben zum besten zu geben, so dürften doch nur
Wenige genauere Kenntniss von seinem Werdegang haben, der durch eine
merkwürdige Fügung Nitsche’s Jugendtraum verwirklichte.
VI
Geboren am 14. Februar 1845 in Breslau als einziger Sohn des Justiz-
commissars und Rechtsanwaltes am dortigen Oberlandesgericht, Joseph
Nitsche, verwaiste er früh, indem seine Mutter bei seiner Geburt, sein
Vater drei Jahre später verstarb. Die Grosseltern mütterlicher Seite, der
Oberconsistorialrath Professor Middeldorpf und dessen Frau geh. Schiller
sorgten aufs Beste für seine erste Erziehung, wobei sie auch durch ihren
Sohn, einen seinerzeit berühmten Chirurgen, Unterstützung fanden. Die
freundschaftlichen Beziehungen der Middeldorpf’s zu Gutsbesitzern boten
dem Knaben schon frühzeitig Gelegenheit, in Fasanerien jagend umher-
zustreifen, so dass sich bei ihm schon damals eine Vorliebe zur Forst-
carriere entwickelte. 1863 verliess er das K. Friedrichs -Gymnasium mit
dem Zeugniss der Reife, um sich bei der juristischen Facultät an der
Universität in Breslau immatriculiren zu lassen; dem Wunsche, sich dem
Forstfache zu widmen, hatte er, weil nicht militärtüchtig, schon vorher
entsagen müssen.
Die Liebe zur Natur veranlasste ihn aber schon im October 1863, zur
philosophischen Facultät überzutreten und sich dem Studium der Natur-
wissenschaften , besonders der Zoologie unter dem damaligen Professor
Ad. Ed. Grube zu widmen. Ostern 1864 verliess er Breslau, um unter
Professor H. A. Pagenstecher in Heidelberg seine Studien fortzusetzen.
Seit Michaelis 1865 sehen wir ihn in der Friedrich -Wilhelms- Universität
zu Berlin immatriculirt und sich am Kriege 1866 als freiwilliger Kranken-
pfleger betheiligen. Zu seinen damaligen Lehrern zählten die Professoren
W. C. Peters und K. E. Gerstäcker, unter welchen er auch am 6. Juni 1868
auf Grund seiner Abhandlung „Beiträge zur Anatomie und Entwicklungs-
geschichte der phylactolaemen Süsswasserbryozoen“ promovirte. 1869 nahm
ihn der im gleichen Jahre nach Leipzig berufene Professor R. Leuckart
als Assistenten an, in welcher Stellung er seine Studien über Bryozoen
fortsetzte. Nachdem er sich auch 1870/71 im deutsch-französischen Kriege
als freiwilliger Krankenpfleger bethätigt hatte, erfolgte 1871 seine Habi-
litirung als Privatdocent in Leipzig; seine Habilitationsschrift (siehe weiter
unten) behandelt ebenfalls Bryozoen. Vier Jahre darauf vermählte er sich
mit der Tochter des bekannten Münchner Geographen Geheimrath Dr. Oskar
Peschei, welcher Ehe zwei Töchter entsprossen, von welchen er die eine im
Alter von 18 Jahren später wieder durch den Tod verlor.
Sahen wir Nitsche bisher als Fachzoologen auf einem eng begrenzten
Gebiete, mit Hilfe subtiler Untersuchungsmethoden streng wissenschaftlich
arbeiten, so dass sein Name wohl für immer mit der Kenntniss der Bryozoen
verknüpft bleiben wird, so ändert sich die Richtung seiner Interessen mit
einem Schlage, als im October 1876, auf Empfehlung von Professor V. Carus,
seine Berufung als Professor an die K. Forstakademie nach Tharandt er-
folgte. Mit seltenem Geschick verstand er es, sich in die neue Stellung
einzuleben und sich von nun an in seinen Publicationen zumeist rein
praktischen Fragen der Forstzoologie zuzuwenden. Mit staunenswerthem
Fleisse suchte er sich auch in ihm ferner liegende Fächer, wie z. B. die
Forstentomologie einzuarbeiten, was ihm unter Anleitung des Geh. Forst-
rathes Professor Judeich (f 1892) so vorzüglich gelang, dass sein Name,
der den Gelehrten durch seine Fachstudien und durch die seit 1877 ge-
meinsam mit Leuckart herausgegebenen zoologischen Wandtafeln längst
vortheilhaft bekannt war, bald auch zu den ersten F orstzoologen Deutsch-
lands gezählt wurde. Besonders war es das von 1885 ab erschienene
VII
,, Lehrbuch der mitteleuropäischen Forstinsectenkunde“ (siehe unten), ein
epochemachendes Werk, das Nitsche’sund Judeich’s Namen, man kann sagen,
weltbekannt machte. Die Hauptlebensaufgabe erblickte Nitsche jedoch in
seiner Lehrthätigkeit; das unter seiner Hand zu einer mustergültigen Lehr-
mittelsammlung ausgebaute zoologische Museum der Akademie, die zahl-
reichen Modelle und Präparate, sowie vor Allem 115 eigenhändig von ihm
zum Unterricht hergestellte, meisterhafte Wandtafeln geben beredtes Zeugniss,
wie ernst er es damit nahm. Seinen Vorlesungen suchte er von Jahr zu
Jahr grösseren Umfang und tieferen Inhalt zu verleihen. Er las Curse
über allgemeine Zoologie, Wirbelthierkunde und Forstinsectenkunde, später
kam noch ein Colleg über die Naturgeschichte der Hirsche und von 1881
ab ein Curs über künstliche Fischzucht hinzu. Dem Drange zu Lehren
und Vorzutragen entsprang Nitsche’s lebhafte Antheilnahme an Congressen
und Versammlungen (u. A. 1880: Internationale Fischerei-Ausstellung Berlin;
1889: Allrussische Fischerei -Ausstellung St. Petersburg; 1898: Zoologen-
Congress Cambridge; 1899: Ornithologen- Congress Serajewo; 1901: Inter-
nationaler Zoologen-Congress Berlin), sowie seine rege Thätigkeit in wissen-
schaftlichen Vereinen, aus welchem Grunde er am 30. November 1893
auch von unserer Gesellschaft, der er, wie Eingangs erwähnt, bereits seit
1884 als correspondirendes Mitglied angehörte, zum Ehrenmitgliede ernannt
worden war.
Um unser engeres Vaterland hat Nitsche sich ausser durch seine
Lehrthätigkeit noch besonders durch seine Bestrebungen, die Fischerei-
verhältnisse und die künstliche Fischzucht zu heben, hoch verdient gemacht.
Nitsche’s in ganz Deutschland und Oesterreich bekannten Curse über
Forellen- und Karpfenzucht waren allen Berufsständen zugänglich — bis
1901 hatten sie 1879 Personen besucht — und brachten es mit sich, dass
Tharandt nicht nur in forstwirthschaftlicher Beziehung, sondern auch in
Bezug auf Fischerei und Fischzucht eine Art Centrale für Sachsen wurde.
Die zahllosen Anfragen und Bitten um Bestimmungen etc. beweisen, wie
viel Gewicht man auf Nitsche’s fachmännisches Urtheil legte. Bei so
mannigfacher Thätigkeit mag es Wunder nehmen, dass Nitsche noch Zeit
zu vielseitigen Publicationen fand. Da sie ein treues Spiegelbild alles
dessen sind, was den Dahingeschiedenen zeitweilig beschäftigte, so sei hier
eine Aufzählung (in systematischer und innerhalb dieser in chronologischer
Reihenfolge) gegeben; mag sie auch manche Lücke, namentlich in Bezug
auf referirende Arbeiten enthalten, so dürfte sie die wichtigeren Ver-
öffentlichungen Nitsche’s wohl ziemlich vollständig enthalten.
Verjüischten und allgemeinen Inhaltes.
1877 — 95. Leuckart und Nitsche: Zoologische Wandtafeln. Davon sind 16 Tafeln
(Nr. 1 — 13, 16, 17, 21 n. 22) von Nitsche gezeichnet.
1881. Der zoologische Unterricht nud die zoologische Sammlnng an der Akademie in
Tharand. Th. Jb.*) XXXI, S. 158 — 190.
1890. Erreichnng einer einheitlichen Nomenclatnr anf dem Gebiete der Entomologie
nnd Botanik. Centralblatt für das gesammte Forstwesen, Heft 136.
1893. Das nene japanische Jagdgesetz. Dentsche Jäger- Zeitnng XXI, Neudamm,
S. 17—22 u. 35 — 38.
*) Mit dieser oft wiederkehrenden Citatabknrznng sind die Tharandter forstlichen
Jahrbücher gemeint.
YIII
Vermes.
1873. Untersuchungen über den Bau der Taenien. Zeitschr. f. wiss. Zoologie XXIII,
S. 181-197.
1887. Bemerkungen über Lungenwürmer und Oestriden. Deutsche Jäger- Zeitung IX,
S. 482—484.
Bryozoa.
1868. Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der phylactolaemen Süss-
wasserhryozoen, insbesondere von Alcyonella fungosa Pall. Mit 4 Taf. Beichert
und du Bois B’s. Archiv für Anatomie, S. 465 — 521. Auch Dissertation der
Philosoph. Facultät Berlin.
1869—75. Beiträge zur Kenntniss der Bryozoen.
1. Beobachtungen über die Entwicklungsgeschichte einiger chilostomen Bryozoen.
Zeitschr. f. wiss. Zoologie XX, S. 1 — 13.
(1870.) 2. Über die Anatomie von Pedicellina echinata Sars. Sitzungsber. d. Ges.
naturf. Freunde Berlin, S. 13 — 34.
(1871.) 3. Über die Anatomie und Entwicklungsgeschichte von Flustra membranacea
(Habilitationsschrift). Zeitschr. f. wiss. Zoologie XXI, S. 416—470.
4. Über Morphologie der Bryozoen. 1. c. S. 471 — 498.
(1875.) 5. Über die Knospung der Bryozoen. Zeitschr. f. wiss. Zoologie XXV, SuppL-
Heft, S. 343 — 402.
1870. Über den Hermaphroditismus von Bugula flabellata, B. plumosa und Bicellaria
ciliata. Sitzungsber. d. Ges. naturf. Freunde Berlin, S. 9.
1871. On some interesting points concerning the mode of reproduction of the Bryozoa.
Quarterly Journ. Microsc. Sc. N. Ser. XI, p. 155 — 165.
1872. Betrachtungen über die Entwicklungsgeschichte und Morphologie der Bryozoen.
Briefl. Mitth. an Herrn Prof. v. Siebold. Zeitschr. f. wiss. Zoologie XXII,
5. 467—472.
1874. Untersuchungen über die Knospung der Süsswasserbryozoen, insbesondere der
Alcyonella. Sitzungsber. der Naturforsch. Gesellschaft Leipzig I, S. 31 — 36.
1875. Über die Eintheilung der Fortpflanzungsarten im Thierreich und die Bedeutung
der Befruchtung Sitzungsber. der Naturforsch. Gesellschaft Leipzig, S. 88 — 96.
— Über den Bau und die Knospung von Loxocera Kefersteini. Zeitschr. f. wiss. Zoo-
logie XXXV, S. 451—456.
— Organisation et bourgeonement du Loxocera Kefersteini. Arch. de Zoolog. "exp.
et gen. IV, N. et R., p. LIII -LV.
Crustacea.
1875. Über die Geschlechtsorgane von Branchypus Grubii. Zeitschr. f. wiss. Zoologie
XXI, Suppl.-Bd., S. 281—296.
Myriopoda.
1888. Zerstörung keimenden Lärchensamens durch Tausendfüsse. Th. Jb. XXXVIII,
S. 291 — 294.
Insecta.
1880. Bemerkungen zu vorstehendem Referat (H. Roch: Referat über den Verlauf des
Raupenfrasses im Gohrischer Forstrevier in den Jahren 1877 — 79). Th. Jb.
.. XXX, S. 321 — 324.
1881. Über den Frass von Hylesinus crenatus F. Th. Jb. XXXI, S. 172 — 190.
1885 — 93. Lehrbuch der mitteleuropäischen Forstinsectenkunde. Als 8. Auflage von
Ratzeburg; „Die Waldverderber und ihre Feinde“, herausgegeben von Judeich
und Nitsche. 1. Abth. 1885, 2. Abth. 1889, 3. Abth. 1893, 4. Abth. 1895 er-
schienen. (Referat darüber u. A. in der Forstl. - naturw. Zeitschr. 1893, S. 418
bis 419.)
1887. Untersuchungen französischer Forstmänner über die von Agrilus (Coraebus)
bifasciatus Oliv, an Eichenbeständen verursachten Schäden. Th. Jb. XXXVII,
S. 290— 294.
1888. Über den Frass der Lyda hypotrophica Hartig im Kgr. Sachsen. Th. Jb. XXXVIII,
S. 58—66.
— Weiteres über den Frass von Lyda hypotrophica. 1. c. S. 285 — 291.
IX
1892. Altes und Neues über die Vertilgung’ forstschädlicher Insecten. Beilage zur All-
gemeinen Zeitung 1892, Nr. 150, Beilage Nr. 125.
— Die Nonne, Liparis monacha, ihr Leben, ihr Schaden und ihre Bekämpfung
(Sonderabdruck aus dem Lehrbuch der mitteleurop. Forstinsectenkunde).
1893. Mittheilungen über die durch einen Eüsselkäfer, Rhyncolus culinaris, verursachte
Beschädigung der Streckenzimmerung in einer Steinkohlengrube. Th. Jb.
XLV, S. 121 — 155.
— Beobachtungen über die Eierdeckschuppen der weibl. Processionsspinner. Sitzungs-
berichte und Abhandl. der Naturw. Ges. „Isis“ Dresden, Abh., S. 108 — 117.
— Ein neuer Fall von Saatkampbeschädigung durch einen Laufkäfer, Harpalus
pubescens. Forstl.-naturw. Zeitschr. (Tubeuf.) II, Nr. 1 , S. 48.
— Untersuchungen über den vergleichenden Werth verschiedener Raupenleimsorten.
Th. Jb. Xmi.
1894. Mittheilung über Schildläuse. Vortrag gehalten in der Versammlung des Sachs.
Forstvereins zu Colditz am 19. Juni.
1895. Bemerkungen über einige forstschädliche Arten der Gattung Pissodes Germ.
Th. Jb. XLV, S. 152 — 160.
1896. Der neueste Kieferspannerfrass im Nürnberger Reichswalde. Auf Grund von
Mitth. bayr. Forstbeamten und aus eigener Anschauung geschildert. Th. Jb.
XL VI, S. 154—180.
— Kleinere Mittheilungen über Forstinsecten, Phyllobius, Cneorhinus plagiatus,
Scolytus intricatus, Cerambyx Scopolii, Liparis dispar, Onethocampa. Th. Jb.
XL VI, S. 225—247.
(Siehe auch unter: Vennes.)
Mollusca.
1881. Süsswasserperlen. Amtl. Ber. über die internat. Fischerei -Ausstellung zu Berlin
1880. Anhang, S. 83 — 94.
1882. Die Süss wasserperlen auf der internat. Fischerei -Ausstellung zu Berlin 1880.
Nachrichtsbl. d. Deutsch. Malak. Ges. XIV, S. 49—64.
Pisces.
1878. Die Fortpflanzung der Aale. Illustr. Jagd -Zeitung V, Nr. 21, S. 201 — 203.
1880. Die Zukunft unserer Fischwässer. Vortrag gehalten in der Oekonom. Gesellsch.
am 5. März. Mitth. der Oekonom. Gesellsch. im Kgr. Sachsen, S. 1 — 15.
1880 (od. 79?). Einige Bemerkungen über künstliche Fischzucht. (Separatabdruck aus
Judeich’s Forstkalender?)
1883. Wandtafel für den Unterricht in der künstlichen Zucht der Forellen, mit 28 Seiten
Text. Kassel, bei Theodor Fischer.
— Bericht über den Stand der künstlichen Fischzucht im Kgr. Sachsen bis zum
Jahre 1882. 41 Seiten mit einer Uebersichtskarte.
1886. Der Flussaal und seine wirthschaftliche Bedeutung. Vortrag gehalten vor der
Oekonom. Gesellsch. Mitth. der Oekonom. Gesellsch. im Kgr. Sachsen, S.lll — 127.
— Gemeinfassliche Belehrung über die Süsswasserfische des Elbgebietes. Schriften
des Sächs. Fischerei -Vereines.
— Die Einrichtung des öifentlichen Curses über künstliche Fischzucht an der Forst-
akademie in Tharandt bei Dresden. Mitth. des Oesterr.Fischerei-Vereines,20.Heft.
1890. Vortrag über Zander in der General -Versammlung des Deutschen Fischerei-
Vereines. Correspondenzblatt des Deutschen Fischerei -Vereines, S. 97 — 100.
— Kurzer Bericht über die 1. Allruss. Fischerei -Ausstellung zu St. Petersburg.
Schriften des Sächs. Fischerei- Vereines, S. 17—19.
1893. Statistik des Lachsfanges im Kgr. Sachsen während der Jahre 1886 — 1892.
Zeitschr. f. Fischerei und deren Hilfswissenschaften. 20 S.
1897. Süsswasserfische Deutschlands, im Aufträge des Deutschen Fischerei -Vereines
zusammengestellt. .
1898. Fischerei und Fischzucht im Kgr. Sachsen 1873—1898. „Sachsen unter König
Albert.“ Leipzig, Sächs. Volksschriftenverlag.
Beptilia, Amphibia.
1893. Gefrässigkeit einer Glattnatter, Coronella austriaca. Der Zoolog. Garten XXXV,
S. 254.
1900. Aussetzung nichtsächs. Amphibien in Tharandt. Sitzungsber. d. Naturw. Ges.
„Isis“ Dresden, S. 21.
X
Aves.
1885. Zur bevorstehenden Auerhahnbalz. Eine Anregung zur Beobachtung. Deutsche
Jäger -Zeitung IV, S. 502 — 504.
1886. Über die Loosung unserer Waldhühner. Deutsche Jäger-Zeitung VII, S. 217 — 220.
1893. Einige Mittheilungen über einheimische Spechte. Forstl.-naturw. Zeitschr. (Tubeuf.)
II, Nr. l, S. 16 — 20.
1898. Ungewöhnlicher Mageninhalt eines Kuckucks. Ornitholog. Monatsschr. XXIII, S. 267.
1900. Bemerkungen über das Vorkommen des schwarzbäuchigen Wasserschmätzers und
einiger anderer seltener Vögel im Kgr. Sachsen. Sitzungsber. und Abhandl.
der Naturw. Ges. „Isis“ in Dresden, Abh., S. 32 — 36.
1902. Einige Bemerkungen über das Nest der Beutelmeise. Ornitholog. Monatsschr.
XXVII, S. 318-332.
Mammalia.
1879. Sorex alpinus auf dem Riesengebirge. Zoolog. Anzeiger II, S. 591 — 592.
1881. Über die Altersbestimmung bei Roth-, Damm- und Rehwild. Judeich’s Forst-
und Jagdkalender Theil II, S. 1 — 17.
1883. Beiträge zur Naturgeschichte des Reh-, Roth- und Dammwildes. Th. Jb. XXXIII,
S. 56— 87 (auch in der „Neuen Deutschen Jagd -Zeitung“).
~ Über einige vom descendenz-theoretischen Standpunkte interessante Abnormitäten
des Rehwildes. Th. Jb. XXXIIl, S. 117 — 151.
1884. Eine wissenschaftliche Bitte an alle hirsch gerechten Jäger. Der Waidmann XV,
Nr. 46, S. 429—433.
1885. Wie erkennt man im Spätherbst auf der Strecke, ob ein erlegtes Stück Rehwild
in demselben Jahre gesetzt, also ein „Kalb“ im Sinne des Gesetzes, oder älter
ist. Deutsche Jäger- Zeitung VI, S. 198 — 203.
— Zur Frage über das Erstlingsg^hörn des Rehbockes. 1. c. S. 225 — 236.
— Eine nunmehr 199 Jahre alte Jagdgeschichte. 1. c. S. 502 — 504.
1886. Weiteres über hakentragende Rehe. Th. Jb. XXXVI, S. 39 — 56.
— Haken beim Damm wild. 1. c. S. 57 — 62.
— Über den Einfluss der Castration auf den Hauptschmuck der Hirsche und Reh-
böcke mit verrecktem Geweih und Gehörn. Oesterr. Forstzeitang IV, Nr. 26 u. 33.
1887. Kitzböcke mit gefegtem Gehörn Deutsche Jäger -Zeitung VIII, S. 465.
— Ein letztes Wort an Herrn v. Dombrowski über Kitzböcke. 1. c. S. 724 — 725.
— Hasenseuche in der Nähe von Kehl in Baden. 1. c. S. 677.
— Die Altersbestimmung des Schwarz- und Gemswildes nach dem Gebiss. Deutsche
Jäger-Zeitung (Neudamm) IX. 16 S.
— Schwarze wilde Kaninchen. 1. c. X, S. 179.
— Haben die Hirschgeweihe wirklich nur im 15. und 16. Jahrhundert „bluten“
können? 1. c. S. 257 — 259.
1888. Russische Bärenjagd. 1. c. XI, S. 30 — 31.
— Einige Notizen über das chinesische Fluss -Reh. 1. c. S. 125—128 u. 141 — 144.
1890. Einige Bemerkungen über Steinböcke. Deutsche Jäger-Zeitung XVII, S. 338— 341.
1891. Studien über das Elchwild, Cervus alces. Zoolog. Anzeiger, S. 181 — 195.
1893. Bemerkungen über zwei aus Spitzbergen stammende Renthierschädel. Jahreshefte
des Ver. Vaterland. Naturkunde Württemberg XLIX, S. 111 — 127.
1897. Ein Rehbock mit nur einer, scheinbar in der Mittellinie des Kopfes stehenden
Stange. Das Waid werk VI, S. 201— 204.
1898. Über die Hirschgeweihe mit mehr als zwei Stangen und die Hörner der Wieder-
käuer im Allgemeinen. Proceedings of the internat. Congress of Zoologie
Cambridge, p. 185 — 187.
— Studien über Hirsche. 1. Heft. Untersuchungen über mehrstangige Geweihe und
die Morphologie der Hufthierhörner im Allgemeinen. Leipzig. 103 S.
1900. Vierhörnige Gabelantilope. Sitzungsber. d. Naturw. Ges. „Isis“ Dresden, S. 21—22.
1901. Das Renthier als Jagd- und Hausthier der Polarvölker. Sitzungsber. d. Natur-
wiss. Ges. „Isis“ Dresden, S. 26.
1902. Der 28-Ender vom Tharandter Walde. Waidwerk in Wort und Bild XI, Nr. 4 u. 5.
Die Anregungen zu diesen Publicationen fand Nitsche, ausser in seinem
angeborenen Forschertrieb, in den vielen freundschaftlichen Beziehungen,
die er mit Zoologen, Forstleuten und Jagdliebhabern unterhielt und ferner
in seinen Reisen, die ihn nach Helgoland, Norwegen, Steiermark, Tirol,
XI
Ungarn, Bosnien und wiederholt nach Italien führten und ihm vielfach
Gelegenheit zum Sammeln und Beobachten und zur Ausübung der Jagd
boten. Für letztere hatte er seine Vorliebe bis in die jüngste Zeit bewahrt,
und obwohl er zu den Hofjagden fast ständig durch Einladungen ausge-
zeichnet wurde, Hess er es sich ausserdem nicht verdriessen, wenn es im
Tharandter Forst etwas abzuschiessen gab, stundenlang auf dem ilnstand
zu stehen, sei es auch nur um zu beobachten. Nitsche konnte daher nicht
nur vom Katheder herab, sondern auch auf Grund eigener, vielseitiger,
praktischer Erfahrung sein Lehramt und zwar in so vollkommener Weise
vertreten, wie vor ihm nur wenige Forstzoologen.
Seine vielfachen Verdienste fanden, wie schliesslich nicht unerwähnt
bleiben soll, höheren Ortes wiederholt auch äusserliche Anerkennung; so
wurde ihm 1894 das Ritterkreuz 1. Classe des Albrechtsordens, schon
früher der preussische rothe Adlerorden 4. Classe, 1898 der russische
St. Annenorden und 1901 der Titel eines Geheimen Sächsischen Hofrathes
verliehen.
Wir aber werden dem Dahingegangenen, wenngleich wir ihn betrübten
Herzens aus der Liste der lebenden Ehrenmitglieder streichen müssen, stets
ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.
K. M. Heller.
L
I
Sitzungsberichte
der
N aturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1902.
1. Section für Zoologie.
Erste Sitzung am 23. Januar 1902. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 33 Mitglieder.
Gustos Dr. K. Heller legt nach neuer Methode präparirte, d. h.
auf Gyps- Untergrund gelegte und mit Glas bedeckte Schmetterlinge
vor, die zu Demonstrationszwecken sehr geeignet erscheinen.
Oberlehrer Dr. B. Schorler legt einige neue Arbeiten von Dr. E. A.
Göldi, Director des Museums in Para, Brasilien, vor. Es sind dies:
Publicationen des Staatsmuseums in Para, Bd. III, Nr. 2. Para 1900;
Verzeichniss neuentdeckter Thiere und Pflanzen Brasiliens. Para 1901;
Album amazonischer Vögel. Buntdruck. Bio de Janeiro 1900.
Prof. H. Engelhardt legt gleichfalls ein ornithologisches Werk mit
farbigen Textillustrationen vor:
Blanchan, N.: Bird neighbours. New -York 1898.
Prof. Dr. 0. Schneider spricht in längerem, durch Demonstrationen
erläutertem Vortrage über Melanismus bei corsischen Käfern.
Lehrer H. Viehmeyer demonstrirt und bespricht eine grössere Anzahl
von ihm gesammelter Höhlenkäfer.
Privatus K. Schiller schildert auf Grund ihrer Publicationen die
im Adirondac-Gebirge in Nordamerika angelegte biologische Station.
Der Vorsitzende theilt unter Vorlage eines Eies mit, dass bei Strass-
gräbchen ein Kranichnest im Jahre 1899 gefunden wurde, der Kranich
also noch jetzt als Brutvogel im Königreich Sachsen anzusehen ist.
Zweite Sitzung am 10. April 1902 (in Gemeinschaft mit der Section
für Botanik). Vorsitzender: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz. — Anwesend
36 Mitglieder.
Der Vorsitzende bespricht in ausführlicher Darstellung die Thier-
welt der Hochgebirgs-Seen im Anschluss an die gleichnamige Publi-
cation von Dr. F. Zschokke in Basel. Zur Vorlage kommen:
Zscbokke, F. : Die Thierwelt der Hochgebirgs-Seen. Basel, Genf und
Lyon 1900;
Lilljeborg, W.: Cladocera sueciae. Upsala 1898;
Hellich, M. C. B.: Die Cladoceren Böhmens. Prag 1877;
Schm eil, 0.: Die Copepoden Deutschlands. Stuttgart 1895;
Fric, A. und Vävra, V.: Untersuchungen über die Fauna der Gewässer
Böhmens. Prag 1897.
4
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude referirt über Temperaturver-
hältnisse, Fauna und besonders Flora des Plattensees in Ungarn
im Anschluss an das bereits in mehreren Bänden in ungarischer Sprache
vorliegende Werk:
Resultate der wissenschaftlichen Erforschung des Balaton-Sees, heraus-
gegehen von der ungarischen geographischen Gesellschaft. Budapest 1899 u. f.
(Die Flora ist von Borhas bearbeitet.)
Dritte Sitzung am 5. Juni 1902. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof.
Dr. H. Nitsche. — Anwesend 36 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt zunächst mit einigen erläuternden Bemerk-
ungen vor:
Rabl, C.: Die Entwickelung des Gesichts der Wirbelthier e, Heft I. Mit
vielen Tafeln. Leipzig 1902.
Gustos Dr. K. Heller bespricht im Anschluss an die Ergebnisse der
Forschungsreisen der Herren S arasin die Fauna von Celebes in
längerem Vortrage. Zur Vorlage kommen folgende Werke:
S a r a s i n , P. und F r. : Die Süsswassermollusken von Celebes. Mit 13 Tafeln.
Wiesbaden 1898;
Dieselben: Ueber die geologische Geschichte der Insel Celebes auf Grund
der Thierverbreitung. Mit 15 Tafeln. Wiesbaden 1901;
Meyer, A.B. und Wiglesworth, L.W.: The birds of Celebes. Berlin 1898.
Ferner verschiedene Bände der Abhandlungen des K. Zoologischen
und Anthropologisch-ethnographischen Museums zu Dresden mit den eigenen
Arbeiten des Vortragenden über die Fauna von Celebes.
Der Vorsitzende bespricht die neueren Anschauungen über das
Wesen der Parthenogenesis und die künstliche Erzeugung der-
selben im Anschluss an:
Boveri, Th.: Das Problem der Befruchtung. Jena 1902.
An diesen Vortrag schliesst sich eine längere Debatte, an der sich
besonders Prof. Dr. B. Ebert, Prof. Dr. E. Kalkowsky, Oberlehrer Dr.
J. von Vieth, Gustos Dr. K. Heller und der Vorsitzende betheiligen.
II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 6. Februar 1902. Vorsitzender; Geh. Hofrath
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste.
Den Vortrag, zu dessen Erläuterung pflanzengeographische Karten,
sowie eine nach Formationen geordnete, reichhaltige Herbarsammlung auf
grossen Tafeln aufgehängt sind, hält Dr. R. Pohle über die Pflanzen-
geographie von Nordrussland.
Frühere floristische Arbeiten existiren aus Finnland und erstrecken sich etwa bis
zum Timanischen Gebirge nach Osten. Das Klima ist ein nach Osten zunehmend aus-
gesprochen continentales mit excessiv tiefen Winter- und relativ hohen Sommertempera-
turen. Bestimmend für die Flora ist die nach Osten zu sich verschärfende Kürze der
V egetationsperiode.
Das Gesammtgebiet ist zu theilen in ein westliches finnisches und in ein öst-
liches uralotimanisches Waldgebiet. Letzteres ist das artenreichere; die Scheide-
5
linie zwischen beiden bildet etwa die Westgrenze der Lärche. Den Breitengraden gleich-
laufend unterscheidet man
1. ein boreales Waldgebiet;
2. zwei Tundrengebiete:
a) ein östliches mit subarktischen Pflanzen,
b) ein westliches mit feuchterem Klima; charakteristisch ist die grosse
Entwickelung der Sphagnum -'Wqotq mit kriechenden Arten;
3. die arktische Region mit sehr weiten vegetationsarmen Gebieten. Hier ist
Wüstenbildung fast gegenüberzustellen der Steppenbildung im subarktischen
Gebiete. Der Mangel an regelmässigen Niederschlägen erklärt diese Erscheinung.
Der Vortragende führt die Charakterpflanzen an seinen Demonstrationstafeln vor,
welche, wie der Vorsitzende mit besonderem Danke hervorheht, durch die freundliche
Schenkung des rührigen Forschers in diesem unwirthlichen Theile Nordeuropas in den
Besitz des K. Herbariums der Technischen Hochschule übergegangen sind.
Zweite Sitzung am 3. April 1902. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof.
Dr. 0. Drude. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude spricht über dieConiferenEuropas
und des Kaukasus und über die Grenzen der westpontischen
Waldflora um Wien.
Der Vortragende trennt die Vertreter der vier Coniferengattungen Abies, Ficea,
Pinus und Larix nach pflanzengeographischen Gesichtspunkten, nämlich in
(1. boreale Arten,
2. westpontische Arten,
3. Kaukasus - Arten und
4. mediterrane, durch die Eiszeit in keiner Weise in ihrer Verbreitung beeinflusste
Arten.
Die augenblicklich im Mittelpunkte des Interesses stehende westpontische Flora
tritt in Europa naturgemäss am reinsten auf der Baikanhalbinsel auf und sendet ihre
Ausläufer in ziemlich grosser Anzahl bis in die Gegend von Wien, wo Pinus Laricio *
nigra als ihr Repräsentant auftritt.
Der Vortrag knüpft an eine an der Tafel entworfene und durch trockenes wie
frisches Material erläuterte Tabelle der Arten an, aus welcher den kaukasischen
Arten an der Hand des Kaiikasuswerkes von G. Radde, den westpontischen an der Hand
des neuen Werkes über die illyrische Pflanzengeographie von G. von Beck eine besondere
Beachtung und Schilderung gewidmet wird.
In dieser Liste sind die Arten der deutsch- alpinen Flora mit -j- vor dem Species-
namen, die endemisch westpontischen mit x bezeichnet; die Verbreitung im Kaukasus
ist hinter der allgemeinen (wie bei Nyman abgekürzten) Verbreitungsweise mit Kauk.
angegeben, sonst noch die allgemeine Verbreitung nach den in Isis -Abhandlung von 1898,
S. 92 erklärten Arealfiguren hinzugefügt (Mitteleuropa, Atlantisch, Politisch, Mediterran,
Westpontisch, AH arktisches und Hochgebirgs- (Alpen-) Areal verbindend).
Liste der Abietineen Europas und des Kaukasus.
Abies pectinata. Hispan. bor.- Serb. Maced.-Polonia MEur.
— sibirica. Ross, bor.- or NO Eur.
— Pinsapo. Hispan. mer. occ Atl.
— Nordmanniana. Kaukasus ........ Kauk. P.!
— cephalonica. Graec. mont Medit.
— * Apollinis und * Beginae Amaliae.
-{-Picea excelsa. (Fehlt dem Kaukasus!) Mu.NEur.
* (obovata.) (NO Eur.)
X — Omoriha. Serb. Bosn. Montenegro. (Beck, p. 360 Abb.) WP.
— orientalis. Kaukasus Kauk. P.i
-{-Larix europaea\ "^sibirica. Alp. Carp. (Sudet.)
Ross, arct AH.
-{-Pinus Cembra. Wie vorige verbreitet (excl. Sudet.). AH.
X — Peuce. Macedon. — Alban. (Molika- Föhre.) Ist
eigene Art: Beck, p. 463 Anm WP.
6
-j silvestris Kauk. Eur. As.
X — montana {*uncinata, ^obliqua, * Mughus^Pumilio).
Fehlt dem Kaukasus , nachgewiesen in den
Mingrelischen Alpen (Kauk.)H^.
— Laricio ^maritimaunä PaUasiana.His^m.-'KTetü,. Kauk. Medit.
X — * nigra^ austriaca. Anstr. — • Bosn. — Alban.
nnd Thessal. ............. Kauk. WP.
X — leucodermis. Serb. - Dalm. — Montenegro.
(Beck, p. 356 Abb.) 1000—1800 in .... . WP.
— Pinea, Pinaster, halepensis, brutia Medit.
Vortragender verweilt bei dem besonderen Interesse, welches die westpontische
Flora durch ihre Endemismen bietet, und bebt die Bedeutung der beiden genannten
Arbeiten hervor, welche Kadde und von Beck in Bd. III nnd IV der „Vegetation der
Erde“ geliefert haben.
Dr. P. Menzel hebt die Beziehungen einer Pieihe von jetzt-
lebenden Abietineen zu denen des Tertiärs hervor, über welche
bekanntlich eine eingehende Studie von ihm selbst im Jahre 1900 in den
Isis -Abhandlungen veröffentlicht wurde.
Dritte Sitzung am 12* Juni 1902 (im K. Botanischen Garten).
Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude. ~ Anwesend 35 Mit-
glieder und Gäste.
Der Vorsitzende zeigt Iris paradoxa Stev. vom südlichen, sogen,
kleinen Kaukasus, eine Angehörige der Oncocyclus- Gruppe. Die eigen-
artigen Standortsverhältnisse schildert G. Bad de in seinen Grundzügeii
der Pflanzenverbreitung im Kaukasus unter der Bezeichnung „xerophil-
rupestre Formation“.
Frau G. von Neumann-Spallart sendet an die Versammlung ein im
Topf im zweiten Jahre blühendes Antirrliinum majus.
Der Vorsitzende bespricht darauf die leitenden Ideen für die
Anlage des neuen biologischen Quartiers im K. Botanischen
Garten und bereitet dadurch die der Sitzung folgende Führung im
Garten vor.
Privatus F. Fritz sehe legt eine gefüllte Form von Aquilegia vulgaris,
in der freien Natur gefunden, und Cirsium montanum aus Garten-
cultur vor.
Hierauf folgt die Besichtigung ausgewählter Quartiere im botanischen
Garten,
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 20. Februar 1902. Vorsitzender: Prof. Dr.
E. Kalkowsky. — Anwesend 32 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. P. Wagner legt eine Monographie über den Würmsee
von VF. Ule vor, knüpft daran eine eingehende Besprechung und
hält dann einen Vortrag über die Insel Usedom.
7
Zweit© Sitzung am 13* März 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. W.
Bergt. — Anwesend 47 Mitglieder und Gäste.
Dr. A. Stiibel spricht unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder und
Profiltafeln über genetische Verschiedenheit vulcanischer Berge.
Dritte Sitzung am 19. Juni 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 65 Mitglieder und Gäste.
Dr. K. Deninger hält unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder einen
Vortrag: Beisebilder aus Sardinien.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 16, Januar 1902, Vorsitzender: Prof. Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 24 Mitglieder.
Der Vorsitzende bespricht folgende von ihm vorgelegte Werke:
Schliz, A.: Das steinzeitliche Dorf Grossgartach. Stuttgart 1901;
Radimsky, W., Fiala, J. und Hoernes, M.: Die neolithische Station
von Butmir bei Sarajevo in Bosnien. Wien 1895/98;
Khanenko, B.: Antiquites de la region du Dniepre. Livr. I— IV.
Kiew 1899/1901;
Treptow, E.: Die Mineralbenutzung in vor- und frübgeschichtlicber Zeit.
Ereiberg 1901;
vonErckert,R.: Wanderungen und Siedelungen der germanischen Stämme
in Mitteleuropa von der ältesten Zeit bis auf Karl den Grossen.
Berlin 1901.
Lehrer H. Ludwig hält einen Vortrag über die neolithische
Siedelung von Seebschütz bei Meissen und legt eine grössere Anzahl
von Fundstücken aus der Sammlung des Gutsbesitzers M. Andrae in
Seebschütz vor.
Oberlehrer H, Döring bringt zur Vorlage Steingeräthe und Ge-
fässreste aus neolithischen Herdstellen bei'Lockwitz und Fund-
stücke vom Burgwall Kopschien bei Kloster St. Marienstern.
Excursiou. Am 14. Mai 1902 betheiligten sich 19 Herren an einem
in Gemeinschaft mit der historischen Section des Gebirgsvefeins Tür die
Sächsische Schweiz unternommenen Ausfluge nach dem Pfaffenstein bei
Königstein zur Besichtigung der dortigen j in Keiler’s Bergrestaurant auf-
bewahrten Funde aus der Zeit des älteren Lausitzer Typus. (Vergl. Ab-
handl. der Isis in Dresden 1897, S. 73.)
8
V. Section für Physik, Chemie und Physiologie.
Erste Sitzung am 16. Januar 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Schloss-
mann. — Anwesend 169 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. W. Hallwachs hält einen Vortrag über Strahlung und
Temperaturbestimmung durch Strahlung.
Zweite Sitzung am 6. März 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Schloss-
mann. — Anwesend 37 Mitglieder.
Prof. Dr. Fr. Foerster spricht über die Einwirkung von Jod auf
Alkali.
Privatdocent Dr. M. E. Müller hält einen Vortrag über die quan-
titative Bestimmung der Halogene durch Elektrolyse.
Dritte Sitzung am 1. Mai 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Schloss-
mann. — Anwesend 43 Mitglieder.
Der Vorsitzende spricht über Fettaussch eidung durch die Faeces.
Oberlehrer H. Rebenstorff behandelt und führt vor Unterrichts-
versuche über Toninterfer cnz-Erscheinungen.
Der Vortragende demonstrirt einige einfache Folgerungen des Gesetzes von
Mariotte (Zeitschr. für d. phys. u. ehern. Unterricht 1901, S. 339; 1902, S.'20), einen Saug-
heber mit selhstthätigem Beginn des Fliessens (ebenda S. 90), die Explosionspipette von
Rose Ilfeld, den Einfluss von Staub bei der Entstehung von Wassernebeln, sowie einige
Erscheinungen tönender und tonempfindlicher' Flammen.
Die Beobachtung, dass das Einsenken selbst enger Röhren in die tonhildende Röhre
der sogenannten chemischen Harmonika deren Ton zu beseitigen vermag, führt zu einer
Reihe neuer Interferenzversuche , über welche die Zeitschrift für den phys. u. ehern.
Unterricht Näheres bringen wird. Auch genau abgestimmte Membranen vermögen den
Flammenton zu unterdrücken, der sofort wieder entsteht, sobald die Interferenz der
beiden unhörbar leisen Systeme von Tonwellen gehindert wird.
VI. Section für reine und angewandte Mathematik.
Erste Sitzung am 13. Februar 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Pb.
Weinmeister. — Anwesend 14 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. Heger spricht über besondere Kreise in homogenen
Coordinaten,
Vortragender entwickelt in homogenen Coordinaten die Gleichungen der dem
Achsendreieck zugeordneten Kreise, nämlich des Umkreises, der vier Berührungskreise
(in Punkt- und Linien -Coordinaten), des harmonisch zugeordneten und des Feuer-
hach’schen Kreises.
An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion.
9
Zweite Sitzung am 13. März 1902. YorsitzeiKler; Prof. Dr. Ph. W ein-
meister. — Anwesend 8 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Gravelius spricht über Aufsuchung und Discussion
von Periodicitäten bei meteorologischen und klimatologischen
Erscheinungen. (Vergl. Abhandlung IIP)
Dritte Sitzung am 15. Mai 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Ph. Wein-
meister. — Anwesend 18 Mitglieder.
nach Potenzen von u resp. v
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über die Theorie der
trigonometrischen F unctionen.
Der Vortragende erinnert zunächst an die Art, wie die Entwickelung der Function
V
u cotu oder des mit ihr nahe verwandten Ausdrucks
zu den bekannten Bernouilli’schen Zahlen führt, und ferner an die Thatsache, dass die
Entwickelung des complicirteren Ausdrucks ^ nach Potenzen von v Veranlassung
gieht, die sogenannten Bernouilli’schen Functionen einzufühien. Im Anschluss hieran
wird einiger Eigenschaften der Bernouilli’schen Zahlen und Bernouilli’schen Functionen
gedacht. — Im zweiten Theil seiner Ausführungen verbreitet sich Redner über die
Entwickelung der Function cot{x-\-u) und des mit ihr eng zusammenhängenden Aus-
drucks , ^ nach Potenzen von x resp. y. In den Coefficienten dieser Entwickelung
ev + v — I
treten gewisse Functionen von u resp. von v auf, welche durch 63, ög, .... bezeichnet
und hinsichtlich ihrer Eigenschaften untersucht werden; insbesondere wird eine independente
Darstellung für bm gegeben. Hierbei werden auch die zu den „ultra -Bernouilli’schen
Zahlen“ 5^, 6g, .... in naher Beziehung stehenden „ultra-Bernouilli’schen Functionen“
in Betracht gezogen.
Vierte Sitzuüg am 12. Juni 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Ph. W ein-
meister. — Anwesend 12 Mitglieder.
Oberlehrer Dr. J. von Vieth spricht über die Dual-Arithmetik
von Oliver Byrne.
Der Vortragende referirt über ein 1863 hei Bell & Daldy in London erschienenes
Werk unter obigem Titel, worin gelehrt wird, wie man alle Zahlen als Producte von
Potenzen der Basen l,i; l,oi; l,ooi u. s. w. mit ganzzahligen Exponenten darstellen und
wie man mit diesen sogenannten Dualzahlen praktisch rechnen kann. Es wird die Um-
wandlung einer Dualzahl in eine gewöhnliche Decimalzahl und die umgekehrte Um-
wandlung gezeigt, wobei sich herausstellt, dass die Exponenten der Dualzahl sich ähnlich
verhalten wie die Ziffern der Decimalzahl. Daran schliessen sich Umwandlungen von
Dualzahlen in andere Formen zum Zwecke bequemerer Handhabung und Anwendungen
auf Berechnung von Wurzeln, numerische Lösung von Gleichungen u. s. w.
In diesem und einem späteren Werke des Verfassers weiden statt obiger Basen
manchmal die folgenden gew^ählt: 0,9; 0,99; 0,999 u. s. w. Auf dieser doppelten Dar-
stellungsweise beruht der Name dieser Arithmetik. Durch Combination beider Methoden
löst der Verfasser zahlreiche complicirtere numerische Aufgaben aus fast allen Gebieten
der Mathematik und Physik. Indessen erfordert dies eine ausserordentliche Rechen-
geschicklichkeit, Erlernung vieler symbolischer Abkürzungen und Kunstgriffe, sowie die
Benutzung einiger kleiner Hilfstabellen, die man sich nicht gut in jedem Falle neu
herstellen kann, sodass es vollkommen erklärlich ist, dass die vom Verfasser aus-
gesprochene Hoffnung, durch seine Methode die Logarithmentabellen unnöthig zu
machen, vollständig gescheitert ist.
Theoretisch verhält sich diese Zahlendarstellung zur Darstellung der Zahlen als
Potenzen einer einzigen Basis, also zur logarithmischen Darstellung, ungefähr so, wie
sich eine Stufe tiefer die Darstellung einer Länge in Fuss, Zoll und Linien zur Dar-
stellung im Decimalsystem verhält.
10
Prof. Dr. Heger spricht über die Kugeln, welche die Seiten
eines windschiefen Vierecks berühren.
Vortragender führt zunächst kurz aus, dass zu einem windschiefen Viereck
acht Kugeln gehören, welche die vier geraden Linien berühren, in denen die Seiten des
Vierecks gelegen sind. Im allgemeinen wird aber keine dieser acht Kugeln so beschaffen
sein, dass alle vier Berührungspunkte auf den Seiten selbst liegen, vielmehr werden sich
in der Kegel stets einige derselben auf den Verlängerungen der betreffenden Seiten be-
finden; nur, wenn zwischen den Längen der Viereckseiten eine gewisse Kelation besteht,
können Kugeln von der fraglichen Beschaffenheit existiren. Eine ähnliche Thatsache
stellt sich heraus, wenn verlangt wird, dass zwei Berührungspunkte auf zwei in einer
Ecke zusammenstossenden Seiten des Vierecks, die beiden übrigen auf den Verlänger-
ungen der beiden anderen Seiten gelegen sein sollen; auch dieser Forderung kann nur
genügt werden, wenn die Seitenlängen eine gewisse Bedingung erfüllen. — Hierauf
giebt Redner eine Reihe von Andeutungen über die analytische Behandlung des Problems,
die zu einem gegebenen windschiefen Viereck gehörenden acht Berührungskugeln zu
finden; hierbei wird von den in Normalform geschriebenen Gleichungen der vier Ebenen
ausgegangen, welche sich durch die vier Ecken des Vierecks legen lassen; der Mittel-
punkt einer jeden der verlangten Kugeln ist dann bestimmbar als Schnittpunkt von
drei Ebenen, deren Gleichungen leicht in eleganter Form aufgestellt werden können.
VIL Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 30. Januar 1902. Vorsitzender: Prof. H. Engel-
hardt. — Anwesend 41 Mitglieder.
Prof. Dr. G. Helm legt eine Aufforderung zu Beiträgen für ein Denk-
mal vor, welches Otto von Guericke an dessen 300 jährigem Geburts-
tag in Magdeburg errichtet werden soll.
Oberlehrer Dr. B. Schorler hält einen Vortrag über die Geschichte
der Floristik bis auf Finne. (Vergl. Abhandlung L)
Zweite Sitzung am 27. Februar 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr.
Fo erster. — Anwesend 41 Mitglieder.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrathes, Prof. H. Engelhardt, legt
den Rechenschaftsbericht für 1901 und den Voranschlag für 1902
vor. Letzterer wird einstimmig genehmigt.
Als Rechnungsprüfer werden Bankier A. Kuntze und Privatus
F. Fritzsche gewählt.
Prof. Dr. H. Vater spricht über die Entwickelung der Petro-
graphie in ihren Grundzügen.
An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion an.
Dritte Sitzung am 20. März 1902. Vorsitzender; Prof. Dr. Fr.
Foerster. — Anwesend 47 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende berichtet über einen eingegangenen Antrag zur
Gründung einer selbständigen Section für Physiologie und Bio-
logie. Nach längerer Aussprache wird beschlossen, das Arbeitsgebiet der
Section für Physik und Chemie durch Hinzunahnie der Physiologie zu er-
11
weitern und die Section für Mathematik durch Ueberweisung der theo-
retischen Physik in eine Section für reine und angewandte Mathematik
umzuwandeln.
Ingenieur E. Lewicki hält einen Vortrag über Dampfturbinen
unter Vorführung zahlreicher Modelle und Lichtbilder.
Excursion am 30. April 1902 zur Besichtigung des neu errichteten
Stadtkrankenhauses in Dresden-Johannstadt. — Zahl der Theil-
nehmer 116.
Generalarzt Hofrath Dr. B. C. Crede giebt an einem aufgestellten Situationsplane
zunächst eine Uebersicht über die gesammte Anlage des Krankenhauses und über die
Bestimmung der einzelnen Gebäude. Hieran schliesst sich unter Führung des genannten
Herrn und mehrerer Hilfsärzte eine Wanderung durch die verschiedenen Baulichkeiten,
deren Einrichtungen eingehend in Augenschein genommen werden.
Vierte Sitzung und Excursion am 8. Mai 1902 nach Moritzburg. —
Zahl der Theilnehmer 20.
Von der Haltestelle Moritzburg wunderten die Theilnehmer über Cunertswalde
um den Grossteich nach Bärnsdorf, wo im Gasthof unter Vorsitz von Prof. H. Engel-
hardt eine kurze Hauptversammlung zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten
abgehalten wird. Während der Rückwanderung über die Fasanerie und die Umgebung
des Jagdschlosses Moritzburg führen Oberlehrer Dr. B. Schorler und Privatus
K. Schiller am Grossteich einige Ergebnisse der dortigen Planktonforschung vor.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 22. April 1902 starb in Dresden die als Dichterin bekannte Frau
verw. Sanitätsrath Agnes Kayser-Langerhanns, wirkliches Mitglied
seit 1883.
Am 3. Juni 1902 starb Prof. Dr. B. Wartmann in St. Gallen, corre-
spondirendes Mitglied seit 1861.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Burdach, Fritz, Dr. med., Oberstabsarzt in Dresden, am 20. März 1902;
Dannenberg, 0. Fug., Dr. med. in Dresden, am 27. Februar 1902;
Deninger, Karl, Dr. phil., Assistent am K. Mineral-geologischen
Museum in Dresden, am
Dietz, ßud., Dr. phil., Assistent an der K. Technischen Hoch- 20. März
schule in Dresden, 1902;
Haupt, Hugo, Dr. phil., Apotheker in Dresden,
Hentschel, W., Dr. phil., Rittergutsbesitzer, in Radebeul, l am
Mammen, F., Dr. phil., Forstassessor in Tharandt, l 8. Mai
Naumann, A. Otto, Dr. phil., Fabrikbesitzer in Plauen b. Dr., ) 1902.
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
Müller, H. Otto, K. Oberförster in Unterwiesenthal.
Kassenabschluss der Gesellschaft ISIS vom Jahre 1901.
Position. Eiunalime. Position. Ausgabe.
12
S 1
00 O I I 'X>
•rti CD I I 00
M'ct(3>OOOOOOc50CO
"SiOi— ICOCDOSL'^'^OCO
^CDi— OiCD
. QD .S
• ^ CO -g
• .3 Ü
rDj (D Ü
CD rD3 ^
a-( O cD
■ PQ 05 MJ
3 ^
CD
03 53X)5 S Ö
3 03 ^
CC rj Q
TO ;r; M CO •'-! ’r!
'S 1-3 Sa? ^ ^
Ci^hHMMpQPHHHPHM
cö
rj § ’S
.3 a 0:3
Pi t> ö
S ?-l 03
Sr, 03 CO
^ 02 CO
* 03 CC
o>icO'^iOCDä>ooa)
^ Tj- o iC £-
'S I-H O O) 05
C3 00 CO tH
g 02
'Ctc
CD O O 00 I CO O CD l O
OO'cj^lOOO Ico-Tjcooco
coo50?>oocoi>co
CO CD ?> »O CO CO 05 CD 05
CD05002lOlOiOOOJ>
lO 1-H CO f-H rH
Pl CD
ce ^
:c3
I 1 I I 02 I CO >o
(Dl I I I CD I CO 05
^,— lOiOOOt-T— l(05i— 105
iSOCOrHi— It-I02 CD>0
C5
n:i^
Pl rl
^ s
03 a
^ ce
:cö to
p
bo
fl
^ bß
S'
4-» rO q;) (X)
ö'S:S .^ i ;;
w s p p ^
fl ö bßpo
aa 3 ^
*-+3 4-P> ^ .
ö CO C/D ^
fl fl 05 -43 §
rfl t» CB
T06T IIX ’Te «lOA
sjnQ luap tiouM
cö
fl ä
fl CD
CO _o
^ 'S
fl
bß
fl
cö
p
^ bß
ö fl •
'== 3 bß
fl S.T^ fl „ _ . ^ ,
s a-s 3 s ^
'S^'S flf^ 'a fl
<lPPP;>'PcoPP
<D
bß
:o
fl ^ '
mm
fl C3 bß
4S ö
bß^ ^ ^
°ß+= 43 n=!
fl fl
a fl PrS
a fl 03 .Tl flpflnfl ^03
CO 03 05 03 .3 ößT fl
ä'S'g’S '3-S g
M<lWctti> 5PhmPh
1— I 02 CO 'C}^ lO CD
Dresden, am 25. Februar 1902. Hofbuchhändler G. Lehmann, z. Z. Kassirer der Isis.
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gresellschaft
ISIS
in Dresden.
1902.
1. Section für Zoologie.
Yierte Sitzung am 15, October 1902 (im K. Zoologischen Museum).
Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 40 Mit-
glieder und Gäste.
Gustos Dr. K. Heller führt die Anwesenden durch die Eäumö des
K. Zoologischen und Anthropologisch-ethnographischen Museums und giebt
Erläuterungen zu verschiedenen Gegenständen der Sammlungen, sowie zu
den Einrichtungen der Sammlungs- und Arbeitsräume.
Fünfte Sitzung am 4. December 1902 (in Gemeinschaft mit der
Section für Botanik). Vorsitzender: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz. — An-
wesend 25 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende giebt dem Schmerze Ausdruck um den Verlust, den
die zoologische Section durch das Hinscheiden ihres ersten Vorsitzenden,
des Geh. Hofrathes Prof. Dr. H. Nitsche erlitten hat.
Die Anwesenden ehren das Gedächtniss des Verstorbenen durch Er-
heben von den Plätzen.
Derselbe theilt unter Vorlage des betreffenden Werkes mit, dass
mehrere Mitglieder der Isis der Bibliothek derselben das Werk von G. Chun:
„Aus den Tiefen des Weltmeeres“ zum Geschenk gemacht haben.
Gustos Dr. K. Heller giebt in längerer Rede ein Lebensbild des ver-
storbenen Ehrenmitgliedes und langjährigen Vorsitzenden der Section für
Zoologie, des Geh. Hofrathes Prof. Dr. Hinrich Nitsche - Tharandt.
(Vergl. Nekrolog S. V.)
Eine Anzahl der wichtigeren Arbeiten des Verewigten werden vorgelegt.
II. Section für Botanik.
Vierte Sitzung am 6. November 1902. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 32 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende legt den ,,Hercynisch'en" Florenbezirk“ aus
dem von Engler und Drude herausgegebenen Werke ,,Die Vegetation
der Erde“ vor und kennzeichnet besonders die Grenzen, welche er dem
Thema gezogen hat, sowde die Eintheilung des Stoffes in grossen Zügen.
(Vergl. Abhandlung X.)
16
Prof. I)r. E. Kalkowsky zeigt den Blüthenstand einer ausgezeichnet
blühenden grünen Rose aus Coimbra.
Dr. B. Schorler legt neuere Litteratur vor und zwar:
Beck, G. von: Hilfsbuch für Pflanzensammler. Leipzig 1902;
Warnstorf, C.: Kryptogamenflora der Mark Brandenburg. Band I: Moose.
Berlin 1902;
Hansen, A.: Vegetation der ostfriesischen Inseln. Darmstadt 1901.
Der Vortragende erwähnt die an dieses Buch angeknüpfte Kritik von
Prof. Warming- Kopenhagen.
Rumphius -Gedenkbuch zur Erinnerung an das 200jährige Jubiläum des
Herbarium Amboinense. Harlem 1902.
Dazu wird die Rumphius - Medaille vorgelegt, welche in sehr schöner
Ausführung diesem Gedenkbuch beigegeben wurde.
Privatus C. Schiller legt vor:
Trelease, Missouri Botanical Garden, Jahresbericht für 1902. St. Louis 1903,
enthaltend besonders eine schöne Abhandlung über Yuccaceae.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Yierte Sitzung am 13. November 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 33 Mitglieder.
Oberlehrer Dr. R. Nessig legt eine Aschenprobe vom Pelee
und Graphit nebst Situationsbildern des Vorkommens aus dem Lo sch-
witz grün de vor. (Vergl. Abhandlung VI.)
Prof. Dr. W. Bergt bespricht vorgelegte Mineralien aus dem Kalk-
werk Heidelbach bei Wolkenstein und von der Kunnersdorfer Ver-
werfung.
Prof. Dr. E. Kalkowsky berichtet über die Lagerung der Serpen-
tine und Gabbros im südlichen Ligurien unter Vorlegung von
Handstücken.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Zweite Sitzung am 23. October 1902. Vorsitzender: Oberlehrer
H. Döring. — Anwesend 19 Mitglieder.
Der Vorsitzende gedenkt der Verdienste des am 5. September d. J.
verstorbenen Ehrenmitgliedes, des Geh. Medicinalrathes Prof. Dr. Rudolf
Virchow, die er sich in langjähriger, erfolgreicher Forscherarbeit um die
Anthropologie und Urgeschichte erworben hat.
Lehrer CI. Vogel hält einen Vortrag über den Burgwall auf dem
Staubenberge bei Westewitz an der Mulde und legt Photographien
und Scherbenfunde von dort vor. (Vergl. Abhandlung IX.)
Lehrer H. Ludwig legt folgendeFunde vor: Gefässreste und Hütten -
bewurf aus Herdstellen bei Birkwitz a. E., das Bruchstück eines
17
Mahlsteins und einen Spinnwirtel aus den Herdstellen von Kauscha
bei Dresden, eine Buckelurne und einen Bronzering aus dem Gräber-
felde von Mügeln bei Pirna, drei Beigefässe aus dem Gräberfelde
an der Carolastrasse in Dresden, Bruchstücke von Mahlsteinen von
Oberpolenz bei Meissen und Scherben mit Wellenornament von
Wilschdorf.
Der Vorsitzende berichtet hierauf über neolithische Gefäss-
scherben von Dresden-Strehlen.
Beim Bau des Fluthcanals an der Oscarstrasse fand man unter einer Decke von
1,2 m alluvialem Aulehm in einer ca 0,25 m mächtigen schwarzen Humusschicht eine
Anzahl neolithischer Scherben mit Bandverzierungen, wie sie aus mehreren Herd-
stellen in der Nähe von Dresden bekannt geworden sind. Der Vortragende spricht
die Vermuthung aus, dass die schwarze Culturschicht, welche sich beinahe gleichmässig
aushreitet, mit jener Bodenschicht in Verbindung gestanden haben mag, welche bei An-
legung des Carolasees angeschnitten wurde und einen neolithischen Fund lieferte (Isis
1886, S. 51).
Die im Fluthcanal an der Oscarstrasse gefundenen neolithischen Scherben befinden
sich in der prähistorischen Sammlung des Stadtbaumeisters G. Pressprich in Dresden.
Derselbe legt als Ergänzung zu früheren Mittheilungen über Feuer-
steingeräthe von der Insel Rügen eine grössere Anzahl solcher Werk-
zeuge, deren Formen und technische Gewinnung besprochen werden, vor;
weiter
interessante slavische Scherbenfunde vom Burgwall Arkona auf
Rügen, unter Hinweis auf die grossen Verdienste Virchow’s um die Burg-
wallforschung.
Die Rügenschen Burgwälle Arkona und Garz, an denen die K. Commission 1868
ihre Untersuchungen begann, wurden durch Virchow’s Beobachtungen und Schlüsse für
die vergleichende Forschung bedeutungsvoll und gelten dem Prähistoriker seitdem als
classische Fundstätten.
Dritte Sitzung am 11. December 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. J.
Deichmüller. — Anwesend 24 Mitglieder.
Oberlehrer H. Döring spricht über Funde aus den von ihm 1902 auf-
gedeckten neolithischen Herdstellen von Mockritz bei Dresden.
In der Lehmgrube des Dampfziegelwerks von Conrad Miersch Söhne, unmittelbar
neben dem Restaurant „Mockritzhöhe“ an der Strasse von Strehlen nach Pestitz und
Mockritz, fand Vortragender drei Herdstellen von der Form und Grösse, wie sie bereits
bei Cotta- Dresden, Löbtau-Dresden und Lockwitz bekannt geworden sind. Die schwarze
Erde der kesselartigen Vertiefungen war mit Ascheresten, Feuersteinknollen, Rollsteinen,
Scherben und Feuersteinsplittern gemischt. Die Tiefe der grössten Herdgrube betrug
0,60 m, die obere Weitung zeigte sich 2 m, die untere 1,60 m breit. Die Gefässbruch-
stücke zeichnen sich sämmtlich durch einen sehr milden Brand aus; sie sind mit den
bekannten bandförmigen Mustern verziert, die allgemein als Charakterzeichen der
Bandkeramik gelten.
Inmitten der Abfallstoffe fand Vortragender in der grösseren Herdstelle eine Grün-
steinaxt mit angefangener Bohrung. Das Artefact ist 14 cm lang, im unteren Drittel
3 cm und am oberen Ende 1 cm breit. Die Bohrung ist etwa 5 mm in die Grünstein-
masse eingedrungen. Der Durchmesser des Bohrloches misst 16 mm, während der des
stehen gebliebenen Bohrkernes 7 mm beträgt. Neben zahlreichen Feuersteinknollen und
-kernen fanden sich wenige und nur kleine Feuersteinmesser und -Splitter von ca. 5 cm
Länge und 1 bis 2^2 cm Breite. Sechs derselben sind mit Sorgfalt bearbeitet, an vier Stück
erkennt man deutlich die sogenannten Dengelschläge, durch welche erst dem Stücke die
Schärfe gegeben wurde. Verhältnissmässig zahlreich waren Bruchstücke von Reibplatten
und Reibsteinen vertreten. Es fanden sich zwölf Stück vor; vier derselben sind aus
Sandstein, acht aus Conglomeraten des Rothliegenden gearbeitet.
18
Prof. Dr. J. Deichmüller legt neue Funde aus Sachsen vor: Stein-
beile von Messa bei Lommatzsch und von Obergorbitz bei Dresden,
eine Bronzelanze aus einem älteren Depotfund im Forstgarten zu
Tharandt, das Bruchstück einer Bronzekette der La Tene-Zeit mit
einem in einem Thierkopf endenden Haken von Zöthain, eine Bronze-
fibel der römischen Kaiserzeit von Kleinzadel, Gefässe und Bei-
gaben aus Gräberfeldern des Lausitzer Typus vom Bismarckplatz in
Laubegast und in der Beichel’schen Gärtnerei in Kötzschenbroda,
eine Urne mit Radornament aus dem Schlossgarten in Moritzburg
und slavi sehe Ge fässreste und Getreide aus der Schanze bei Spittwitz.
Derselbe berichtet weiter über die Ergebnisse der Inventarisirung
vorgeschichtlicher Alterthümer in der Gegend von Pegau.
Die Umgebung von Pegau, besonders das Elsterthal, ist sehr reich an Funden aus
fast allen vorgeschichtlichen Perioden, von der jüngeren Steinzeit an bis in die slavische
Periode. Ausser mehreren kleineren Privatsammlungen birgt vor Allem das städtische
Museum in Pegau eine Fülle schöner prähistorischer Fundstücke aus der näheren und
weiteren Umgebung dieser Stadt, welche namentlich durch den unermüdlichen Sammel-
eifer und die Sachkenntniss des dortigen Pastors J. G-rössel und des verstorbenen Privatus
Fr. Heinichen in dem Museum vereinigt worden sind.
Vortragender legt eine grosse Anzahl Photographien und einzelne Fundstücke aus
der dortigen Gegend vor.
V. Sectioii für Physik, Chemie und Physiologie.
Yierte Sitzung am 20. November 1902. Vorsitzender: Dr. H. Thiele.
— Anwesend 59 Mitglieder und Gäste.
Dr. med. E. G. Kelling spricht über physikalische Untersuchungen
auf dem Gebiete der Muskelphysiologie.
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen wird der Vortragende in der Wiener medi-
cinischen Wochenschrift 1903 veröffentlichen.
VI. Section für reine und angewandte Mathematik.
Fünfte Sitzung am 3. Juli 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Ph. Wein-
meister. — Anwesend 10 Mitglieder.
Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über das Achsenproblem des
Kegels II. Ordnung.
Der Vortragende zeigt, wie das räumliche Problem, die Achsen eines Kegels
II. Ordnung zu finden, auf das folgende ebene Problem zurückgeführt werden kann:
Gegeben ist ein Kegelschnitt k und ein Punkt H; man soll einen Punkt PL derart be-
stimmen, dass erstens das von ihm auf seine Polare ft gefällte Loth HB durch H
geht, und dass zweitens das Product IIH.HB gleich dem Quadrat einer gegebenen
Strecke h wird. Bei der im Vortrag durchgeführten Behandlung dieses Problems wird
— was ohne Beeinträchtigung der Allgemeinheit geschehen darf — - vorausgesetzt, dass
k eine Parabel ist.
Solange nur die erste Forderung erhoben wird, existiren noch unendlich viele
Punkte n, und demnach auch unendlich viele gerade Linien -n:; die ersteren liegen auf
einer gleichseitigen Hyperbel, die letzteren umhüllen eine Parabel, welche natürlich jener
19
Hyperbel (in Bezug auf k) polar zugeordnet ist. Wird aber die zweite Bedingung bin-
zugefügt, so geimgen nur drei — übrigens stets reelle — Punkte H^ Hg Hg der obigen
Hyperb^el den Anforderungen des Problems; diese drei Punkte liegen übrigens noch auf
einer zweiten Hyperbel, welche mit der ersten ausser Hj Hg Hg einen unendlich fernen
Punkt gemein hat. Es wird näher untersucht, wie sich die drei Punkte auf die Ebene
vertheilen, und ausserdem gezeigt, dass sie die Ecken eines Polardreiecks von k sind,
dessen Höhenpunkt H ist; hieraus folgt u. a. auch, dass man stets einen der drei Punkte,
welcher H^ genannt wird, innerhalb der Parabel k, die beiden anderen aber — also Hg
und Hg — ausserhalb zu suchen hat.
Zum Schluss werden noch zwei specielle Fälle behandelt. Zu dem einen Fall, wo
H auf der Achse a der Parabel k liegt, befinden sich auch llj und Hg auf a, während
Hg im Unendlichen gelegen ist. In dem anderen Falle, wo ebenfalls H auf a liegt,
ausserdem aber noch h einer Bedingung unterworfen ist, liegt Hi auf a, während Hg
und Hg unbestimmt werden. Dieser zweite Fall tritt ein, wenn der gegebene Kegel
ein Botationskegel ist.
Sechste Sitzung am 9. Octoher 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Ph.
Weinmeister. — Anwesend 9 Mitglieder.
Dr. E. Naetsch spricht über Systeme von partiellen Differential-
gleichungen II. Ordnung.
Wenn ein System von mehreren partiellen Differentialgleichungen II. Ordnung
zwischen zwei unabhängigen Veränderlichen und einer unbekannten Function dieser
beiden Veränderlichen vorliegt, so entsteht die Aufgabe, erstens festznstellen, ob diese
Differentialgleichungen überhaupt gemeinschaftliche Lösungen besitzen, und zweitens alle
etwa vorhandenen gemeinschaftlichen Lösungen zu finden. Die Existenz solcher gemein-
schaftlicher Lösungen ist in verschiedenen Fällen möglich; insbesondere kann es ver-
kommen, dass die Differentialgleichungen des vorgelegten Systems ^eine gemeinschaftliche
Lösung besitzen, welche mehrere willkürliche Constanten enthält und durch vollständige
Integration eines Systems gewöhnlicher Differentialgleichungen I. Ordnung gefunden
werden kann. Zwei verschiedene Fälle dieser Art werden vom Vortragenden besprochen,
wobei einige der Theorie der sogenannten vollständigen Systeme entnommene Hilfssätze
zur Anwendung gelangen.
Siebente Sitzung am 13. November 1902. Vorsitzender: Prof. Dr.
Ph. Weinmeister. — Anwesend 16 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. G. Helm spricht über die neue statistische Mechanik
von W. Gibbs.
Nach einem Rückblick auf Gibbs' frühere thermodynamische Untersuchungen legt
der Vortragende die Schwierigkeiten dar, die sich dem Versuche entgegenstellen, den
zweiten Hauptsatz der Thermodynamik vom Standpunkte der Mechanik aus verständlich
zu machen. Trotz der weit zurückliegenden Arbeiten Maxwell’s und Boltzmann s erklärte
noch 1893 Poincare den Mechanismus für unvereinbar mit dem Theorem von Clausius.
An Boltzmann’s 1871 erschienene Arbeit knüpft das neue Werk von Gibbs*) an, indem
es aus Hamilton’s Differentialgleichungen der Bewegung Sätze über gewisse Gesammt-
heiten von Bewegungen herleitet. Einige der fundamentalen Sätze von Gibbs entwickelt
der Vortiagende, um in den Gedankengang des Werkes einzuführen. Indem Gibbs alle
Bewegungsvorgänge, die demselben System kanonischer Differentialgleichungen genügen,
aber in den Integrationsconstanten verschieden sind, zu einem Collectivgegenstande ver-
einigt und diesen statistisch untersucht, zeigt er den Weg, wie man frei von jeder
atomistischen Auffassung ganz allgemein jede mögliche Beziehung der Mechanik zur
Thermodynamik auffinden kann. Die Collectivautfässung, die sich bei Gibbs in den
Worten ausspricht: „Was wir über einen Körper wissen, kann im Allgemeinen am Ge-
nauesten und Einfachsten so beschrieben werden, dass wir sagen, es ist ein aus einer
grossen Anzahl vollkommen beschriebener Körper willkürlich herausgegriffener“ —
*) Willard Gibbs: Elementary principles in Statistical mechanics, developed with
especial reference to the rational foundation ofthermodynamics. New-Yorkund London 1902.
20
diese Collectivauffassung kenn zeichnet die Gibbs’sche statistische Mechanik, und der Vor-
tragende schliesst mit einem Hinweis auf die Bedeutung, welche den auch in anderen
Gebieten mehr und mehr hervortretenden Collectivbegriffen für die Entwickelung der
theoretischen Naturforschung überhaupt zukommt.
Achte Sitzung am 11. Decemher 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Ph.
Weinmeister. — Anwesend 14 Mitglieder.
Conrector Prof. Dr. R. Henke spricht über die Hauptträgheits-
achsen des Dreiecks.
Der Vortragende denkt sich ein System von drei materiellen Punkten A, B, C
gegeben, deren jeder die Masse Eins besitzt, und betrachtet die Trägheitsmomente dieses
Systems in Bezug auf Achsen, welche in der Ebene ABO gelegen sind. Der grösste
Theil der Ausführungen des Redners bezieht sich auf die durch den Schwerpunkt S des
Dreiecks ABC gehenden Achsen, insbesondere auf diejenigen unter ihnen, für welche
das Trägheitsmoment am kleinsten resp. am grössten wird; der Vortragende setzt aus-
einander, wie diese beiden — zu einander stets senkrechten — Achsen auf elementarem
Wege gefunden und wie sie durch Benutzung geeigneter Kunstgriffe in einfachster
Weise construirt werden können. ~ Im weiteren Verlaufe des Vortrags geht Redner
u. a. auf die Frage ein, ob in der Ebene ABC ein Punkt P existirt, welcher die Eigen-
schaft hat, dass in Bezug auf alle durch ihn gehenden und in der genannten Ebene
gelegenen Achsen das Trägheitsmoment des gegebenen Systems einen und denselben
Werth besitzt. Es zeigt sich, dass stets zwei derartige Punkte P^ und P2 vorhanden
sind und dass dieselben als die reellen Schnittpunkte von zwei gleichseitigen Hyperbeln
(die sich ausserdem noch in zwei conjugirt imaginären Punkten schneiden) angesehen
werden können.
VII. Hauptversammlungen.
Fünfte Sitzung und Exciirsion am 2. Juli 1902 zur Besichtigung
der ,, Vereinigten Eschebacli’schen Werke“ in Radeberg. — Zahl
der Theilnehmer 33.
Die Gesellschaft unternimmt unter Führung des Geh. Commercienrathes C. Esche-
bach einem Rundgang durch die von ihm gegründeten und geleiteten Emaillirwerke,
wo die sinnreichen, einer weitestgehenden Arbeitstheilung dienenden Maschinen und die
Behandlung der Fabricationsgegenstände vom Guss bis zur Vollendung im Brennofen
das Interesse der Theilnehmer in hohem Grade in Anspruch nehmen.
In der sich anschliessenden Hauptversammlung im „Deutschen Haus“ theilt
Prof. H. Engelhardt mit, dass die Rechnungsprüfer den Kassenabschluss für 1901
richtig befunden haben, worauf der Kassirer entlastet wird.
Excursion am 1. October 1902 nach der Felsenkellerhrauerei
im Plauenschen Grunde. — Zahl der Theilnehmer 46.
Mit grossem Entgegenkommen werden den Besuchern die in den einzelnen Stadien
des Brauverfahrens benutzten Einrichtungen der Brauerei gezeigt und erläutert. Hieran
schliesst sich ein Rundgang durch die durch ihre Trockenheit berühmten, ausgedehnten
Kellereien, welche in den Syenit des Plauenschen Grundes eingesprengt sind.
Sechste Sitzung am 30. October 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr.
Foerster. — Anwesend 43 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. H. Eucherer hält einen Vortrag über die neuere
Entwickelung der Indigoindustrie unter Vorlegung von Rohstoffen
und chemischen Präparaten.
21
Siebente Sitzung am 27. November 1902. Vorsitzender: Prof. Dr.
Fr. Fo er st er. — Anwesend 35 Mitglieder.
Der Vorsitzende gedenkt mit warmen Worten des am 8. November
1902 verstorbenen Ehrenmitgliedes und langjährigen Vorsitzenden der
Section für Zoologie, des Geh. Hofrathes Prof. Dr. H. Nits che in Tharandt.
Hierauf wird die Wahl der Beamten der Gesellschaft für das Jahr
1903 vorgenommen (s. S. 23).
Prof. Dr. H. Gravelius spricht nun über die Bedeutung und die
No th Wendigkeit einer organisirten localen meteorologischen
F orschung.
An den Vortrag schliesst sich eine längere Discussion.
Achte Sitzung am 18. December 1902. Vorsitzender: Prof. Dr. Fr.
Fo erster. — Anwesend 62 Mitglieder und Gäste.
Auf Anregung des Geh. Hofrathes Prof. Dr. 0. Drude wird beschlossen,
die Hauptversammlungen in Zukunft wieder um 7 Uhr beginnen zu
lassen. Den Beginn der Sitzungen der Sectionen festzusetzen soll deren
Vorsitzenden überlassen bleiben.
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält unter Vorführung von Lichtbildern einen
Vortrag über seine Reise in der Provence.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 26. August 1902 starb Prof. Dr. Arthur Jules Petermann,
Director der Station agronomique in Gembloux, correspondirendes Mitglied
seit 1868.
Am 27. August 1902 starb Dr. August Frenzei, Lehrer an der Berg-
schule und Vorstand des K. Hüttenlaboratoriums in Freiberg, correspon-
direndes Mitglied seit 1872.
Am 5. September 1902 verschied im 81. Lebensjahre Geh. Medicinal-
rath Dr. Rudolf Virchow, Professor an der Universität in Berlin, Ehren-
mitglied seit 1871.
Am 11. September 1902 starb Dr. Theodor Lange, Apotheker in
Werningshausen, correspondirendes Mitglied seit 1890.
Am 18. October 1902 verschied in Dresden Dr. med. Johannes Grosse,
wirkliches Mitglied seit 1895.
Am 8. November 1902 verschied Geh. Hofrath Dr. Hin rieh Nits che,
Professor an der Forstakademie in Tharandt, langjähriger Vorsitzender
unserer Section für Zoologie, Ehrenmitglied seit 1893. (Nekrolog am
Anfang der Sitzungsberichte.)
Am 12. November 1902 starb Dr. Oscar Zimmermann, Professor
am Realgymnasium in Chemnitz, correspondirendes Mitglied seit 1880.
22
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Hoffmann-Lincke, Max, Privatus in Serkowitz, i
Kaiser, Felix, Dr. phiL, Chemiker in Dresden, [ am 27. November
Menzel, Osc., Baumeister und Architect in Dresden, [ 1902.
Werner, Friedr., Dr.phil., Realgymnasiallehrer in Dresden, J
Neu ernanntes correspondirendes Mitglied:
Dietel, E., Hauptmann und Batteriechef im K. Sachs. Feldartillerie-Regi-
ment Nr. 28 in Pirna, am 27. November 1902.
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
Müller, Alb., Dr. phil., Realschuloberlehrer in Pirna.
Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse
zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bach mann, Plauen i. V.,
3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Blaschka,
Hosterwitz, 3 Mk.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Prof. Dr. Hi b sch, Lieb-
werd, 3 Mk.; K. Oberförster Müller, ünterwiesenthal, 3 Mk.; Stabsarzt
Dr. Naumann, Gera, 3 Mk. 05 Pf; Lehrer Pesch el, Nünchritz, 3 Mk.;
Sectionsgeolog Dr. Petrascheck, Wien, 3 Mk.; Dr. Reiche, Santiago-
Chile, 3 Mk.; Director Dr. R ei dem eist er, Schönebeck, 3 Mk.; Oberlehrer
Seidel I, Zschopau, 3 Mk. 10 Pf.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe,
3 Mk. 15 Pf.; Fabrikbesitzer Dr. Siemens, Dresden, 100 Mk.; Prof. Dr.
Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Landesgeolog Dr. Steuer, Darmstadt, 3 Mk.
05 Pf.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk. 05 Pf. — ln Summa 151 Mk. 40 Pf.
G. Lehmann,
Kassirer der „Isis“.
23
Beamte der Isis im Jahre 1903,
Yorstand.
Erster Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Directorium.
Erster Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Oberlehrer Dr. J. Thallwitz,
Prof. K. Wobst,
Prof. Dr. E. Kalkowsky,
Prof. Dr. J. Deichmüller,
Prof. Dr. A. Schlossmann,
Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Erster Secretär: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Y erwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Mitglieder: 1. Fabrikbesitzer E. Kühnscherf,
2. Prof. Dr. G. Helm,
3. Prof. H. Fischer,
4. Fabrikbesitzer Dr. Fr. Siemens,
5. Fabrikbesitzer L. Guthmann,
6. Privatus W. Putscher.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Bibliothekar: Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Sectionslbeamte.
I. Seotion für Zoologie.
Vorstand: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz.
Stellvertreter: Gustos Dr. K. Heller.
Protocollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Lehrer H. Viehmeyer.
II. Section für Botanik.
Vorstand: Prof. K. Wobst.
Stellvertreter: Realschullehrer Dr. B. Schorle r.
Protocollant: Garteninspector F. Le dien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
24
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Vorstand: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Stellvertreter: Prof. Dr. W. Bergt.
Protocollant: Oberlehrer Dr. K. Nessig.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. P. Wagner.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Vorstand: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Oberlehrer H. Döring.
Protocollant: Taubstuinmenlehrer 0. Ebert.
Stellvertreter: Oberlehrer M. Klahr.
V. Section für Physik, Chemie und Physiologie.
Vorstand: Prof. Dr. A. Schlossmann.
Stellvertreter: Director Dr. A. Beythien.
Protocollant: Dr. H. Thiele.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
VI. Section für reine und angewandte Mathematik.
Vorstand:’ 'Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protocollant: Privatdocent Dr. E. Naetsch.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Redactions ■ Comit^.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1902 wurde die Bibliothek der ,,Isis“ durch folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Taiiscli.
I. Europa«
1. Deutschland.
Mtenhiirg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mitteil., neue
Folge, 10. Bd. [Aa 69.]
Annaherg-Biichholzi Verein für Naturkunde.
Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. —
35. Bericht. [Aa 18.]
Bamberg: Naturforschende Gesellschaft.
Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Sitzungsber. u. Ab-
handl., 1898—1901. [Aa 327.]
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.43.
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 53, Heft 4;
Bd. 54, Heft 1 — 2; die deutsche geolog. Gesellsch. i. d. J. 1848 — 98
mit Biographie von E. Beyrich. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., Mai 1901 bis Juli 1902. [G 55.]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Kheinlande, Westfalens
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 58. Jahrg.; 59. Jahrg.,
Heft 1. [Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs-
ber., 1901; 1902, 1. Hälfte. [Aa 322.]
Braunschiueig: Verein für Naturwissenschaft. — 12. Jahresher. [Aa 245.]
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Beiträge zur nordwestdeutschen
Volks- und Landeskunde, Heft 3. [Aa 2b.]
Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 79. Jahresher.
[Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Jahrbuch, XVI. Jahrg.,
3. Ahth.; XVH. Jahrg., 1. und 3. Abth. [Ec 57.] — Dekaden Monats-
berichte 1901. [Ec 57 c.]
Danzig: Naturforschende Gesellschaft.
Darmstadt: Verein für Erdkunde und Grossherzogi. geologische Landes-
anstalt. — Notizbh, 4. Folge, 22. Heft. [Fa 8.]
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landesteile.
26
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jaliresher., 1900 — 1901.
[Aa 47.]
Dresden: Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“.
Dresden: K. Mineralogisch-geologisches Museum. — Mittheil.: E. Kalkowsky,
Die V erkieselung der Gesteine in der nördlichen Kalahari. Sep. 1901. [Db 51.]
Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.- ethnogr. Museum.
Dresden: K. Oeffentliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde.
Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. Neues Archiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXIII, Heft 1 — 6, und Jahres-
ber. 1901—1902. [G 75.]
Dresden: Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.
1901— 1902. [Ha 9.]
Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinär wesen
in Sachsen, 46. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sächs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1901 — 1902; Verzeichniss der Vorlesungen
und Hebungen sammt Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1902, W.-S.
1902— 1903. [Je 63.] — Personalverz. Nr. XIV — XXVI. [Je 63b.]
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Bheinpfalz „Pollichia“. —
LIX. Jahresber.; Mitteil. Nr. 16 — 17. [Aa 56.]
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher V erein.
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 86. Jahresber. [Aa 48b.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrb., Heft XXVHL
[Aa 263.]
Erlangen: Physikalisch -medicinische Societät. — Sitzungsber., 33. Heft.
[Aa 212.]
Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1902. [Aa 9 a.]
Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein.
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 19. Bd. [Aa 282.]
Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 137. Studien-
jahr. [Aa 323.]
Fretburg i. B.: Naturforschende Gesellschaft.
Fulda: Verein für Naturkunde. — Zweites Ergänzungsheft, 1901. [Aa 22b.]
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften.
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — 33. Be-
richt. [Aa 26.]
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft.
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der WTssenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 77; Codex diplomat. Lusatiae superioris H,
Bd. II, Heft 2. [Aä 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
— Jahresheft 5. [G 113.]
Greifsivald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 33. Jahrg. [Aa 68.]
Greifsivald: Geographische Gesellschaft.
Greiz: Verein der Naturfreunde. — Abhandl. IV. [Aa 336. J
27
Gilben: Nieclerlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgesehichte. —
Mittheil., VII. Bd., Heft 1—4. [G 102.]
Güstroiu : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschen de Gesellschaft.
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXVIII. [Aa 62.]
Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1902. [Fa 16.]
Hamburg: Naturhistorisches Museum.
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., HI. Folge, 9. Heft.
[Aa 293 b.]
Hamburg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung.
Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft.
Hannover: Geographische Gesellschaft. — Katalog der Stadt- Bibliothek.
[Fa 18.]
Heidelberg: Naturhistorisch -medicinischer Verein. — Verhandl., Bd. VH.
Heft 1—2. [Aa 90.]
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde.
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. XV. [Aa 88.]
Karlsruhe: Badischer zoologischer Verein. — Mitteil., Nr. 11 — 15. [Ba 27. |
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Bericht, Nr. 47. [Aa 242.]
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde.
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig -Holstein.
Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 38. [Aa 41.]
Königsberg i. Pr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften,
42. Jahrg. [Aa 81.]
Königsberg L !¥.: Altertums -Gesellschaft Prussia.
Krefeld: Verein für Naturkunde.
Landshut: Botanischer Verein.
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft.
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl., mathem.-phys. Classe, LHI. Bd., Heft 4 — 7; LIV. Bd.,
Heft 1 — 5. Mit Sonderheft. [Aa 296.]
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Erläuterungen
zu Sect. Hohenstein-Limbach (Bl. 95), 2. Aufl. [De 146.]
Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. —
Mitteil., 2. Reihe, Heft 16. [Aa 279 b.]
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg.
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber. u. Abhandl.,
Jahrg. 1900-1902. [Aa 173.]
Mainz: Römisch -germanisches Centralmuseum.
Mannheim: Verein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesummten Naturwissen-
schaften. — Sitzungsber., Jahrg. 1901. [Aa 266.]
Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1901. [Ec 40.] — Mittheilungen aus den
Sitzungen des Vereinsjahres 1901—1902. [Aa 319.]
Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst.
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft ,,Philomathie“.
Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1900 u. 1901,
Abhandl., Bd. XIV. [Aa 5.]
28
Offenhacli: Verein für Naturkunde.
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein.
Passau: Naturhistorischer Verein.
Posen: Deutsche Gesellschaft für Kunst u. Wissenschaft. — Zeitschr. der
naturwissenschaftl. Abteilung, 9. Jahrg., Heft 2 u. 3. [Aa 316.]
Pegensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Berichte, Heft VIII. [Aa 295.]
Pegensburg: K. botanische Gesellschaft.
Peichenbach i. Y.: Vogtländischer Verein für Naturkunde.
Peutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXVI. [Bf 57.]
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg. 58. Mit Beilage I. [Aa 60.]
Stuttgart: Württembergischer Altertumsverein. — Württemberg. Viertel-
jahrshefte für Landesgeschichte, n. F., 11. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Bedaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LVI u. LVH. (In der Bibliothek der
Versuchsstation im botan. Garten.)
Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst.
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen.
Tübingen: Universität. — Württembergische Jahrbücher für Statistik u.
Landeskunde, Jahrg. 1882 — 1899. [Aa 335.]
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften.
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n.F., 16. Heft. [Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 54.
[Aa 43.]
Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1901. [Aa 85.]
Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein. — Berichte, Jan. 1898 — Apr. 1902.
[Aa 332.] ^
Zivickau: Verein für Naturkunde. — Jahresber., 1899 u. 1900. [Aa 179.]
2. Oesterreich-Ungarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbelehrlingsschule.
Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XXXIX, u. 19. Bericht
der meteorolog. Commission. [Aa 87.]
Brünn: Lehrerverein, Club für Naturkunde. — Bericht IV. [Aa 330.]
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöiiy, XXXL
köt., 10 — 12. füz.; XXXH. köt., 1—9. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften.
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg.
1901. [Aa 72.]
Hermannstadt: SiebenbürgischerV erein für N aturwissenschaften. — V erhandl,
und Mittheil., LI. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrb., Jahrg. XXIX. [Aa 198.]
29
Innsbruck'. Naturwissenschaftlich -mediciniscli er Verein. — Berichte, XXVII.
Jahrg. [Aa 171.]
Klagenfurt: Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen.
Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1901, Nr. 8 — 9;
Bulletin international 1902, Nr. 1 — 7. [Aa 302.]
Laibach: Musealverein für Krain.
Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — 31. Jahresber.
[Aa 213.]
Linz: Museum Francisco-Carolinum. — 60. Bericht nebst der 54. Lieferung
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Prag: Deutscher naturwissenschaftlich -medicinischer Verein für Böhmen
„Lotos“. — Sitzungsber., Bd. XVIIl u. XXL [Aa 63.]
Prag : K. Böhmische Gesellschaft der W issenschaften . — Sitzungsber., mathem.-
naturwissensch. CI., 1901. [Aa 269.J — Jahresber. für 1901. [Aa 270.]
P''ag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Geschäftsber.
1901. [Aa 272.] — Pamätky archaeologicke, dil. XIX, ses. 6—8; dil. XX,
ses. 1. [G71.] — Starozitnosti zeme ceske, dil. II, svazek 1. [G 71.]
Prag: Lese- und liedehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 1901.
[Ja 70.]
Prag: Ceska Akademie Cisafe FrantiM^a Josefa. — Rozpravy, trida II,
rocnik 10. [Aa 313.] — Bulletin international, VI. annee. [Aa 313b.’
Presburg: Verein für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., n.F., Heftl3. [Aa92.'
Peichenberg: Verein der Naturfreunde.
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheil., Bd. XLI
u. XLII. [Aa 71.]
Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zettudomänyi Füzetek, XXVI. köt., füz. I — 3. [Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates. —
Jahreshefte, Jahrg. XXIII— XXIV. [Aa 277.]
Triest: Museo civico di storia naturale.
Triest: Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1901, Nr. 21—27;
1902, Nr. 1-21. [Aa 11.]
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse.
Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseuni. — Annalen, Bd. XVI; Bd. XVH,
^ Nr. 1—2. [Aa 280.]
Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXXf, Heft 6;
[Bd 1.]
Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Abhandl., Bd. VI, 1. Abth. Suppl.-
Heft; Bd. XVH, Heft 5; Bd. XVHI, Heft 1; Bd. XIX, Heft 1. [Da 1.]
— Jahrbuch, Bd. LI, Heft 1; Bd. LH, Heft 1. [Da 4.] — Verhandl.,
1901, Nr. 15-18; 1902, Nr. 1—10. [Da 16.]
Wien: K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft — Verhandl, Bd.Ll. [Aa 95.]
Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität
Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1899 u. 1900. [Ec 82.]
3. Rumänien.
Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tome XV.
[Ec 75.]
30
4. Schweiz.
Aarau: Aargauische naturforscliende Gesellschaft.
Basel: Naturforschencle Gesellschaft. — Verhaiiclh, Bei. XIII, Heft 3. [Aa 86.]
Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mittheil., Nr. 1500— 1518. [Aa 254.]
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 12. [Ca 24.]
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft.
Chur: Naturforschende Gesellschaft Grauhündens. — Jahresber., Bd. XL IV
u. XLV. [Äa 51.]
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft.
Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Bulletin, vol. IX.
[Aa 264.] — Memoires: Chemie, Bd. I, no. 3 — 4; Botanik, Bd. I, no. 2 — 3;
Geologie und Geographie, Bd. II. [Aa 264b.]
St. Gallen : Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1899 — 1900. [ Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
vol. XXX VH, no. 142—143; vol. XXXVHI, no. 144. [Aa 248.]
Neuchatel: Societe des Sciences naturelles. — Bulletin, tome XX VH. [Aa 247.]
Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil,,
Vol. X, Heft 9. [Bk 222.]
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. —
Bulletin, fase. XXIX-XXXI. [Ca 13.]
Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — Mittheil., Heft 3. [Aa 331. ]
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jahrg. 46,
Heft 3—4; Jahrg. 47, Heft 1 — 2. [Aa 96.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Memoires, tome 10.
[Aa 252 b.] — Bulletin mensual, tome XV. [Aa 252.]
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires,
ser. 6, tome I; appendice au tome I [Aa 253.]; proces verbaux, annee
1900—1901. [Aa 253b.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. —
Memoires, tome XXXH. [Aa 137.]
Dijon: Academie des Sciences, arts et helles lettres.
Le Mans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXX, fase. 2 — 3. [Aa 221.]
Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 47 — 48. [Aa 132.]
Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie. — Annales, tome 7 — 8.
[Aa 133.]
Lyon: Academie des Sciences et lettres. — Memoires, tome 6. [Aa 139.'
Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXVI. [Ba 24.'
Toulouse: Societe Frangaise de botanique.
6. Belgien.
Brüssel: Societe royale malacologique de Belgique.
Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome XLV. [Bk 13.]
Brüssel: Societe beige de geologie, de paleontologie et d’hydrologie. —
Proces -verbaux, tome XI; tome XII, fase. 1^ — 4; tome XHI, fase. 3;
tome XIV, fase. 5; tome XV, fase. 1, 3 — 6; tome XVI, fase. 1—3.
[Da 34.]
31
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique.
Gemhloux: Station agronomique de Fetat. — Bulletin, no. 71 — 72, [Hb 75.]
Lüttich: Societe geologique de Belgique. — Annales, tome XVII — XXIV;
tome XXV, livr. 1 — 2; tome XXVI — XXVIII; tome XXIX, livr. 1 — 3
u. Festschrift. [Da 22.]
7. Holland.
Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“.
Groningen: Naturkundig Genootschap. — 100 — 101. Verslag. [Je 80.] —
Centralbureau voor de Kennis van de Provincie Groningen en omgebgen
streken: Bejdragen, deel II, stuk 1. [Aa 333.]
Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. VII, p. 4; vol. VIII, p. 1.
[Aa 217.] ^ ^
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises
des Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome IV, livr. 4 — 5; tome
VII, livr. 1 — 5. Festschrift zur Feier des 150jähr. Bestehens der
Gesellschaft. [Aa 257.]
8. Luxemburg.
Luxemburg: Societe botanique du Grand duche de Luxembourg.
Luxemburg: Institut grand-ducal.
Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde ,,Fauna‘\ — Mittheil., 11.
Jahrg. [Ba 26.]
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari per Fanno 1901. [Aa 199.]
Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Bollettino, fase.
LXXII— LXXIII. [Aa 149 b.l
Florenz: E. Institute.
Ftorem: Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXXIII,
tr. 3 — 4; anno XXXIV, tr. 1 — 2. [Bk 193. J
Mailand: Societa Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XL, fase. 4.
[Aa 150.]
Mailand: E. Institute Lombarde di scienze e lettere. — Eendiconti, ser. 2,
vol. XXXIV. [Aa 161.] — Memorie, vol. XIX, fase. 5 — 8. [Aa 167.]
Modena: Societa dei naturalisti.
Padua: Societa Veneto-Trentina di scienze naturali.
Palermo: Societa di scienze naturali ed economiche. — Giornale, vol. XXIII.
[Aa 334.]
Parma: Eedazione del Bullettino di paletnologia Italiana.
Pisa: Societa Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XII (7. VII.
1901—23. III. 1902.); Memoire, vol. XVIII. [Aa 209.]
Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Eendiconti, ser. 5, vol. X, 2. sem.,
fase. 12; vol. XI, 1. sem.; 2. sem., fase. 1 — 10; Eendic. sol. d. 1. giugno
1902. [Aa 226.]
Rom: E. Comitato geologico dTtalia.
Turin: Societa meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II,
vol. XXI, no. 9 — 12; vol. XXII, no. 1—6. [Ec 2.]
Venedig: E. Institute Veneto di scienze, lettere e arti.
Verona: Accademia diVerona. — Atti eMemoire, ser. IV, vol. L, fase. 2; vol. II.
[Ha 14.]
32
10. Grossbritannien und Irland.
Diihlm: Royal geological society of Irland.
Edinhurg: Geological Society.
Edinhurg: Scottish meteorological society. — Journal, 3. ser., no. XVII.
[Ec 3.]
Glasgow: Natural history society.
Glasgow: Geological society,
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXVII, p. 8 — 17. [Da 20.]
Neivcastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Northumberland, Durham and Newcastle -upon-Tyne,
11. Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarsberetning 1901; Aarbog 1901, 2. Heft; 1902.
[Aa 294.]
Cliristiania: Universität. — Den Norske Nordhavs-Expedition 1876 — 78,
Bd. XXVIII. [Aa 251.]
Cliristiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerksers bevaring.
Stockholm: Entomologiska Föreningen, — Entomologisk Tidskrift, Arg. 22.
[Bk 12.]
Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Mänads-
blad, 1897. [G 135 a.]
Tromsoe: Museum.
Upsala: Geological Institution of the university.
12. Russland.
Ekatharinenhurg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles.
Helsingfors: Societas pro fauna et flora fennica. — Acta, vol. XVI,
XVHI— XX. [Ba 17.] — Meddelanden, Heft 24 — 27. [Ba 20.]
Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale.
Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XVH, livr. 1. [Aa 298.]
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. —■ Bulletin, 1901, no. 3 — 4;
1902, no. 1—2. [Aa 134.]
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle - Russie. — Memoires,
tome XXVI, p. 1. [Aa 256.]
Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome
XIX ~ XX. [Ca 10.]
Petersburg : Comite geologique. — Bulletins, vol. XX, no. 7—10; XXI, no. 1 — 4.
[Da 23.] — Memoires, vol. XV, no. 4; vol. XVH, no. 1 — 2; vol. XVI 11,
110. 3; vol. XIX, no. 1; vol. XX, no. 2. [Da 24.]
Petersburg: Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1900.
[lic 7.] _ , , _
Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V,
tome XIII, no. 4 — 5; tome XIV— XV; tome XVI, no. 1—3; Catalog I.
[Aa 315.]
Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verhandl., 2. Ser.,
Bd. 39, Lief. 2. [Da 29.]
Riga: Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt, XLV. [Aa 34.]
33
II. A. m e r* i k a.
1. Nord-Amerika.
Albany: New York state museum of natural history. — Annual report
52, p. 1—2; 53, p. 1—2. [Aa 119.J
Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, voJ. XXI,
no. 1 55 — 159. [Aa 278.] — American joiirnal of mathematics, vol.XXIV,
no. 1. [Ea 38.] — American Chemical Journal, vol. XXVI, no. 4 — 6;
vol. XXVII, no. 1—3. [Ed 60.] — Stuclies in histor. and politic.
Science, ser. XIX, no. 10—12; ser. XX, no. 1. [Fb 125.] — American
Journal of philology, vol. XXII, no. 3. [Ja 64.] — Maryland geological
survey, vol. IV. [Da 35.]
Berkeley: University of California. — Departement of geology: Bulletin II,
no. 8 — 12; register 1900 — 1901; presidents report, vol. II, no. 4;
vol. III, no. 1. [Da 31.J — Agriculturial experiment Station: Bull.
131 — 139; annual report 1900. — University chronicle, vol. IV, no. 2.
[Da 31b.]
Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. XXIX, no. 15 — 18;
vol. XXX, no. 1 — 2. [Aa 111.] — Occasional papers, vol. VI. [Aalllb.]
Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser.,
vol. XXXVII, no. 4 — 23. [Aa 170.]
Buffalo: Society of natural Sciences.
Cambridge: Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. XXXVIll,
no. 5—7; vol. XXXIX, no. 2 — 4; vol. XL, no. 1 — 3; vol. XLI, no. 1. — ■
Annual report 1901 — 1902. [Ba 14.]
Chicago: Academy of Sciences. — Bulletin, vol. II, no. 3; new. ser. vol. IV.
[Aa 123 b.]
Chicago: Field Columbian Museum. — Publications 60 — 65. [Aa 324.]
Davenport: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. VIII. [Aa 219.]
Halifax: Nova Scotian Institute of natural Science.
Lawrence: Kansas University. — Quarterly, series A: Science and matbe-
matics, vol. X, no. 3. — Science bulletin, vol. I, no. 1 — 4. [Aa 328.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters.
Mexiko : Sociedad cientifica ,, Antonio Alzate“. — Memorias y Revista, tomo XIII,
cuad. 3 — 4; tomo XV, cuad. 11—12; tomo XVI, cuad. 1 — 6; tomo XVII,
cuad. 1 — 3. [Aa 291.]
Mexiko: Instituto geologico de Mexico.
Mihuaukee: Public. Museum of tbe City of Milwaukee.
Mihvaukee: Wisconsin natural history society. — Bulletin, new ser., vol. II,
no. 1 — 3 u. einzelne Hefte von 1885 — 1889. [Aa 233.] — Occasional
papers, vol. II, no. 1. [Aa 233a.]
Montreal: Natural history society. — The canadian record of Science,
vol. VIII, no. 7-8. [Aa 109.]
New-Haven: Connecticut academy of arts and Sciences.
Neiu-York: Academy of Sciences. — Annals, vol. XIV, no. 1—2. [Aa 101.]
New -York: American mmseum of natural history.
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1901, p. U— III;
1902, p. I. [Aa 117.]
Philadelphia: American pbilosophical society. — Proceedings, vol. XL,
no. 167; vol. XLI, no. 168 — 169. — Memorial volume I (1900). [Aa 283.]
Philadelphia: Wagner free institute of Science.
34
Fhiladeljyhia : Zoological society. — Aonual report 30. [Ba 23.]
Rochester: Academy of Science.
Rochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XII. [Da 28.]
Salem: Essex Institute.
San Francisco: California academy of Sciences. — Proceedings, 3. ser.,
vol. II, no. 7 — 11; vol. III, no. 1 — 4. [Aa 113.] — Occasional papers,
vol. VIII. [Aa 112b.]
St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. X, no. 9 — 11; vol. XI,
no. 1—5. [Aa 125.]
St. Louis: Missouri botanical garden. — 13. annual report. [Ca 25.]
Topeka: Kansas academy of Science. — Transactions, vol. XVII. [Aa 303.]
Toronto: Canadian institute.
Tufts College. — Studies, no. 7. [Aa 314.]
Washington: Smithsonian institution. — Annual report 1900.
Washington: United States geological survey. — XXI. annual report,
p. 2— 5, 7. [De 120a.] — Bulletin, no. 177—190; 192—194. [De 120b.]
— Mineral resources of the Unit. States, 1900. [Db 81.] — - Recon-
naissances in the Cape Nome and Norton Bay regions, Alaska, 1900;
the geology and mineral resources of a portion of the Copper river
district, Alaska. [De 120 d.]
Washington: Bureau of education.
2. Süd-Amerika.
Buenos- Aires : Museo nacional. — Communicaciones, tomo 1, no. 10. [Aa 147b.]
Buenos -Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo LII, entr. 4 — 6;
tomo LIll, entr. 1 — 5; tomo LIV, entr. 1 — 3. [Aa 230.]
Cordoha: Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo XVII, entr. 1.
[Aa 208 a.]
Montevideo: Museo nacional. — Anales, tomo III, entr. 22; tomo IV, p. 1.
[Aa 326.]
Rio de Janeiro: Museo nacional, — Archivos, vol. X— XI. [Aa 211.]
San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica.
Sao Paido: Commissao geographica e geologica de S. Paulo.
La Plata: Museum. — Revista, tomo X; 4 Tafeln zu tomo VII; 7 Tafeln
zu tomo VIII. [Aa 308.]
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein.
lU. A. s i e n.
Batavia: K. naturkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor
Nederlandsch Indie, Deel 61. [Aa 250.]
Calcutta: Geological survey of India. — Memoirs, vol. XXX, p. 3 — 4;
vol. XXXI, p. 2-3; vol. XXXII, p. 1-2; vol. XXXIII, p. 3; vol. XXXIV,
p. 1. [Da 8.]
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. —
Mittheil., Bd. VIII, T. 3; Bd. IX, T. 1 m. Festschrift u. Supplem.
[Aa 187.]
35
IV. VnstT-alien.
Melbourne : Mining department of Victoria.
B. Durch Geschenke.
Barrande, J.: Systeme silurien du centre dela Boheme, vol.VIII, tome 2. [Dd 3.]
Bergt, W. : Zur Geologie des Coppename-Nickerietales in Surinam. Sep. 1902.
[De 242.]
Beythien, A.: Bericht über die Thätigkeit des chemischen Untersuchungs-
amtes der Stadt Dresden. Sep. 1901. [Hb 129 s.]
Broivnlie, A.: The tides in the midst of the pacific ocean. Sep. 1902. [Ea 48.]
Budapest: K. üng. Reichsanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. —
Jahrbücher, Bd. XXIX, 3. Th.; XXX, 1. und 3. Th.; XXXI, 2. Th.
[Ec 101.] — Publicationen, Bd. 5, und II. Bericht 1901. [Ec 101 b.]
Chun, C.: Aus den Tiefen des Weltmeeres. [Bb 64.]
Comes, 0.: 5 Chromographical tables for Tabacco. [Hb 130.]
Credner, H.: Die vogtländischen Erderschütterungen i. d. Zeiträume v.
Sept. 1900 bis z. März 1902, insbesondere die Erdbebenschwärme im
Frühjahre u. Sommer 1901. Sep. 1902. [De 137m.]
Deutsche Naturforscher u, Aerzte, 73.Versamml.: Ueber die gegenwärtige
Lage des biologischen Unterr. i. d. hohem Schulen. Sep. 1901. [Ja 82.]
Engelhardt, H.: Tertiärpflanzen von Stranitzen, Schega u. Radeldorf in
Steiermark. Sep. 1902. [Dd 94s.]
Etzold, Fr. Das Wiechertsche astatische Pendelseismometer der Erdbeben-
station Leipzig. Sep. 1902. [Ec 100.]
Oaudry, A.: Sur la similutude des dents de Thomme et de quelques
animaux. Sep. 1901. [Bd 34.]
Geinitz, E.: Ueber die vulkanischen Ereignisse von Martinique u. St. Vincent.
Sep. 1902. [De 217k.]
Geinitz, E.: Mittheilungen aus der Grossherzogi. Mecklenburg. Geolog.
Landesanstalt. Nr. XIV: Die geolog. Aufschlüsse des neuen Warne-
münder Hafenbaues. [De 2171.]
Gottlieh, H.: Die Ursache der allgemeinen Schwere. Sep. 1902. [Eb 48.]
Grössel, J.: Die vorgeschichtl. Bedeutung d. mittleren Elsterthales. Sep. 1901.
[G 147.]
Hensgen, C.: Biometrische Untersuchungen über die Spielarten von Helix
nemoralis. [Bi 89.]
Hentschel, W.: Varuna. Eine Welt- u. Geschichtsbetrachtung vom Stand-
punkt des Ariers. 1902. [Ja 83.]
Jentzsch, A.: Ueber grosse Schollen im Diluvium. Sep. 1901. [De lldfP.]
Kamensky, S.: Die Cypriniden der Kaukasusländer u. ihrer angrenzenden
Meere. [Bh 11.]
Lanzi, M,: Diatomee del lago di Cotronia. Sep. 1902. [Ce 37.]
Laube, G.: Erhaltung der Naturdenkmäler mit besonderer Rücksicht auf
• Böhmen. Sep. 1902. [De 140 g.]
Nestler, Br Landschaftliches a. d. Zschopau -Thale. [Fb 134.]
Osirisblätter: 4 Nrn. [Ja 78b.]
Radde, G.: Museum caucasicum, 11. Botanik. [Cd 126.]
Reichardt, Th. : Tiere der Urwelt in 30 Kunstblättern. [Dd 148.]
Rotter, E.: Ein Volksersatz für Alkohol. 1902. [Ja 85.]
8ars, G. : An account of the Crustacea of Norway, vol. IV, p. 3 — 10. [BI 29 b.]
36
Stossich, M.’. 4 Separata helmintologischen Inhalts. 1902. [Bm 54ii —mm.]
Stübel, Ä.: lieber die Verbreitung der hauptsäcbl. Eruptionszentren u. der
sie kennzeicbnendenVulkanberge in Südamerika. Sep. 1902. [De 237c.]
TychoBrahe: Biographisches von Herainu.Matiegkai. Prag. Sep. 1902. [Jb89.]
Virchoiv, B.: Zur Erinnerung. Blätter des Dankes für meine Freunde.
Sep. 1902. [Jb 87.]
Virchoiv, R.'. Bericht über die Feier von Virchow’s 80. Geburtstag. [Jb 88.]
Weinzierl, R. v.\ Urnengräber der Hallstattperiode u. fränkischen Be-
stattungen i. nordwestl. Böhmen. Sep. 1902. [G 148.]
Wien: K. K. Central-Commission für Erforschung u. Erhaltung der Kunst-
u. historischen Denkmale. Bericht für 1900 u. 1901. [G 142.]
C. Durch Kauf.
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft, Bd.XX,
Heft 3; Bd. XXV, Heft 3; Bd. XXVI, Heft 4; Bd. XXVIII. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, neue Folge, Bd. HI, Heft 3 — 4;
Bd. IV, Heft 1, mit Beil. [G 1.]
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XXV. [Ba 21.]
BronAs Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. H, Abth. 2 (Coelen-
teraten), Lief. 18 — 21; Abth. 3 (Echinodermen), Lief. 44 — 61; Bd. Ill
(Mollusca), Lief. 62 — 65; Suppl., Lief. 31 — 36; Bd. V (Crustacea),
Abth. 2, Lief. 63 — 65; Bd. VI, Abth. 1 (Pisces)', Lief. 2 — 8; Abth. 5
(Mammalia), Lief. 61 — 64. [Bb 54.]
Drude, 0.: Der Hercynische Florenbezirk. [Cd 127.]
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1902.
[Fa 19.]
Hediuigia, Bd. 4L [Ca 2.]
Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, Jahrg. 37. [Fa 5.]
Monatsschrift, Deutsche botanische, Jahrg. 20. [Ca 22.]
Natur, Jahrg. 50. [Aa 76.] (Vom Isis -Lesezirkel.)
Prähistorische Blätter, Jahrg. XIV. [G 112.]
Prometheus, No. 641 — 689. [Ha 40.]
Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd.XVH. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese-
zirkel.)
Zeitschrift, allgemeine, für Entomologie, Bd. VH. [Bk 245.]
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 74, Nr. 3 — 6;
Bd. 75, Nr. 1—2. [Aa 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 19. [Ec 66.]
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XVHI, Heft 3 — 4;
Bd. XIX, Heft 1-2. [Ee 16.]
Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 52. [Ca 8.]
Zeitung, botanische, Jahrg. 60. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1902. C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1902.
I. Greschichte der Floristik bis auf Linne.
Von Dr. B. Sehorler.
Der alte Hieronymus Bock, der in der Vorrede zu seinem 1539 er-
schienenen Kräuterbuche eine kurze Uehersicht über die Geschichte der
Pflanzenkunde giebt, verlegt ihren Anfang auf eine recht frühe Zeit. Er
erzählt unter der üeberschrift: „Wer die einfachen Gewächs .... zum
aller ersten auff Erden erkannt habe“ allen Ernstes und mit der grössten
Naivität, „das der Allmechtig Gott und Schöpffer der aller erst Gärtner,
Pflanzer und Bawman aller einfachen Gewächsen ist und bleiben würdt, . . . .
das Adam als der Erstgeschaffen alle Geschöpf auff Erden durch Ein-
giessung Göttlicher Krafft und Weissheit nicht allein recht und wol erkandt,
sondern auch ein jedes mit seinem rechten Namen genennet hat, . . . .
dann wie ein Ding von Adam erstmals genant ward, also müsste es heissen
und bleiben.“
Auf diese beiden ersten Botaniker folgen dann Kain mit seinen
Kindern, Noah, die Chaldäer, Egypter, Griechen, Heiden u. s. w. So weit
zurück können wir heute natürlich nicht gehen.
Die Anfänge der wissenschaftlichen Botanik reichen bis auf Aristoteles,
also bis auf fast 400 Jahre vor Chr. G. zurück. Wenn man aber nach
den gewaltigen Wirkungen, welche die Philosophie des grossen Stagiriten
auf unsere ganze geistige Entwickelung unbestritten ausübte, eine ähnliche
starke Förderung für die beschreibende Botanik erwartet, so täuscht man
sich. Es finden sich bei ihm und seinem Schüler Theo phrast nur allge-
meine philosophische Speculationen über das Wesen der Gewächse, ohne
dass diesen immer die geforderten Beobachtungsthatsachen zu Grunde
gelegt werden. Einzelne Pflanzen werden gleichsam nur als Beispiele für
gewisse Deductionen erwähnt und nicht näher beschrieben. „Kaum eine
Pflanze war ihnen in allen ihren Theilen genau bekannt; sehr Vieles
wussten sie nur vom Hörensagen, nicht selten waren Kräuterhändler die
Quellen ihres Wissens gewesen.“ (J. Sachs.) Die folgenden Proben, die
der E. Meyer’schen üebersetzung entnommen sind, mögen die Botanik
des Aristoteles charakterisiren:
„Die Reife ist eine Art Gare; denn die Gare der Nahrung in den
Fruchtgehäusen wird Reife genannt. Da aber die Gare eine gewisse
Vollendung ist, so ist die Reife dann vollendet, wenn die Samen im Frucht-
gehäuse ihresgleichen hervorzubringen vermögen .... Aus dem Luft-
artigen consolidirt sich nun das Wässrige, aus diesem das Erdige, und
aus dem Schmächtigen wird alles, wenn es reift, stets feister.“
4
„Was die lange Dauer der Bäume betrifft, so ist deren Ursache auf-
zufassen; denn sie hat eine besondere Ursache, die bei den Thieren, die
Insekten ausgenommen, fehlt. Die Pflanzen verjüngen sich beständig,
daher dauern sie lange. Beständig machen sie neue Triebe, andere altern;
ebenso mit den Wurzeln. Doch nicht auf einmal, sondern bald verdirbt
nur der Stamm, bald der Stockausschlag, und anderer wächst nach; sind
es aber die Wurzeln, so entstehen andere aus dem, was übrig bleibt.
Und so währt das Vergehen und Entstehen immer fort, darum sind sie
langlebig.“
Des Aristoteles Schüler Theophrast tritt natürlich in die Fussstapfen
seines Lehrers. Er erwähnt bereits gegen 450 Pflanzen. Da dieselben
aber Jedermann bekannt waren, hält er es nicht für nöthig, sie zu be-
schreiben. Nur bei einigen wenigen Pflanzen, so z. B. bei Trapa natans
und Nymphaea alha macht er eine Ausnahme. Man kann also diese beiden
wohl als die Väter der allgemeinen, nicht aber als solche der speciellen
Botanik ansehen.
Nach x\ristoteles und Theophrast ruhte die Botanik wieder 400 Jahre,
bis auf Dioscorides, welcher zu Nero’s Zeiten im Jahre 50 nach Chr. Gr.
eine Heilmittellehre schrieb, in der gegen 800 Pflanzen erwähnt werden.
In erster Linie werden hierin alle vermeintlichen Heilwirkungen dieser zu-
sammengetragen und breit erörtert, daneben aber finden sich auch zahlreiche
auf Beobachtung fussende Kennzeichen der Heilmittel, also Pflanzen-
beschreibungen. Wenn auch diese ersten Beschreibungen noch sehr unvoll-
kommen sind, sodass es oft ganz unmöglich ist, aus ihnen die Pflanzen
wieder zu erkennen, so sind sie doch die besten und vollständigsten, die
uns das klassische Alterthum hinterlassen hat. In allen späteren Heil-
mittellehren der ersten anderthalb Jahrtausende kehren sie meist wörtlich
wieder, alle fussen auf Dioscorides. Die Beschreibungen in seiner „Materia
medica“ sind sehr ungleich. Vielfach umgeht er diese dadurch, dass er
sagt, die Pflanze ist einer anderen bekannten in den Blättern, der Blüthen-
farbe u. s. w. ähnlich, andere erstrecken sich auf alle Theile der Pflanze,
ausgenommen die Blüthe, von der stets nur die Farbe angegeben wird.
Einige Beispiele werden das deutlicher zeigen. Sie sind einer alten, aber
vortrefflichen Bearbeitung der Werke des Dioscorides von J. A. Saracenus
aus dem Jahre 1598 entnommen, welche die botanische Bibliothek aus dem
Biener’schen Nachlass besitzt.
Von der Esche (lib. I, cap. 108) giebt Dioscorides, abgesehen von den
medicinischen Wirkungen der Blätter, der Rinde und des Holzes, weiter
nichts an, als dass es ein bekannter Baum sei. Viele andere Pflanzen
kommen ebenso kurz weg.
Von Asarum wird dagegen berichtet, dass es Blätter wie der Epheu,
nur viel gedrängter habe, dass die Blüthe zwischen den Blättern neben
der Wurzel stehe, blau sei und einen Samen habe, der dem Kerne einer
Weinbeere ähnlich sei, und dass endlich die Wurzeln zahlreich, seitwärts
gerichtet,, grasartig, aber viel zierlicher, wohlriechend und von heissendem
Geschmack seien.
Vom Wegerich (lib. H, cap. 153) werden der grosse und der kleine
unterschieden und als Flantago major und minor bezeichnet. Der kleine
Wegerich hat schmälere, kleinere, weichere und zartere Blätter mit eckigen
niederliegenden Stielen. Die Blüthen verbleichen und der Same bildet
sich nur an der Spitze des Stengels. Der grössere dagegen ist dicker
5
und mehr in die Augen fallend mit breiterem Blatt. Der Stengel ist
kantig, etwas röthlich, eine Elle lang und von der Mitte bis zur Spitze
mit kleinen Samen bedeckt. Die Wurzeln sind zart, verfilzt und von
weisser Farbe. Er wächst an Sümpfen, Zäunen und feuchten Orten.
Die Beschreibung des Wegerichs ist eine der ausführlichsten, die ich
im Dioscorides auffinden konnte.
In dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung war die antike
Bildung in Verfall gerathen, die Wissenschaften lagen darnieder, auch die
Botanik hörte trotz Dioscorides wieder ganz auf. Ein Anlauf, den unsere
Wissenschaft im Mittelalter nahm, als der Dominikaner-Mönch Albertus
Magnus im 13. Jahrhundert die aristotelische Philosophie und Pflanzen-
betrachtung auf deutschen Boden verpflanzte, führte zu keinem besseren
Ende.
Dafür aber erwachte um diese Zeit an den medicinischen Schulen,
besonders an der zu Salerno in Süditalien, als die arabische Medicin hier
Eingang fand und allmählich die mehr diätetische des Hippocrates ver-
drängte, das Bedürfniss nach neuen Heilmitteln. Man hatte deren zwei
Gruppen, einfache oder Simplicia — das waren Pflanzen, zum grössten
Theil einheimische — und zusammengesetzte oder Compositionen, die jetzt
erst durch die Araber an den Schulen eingeführt wurden. Die salerni-
tanischen Aerzte trugen nun mit wahrem Bienenfleiss zusammen, was die
Alten, namentlich Dioscorides, Plinius und Galen, und die arabischen
Gelehrten, besonders Ihn Sina, der unter dem verdorbenen Namen Avicenna
bekannter ist, über die Heilkräfte der Pflanzen geschrieben hatten und
was im Volk als heilkräftig galt. Zu eigenen Beobachtungen der ange-
führten Pflanzen in der Natur, zu Versuchen über ihre medicinische
Wirkung vermochte man sich aber noch nicht aufzuschwingen. Der ganze
Arzneischatz, der auch animalische und mineralische Stoffe enthielt, baute
sich daher ausschliesslich auf ältere Nachrichten und Traditionen auf.
Dass man unter solchen Umständen auch die von Dioscorides und Anderen
angegebenen Kennzeichen der pflanzlichen Heilmittel als wichtig betrachtete
und, da eigene Beobachtungen fehlten, wörtlich abschrieb, ist selbstver-
ständlich. Daher schwollen diese Zusammenstellungen zu mächtigen
Folianten an, die aber trotzdem in blindem Autoritätsglauben wieder und
wieder abgeschrieben und im Mittelalter viel gelesen und benutzt wurden.
Und nach der Erfindung der Buchdruckerkunst waren diese Sammlungen
von Heilmitteln trotz ihres bedeutenden Umfanges mit die ersten Bücher,
die gedruckt wurden. Wir verdanken also dem praktischen Bedürfniss
der medicinischen Schulen die ersten Kräuterbücher. Es bedarf daher
wohl nicht erst des besonderen Hinweises, dass diese ursprünglich keines-
wegs, wie vielfach angegeben worden ist, Volksbücher darstellten, zur
Popularisirung medicinischer Kenntnisse, sondern vollgültige, wissenschaft-
liche Lehrbücher der medicinischen Botanik.
Unter den ersten gedruckten Kräuterbüchern des 15. Jahrhunderts
erfreuten sich besonders drei grosser Berühmtheit und weiter Verbreitung.
Es waren das
1. der Herbarius Moguntinus oder Aggregator practicus de simplicibus,
2. der Ortus sanitatis oder Gart der Gesundheit,, und
3. das Buch der Natur von Conrad von Megenberg.
Der Herbarius wurde zwar 1484 in Mainz zum ersten Male gedruckt,
daher auch sein Beiname Moguntinus, aber er scheint bereits am Anfänge
6
des 14. Jahrhunderts verfasst, oder vielmehr aus 15 im Buche angegebenen
Schriftstellern zusammengeschrieben worden zu sein. Es existiren von
ihm nicht weniger als 9 lateinische und 2 belgische Ausgaben, ausserdem
3 italienische üebersetzungen, von denen die letzte 1540 erschien. Der
Autor des Werkes ist unbekannt, aber allem Anscheine nach ein Deutscher.
Das Buch, ein starker Folioband, hat keine oder nur ganz oberflächliche
Pflanzenbeschreibungen, dafür aber treten uns in ihm zum ersten Male
Pflanzenabbildungen in grösserer Zahl entgegen, auf die weiter unten näher
eingegangen werden soll.
Der Ortus sanitatis verdankt der alten lateinischen Schreibform für
Hortus seine Bezeichnung. Die erste Ausgabe hat weder Ort noch Jahres-
zahl und daher mag es wohl gekommen sein, dass man früher die Ueber-
setzung, den „Gart der Gesundheit“ für älter und für das Original hielt
und Johann von Cuba als den Verfasser betrachtete. E. Meyer hat fest-
gestellt, dass dieser den lateinischen Ortus sanitatis im Jahre 1485 nur
übersetzt und dabei stark gekürzt hat. Die lateinischen Ausgaben haben
1066 Capitel, die deutschen nur 435. In den ersteren werden über 600
Pflanzen, Thiere und Mineralien mehr aufgeführt. Der deutsche Gart der
Gesundheit ist fast nur noch Kräuterbuch, es finden sich in ihm nur
wenige Thiere (15 gegen 392) beschrieben. Wer der eigentliche Verfasser
oder besser Compilator war, denn der Ortus ist fast wörtlich von den
Handschriften verschiedener älterer Aerzte abgeschrieben, weiss man nicht.
Die Benutzung des Albertus Magnus spricht für einen Deutschen. Ebenso
wenig ist die Zeit des Entstehens bekannt, nach Meyer vermuthlich die
erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die letzte lateinische Ausgabe datirt
vom Jahre 1517, der Gart der Gesundheit wurde aber noch viel später
gedruckt. Pritzel führt in seinem Thesaurus 4 lateinische, 14 deutsche,
1 holländische, 2 französische und 1 italienische Ausgabe auf. Unsere
botanische Bibliothek besitzt aus der Privatsammlung Königs Friedrich
August H. eine lateinische Ausgabe von 1491, die nach Angaben auf der
letzten Seite von J. Meydenbach in Mainz gedruckt wurde. Dieser Name
ist im Katalog versehentlich als Autor des Werkes aufgeführt. Die König-
liche Bibliothek dagegen ist im Besitze einer in Augsburg 1485 gedruckten
deutschen Ausgabe*).
Des Konrad von Megenberg’s ,,Buch der Natur“ ist eine Ueber-
setzung des in der Zeit von 1230 — 1240 geschriebenen ,,liber de natura
rerum“ von Thomas Cantimpratensis, welche 1349 oder 1350 angefertigt
worden ist. Während Konrad bei den meisten Artikeln kürzt, macht er
bei den Pflanzen verschiedene eigene oder anderen Schriftstellern entlehnte
Zusätze. Wie verbreitet die Handschriften dieses Buches im 14. und
15. Jahrhundert gewesen sein müssen, geht daraus hervor, dass dieselben
auch heute keine Seltenheiten sind und keiner grösseren Bibliothek fehlen,
ja oft in mehrfacher Zahl vorhanden sind, in Wien z. B. achtmal und in
München sogar siebenzehnmal. Gedruckt wurde dieses Kräuterbuch zum
ersten Male 1475 und bis 1499 nicht weniger als sechsmal. Im Jahre 1861
wurde von F. Pfeiffer eine Neubearbeitung veranstaltet, sodass diese
*) Es ist die in Pritzel mit Nr. 10824 bezeichnete Ausgabe. Aber es muss hier
ein zweiter Abdruck vorliegen, denn es sind die von Pritzel in Zeile 8 und 9 erwähnten
Druckfehler nicht vorhanden. Die betreffende Stelle heisst in dem Dresdner Buche:
„Diss ist das drit teyl diss buchs vnd ist ein register ze uinden kreuter“ etc.
7
wichtige älteste Naturgeschichte jetzt Jedermannn zugänglich ist. Sie
handelt Yon folgenden Dingen: vom Menschen, vom Himmel und den 7
Planeten, von den Thieren, Pflanzen (Bäumen und Kräutern), Steinen und
Metallen und endlich von Wundermenschen und Wunderbrunnen.
Wichtig sind diese ersten Kräuterbücher durch ihre Abbildungen.
Es sind die ersten Versuche naturwissenschaftlicher Abbildungen über-
haupt, d. h. sofern sie durch Holzschnitte vervielfältigt auf uns gekommen
sind. Denn schon in den Handschriften der griechischen Schriftsteller
vor Chr. G. fanden sich nach den Berichten des Plinius Zeichnungen von
Pflanzen. Aus dem 5. Jahrhundert nach Chr. G. sind uns zwei Hand-
schriften des Dioscorides erhalten, die in der Kaiserlichen Bibliothek in
Wien aufbewahrt werden und welche zahlreiche Abbildungen von Pflanzen
enthalten. Dodonaeus hat in seinen Pemptaden 10 von diesen ältesten
erhaltenen Pflanzenzeichnungen zur Probe aufgenommen. Es scheint aber,
als ob der betreffende Holzschneider nicht verstanden hat, deren besondern
Charakter wieder zu geben, sie unterscheiden sich in nichts von den
übrigen. Ferner besitzt die Marcus -Bibliothek in Venedig eine Sammlung
gemalter Pflanzen mit beigeschriebenen Namen aus dem Anfänge des
15. Jahrhunderts, die sehr treu sein sollen. Aber als Förderungsmittel
der Pflanzenkunde, als Ersatz der fehlenden Beschreibung konnte man
diese in der Hand Einzelner befindlichen Abbildungen nicht betrachten.
Das wurden sie erst nach der Erfindung des Holzschnittes, der bekannt-
lich gegen 100 Jahre älter ist als die Buchdruckerkunst. Die Holz-
schneidekunst wurde anfänglich von sog. Briefmalern, d. h. Spielkarten-
machern ausgeübt und hatte bis zu unseren ältesten Kräuterbüchern nur
sehr geringe Fortschritte gemacht. Auch in diesen zeigten sich „in den
steifen, wenig variirten Strichen, in den wie mit der Scheere zugeschnittenen
Umrissen, die in Winkeln ausgehen, wo sie gerundet sein sollten, die
Kindheit und das Unvermögen der Kunst“ (Treviranus). Die ältesten und
auch unvollkommensten Holzschnitte finden sich im Buch der Natur, dann
erst folgen Herbarius und Ortus sanitatis. Allen gemeinsam ist die
Colorirung der Holzschnitte. Aber sie sind, wenn auch mit rohem Pinsel,
doch nicht mehr, wie das bei den Kartenblättern üblich war, vermittelst
Patronen oder Cartouchen hergestellt, d. h. mit Karten oder dünnen
Metallplatten, an denen die Figuren ausgeschnitten waren, über welche
man einen Pinsel mit Farbe zog. Die Farbe wandte man der Verzierung
halber an, wie überhaupt die Holzschnitte selbst auch vielfach nur diesen
Zweck verfolgten. Daher schuf man bei allen ausländischen Pflanzen und
Thieren, die man nicht aus eigener Anschauung kannte, entweder nach einer
vorhandenen Beschreibung oder auch ohne eine solche eine Abbildung
frei nach der Phantasie. Durch den Zierath der Bilder wollten eben die
Verleger ihre Bücher empfehlen. Auch die Abbildungen einheimischer
Pflanzen zeigen ganz phantastische Zuthaten. Die dargestellten Wurzeln
sind meist wahre Monstra in Form und Grösse, sodass es oft schwer
hält, ja unmöglich ist, die dargestellte Pflanze aus der Abbildung zu er-
kennen. So konnte E. Meyer in der Ausgabe des Herbarius vom Jahre
1485 unter den 32 Pflanzen der beiden ersten Buchstaben des Alphabetes —
die Pflanzen und Thiere sind hier wie auch im Ortus sanitatis nach dem
Alphabet geordnet — kaum drei und unter den drei nächstfolgenden
Buchstaben kaum eine finden, die an ihr Original auch nur von ungefähr
erinnert, geschweige denn sich sicher erkennen lässt. Eben so ungünstig
8
liegen die Verhältnisse in den ersten Ausgaben des Buches der Natur und
des Ortus sanitatis. Sehr wenig Sorgfalt ist auf die Darstellung der Blüthen
verwandt, wo solche überhaupt angegeben sind. Staubgefässe sieht man
nirgends. Man wusste noch nichts Bechtes mit der Blüthe anzufangen.
Nach Albertus Magnus war die Blume das Vorzeichen der Frucht, die
entweder unter oder in der Blume entstehen sollte. Die Staubgefässe
werden von demselben als Körner mit Stielen beschrieben.
Wie sieht es nun mit der Pflanzenbeschreibung in den alten
Kräuterbüchern aus?
Das mögen uns einige Beispiele zeigen, die ich den drei alten Büchern
entnehme:
a) Aus dem Buch der Natur in der Pfeiffer’schen Bearbeitung.
1. Von den Linden (S. 350).
Tilia oder dilia haizt ain lind, der paum ist gar bekant pei uns
und ist gar lüftiger art. (Nun folgen die Verwendungen).
2. Von dem alberpaum (S. 339).
Populus haizt ain alberpaum oder ain popelpaum und ist zwairlai,
wan ainer lai ist weiz und der ander lai ist swarz. der weiz hat pleter,
diu sint ain seit weiz und die andern seit grüen.
3. Von dem waitkraut (S. 419).
Sandix haizet waitkraut. daz kraut hat ain rot wurzel und hat pleter
nähent sam diu lactuken, an daz si smaler sint und spitziger, und ist den
verbern guot, die tuoch da mit verbent und dar nach ander varb dar zuo
mischent. des krautes ist in Dürgen (Thüringen) vil umb Ertfurt.
Diese letzte Angabe ist sicher ein Zusatz Konrad von Megenberg’s,
der seine Ausbildung auf dem Gymnasium in Erfurt erhielt und dort die
Waidculturen sah. Es dürfte hier die erste floristische Nachricht über
eine Thüringer Pflanze vorliegen, die überdies zeigt, dass die berühmte
Thüringer Waidcultur schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts
florirte, denn Konrad, der 1309 geboren wurde, hielt sich bis etwa 1330
in Erfurt auf.
Die ausführlichste Beschreibung haben die Erlen erhalten.
4. Von den Erlen (S. 314).
Ainus haizt ain erl. der paum wechst gern an fäuhten steten und
ist sein holz rot und diu rind swarz. wenn man das holz geprennet, da
wirt weizer asch auz wan auz kainerlai anderen holz, daz uns bekannt
sei. daz holz hat die art, die weil ez grüen ist, so läzt ez sich nicht so
gern spalten sam daz tännein; aber wenn ez gedorret, so läzt ez sich
gerner spalten, des paumes pleter habent die art, wenn si des ersten
her für gent, so habent si ain vaizt (dick) zäh fäuhten, reht als des popel-
paums pleter. jedoch ist der erlpleter saf nicht so schön smeckend sam
der popeln pleter saf. diu erlpleter habent die art, wä man sie sträut
in ain kammern, da toetent si die floech, und daz ist war von den pletern,
diu newleich auzgeschozzen sint, wan da müezent die floech an hangen,
daz erlein holz also grüenez in wazzer gelegt erfaulet gar langen jär
nümmer und dar umb sieht man pfeiler in die mosigen stet auz derlai
holz und pawet dar auf türn, maur und andren werk.
9
b) Aus dem Ortus sanitatis (Gart der Gesundheit).
Hier wird im Allgemeinen das folgende Schema als Regel befolgt:
Voran geht was die Griechen, Römer, Araber und die salernitanischen
Aerzte über eine Pflanze gesagt haben. Oft sind das nur blosse Namen.
Darauf folgt die ausführliche Beschreibung der Kräfte sowie der Grad
der Wirkung nach Galen, oder wenn dieser schweigt, nach einem der saler-
nitanischen Aerzte. Zuletzt werden die Krankheiten aufgezählt, gegen
welche die Pflanze von den Alten oder Neueren empfohlen wird.
1. Anetum, dille {Anetlmm graveoleus L.). Cap. 14.
Anetum latine, arabice rebet. Der meyster Serapio spricht, das Anetum
allen leuten sei wol bekannt.
2. Cepe, Zwibeln. Cap. 103.
Cepe latine, grece bulbus, arabice basal. Dioscorides beschreibt vns
vnd spricht, das der sind zweyerley. Die einen seind rot von färb die
andern weiss.
3. Lilium convallium, meyblömen. Cap. 230.
Die meister sprechen das diss krut habe fast wolriechenden blömen.
Dye bletter gleichen den Wegerich blettern allein die meyblömen mit als
gar breit sint sunder lenger.
4. Genciana, entian. Cap. 217.
Genciana latine, grece narcaum, arabice sontziana. Der meister
Dioscorides in dem capitel genciana beschreibet vnss vnd spricht, das
genciana fanden sei worden von dem keiser yllericus in dem land genannt
genciana. vnd do hat er diser wurceln den namen geben.
5. Eufragia, augentrost {Euphrasia officinalis). Cap. 109.
Eufragia latine, arabice herba adhill. Der meister Paulus beschreibt
vns in seinem buch in dem cap. eufragia vnd spricht, dass diss sey ein
kraut vnd sei gleich an dem stame dem jsop, allein die stengel vom
Augentrost haben ein feyel färb vnd hatt nitt esste vnd hat klein bleter
vnd hat blumen sein weissfar.
Die ausführlicheren Beschreibungen sind im Gart der Gesundheit viel
spärlicher als im Ortus sanitatis. Dafür hat aber jener, wenigstens die
mir vorliegende Ausgabe, grössere Abbildungen als dieser. Sie nehmen
drei Yiertheile der Seite ein. Es sind also die Stöcke der lateinischen
Ausgabe nicht benutzt, sondern durchaus neue angefertigt worden. Die
abgebildeten Pflanzen sind auch ganz andere.
Die obigen Proben aus den deutschen Ausgaben der alten Kräuter-
bücher werden genügen, um die Art der Pflanzenbeschreibung in ihnen
zu . charakterisiren. Man wagt also selbst bei ganz allgemein bekannten
Pflanzen nur das zu schreiben, was die Alten darüber sagten. Eigene
Beobachtungen hält man bei dem vertrauensseligen Autoritätsglauben für
unnöthig. Es sind eben die ersten Kräuterbücher bis zum 16. Jahrhundert
mosaikartig zusammengetragene und alphabetisch geordnete Encyklopädien
der überlieferten naturgeschichtlichen und besonders medicinischen Kennt-
nisse, die man ihrem Hauptinhalte nach als Heilmittellehren zu be-
zeichnen hat.
10
Das wird nun im 16. Jahrhundert anders. Da erwachen die Natur-
wissenschaften endlich aus dem Jahrhunderte langen todesähnlichen
Schlafe. Da fängt man endlich wieder an zur Natur selbst zurückzukehren,
die Pflanzen im Freien aufzusuchen und sie nach eigenen Beobachtungen
zu beschreiben und abzubilden. Erst jetzt kann man wieder von einer
auf Naturforschung gegründeten wissenschaftlichen Botanik sprechen. Und
es sind besonders zwei Deutsche, das können wir mit Stolz sagen, welche
an dieser wissenschaftlichen Beformation den Hauptantheil nahmen: Otto
Brunfels und Hieronymus Bock.
Otto Brunfels, der sich nach der Heimath seines Vaters, der Burg
Braunfels im Lahnthale, nannte, wurde um 1488 in Mainz geboren und
starb 1534 in Bern als Stadtarzt. Hieronymus Bock, oder Tragus, wie
er sich nannte, wenn er lateinisch schrieb, der jüngere Freund von Brun-
fels, wurde um das Jahr 1498 im Dorfe Heidesbach im Odenwalde, drei
Stunden nordöstlich von Heidelberg, geboren und starb 1554 in Hornbach
im Wasgau. Beide waren als Mönche zum Protestantismus übergetreten,
verkündeten dann als Prediger die neue Lehre und waren zugleich als
Aerzte thätig.
Die Pflanzenabbildungen in den alten Kräuterbüchern waren, wie
schon erwähnt, buchhändlerischer Bilderschmuck, entweder vollständige
Phantasiegebilde oder mit phantastischen Zuthaten aufgeputzte grobe
Darstellungen, die weder mit der folgenden Beschreibung noch mit der
Wirklichkeit übereinstimmten. Es ist nun das grosse Verdienst von Brun-
fels, hierin Wandel geschaffen zu haben. Sein Kräuterbuch bedeutet mit
seinen schönen und naturgetreuen Abbildungen, die hier zum ersten Male
ohne Colorirung auftreten, einen gewaltigen Fortschritt gegen früher. Auf
sie legt er auch selbst den grössten Werth, wie schon der Name für sein
Werk: Herbarum vivae eicones bezeugt. Es erschien 1530 und in einer
zweiten Ausgabe 1532, dazu kamen 1536 ein zweiter und dritter Band.
Neuauflagen aller drei Bände machten sich bereits 1537 und 1539 nöthig.
Auch deutsche Ausgaben unter dem Titel ,,Contrafayt Kreuterbuch“ ent-
standen 1532 und 1537. Es muss also das Werk sehr viel Absatz gefunden
haben.
Eür die Vortreff liohkeit der Pflanzenabbildungen in seinem Kräuter-
buche ist allerdings Brunfels nicht allein verantwortlich. Die Holzschneide-
kunst hatte im Anfänge des 16. Jahrhunderts durch die Eörderung, welche
die grossen zeitgenössischen Maler, namentlich Dürer, Cranach und Holbein
ihr angedeihen Kessen, einen mächtigen Aufschwung genommen. In Folge
dessen standen dem Verfasser der Herbarum vivae eicones auch ganz
anders geschulte und viel geschicktere Holzschneider zur Verfügung als
den Verfertigern der älteren Kräuterbücher, Seine Abbildungen rühren
fast alle von dem berühmten Strassburger Meister Hans Weyditz her, der
sie auch in Holz schnitt. Das Verdienst des Otto Brunfels wird aber
dadurch keineswegs geschmälert.
Der Text und die Pflanzenbeschreibungen in dem Herharum vivae
eicones unterscheiden sich noch nicht wesentlich von den älteren Kräuter-
hüchern. Es sind zusammengereihte Bruchstücke aus älteren Schriftstellern.
Nur dass sich Brunfels bemüht, die auf die Beschreibung sich beziehenden
Angaben der älteren Schriftsteller ausführlicher zu sammeln. Daher ist
auch die ganze Anlage des Brunfels’schen Buches noch die in den Werken
der Vorgänger. Zuerst werden bei einer Pflanze die griechischen, lateinischen
11
und deutschen Nancien und Synonyma angegeben, dann nach Dioscorides,
Theophrast, Plinius, Galenus etc. Beschreibung und Heilkräfte aufgeführt
und zum Schlüsse die Schriftsteller aufgezählt, welche über die betreffende
Pflanze geschrieben haben. Die eigenen Beobachtungen sind also im Texte
noch nicht niedergelegt.
Da Brunfels in erster Linie die Pflanzen seiner eigenen Heimath,
d. h. des linken Rheinufers um Strassburg, berücksichtigt, so liegt uns
hier gleichsam der Anfang einer ersten deutschen Provincialflora vor, aller-
dings noch ohne nähere Standortsangaben. Auch aus unserem hercynischen
Bezirke sind Brunfels Pflanzen zugesandt worden, deren Herkommen von
ihm angegeben wird. So schreibt er vom Entzian: „Gentiana etiam in sylva
Hercynia copiosa habetur“. Nach Dierbach soll dieser Entzian Gentiana
lutea gewesen sein, der allerdings heute im Harze nicht mehr vorkommt.
Gebührt demnach Brunfels das Verdienst, naturgetreue Abbildungen
in den Kräuterbüchern zur Anwendung gebracht zu haben, so schuf
Hieronymus Bock um dieselbe Zeit neue auf eigene intensive Natur-
beobachtungen gegründete Pflanzenbeschreibungen. Man höre z. B., wie
vortrefflich, wenn auch etwas weitschweifig, er die Wegerich -Arten be-
schreibt:
„Und seind des Wegerichs drey geschlecht, die gross, das mittelst
und das spitzig Plantago. Das aller gröst hat Blätter wie der Entian,
oder Mangott, aulf der Erden aussgespreit, ein jedes Blat ausswendig mit
siben Rippen, die sich alle am Ende des Blats gegen der Wurtzel zusamen
tragen. Diser Wegerich gewinnet runde glatte stengel, spannen lang, oben
mit vollkömmlichen äheren, dess kleinen samens in zarten Hütlein ver-
schlossen. Die Wurtzel an disem Wegerich ist zasechter dann keins
anderen Wegerichs.
Das mittelst würd in der gantzen Substanz ein wenig kleiner. Bleibet
mit seinen Blättern, die auff den grundt als ein Stern aussgespreit ligen,
vber Winter grün, doch zu Eschenfarb geschickt, rauch vnd haarecht, mit
siben gefalten Rippen, ein jedes Blat, so es vollkömmlich, ist einer Zungen
gleich. Die glatten nacketen vnd kurtzen Hälmer wachsen spannen hoch,
tragen zu oberst weisse gäle geäherte Blumen , wie der andern frucht
ähern anzusehen. Der Samen zimmlich lang, grösser dann dess ersten,
aller ding dem Basilgen samen ähnlich. Die Wegerich wachsen alle gern
in feuchten Orten, als Wysen vnd Gärten.
Der dritt Wegerich ist der aller schmählest an den blättern, hat
auch seine Rippen wie die andern, von färben schwartzgrün. Die glatten
stengel seind nicht rund, sonder ecket, als weren die siben rippen zusammen
kommen, vnd eines darauss gewachsen. Dise eckete vnd glatte Hälmer
dess Wegerichs, haben auch jhre geäherte blumen, von färben schwartz,
die blüet weissfarb, wie dess mittelsten Wegerichs, das ist, wie weisse
Härlein mit kleinen düpfflein bekleidet. Der samen würd grösser dann
der andern, also was diser mit Wurtzeln, blettern, stielen vnd blumen
geringer, schmäler, dünner vnd kürtzer ist, das ist er herwiderumb mit
seinem samen grösser, vollkömmlicher vnd gebräuchlicher.
Dise Kräutter blüen alle sampt gegen dem Meyen vnd Brachmonat.“
Und weiter unter der Ueberschrift „von den Namen“: „Der gemein
Lateinisch namen ist Plantago, das verstehen die gelehrten allein auff den
grossen, den man roten Wegerich nennet, vrsach, das seine äher mit dem
samen gerneinlich ein wenig braun werden, oder darumb, das man selb
12
Kraut vnci Samen, allermeist für die rote Ruhr braucht. Das ander vnd
spitz Wegerich heisst Lanceolata, oder Plantago minor. Das dritt ist
Plantago media, vel alba, ist ein wunder, das Dioscorides dess gleichen
Plinius nicht mehr dann von zweyen schreiben, so doch jedermann drey
Wegerich Kräutter kennet, sie müssen entweders den dritten vnd weissen
Wegerich nicht gekennet haben, oder haben den roten vnd den mit den
weissen Blättern vnd Blumen für einen gerechnet.“ (S. 180, Cap. 75.)
Als ein zweites Beispiel sei noch die Beschreibung der Maiblümchen
angeführt des Vergleiches wegen mit der dem Gart der Gesundheit ent-
nommenen.
,,Im Aprillen stossen die dünne zasechte weisse vnd queckechte Wurtzel
(welche sehr hin vnd wider im Grund flechten) grüne dolden, als die
spargen, das seind die zwey grüne holdselige bletter neben einander, als
zwen Zwilling an einem stiel, welche bletter in der ersten also zusamen
seind gedrungen, zwischen disen zweyen klettern (so bald sie jhre obren
vber sich strecken, seind sie der weissen Gilgen klettern ähnlich) dringet
auch heraussen ein dreyeckets glattes stilche, mit fünff oder sechs runder
weisser knöpfflein, als Erweissen, die thun sich gegen dem Meyen auff,
ein jedes schneeweisses holes blümlein anzusehen, nicht anderst, dann ein
rundes Cymbal glöcklein, zu rings vmb, den schärtlein einer Sägen gleich,
in einem jeden stöcklein ein purpurfarbes flecklein gemalet. Dise Glocken-
blümlein riechen vber die massen wol, sonst seind sie eines bittern geschmacks
auff der Zungen. Gegen dem Hewmonat flndet man Körner, nicht anderst,
dann rothe Corallen, oder wie die Frucht der Spargen, seind auss den
Blümlein gewachsen.“ (S. 456, Cap. 197.)
In gleicher Weise haben auch alle übrigen oder wenigstens die ein-
heimischen Pflanzen eine mehr oder weniger eingehende Beschreibung er-
fahren, die sich besonders auf die Tracht erstreckt, lieber Blüthen und
Früchte geht auch Bock noch kurz hinweg. Bemerkenswerth ist jedoch
noch, dass er auch schon dem Vorkommen und dem speciellen Fundorte
Beachtung schenkt und mit der alphabetischen Aufzählung der Pflanzen
nicht einverstanden ist, sondern sie nach ihrer Verwandtschaft zu ordnen
strebt. Er unterscheidet auch, z. B. gleich bei den Nesseln, zwischen
einjährigen und mehrjährigen Pflanzen.
Wenn auch hier noch keine botanische Kunstsprache in Anwendung
gekommen ist, so deuten die Beschreibungen doch auf eine sehr sorgfältige
eigene Naturbeobachtung und zeigen, dass sich der Autor emporgearbeitet
hat über den blinden Autoritätsglauben seiner Vorgänger, sodass er sich
nicht scheut, selbst an den klassischen Schriftstellern Kritik zu üben.
Doch steht sein „New Kreutterbuch“, das 1539 zum ersten Male heraus-
gegeben, bis 1630 nicht weniger als elfmal gedruckt und einmal für die
Ausländer ins Lateinische übersetzt wurde, noch immer im Dienste der
Medicin*). Auf die Beschreibung der Pflanze folgt noch immer ein langer
Abschnitt „von der Krafft und Würckung“ derselben. Aber es tritt schon
das Bestreben hervor, möglichst alle Pflanzen aufzunehmen. So schreibt
der Autor in der Vorrede: „In diesem Buch werden die Einfache Erd-
Gewächss, Simplicia genandt, soviel derselben im Teutschen land mir zu
handen gestossen, als nemlich Kräutter, Stengel, Wurtzel, Blumen, Samen,
*) Die botanische Bibliothek besitzt die letzte der von Melchior Sebitz ver-
mehrten Ausgaben vom Jahre 1630.
13
Früclit, Obs zam vnd wild, dessgleichen alle fruchtbare vnd vnfruchtbare
Stauden, Hecken vnd Bäume, so viel nur zu bekommen möglich, auffs
aller fleissigst, wie, wo vnd wann sie wachsen, sampt jbren gegründten
namen beschrieben vnd gehandelt.“
Die Abbildungen, welche der ersten Ausgabe noch fehlen, rühren
von einem jungen Zeichner David Kandel her, ,,derselbig hat alle Kreutter,
Stauden, Hecken unnd Beum, wie ich ihm die selben fürgelegt, aufs aller
Einfältigst, schlechts, und doch Warhafftigst, nichts darzu noch darvon
gethan, sonder wie ein jedes Gewächs an ihm selber war, mit der Federn
säuberlich abgerissen“. Da der Zeichner noch Anfänger war, so erklärt
sich, dass die Abbildungen nicht jene Meisterstücke wie bei Brunfels sind,
aber sie sind doch wahr und lassen die Pflanze sofort erkennen. Am
wenigsten gelungen sind die Abbildungen der Bäume im dritten Theile.
Der erste Botaniker, der gute Beschreibungen mit vorzüglichen Ab-
bildungen in seinen Werken vereinigte, war Leonhard Fuchs (geh. 1501
in Wemdingen in Bayern, f 1566 in Tübingen). Das gilt in erster Linie
von des Verfassers „New Kreuterbuch“ 1543, also von der deutschen Aus-
gabe. In der ersten lateinischen Ausgabe sind die Beschreibungen kürzer
und den Alten nachgebildet. Fuchs trug durch seine kritischen Unter-
suchungen der alten Texte und Pflanzenbeschreibungen und den Vergleich
mit den aufgefundenen deutschen Pflanzen viel bei zur Bereicherung der
Pflanzenkenntniss. Es finden sich in seinen Werken nicht weniger als
500 Arten beschrieben und abgebildet In dem Erkennen einer deutschen
Pflanze nach den alten Beschreibungen ging er manchmal zu weit. Seine
Abbildungen finden sich bei vielen seiner Nachfolger wieder.
Auf der gleichen Stufe Avie Fuchs stehen in Bezug auf Pflanzen-
beschreibung seine beiden Zeitgenossen Valerius Cordus und Carolus
Clusius, bei einzelnen Arten übertreffen sie sogar jenen.
Nachdem Brunfels, Bock und Fuchs die Pflanzenkunde aus einer öden
Text- zu einer wahren Naturforschung erhoben hatten, nachdem ihre
naturgetreuen Abbildungen und guten Beschreibungen die Möglichkeit
geschaffen, die Pflanzen in der Natur wieder zu erkennen, und nachdem
endlich auch die Thatsache zu einer unumstösslichen geworden, dass sehr
viele einheimische Pflanzen den Alten nicht bekannt waren, hob ein eifriges
und auch erfolgreiches botanisches Forschen an. Durch Rembertus
Dodonäus (geb. 1517 zu Mecheln, f 1585 in Leyden) wurden die nieder-
ländischen Pflanzen, durch Valerius Cordus (geb. 1515 zu Erfurt, f 1544
in Rom) besonders diejenigen des mitteldeutschen Berg- und Hügellandes,
durch Koiirad Gesner (geb. 1516 zu Zürich, f 1565 ebenda) die Alpen-
pflanzen, durch Pierandrea Mattioli (geb. 1500 zu Siena, f 1577 in Trient)
die Italiens und Asiens, durch Matthias Lobelius (geb. 1538 zu Ryssel in
Flandern, f 1616 in Löndon) die von Frankreich und durch Carolus
Clusius (geb. 1525 zu Arras damals in Flandern, f 1609 in Leyden) endlich
die von Spanien, Portugal und von Ungarn bekannt, beschrieben und ab-
gebildet. Aber auch kleinere Gebiete untersuchte man auf ihren Pflanzen-
bestand. Es entstanden in dieser Zeit die ersten Localfloren, so z. B.
1577 vom Harz und Thüringer Wald durch Thal, von Altorf 1615 durch
Ludwig Jungermann, von Ingolstadt 1618 durch Albert Menzel, von
Giessen 1623 durch L. Jungermann, von Halle 1662 durch Carl Scheffer,
von Leipzig 1675 durch Paul Amman etc. Die Bezeichnung als ,, Flora“
für die Aufzählung des Pflanzenbestandes eines grösseren oder kleineren
14
Gebietes ist jedoch jünger, sie rührt erst von Linne her. Von Hunderten
von Pflanzen stammen aus dieser Zeit die ersten Abbildungen. Nicht
weniger als 1500 hatte allein Gesner hersteilen lassen, die er für eine
von ihm beabsichtigte Naturgeschichte der Pflanzen, zu welchem Werk er
aber nicht kam, sammelte.
Die Kenntniss der ausländischen Pflanzen wurde durch botanische
Reisen und deren Beschreibung gefördert, so durch Rheede’s „Hortus mala-
baricus“ (1635 — 1691), durch Rumpfs „Herbarium amboinense“ (1637—1706)
und durch E. Kämpfer’s Reisen nach Arabien, Ceylon, Java, Japan etc.
in den Jahren 1683 — 1693. Doch mehr als Beschreibungen und Abbildungen
sorgten für die Ausbreitung der Kenntniss der ausländischen Pflanzen die
wissenschaftlichen botanischen Gärten, deren erster mit der Universität
Padua verbundener nach Meyer bereits im Jahre 1545 entstand, welchem
sich 1547 der zweite in Pisa und 1568 der zu Bologna anschloss, den
Aldrovandi gründete, der aber erst unter seinem Nachfolger Caesalpini
weltberühmt wurde. Ihnen folgten allmählich die Universitäten anderer
Länder nach, so Leyden 1577, Heidelberg 1593 (?), Montpellier 1593 etc.
Mit den Universitätsgärten wetteiferten damals allerdings auch einige
Privatgärten, ja übertrafen jene sogar durch die Reichhaltigkeit ihrer aus-
ländischen Pflahzenculturen. Ich nenne hier nur den berühmten Garten
des reichen Leipziger Rathsherren Bose, den Hortus Bosianus, dessen reiche
Pflanzenschätze uns durch die Verzeichnisse von Amman überliefert worden
sind. Auch das benachbarte Meissen besass schon im 16. Jahrhundert
einen reich ausgestatteten botanischen Privatgarten, dessen Pflanzenregister
von Dr. Schmidt 1895 veröffentlicht worden ist*).
Hatte man bis auf Gesner, der uns auch ein ausführliches Verzeichniss
der Pflanzen seines Gartens aus dem Jahre 1561 hinterlassen hat, in den
Gärten nur die einheimischen und südeuropäischen Nutz- und Schmuck-
pflanzen gezogen, so erfolgten nun am Ende des 16. und Anfang des
17. Jahrhunderts bis etwa 1620 reichliche Einführungen orientalischer
Zwiebelgewächse und Ziersträucher**). Zugleich mit ihnen kamen schon
die ersten Amerikaner, unter ihnen Sonnenrose und Tabakpflanze, Garten-
kresse, Agave und auch die Kartoffel, welche uns Clusius und Bauhin
zuerst ausführlich beschrieben haben. Später folgten dann die Kappflanzen,
Sibirier und Ostasiaten, Australier und Tropenpflanzen.
Haben wir im Vorhergehenden gesehen, wie sich die Kenntniss der
Pflanzen allmählich über einheimische und ausländische Pflanzen aus-
breitete, so wollen wir nun verfolgen, wie sich dieselbe allmählich ver-
tiefte. Noch stand bei den deutschen Vätern der wissenschaftlichen Botanik
die Pflanzenkunde im Dienste der Medicin. Grosse Abschnitte über die
Heilkräfte und lange Krankheitslisten waren ihren Pflanzenbeschreibungen
angehängt und galten als die Hauptsache. Als man nun immer mehr
Pflanzen kennen lernte, von deren Heilkräften weder die alten noch die
neueren Aerzte etwas zu berichten wussten, und auch eigene Beobachtungen
keinerlei medicinische Heilkräfte entdecken konnten, musste man vielfach
den ursprünglich nie fehlenden Abschnitt „von den Wirkungen“ weglassen.
Denn so weit war man schon seit Bock gekommen, dass man auch die
*) Festschrift d. naturw. Ges. Isis zu Meissen 1895, S. 129—148.
**) Näheres siehe in G. Kraus: Der botanische Garten der Universität Halle.
2. Heft: Kurt Sprengel Leipzig 1894.
15
Kenntniss solcher Pflanzen ohne Heilkräfte für wichtig und der Aufnahme
in den Kräuterbüchern für werth hielt. Der Erste, welcher auch bei den
übrigen Pflanzen diesen Anhang consequent wegliess und die Botanik so
vollständig von dem Ballast der Arzneilehre befreite, war der Baseler
Professor Caspar Bauhin (1560 — 1624). Sein ,, Theatrum botanicum“, das
1620 erschien, ist die erste reine Pflanzenkunde. Die botanische Bibliothek
besitzt nur die zweite Ausgabe vom Jahre 1671, diese besteht aus zwei
Theilen, dem Pinax, dem ersten grossen Synonymenwerk, in welchem mit
ganz colossalem Fleiss alle von früheren Autoren seit Theophrast für jede
Pflanze gebrauchten Namen kritisch zusammengestellt sind, und dem Pro-
dromus, welcher die Pflanzenbeschreibungen mit den zugehörigen Ab-
bildungen enthält. Die Beschreibungen treten hier in Form knapper,
methodisch aufgestellter Diagnosen auf, in denen die einzelnen Theile
immer in der folgenden bestimmten Ordnung beschrieben werden: erst die
Gestalt der Wurzel, dann Höhe und Form des Stengels, Beschaffenheit der
Blätter und endlich Angaben, wenn auch nur recht spärliche, über die
Blüthen, Früchte und Samen. So findet sich z. B. auf S. 40 des Prodromus
folgende Beschreibung:
Orchis palmata pratensis angustifolia major (= Gymnadenia conopea)
hat kleine Wurzeln, gleichwie Zwillingshände mit deutlichen Fingern und
nur wenigen anhängenden Fasern. Die Blätter sind lilienartig, schmal,
glatt und handhoch und umgeben den ellenhohen hohlen Stengel unten
wie eine Röhre. Die Aehre ist fast handhoch und schmal und hat blass
purpurne Blüthen mit kurzem Sporn und unter jeder Blüthe ein längliches,
zugespitztes Blättchen und einen länglichen Fruchtknoten (capitulum),
welcher Samen enthält, gleich dem der anderen Arten. Die Pflanze findet
sich auf nassen Wiesen bei Michelfeld im Sommer.
Damit endet die Beschreibung, ganz wie in unseren modernen Floren
auch. Die bei den Vorgängern Bauhin’s auf die Beschreibung stets folgenden
Abschnitte von der medicinischen Wirkung der Art fehlen also vollständig.
Es wird mit keinem Worte mehr auf den Gebrauch hingewiesen.
Eine botanische Kunstsprache und Terminologie der einzelnen
Pflanzentheile suchte schon Fuchs festzulegen. Auf den ersten vier Seiten
seiner 1542 erschienenen Historia stirpium definirt er Begriffe, wie Inter-
nodium, Racemus und andere. Wesentlich schärfer fasst diese und andere
Begriffe Dodonaeus. Doch erst der Lübecker Philosoph Joachim
Jungius (1587 — 1657) schuf in der Mitte des 17. Jahrhunderts eine ver-
gleichende Terminologie der Pflanzentheile, welche, durch den englischen
Botaniker Ray noch bereichert, später auf Finne überging, der auf dieser
Grundlage seine logisch klare, heute allgemein gültige Terminologie der
Pflanzentheile aufbaute.
Eine wissenschaftlichere nicht nur auf den äusseren Habitus wie bis-
her gegründete Diagnose konnte natürlich erst anheben, nachdem man die
Bedeutung der Blüthe und die sexuellen Verhältnisse erkannt hatte.
Das dauerte ziemlich lange*).
Die deutschen Väter der Botanik unterschieden zwar männliche und
weibliche Pflanzen, aber es waren nur Tracht- oder Artverschiedenheiten,
die zu dieser Bezeichnung führten, ohne dass man die dazu erforderlichen
*) Ich folge hier den ausführlichen Darlegungen von Jul. Sachs in seiner Ge-
schichte der Botanik.
16
Theile berücksichtigte. Erst Gesner brachte neben seinen Habitus -Ab-
bildungen auch vergrösserte Blütben- und P'ruchtanalysen zur Darstellung,
freilich ohne sieb der grossen Bedeutung dieser Dinge bewusst zu werden.
Selbst der gelehrte italienische Botaniker Caesalpini (1519— -1603), der in
seinem 1583 erschienenen Buche „De plantis lihri XVI“ die Blüthentheile
in den Vordergrund seiner morphologischen Betrachtungen stellt, weist
die Annahme getrennter Geschlechtsorgane bei den Pflanzen als ihrer
Natur zuwider ausdrücklich als Absurdität zurück. Die Blüthentheile,
auch die Staubgefässe sind ihm nur Hüllen des Fötus. Und obgleich er
sehr wohl wusste, dass bei manchen Pflanzen, z. B. bei der Haselnuss,
der Kastanie, dem Ricinus etc. die Blüthen von den Fruchtanlagen getrennt
sind; und sogar anführt, dass man die sterilen Individuen Männchen, die
fruchtbaren Weibchen nenne, so fasste er dieses doch nur als eine populäre
Bezeichnung auf, ohne ein Geschlechtsverhältniss zuzulassen. Die Samen-
bildung ist ihm von der Knospenbildung nicht wesentlich verschieden,
beide sind Ernährungsvorgänge, die erstere ist die edlere Art der Fort-
pflanzung.
Durch philosophische Deductionen liess sich natürlich die Frage nach
der Sexualität der Pflanzen nicht beantworten. Hier konnten nur Experi-
mente entscheiden. Solche zielbewusst angestellt zu haben, ist das grosse
Verdienst des Tübinger Professors der Medicin Rudolf Jacob Camerarius
(1665 — 1721). Er war der Erste, welcher auf Grund einer Beobachtung
an weiblichen Maulbeerbäumen und durch Versuche am Bingelkraut, also
einer anderen zweihäusigen Pflanze nachwies, dass ohne die Mitwirkung
des Blüthenstaubes keine keimfähigen Samen entstehen. Das war im
Jahre 1691. In seinem 1694 erschienenen Hauptwerk „De sexu plantarum
epistola“, in welchem er auch ganz eingehend und klar den Blüthenbau
darstellt, berichtet er über weitere Versuche, die Entfernung der Antheren
betreffend: ,,Als ich von dem Ricinus die männlichen Blüthen (globulos),
bevor die Antheren sich ausbreiteten, wegnahm und das Auftreten jüngerer
verhinderte, während ich zugleich die vorhandenen Fruchtstände schonte,
erhielt ich niemals vollständigen Samen, sondern ich sah leere Blasen,
Vielehe endlich erschöpft und vertrocknet zu Grunde gingen. Ebenso
wurden vom Mais die bereits herabhängenden Narben (coma) geschickt
abgeschnitten, worauf die Kolben völlig ohne Samen blieben, obgleich die
Zahl der tauben Schalen (vesicularum) sehr gross war“. Nachdem er dann
weiter erwähnt, dass auch bei allen übrigen Pflanzen die Mitwirkung der
Antheren bei der Samenbildung unbedingt nöthig sei, spricht er die
Forderung aus, dass die Staubgefässe als männliche und die Fruchtknoten
mit den Griffeln als weibliche Geschlechtsorgane zu bezeichnen seien. Die
Zwitterblüthen sollten sich nach seiner Meinung selbst befruchten. Die
Versuche von Camerarius wurden später öfter wiederholt und auch auf
die hermaphroditen Blüthen ausgedehnt. Man suchte nicht nur die Wirkung
des Pollens auszuschliessen, sondern führte auch künstliche Bestäubungen
mit Erfolg aus, sodass die von verschiedenen Forschern des 18. Jahr-
hunderts noch bezweifelte Sexualität allmählich allgemeine Anerkennung
fand. Am meisten haben allerdings die ausgezeichneten Untersuchungen
und Experimente von Koelreuter (1733 — 1806) zu dieser Anerkennung bei-
getragen. Er war es, der nicht nur die verschiedenen Blütheneinrichtungen
in ihrer Beziehung zum Sexualverhältniss ausserordentlich eingehend
studirte, der zuerst die Bedeutung des Nectars und die Mithülfe der In-
17
secten bei der Bestäubung erkannte, sondern auch zuerst Bastarde züchtete,
um nachzuweisen, welchen Antheil das männliche und weibliche Princip
bei der Bildung der neuen Pflanze nimmt. Die Befruchtung stellte er sich
vor als eine Verbindung der männlichen mit der weiblichen Feuchtigkeit
auf der Narbe, wie sich eine saure mit einer alkalischen Pdüssigkeit zu
einem Salze verbindet. Den Pollenschlauch kannte er also noch nicht.
Sein Buch „Vorläuflge Nachricht von einigen das Geschlecht der Pflanzen
betreffenden Versuchen und Beobachtungen“, welches 1761 — 1766 erschien,
ist auch heute noch nicht veraltet. Es ist jetzt durch die Neubearbeitung
in den OstwakPschen Klassikerausgaben wie auch das Werk von Camerarius
allgemein zugänglich. Die Ergebnisse von Koelreuter wurden später von
Sprengel in Bezug auf die Insectenbefruchtung und durch Gärtner be-
züglich der Samen- und Fruchtbildung weiter ergänzt und bilden auch
heutigen Tages noch für eine ganze Reihe von Forschern das ausschliess-
liche Forschungsgebiet.
Nachdem man einmal die Bedeutung der Blüthentheile richtig erkannt
hatte, schenkte man natürlich in den Beschreibuugen der Pflanzen diesen
Verhältnissen mehr Aufmerksamkeit und fand schliesslich in ihnen das
Mittel, um die Unsumme von Pflanzen, die man seit Bruiifels und Bock
allmählich kennen gelernt hatte, übersichtlich zu gruppiren.
In den Heilmittellehren des Mittelalters werden die Pflanzen einfach
nach dem Alphabet, in den späteren Kräuterbüchern meist nach den aus
dem Alterthum herübergenommenen Hauptgruppen: Bäumen, Sträuchern,
Halbsträuchern und Kräutern, oder auch nach den medicinischen Wirkungen
und ihrem Gebrauch aufgezählt. Und diese letztere Gruppirung wird auch
in der Hauptsache beibehalten, so lange die Botanik im Dienste der
Medicin steht, also bis auf Bau hin, obgleich den eifrig beobachtenden
Vätern der Botanik gewisse natürliche Gruppen schon durch die Aehnlichkeit
ihrer Tracht aufgefallen waren. Aus der Aehnlichkeit schloss man wieder
auf gleiche medicinische Wirkungen. Daher stehen z. B. in dem Kräuter-
buche von Bock eine grosse Anzahl von Orchideen, Zwiebelgewächsen,
Gräsern und Leguminosen auch hübsch beisammen, ohne dass sich der
Autor der Ursache dieser Verwandtschaft eigentlich bewusst wird. Ich
will das Eintheilungsprincip Bock’s mit seinen eigenen weitschweifigen
Worten aus der Vorrede zu seinem Kräuterbuche hier anführen: ,,Im
Ersten Buch werden fürnemlich alle gemeine wilde vnd zame Kräutter
vnd Wurtzel, auch viel vnd mancherley Blumen geschlecht, darzu die
Garten Kräutter, wolriechende Specerey, so zur Küchen vnd Artzney
dienstlich, beschrieben, alles vnderschiedlich gehandlet. Im Andern Buch
hab ich mit den Kleekräuttern, sampt ihrer Grassverwandten, zu schaffen.
Vnd als dann die Kuchensamen, Legumina genandt, darnach die Acker-
frücht, als Weissen, Speltz, Korn, Habern, sampt jhren Viciis oder Vn-
kräuttern, sie wachsen gleich in Aeckern, Wiesen, Lachen oder Sümpffen,
als Schwertel, Ried, Seeblumen, Schaffthew, und dergleichen, an die handt
genommen. Auff solches seind zu vns kommen die Kochkräutter, das
Gemüss, vil Rüben geschlecht, allerhand zame vnd wilde Zwibel, darnach
die Kriechende, Flechtende Gewächss, alles was sich im wachsen hefi’tet
vnd anbindet. Nach denselben allen, stachelechte dornechte Ding, als
Kletten, Distlen, vnd weitter etliche gekrönte Blumen Gewächss, so im
Ersten Buch versäumet, als den Attich, den Ammi, sampt vilen andern,
so newlich als Gäst in Teutschland ankommen, für mich genommen. Im
18
Dritten Buch werden vast alle Teutsche Stauden, Hecken, Dorn, fruchtbare
vnd vnfruchtbare Bäum, auch das zame vnd wilde Obs, so viel mir zu sehen
hat mögen zu theil werden, ordentlich beschrieben. Vnd hab in gedachten
Büchern gemeinlich diesen Process vnd Ordnung gehalten: Nemlich das ich
alle Gewächss, so einander verwandt vnd zu gethon, oder sonst einander etwas
ähnlich sein vnd vergleichen, zusamen, doch vnderschiedlich gesetzt. Vnd den
vorigen alten Brauch oder Ordnung mit dem ABC wie das in den alten
Kräutterbüchern zu ersehen, hindann gestellt. Dann die Gewächss nach dem
ABC in Schriften zu handlen, gar ein grosse vngleichheit vnd irrung gebären.“
Trotz dieser ausdrücklichen Missbilligung der alphabetischen Anordnung
ist doch Bock verschiedentlich gezwungen, seinen Principien untreu zu
werden und die Pflanzen alphabetisch aufzuzählen.
Aehnliche Hauptgruppen finden wir auch in der Rariorum plantarum
historia des Clusius, welche 1576 erschien. Hier handelt das 1. Buch von
den Bäumen, Sträuchern und Halbsträuchern, das 2. Buch von den Zwiebel-
pflanzen, das 3. Buch von den wohlriechenden Blumen, das 4. Buch von
den nichtriechenden, das 5. Buch von den giftigen, narkotischen und scharfen
Pflanzen, das 6. Buch von milchsaftgebenden, den ümbelliferen, Farnen,
Gräsern, Leguminosen und einigen Kryptogamen.
Weitere Zusammenfassungen von Pflanzen innerhalb der grösseren
Gruppen gehen bei Bock und seinen Zeitgenossen aus dem Bestreben nach
möglichst genauer Einzelbeschreibung hervor. Wollte man das, so musste
man die Pflanzen mit einander vergleichen. Bei diesen kritischen Be-
trachtungen traten dann ganz von selbst die ähnlichen und unterscheidenden
Merkmale mehr oder weniger deutlich hervor. Und ganz unwillkürlich,
nur von dem instinctiven Gefühl für natürliche Verwandtschaft geleitet,
fasste man ähnliche Formen zusammen und bezeichnete sie mit demselben
Namen. Unter Wegerich, Winde oder Wolfsmilch versteht z. B. Bock nicht
eine einzige Art, sondern mehrere, die er dann durch Beinamen, wie der
grosse, der mittlere und der spitzige Wegerich unterscheidet. Er erwähnt
dabei ausdrücklich, dass Dioscorides den mittleren Wegerich nicht von
dem grossen unterschieden habe. Und so krystallisiren allmählich die
Begriffe von Gattung und Species a,us. Einmal sind die Gattungen das
primäre und ihre Sonderung in Arten secundär, ein andermal entstanden
erst durch die Zusammenfassung der letzteren die ersten. Bei Caspar
Bauhin ist die Unterscheidung von Gattung und Species allgemein und
streng durchgeführt. Auch versieht er viele Pflanzen bereits mit einem
Gattungs- und nur einem Artnamen. Oft ist er allerdings gezwungen,
dem letzteren einen zweiten, dritten und sogar vierten Namen hinzuzufügen.
So kehren Namen, wie der schon oben erwähnte, Orchis palmata pratensis
angustifolia major für Gymnadenia conopea viel wieder, z. B. Juncus
alpinus capitulo lanuginoso für Eriophorum vaginatum oder Juncus acumine
reflexo trifidus für Juncus trifidus etc. Daneben finden sich aber auch
Namen wie Nympliaea alha und N. lutea^ Plantago angustifolia^ Fraxinus
excelsior etc. Man ersieht aus diesen Beispielen’ dass Finne auch für
seine binäre Nomenclatur, als deren eigentlicher Begründer er mit Recht
genannt wird, bei seinen Vorgängern — neben Bauhin ist da auch noch
Rivinus zu nennen — schon Vorbilder fand, wie er ja, wie wir sahen, in
Jungius, einen Vorläufer für die Benennung der Pflanzentheile hatte, den
er auch benutzte. Es sei noch erwähnt, dass Bauhin nur die Arten, nicht
die Gattungen mit Diagnosen versah.
19
Gleichzeitig wurden auch schon die Gattungen zu den nächst grösseren
Gruppen, die wir jetzt Familien nennen, zusammengestellt und oft mit
den noch heute gültigen Namen belegt, wie schon die oben erwähnten
Gruppen des Clusius, ümbelliferen, Leguminosen, Farne etc. zeigen. Man
liess sich hierbei ausschliesslich durch die habituelle Aehnlichkeit, durch
das Gefühl für die natürliche Verwandtschaft leiten und berücksichtigte
die wichtigen Blüthentheile gar nicht. Trotzdem haben namentlich Lobelius
und Bauhin in ihren Werken schon zahlreiche recht natürliche, auch heute
noch gültige Gruppen zusammengebracht. Lobelius sucht hierbei in seinem
Stirpium adversaria nova 1570 den Grundsatz zu befolgen, von den ein-
facheren zu den höher entwickelten Pflanzen fortzuschreiten. Während
sein Landsmann Clusius den umgekehrten Weg einschlägt und die höher
entwickelten Pflanzen voranstellt, beginnt er mit den Gräsern und schliesst
ganz richtig diesen die meisten Monocotylen an, ohne die letzteren jedoch
vollständig von den Dicotylen abzugrenzen. (Das ist erst später, von Ray,
durchgeführt worden.) Auf die Gräser folgen dann die meisten Cruciferen.
Auch viele Compositen, Labiaten, Ümbelliferen und Papilionaceen stehen ganz
richtig beisammen, doch werden die Gruppen nicht durch besondere Namen
bezeichnet und auch nicht beschrieben. Andere natürliche Familien sind in
ihren Gliedern noch arg zerrissen, Bemerkenswerth sind übrigens noch
seine von Meyer als erste Keime der späteren Pflanzengeographie citirten
Worte über die Verbreitung der Arten. Lobelius schreibt nämlich: ,, Manche
Pflanzen kommen sowohl auf den Bergen wie auch in den Thälern vor,
so Eryngium, Calamintha, Polium und viele andere, einige aber, die auf
den Berggipfeln der warmen Regionen wachsen, kehren erst in den
Niederungen und Wäldern der nördlichen Regionen wieder.“
Viele von den durch Lobelius aus ihrer natürlichen Verwandtschaft
herausgerissenen Arten finden dann 50 Jahre später 1620 in dem Theatrum
botanicum des Caspar Bauhin ihre richtige Stellung. Freilich bleiben
auch bei ihm immer noch eine grosse Anzahl von Arten übrig, deren Unter-
bringung in den verschiedenen Gruppen uns heutigen Tages sehr fremd-
artig anmuthet. Aber man möge nur bedenken, dass Bauhinus nicht
weniger als 6000 Arten aufzählt, die nach ihren Verwandtschafts Verhält-
nissen zu ordnen, auch keine Kleinigkeit ist. Die Schachtelhalme sind
z. B. bei den Gräsern, und die übrigen Gefässkryptogamen zwischen Papilio-
naceen und Disteln untergebracht. Doch das darf uns nicht weiter Wunder
nehmen, die Unterschiede zwischen Phanerogamen und Kryptogamen
wurden erst im 19. Jahrhundert vollständig klar gelegt. Die Unter-
suchungen über die letzteren gehören fast ausschliesslich der zweiten
Hälfte des 18. und dem 19. Jahrhundert an. In Bauhin erreicht die natür-
liche Gruppirung nach der äusseren Tracht, wohlbemerkt ohne Berück-
sichtigung der Blüthentheile, ihre grösstmögliche Vollendung. Und da
Bauhin diese Gruppen auch in seinem grossen, viel benutzten Synonymen-
werk, dem Pinax, beibehielt, so fand seine Pflanzen- Anordnung in damaliger
Zeit weite Verbreitung und Anwendung. Sie wurde erst verdrängt durch
das Linne’sche System.
Auch das Linne’sche Pflanzensystem steht, wie seine binäre Nomen-
clatur, nicht ohne Vorläufer da. Der erste, welcher schon 1583 ein künst-
liches System schuf, war der Italiener Caesalpini (1519 — 1603) in seinen
„de plantis libri XVI“. Caesalpini war ein in aristotelischer Philosophie
geschulter Denker, der bestrebt war, in das Chaos von Einzelbeschreibungen,
20
das sich im 16. Jahrhundert angehäuft hatte, Ordnung zu bringen. Während
nun aber Clusius, Lobelius und Bauhinus bei ihrer Oruppenbildung sich
durch das Gefühl leiten Hessen und die Pflanzen nach Aelmlichkeiten im
Habitus zusammenfassten, sodass sie wenigstens Bruchstücke eines natür-
lichen Systemes lieferten, suchte Caesalpini philosophisch nach a priori
aufgestellten Merkmalen die Verwandtschaft zu bestimmen und danach
Gruppen zu bilden. Die aristotelischen Ansichten über das Wesen der
Pflanze mussten ihn auf die Samen und Früchte führen. Nach ihrer
Beschaffenheit und der Art des Keimens glaubte er die natürlichen Ver-
wandtschaftsbeziehungen der Pflanzen festlegen zu können. Auf sie legte
er deshalb bei seinem System den grössten Nachdruck. Und daher darf
es uns nicht Wunder nehmen, dass er oft recht unnatürliche Gruppen
schuf. Sein System hat 15 einzelne mit Diagnosen versehene Classen,
von denen die beiden ersten die Bäume und Sträucher, die übrigen, „die
Herbaceae“ die Stauden, Kräuter und Kryptogamen enthalten. Die letzteren
bilden allerdings mit den thierischen Korallen zusammen die 15. Classe.
Die 3. Classe umfasst alle Pflanzen mit nur je einem Samen in den
Früchten. Und daher stehen zusammen die Gräser, Cyperus^ Urtica^
Daphne und Valeriana. Die 4. Classe enthält die Pflanzen mit mehreren
Samen in einer Frucht, also z. B. die Cucurbitaceen, Solaneen, Asparagus^
Ruscus und Arum. Einigermassen natürlich sind nur die Classen 6 mit
den Umhelliferen, 10 mit Borragineen und Labiaten und 15 mit den Krypto-
gamen. Dagegen ist die von Bauhin fast vollständig durchgeführte Trennung
der Mono- und Dicotylen wieder völlig verwischt.
Nach Caesalpini wurde die Systematik besonders durch Morison, Bay,
Bivinus und Tournefort gefördert. Aber erst nachdem Camerarius und
Koelreuter die Sexualität festgestellt hatten, konnte Linne sein auf die
Fructificationsorgane gegründetes, durch seine Einfachheit und Klarheit
ausgezeichnetes System schaffen, das in Verbindung mit der consequent
durchgeführten binären Nomenclatur auf lange Zeit hinaus das Bedürfniss
der Botaniker befriedigte. Aber Linne war sich sehr wohl bewusst, dass
sein System nur ein künstliches sei, dass aber die Schaffung eines natür-
lichen Systems das Ziel der Botaniker sein müsste, welches zu erreichen
zu seiner Zeit ihm noch unmöglich dünkte. Und die Botaniker des 19. Jahr-
hunderts traten an diese Aufgabe heran, es entstanden seit dem natürlichen
System von Jussieu 1789 eine grosse Anzahl solcher, auf die näher ein-
zugehen hier nicht der Ort ist.
Ebensowenig kann ich mich verbreiten über die neueren Ziele, welche
der Floristik durch die Pflanzengeographie, die Biologie und die Descen-
denzlehre gesteckt worden sind.
Während unsere bisherigen Betrachtungen uns zeigten, wie die Kunst
der Pflanzenbeschreibung von den deutschen Vätern der Botanik an sich
allmählich aber stetig mehr und mehr vervollkommnet, methodischer wird
und zu systematischen Eintheilungen führt, ohne dass man immer im
Stande ist, einzelne Etappen in dem Entwickelungsgange zu bezeichnen,
sehen wir bei der bildlichen Darstellung der Pflanzen eine auffallende
Anomalie. Zunächst tritt nach Brunfels und Fuchs noch eine weitere
Steigerung des wissenschaftlichen und künstlerischen Werthes der ange-
wandten Holzschnitte deutlich hervor in den Werken von Gesner,
Dodonaeus und Clusius. Und in den Schriften des jüngeren Camerarius
endlich erreichte die Kunst des Pflanzenholzschnittes eine Höhe, die sie
21
weder vorher noch nachher, abgesehen von der Neuzeit, wieder erlangte.
Diese Holzschnitte, „die schönsten, welche je ans Licht getreten“ (Trevi-
ranus), finden sich schon in des Camerarius Bearbeitung und Neuheraus-
gahe der Kräuterbücher des Mattioli, besonders aber in seinem eigenen
Werke, dem „Hortus medicus et philosophicus“, den er zusammen mit
Thal’s .,,Sylva hercynica“ 1588 herausgab. Da Camerarius den Gesner’schen
Nachlass käuflich erwarb, so sind möglicherweise verschiedene der hier
wiedergegebenen Abbildungen auf jenen zurückzuführen. Das lässt sich
nicht mehr feststellen, da Gesner über das Sammeln von Holzschnitten
für eine Naturgeschichte der Pflanzen, die er herauszugeben beabsichtigte,
nicht hinausgekommen war. Jedenfalls sank die Holzschneidekunst von
der in den Werken des Camerarius erreichten Höhe rasch herab, je weiter
man sich von dem Zeitalter Dürer’s entfernte. Das zeigen schon die
Werke ßauhin’s und noch mehr die weniger bedeutungsvollen späteren
Schriften des 17. Jahrhunderts über aussereuropäische Pflanzen. Selbst
die in dieser Zeit erschienenen Neuauflagen der älteren Kräuterbücher,
oder die ihnen entnommenen Copien verrathen deutlich den Verfall. In
ausserdeutschen Ländern ist von dieser Entwickelungsanomalie nichts zu
bemerken, weil eben nirgends, selbst in Italien nicht, dieser Kunstzweig
jene grosse Vollkommenheit wie in Deutschland und den Niederlanden
erreichte. Im 18. Jahrhundert wird schliesslich der Holzschnitt ganz ver-
drängt durch den Kupferstich.
Es würde hier zu weit führen, auf die Ursachen dieser Verdrängung
näher einzugehen. Jedenfalls ist der Kupferstich für Prachtwerke geeigneter
als der frühere, nur Umrisse gebende Holzschnitt, wie der aus dem Jahre
1613 stammende berühmte ,, Hortus Eystettensis“ beweist. Dieses Prachtwerk
stellt die reichen Pflanzenschätze des fürstbischöflichen Gartens zu Eichstädt
auf etwa 360 grossen Kupfertafeln dar. Der Text rührt wahrscheinlich von
Ludwig Jungermann her. Ebenso zeigen die botanischen Prachtwerke
von Trew aus dem 18. Jahrhundert die Ueberlegenheit des Kupferstiches.
Mit dem Verfall des Holzschnittes hängt es wohl auch zusammen,
dass im 18. Jahrhundert eine andere Art der Darstellung von Pflanzen-
ibbildungen aufkam, nämlich der Naturselbstdruck. Bei diesem Verfahren
schwärzte man anfänglich die zur Abbildung bestimmten Pflanzen mit
dem Rauche einer Oellampe oder Kerze, legte sie dann zwischen weiches
Papier und überfuhr sie so lange mit dem Falzbein, bis sich der Russ
dem Papier mitgetheilt hatte. Später nahm man Buchdruckerschwärze
oder eine mit zähem Firniss versetzte Oelfarbe. Den Abdrücken half man
durch Zeichnungen nach oder malte sie mit Farben aus. Von letzteren
hat in den Jahren 1763 und 1764 der Erfurter Professor Kniphof nicht
weniger als 6 dicke Eoliobände, 1200 bunte Tafeln enthaltend, geliefert,
während Hoppe von 1787 — 91 8 Centurien nicht ausgemalter Abdrücke
von Pflanzen der Regensburger Umgebung herstellte. Die beiden in der
botanischen Bibliothek vorhandenen Werke zeigen, was das Verfahren zu
leisten im Stande war. Später, d. h. in den fünfziger Jahren des 19. Jahr-
hunderts führte Auer in Wien ein galvanoplastisches Verfahren für den
Naturselbstdruck ein, das Besseres namentlich für Blattabdrücke mit ihren
Nervaturen leistete, wie die nach diesem Verfahren hergestellten Ab-
bildungen in den Werken von C. v. Ettingshausen zeigen.
Am Ende des 18. Jahrhunderts feiert dann die Kunst des Holzschnittes
ihre Wiederauferstehung in England durch Thomas Bewick, der sich auch
*
22
in der Darstellung der Pflanzenwelt versuclit. Und nun wird ihr auf-
steigender Entwickelungsgang bis zur Gegenwart nicht mehr unterbrochen.
Doch muss erwähnt werden, dass z. B. die berühmten reich mit Holz-
schnitten ausgestatteten Werke des Engländers London, die in den
dreissiger Jahren des 19, Jahrhunderts erschienen, immer noch nicht in
ihrem Bilderschmuck die Darstellungen der Meister des 16. Jahrhunderts
erreichten.
Noch verdient am Schlüsse meiner allgemeinen Betrachtung ein wichtiges
Hülfsmittel der Floristik Erwähnung, das wie die Abbildungen und die
botanischen Gärten nicht nur die Pflanzenkenntniss, sondern auch die
Systemkunde ausserordentlich förderte. Ich meine die Herbarien, d. h.
nicht in der Bedeutung der alten Väter der Botanik, welche unter dem
Namen Herbarius entweder den Botaniker selbst oder ein mit Abbildungen
versehenes Kräuterbuch verstanden (daher auch die Bezeichnung Herbarius
Moguntinus), sondern in dem heutigen Sinne. Wann für diese Samm-
lungen getrockneter Pflanzen die Bezeichnung ,, Herbarien“ aufkam, wissen
wir nicht. In der 1606 erschienenen ersten Anweisung zur Einrichtung
solcher von Adrian Spigel werden sie noch ,, Wintergärten oder hortos
hiemales“ genannt. Um eine Verwechselung mit den Kräuterbüchern zu
vermeiden, wandte man auch die Bezeichnung „Herbarium vivum“ an,
auch „Hortus vivus“ oder „Hortus siccus“ finden sich. Als den Erfinder
der Herbarien sieht Meyer in seiner Geschichte der Botanik den Italiener
Luca Ghini an, der in der Mitte des 16. Jahrhunderts an den Universitäten
von Bologna und Pisa als ,,Lector Simplicium“ wirkte, obgleich er dafür kein
anderes Zeugniss beibringen kann, als dass dessen Schüler, wie Aldrovandi,
Caesalpini und der Engländer Falconer sämmtlich nachweislich Herbarien
besassen und dass Ghini auch getrocknete Pflanzen an Mattioli schickte.
Diese Angaben Meyer’s über den Erfinder der Herbarien werden neuerdings
von Flatt*) auf Grund der in dem alten sehr seltenen Werk von Turner
gegebenen Berichte bestritten und als wahrscheinlicher Erfinder der Eng*
länder Falconer bezeichnet.
Die ältesten noch heute existirenden Herbarien sind die folgenden:
das von Aldrovandi in Bologna, Girault in Paris, Caesalpini in Florenz,
Hernandez im spanischen Kloster Escurial, Rauwolff in Leyden, Harder
in Ulm, Ratzenberger in Cassel, Caspar Bauhin in Basel und von
Burs er in Upsala**).
Während Caesalpini sein Herbarium bereits 1563 für den Bischof
Alfonso di Tornabuoni anfertigte, entstand das älteste deutsche Herbarium,
nämlich das von Ratzenberger im Jahre 1592, wie Kessler bereits 1870 fest-
stellen konnte. Doch müssen am Ende des 17. Jahrhunderts die Herbarien
immer noch sehr selten gewesen sein, da sie damals, wie berichtet wird,
als werthvolle Geschenke an Prinzen und hohe Herren überreicht werden.
*) Flatt, A.: Zur Geschichte der Herhare. — Ungar, botan. Blätter Nr. 2/3, 1902.
**) Näheres in Matouschek, Fr.: üeber alte Herbarien, insbesondere über die
ältesten in Oesterreich angelegten. — Ver. f. Naturk. in Reichenberg XXXII, 1901,
S. 1 — 23.
f
II. Analyse der Kalke Ton Tharandt und Braunsdorf.
Von Forstassessor Dr. F. Mammen in Tharandt.
Anfang dieses Jahres hat die Beschaffenheit der sächsischen Kalke
das öffentliche Interesse auf sich gezogen. Da nun die Zusammensetzung
der Kalke selbst für denselben Gewinnungsort keineswegs constant ist,
sondern mitunter sogar beträchtliche Schwankungen zeigt, so erschien es
nicht unangemessen, die quantitative Zusammensetzung des zur Zeit in
den beiden uns benachbarten Kalkwerken Tharandt*) und Braunsdorf**)
zum Gebranntwerden gelangenden Kalkes festzustellen.
Zu diesem Zweck wurden in beiden Werken 'von dem zum Brennen
bez. Verkaufe aufgestapelten Wintervorrathe je 25 Stückchen an ver-
schiedenen, über den gesammten Vorrath vertheilten Stellen entnommen.
Die Untersuchung wurde vom Verfasser im mineralogischen Institut der
Königl. Forstakademie (Professor Dr. Vater) vorgenommen. Aus den
Einzelproben wurde für jedes Kalkwerk sorgfältig eine Durchschnittsprobe
hergestellt. Die Analysen ergaben:
Tharandt
Braunsdorf
Ca CO„
88,18 7o
65,16 7o
Mg CO3
0,94 „
2,05 „
32,67 „
Fe CO3
0,87 „
Fe^Oj, AljOg ....
1,35 „
3,19 ,,
Unlösliches . . . . .
7,34 „
99,86 7„
7,97 „
99,69 7o
Hieraus erhellt, dass das zur Zeit in Tharandt gebrochene Material
ein fast reiner Kalk, dagegen die Braunsdorfer Sorte ein Dolomit ist.
Es hat sich daher die Beschaffenheit der Kalke beider Werke seit den
früheren Untersuchungen***) nicht wesentlich verändert.
*) Erläuterungen zur geologisclien Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section 81,
S. 19.
**) Ebendaselbst, Section 65, S. 9. ^ >
*♦*) Vergi. über diese z. B. Herrmann: Steinbruchindustrie und Steinbruch-
geologie, 1899, S. 285. Eine von Herrmann nicht citirte, aber von Bernhard Cotta in
seinen „Geognostischen Wanderungen“ I, 1836, S. 89/90 angeführte Analyse des Tharandter
Kalksteins von Dr. Henry, bestätigt von Kirsten, zeigt, dass damals auch in Tharandt
Dolomit gewonnen wurde.
1 ■:
III. Methodische Bemerkungen zur Discussion Ton
Periodicitäten in der Klimatologie.
Yon Prof. Dr. H. Gravelius.
Die Frage nach Existenz und Character langjähriger Aenderungen
der klimatologischen Elemente hat das vorige Jahrhundert sehr eifrig
beschäftigt, und aus den so entstandenen Untersuchungen sind eine statt-
liche Anzahl von „Perioden“ gefördert worden, deren Manigfaltigkeit der
Erkenntniss des Gegenstandes allerdings mehrfach entgegengestanden hat.
Ordnung und ein gewisser Abschluss ist in die Frage erst durch Brückner ’s
denkwürdige Untersuchung gebracht worden. Und es hat sich seit Er-
scheinen der ,, Klimaschwankungen“ gezeigt, dass die 35jährige Periode in
der That eine sehr weit umfassende Bedeutung in Anspruch nehmen darf.
Nichtsdestoweniger sind doch hie und da Zweifel an der Gültigkeit
des Brückner’schen Ergebnisses geäussert worden, und in einzelnen Fällen
ist es wohl auch in der That nicht gelungen, die 35jährige Periode zu
verificiren, sofern man sich lediglich der von Brückner selbst benutzten
Methode der einfachen Lustrenmittel bediente.
Es war daher erwünscht und nothwendig, ein Kriterium für das Be-
stehen einer Periode von n Jahren in einer durch äquidistante Beobachtungs-
werthe — oder aus solchen hergeleitete Mittelwerthe — gegebenen Er-
scheinung zu haben.
W. Seibt hat in seinen Untersuchungen über das Mittelwasser der
Ostsee auf ein solches Kriterium hingewiesen in dem Satze, dass, wenn
eine T^-jährige Periode existirt, alle ?^-jährigen Mittel dem Generalmittel
der ganzen Reihe gleich seien. In dieser Form ist der Satz aber noch
nicht richtig, bedarf vielmehr einer Ergänzung, die ich 1893 im Central-
blatt der Bauverwaltung gegeben habe. Es mag hier zur leichteren An-
knüpfung des Späteren kurz das Ergebniss in einer von der damals ge-
brauchten ganz verschiedenen Form skizzirt werden.
Die gegebene Elementenreihe sei:
^1) ^2’ * • • ’ 5 P ^ ^ ~h '^1
wo, im vorliegenden Zusammenhang selbstverständlich, X,v ebenso wie n
ganze Zahlen bedeuten. Bildet man nun ^-gliederige Summen nach dem
Schema
+ 1 + • • • + + w — 1,
SO sieht man sofort, dass
^x + 1 ^x + X ö^x ?
25
wo aber, wenn die a-Reibe periodisch nach dem Modul n ist, die rechte
Seite Yerschwindet, und also ganz allgemein
+ i ^ öx = 0, . d. h. = constant.
Den Werth der Constanten bestimmt man leicht so. Es ist
p
2
1
also
(^1 + . •• + ^^«) + (ö^« + l + • .. + + . * . + W + I 4“ •• • + ^In)
+ ^^1« + ! + . . . + +
2a
X \ ^ 4“ ^ ^ fl ii
?: = 1
wenn man den constanten Werth des einfach mit a bezeichnet.
Das Gesammtmittel der ganzen ^p-elementigen Reihe ist nun
M= Isa =
P Aw -1- ^ hn -f. ^
1 I 1
V V
Man setze noch
1+^
• ‘ V
_ 6 1
W« — , Mp —
n V
1 + ^
V
1 — C,
wodurch endlich erhalten wird
Mn — M Q (Mn — Mp)
oder auch
Mn — {M Mp)^
hfl
d. h. wenn die Reihe von p = Elementen a periodisch ist nach dem
Modul w, so ist die Differenz eines n-jährigen Mittels vom jö-jährigen
Gesammtmittel eine Constante t, sodass also ^
Für den speciellen Fall v = 0 ist auch ^ — 0; dann ist p = Xn. Und nun
gilt der von Seibt aufgestellte Satz, der also auf diese beschränkendeVoraus-
setzung bezogen ist.
Diesen constanten Werth M x habe ich den theoretischen Werth
eines w-gliederigen Gruppenmittels für den Fall des Bestehens einer
W"j übrigen Periode genannt.
Im praktischen Falle, wenn also die numerisch gegeben sind,
lässt sich nun aus den Abweichungen
h = — M
in bekannter Weise der mittlere Fehler eines w-j übrigen Mittels berechnen.
Und ganz anolog lässt sich aus den Abweichungen
S == Mn. M— X
des einzelnen w„ vom theoretischen Werth der mittlere Fehler der Grösse
w«, d. h. wiederum des n-jährigen Mittels, bestimmen. Bezeichnet man
26
den erstgenannten mittleren Fehler mit ho, den zweiten mit So, so wird
für eine numerisch gegebene Reihe das Kriterium für die Existenz einer
übrigen Periode durch die Umgleichung
So <C So •
Eine Anwendung des Dargelegten habe ich im Jahre 1900 in der
Zeitschrift für Gewässerkunde gegeben;
Der Gang einer Untersuchung auf Periodicität wird also der sein,
dass man für gegebene Werthe vbii n die w-gliederigen Gruppenmittel
bildet und mit ihrem theoretischen Werthe vergleicht. Dabei kann es
nun wohl Vorkommen, dass für eines oder mehrere dieser n das vorhin
angegebene Kriterium nicht oder nicht hinreichend erfüllt ist, sodass zu-
nächst der Eindruck entstehen mag, als müsse bei diesen Untersuchungen
mehr oder weniger verlorene Arbeit gethan werden. Dies ist aber durch-
aus nicht nothwendig der Fall, wie aus der folgenden Ueberlegung er-
hellen wird.
Ist eine Erscheinung periodisch nach dem Modul n, so lässt sie sich
so darstellen:
, . 27: , , . 47: , , , . 2x7: , ,
y^z= an-\- a. sin — - t sin — t -4- . . . + av sin t +
^ Oll n ^ n n
,7 ^t: , , 7 47: , , ,7 2x7: , ,
+ \cos-—t + h^cos t + . . . + cos 1 +
iL < ib Vh
wo das Jahr die Einheit der Zeit t ist. Die Reihe der gegebenen Elemente
ist durch
2/2’ • • • • • Vn, • • *5 y<in, • . *
ZU bezeichnen. ^
Es sollen nun _^-gliedrige Gruppenmittel gebildet werden nach dem
Schema
p—i
p.Tt,f,=^ 2 yt + i-
Das allgemeine Glied dieser Summe hat die Form
I I 7
A = 0
und es ist
■1
Pj, = a^ 2 sin (^ + >^) + 2 cos (t -f X)
n
n
. 2x7:., ,
2 sin (t + a)
2x7: .
2 cos =
A=o n ^ ^
sm
py.iz
n . 2x7: + Is
sin + )
sin
xt:
n
sin
n
py.Tz
n 2x7: , p — 1.
— cos +
sm
xt:
n
n
Setzt man zur Abkürzung
. . . pKTz . xt: 1 .
(^, K)=^sin^^^: sin-^,
n
so ist also
Ph = (p, y) «x sin (t + Tx) + (p, y) cos (t + x,,)
tl . ib
27
Das entsprechende Glied der Originalfunction lautet
2x7^ , , 7 2ktz .
1 4- Oy COS t.
' n
Pk fl
Und wenn man hier setzt
so wird
2x7t:
(Xy T dy ~1~ ^X • ^X tdTig
il
. 2
X7C
Fy = Xy sin {t + Ty)
n
und man sieht sofort, dass man auch erhält
Fy = (i?, x) ay sin (^ + T;, + T^O-
fb
Man hat also
2 X TC
yt = a() + ^ cLy sin {t + 'Zy)
X n
Yt,p~ao-\- — '2 (Pj x) (Xy sin (^ + '^x + '^p)-
, p X n
Durch die Gruppenmittelbildung wird also die Periode der Erscheinung
nicht gestört. Die Phasen sind jeweils um eine Grösse gegen die der
Originalfunction verschoben. Und die Amplituden werden im Verhältniss
p
(p, x) : 1
verkleinert. Aus der Definition von (j9, x) folgt übrigens
wonach also für
(n, x) = 0,
p^n
Yt, n = d/Qj
was nichts Anderes ist, als der vorhin gegebene Satz, da die Grösse do
dem zu ihrer Berechnung führenden Vorgänge gemäss nichts Anderes ist,
als die oben als theoretischer Werth eines ^-jährigen Mittels bezeichnete
Grenze.
Indess ist dies nur ein beiläufiges Ergebniss. Der Nutzen der ganzen
Ueberlegung liegt in der Einsicht, dass in den Grössen Y die Amplituden
der y mit den Factoren (p, x) multiplicirt erscheinen. Denn dadurch
wird der Hinweis gegeben, dass die Gruppenmittelbildung keineswegs eine —
wenn auch nur theilweise — nutzlose Arbeit bedeutet. Man wird im
Gegentheil dies Verfahren noch viel mehr anwenden können, allerdings
nach einem gewissen ordnenden Gesichtspunkte.
Die Untersuchung einer periodischen Erscheinung wird zweifellos er-
leichtert, wenn es gelingt, bestimmte vorgegebene Einzelwellen aus der
Erscheinung auszuschalten. Dies ist aber mit Hülfe der Gruppenmittel
möglich. Denn man sieht leicht, dass für ein gegebenes n die Zahl p
sich immer so wählen lässt, dass (j7, x) genau oder wenigstens sehr an-
nähernd verschwindet, (xj? genau oder sehr angenähert gleich n). Beachtet
man dann ferner, dass die Amplituden a^, . . . eine abnehmende Reihe
darstellen, so wird insbesondere die Gruppe von Werth sein, durchweiche
28
OL^ eliminirt wird, denn dann wird die Erscheinung — eben wegen der
Kleinheit von ag u. s. w. ■ — ganz vorwiegend durch die Hauptwelle dar-
gestellt sein. Für die Brückner’sche Periode, n — 35, wird daher die
Bildung 18 jähriger Gruppenmittel von Werth sein, denn es wird der
Dämpfungscoefficient für a2
(18,2) : 18 = 0.028 = rd 4^.
Lustrenmittel sind unter diesem Gesichtspunkt bei Untersuchung einer Er-
scheinung auf Bestehen der 35jährigen Periode nur wenig dienlich, wie
aus der folgenden Tabelle für die Grösse (5,x):5 folgt.
Werthe von (5,x) : 5 bei n = 35
x = l +0.97
2 +0.87
3 + 0.74
4 + 0.56
X = 5 + 0.36
6 + 0.17
7 + 0.01
8 —0.13
Es wird hier also erst die siebente Welle eliminirt, von der man
ohnehin voraussetzen darf, dass ihr Einfluss gering ist.
Anders liegen die' Dinge für p — 18^ wo die Durchführung der Be-
trachtung zu bemerkenswerthen Ergebnissen geführt hat, die auf einen ver-
schiedenen Einfluss der zweiten Welle (a^) hindeuten, der, wie es wenigstens
zunächst scheint, mit der geographischen Lage der Station (ob maritim
oder Continental) Zusammenhängen dürfte. Auf diese geophysikalische Seite
der Sache wird im Zusammenhang mit verwandten Untersuchungen an
anderer Stelle eingegangen, während hier nur auf die ganz elementare
einfache üeberlegung hinzuweisen war, die zu dieser Behandlung periodischer
Erscheinungen durch Ausscheidung gegebener Einzelwellen führt.
IV. Ueber einige sächsische Gesteine.
Von W. Bergt.
Mit 2 Tafeln.
1. Der Turmalingranit von Miltitz bei Meissen. Taf. 1; II, Fig. 1 — 3.
Während der turmalinführende Granit in dem bekannten Kalkbruch
am linken Triebischthalgehänge nicht weit oberhalb Bahnhof Miltitz bei
Meissen schon im Jahre 1834 ausführlich von B. Cotta*) beschrieben
worden und seitdem in der Litteratur geblieben ist, scheint ein gleiches
Vorkommniss von Turmalingranit an dem gegenüberliegenden rechten
Gehänge der Triebisch schon lange wieder der Aufmerksamkeit der Geo-
logen entrückt zu sein, obwohl es 1845 von Cotta und Naumann er-
wähnt und seiner Oertlichkeit nach genau bezeichnet wurde. In dem
5. Hefte der Erläuterungen zu der geognostischen Charte des Königreiches
Sachsen “heisst es auf S. 88:
„Dasselbe Gestein“ (Turmalin und Granat führender Granit) „kommt auch am rechten
Triebischufer, nahe bei dem von Miltitz nach Weitzschen führenden Fusssteige vor, wo
es neben berggrünem und rothfleckigem Schiefer ansteht und auch in einem alten
Schürfe entblösst ist.“
Auf Blatt Meissen (48) der geologischen Specialkarte von Sachsen vom
Jahre 1888 ist zwar der Steinbruch an der betreffenden Stelle im Andalusit-
biotitschiefer angegeben, es fehlt aber sowohl auf der Karte wie in den
Erläuterungen vom Jahre 1889 ein Hinweis auf das Vorhandensein von
Granit. Auf S. 52 heisst es nur in Bezug auf diese Oertlichkeit:
„Ein besonders schönes Beispiel für derartige Vorkommnisse“ (Turmalin in schie-
ferigen Contactgesteinen) „liefert ein in dem auflässigen Bruche gegenüber dem Kalk-
werk am rechten Triebischgehänge aufgeschlossener, dichter, durch kohlige Substanz
schwarzgefärbter Schiefer, der schon mit blossem Auge auf den Schichtfläch^en winzige,
kreuz und quer liegende, schwarze Nädelchen von Turmalin erkennen lässt.“
Wenn man an der Stelle, wo die von Miltitz herunterkommende Dorf-
strasse in die Triebischthalstrasse einmündet, auf einem an der Mühle vorbei-
führenden Wege den Bach überschreitet und am Gehänge thalabwärts geht,
stösst man bald auf den oben erwähnten, in die Karte eingezeichneten,
Jetzt stark verwachsenen Steinbruch im körnig -schuppigen Andalusitbiotit-
*) B. Cotta, Brief. Neues Jahrb. f. Mineral 1834, S. 329— 336. Mit Profil auf
S. 331.
30
schiefer. Zuerst im Jahre 1894 fand hier der Verfasser am Boden vor-
wiegend Bruchstücke von Turmalingranit und von einem schieferigen
Gestein, das man zunächst am besten als „Turmalinsericitgneiss“ be-
zeichnen kann. Im December 1899 berichtete der Verfasser in der Isis
kurz darüber*). Die Verhältnisse, die sich bei genauer Untersuchung der
Fundstelle und deren Gesteine ergaben, erwiesen sich einer eingehenden
Darstellung für werth.
Geologisches Auftreten. Der Turmalingranit am rechten Triebisch-
gehänge ist nicht mehr gut aufgeschlossen. Der Anbruch erstreckt sich
unter einem spitzen Winkel gegen die Gehängelinie thalaufwärts in die
Uferböschung hinein und steigt langsam an. Während die unmittelbare
Umgebung aus dem, einem dunklen Glimmerschiefer gleichenden Andalusit-
biotitschiefer besteht, findet man auf dem freilich mehr und mehr von
Gras und Büschen überwachsenen Boden alle Vertreter der weiter unten
erwähnten Gesteine. Die ehemalige Steinbruchswand ist zum grossen
Theil von oben herein mit Gesteinsschutt und Lehm überdeckt, nur stellen-
weise ragen noch Felsen heraus. Eine Untersuchung dieser Felsen im
oberen Theil des Anbruches ergab eine zusammenhängende, etwa 50 m
lange Masse aller der unten auf dem Boden liegenden turmalinhaltigen
Gesteine. Am linken Ende war die Ueberlagerung des Granites durch
den Andalusitschiefer ersichtlich und am Abhang nach dem rechten Ende
zu kann man die Unterlagerung durch stark zersetzten Schiefer beobachten.
Wir haben es hier jedenfalls ebenso wie an der gegenüberliegenden Thal-
seite mit einem lagergangartigen Vorkommniss zu thun. Die Mächtigkeit
der Granitgänge im Kalkbruch wird mit 2 m angegeben, der Gang am
rechten Gehänge ist mindestens 5 m mächtig. Die Gleichheit der Ver-
hältnisse macht es wahrscheinlich, dass die Vorkommnisse am rechten und
linken Gehänge Theile einer einheitlichen Masse sind, deren Zusammen-
hang durch die Bildung des Triebischthales unterbrochen wurde.
Beschaffenheit des Gesteines. Zahlreiche, sowohl sämmtlichen an-
stehenden Felsen wie dem Bodenschutt entnommene Proben zeigen grosse
Unterschiede in der Korngrösse und Structur, stimmen aber im Turmalin-
gehalt überein. Die Abweichungen in der Korngrösse sind ursprünglich,
die in der Structur nachträglich durch Druck erzeugt.
Die Proben, welche einen vom Druck fast unberührten richtungslos
körnigen Turmalingranit darstellen, besitzen eine hochrothe, an den Feld-
spath gebundene Farbe. Der Quarz weist rauchgraue oder weisse bis
bläuliche Färbung auf. Als dunkler Gemengtheil kann nur schwarzer
Turmalin (Schörl) bemerkt werden, Biotit fehlt makro- und mikroskopisch,
hellrother Granat und primärer Muscovit kommen an einigen Proben vor,
spielen aber eine nebensächliche Rolle. Die beiden Hauptbestandtheile
Feldspath und Quarz bilden ein ganz gleichmässiges Gemenge von mittlerem
bis feinem und sehr feinem Korn. Der Turmalin ist, wie meist in den
Graniten, hier spärlich, dort reichlich vorhanden; aber sogenannte Tur-
malinsonnen fehlen vollständig. Die Grösse der Turmalinsäulen und
-körner hängt bis zu einem gewissen Grade von der Korngrösse des Gesteines
ab. In den gröberen Granitproben erreichen die Säulen eine Länge von
1 cm und eine Dicke von 4 mm. In einer sehr feinkörnigen Granitart,
*) Vergl. Isis, Sitzungsberichte 18.99, S. 31.
31
die anstehenden Felsen an der linken Seite des Bruches entnommen wurde,
messen die Turmalinkörner ebenso wie die anderen Gemengtheile noch
nicht 1 mm. Bemerkenswerth ist, dass in dieser sehr feinkörnigen Art
ein Turmalingranit vorliegt, in dem der Turmalin ausnahmsweise nach der
Art des Glimmers ganz gleichmässig im Gemenge vertheilt ist. An den
grossen Säulen kann zuweilen ditrigonaler Querschnitt festgestellt werden,
eine Flächenbestimmung an den Enden war unmöglich.
Von grundsätzlicher Bedeutung ist, dass für unseren Turmalingranit
die Angaben nicht gelten, die in den Erläuterungen zu Blatt Meissen (48)
S. 52 mit Bezug auf den Granit des Kalkbruches auf der linken Thalseite
gemacht werden:
„Der Granit zeigt sich von zahlreichen Qiierkliiften durchsetzt, auf welchen sich
ausser Quarz reichlich Turmalinaggregate angesiedelt haben, die von den Hauptklüften
aus zuweilen noch seitlich in die Granitmasse ein dringen. Da nun der Granit selbst
ursprünglich fast nur aus Quarz und Feldspath besteht, so wird man hier die Ent-
stehung dieser Turmalintrümer nicht auf eine nachträgliche Lateralsecretion aus dem
Granit zurückführen können, sondern dieselben mit den Turmalinbildungen der Granit-
Contactgebiete parallelisiren und sie als eine den Syenitcontact begleitende Erscheinung
auffassen müssen.“
Der Turmalin unseres Granites ist ebenso wie in den später zu er-
wähnenden Graniten von Gottleuba und Maxen ursprünglicher Gemeng-
theil. Hervorgehoben muss auch werden, dass nicht eine Probe drüsiger
oder eigentlicher pegmatitischer Ausbildung gefunden wurde.
Unter dem Mikroskop ergeben sich als Gemengtheile: Quarz,
Orthoklas, Oligoklas, Turmalin, Muscovit und wenig Granat. Die
Feldspäthe sind, wie schon äusserlich erkannt werden konnte, stark
getrübt und durch fein vertheilte Eisenverbindungen roth gefärbt. Der
Quarz zeichnet sich durch den ungewöhnlichen Reichthum an scharf linigen
(im Schliff) Zügen von Flüssigkeitseinschlüssen aus. Der hellrothe Granat,
den auch schon Cotta*) 1834 für den Granit des Miltitzer Kalkwerkes
erwähnt, ist makroskopisch nur ausnahmsweise bemerkbar. Er zeigt starke
Rissigkeit. Ein gegenseitiges Meiden von Turmalin und Granat, das
Traube**) für den Turmalingranit von Striegau angiebt, kann hier nicht
festgestellt werden. Im Gegensatz dazu fanden sich an einer Granitprobe,
der einzigen mit augenfälligem Granat, eine ganze Anzahl bis 2 mm grosser
Granatkörner in enger Nachbarschaft mit einer Turmalingruppe. — Pri-
märer Muscovit spielt auch mikroskopisch nur eine untergeordnete Rolle.
— Der häufig von kleinen Quarzkörnern durchwachsene Turmalin zeigt
meistens einen schaligen Bau nach den verticalen Krystallfiächen. In den
Querschnitten gewahrt man einen scharfen trigonalen oder ditrigonalen
hellgrünlichblauen bis graublauen Kern, darum einen dunkler braunen Rand
und in diesem zuweilen noch blaue Streifen. Die Axenfarben des stark
pleochroitischen Minerals sind c = E hellgelblich oder hellbräunlich bis
farblos, a = 0 dunkelgraublau (Kern) und dunkelbraun (Rand) oder bräun-
lichgelb und dunkelbraun. Ausser der scharfen krystallographischen Ab-
grenzung der Zonenfarben trifft man auch sehr häufig, wie nach Traube
im Granit von Striegau, den Fall, dass die beiden Turmalinsubstanzen
sich ganz unregelmässig durchdringen, sodass die eine mehrfach flecken-
*) a. a. 0. S. 332. — Vergl. auch Erläut. z. geogn. Charte u. s. w. 5. Heft, S. 78.
**) H. Traube: lieber pleochroitische Höfe im Turmaliu. Neues Jahrb. f. Mineral.
1890, I, S. 186.
32
artig in der anderen auftritt und umgekehrt. Dies ist in dem erwähnten
sehr feinkörnigen Turm ahn granit die Regel.
Unser Turmalin unterscheidet sich also wesentlich von demjenigen,
der in den Erläuterungen zu Blatt Meissen auf S. 53 als Gemengtheil der
kehligen schwarzen Schiefer angegeben wird.
„Die kreuz und quer liegenden schwarzen Nüdelchen auf den Schichtflächen werden
im Dünnschliffe mit schön rothbrauner Farbe durchsichtig und enthalten nach Art der
Chiastolithe in Form einer schwarzen Axe zahlreiche opake Graphit- und farblose
Quarzeinschlüsse.“
Ebenso wie der Turmalin des Striegauer Granites zeichnet sich unser
Turmalin nun noch durch seine pleochroi tischen Höfe aus. Das dort
von Traube Gesagte gilt in vollem Umfange hier, weshalb auf eine aus-
führliche, nichts Neues bietende Beschreibung verzichtet werden kann.
Das Auftreten der pleochroitischen Höfe zeigt keinerlei Abhängigkeit von
dem Druckzustand des Gesteines. Manchmal begegnet man ihnen in einem
Turmalindurchschnitt massenhaft, anderswo nur vereinzelt oder gar nicht.
Durch Glühen verschwand in den Versuchsfällen die Erscheinung wie bei
Traube. Farblose Mineralkörner, Zirkon und Rutil, wurden als Mittelpunkt
der Höfe mehrere Male bemerkt.
Druckerscheinungen. Bedeutend grössere Unterschiede zwischen
den einzelnen Theilen der Granitmasse auf dem- rechten Triebischthalufer
sind nachträglich durch den Gebirgsdruck geschaffen worden. Erschei-
nungen, die hierher gehören, wie Rutschflächen und Schieferung im Granit
des Kalkbruches von Miltiz, erwähnt bereits Cotta im Jahre 1834. Aus-
führlicher werden Stauchungen, schieferige Absonderung, mikroskopische
Zerpressung und Zerquetschung an dem Granit des linken Triebischgehänges
in den Erläuterungen zu Blatt Meissen der geologischen Specialkarte be-
schrieben. Und auf die oben angeführten turmalinhaltigen Contactschiefer
des rechten Gehänges beziehen sich die Worte auf S. 53 ebenda:
,,Die schon äusserlich in diesem Aufschlüsse sich bekundenden intensiven Druck-
erscheinungen und Schichtenstörungen spiegeln sich auch im mikroskopischen Bilde darin
wieder, dass die Turmalinnädelchen stets in oft 15 bis 20 Stücke zerbrochen und durch
farblose Quarzmasse wieder verkittet sind. Die Störungen haben daher hier, wie das
auch für die am oberen Kalklager beobachteten gleichen Erscheinungen sich heraus-
stellte, erst nach Vollzug der Contactmetamorphose stattgefunden.“
Die oben beschriebenen Proben normalen Turmalingranites scheinen
zunächst von Druck nicht berührt zu sein. Bei genauerem Zusehen ent-
deckt man auch an ihnen makroskopisch die Anfänge von Druckwirkung
in Gestalt vereinzelter feiner, hauptsächlich aus Sericit bestehender Aederchen,
und unter dem Mikroskop sind Druckeinflüsse deutlich festzustellen. Keine
der scheinbar unveränderten Proben erweist sich so frei von dynamo-
metamorphen Erscheinungen. Wie Taf. I, Fig. 1 zeigt, ist die urspüngliche
Structur nicht verändert. Erst zwischen gekreuzten Nicols zeigen sich die
inneren Zertrümmerungen, besonders der Quarzkörner (Taf. I, Fig. 2).
Von diesem äusserlich kaum, mikroskopisch wenig veränderten Granit
führen nun alle Uebergänge zu deutlich schieferigen Gesteinen, dem oben-
genannten „Turmalinsericitgneiss“. Seine muscovi tischen oder sericiti-
schen Schieferungsflächen sind häufig stark längsgestreift und -gerieft, haben
auch die Beschaffenheit von höckerigen Rutschflächen (Harnischen) und
enthalten den Turmalin meist in zahlreichen zerbrochenen und ausgezogenen
Säulen. Im Uebrigen sind die Erscheinungen der Dynamometamorphose
schon so oft ausführlich geschildert worden, dass hier von einer Be-
33
Schreibung abgesehen werden'^kann. Es sei auf die Tafel erklärung, ausser-
dem auf die unten zu erwähnenden ähnlichen Vorkommnisse von Gottleuba
und Maxen verwiesen.
Hervorgehoben zu werden verdient nur das merkwürdige Verhalten
des Turmalins dem Drucke gegenüber. Während von den beiden
Hauptgemengtheilen der Quarz bekanntlich optisch und mechanisch ausser-
ordentlich empfindlich, der Feldspath dagegen bedeutend widerstandsfähiger
gegen Druck ist, zeigt sich in dem Turmalingranit von Miltitz, dass der
Turmalin den Feldspath an Schwerverletzlichkeit noch übertrifft. Während
dieser unter dem Einflüsse des Gebirgsdruckes besonders auch chemischen
Veränderungen sehr leicht unterliegt, scheint der Turmalin selbst unter
diesen Verhältnissen unangreifbar zu sein. Eine Veränderung seiner
optischen Eigenschaften konnte weder im parallelen noch im convergenten
polarisirten Lichte beobachtet werden. Und mechanisch zeigt er min-
destens die gleiche Widerstandsfähigkeit wie der Feldspath, was bei der
schlechten Spaltbarkeit auffallen muss. Schon in stark zerdrückten Ge-
steinsproben ist er nur in einige wenige Stücke zersprungen und ver-
hältnissmässig am wenigsten betroffen. Wie Taf. I, Fig. 5 erkennen lässt,
bildet er, wenig behelligt, in dem schieferigen Zerreibsei von Quarz und
Feldspath sogenannte Augen, während der benachbarte Granat in kleine
Stücke zerpresst wurde. Aehnliche feine und weitgehende- Zertrümmerung
wie an Quarz und Feldspath wurden am Turmalin niemals beobachtet.
Ueber die Vertheilung der nach der Korngrösse verschiedenen Granit-
arten und der secundären Druckstadien liess sich an dem mangelhaften
Aufschluss am rechten Triebischthalgehänge Folgendes feststelleii. Die den
anstehenden, aus dem Lehm herausragenden Felsen entnommenen Proben
zeigen von dem linken (nördlichen) nach dem rechten (südlichen) Ende des
Anbruches einen mehrfachen Wechsel von
1. mittel-, fein- und sehr feinkörnigen Ausbildungen des Turmalin
granites,
2. wenig veränderten granitischen mit stärker betroffenen und
schliesslich stark geschieferten Druckstadien,
3. frischen und stark kaolinisirten Stellen.
Diese Erscheinungen entsprechen den bekannten Erfahrungen. Dem
Wechsel in der Korngrösse begegnet man an den meisten Vorkommnissen
körniger Gesteine (vergl. auch unten den Granit von Gottleuba) und die
Vertheilung der Druckstadien bestätigt wiederum die Beobachtungen in
den von Gebirgsdruck betroffenen Gebieten : Die unversehrten und wenig
veränderten Gesteinstheile bilden linsenförmige Partien in und zwischen
den stark veränderten Theilen. Es entsteht dadurch eine Flaser - oder
Au genstructur im Grossen ebenso wie im Kleinen, indem die band-
förmigen schieferig gewordenen Gesteinstheile die unveränderten augen-
förmigon umspannen, wie bei dem Flasergabbro der schieferige Gabbro
und der Amphibolit die körnigen Gabbrolinsen umziehen.
Der Miltitz -Gottleubaer Turmalingranitzug. Das Turmalingranit-
Vorkommniss von Miltitz hat in jeder Beziehung eine auffallende Aehnlichkeit
mit dem Turmalingranit von Gottleuba*) und Maxen**).
*) Blatt Berggiesshübel (102) der geol. Specialkarte von Sachsen. 1889, S. 33 — 36.
**) Blatt Kreischa-Hänichen (82) n. s. w. 1892, S. 54—56.
34
„Die vier langgestreckten stockförmigen, zum Tkeil gangartig verschmälerten
Granitstöcke von Gottleuba liegen sämmtlich als Glieder einer 9 km langen Kette auf
einer SO -KW streichenden Linie , welche eine einheitliche Spalte anzudeuteu scheint.
Dieser Granitzug bildet zugleich die Grenzscheide zwischen Gneiss- und Phyllitformation
oder hält sich wenigstens ganz nahe der liegenden Grenze der letzteren. Verfolgt man
von dem bei Borna auf Blatt Berggiesshübel gelegenen, nordwestlichsten Vorkommnisse
dieses Granites aus die den Granitzug beherrschende Dichtung weiter nach NW zu, so
gelangt man nach einem Zwischenraum von 5 km im Gebiete von Blatt Kreischa in der
Gegend von Maxen auf zwei weitere, ebenfalls nach NW streichende gangartig ausge-
zogene Granitpartien dieser Art, welche zusammen über 3 km Länge besitzen. Die
nachweisbare Gesammtlänge dieser local von Turmalingranit erfüllten Gangkluft beträgt
daher über 17 km,“ (Bl. Kreischa 82, S. 55.)
Verlängert man nun die Riclituiigslinie dieser sechs Turmalingranit-
Vorkoinmnisse genügend weit nach NW zu, so stösst man genau auf den
Turmalingranit von Miltitz. Die Entfernung von hier bis zum nordwest-
lichsten Granitpunkt auf Blatt Kreischa beträgt etwa 33 km. Auf dem
allergrössten Theile dieser recht beträchtlich erscheinenden Strecke ist
aber das Grundgebirge durch die mächtigen Schichten des Bothliegenden
bedeckt; nur an einer Stelle ragt es riffartig hindurch in dem geologisch
interessanten Spitzberg bei Possendorf.
Ausser durch diesen tektonischen Gesichtspunkt zeigt sich der
Miltitzer Turmalingranit noch durch andere Verhältnisse mit dem von
Gottleuba und Maxen eng verbunden. Der Granit von Gottleuba ist eben-
falls ein glimmerfreier turmalinführender Granit. Neben mittel- bis grob-
körnigen Arten kommen auch feinkörnige vor. Die rothe Farbe des Ortho-
klases, die durch zahlreiche Flüssigkeitseinschlüsse hervorgebrachte milch-
weisse Färbung der Quarze, das nur stellenweise und spärliche Auftreten
von hellem Glimmer, die reichliche Anwesenheit von primärem Turmalin,
,, welche die Bezeichnung Turmalingranit rechtfertigt‘% alle diese Einzel-
heiten erinnern lebhaft an den Turmalingranit von Miltitz.
Dazu kommen endlich als wichtiges Band die Druckersclieinungen
am Turmalingranit von Gottleuba und Maxen. In den Erläuterungen zu
Blatt Berggiesshübel wird die Zertrümmerung und Zerklüftung ausführlich
beschrieben, als Folge davon auffällig weit vorgeschrittene Verwitterung
dieser Gesteine, die Bildung von Kaolin, Kaliglimmer u. s. w. besonders
hervorgehoben und als Grund für die w^eitgehende Zertrümmerung gerade
des Turmalingranites die Sprödigkeit des massigen glimmerfreien Gesteines
inmitten der glimmerreichen schieferigen und darum nachgiebigeren Phyllite
und Gneisse angesehen.
Aber noch bedeutend weiter ist der Turmalingranit auf Blatt Kreischa
durch den Gebirgsdruck verändert. Er zeigt sich hier in ein „lang-
flaseriges, grobschieferiges oder feinlagenförmiges“ Gestein ohne eine Spur
des ursprünglichen rein massigen Gefüges verwandelt, „das beim ersten
Blick kaum als ein Granit wieder zu erkennen ist“ (S. 55). Vergl. Taf. II,
Fig. 1 — 3.
Auf Grund der angeführten Thatsachen ist die Annahme nicht von
der Hand zu weisen, dass der Miltitzer Turmalingranit der nord-
westlichste Ausläufer des bei Gottleuba beginnenden Turmalin-
granitzuges ist. Dieser würde so eine Länge von 50 km haben, von
denen aber über die Hälfte vom Bothliegenden verdeckt wird. Durch
diese Annahme erklärt sich zugleich das ganz ungewöhnliche Auftreten
von Turmalingranit in der Miltitzer Gegend. Die vom Turmalingranit
ausgefüllte grosse Gangspalte verläuft im Allgemeinen der Grenze zwischen
35
der erzgebirgischen und lausitzer geologischen Provinz Sachsens parallel,
sie geht aber von SO nach NW in immer jüngere Formationen über. Wie
oben bereits erwähnt, bewegt sie sich bei Gottleuba an der Stelle der
fehlenden Glimmerschieferformation zwischen der Gneiss- und der Phyllit-
formation. Südlich von Maxen ist sie in die Phyllitformation eingetreten
und bei Miltitz endigt sie in den hangenden Schichten des Obersilurs an
der Grenze zum linkselbischen Theile des Meissner Syenitmassivs. Damit
würde zugleich ein Anhalt für die Altersbestimmung dieses Turmalin-
granites, natürlich auch in seinen südöstlichen Theilen bei Maxen und
Gottleuba, gewonnen sein. Dieser Turmalingranitzug wäre darnach jünger
als das Übersilur, und dem steht in dem südöstlichen Gebiet seines Auf-
tretens nichts entgegen. Es gesellt sich so dem aus dem Nordwesten weit
nach Südosten sich erstreckenden Meissner Granitsyenitmassiv ein weiteres,
lang ausgedehntes, gleich verlaufendes Eruptivgebilde hinzu, eben unser
Miltitz - Gottleubaer Turmalingranit.
Der Aufschluss darin am rechten Triebischgehänge bei Miltitz zeichnet
sich, so mangelhaft er im Allgemeinen ist, den Gebieten bei Gottleuba und
Maxen gegenüber dadurch vortheilhaft aus, dass er auf kleinem Raume den
Zusammenhang der schieferigen Turmalingesteine mit dem Turmalingranit am
deutlichsten zeigt.
2. Aschenstructur in sächsischen Porphyrtuffen. Taf. II, Fig. 5 und 6.
Porphyrtuffe, die häufigen Begleiter der altvulcanischen Quarzporphyre,
haben im Gebiete des Königreichs Sachsen eine ziemlich weite Verbreitung.
Von den bisher erschienenen 123 Blättern der geologischen Specialkarte
von Sachsen (es fehlen nur noch vereinzelte Grenzblätter) enthalten
33 Porphyrtuffe, meistens in beträchtlicher räumlicher Ausdehnung. Da
diese Tuffe einen wertlivollen Baustein abgeben, werden, sie an vielen
Stellen in grossen Brüchen gewonnen und sind so ausgezeichnet aufge-
schlossen. Wir brauchen nur an den Rochlitzer Berg und an den Zeisig-
wald bei Chemnitz zu denken.
Um so auffallender erscheint es, dass jene sogenannte Aschenstructur,
die den untrüglichsten Beweis für den vulcanischen Ursprung eines Tuffes
bildet, bisher nur an einem einzigen dieser sächsischen Vorkommnisse
nachgewiesen worden ist, an dem Tuff von Buch heim auf Blatt Lausigk
(43) und Colditz (44), obwohl man wegen der ,, eigenartigen Lagerung und
Verbreitung“ eine gleiche Entstehung auch für die Gesteine von Meissen,
Rochlitz, Chemnitz, Schellenberg und Zwickau angenommen hat.
Die Aschenstructur in dem Porphyrtuff von Buchheim, dem soge-
nannten ,,Buchheimer Stein“, der am besten in den Steinbrüchen oberhalb
Buchheim am Westrand des Blattes Colditz (44) aufgeschlossen ist, wird
in den Erläuterungen zu Blatt Colditz vom Jahre 1879 auf S. 20 von
Penck folgendermassen beschrieben:
„Unter dem Mikroskop löst sich die Grundmasse“ (des Buchheimer Tuffes) ,,in ein
Haufwerk unregfelmässig gestalteter, gebogener, geschweifter, meist
durchlöcherter kleiner Scherbchen, Häkchen und Splitter auf,
die in ihren morphologischen Eigenschaften eine unverkennbare Aehn-
lichkeit mit dem Bimssteinstaub recenter Vulcane besitzen.“
Ausserdem finden sich nach Penck in allen Tuffarten von Buchheim
bis über kindskopfgrosse Kugeln von Porphyr, an die sich die Tuffschichten
derartig anschmiegen,
36
„dass es das Aussehen hat , als ob diese Sphäroide plötzlich in den sich ablagernden
Tulf hineingefallen seien. Sie sind keine Gerolle, sondern haben eine gedrehte, ge-
wundene, oft zapfenähnliche Form Alle diese Umstände weisen darauf
hin, dass diese Kugeln vulcanische Auswürflinge, vulcanische Bomben
sind. Sie im Vereine mit der eigenthümlichen aschenähnlichen Be-
schaffenheit der Grundmasse gewähren der Annahme eine bestimmte
Stütze, dass die beschriebenen Tuffe in ähnlicher Weise wie dierecenten,
also durch Anhäufung lockerer vulcanischer Auswürflinge entstanden
sind“.
Damit hat Penck*) meines Wissens zuerst, nicht Lossen, wie Bosen-
busch**) angiebt, oder Bosenbusch, wie es nach Mügge***) den Anschein
hat, die Aschenstructur der PorphyrtufFe in genetischem Zusammenhänge
mit den jungvulcanischen Tuffen richtig gedeutet.
Wenn, wie gesagt, die Aschenstructur bis jetzt nur in einem einzigen
sächsischen Porphyrtuff f) gefunden worden ist, so giebt es dafür mehrere
Erklärungen. Einmal ist ein Theil der Porphyrtuffe nicht vulcanischen
Ursprunges, sondern aus feinzerriebenem, zersetztem und zertrümmertem
Quarzporphyr gebildet worden. Verschiedene Schichten der gleichen Tuff-
ablagerung können auch abweichende Entstehung haben; während die einen
Anhäufungen vulcanischer Auswurfsmassen darstellen , sind die anderen
zusammengeschwemmter Porphyrdetritus. Zweitens kann die Aschenstructur
da, wo sie vorhanden gewesen ist, durch Zersetzungs- und Umsetzungs-
vorgänge wie die Kaolinisirung und Verkieselung, die gerade in den Porphyr-
tuffeii lebhaft vor sich gehen, ganz verwischt worden sein.
Auf Grund geologischer Verhältnisse nahm man für den oberen
Porphyrtuff auf Blatt Schellenberg (97, S. 101) an, dass er von der im
Zeisigwalde bei Chemnitz gelegenen Eruptionsstelle aus durch Wasser und
Wind weit verbreitet worden sei. Dem Verfasser gelang es nun, in Proben
dieses Tuffes aus dem forstfiscalischen Bruche im OederanerWaldeff) (3,3km
westlich von Oederan) die Aschenstructur in ausgezeichneter Ausbildung
zu beobachten. Wie Taf. II, Fig. 5 zeigt, besteht das Gestein aus jenen
eigenthümlich gestalteten, dicht gelagerten Körperchen, die den Glas-
scherben und Bimssteinstückchen des jungvulcanischen Staubes vollständig
entsprechen. Vergl. Taf. II, Fig. 6 nebst Erläuterung. Aber wie überall
in den Porphyrtuffen sind sie auch hier nicht mehr stofflich erhalten, das
ursprüngliche Gesteinsglas ist in ein Mineralaggregat umgewandelt, mikro-
skopisch von so feinem Korne, dass die Bestimmung der Bestandtheile
unmöglich war. Allem Anscheine nach liegt auch hier ein Gemenge von
Quarz, Feldspath und Sericit vor.
Das Vorhandensein der Aschenstructur in dem Tuff aus dem Oede-
ranerWald bestätigt vollständig die oben erwähnte Annahme von dessen
vulcanischer Entstehung. Wahrscheinlich wird man mit der Zeit noch in
anderen sächsischen Tuffvorkommnissen die Beste des vulcanischen Glas-
staubes auffinden, die das Hauptmaterial zur Bildung geliefert haben.
*) Vergl. auch A. Penck: Studien über lockere vulcanische Auswürflinge.
Zeitschr. deutsch, geol. Gesellsch. 30, 1878, S. 97—129.
**)H. Bosenbusch: Mikr. Physiographie der massigen Gesteine. 1887, S. 424,
und 1896, S. 731.
***) 0. Mügge: Untersuchungen über die „Lenneporphyre“ u. s. w. Neues Jahrb.
f. Mineral. VIII. Beilageband 1893, S. 699.
f) Ausserdem noch in dem Porphyrtuff von Weissig, Bl. Pülnitz 67, 1892, S. 24.
ft) Vergl. auch Katalog der deutschen Bauausstellimg Dresden 1901. Abth. I:
Staatsbauwesen, S. 530.
37
3. Uelber den „körnigen feldspathreichen Horntolendefels^^ von
Gablenz bei Stollberg. Taf. II, Fig, 4.
Unter den Gesteinen, die im Jahre 1900 von der staatlichen Strassen-
und Wasserhauverwaltung einer genauen technischen Prüfung unterworfen
und in der Bauausstellung* *) zu Dresden ausgestellt wurden, befanden sich
auch Proben aus dem strassenbaufiscalischen Bruche in Gablenz bei Stoll-
berg. Der Bruch liegt SSW vom Chausseehaus am Südende von Gablenz
auf Blatt Lossnitz (126) der geologischen Specialkarte von Sachsen. Das
Gestein bildet eine Einlagerung in dem thonschieferähnlichen Phyllit der
oberen Stufe der Phyllitformation (Cambrium). In den Erläuterungen zu
Blatt Lössnitz wird es auf Seite 18 — 20 als ,, körniger feldspath-
reicher Hornblendefels“ mit den Hornblendeschiefern zusammen
beschrieben, obwohl, wie aus dem Wortlaut der Beschreibung hervorzu-
gehen scheint, seine petrographische Natur und Stellung mindestens als
unsicher anzusehen sind.
Die hier zur Verfügung stehenden Proben entsprechen makroskopisch
und mikroskopisch der Beschreibung in den Erläuterungen zu Blatt Löss-
nitz. Es ist ein dunkelgrünes, feinkörniges, zähes, epidotreiches Gestein,
massig, ohne jede Schieferung, Schichtung und Parallelstructur. Nach
dem mikroskopischen Bilde, so wie es durch die mineralische Zusammen-
setzung und durch die Structur bestimmt wird, kann aber der Verfasser
nicht daran zweifeln, dass ein Diabas und zwar ein Uralitdiabas vor-
liegt. Der Augit ist vollständig in der allbekannten Weise in Uralit um-
gewandelt. Augitreste, die in den Erläuterungen zu Blatt Lössnitz er-
wähnt werden, kamen dem Verfasser zwar nicht zu Gesicht, deren bedarf
es aber hier gar nicht zur Erkennung des Uralites. Die Kennzeichen des
Uralites und die Einzelheiten der Uralitisirung sind so oft kritisch zu-
sammengestellt worden, dass auf die betreffenden Arbeiten von Lossen,
Bosenbusch, Kloos, des Verfassers u. a. verwiesen werden muss.
Der Feldspath, der von Dalmer in den Erläuterungen zu Blatt
Lössnitz als Labradorit bestimmt worden ist, hält an Menge dem Uralit
etwa das Gleichgewicht. Seine lang rechteckigen Durchschnitte (im Dünn-
schliff, vergl. Taf. II, Fig. 4) sind durch Gebirgsdruck und durch die
Veränderungen im Mineralbestand meist nicht mehr scharf erhalten, seine
Substanz ist theilweise verändert und von Neubildungen wie Epidot und
Hornblendennadeln überwuchert. Titaneisen fällt — jedes Korn mit
einem breiten secundären Leukoxenrand versehen — durch seine eben-
falls dem Diabas eigenthümliche Menge und Form auf. Die durch die
Leistenform der Feldspäthe und deren roh radialstrahlige Anordnung
erzeugte charakteristische Diabasstructur ist im Allgemeinen und stellen-
weise noch deutlich erkennbar, sie hat aber, wie schon angedeutet, durch
Druck und durch die mineralischen Veränderungen wie Uralit-,
Epidot- und Strahlsteinbildung stellenweise an Bestimmtheit und
Schärfe verloren, sie ist „verwaschen“. Auch hier kann wegen der ,, All-
täglichkeit“ der Erscheinungen auf weitere Einzelheiten verzichtet werden.
Die mineralische Zusammensetzung und Structur unseres Gesteines
wären für einen „echten krystallinen Schiefer“ durchaus ungewöhnlich,
vielmehr schaut die Diabasnatur aus allen Ecken heraus.
*) Katalog der deutschenBauausstellung Dresden 1901. Abth.I: Staatsbanwesen, S. 522.
*
38
Wie dieser ,, körnige feldspathreiclie Hornblendefels‘‘ von Gablenz,
so wird im Laufe der Zeit eine wider Erwarten grosse Zahl von Gesteinen,
die sogenannte concordante Einlagerungen in Schichtenreihen bilden, als
Eruptivmassen erkannt werden. Wenn das bei vielen verhältnissmässig
spät erst geschieht, so liegt dies daran, dass von den beiden Hauptmerk-
malen, der eruptiven Lagerungsform und der eruptiven Mineral-
zusammensetzung und -structur das erste oder beide verloren ge-
gangen sind. In den gestörten Schichtensystemen haben die gebirgs-
bildenden Kräfte die ursprüngliche eruptive Lagerungsform oft ganz ver-
nichtet und einheitliche Eruptivmassen in einzelne „linsenförmige Ein-
lagerungen“ aufgelöst. Mit stetig wachsender Sicherheit vermag man aber
dann häufig aus dem Mineralbestand, aus der chemischen Zusammensetzung
oder aus der Structur den eruptiven Ursprung zu erkennen wie in dem
vorliegenden Falle.
Tafel 1.
Taf. I und Taf. II, Fig. 1 — 3 stellen immer stärkere Grade der
Zertrümmerung und Druckschieferung an dem Turmalingranit von
Miltitz und Maxen dar, Taf. I, Fig. 1 im gewöhnlichen Lichte, die übrigen
zwischen gekreuzten Nicols.
Turmalingranit vom rechten Triebischthalgehänge bei Miltitz,
Text S. 29 - 35.
Fig. 1, S. 30. Vergrösserung 12.
Die ursprüngliche Granitstructur ist noch erhalten. Gestalt und
gegenseitige Abgrenzung der stark getrübten Feldspath- und der hellen,
von Zügen von Flüssigkeitseinschlüssen durchzogenen Quarzkörner zeigen
im gewöhnlichen Lichte keine Veränderung. Dagegen deuten zahlreiche,
im Bilde von oben nach unten, den Zügen von Flüssigkeitseinschlüssen
parallel laufende Sericitspältchen auch hier schon Druckwirkungen an.
Fig. 2. Das vorige zwischen gekreuzten Nicols. Die in Fig. 1 ein-
heitlich erscheinenden Quarzkörner sind zerdrückt und zerfallen in ein
kleinkörniges Aggregat. Auch der Feldspath beginnt seine Einheitlichkeit
zu verlieren. Die Sericitspältchen treten deutlich hervor.
Fig. 3. Vergrösserung 10. Die Zertrümmerung der Quarz- und Feld-
spathkörner ist stärker und schon im gewöhnlichen Lichte erkennbar.
Sie erzeugt stellenweise eine gneissartige, gestrecktflaserige und Augen-
structur.
Fig. 4. Vergrösserung 12. Zahlreiche und breite Sericitbänder
durchziehen das Bild und bringen eine ausgeprägte gestrecktflaserige
Structur hervor.
Fig. 5. Vergrösserung 11. „Turmalinsericitgneiss.“ Augen-
structur. Der Turmalin in der Mitte zeigt nur eine geringe randliche
Absplitterung, der Granat (links vom Turmalin) ist dagegen stark zerdrückt
und mondsichelförmig ausgezogen.
Fig. 6. Vergrösserung 17. „Turmalinsericitgneiss.“ Augen -
structur um Feldspath und Granat. Dieser ist stark rissig.
»•
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
MS
in Dresden.
1902.
V. lieber Melanismus korsischer Käfer.
Von Prof. Dr. O. Schneider, Dresden-Blasewitz.
In der entomologischen Litteratur, vornehmlich in französischen Fach-
zeitschriften, begegnen wir mehrfach dem Hinweise darauf, dass in Korsika
bestimmte Käferarten nur in einer dunklen Varietät oder neben der Stamm-
form auch in dunkleren Aberrationen auftreten; diese Angaben erweisen
sich aber als keineswegs erschöpfend und sind zudem auch nie zusammen-
gefasst worden. Dadurch, dass es mir vergönnt war, im April 1899 vier Wochen
lang bei Ajaccio und auf kürzeren Ausflügen über den Pass von Vizzavona,
bei Cauro, bei Corte, besonders im Bestonikathale, und bei Bastia zu
sammeln, steigerte sich mein Interesse an den melanistischen Käferformen
Korsikas so, dass ich beschloss, mir über den Umfang und den Grund
dieser Dunkelung nach Möglichkeit Klarheit zu verschaffen. Ich hatte nun
wohl die Freude, einige noch nicht bekannte Fälle von Melanismus durch
mein Sammeln in Korsika nachweisen zu können, doch musste das Er-
gebniss meines dortigen Forschens sich naturgemäss sehr lückenhaft ge-
stalten, da dieses ja auf nur einen Frühlingsmonat und in der Hauptsache
auf das Küstengebiet bei Ajaccio beschränkt blieb; so war es denn betreffs
jenes Planes für mich von hohem Werthe, dass ich für denselben das leb-
hafte Interesse und die in liebenswürdigster Weise gewährte Hülfe des
Herrn George Paul Vodoz aus Lausanne gewann, der, seit Jahren in
Korsika weilend, zumeist bei Ajaccio, während der Hochsommermonate
aber im Gebirge bei Vizzavona oder Bocognano dem Käferfange oblag,
soweit es sein körperliches Befinden erlaubte, ausserdem aber bei Bocog-
nano Knaben und in weiterem Gebiete den für den Insectenhandel thätigen
Korsen Felix Giuglielmi sammeln liess und Alles, was der Letztere fand,
zur Durchsicht und Auslese vorgelegt erhielt. Ihm verdanke ich neben
ganzen Reihen aberrirender Käfer auch Angaben über einzelne in seiner
Sammlung befindliche, für die vorliegende Betrachtung bedeutungsvolle
Stücke, Mittheilungen über das procentuale Verhältniss der Aberrationen
zu der Stammform in verschiedenen Höhen und den Nachweis von ent-
sprechenden Bemerkungen in der französischen Litteratur, also überhaupt
die Möglichkeit, meine Darstellung dem Inhalte nach zu einer gewissen
Vollständigkeit zu erheben.
Bei der folgenden Besprechung der zu Melanismus neigenden korsischen
Arten bin ich nicht durchaus der systematischen Anordnung gefolgt, sondern
habe einige für die zu erörternde Frage besonders wichtige Thiere an die
Spitze gestellt. Die neben der Stammform oder einer dieselbe auf Korsika
44
vertretenden Varietät daselbst verkommenden Farbenabänderungen be-
zeichne ich nicht, wie in der Coleopterologie meist noch Brauch, als Varie-
täten, sondern als Aberrationen (ab.) im Sinne der Lepidopterologen.
1. Necrophorus corsicus Laporte.
Es ist gewiss allen .Käfersammlern, die reicheres Material vor Augen
batten, aufgefallen, dass die schwarzen wie die rothgebänderten Necro-
plioren sehr selten und auch dann nur wenig in der Färbung der Flügel-
decken abändern, derart, dass bei N. germanicus und humator rotbe Fleck-
chen auftreten, während bei den gebänderten Arten die Ausdehnung der
rothen Binden sich etwas steigert oder verringert. Solche Bindenänderung
sehe ich in meiner Sammlang, abgesehen von der var. interriiptus des
N. vestigator^ nur an einem N. vespilloides von Welschnoferi, bei dem die
schwarze Mittelbinde in Flecke aufgelöst ist, und an 2 (von 20) Exemplaren
des JSf. interrnptiis Steph.; das eine der letzteren hat ungewöhnlich breite
und in der Mitte verbundene rothe Binden, so dass von der schwarzen
Mittelbinde nur ein mittelgrosser Seitenfleck und ein Fleckchen an der
Naht übrig ist, das andere dagegen zeigt eine schmale und abgekürzte
rothe Spitzenbinde, deren innerster Theil durch einen schwarzen Zwischen-
raum als ein kleines Fleckchen von dem äusseren Haupttheile abgetrennt
ist. Nur im letzteren Falle giebt sich augenscheinlich Neigung zu Mela-
nismus, in den anderen vielmehr die Tendenz zu grösserer Aufhellung kund.
So befinden sich zweifellos auch in anderen Sammlungen Aberrationen der
typischen Necrophoren, doch gewiss wohl nur in geringem Procentsatze
und mit geringer Abänderung besonders in melanistischem Sinne. Je
weniger nun im Allgemeinen die rothgebänderten Todtengräber variiren,
desto merkwürdiger muss ein Mitglied dieser Gruppe erscheinen, das auf
engem Fundgebiete von der zweibänderigen bis zu einer fast ganz
schwarzen Form abändert und dabei häufiger in melanistischen Aberrationen
als in der zweibindigen Stammform auftritt; das aber thut N. corsicus,
der deshalb mit Recht in dem letzten Catalogus Coleopt. Europae et
Caucasi zwischen die schwarzen und gebänderten Arten gestellt erscheint.
Laporte beschreibt Ann. Soc. Ent. Fr. I, 1832, S. 399 seinen Necro-
phorus corsicus folgendermassen: ,, Niger, fronte macula quadrata; anten-
narum clava et fasciis 2 elytrorum flavis, prima angustissima, sinuata,
interrupta et saepius obsoleta Elytres d’un brun noirätre avec
une tache transversale d’un jaune orange clair, tres etroite, sinueuse,
interrompue et quelquefois entierement effacee, situee derriere Fangle
humeral; et une autre de meine couleur, grande, large, transversale en
arriere, sinueuse sur les bords et retrecie pres de la suture “
An dieser Beschreibung ist das Folgende auszusetzen: Die Grundfarbe
ist tiefschwarz, nicht schwärzlichbraun ; die röthliche Makel am Kopfschilde
ist, wie bei den meisten der übrigen Arten, sehr veränderlich und nur
selten annähernd rechteckig, öfter dagegen abgerundet dreieckig oder
schmal bogenförmig; die Farbe der ,,orangerothen“ Binden ist zumeist
deutlich düsterer, stumpfer als bei den mitteleuropäischen Verwandten
und der Ausdruck ,, interrupta“ (interrompue) lässt nicht klar erkennen,
ob Laporte die Form mit in mehrere Flecke aufgelöster oder die mit
abgekürzter Vorderbinde vor sich hatte; das Letztere lässt der Hinweis
vermuthen, dass diese Binde völlig öfters erloschen sei.
45
1839 hat dann Gene in seiner Arbeit De quibusdam insectis Sar-
diniae novis aut minus cognitis (R. Taurin. Arcbyg. Zool. prof. et mus.
hist, natur. praef. fascicul. II, S. 18 — 19, Taf. I, Fig. 13 und 13) unsere
Art nach’ von ihm in Sardinien erbeuteten Stücken als N. funereus von
Neuem beschrieben derart, dass er betreffs der Vorderbinde behauptet:
„Fascia in mare interrupta videlicet macularis (die Abbildung zeigt einen
grösseren Seitenfleck und zwei weitere kleine Fleckchen), in femina latius-
cula, Continua, undulata-dentata“. Diese Unterscheidung der Geschlechter
des korsischen Todtengräbers nach der Form der Vorderbinde erscheint
nach dem, was mein korsisches Material zeigt und auch nach einer von
mir eingeholten Auskunft des Herrn Vodoz völlig unhaltbar; ich besitze
auch männliche N. corsiciis mit voll ausgebildeter und weibliche mit in
Flecke aufgelöster Vorderbinde. Ebenso irrig ist nach den korsischen
Stücken Gene’s Behauptung: „macula clypei omnino nulla in faemina“,
denn meine sämmtlichen, zahlreichen Weibchen von N. corsicus haben
diesen Fleck. Da Gene ausdrücklich erwähnt, dass sein N. funereus in
Sardinien häuflg sei, scheint es, dass er nur wenig und zwar stark gezeichnete
Stücke mitgenommen hat und durch dieselben zu irrigen Angaben verleitet
worden ist; man müsste sonst — abgesehen von den offenbaren Flüchtig-
keiten in Gene’s Beschreibung — annehmen, dass unsere Art in Sardinien
weit weniger zu Melanismus neige als in Korsika, was nachzuweisen von
hohem Interesse sein würde*).
In seiner Fauna baltica, S. 216 schreibt Seidlitz dem N. corsicus z\x:
,,Nur eine gelbe Querbinde vor der Spitze und fast ganz schwarzen um-
geschlagenen Seitenrand“, was weder der Beschreibung von Laporte noch
den Thatsachen entspricht.
Endlich hat Herr W. Meier in den Entomologischen Nachrichten 1900,
S. 218 das Ergebniss einer Untersuchung von 22 N. corsicus mitgetheilt,
die er von Herrn Vodoz erhalten hatte. Er sieht die Stammform in den
Stücken, bei denen die Vorderbinde nur an der Seite durch eine kleine
Makel angedeutet ist, und dieser Ansicht lässt sich wohl beistimmen, da
Laporte diese Form zuerst erwähnt zu haben scheint und dieselbe an
Häufigkeit alle anderen weit übertrifft. Die von Laporte ebenfalls,
doch an zweiter Stelle erwähnte Form, bei welcher die Vorderbinde gänzlich
geschwunden ist, benannte er var. Laportei, die mit bis über die Mitte
der Decke reichender Vorderbinde var. Vodo^i. Nach einer brieflichen
Mittheilung des Herrn Vodoz rechnete Meier zu letzterer Varietät auch
zwei Stück mit in zwei Flecken aufgelöster Vorderbinde, — (,,bei einem reicht
die Binde durch eine abgesetzte rothe Innenmakel fast bis zur Naht, bei
dem anderen findet sich die Normalmakel am Rande und ein kleiner gelber
Fleck nahe dem Schildchen“) — was denn doch der Beschreibung nicht
scharf entspricht und wegen der Nothwendigkeit, die Dunkelungsstufen
schrittweise verfolgen zu können, unzulässig ist.
In den hellsten Abänderungen nun erscheint der iV. corsicus in Folge
seiner schmäleren rothen Binden schon weit dunkler, düsterer als alle
*) Dieser Nachweis ist erfreulicherweise inzwischen bereits durch Herrn Ag. Dodero
erbracht worden, der im vergangenen Frühjahr wiederum in Sardinien sammelte und mir
schrieb : „Les N. corsicus, que Ton trouve en Sardaigne, appartiennent a la var. funereus
Gene, qui a les taches jaunes bien developpöes, meme les anterieures. Les exemplaires
tj^piques sont bien plus rares“.
46
übrigen gebänderten Todtengräber Europas und zumeist wird dieser Eindruck
noch durch mehr oder minder starkes Schwinden der rothen Zeichnung
erhöht; es ergeben sich nämlich nach dem in meinem Besitze befindlichen
Materiale in Rücksicht auf die rothen Binden folgende Formen:
1. Vorderbinde vollständig, Hinterbinde vollständig = (funereus
Gene 9) ab- Vodo^i Meier.
2. Vorderbinde in zwei bis vier Flecke aufgelöst, Hinterbinde
vollständig = {funereus Gene var. Vodozi Meier ex parte)
ab. solutus m.
3. Vorn nur ein Randfleck, Hinterbinde vollständig = corsicus
Lap. (Meier).
4. Vorn nur ein Randfleck, Hinterbinde durchbrochen — ab.
scissus m.
5. Vorn nur ein Randfleck, Hinterbinde zu einem grösseren Rand-
fleck abgekürzt = ab. mancus m.
6. Vorderbinde fehlt ganz, Hinterbinde vollständig = {corsicus
Lap. ex parte) ab. Laportei Meier
7. Vorderbinde fehlt ganz, Hinterbinde durchbrochen = ab. m.
8. Vorderbinde fehlt ganz, Hinterbinde zu einem grösseren Rand-
fleck abgekürzt = ab. subniger m.
Bei No. 2 sind die inneren Flecke meist recht oder sehr klein.
Bei No. 3 ist der Randfleck oft, bei 4 und 5 wohl immer klein oder
sehr klein, nicht selten nur am umgeschlagenen Theile des Randes sichtbar,
hie und da auch in zwei Fleckchen oder Pünktchen aufgelöst.
Bei dem einzigen Stück, das ich von No. 8 besitze, entspricht die
eine Flügeldecke ganz der Beschreibung, während die andere an der Stelle
des inneren Bindentheiles noch zwei winzige, nur unter Vergrösserung
deutliche rothe Fleckchen aufweist.
Ein ganz schwarzer N. corsicus ist mir und auch Herrn Vodoz noch
nicht vorgekommen, doch zweifle ich nicht, dass er sich finden wird.
Die Röthung des umgeschlagcnen Randtheiles entspricht einigermassen,
doch keineswegs genau der Ausbildung der Binden: Bei den Formen 1 — 5
beginnt sie mit dem Vorderrande, der Mitte oder dem Hinterrande der
Binde oder des Randfleckes, bisweilen auch erst ein Stück hinter demselben
und reicht bis zu dem spitzwinkeligen Verlaufe der Fläche; bei den Formen
6—8 beginnt sie im besten Falle ein Stück Jiinter der Stelle des nun
fehlenden vorderen Randfleckes, fehlt aber oft, auch schon bei ab.
Laportei ganz.
Eine Dunkelung der röthlichen Fühlerkeule habe ich nicht beobachten
können.
Das Zahlen verhältniss der verschiedenen Formen von N. corsicus
schätzte Herr Vodoz auf Grund dreijähriger, viele Hunderte von Stücken
betragender Ausbeute für das Hundert auf
9 Vodozf
15 solutus^
60 corsicus (sammt dem seltenen scissus)^
15 Laportei (sammt dem seltenen hifldus),
1 mancus oder subniger.
47
Wenn nun, wie doch zweifellos ist, die gegenüber den übrigen ge-
bänderten Necrophorus-kvioin schon sehr dunkel erscheinende Form Vodozi
der Entwickelung nach als Stamm- und Ausgangsform oder doch als erste
Dunkelungsform einer helleren Stammform des korsischen Todtengräbers
anzusehen ist, so ergiebt sich aus den obigen Zahlen doch mit Sicherheit,
dass sich an dieser Art in Korsika ein Verdunkelungsprocess vollzieht, der
mit der Hauptmasse bereits bis zu der Form corsicus vorgeschritten ist
und einerseits die früher herrschenden Formen Vodo^i und solutus über-
wunden und seltener hat werden lassen, andererseits aber auch-, bereits
kräftig weiter gewirkt und selbst schon fast ganz schwarze Stücke ge-
liefert hat. Wir werden also wohl annehmen müssen, dass im Laufe der
Jahrhunderte die einbindigen Formen überwiegen werden und endlich eine
bindenlose, völlig schwarze Aberration als die vorherrschende und schliesslich
alleinige sich herausbilden wird. Sollte, während diese Wandelung in
Korsika sich vollzieht, in Sardinien die Art wie bisher bei den zwei-
bindigen Formen verharren, so würde jede der Inseln zuletzt eine be-
sondere Localrasse aufzuweisen haben, so verschieden von der der Nach-
barinsel, dass man kaum in beiden Aberrationen derselben Stammform
vermuthen wird. Die an sich mögliche Annahme, dass sich an Necropliorus
corsicus ein Umwandelungsprocess aus einer schwarzen Stammform in eine
zweibindige Form vollziehe, erscheint schon durch die weiter zu besprechenden
melanistischen Aberrationen auf korsischem Boden als unhaltbar.
2. Trichius rosaceus Voet var. corsicus Kraatz.
lieber diese korsische Varietät des mitteleuropäischen Trichius rosaceus
und ihre Aberrationen hat Kraatz in seinem Aufsatz „Die Varietaeten
des Trichius rosaceus Voet“ in d. D. E. Z. 1891, Seite 193 — 195 grund-
legend gesprochen, doch bedürfen seine Ausführungen einiger Ergänzung.
Wir setzen dabei voraus, dass Trichius corsicus wirklich als Varietät zu
Tr. rosaceus zu ziehen ist, was vielleicht noch genauer Untersuchung be-
darf. Die Stammform kommt in Korsika nicht vor ; sie wird da vertreten
durch eine Localrasse (var. corsicus> Kr.) mit breiteren schwarzen Binden
und — was Kraatz nicht erwähnt — mit breiter geschwärzter Naht.
Es kommt also schon in dieser hellsten korsischen Form des Tr. rosaceus
ähnlich wie bei dem Necrophorus corsicus ab. Vodozi die Neigung zum
Melanismus zu klarem Ausdruck, und diese erweist sich dann, wie bei dem
korsischen Todtengräber, in sehr häufigen Abänderungen derart, dass die
schwarzen Binden in der Längs- und Querrichtung minder oder mehr zu-
sammenlaufen, bis bei den dunkelsten Formen die gelbe Grundfarbe fast
ganz geschwunden ist. Dieses häufige und starke Abändern in mela-
nistischem Sinne muss auch bei dieser Art sehr auffallen, da die Trichius
im Allgemeinen und so auch Trich. rosaceus in ein und demselben Fund-
gebiete selten und dann meist nur wenig von der herrschenden Form ab-
weichen; von letzterer Art besitze ich zehn ganz gleicli gezeichnete typische
Stücke aus Holland, dagegen aus Südtirol eines, bei dem die Naht breiter
geschwärzt ist und die Mittelbinden mit den Spitzenbinden durch je ein
gebogenes, schmales Band verbunden sind, auch die Form der bis nahe
an die Naht sich erstreckenden Mittelbinden beider Flügeldecken und eine
braune Dunkelung des schmalen Zwischenraumes die Vereinigung der Mittel-
binden über die Naht hinweg andeuten.
48
Von Abänderungen des Tricli. rosaceus var. corsiciis sind mir aus
Korsika folgende bekannt:
1. Schulter- und Mittelbinde verbunden = ab. conjunctus Kr.
2. Mittel- und Spitzenbinde verbunden = ab. suturalis Kr.
3. Alle drei Binden in der Längsrichtung verbunden = ab.conneirtf5 Kr.
4. Flügeldecken schwarz mit Ausnahme eines schwachen gelben
Streifens neben der Naht = ab. Vodo^i m.
5. Alle Binden in der Längs-, die beiden hinteren auch in der
Querrichtung verbunden = ab. interruptus Kr.
6. Ebenso, doch durch stärkeres Ueberwiegen der schwarzen
Zeichnung dunkler = ab. zonatiis Germ.
Von der schönen Form No. 4 kenne ich nur ein Stück in der Sammlung
des Herrn Vodoz; es hat als Ueberrest der hinteren gelben Binde auf
jeder Flügeldecke, etwa in der Mitte zwischen Naht und Seitenrand ein
winziges gelbes Pünktchen, das nur unter der Lupe deutlich erkennbar ist.
Ganz schwarze Trichius sind aus Korsika noch nicht bekannt geworden,
doch wird man deren Auffindung wohl mit Sicherheit entgegensehen dürfen,
umsomehr da Gene loc. cit. fascicul. II, S. 26 aus Sardinien einen Trichius
zonatus var. y mit ganz schwarzen Flügeldecken (elytris penitus nigris)
erwähnt (ab. nigerrimus m.). Eine auf genügendes Material der sardischen
Aberrationen des Trichius rosaceus gegründeter Vergleich derselben mit
den korsischen würde von grossem Interesse sein; vielleicht dürfen wir
einen solchen von Herrn Dodero erwarten.
Herr Vodoz theilte mir mit, dass nach Untersuchung von etwa
700 Stück des korsischen Trichius auf hundert kommen
47 corsicus,
20 conjunctus^
15 suturalis^
10 connexus^
2 interruptus^
6 zonatus.
Die für Korsika hellste Form wiegt also noch vor, die dunkleren sind
aber häufig und machen zusammen mehr als die Hälfte der gesammten
Stücke aus.
3. Cetonia aurata L.
Ueber das Abändern der Cet. aurata auf Korsika haben sich Champion
(Transact. Entom. Soc. of London 1894), Reitter (Entomol. Nachr. 1896,
S. 243 ff.) und Dr. M. Heller (Ebenda 1900, S. 54 — 57) geäussert, welcher
Letztere von Vodoz gesammeltes Material vor Augen hatte.
Die typische Cet, aurata L. ist nach brieflicher Versicherung des
Herrn Vodoz bei Ajaccio häufig; ihr ist an Färbung fast gleich ab. corsicana
Heller. Die oben ebenfalls grünen Aberrationen Hell., immaculata
Hell, und thoracalis Hell, zeigen, die erste durch schwarze Tarsen, die zweite
durch erzfarbene, purpurn übergossene Unterseite, die dritte durch blaue
Färbung des Kopfes, Halsschildes und Schildchens sowie der Schulterbeulen
die beginnende Dunkelung; ab. tunicata Reitt. hat die bei thoracalis
blauen Theile purpurfarben, die Flügeldecken grünlich erzfarben, ab. sordida
49
Hell, schmutzig blaulichgriine Decken und bleifarbenen, schwach grünlich
schimmernden Thorax; ab. viriditarsis Hell, ist oben und unten grünlich-
kupferfarben; ab. Heer erscheint in seinen korsischen Abänderungen
mehr oder minder dunkelkupferroth und geht durch seine düstersten Stücke,
hie und da auch durch bereits schwarze Flügeldecken oder schwarzes
Halsschild über in die völlig schwarze ab. nigra Gaut., wie auch die
prächtige grünlich- oder sattblaue var. meridionalis durch sehr dunkel-
blaue Stücke in ganz schwarze übergeht, die aber immer noch einen blauen
Schimmer zeigen. Und alle diese Aberrationen stammen aus der Küsten-
ebene bei Ajaccio und dem Gebirgsgebiete bei Vizzavona und Bocognano;
welche Ausdehnung der Farbenwandlung bei einer Art auf so eng be-
grenztem Terrain !
Allgemein gültige Verhältnisszahlen lassen sich nach Herrn Vodoz für
das Auftreten der Aberrationen nicht geben, da im Küstengebiete die
dunklen (piirpurata^ meridionalis und nigra mit ihren üebergangsformen)
nur sehr selten unter der Masse der Stammform und der helleren Ab-
änderungen auftreten, während sie bei Vizzavona etwa ein Viertheil aller
ausmachen.
4. Potosia affinis Andersch ysly, mirifica Muls.
Die glänzend hellgrüne Stammform von Pot. affinis und deren aus
Tirol bekannte röthliche var. pgrocliroiis Reitt. finden sich in Korsika nicht.
Als var. mirifica liegen mir von da vor hell-, dunkler- und bläulichgrüne
Stücke mit bräunlichgelben, erzgrüne mit purpurnen und dunkelblaue mit
gelblichgrünen Flügeldecken wülsten, und Vodoz besitzt in seiner Sammlung
ausserdem leuchtendrothe, dunkelviolette und bleigraue Stücke, welch letztere
je nach der Beleuchtung roth oder grün schillern; es tritt also auch diese
Cetoniine auf der Insel in auffällig vielen Farbenänderungen auf, die
durchweg und zwar zum Theil weit dunkler sind als die Stammform.
5. Potosia floricola Hbst. var. cuprea Muls.
Da die Stammform in Korsika nicht vorzukommen scheint, müssen
wir der cuprca Muls. für die Insel das Recht einer Varietät zuerkennen.
Dieselbe ändert nach Vodoz’ Angabe, der über 1000 Stück vor Augen
hatte, ihre hellgrünlichbraune Färbung wenig ab; nur selten findet man
graugrüne Stücke. Immerhin kann die des lebhafteren Grün mancher P.
floricola völlig entbehrende Form zu den melanistischen gezählt werden.
Nach Angabe des Herrn Vodoz bezeichnete Reitter die Form als typische
var. cuprea.
6. Anomala junii Duft. ys^y. scutellaris Muls.
Auch Anomala junii fehlt auf Korsika; die sie da vertretende var.
scutellaris hat stärker punktirte und daher etwas weniger glänzende Flügel-
decken und einen grossen grünlich- oder röthlichschwarzen Fleck um das
Schildchen; dabei sind aber merkwürdigerweise die Seiten des Thorax, die
bei A. junii nur undeutlich oder schmal gelb gesäumt sind, sehr breit
gelb gerandet, und dazu treten nicht selten an der Basis vor dem Schildchen
zwei nach aussen offene halbmondförmige gelbe Flecke, die hie und da
in loser Verbindung mit dem hinteren Ende des gelben Seitenrandes stehen
und dieser Aberration (maculicollis m.) ein fremdartiges Aussehen geben.
Nur selten auftretende Zwischenformen leiten von der var. scutellaris über
50
zu der ganz dunkelgrünen ab. rugosula Fairm. (Doublier l Muls.), die, soweit
ich nach geringem Materiale beurtheilen kann, keine Spur der gelben
Halsschildzeichnung aufweist.
Allgemein gültige Verhältnisszahlen lassen sich auch für das Auftreten
dieser Form nicht aufstellen, denn im Tieflande des Campo di Toro kamen
nach Vodoz auf 100 scutellaris nur drei, im Gebirge bei Bocognano aber
33 rugosula^ beides nach dreijähriger reicher Ausbeute.
7. Cicindela campestris L. var. corsicana Roeschke.
Die Stammform fehlt in Korsika. Die korsische Varietät wurde früher,
auch von den namhaftesten Coleopterologen zu var. connata Heer gezogen,
was ich stets bekämpft habe. In den Sammlungen fand ich sie auch
fälschlich als var. nigrita bezeichnet. Für unsere Betrachtung ist von
Bedeutung, dass bei corsicana der weisse Scheibenfleck „stets in einem
grossen tiefschwarzen Wische steht“ und dass sie in dunklere Formen
abändert. Ich fand bei Ajaccio und im Restonikathale auch dunkler grüne
sowie mattgrüne, kupferig übergossene Stücke; Herr Vodoz sah bei dem
Sammler Marshall in Ucciani (380 m) einige ins Rothbraune ziehende
Exemplare, und dazu ist seit Langem die schwarze Aberration nigrita
Dej. von Korsika beschrieben worden, die freilich sehr selten und local
beschränkt zu sein scheint. Ich sah nur das eine Stück, das mein ver-
ehrter Freund Prof. Dr. Lucas v. Heyden besitzt und mir in liebens-
würdigster Weise zur Ansicht sandte: es ist unten schwarz, oben dunkel-
schwarzgrün, Grundfarbe und mattweisse Zeichnung sind ohne allen Glanz,
Humeral- und Apicalmakeln unterbrochen. Nach einer Aeusserung des
oben erwähnten Marshall kommt ab. nigrita nur im Gebirge, besonders
bei Bastelica (753 m) vor. In Sardinien scheint var. nigrita^ einer brief-
lichen Aeusserung des Herrn Dodero nach, zu fehlen; auf der an der Süd-
westküste von Sardinien liegenden kleinen Insel San Pietro wird Cic.
campestris durch die bis in neueste Zeit fälschlich mit nigrita zusammen-
geworfene sattblaue var. saphyrina Gen. vertreten.
8. Cicindela litoralis F. var. ohscurior m.
Während ich bei Porto Ferrajo auf dem Korsika so nahen Elba bei
zweimaligem Besuche dieser Insel die grüne, gross und hell gefleckte
Cicindele fing, die in den Sammlungen als Cic. litoralis steckt, erhielt ich
von Ajaccio zehn im Wesentlichen gleiche Stücke der Art von dunkelfahl-
grüner Färbung mit kleineren, matten Fleckchen und zuweilen, hie und da
stark unterbrochener Achselbinde, seltener auch mit gelöster Spitzenbinde,
und zwei weitere Stücke derselben Abänderung, auch von Ajaccio und aus
der Hand des Herrn Vodoz, besitzt das Dresdener Kgl. Museum. Ich kenne
von keinem anderen mediterraneen Fundorte eine ähnlich düstere C. litoraMs,
weshalb ich in dieser korsischen Form eine besondere Localrasse vermuthe,
für die ich die Bezeichnung var. ohscurior vorschlage.
9. Eurynehria complanata h.Nav. Kotscliyi Rdtb.
Herr Vodoz machte mich darauf aufmerksam, dass die an der Küste
des Campo di Toro an der Gravonemündung vorkommenden Eurynehria
compla7iata stets weit stärker gezeichnet und damit dunkler seien, als süd-
französische Stücke, die er besitze, und sandte mir sorgfältig ausgeführte
51
Zeiclinuiigen seines hellsten und seines schwärzesten korsischen Stückes.
Aus denselben erhellt, dass die korsischen Eurynebrien viel dunkler sind
als alle Stücke von Morbihan, Italien und Sicilien in meiner Sammlung,
dass sie aber acht vom Grafen Hoffmannsegg in Süclfrankreich, wohl nahe
den Pyrenäen gesammelten Exemplaren, die ich besitze, an Ausdehnung
der schwarzen Flügeldeckenzeichnung noch nicht ganz gleichkommen.
Immerhin gehören aber die korsischen Eurynebrien zu den sehr dunklen
Vertretern der Art, die von Redtenbacher in den Denkschriften der Wiener
Academie 1850, S. 47 mit dem obigen Varietätsnamen belegt worden sind.
10. Bidessiis bicarinatus Latr. var. ohscurior Desbr.
Statt der durch Vorwiegen der hellgelben Grundfarbe der Elügel-
decken und breiten gelben Mittelstreif auf dem Halsschild hellen Stamm-
form, wie sie z. B, bei San Remo auftritt, findet sich auf Korsika nur und
nach Reitter’s Katalog nur da die sehr dunkle Varietät obscurior Desbr. mit
im Ganzen schwarzer Oberseite und wenigen, zuweilen kaum mehr erkenn-
baren düsterrothen Fleckchen auf den Decken und der Mitte des Thorax.
11. Bidessus geminus F. var. corsiciis m.
Der hellste Bid. geminus, den ich besitze, hat fast ganz gelbe Decken
und stammt aus Buchara; ihm nahe stehen sämmtliche Stücke, die ich in
Transkaukasien (Poti, Azkhur, Etschmiadsin und Lenkoran) sammelte,
denn sie sind alle vorwiegend gelb auf den Flügeldecken, deren Basal-
und Spitzenbinden am Rande breit gelb verbunden sind, der Vorderrand
und die Seiten des Halsschildes sind breit gelb oder röthlich und der Kopf
zumeist zum grossen Theile hellroth. Meine mitteleuropäischen B. geminus
sind nie so hell und ändern zu den von Schilsky, D, E. Z. 1891, S. 59 an-
geführten dunkleren Aberrationen ab, die Dalla Torre als var. minimus
Schranck und Duftsclimidi D. T: bezeichnet hat. In San Remo findet sich
nur und in Menge eine recht dunkle Form, die man zu Duftsclimidi ziehen
kann; auf Korsika ist in den Tümpeln am Campo di l’oro eine noch dunkler
werdende Varietät gemein, die in den hellsten Stücken etwa der Beschrei-
bung von var. Duftsclimidi entspricht, zuweilen aber keine Spur der Vorder»
binde mehr aufweist und oft nur geringe Reste der Seiten -Längsbinde
erkennen lässt; jedenfalls ist diese nie geschlossen.
12. Hydropdrus varius Aub. ys^y. pauper m.
Die bei der Stammform, wie sie sich z. B. bei San Remo findet, aus
kräftigen, meist an den Enden verbundenen gelben Längsbinden bestehende
Zeichnung der Flügeldecken ist bei den korsischen Stücken nach Länge
und Stärke der Binden sehr dürftig, sehr selten sind diese verbunden, oft
dagegen bis auf kurze Strichelchen geschwunden. Ganglbauer deutet
(Die Käfer Mittel -Europas 1, S. 467) schon an, dass die Zeichnung bei
H. varius ,,oft sehr reducirt“ ist, in Korsika aber ist sie das nach meiner
Beobachtung stets, so dass sich da eine dunkele Localrasse herausgebildet
zu haben scheint, die als solche wohl einen Namen verdient.
13. Laccopliilus variegatus St. yuy. parump^tnctatus m.
Die bei Stücken aus Belgien, Frankreich und Spanien in meiner
Sammlung sichtbare helle Fleckenzeichnung, die der Art den Namen
52
„scheckig“ verschafft hat, ist bei der korsischen Varietät höchstens durch
ein paar Pünktchen und Bogenstrichelchen angedeutet, dabei sind der
Hinterrand des Kopfes sowie der Vorder- und Hinterrand des Thorax
breiter schwarz und die Unterseite dunkler braun als bei der Stammform.
Da Ganglbauer loc. cit. 1, S. 483 bemerkt, dass bei Lacc. variegatm
„manchmal die Flügeldecken ganz schwarz“ seien, scheinen ähnliche Formen
als Aberrationen hie und da auch anderwärts vorzukommen.
14. Laccophilus interruptiis Panz. yslv, pichis Küst.
Alks, was ich bei Ajaccio, besonders am Campo di Toro von Laccopli.
interruptus fing, gehört der yslv. pictus an, die ja ihren Namen davon hat,
dass sich von ihren dunkler gefärbten Flügeldecken die hellen Seiten-
fleckchen kräftiger abheben als bei der Stammform. Am augenfälligsten
aber wird der Melanismus der korsischen Stücke, wenn man sie mit
solchen der hellen var. testaceiis etwa von San Remo oder Algier vergleicht.
15. Orectochiliis villosus F. var. Bellie7‘'i Reiche.
Es ist bekannt, dass Orectoch. villosus auf Korsika durch die von da
beschriebene var. Bellieri vertreten wird, die von der Stammform durch
zum Theil angedunkelte Unterseite abweicht.
16. Laccohius gracilis Mötsch, var. nigritus Rottb.
Der Autor dieser korsischen Varietät sagt über dieselbe: ,,Eine Ab-
änderung, die beim ersten Anblick einen von der Stammform sehr ab-
weichenden Eindruck macht .... Die Färbung ist überwiegend schwarz,
meist mit einem dunkelgrünen Schimmer bis auf die Extremitäten, einen sehr
schmalen gelben Seitenrand des Halsschildes und die Spitze der Decken,
welche am Aussenrand und innen der Naht hellgelb sind; am oberen Ende
ist die gelbe Linie meist fleckenartig erweitert. Manche Exemplare zeigen
auf den Decken als Rest der hellen Färbung noch eine bräunliche un-
regelmässige M^ürfelung.“
17. Lycoperdina validicornis Gerst. var. suhpubescens Reitt.
Die korsische völlig dunkle Varietät ist nach Reitter’s Beschreibung
und zwei Stücken, die ich von diesem erhielt, eine ausgeprägte Dunkelform
der ganz hellen sardischen Stammform.
18. Nemosoma elongatum L. var. corsicum Reitt.
hat nach dem Autor statt der rostgelben breiten Binde an der Basis und
einer gleichgefärbten Makel an der Spitze der Flügeldecken nur eine grosse
rostgelbe Makel an deren Basis.
19. Hister himaculatus L. var. morio Schmidt.
Ueber diese Dunkelform bemerkt Schmidt, Berl. Ent. Z. 1885, S. 296:
„Von dieser Art (himaculatus) kommt, wie es scheint vorzugsweise im Süden
(Korsika, Sicilien, Algier), eine ganz schwarze Varietät vor (var. morio m.)“.
20. Caccohius Schreheri L. var. corsicus m.
Sämmtliche unmittelbar bei Ajaccio und am Campo di Toro von mir
gefangenen Stücke des Caccob. Schreheri haben statt der grossen, hie und
53
da selbst in der Längsrichtung zusammenfliessenden hoclirotlien Flecke,
welche meine zahlreichen Exemplare aus Südtirol, Italien, Ungarn und
Kaukasien an der Basis und der Spitze der Flügeldecken tragen, nur
kleine, düsterrothe Flecke, deren vorderer zuweilen noch in zwei Fleckchen
aufgelöst ist.
21. Aphodius erraticus L. var. ftimig atus Muls.
16 Stück von ApJiod. erraticus^ die ich bei Ajaccio fing, gehören aus-
nahmslos der dunkelen Abänderung fmnigatus an ; ob neben dieser auf
Korsika auch die helle Stammform vorkommt, ist mir unbekannt, nach
obiger Erfahrung aber unwahrscheinlich.
22. Aphodius lineolatus 111. (var. ?)
Ich konnte etwa 20 Stücke von Ajaccio mit zwei kalab rischen meiner
Sammlung und einer Leihe von Exemplaren aus Frankreich, Spanien und
Sizilien in dem Dresdener Museum vergleichen; es ergab sich dabei, dass
die Korsen meist wesentlich dunkler sind durch Ineinanderfliessen der
schwarzen Linien, in denen die Punktreihen stehen, hie und da auch durch
Schwärzung der Flügeldecken neben dem Schildchen und am Innentheile
der Basis, doch erscheint mir die Aufstellung einer besonderen korsischen
Varietät nicht geboten.
23. Chalcophora mariana L.
Nach brieflicher Mittheilung des Herrn Vodoz sind die korsischen
Stücke obiger Art nach Prüfung von etwa 60 Exemplaren stets dunkel
ohne eine Spur von rothem Scheine. Vodoz vermuthet in ihnen die var.
intermedia Key, veröffentlicht in L’Echange 1890, S. 171, welche Zeit-
schrift mir nicht zugänglich war.
24. Elater praeustus F.
soll nach freundlichem Hinweis von Herrn Vodoz im Gebirge bei Vizzavona
bezüglich des schwarzen Spitzenfleckes stark variiren, was auch schon
Champion loc. cit., S. 237 erwähnt habe. Das einzige Stück, das ich zwischen
Vizzavona und dem Foce-Passe erbeutete, ist zufällig sehr wenig schwarz.
25. Cardiophorus argiolus Gene.
Gene berichtet bei Beschreibung des C. argiolus von Sardinien, dass
nicht ein Stück dem andern ganz gleiche, was sich auf mehr oder minder
starke Ausbildung der schwarzen Halsschildbinde beziehen muss. Ich be-
sitze aus Frankreich ein schmal gezeichnetes Stück, von Sardinien solche
mit breiter Binde und mit zwei schwach verbundenen, und von Sicilien
zwei mit zwei völlig getrennten Flecken. Die fünf, welche ich in Korsika
fand, tragen alle eine breite Binde und Herr Vodoz hatte das Glück, ein
„ganz schwarzes“ Exemplar zu finden, das Du Buysson var. (besser ab.)
neotericus genannt hat. (Vergl. Miscellanea Entomologica Vol. X [1902],
No. 3 — 4, p. 64).
26. Bhag onycha chlor otica Gene var. corsica Reiche
ist, soweit ich an den Exemplaren meiner Sammlung ersehe, an Fühlern
und Beinen viel dunkeier als die Stammform.
54
27. Plialeria Reyi Seidl, uad Muls.
Von keiner europäischen Phaleria sind mir, obwohl ich ein sehr
reiches Material, zumeist durch eigenes Sammeln, besitze, so dunkle Stücke
bekannt, wie die Phaleria Revelieri von Korsika darstellt, deren ich neben
etwa 20 Stück der helleren Aberrationen zwei am Campo di Toro aiiffand.
Seidlitz hat leider Ph. Revelieri und die von ihm aufgestellte und zur
Stammform erklärte Ph.Reyi sammt ihren übrigen Abänderungen zusammen-
geworfen mit einer noch grösseren, breiteren, weniger gewölbten und
glänzenderen Art aus Tunis, die zuweilen durch völlige, tiefschwarze
Dunkelung des Kopfes und Halsschildes und gleiche Färbung des grössten
Theiles der Flügeldecken eine noch wesentlich dunklere Form Pli. Revelieri
bildet; sie hat, da Seidlitz die Var. Heydeni seiner Mischart Reyi als nur
in Tunis vorkommend aufführt, wohl den Namen Ph. Heydeni zu tragen,
es wird jedoch wohl schwer sein, den entstandenen Namen- Wirrwarr ohne
Prüfung der in der Seidlitz’schen Sammlung steckenden Typen zu lösen.
Ich erbat wohl von Herrn Dr. v. Seidlitz Auskunft, ob er bei seiner Be-
arbeitung der Phalerien korsische Exemplare seiner Reyi vor Augen gehabt
habe, er erklärte mir jedoch, er könne, da er wegen Umzugs seine Samm-
lung augenblicklich nicht zur Hand habe, mir keinen Bescheid geben.
Das tunesische Material, das Seidlitz benutzt hatte, konnte ich dagegen
prüfen; es steckt in der v. Heyden’schen Sammlung und wurde mir mit
liebenswürdigster Bereitwilligkeit zur Ansicht gesandt, ja ich konnte, da
sich die Thiere durch ansteckende Zettel als von dem Staudinger’schen
Geschäft angekauft auswiesen, von diesem noch einige Stücke erwerben.
28. Tracliyphloeus laticollis Bob. var. fusciscapus Desbr.
Der Name der von Desbrochers aufgestellten korsischen Varietät
deutet auf eine Verdunkelung des Fühlerschaftes hin. Nachlesen konnte
ich leider nicht, umsoweniger, da ausnahmsweise der Katalog den Ort
der Veröffentlichung nicht angiebt.
29. Cyphus nitens Scop. var. atricornis Muls.
Nach Versicherung des Herrn Vodoz kommt die Stammform auf
Korsika nicht vor. Ich besitze von da zwei Exemplare der schwarzfühlerigen
Varietät, hei deren einem auch die Naht stark geschwärzt ist, und Reiche
beschrieb in Ann. Soc. Ent. Fr. 1862, p. 297 eine Aberration von Korsika
mit sehr dunklen Flügeldecken (elytris piceo-nigris) als var. niger,
30. Leptura fulva Deg. ab. corsica Pic.
Nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn Vodoz, der die Stamm-
form auf Korsika in grosser Zahl erbeutete, beschrieb Pic in der Revue
zoologique de France 1894, p. 206 die obige Aberration als ,,ganz schwarz,
nur die Schultern und die äussere Seite auf der vorderen Flügeldecken-
hälfte hell“.
31. Leptura maculata Poda ab. nigricornis Stierl.
Bei Vizzavona herrscht die Aberration, die ganz scliAvarze oder nur
an der Wurzel der längsten Glieder angegilbte Fühler hat und an den
Beinen viel ausgedehnter schwarz ist als die Stammform, derart vor, dass
ihr fast alle 56 Theil der 9 J angehören. In der Fleckenzeichnung
55
der Flügeldecken iibertreffen meine neun korsischen L. nigricornis meine
zahlreichen Vertreter der Stammform aus Deutschland, Frankreich, Salz-
burg, Siidtirol, Ungarn, Kaukasien und Finnland nicht.
32. Hylotrupes bajulus L. var. Kosioroiuiczi Desbr.
Diese korsische Varietät soll aller hellen Tomentflecken auf den
Flügeldecken entbehren und dadurch viel düsterer aussehen als die
Stammform.
33. Cryptocephalus alboscutellatus SnEr. sih. nigridorsum Chevr.
Die 99 des in Korsika heimischen Cr. alboscutellatus ändern oft zu
der var. nigridorsum ab, die stark verbreiterte schwarzgrüne Nahtbinde
aufweist.
34. Pachybracliys scriptus H. Sch.
bildet, doch nach meiner Erfahrung selten, die durch breitere schwarze
Streifen der Decken dunklere ab. Helhvigi Weise.
35. Chrysomela americana L. ab. übertini Mars.
Neben Stücken, die der Stammform, wie sie sich an der Riviera findet,
gleichen, kommt bei Ajaccio die herrliche Aberration übertini vor, bei
der das metallische Grün der Grundfarbe in Blaugrün oder Röthlichblau,
das Gold der Streifen aber in Lila verwandelt ist. Trotz ihres Glanzes
und ihrer Farbenpracht ist übertini doch als eine Dunkelungsform auf-
zufassen.
36. Chrysomela viridana Küster.
In Korsika findet sich neben der Stammform besonders die gold-
kupferige ab. a,urocuprea Fairm., ausserdem treten da nach Vodoz auch
duiikelpurpurrothe Stücke (cupreopurpurea Costa?) auf, ja der Genannte
fand ein Exemplar, „das man beinahe als schwarz mit röthlichem Metall-
glanz bezeichnen könnte“.
37. Galeruca corsica Joann. ab. aterrima Weise.
Die Stammform hat gelbbraune Flügeldecken, die Aberration ist ein-
farbig tief schwarz.
38. Podagrica discedens Boield. ab. luctuosa Demaison.
In den Ann. Soc. Ent. Fr. 1902, S. 25 beschrieb Demaison nach von
Vodoz mit der Futterpflanze eingesandten lebenden Thieren von Ajaccio
die obige Aberration, die schwarzen Thorax und ganz schwarze Beine und
Fühler besitzt. Nach Vodoz ist die Stammform bei Ajaccio sehr häufig;
im April fand ich da nur P. semirufa.
39. Adonia variegata Goeze var.? corsica Reiche
wurde 1862 in den Ann. Soc. Ent. Fr., S. 299 nach Stücken beschrieben,
die Kopf und Halsschild schwärzer und auf den Flügeldecken grössere
schwarze Flecke haben als die Stammform. Ich habe Ad. variegata auf
Korsika nicht gefunden und weiss nicht, ob die Stammform daselbst
vorkommt.
56
40. Scymniis bipunctatus Kugel, ab. nigricans Weise.
Die ganz schwarze Form von 8c. bipunctatus wurde von Weise nach
Stücken von Korsika beschrieben; ich fand sie daselbst bei Ajaccio und
Corte, nachdem ich sie früher schon bei San Kemo und auf Borkum nach-
gewiesen hatte. Bei Ajaccio erbeutete ich aber auch ein Exemplar der
Stammform.
Die vorstehende Liste mit ihren Bemerkungen erweist, insbesondere
wenn der verhältnissmässig geringe ilrtenreichthum Korsikas als einer
Insel in Betracht gezogen wird, zweifellos genügend, dass die Neigung und
Fähigkeit, dunkle Aberrationen zu bilden, der korsischen Käferwelt mehr
zu eigen ist als der Coleopterenfauna anderer gleich grosser Gebiete, Und
sicher wird obiges Verzeichniss noch vergrössert werden können, wenn in
den entlegeneren, schwerer zugänglichen Theilen Korsikas emsig und durch
Jahre hindurch gesammelt und beobachtet sein wird, wie das bisher nur
in wenigen, eng begrenzten Gebieten der Insel geschehen ist. Auch wird
wohl zur vollen Klärung der Frage -der Nachweis zu führen sein, wie viel
dunkle, dunkel gezeichnete oder wenig hell gefleckte Arten in Korsika sich
finden, die in anderen Gebieten durch hellere Arten vertreten sind; ich
will nur beispielsweise auf Nanophyes niger^ Stylosomus minutissimus und
corsicus^ Hister pustulosus verweisen. Ueber Melanismus bei korsischen
Insecten anderer Familien ist, soweit mir bekannt, bisher wenig verlautet.
F. Kollmorgen erwähnt in seinem ,, Versuch einer Macrolepidopteren-Fauna
von Korsica“ (D. E. Z. Iris, 1899) nur, dass Polyommatus eleiis F. oft sehr
dunkel, einige von ihm bei Ajaccio gefangene gg fast ganz schwarz seien
und dass die korsische Anthrometra homochromata Mab, nach Dr. Bebel
unzweifelhaft als eine starke melanistische Aberration anzusehen sei;
Handlirsch sagt in seinen Hummelstudien (Annal. des natiirhist. Hofmuseums
Bd. VI, 1891, S. 447): ^^Bombiis hortoriim verliert so wie B. terrestris in
Korsika seine gelben Binden und vertauscht die weisse Farbe des Hinter-
endes mit Both“, und einer freundlichen brieflichen Nachricht desselben
Herrn verdanke ich die Kunde, dass die Weibchen von Psammophila
Inrsiita^ die in Mittel- und Südeuropa stets rothes Abdomen haben, in
Korsika ganz schwarz und deshalb von Lepelletier als Ps. ebenina be-
schrieben wmrden sind, sowie dass auch eine Art der Grabwespengattung
Astata, die sonst roth ist, in Korsika schwarz vorkommt; und als ein
Beispiel für Melanismus bei Fliegen meldete mir Herr Schnuse, dass die
seltene Apistomyia elegans Bigot, die er, nachdem Vodoz das Thier da
aufgefunden hatte, bei Vizzavona in Anzahl fing, dort nicht selten statt
des normalen rothen ein schwarzes Halsschild aufweist. Von melanistischen
Blattwanzen Korsikas konnte mir Herr Dr. Horvath nur Aphanus alboa-
ciiminatus Goeze var. funereus Puton nennen, die aber im ganzen Mittel-
meergebiete bis nach Bussisch-Armenien verbreitet sei; ich fing sie auch
bei San Bemo.
Ueber die Ursachen, welche in bestimmten Gebieten das Auftreten von
Dunkelformen in ausgedehnterem Masse und zugleich die Entwickelung
von sehr ausgeprägt melanistischen Varietäten und Aberrationen bedingen,
liegen bisher wohl nur wenig Meinungsäusserungen vor.
Lucas V. Heyden besprach 1889 in d. D. E. Z, in zwei Mittheilungen
eine Beihe Nigrinos von Carabus und anderen Carabicinen vom Pic de Nere
57
in den Hautes Pyrenees und vermuthete als Grund der Dunkelung das
Leben der Larven und entwickelten Thiere auf und in den sumpfigen
Hochmooren, die sich in der That an der fraglichen Fundstätte vorfinden.
Und sicher hat diese Hypothese sehr viel für sich, ihre Nutzanwendung
auf die korsischen Verhältnisse erscheint jedoch völlig ausgeschlossen,
denn es handelt sich bei den Arten unserer Liste zum grossen Theile nicht
um Erdthiere, und diejenigen, die in der That als solche oder als Wasser-
thiere gelten müssen, leben in oder auf reinem Granitsande und in Tümpeln
und Bächen nichtmoorigen Wassers.
Eine besonders unter den Lepidopterologen weit verbreitete Ansicht
bringt die Dunkelung mit dem Leben der Thiere in höheren Gebirgs-
gebieten und in höheren Breiten in Verbindung. So äussert sich z. B.
H. Fischer-Siegwart in einem Aufsatze, betitelt Das Gebirge ein Rückzugs-
gebiet für die Thierwelt (Mittheilungen der Aargauischen Naturf. Ges. 1902,
S. 111 ff.): ,,Im Allgemeinen kann man sagen, dass bei den Schmetterlingen
die Alpenwelt in der Weise ein wirkt, dass sie .... kleiner werden, dass
die Vorderflügel sich verlängern, . . . ., sowie dass die Farben sich ver-
dunkeln, weil hierdurch die Insolation besser zur Geltung kommt, was
ihre Existenz erleichtert“. Ich darf aber nicht verhehlen, dass ich diese
Ansicht auch von sehr kundigen Lepidopterologen bekämpfen hörte und
dass die wenigen unser Thema berührenden Aeusserungen, die sich in
Kollmorgen’s schon erwähnter Arbeit über die Macrolepidopterenfauna
von Korsika finden, einander widersprechen, denn er sagt S. 316 von
Polyommatus eleiis: „Besonders in heissen Gegenden oft sehr dunkel und
gross; einige von mir bei Ajaccio gefangene 56 ganz schwarz . . . .
ln den höheren Regionen ist auch die zweite Generation ziemlich hell“,
und S. 321 über Satyriis semele var. aristaeus Bon.: ,,Die P^xemplare aus
heissen Gegenden sind grösser und viel feuriger als die der Berge“, die
also düsterer sein müssen. Die Zuchtversuche, welche Herr Carl Ribbe
in Radebeul, der verdienstvolle Forscliuugsreisende und Redacteur der
D. E. G. Iris, anstellte, indem er Schmetterlingspuppen starker Kälte aus-
setzte, ergaben allerdings oft dunkle Falter, gleiche Formen entschlüpften
aber auch Puppen, die grosser Hitze ausgesetzt worden waren, wodurch
sich erwies, dass nicht abnorme Kälte oder Hitze, sondern der schnelle
Wechsel stark verschiedener Temperaturen das Dunkeln bedingten. Auch
das kann aber dafür sprechen, dass Höhenklima Duiikelformen hervorruft,
denn bekanntermaassen herrschen schroffe und bedeutende Temperatur-
schwankungen an Gebirgslehnen und in Hochthälern nicht nur zwischen
Sommer und Winter, Tag und Nacht, sondern treten auch am gleichen
Tag oft plötzlich ein, je nachdem reiner Himmel oder Bewölkung und Wind
die Wirkung der Sonne fördern oder hemmen. Dass das Hochgebirge
auch Dunkelformen von Käfern liefert, ist bekannt; ich will nur auf die
kleine, schwarze Varietät alpiniis des blauen Geotrupes vernalis^ die dunklen
oder schwarzen Formen var. Palae und var. haldensis des Pterostichus
metallicus und die dunkel-, beziehentlich schwarzschildigen var. alpinus und
var. noriciis unseres hellrothschildigen CalatJms melanocephalns verweisen.
Einer freundlichen Auskunft des Herrn Prof. Dr. Simroth über Dunkel-
färbung von Nacktschnecken entnehme ich das Folgende: Feuchtes Gebirge,
z, B. der Brocken, hat nur die schwarzen Formen von Arion empiricorum.
Bei Umax steht die Sache ähnlich. Limax maximus wird in feuchtem
Gebirge stets ganz schwarz im Alter, ohne die Zwischenformen mit Binden
58
und Flecken, die nur im Jugendkleid vorhanden sind, während sie in
niedrigeren Lagen das ganze Leben über sichtbar bleiben. Merkwürdig
ist es, dass bei sehr hoher Schwärzung, z. B. an den feuchtesten Stellen
des Erzgebirges, die intensivere Schwärzung plötzlich in völlige Farblosigkeit
übergeht; es finden sich dann unter vielen schwarzen Thieren vereinzelt
weisse (mit schwarzen Augen). Vielleicht ebenso merkwürdig ist es, dass
im Süden die Formen fast ebenso dunkel werden als auf den Gebirgen,
Arion em^iricorum ist z. B. in Portugal schwarz, wobei er nicht mit gelben,
sondern mit rothen Jungen einsetzt. Aehnliches wie für die Nacktschnecken
scheint für viele Thiere zu gelten; die schwarze Varietät der Kreuzotter
z. B. ist wohl lediglich Gebirgsform.
Für die Beantwortung der besonderen Frage, ob sich bei den Dunkel-
formen korsischer Käfer eine Einwirkung des Höhenklimas erkennen lasse,
liegen glücklicherweise die gewissenhaften Beobachtungen des Herrn Vodoz
vor, die er mir brieflich mittheilte, zum Theil auch inzwischen in der
Arbeit „Observations sur la faune des coleopteres de la Corse (Comptes
rendus de FAssociation Frangaise pour FAvancement des Sciences. Congres
d’Ajaccio 1901)“ veröffentlichte. Sie geben volle Gewissheit, dass für eine
Leihe korsischer Käfer die Höhenlage des Fundortes in ursächlicher Be-
ziehung zur Bildung dunkler Aberrationen steht. Wir stellen diese Arten
hier zusammen.
Cicindela campestris var, corsicana ändert bei Ajaccio und nach meinen
Beobachtungen auch im Restonikathale sehr wenig ab, bildet da-
gegen bei Ucciani (gegen 400 m) rothbräunliche Stücke und höher
im Gebirge, besonders bei Bastelica (700—800 m), die var. nigrita.
Die Necrophorus corsiciis mit ihren Aberrationen stammen alle aus
der Gegend von Bocognano und Vizzavona (700 — 1000 m).
Anomala junii var. sciitellaris lebt auf dem Campo di Foro und bei
Bocognano auf gleichem granitischen Boden und auf denselben
Pflanzen {Mentha Bequieni und AI. insidaris), weist aber unter 100
an der Meeresküste nur drei, bei Bocognano dagegen 33 der dunklen
Aberration rngosida {Douhlieri) auf.
Von Cetonia aurata hatte Champion behauptet, dass auf Korsika
überall und in allen Höhenlagen die Stammform mit ihren dunklen
Aberrationen gemischt vorkomme. Die Beobachtungen des Herrn
Vodoz aber haben ergeben, dass in der Niederung bei Ajaccio die
dunklen Abänderungen nur ganz vereinzelt unter grossen Mengen
der typischen aurata und deren hellen Aberrationen auftreten,
während sie in 900 — 1100 m Höhe bei Vizzavona vielleicht ein
Viertheil aller bilden. Ende Juni 1898 herrschte die bei Ajaccio
sehr seltene ab. nigra zwischen Vizzavona und Tattone auf den
Blüthen des Cistus salviaefolius vor; als 1899 Vodoz im Juli, wo
der Cistus schon verblüht war, an den gleichen Platz kam, fand
er auf dem nun blühenden Samhucus wohl noch einige nigra^ vor-
wiegend aber die blauen Aberrationen nigritarsis , thoracalis und
meridionalis.
Die Trichius rosaceus var. corsicus mit ihren noch dunkleren Aber-
rationen sind sämmtlich aus dem Gebirge; von den stark ge-
schwärzten Aberrationen von Elater praeustus und Leptura maculata
var. nigricornis gilt dasselbe.
59
Chrysomela viridana kommt in der Küstenebene in der typischen
grünen Form ebenso häufig vor wie in der dunkleren ab. aurocuprea,-
Bei 700 m Höhe (bei Bocognano) aber ist die typische Form fast
nicht zu finden und aurocuprea geht oft in noch viel dunklere
Aberrationen über.
Galeriica corsica mit ab. aterrima ist auf das Gebirge beschränkt.
Bei all diesen Dunkelformen erscheint die Einwirkung von Verhält-
nissen, die durch die Höhenlage des Lebeortes der Käfer bedingt sind (oder
durch dieselbe gesteigert werden), unverkennbar, dagegen ist solche
zweifellos ausgeschlossen bei den dunklen Varietäten und Aberrationen,
als deren Wohngebiet allein die Küstenebene nachgewiesen, wie die typische
Cicindela corsicana^ Cic. Utoralis var. obscurior^ Eurynebria complanata var.
Kotschyi^ die sämmtlichen in unserer Liste aufgeführten Wasserkäfer,
Hister^ Caccobius und Aphodius, Phaleria Bev eiterig Chrysomela americana
var. TJbertinh Podagrica discedens ab. luctuosa VLud Scymnus bipunctatus
var. nigricans. Worin haben wir nun wohl den Grund für die Dunkelung
dieser Formen zu suchen?
Bei dem Grübeln über diese selbst noch recht dunkele Frage gedachte
ich einer gelegentlichen mündlichen Bemerkung meines verehrten Freundes
Dr. M. Heller, dahin lautend, dass die unfern von Sangi und auch von
Celebes liegenden Talaut- Inseln auffälligen Melanismus bei Vögeln zeigen;
es ist darüber in dem Werk „The birds of Celebes by A. B, Meyer and
L. W. Wiglesworth^Cvon Letzterem auf Seite 61 darauf hingewiesen, dass
auf diesen Inseln drei Vogelarten, nämlich Oriolus melanisticus, Dicaeum
talautense und Pitta inspeculata melanotischen Einflüssen unterliegen
oder wenigstens ihre Färbung verdunkeln. Eingehendere Veröffentlichungen
über melanotische Einwirkung des Seeklimas auf Insekten sind mir nicht
bekannt, doch hörte ich, dass auf den Südseeinseln die grossen Tag-
schmetterlinge auf kleineren Nachbarinseln vielfach in dunklere Formen
abändern; auf der Nordseeinsel Borkum leben die Dunkelformen Laccobius
var. globosusj Aphodius var. conflagratus , Donacia var. porphyrogenita^
Coccinella var. areata^ die dunklen Abänderungen von Cocc, decempunctata
sowie Scymnus var. nigricans^\ und wohl auf allen ostfriesischen Inseln
die vorwiegend düstere Cicindela var. maritima und der stets dunkle
Geotrupes vernalis var. insularis m. ; die hellere Nebria livida des Binnen-
landes wird an den Küsten und auf den Inseln Norddeutschlands durch
die dunklere Varietät lateralis vertreten und auf Teneriffa hat nach Hand-
lirsch Bombus terrestris keine gelben Binden oder nur Spuren derselben.
Es scheint demnach immerhin das Inselklima dunkelnd auf die Färbung
der Thiere einzuwirken. Das will sich freilich mit Ribbe’s Beobachtungen,
dass schnelle, starke Temperaturcontraste Melanismus erwirken, schwer
vereinen lassen, denn bekanntlich ist das Klima der Inseln und Küsten,
also überhaupt das Seeklima, falls nicht ganz besondere Verhältnisse
locale Abweichungen von der Hegel bedingen, charakterisirt durch eine
sehr ausgeglichene Temperatur ohne grosse und schroffe Gegensätze, und
Ajacc.io insbesondere würde nicht ein so vortrefflicher Heilort für Lungen-
und Halskrankheiten sein, wenn es nicht jenen Vorzug des Seeklimas in
*) Freilicli finden sicli da ancli die helleren, hmunm Harpalus servus dh.maritimus m.
und Eides sus parvulus ab. subrufulus m.
*
60
vollem Maasse besässe. So ist es vielleicht der der Seeluft eigene Feuchtig-
keitsgehalt, der Melanismus bewirkt. Es würde das ja auch damit recht
gut stimmen, dass Simroth an den Nacktschnecken feuchter Gebirge tiefe
Schwärzung fand, und wenn er gleiche auch an portugiesischen Stücken
feststellen konnte, so erklärt sich das wohl daraus, dass auch dort Seeluft
wirksam ist und der herrschende Südwestpassat die dem Meere entstiegenen
Dunstmassen an die Gebirgsgehänge wirft. Auch dass die auf den Moor-
sümpfen der Pyrenäen lebenden Carabiden Melanismus zeigen, Hesse sich
damit unschwer vereinen. Nun hat ja wohl Korsika ausgeprägt sub-
tropisches Klima mit regenlosem Sommer und ausgiebigen, doch nicht
anhaltenden Regen im Winter, aber der Südwesten der Insel, dem all’ die
besprochenen Käfer entstammen, dürfte auch im Sommer doch von
feuchtigkeitsreicher Luft überlagert sein, da die Dunstmassen, die dem
warmen Mittelmeere und seinen zum Theil tief in die Westseite der Insel
einschneidenden Golfen entsteigen, vom Südwestpassat über die Küste
und an die steil bis zu 1100 — 2700 m ansteigenden Gebirgshänge geweht
werden. Sie werden in bekannter Weise am meisten in den höheren Hängen
sich verdichten und wirksam werden, wodurch auch das procentualiter
viel häufigere Auftreten der Dunkelformen in dem Gebirge seine Erklärung
finden würde. Dass auf der kleinen Insel Elba die typische Cicindela
litoralis^ nicht eine Dunkelform gefunden wurde, könnte sich dadurch er-
klären, dass der Fundort am Strande des innern Hafens von Porto Ferrajo
sich befand, der von dem freien Meere durch eine Felsmauer abgeschlossen
ist und auf der Nordseite der gebirgigen Insel liegt.
Ich bin weit davon entfernt, zu wähnen, dass die schwierige Frage über
die Entstehung der melanistischen Formen durch die vorstehenden Erörter-
ungen endgültig gelöst sei, habe eine solche Lösung auch gar nicht geplant, da
es mir an Zeit zu den dafür nöthigen Sonderstudien gebricht; ich wollte viel-
mehr nur zu weiteren sorgfältigen Beobachtungen an mit Dunkelformen ge-
segneten Orten anregen, da durch solche allein das Verständniss für die
Herausbildung der Letzteren erschlossen werden kann. Ich vernahm zwar vor
Kurzem das Bekenntniss eines jungen zoologischen Heisssporns modernster
Richtung, dahin lautend, dass nur das Arbeiten im zoologischen Labora-
torium von wissenschaftlicher Bedeutung sei, da nur da Naturgesetze
entdeckt werden könnten, bin aber der Ansicht, dass der junge Forscher
nichts bewiesen hat, weil er zuviel beweisen wollte, und glaube, dass die
Auffindung des Naturgesetzes, das der Bildung der Dunkelformen zu Grunde
liegt, gleich der vieler anderer durch Untersuchungen mit dem Microtom
vielleicht gefördert werden kann, indem Anregungen zu Beobachtungen in
bestimmter Richtung gewonnen werden, dass aber die Lösung des Räthsels
nur durch andauernde Beobachtung der entwickelten Thiere und ihrer
Entwickelungsformen im Freien, unterstützt durch Zuchtversuche der Art,
wie Standfuss, Ribbe u. A. Vornahmen, zu erzielen ist.
Druckfehler ■ Berichtigung.
S, 44, letzte Zeile lies: „öfters völlig“ statt „völlig öfters“.
VI. Graphitreiche Zermalmungsproducte
des Lausitzer Granites.
Von Dr. Robert Nessig.
Wie die Arbeiten der geologischen Landesuntersuchung des König-
reichs Sachsen gelehrt haben, sind im sogenannten lausitzer Granitmassiv,
und zwar sowohl in unmittelbarer Nachbarschaft der grossen Haupt-
verwerfung, wie auch inmitten der Granitinsel an verschiedenen Stellen
mechanische Veränderungen des Gesteins als Folge des Gebirgsdruckes
eingetreten. Man bezeichnet diesen dynamometamorphen Process treffend
als Zermalmung, Zerquetschung und Auswalzung der Felsart. Aus dem
regellos körnigstruirten Granit sind gneissähnliche, ja phyllitartige Fels-
arten geworden, in denen zur Zertrümmerung, Zerreissung und Verzerrung
der Gesteinsgemengtheile meist auch eine chemische Alteration gekommen
und so eine Schaar von secundären Mineralien entstanden ist, unter denen
trikline Feldspathe (Mikroklin, Mikroperthit), Quarz und sericitähnliche
Glimmer nebst Erzimprägnationen eine Hauptrolle spielen. Spiegel- und
Gleitflächen liefern ferner untrügliche Beweise für kräftige Verschiebung
der Bergstücke längs der die Felsart durchsetzenden Klüfte. Die Klüfte
herrschen in lausitzer Richtung vor, laufen also parallel dem Bruchrande
der Granitplatte.
Besonders instructiv sind diese Verhältnisse in dem schönen Bruche
im Losch witzgrunde, gegenüber dem Gasthause zur Eule, den Verfasser
seit 1894 genauer untersucht hat und in dem er eine Anzahl secundärer
Mineralien sowie pegmatitische Schlieren mit grossen dunklen und hellen
Glimmern und fingerlangen, schwarzen Turmalinen wiederholt nachweisen
konnte.
Der Anbruch liess früher zwei mit etwa 60® in Nordost einfallende
scharfe, in lausitzer Richtung orientirte Klüfte erkennen, längs welcher
eine mattschwarz glänzende, an weissem Quarz reiche Reibungsbreccie auflag.
Durch den Bruchbetrieb im Jahre 1898 sind weiter längs der er-
wähnten, etwa IV2 ni voneinander abstehenden Klüfte faustdicke Lagen
eines stark veränderten, gneissartig ausgewalzten und zermalmten Granites
aufgeschlossen worden, die stark mit unzweifelhaftem Graphit durchsetzt
und reich an spiegelglatten Harnischen sind. In den folgenden Jahren
arbeitete man weiter elbthalwärts und nach oben zu, so dass endlich
im Jahre 1902 weitere Klüfte aufgeschlossen wurden und das Durch-
setzen der graphitreichen Lagen bis zur oberen Lehmdecke erkennbar
wurde.
6^
Der Graphit erscheint überall als Belag oder Imprägnation als das
bekannte amorphe Mineral, mit seinem fettartigen Metallglanze und stark
ahfärbend. Es verbrannte im Gebläsefeuer ohne Schwierigkeiten. Von
metallischen Beimengungen konnten Eisen und Spuren von Mangan nach-
gewiesen werden. Ausdrücklich sei hervorgehohen, dass es sich nicht um
die auch anderwärts im Granit gefundenen Einschlüsse von Graphit handelt,
sondern um eine starke Durchtränkung der die Klüfte ausfüllenden
grani tischen Zermalmungsproducte.
Die mikroskopische Untersuchung führte zunächst zur Erkennung der
bekannten Trümmer- oder Kataklasstructur des Gesteines, in dem zahl-
reiche trikline, deutlich zwillingsgestreifte Eeldspäthe wohl meist secundärer
Herkunft neben den getrübten primären Orthoklasen und den ab und zu
noch bläulich-grünen, schwach pleochroitischen Glimmern lagen, während
Quarz verhältnissmässig spärlich zugegen w^ar. Auffällig w^ar aber das
massenhafte Auftreten secundären, sericitähnlichen Glimmers in regellosen
Lagen und rosettigen Aggregaten, auf den Spaltungsrissen reichlich durch-
setzt von dem schwarzen, bei abgeblendetem Licht schwach metallisch
glänzenden Graphit, der auch sonst zwischen den Glimmer-Individuen in
Klumpen, Ballen und Flocken in bedeutender Menge in die Erscheinung
trat. Bisweilen imitirten Graphit und Glimmer eine förmliche Fluctuations-
structur.
Die Thatsache, dass das graphitische Trümmergestein in ganzer Aus-
dehnung von der Bruchsohle bis zur abschliessenden Lehmdecke durch-
setzt, macht die Beantwortung der Frage nach der Herkunft des un-
zweifelhaft secundären Graphites in doppelter Weise möglich. Entweder
das graphitische Material ist von oben her in die mit zermalmtem Gestein
erfüllten Klüfte infiltrirt worden, oder es ist eine Imprägnation auf der
Kluft von der Tiefe aus erfolgt, vielleicht durch Beduction kohlenstoff-
haltiger Dämpfe, wie es Johannes Walther*) für die Graphitlagerstätte
von Ceylon annimmt.
Verfasser wagt nicht, diese Frage zu entscheiden, obwohl bei der
Nähe der lausitzer Bruchspalte die letztere Annahme nicht ohne Weiteres
von der Hand zu weisen sein dürfte.
*) Job. Walther: Zeitschr. der deutschen geol. Gesellsch. 1889, S. 359.
VIT. Die mineralogisch-geologische Durchforschung
Sachsens in ihrer geschichtlichen Entwickelung.
Von Dr. Paul Wagner.
Die Erforschungsgeschiclite des heimathlichen Bodens ist so alt wie
die Menschheit, die ihn bewohnt. Die ersten neolithischen Jäger, die, den
Flussläufen folgend, Einzug in unser Land hielten, waren die ersten Geo-
gnosten. Sie durchsuchten den Geschiehelehm nach seinen nordischen Feuer-
steinen, um Pfeilspitzen daraus zu gewinnen. Sie lernten die Zähigkeit
der Amphibolgesteine schätzen und stellten Beile, Hämmer aus ihnen her.
Granit- und Quarzporphyrblöcke wurden ihre Mahlsteine, mit denen sie
die Ernte des Lössbodens zerkleinerten. Die reichen Thonlager der Lausitz
bildeten wichtige Besiedelungscentren, an denen die Vorfahren der heutigen
Töpfer ihren Sitz aufschlugen. Und als der Mensch die trefflichen Eigen-
schaften der Metalle kennen gelernt hatte, durchsuchte er auch nach diesen
die heimische Scholle. Im Sande der Flüsse fand er ihre ersten Spuren,
und die uralten Seifen in den erzgebirgischen Thälern weisen darauf hin,
wie früh schon jene Bodenschätze den Menschen zum Eindringen in die
finstern Gebirgswälder verlockten*). Die Gerölle wiesen den Weg weiter
an ihre Ursprungsstelle; die Schätze der Tiefe wurden gehoben; der Berg-
mann übernahm die Bolle des bedeutendsten Bodenkenners.
Aber es sollte fast ein Jahrtausend vergehen, ehe die Erfahrungen
der Bergleute befruchtend wirkten auf die Mineralogie und Geologie als
Wissenschaft. Die Bergleute waren wanderlustig; wo das Glück ihnen
lachte, bauten sie ihre Hütten. Liess die Ergiebigkeit des Gesteins nach,
so zogen sie weiter. Die Wünschelruthe war oft ihr einziger Führer. Aber
jede Gegend brachte neue Einzelerfahrungen. Diese erbten fort von Mund
zu Mund, oft als Familienschatz und Geheimniss vor Fernerstehenden ge-
hütet. So war roheste Empirie, vermischt mit einem guten Theil Aber-
glauben, die Naturkenn tniss der Praktiker. Und doch war sie tausendmal
mehr werth, als die Mineralogie, die unterdessen in deutschen Landen in
den Gelehrtenstuben getrieben wurde. Das Mönch thum, die einzige Pfleg-
stätte der Wissenschaft in jener traurigsten Epoche deutscher Culturge-
schichte, war mit seinem weitabgewandten Cultus kein Nährboden für
naturwissenschaftliche Studien. Philologische Spitzfindigkeiten bildeten
die einzige Ernte aus der Lectüre eines Aristoteles und Plinius. Man
*) Heinr. Schurtz: Der Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen.
Forsch, z. deutsch. Landes- u. Volksk. 5. Bd., 3. H. 1890.
64
verglich einen Autor mit dem andern — die Natur selbst zu fragen fiel
Niemandem ein. So verging auch die erste Blütheperiode*) des sächsischen
Bergbaus, das 12. und 13. Jahrhundert, ohne dass wir schriftliche Nach-
richten über Ort und Menge der Bodenschätze erhielten. Der Erste, der in
jener Zeit selbständig über Mineralogie nachdachte, Albertus Magnus**)
(1193— 1280), blieb mit seinen Versuchen noch völlig in dem Sumpfe
stecken, den die Astrologen und Alchymisten seiner Zeit aus dem reinen,
wenn auch kindlichen Naturwissen der Alten gemacht hatten.
Als aber die ersten Frühlingsstürme des Humanismus über die Alpen
nach Deutschland hereinbrausten, die dumpfe scholastische Atmosphäre vor
sich herjagend, als mit dem genaueren Studium namentlich der griechischen
Antike auch das tiefere Verständniss für den grossen Empiriker Aristoteles
erwachte, da war auch die Zeit gekommen, der Mineralogie und Geologie
eine Stätte unter den Wissenschaften einzuräumen. Ein Sachse ist es,
den man als „Vater der Mineralogie“ feiert, ein Zeitgenosse von Erasmus
und Luther. Mit ihm beginnt der wissenschaftliche Betrieb der Mineralogie
und Geologie, mit ihm auch die geologische Durchforschung seines und
unsres Vaterlandes. Ihm und seinen Zeitgenossen sei deshalb auch das
erste Capitel unserer historischen Uebersicht gewidmet.
Georgius Agricola und seine Mitarbeiter.
Georg Bauer***), dessen Name wahrscheinlich von seinen Lehrern lati-
nisirt worden ist, wurde am 24. März 1494 in Glauchau geboren. Nach in
Glauchau und Zwickau vollendeter Schulzeit bezog der Zwanzigjährige die
Universität Leipzig, wo eben der Humanismus siegreich eingezogeii war und
in Petrus Mosellanus seinen bedeutendsten Vorkämpfer hatte. Unter der An-
leitung dieses Mannes wurde Agricola in vierjähriger Studienzeit ein Meister
der alten Sprachen, durchdrungen von hellenischem Geiste und aristotelischer
Weltanschauung. Als Rector der Zwickauer Stadtschulen wandte er seine
philologischen Kenntnisse zum Ruhme dieser Anstalten an. Aber schon
1522 ging er nach Leipzig zurück, um als Lector seines früheren Meisters
sich aufs Neue philologischen Studien hinzugeben. Ungefähr 1524 finden
wir ihn — der Gelehrtensitte seiner Zeit entsprechend — auf einer Reise
*) Vergl. Herrn. Müller: Die Erzgänge des Freiberger Bergreviers. Erläut. z.
geol. Specialkarte des Kgs. Sachsen 1901. Ferner F. Zirkel: Zur Geschichte des Sächs.
Bergbaus. Wiss. Beil, der Leipz Ztg. 1887, No. 34.
**) De mineralibus et rebus metallicis libri quinque. Auctore Alberto Magno
summo Philosopho. Coloniae apud Jo. Birckmannura et Theod. Baumium 1569.
Darin eine Bemerkung über die Menge und Reinheit der Freiberger Silbererze.
***) G. H. Jacobi: Der Mineralog Georgius Agricola und sein Verhältnis s zur Wissen-
schaft seiner Zeit. Leipzig, Diss. 1889.
Reinhold Hofmann: Dr. Georgius Agricola aus Glauchau, der „Vater der Mine-
ralogie“. Schönburg. Geschichtsblätter. Waldenburg, Kästner 1898.
F. L. Becher: Die Mineralogen G. Agricola zu Chemnitz im 16. und A. G.
Werner zu Freiberg im 19. Jh. Winke zu einer biogr. Zusammenstellung aus Sachsens
Ciüturgeschichte. Freiberg 1819.
GeorgiiAgricolae De re metallica libri XH, quibus officia, instrumenta, machinae,
ac omnia deniqui ad metallicam spectantia, non modo luculentissime describuntur, sed
et per effigies, suis locis insertas, adjunctis latinis, Germanicisque appellationibus ita ob
oculos ponuntur, ut clarius tradi non possint etc. Froben, Basileae 1556.
Georg Agrikola’s aus Glauchau Mineralogische Schriften, übersetzt u. mit erläut.
Anmerkungen u. Excursionen begleitet von Ernst Lehmann, Bergamtsassessor. Frei-
berg, Craz u. Gerlach 1806.
65
nach Italien und alsbald in Bologna als eifrigen Jünger der Medicin.
Der Sprung zu dieser Wissenschaft war nicht so gross, als es uns
heute scheinen möchte; denn die Heilkunst des Mittelalters war nichts
Anderes, als die Anwendung der Recepte alter griechischer und römischer
Aerzte. Ein Jahr lang lebte er in Venedig im Hause eines Buchhändlers,
wo er im Verkehr mit Neugriechen und einem arabischen Arzte seine
Sprechfertigkeit im Griechischen und in orientalischen Dialecten bedeutend
erhöhte, vor Allem aber die günstige Gelegenheit benutzte, alle möglichen
Werke des Alterthums in guten Ausgaben zu lesen. Dabei fiel ihm auf,
wieviel Heilmittel aus dem Mineralreiche die alten Aerzte verwerthet hatten
und wie sehr die Anwendung solcher Mittel ausser Gebrauch gekommen
war. Um diese Lücke der mittelalterlichen Medicin auszufüllen, wählte
er nach seiner Heimkehr als ärztlichen Wirkungskreis die eben erblühte
Bergstadt Joachimsthal. Von den Bergleuten wollte er sich in das Reich
der Steine einführen lassen — zu Nutz und Frommen der Heilkunde. Aber
bald schwand der ursprüngliche Beweggrund, und Agricola wurde zum
begeisterten Mineralogen, Metallurgen und Geologen. Mit vieler Mühe,
grossem Geschick und mancher List entlockte er den Bergleuten ihr rohes
empirisches Wissen, das sich bis dahin als Tradition fortgepflanzt hatte,
und als er 1528 seinen „Bermannus sive de re metallica“, eine Einführung
in die Bergbaukunst in Dialogform schrieb, vollzog er damit eine wissen-
schaftliche Grossthat: die lang entbehrte, lang ersehnte Vereinigung
antiken Wissens mit den Erfahrungsschätzen der einheimischen
Praktiker. In Chemnitz, wo dann Agricola von 1533 — 1555 seinen Wohn-
sitz, theils als Arzt, theils als Bürgermeister und Hofhistorienschreiber
hatte, baute er das Lehrgebäude weiter aus, das ihm den Ehrennamen
eines „Vaters der Mineralogie“ eingebracht hat. Die zehn Bücher „De
natura fossilium“ — 1546 waren das erste Compendium der Mineralogie.
„De ortu et causis subterraneorum“ und „De natura eorum, quae effluunt ex
terra“ enthalten die Keime einer dynamischen Geologie und Meteorologie.
„De re metallica“, sein Hauptwerk, ist eine von Philologen und Natur-
forschern seiner Zeit gleich angestaunte Gesammtdarstellung der berg-
männischen Wissenschaften. (Das citirte Prachtwerk der K. Bibliothek
zu Dresden enthält unter letzterem Titel die sämmtlichen Arbeiten
Agricola’s.)
Worin besteht nun die Bedeutung Agricola’s für die Mineralogie und
insbesondere für die mineralogische Erforschung seines Vaterlandes? Er
hat das Glück gehabt, schon von seinen Zeitgenossen als Heros der Wissen-
schaft anerkannt und von seinen Epigonen als Classiker gepriesen zu
werden. Sein Uebersetzer Lehmann schreibt: „Man w^eiss nicht, was
man an ihm mehr bewundern soll, ob scharfe Urtheilskraft , treffenden
Witz, glückliche Beobachtungsgabe, treues Gedächtniss und andere für-
treffliche Naturanlagen, oder anhaltenden Fleiss, vielseitige Gelehrsamkeit,
gründliche Kenntniss des Alterthums und ausgebreitete Belesenheit. Er
ist in neueren Zeiten der Erste, welcher über mineralogische Gegenstände
mit Beharrlichkeit, Vorurtheilslosigkeit und Geistesfreiheit nachgedacht,
mit griechischer Eleganz geschrieben. Zwar gehört er nicht zu den kühnen
schöpferischen Genien, welche auf selbstgebahnten Wegen den Geheim-
nissen der Natur nachgehen und auf den Trümmern umgestürzter Systeme
aufbauen. Dagegen hat er die Wege seiner Vorgänger mit vielem Glück
betreten, ihre Systeme sorgfältig studirt, unparteiisch gewürdigt. Seine
66
Werke enthalten die Quintessenz von allem, was über Gegenstände der
Mineralogie vor ihm geschrieben worden ist“.
Wenn wir heute mit ruhigem Blute die Leistungen Agricola’s würdigen,
so kommen wir vielleicht zu einem etwas kühleren Urtheil. Gewiss —
Agricola war ein Philolog und Kenner des antiken Schriftthums wie nur
wenige seines forschungsfreudigen Zeitalters; er war Humanist und Aristo-
teliker reinsten Wassers. Aber er konnte sich nicht frei machen von dem
wissenschaftlichen Betriebe des Mittelalters; auch er vergass fast über dem
sklavischen Autoritätsglauben die Hauptforderung seines griechischen Lehr-
meisters: die Natur selbst als Quelle zu benutzen. Mit grösster Gewissen-
haftigkeit sucht er bei Aufstellung seiner genetischen Theorien Citate aus
Aristoteles, Theophrast, Strabo, Dioscorides, Galenus, Vitruvius, Plinius
zusammen und unterdrückt seine eigene Meinung. Die Stellen, die wirk-
lich von Selbstgesehenem zeugen, sind verhältnissmässig dünn gesät. (Hier-
her gehört z. B. die Erklärung der Vulcaneruptionen auf Grund der Be-
obachtungen an den Planitzer Kohlenbränden.) Und wie er auch wettert
gegen die Alchymisten und Astrologen, die märchenhaften Recepte der
alten Autoren über die Heilkraft der einzelnen Steine nimmt er ohne jede
Kritik auf, und die Existenz der Erdgeister und Dämonen ist für ihn
ausgemachte Thatsache.
Wie wenig kritisch er sich auch den ihm zugetragenen Mittheilungen
seiner Volks- und Zeitgenossen gegenüber verhielt, zeigt die ausgiebige Be-
nutzung seines Landsmannes Erasmus Stella*) (seit 1513 Bürgermeister
in Zwickau), eines skrupellosen Vielschreibers, den er vielfach wörtlich
copirt.
Der Mangel eigener Beobachtungen drängt sich uns besonders auf,
wenn wir nach der Kenntniss Agricola’s von der Bodenbeschaffenheit seines
Vaterlandes forschen. Selbstverständlich war er am meisten bewandert
in dem Bergbaudistricte des oberen Erzgebirges. Seine Schrift „De veteri-
bus et novis metallis“ ist eine reiche — von Späteren viel benutzte —
Quelle über die Entstehungsgeschichte der einzelnen Bergstädte, über die
damals bekannten Erzfundorte, die längst eingegangenen Bergwerke und
Erzwäschen früherer Zeiten. Er kennt die uralten Zinnfundorte von Ir-
beresdorfium (= Ehrenfriedersdorf), Thum, Geyer, Oelsnitz i. V. , Eyben-
stock, Schneeberg-Neustädtel, Fletschmaul am Auersberg, Jugel bei Johann-
georgenstadt, Platten, Bäringen, Hengst, Neudeck, Altenberg, Lauenstein.
Silber war ihm bekannt von Freiberg, Marienberg, Annaberg, Geyer,
Schneeberg, Wolkenstein, Trebach, Tzschopau, Oederan, Trapenau bei
Sachsenburg, Rochlitz, Mitweyda, Glashütte, Hohenstein, Scheibenberg,
Elterlein, Wiesenthal, Joachimsthal, Abertham, Priesnitz; Kupfer von
Schlema, Hohenstein, Geyer, Annaberg, Ereiberg, Berggiesshübel, Trapenau.
Selbst Gold von Kuttenheyde, Wismuth von Schneeberg werden erwähnt.
Eisen fand man im Dorfe Pöhl bei Joachimsthal, zwischen Raschau und
Grünhayn, bei Lauenstein, Berggiesshübel, Schwarzenberg, Eybenstock.
In der ersten Gruppe seiner ,, Fossilien“, den Erden erwähnt er die
treffliche Töpfererde von Waldenburg, den Annaberger Thon, den zu Probir-
schirbeln und Muffeln verwendeten Thon von Mitweyda, die aschgraue
Walkerde von Leipzig.
*) Erasmi Stellae Libanotliani viri clariss. De gemis libellus unicus. Argen-
torati per Henricum Sybold. 1530.
67
Unter den „harten Säfften“ (succus concretus) zählt er auf: Alaun
von Kadeberg und der Zwönitzer Heide. Auch die Steinkohlen, die als
„fossiles erdiges Bitumen“ unter den Mineralien figuriren, kennt er aus
der Gegend von Zwickau und „rechter Hand auf der Strasse von Dresden
nach Freiberg“.
Haematit und Schistos (jedenfalls rother Glaskopf) ist auf der Zeche
„Goldene Krone“, 5000 Schritt von Marienberg, zu haben. Den Glimmer
unterscheidet er in drei Abarten, von denen der Magnetes oder Silber-
weiss bei Marienberg und Schlettau vorkommt. Der Mica, „von den Berg-
leuten Katzensilber oder Glimmer genannt“, macht den Sand und Marmor
silberglänzend; Ammochrysos oder Katzengold, das Agricola als den ersten
Lehrlingsversuch der Natur in der Metallbereitung betrachtet, findet sich
ebenfalls im Sande.
Die dunklen Granaten, die sich wahrscheinlich unter dem Bergmanns-
namen „Wolfsschaum“ verbergen, sind ihm aus den sächsischen Zinnlager-
stätten gebracht worden. Smirgel fand sich in den meissnischen Silber-
bergwerken, z. B. von Annaberg; Quarz namentlich bei Freiberg. Merk-
würdigerweise kennt er als Chemnitzer noch keine sächsischen Achate.
Dass wir von Agricola nicht viel Aufschluss über sächsische Gebirgs-
arten erwarten können, geht schon aus seinem primitiven petrographischen
System hervor. Er unterscheidet 1. Sandstein, 2. Moelstein, 3. Schiefer,
4. Kalchstein. Die Sandsteine spielten schon damals eine grosse Rolle als
Baumaterial; die Brüche von Pirna und Lohmen standen in gutem Rufe.
Dass auch des Rochlitzer Porphyrtuffs unter den Sandsteinen gedacht
wird, darf uns nicht wundernehmen. Noch mehr Verschiedenartiges deckt
der Name Moelstein (saxum molare): weisse, rothe, gefleckte, aschgraue
Sorten, z. B. bei Chemnitz (d. i. Porphyr) als steiler Fels, halbharte aus
dem Steinbruche hinter der Stadt, harte bei Penig und Schloss Rosen-
burg (= Rochsburg). Vom Schiefer gibt er keinen besonderen Fundort an,
obgleich ihm sicher die Glimmerschiefer und Phyllite zwischen Joachims-
thal und Chemnitz aus eigener Anschauung bekannt sein mussten. Kalch-
stein kennt er von Chemnitz, Waldenburg, schwarzen von Auerswalde,
bunten aus dem Müglitzthale. Alle Felsarten, die durch Schleifen Glanz
annehmen, werden als ,,marmora“ zusammengefasst. Zu den eisen schwarzen
Marmorarten rechnet er auch den ,, meissnischen Basalt“, auf dem das
Schloss Stolpen steht. Der Ophites, nicht weit vom Schlosse Lauterstein
beim Städtchen Zöblitz, ist ein gefleckter Marmor, den unsre Bergleute
Serpentin nennen. Der Name ,, Syenit“, für einen „rothgetüpfelten Marmor“,
wird erwähnt, aber nicht auf sächsische Vorkommnisse angewendet.
Wir sehen, die Kenntnisse Agricola’s beschränkten sich in der Haupt-
sache auf Mineralien. Zur Unterscheidung der Gesteine fehlten ihm eines-
theils die Kriterien, anderentheils das Interesse, das nicht viel weiter ging
als die praktische Verwerthung erheischte. Noch weniger finden wir natürlich
stratigraphische Unterscheidungen. Nur vom altberühmten Mansfelder
Kupferschieferlager stellt er die Schichtenfolge auf: Corium terrae erd oder
leim, argilla cinerea thone oder than, tertium saxum gerhulle, quartum saxum
geniest, quintum saxum schwehlen, sextum oberrauchstein*).
*) Wir erwähnen diesen Passus, obgleich er sich auf ein aussersächsisches Vor-
kommniss bezieht, weil Zittel (Geschichte der Geologie) die mansfeldische Schichtenreihe
»erst bei Mylius (1720) nennt. Dort finden wir allerdings eine grössere Gliederung.
68
So ist das Bild vom geognostischen Bau unseres Vaterlandes, das der
Vater der Mineralogie entrollt, noch weit davon entfernt, auch nur die
gröbsten Grundlinien festzulegen. Aber es war ein erspriesslicher Anfang
gemacht. Die alten Bergmannsnamen waren zu wissenschaftlichen Ehren
gekommen, die Gesteinsarten einigermassen definirt und somit eine Mög-
lichkeit zur Verständigung gegeben. Das bisher bekannte Einzelmaterial
über Fundorte war fixirt. Vor Allem aber hatten Agricola’s erste Schriften
weithin Interesse gefunden und den mineralogischen Sammeleifer in weiten
Kreisen geweckt — wenn auch nicht zu übersehen ist, dass zu letzterem
auch die allgemeinen Zeitereignisse, das plötzliche Emporblühen von zehn
neuen Bergwerksorten, beitrugen. Ueberall fanden sich Liebhaber, die
mineralogische Streifzüge in ihrem engeren Gebiete machten, Sammlungen
anlegten und so zur Erweiterung der Kenntnisse vom vaterländischen Boden
beitrugen.
Agricola selbst zog von dieser Sammelbegeisterung den grössten Vor-
theil. Ein grosser Theil seiner Angaben beruht ja auf fremden, ihm zu-
gesandten Unterlagen. Und wie es oft in der litterarischen Welt der Fall
ist, concentrirte er — unabsichtlich, aber zum Theil auch absichtlich —
auf seine Person den Ruhm so manches verdienstvollen Zeitgenossen. Schon
der Chronist Petrus Albinus kann sich nicht enthalten, den leisen Vor-
wurf der Undankbarkeit auszusprechen, weil Agricola stets versäumt habe,
seine Hülfsarbeiter gebührend zu nennen.
Einer der fleissigsten Gehülfen war Georg Fabricius, der gelehrte
Rector der Meissner Fürstenschule, der ausgezeichnete Schulmann und
Nachfolger Agricola’s als sächsischer Historiograph. (Geboren 1516 in
Chemnitz, 1539 in Padua, 1544 in Strassburg, seit 1546 in Meissen.) Sein
Bruder Jacobus Fabricius aus Chemnitz hat eine Anzahl gesammelter
mineralogischer Notizen, die sich in den hinterlassenen Papieren vorfanden,
veröffentlicht. Aus diesem Büchlein*) erfahren wir, dass sich Gold „in
saltu Schellenbergiano“ findet. Auch die Fabel von goldhaltigen Granaten
und Eisensteinen (bei Annaberg und Zeblitz) taucht hier schon auf. Selbst-
verständlich kennt er auch die Silberbergwerke „in radicibus Sudetarum
montium“, weiss aber auch von Quecksilber bei Hartenstein zu melden.
Interessant sind seine Angaben über das Zinn oder Zwitter (Plumbum
candidum). Er zählt dort neben den ,,lapillis nigris puris Zwitter“ auf:
Lapilli adulterini et steriles — Wolffrham oder Schurei oder Schörle oder
Greiss oder Misspickel. Wenn H. Jacobi (a. a. 0.) anführt, dass Fabricius
zum ersten Male das Wort Gneiss gebraucht, so beruht dies wohl auf
einem Lesefehler obiger Stelle, in der offenbar Greisen, das Muttergestein
des Zinns gemeint ist. Ebenso wenig möchten wir Jacobi’s Vermuthung
annehrnen^ dass der neue Name Schörl von Zschorlau abstamme. Es
dürfte eher möglich sein, dass beide Worte einen gemeinsamen Stamm
haben**). Wismuth (Bisemutum), zuerst von Agricola genannt, kommt nach
Fabricius vorbei Schneeberg, Marienberg, „necnon inVallibus“ (= Joachims-
thal); ,,Plumbago, Glantz oder gediegen Bley“ bei Freiberg. Eisen wird
gefunden ,,in monte Capha“, zwei Meilen von Wisentala, mit viel Ocher
*) De raetallicis rebus ac nominibus observationes variae et eruditae, ex scbedis
Georgij Fabricij: quibus ea potissimum explicantiir, quae Georgius Agricola praeterijt.
Tiguri 1566.
**) So leitet z B. M. G. Körner beide Worte von zschorli = quellen rinnen her.
M. Christoph Gottlieb Grundig’s „NeueVersuche nützlicher Sammlungen— 45. Theil, 1761.
69
beim Tschopafluss, bei Frankenberg; Stibi (Spissglass vel rectius Spissglantz)
in Hobenbirke bei Freiberg.
Der bedeutendste, Sammler jener ersten Blütheperiode mineralogischer
Forschung ist unstreitig Johann Kentmann. Dieser Mineralog war 1518
zu Dresden geboren, hatte Medicin studirt und hielt sich dann als Arzt
zunächst in Meissen, später in Torgau auf, wo er 1574 starb. Er war
einer der Ersten, die überhaupt systematisch Mineralien sammelten und ge-
ordnet aufstellten. Und da er sich namentlich die Erforschung der
meissnischen Lande zur Aufgabe gemacht hatte, dürfen wir von ihm manches
Neue für die mineralogische Landeskunde erwarten. Er hat 1556 den
Catalog seiner Sammlung unter dem Titel: „Nomenclator rerum fossilium,
quae in Misnia praecipue et in aliis regionibus inveniuntur“ veröffentlicht.
(Nach der Allg. deutschen Biographie.) Die Ausgabe, die 1565 von Gesner
besorgt worden ist, und die Verfasser allein auffinden konnte*), ist ein
so bezeichnendes Schriftstück für den damaligen Stand der Systematik,
die mineralogischen Fachausdrücke, dass es vielleicht nicht ganz ohne
Interesse ist, hier einen Auszug — soweit sächsische Fundorte in Frage
kommen — wörtlich einzuschalten.
Sächsische Mineralien nnd (lesteine nach dem Catalogus
Jo. Kentmani von 1565.
Terrarum genera.
Terrae.
Subcinerea spissa Vualdenburgica, ex qua fiunt vasa, nullos liquores
sorbentia. Waldenburgisch erdtrich / darauss gefesse werden / die
scheidtwasser wie das Venedische glass halten.
Cinerea Annebergia, cum rubrica fabrili mixta. Ein graw erdtrich mit
berckrötel vermischt.
Ilubea mollis scissilis Vualdenburgica. Schöne rothe schiffrichte erde/
dem quecksilber ertz nit ungleich.
Lapidosa rubea Rochlicensis. Roth steinicht erdtrich / darmit das
steinmarck bricht.
Aluminosa Misnensis, colore vario, sed ochrae et ferruginis praecipue.
Haec foditur Heluigisdorfi prope Vuillansdorfium duobus supra
Misenam miliaribus et Burgi prope Dipoldisualdum miliaribus ab
eadem urbe quatuor. Alaun erdtrich.
Sulphurea Radebergiana. Schwefel erdtrich.
Carbonaria, e cespitibus Belgica et Misnensis, qua carbonum vice
utuntur. Durff / Dorpte.
Argillae.
Cinerea Misnensis. Schön graw Meisnischer Than.
’ Candida Annebergia.
*) Joh Kentmani Dresdensis medici nomenclaturae rerum fossilium, quae in
Misnia praecipue et in aliis quoque regionibus inveniuntur. Erster Theil des Sammel-
werkes: Re omni rerum fossilium genere, gemmis, lapidibus, metallis et hujus modi,
dibri aliquot, plerique nunc primum editi. Opera Conradi Gesneri. Tiguri, execudebat
Jacobus Gesnerus 1565.
70
Cinera Misnensis prope Risam ad Albim. Lieclitgrawer Than von Riss.
Lutea Misnensis. Schön gelber Than.
Fulva Annebergia in Pila monte. Gelber Than.
Rubricae fabrili similis e pago Ocrolla.
Marga.
Cinerea mediocris, quae reperitur inter Dresdam et Misenam. Liecht
aschenfarber mergel.
Fulva crustacea Radebergensis, quae reperitur in terra arenosa aurum
in se continens. Geier schirblichter Goldmergel.
Medulla.
Candida et fluida saxorum Rochlicensium.
Lutea geodi inclusa, ochrae non dissimilis, quae circa Francobergam
in Misnia cum lithanthrace reperitur. Gelb steinmarck in holen-
steinen.
Rubra mollis; incandida rubra saxorum Rochlicensium.
Picea saxorum Pirnensium. Schwarz steinmarck / Bech gleich.
Viridis saxorum Chemnicensium supra Hilbersdorfium.
Bolus.
Annebergius. Gebingescher bolus.
Creta.
Lutea mollis Vualdenburgica etc.
Ochra.
Innata ferri lapidibus, effossa Francobergi ad Tschopam amnem.
Innata et annata lapidi plumbario, Fribergensis. Freibergisch ochra.
Sncci nativi.
Alumen.
Misnense, quod foditur in villis Heruigisdorfo et Burgo.
Atramentum,
Radebergense, cum sulfure mixtum. Radebergisch kupfferwasser mit
schwebel vermischt.
Chrysocolla.
Nativa Snebergensis in Misnia, in lapide metallico aerario. Berckgrün
in einem kuplferertz.
Coeruleum.
Nativum insigne glebosum Snebergense, intus concavum. Schön blaw
lasur kuglen / die inwendig hol / und in einer weissen grisslechten
erden gefunden werden.
Nativum Gishubelianum in pyrite. Ein bercklasur in einem gar
schönen kupffer kiess / darauss täglich ein grawe färb wechsst.
Pyrites Radebergensis, ex quo misy, melanteria et atramentum tenue
album distincte efflorescunt.
Pyrites Fribergius, cum sterili plumbagine ex qua s ul für educitur: qui
foditur copiose ad Albim Scharfenbergi.
8ucci pingues.
Carbon es bituminosi, molles et fissiles qui non procul a Dresda effodiuntur.
Weiche steinkolen.
71
Lapides.
Magnes spissus ferrei coloris mas, Misnensis, fossus Suarceburgi, prope
Snebergum. Ein Schwartzburgischer magnet. etc.
Haematites ferri coloris glebosus, Misnensis prope Zeblicium. Ein eisen-
farbner blutstein.
Schisti nodus, Annebergicus. Ein glasskopff / damit die Goldtscbmidt
das Gold gletten / oder polieren.
Terra rubra rubricae fabrili similis, in qua terra in Misnia schistos
reperitur. Ein roth erde / gleich einem bergrötel / darinn der
schiffrichte blutstein bricht.
Magnetis, Minensis in candido viridis, scissilis.
Glebosa, in qua rnulti lapilli, duri, rotundi, ponderosi insunt, carbun-
culis impuris similes. Ein schön silberweiss / darinn rothe stein-
lein / unreinen Granaten nicht ungleich.
Mica Mariebergica argentei coloris, glebosa, in crustis silicis. Stuckicht
katzensilber in schirblichtem Hornstein.
Aetites Motteschanus. Adlerstein von Motschen / darinn weisse durch-
sichtige viereckichte flösse / den demut punckten gleich wachsen.
Gaeodes Chemnicensis, subfusci coloris. Ein eisenfarbner stein /darinn
gelbe erde.
Cos aquaria Zebliciana, qua levigant pocula, quae fasciunt ex ophite.
Ein Zeblitzer Wetzstein.
Stelechites, qui speciem stipitis habet, prope Misenam in argilla reperitur.
Stockstein so in einem Thane bey Meissen gefunden wirt.
Lapis subflavus, levis, instar tophi, qui fistulas grandes habet arena
plenas, qui foditur ßabschicij supra Misenam.
Lapis Zeblicianus niger durissimus, in quo plurimi granati.
Tophus Candidus flstulosus Misenus. Ein rörichter Topstein.
Candidus Misenus Kabschicius, ex quo calx uritur.
Candidus Misenus, in quo folia quercus et alni sunt impressa.
Fluores candidi, pellucidi, sexanguli, forma tignierecti, ut Bisaltes Misenus.
Wie die balcken auffgericht.
In candido purpurantes quadranguli et sexanguli e gaeode Moteschano.
(Ibidem purpurei).
Aldenbergij flavi, intus albi, foris crocei, colore tincti aqua metallica.
(Ibidem sanguinei).
Silex Mariebergius metallicus, candidus, cum mica candida.
In Trebisa fluvio inventus, fluores candidos in se continens. Auss
der Tribisch ein kissling / darauff weisse unnd braune flösse stehn.
Coeruleus, in quo ductus linearum, quae formam Theatri referunt,
inventus in agro circa Misenam.
Crystallus e monte arcis Cribensteiniae in Misnia effossae. So licht unnd
schön / wie ein lauter brunnwasser.
Amethystus Misnica, quae Vuolchensteini e fodina quae ex amethysto
nomen invenit, eruitur. Ein Meissnischer Ametist / der in bergen
bricht.
Quae in Misnia in rivis, ut prope Stolpenam et in fluvio Trebisa prope
Misenam reperitur.
Quadrangula et sexangula in geode Moteschano. Braune spitzige / vier
und sechseckichte Ametisten.
72
Carbunculus Misenus qui in rivo supra Hoensteinam reperitur. Ein
Meissnischer Granat.
Zeblicius, qui effoditur e colle opposito lapidicinae ex qua ophites
eruitur et qui in vicino rivo copiosissime invenitur.
Jaspis borea Strigensis, in coeruleo albicans. Türckiss.
' Corensis, ex Misnia, sanguineo colore rubeus. Ein schöner rother
Jaspis / so zu Goren in Meissen bricht.
Marmor candidum Annebergium," in metallis repertum. Annebergisch
marmel oder spat in einem glantz.
Cinereum Zeblicium, quod incolae serpentinum nominant, cum venis
et punctis candidis, flavis et nigris. Serpentin.
Rochlicianum, cum luteis maculis.
Nigrum Annebergicum.
Stolpense, ferreo colore et duricie, hoc Bisalten nominat Agricola:
nos Basalten. Stolpischer stein.
Saxa.
Saxa arenaria Pirnensia. Weisser Pirnischer Sandstein.
Lutea Fribergia.
Rubra Rochlicia.
Calcaria. Saxa candida Pirnensia.
Coeruleum Pirnense (cinereum).
Saxum nigrum, granatos in se continens. Effoditur Zeblicij juxta
ophitem, interjecto inter utriusque venas fluviolo.
Rubro colore tinctum saxum ab humore metallico, non procul a Fribergo
nascens, in qua vena nascuntur stibi et schistos.
Ligna in saxa. Rami, folia, cortices etc, immissa piscinae prope Schelle-
bergam arcem in Misnia, in saxa corporantur.
Arenae.
Arena fossilis, tenuis et candida, Misenae in charadris versus occasum.
Schöner weisser saiidt.
In tophis Misnensibus.
Metallica, ex qua lavatur aurum in Albim. Goldtschlich.
Metallica Misnensis, in pago a piscatoribus dicto, prope Leisnicium.
Misnensis in rivo prope Schellebergiam arcem, in ipsa sylva.
Auruiii.
A. purum, ignem non expertum, quäle in Albi et in multis rivis Misenae
lavatur. Gedigen/ gewaschen Goldt/gewasche Goldflitzchen / Goldt-
körner / geseifft Goldt.
Lapilli qui reperiuntur in rivis circa arcem Honsteinam, e quibiis aurum
excoquitur, Goldtkörner.
Auri ramenta gravia ibidem inventa. Gedigen gesteifft Goldt.
Argentum.
Argentum rüde candidum, gleobosum, Schnebergium. Paurertz / schnee-
weiss gedigen silber / dicht silber.
Annebergium candidum in marmore metallico candidissimo. Ein stüflein
gedigen silber in weissem spadt.
73
Mariebergium in cadmia metallica subcinerea fluida. In einem grawen
flüssigen kobelt.
Annebergium candidum capillare, rüde, rubrum, pellucidum: item rüde
plumbei coloris in uno lapide distincte conjunctum. Ein handt-
stein darinn häriclit silber / durchsichtig roth gülden ertz / und glass
ertz zugleych underschiedlich. etc.
Cornu pellucido simile, Mariebergium: candelae admotum liquescit. Ein
durchsichtig hornfarbs gedigen silber / das am lichte verschmiltzt.
Aes seu Cuprum,
Aes sui coloris Gishubelianum, adherens instar bractearum lapidi duro
coloris spadicei. Angeflogen gedigen kupffer.
Fribergium, annatum plumbo.
Cadmia metallica.
Cadmia metallica foditur in venis Bohemiae et Misniae magna copia: quam
nostri metallici cobaltum nominant, ut et genus quoddam daemonis
metallici, Cobaltum: quae voces quam notionem habeant, hujus
laboris non est investigare aut expendere.
Fossa Sonnebirbilij prope Valles, plena sulfure, quae accensa ardet.
Kobelt der brennet.
Plumbago.
Fribergia variis et diversis coloribus tincta, iridem repraesentans. Ein glantz
der mancherley von färben / sicht wie ein schöner rägenbogen.
Plumbago sterilis flava nitens Scharfenbergia prope Misenam. Licht gelbe
blende.
Fyrites.
Glebosus, in terra arenosa candida dura, repertus Mariebergi. Ein weisser
wasserkiess in einem harten sandtichten erdtrich.
Friburgius, cum plumbagine mixtus.
Mariebergius e portiunculis corapositus tessellatis, plumbo nativo similis.
Einem gedignen wissmut gleich.
Annebergius, angularis in pyrite candido. Ein eckichter goldt gelber kupffer-
kiess / in einem wasserkiess.
Gishubelianus, in quo chrysocolla nativa. Darinn ein berckgrün.
Gishubelianus, in quo plumbago sterilis, pici similis. Darinn ein bechblende.
Annebergius in saxo candido, qui facillime igne liquescit. Ein weisser
flockquertze.
Glebosus Radebergius, ex quo sulfur excoquitur. Darauss man schwebel
sendet.
Venenatus, qui plumbi candidi venis adjungitur Eberndorfl. Ein gifftiger
kiess. Vom wasser darinn man in weschet/oder das dardurch
oder darüber fleusst / stirbt alles was darvon trinckt.
Plumbum candidum.
Lapilli Altenbergij candidis fluoribus pellucidis similes. Weisse zingraupen.
Yirides prope Schreckenbergum in aquis reperti. Grawe zingraupen /so
man auff dem Schreckenberge wascht.
Candidi prope Schnebergum in rivis inventi. Weisse geseiffte zingraupen.
74
Lapis plumbarius Annebergius, qui malleo fractus, argillae fit similis: unde
catilli conficiuntur, sed non apti ad metalla propter mixtionem
plumbi albi, quod lapis in se continet. Das ertz wirt darinn nicht
flüssig / unnd calciniert sich zum theil / von wägen des zins so
darinnen.
Plumbum einer eum.
Aldebergium in lapide cinereo duro. Ein wissmut in einem grawen stein.
Glebosum Schnebergense, in lapide nigro friabili. Stuckweiss in einem
mürben stein.
Stibi.
Nascens juxta schiston lapidem prope Friburgum in Misnia. spiessglass.
Ferrum.
Vena ferri Gishubeliana jecoris colore, solida, dura, ponderosa.
Inter Hoenicham oppidum et Veterocellam, in pago Caldofano, e puteo effossa.
Inter Francobergam et Chemnicium e puteo effossa, quae intus ochram
continet.
In directen persönlichen Beziehungen zu den sächsischen Mineralogen
der Blüthezeit stand auch Conrad Gesner. Dieser berühmte schweizer
Polyhistor (geb. 1516 in Zürich), der erst Theolog, dann Mediciner, dann
Naturforscher, 'insbesondere Zoolog war, wandte sich in seinen letzten
Lebensjahren auch der Mineralogie und Petrefactenkunde zu, vielleicht
angeregt durch Agricola’s Schriften. In seinem Todesjahre 1565 erschien
von ihm jenes bereits genannte mineralogische Sammelwerk, das ausser
Kentmann’s Catalog, des Fabricius Schrift und mehreren kleineren Aufsätzen
verschiedener Autoren auch eine selbstverfasste Arbeit Gesner’s*) enthält.
Trotz des darin angewandten rein äusserlichen Systems, trotz der ver-
hältnissmässig geringen eigenen Forschungsresultate ist uns diese Schrift
doch in mancher Beziehung von Interesse. Einestheils veranschaulichen
uns die zahlreichen Abbildungen manchen Kunstausdruck jener Zeit, der
heute verschollen ist. Anderentheils beruft sich Gesner häufig auf briefliche
Mittheilungen Kenntmann’s, durch den er mit sächsischen Funden bekannt
wurde. Vor Allem finden wir einen hier zum ersten Male veröffentlichten
ausführlichen Brief Kentmann’s über den Basalt von Stolpen.
Mit Gesner ist das Capitel von den selbstthätig schaffenden Mineralogen
der ersten Blüthezeit abgeschlossen und es folgt eine Periode, in der im
Wesentlichen die gewonnenen Ergebnisse compilirt und popularisirt, aber
wenig durch neue Resultate bereichert werden.
Die Compilatoren der ersten Periode.
Schon ein Zeitgenosse Agricola’s, Christoph Encelius**) ist nur ein
Abschreiber und Verschlechterer, der für uns um so weniger bietet, als er
sächsische Gegenden wenig aus eigener Anschauung kennt.
*) Conradi Gesneri De rerum fossilium, lapidum et gemmarum maxime, figuris
et similitudinibus Liber: non solium Medicis, sed omnibus rerum Naturae ac Philologiae
studiosis, utilis et jucundus futurus. Tiguri 1565.
**) Christoph Encelius (Salfeld): De re metallica, hoc est, de origine, varietate
et natura corporum metallicarum , lapidum, gemmarum atque aliarum, quae ex fodinis
eruuntur, rerum, ad Medicinae usum deseruentium. Libri III. Francof. apud Haered.
Christiani Egenolphi 1557.
75
Am meisten wirkten Agricola’s Lehren im Erzgebirge nach, und hier
begegnen wir vor Allem einem Geistlichen, der sich grosse Verdienste um
die Popularisirung der Mineralogie gemacht hat: Johannes Mathe sius
(geh. 1504 in ßochlitz, gest. 1565). Dieser Bergprediger von Joachimsthal,
der begeisterte Schüler und Biograph Luther’s, pflegte seinen Pfarrkindern
von Zeit zu Zeit eine belehrende Predigt über Dinge aus der Bergwissen-
schaft zu halten, und so entstand 1562 seine ,, Sarepta“*) als eine Predigt-
sammlung über Mineralogie und Bergbau. Diese ,, Bergpostille“ mit ihren
siebzehn Festreden bietet ein merkwürdiges Gemisch von sprachlichen und
kirchengeschichtlichen Erörterungen über die Namen und Erze und ihre
Verwendung im Alterthum, von bergmännischem Erfahrungswissen und
religiösen Ermahnungen. Dabei hat der Verfasser eine köstlich naive Art,
die Naturvorgänge zu erklären und seinen Zuhörern durch drastische
Vergleiche nahe zu bringen. Soviel er auch später als sächsischer
Mineralienkenner citirt wird, seine Angaben sind meist nicht original,
sondern in einem der früher genannten Werke enthalten. Vom Spiessglas
oder gifftigen Kiess sagt er: „Er sieht dem Wolfrumb ähnlich; der Bauch
und stanck darvon verderbet Laub, Gras, lloppen und getreide und das
Wasser, so von den lautertrögen und henden feilet, ist sehr vergifftet“.
(Also ist hier Arsen gemeint.) „Der Mispütl oder Mispickel, welchen etliche
Katzensilber nennen, ist weisslich und glintzert im Zwitter“. Philologisch
interessant ist vielleicht eine Bemerkung vom sächsischen Zinnbergbau;
er sagt dort (S. 100): ,,Zwitter gewinnt man mit Schlegel und eisen, wo ein
Zechstein ist, da es aber fest und gn eisig wird, muss man setzen, und
das gestein mit fewer heben“. Diese Stelle macht uns zweifeln an der Meinung,
dass das Wort Gneiss von Gnoischtsche = faul, mistig herkommt**).
Der bekannteste und gründlichste Compilator jener Zeit ist aber
unbedingt Petrus Albinus (geboren 1534 in Schneeberg, 1578 — 1591
Professor der Poesie in Wittenberg, gestorben 1598 als Secretarius und
Registrator in Dresden). Seine Meissnische Landchronica***) macht uns
zunächst mit der Topographie und Geschichte des Landes bekannt und ist
in Folge dessen eine sehr brauchbare Quelle für Geographen und Historiker.
Seine Bergchronicaf) stützt sich auf alle bisher von uns genannten
*) Sarepta Darinn von alleiiey Bergwerck und Metallen, Was jr eygenschafft
und natur, und wie sie zu nutz und gut gemacht, guter bericht gegeben. Mit tröstlicher
und lehrhaffter erklerung aller sprach, so in heiliger Schrift von Metall reden, Und wie
der Heilig Geist inn Metallen und Bergarbeit die Artickel unsers Christlichen glaubens
fürgebildet. Sampt der Jochimsthalischeii kurtzen Chroniken durch M. Johann
Mathesium, Pfarrer in S. Joachimsthal selber für seinem seligen ende verfertigt.
Nürnberg, Dietrich Gerlach 1571. (Ist eine der vielen späteren Auflagen!)
**) E. Kalkowsky: Die Gneissformation des Eulengebirges. 1878.
***) Meissüische Land- und Berg-Chronica, In welcher ein vollstendige description
des Landes, so zwischen der Elbe, Sala und Südödischen Behmischen gebirgen gelegen,
sowohl der darinnen begriffenen auch anderen Bergwercken, sampt zugehörigen Metall
un Metallarbeschreibungen. Gest eilet durch Petrum Albinum, Dresden 1589.
f) Unter dem Sondertitel Meissnische Bergchronica: Darinnen fürnemlich von
den Bergwercken des Landes zu Meissen gehandelt wirdt, wie dieselben nacheinander
auff körnen. Mit welcher Ursach und gelegenheit auch anderer benachbarten / und zum
theil abgelegenen Bergwercken, fast in gantz Europa, etwas gedacht wird, damit man
sehe, wie die Bergkwerge nach einander belegt worden. Und entlieh von allen Metallen
und Metaliarien, das ist: denjenigen Erdgewechsen, welche man zu den Metalls zu rechnen
pfleget, welche im Lande zu Meyssen gefunden werden. Geschrieben durch Petrum
Albinum. Drefsden 1590.
*
76
Autoren; ja er nennt uns ausserdem noch Basilius Wefring, den Zeichner
Agricola’s, sowie Lorentz B ermann und Hans Hübsch (Grossvater des
Alhinus) als Gehülfen desselben. Sein Mineralverzeichniss dient in den
nächsten zwei Jahrhunderten meist als Hauptquelle, und viele Schriftsteller,
die Agricola citiren, kennen ihn wahrscheinlich nur aus der Bergchronica.
Von Mathesius erzählt Albinus, dass Derselbe einen Kobaltscherben gehabt
habe, ,,der wie ein Hirnschall von aussen gesehen, inwendig viel Gellen und
Kämmerlein gehabt, wie ein Menschenheubt, und weil sie vom Quecksilber
lauter Gifft gewesen, ist alles gestorben, was draus gedruncken“. Er sagt
dann weiter: ,,Dies Metall ist in Meissen sehr gemein. Im Thal (Joachims-
thal) haben Kobaltstuffen gebrochen, wenn man sie zerpocht und zerschlagen,
ist sichtiger und gifftiger Bauch daraus gefahren, gleich wie so man ein
gros unssletliecht ausleschet“. Unter anderen uns bereits bekannten Vor-
kommnissen erwähnt er auch den Schneckenstein (Strombites) und Tophus
von Rabschitz im Triebischthal, Jaspis von Langenlungwitz, Liebethaler
Mühlstein, Crystall von Freiberg, Amethyst von Wolkenstein und aus dem
Triebischthal, Chrysolith von Zwickau, Reichenbach, Chemnitz, Langen-
lungwitz, Schellenberg.
Kur der Curiosität halber sei hier noch ein Werk eingeschaltet, das
das Erzgebirge, in der Hauptsache aber böhmische Funde als Grundlage
hat: Meyer ’s*) Bergwerks Geschöpft. Der Verfasser schreibt in einem
salbungsvollen, schwülstigen, oft kaum verständlichen Stil, behandelt die
Metalle, die alle durch ,, Vermischung von Schwefel und Quecksilbersalz
entstehen“ und erwähnt unter den Erzen Glassköpffe, speisigen Blutstein,
Braunstein, Eisenschörll u. a., ohne nähere Fundorte anzugeben. Dass wir
ein Schlusscapitel „Vom Glassmachen“ finden, genau wie bei Agricola und
Mathesius, lässt die Vermuthung aufkommen, dass er ebenfalls diese
Quellen benutzt hat.
Mit den genannten Autoren können wir das erste Hauptcapitel der
sächsischen Landesdurchforschung abschliessen. Keferstein führt in seiner
Geschichte der Geologie noch Caspar Bruschius als Beschreiber des
sächsischen Erzgebirges und des Fichtelgebirges an, und auch Schurtz
citirt diesen Autor. Brusch (geboren 1518 in Schlackenwalde, ermordet
1559) war ein weitgereister, vielseitiger Mensch, der bald als Hofpoet, als
Schulmeister oder Pfarrer thätig war, meist aber sich auf ausgedehnten
Fussreisen befand. Im Jahre 1542 gab er ein kleines Werk über den
,, Vichteiberg“ (= Fichtelgebirge) heraus, in dem auch das Egerthal behandelt
wird. Eine Beschreibung der drei anderen Thäler, die im Fichtelgebirge
entspringen, sollte später erfolgen; doch ist der Plan nicht ausgeführt
worden, üeber das Erzgebirge enthält das Buch in seiner ersten — heute
höchst seltenen — Auflage**) nichts als eine Laufbeschreibung der Zwota.
*) Berg'wercks Geschöpff und wunderbare Eigenschafft der Metalsfrüchte. Darinnen
gründl. bericht der Gebirge, Gestein, Genge und derselben anhengenden safften, krefften
und wirckung, als an Gold, Silber, Kupffer, Zinn, Bley, Quecksilber, Eisen und andern
Mineralien. Auch wie die Edlen Gestein, so wol die Metals arten geferbet, erkand und
mit Gottes Wort verglichen werden. Durch Georg Meyern. 1595.
**) Des Vichteibergs, in der alten Kariscenland gelegen, aus welchem vier schiffreiche
Wasser, der Mein, die Eger, die Nab und Saal, entspringen, gründtliche Beschreibung.
Darinnen vil alter Historien erkleret werden. Item ein klare Beschreibung des Flusses
Eger, und aller inflissenden wassern und anstossenden Flecken etc. In druck verfertigt
durch Gaspar Bruschen, von Keys. May. coronirten Poeten. Wittenberg 1542. („über
rarissimus“ der K. Bibi, zu Dresden.)
77
Alles, was spätere Ausgaben*) über den Bergbau in der Nähe von
Schlackenwalde und am Krzgebirgskamm erzählen, beruht auf Zusätzen
des Herausgebers Zacharias Theobald, der seinerseits wieder Mathesius
benutzt hat. Auf solchen vermehrten Auflagen fussen wohl auch die Citate
der beiden genannten Forscher**).
Das 17. Jahrhundert, das Keferstein in geognostischer Beziehung
das sammelnde nennt, ist für Sachsen ungemein ergebnissarm. Das lebendige
Interesse an der mineralogischen Wissenschaft schwand dahin; der Berg-
bau der damaligen Zeit hatte kein Bedürfniss nach tieferem Eindringen;
die Wirren der Kriegsjahre Hessen selbst das bereits Erworbene vielfach
in Vergessenheit gerathen; Aberglaube und kritikloses Nachbeten trat an
die Stelle der ernsteren Forschung. Und doch erfordert es das Verständniss
der künftigen Perioden, auch den leisen Ansätzen zu mineralogischen
Studien in diesem traurigen Jahrhundert nachzuspüren.
Die Deognosie im Dienste der Renaissance -Baukunst.
Es mögen zunächst einige Männer genannt werden, die wenigstens
ex officio sich mit den sächsischen Gesteinen beschäftigten und zwar zu
dem alleinigen Zwecke, Bausteine, insbesondere Marmorarten aufzusuchen,
um innerhalb der Landesgrenzen Ersatz für die theuren italienischen
Materialien zu haben, die der anspruchsvollere Benaissancestil erheischte.
Der Erste dieser Männer, der bereits ein Zeitgenosse des Albinus war,
heisst Nosseni. Johann Maria Nosseni***) wurde am 1. Mai 1544 in
Lugano geboren. 1575 finden wir ihn als kursächsischen Bildhauer und
Maler in Dresden. Er sollte nach seiner Anstellungsurkunde sich „zu
allerlei Kunstarbeit mit Bildhauen, Malen und Conterfeyen, steinen Tisch,
Credenz von Alabaster, Ordinanz von Gebäuden, Invention von Triumphen,
Mummereien u. dergl. gebrauchen lassen, die Steine dazu in unsern
Landen ausforschen, eröffnen etc.“ Er verwandte zunächst meist den
schon bekannten Alabaster und Serpentin, bekam aber oft den erneuten Be-
fehl ,,nach Marmor und andern fremden Steinen in den Kurf. Landen zu
forschen“. Ein Gesuch vom 24. Mai 1580, einen anderen Steinschleifer zum
Aufsuchen und Schleifen von Jaspis, Achat, Amethyst und anderen Halb-
edelsteinen in landesherrliche Dienste zu nehmen, wurde abgelehnt mit
dem Hinweise, dass es Nosseni’s eigne Pflicht sei, dies zu verrichten. So
*) Griindtliche Beschreibung des Fichtelberges . Besonders auch des Schlacken-
walderischen Zienhergkwerks, welches die Hueh genennet wird, wie dasselbe jtziger Zeit
zufinden. Neben Vermeidung was der Schwaden sey, so die Bergleute ersticket. Auf
ein newes übersehen und mit einem nützlichen Eegister vermehrt durch M. Zach ariam
Theobai dum Juniorem. Wittenbergk 1612.
**) Aus dem; 16. Jahrh. sei noch genannt Christian Person; Kurtzer Bericht
von der Natur und Eigenschafft des Kochlitzer Steinmarks, und wie dasselbe in der
Artzney nützlich zu gebrauchen. Wittenberg 1596.
***) Beiträge zur Kunstgeschichte Sachsens im 16. Jahrh. Nach archivalischen
Quellen von Dr. Julius Schmidt: Johann Maria Nosseni, Hof bildhauer und Architekt
unter Kurfürst August Christian I und II., und Job. Georg I. Archiv für die Sachs.
Gesch. Herausgeg. v. Dr. K. v. Weber. 11. Band, 1873.
Victor Hantzsch: Beiträge zur älteren Geschichte der kurfürstlichen Kunstkammer
zu Dresden. Neues Archiv f. Sachs. Geschichte und Altertumskunde. Herausgeg. von
Dr. H. Ermisch. 23. Band, 1902.
Eine monographische Arbeit über Nosseni ist demnächst zu erwarten.
78
ging er denn selbst auf Reisen. Seine erste ,, Entdeckung“ war der Marmor-
bruch bei Lenge feldi.E.(= Dolomit). 1586 — 87 fand er schwarzen Marmor bei
Kalkgrüna, rothen bei Wildenfels und vorzüglichen weissen bei Crottendorf.
Als im Jahre 1587 ein Catalog der vom Kurfürsten Vater August gegründeten
Kunstkammer aufgestellt wurde, befand sich darin auch eine von Nosseni
zusammengebracbte Marmorsuite von 32 verschiedenen sächsischen Gesteins-
arten erwähnt: Serpentin von Zöblitz, buntfarbiger Schiefer von Plaunitz
(Niederplanitz), ein braunes, tafelförmig brechendes Gestein aus dem
Werdischen Walde, rother Marmor mit weissen Punkten und ein grüner,
roth gefleckter Stein von Wildenfels, andere grüne Gesteine von Oederan
und aus der Gegend von Chemnitz, schwarzer Basalt von Stolpen, vom
Bielberg bei Annaberg und vom Schneeberge bei Grünau, Marmor von
Waldheim, Maxen und Burgk bei Dresden, marmorartige Wackensteine
von Wolkenstein, Schwarzenberg und Harzdorf, ein schön geschichtetes
Gestein von Ebersdorf, Amethyst von Warmbad, rothe Steine, zum Theil
mit weissen Punkten, von Saalhausen unfern Dresden, ein harter flÖtzweise
brechender Stein aus Pennrich, ein feiner weisser Stein von Besseritz
(Pesterwitz?) bei Dresden, Jaspis von Langenlungwitz.
Das 1595 erneuerte Inventarium fügt als neu hinzugekommen noch
an: weissen Marmor von Crottendorf, Lengenfeld im Amt Wolkenstein,
vom Fürstenberge im Amt Grünhain, bunten Stein mit schwarzen Adern
aus dem Walde bei Rochlitz, schwarzen mit weissen Adern von Grüna
(Grünau) im Amt Grünhain, Serpentin aus dem Amt Lauterstein. Wir
finden die Sammlung, die wir als Grundstock des K. Mineralogischen
Museums zu Dresden mit einiger Ehrfurcht betrachten müssen, noch 1640
erwähnt. Wohin sie bei der Vertheilung der Gegenstände an die Eiiizel-
museen gekommen ist, liess sich nicht mit Sicherheit ermitteln. Der grosse
Catalog des Naturaliencabinets von Eilenburg führt Nosseni nicht an,
ebensowenig die Beschreibung der Naturalienkammer in den Miscell. Sax.* **))
und ein französischer Führer *'^) vom Jahre 1755. Der sehr sorgfältige
handschriftliche Catalog Gössel’s führt zwar Marmorarten von Wildenfels etc.
auf, ohne den Sammler zu nennen. Aber da die alten Etiketten nicht mehr
vorhanden sind, dürfte es schwierig sein, die Stücke selbst zu identificiren.
Nosseni’s Verdienst um die geognostische Erforschung Sachsens ist
übrigens wesentlich geringer, als es nach obiger Aufzählung scheinen
könnte. Zwar sagt er in seiner selbstgefertigten Inschrift an der Be-
gräbnisskapelle des Freiberger Doms: ,,auch die Materia und Steine habe
ich erstlichen in diesem Lande ausgeschürfft, erfunden und auspoliret“.
Aber die meisten Fundorte waren schon vor ihm als Kalkbrüche längst
in Betrieb. Der Schwerpunkt seiner Verdienste liegt darin, dass er die
Verwerthung der Gesteine zu Sculptur und Architectur lehrte und dass
er diejenigen Partien und Bänke aufsuchte, die für seine Zwecke am
geeignetsten erschienen. Da er in späteren Jahren ein Monopol auf Ge-
winnung und Verarbeitung sächsischer Marmor- und Alabasterarten hatte,
lag es in seinem eigenen Interesse, die Fundpunkte zu vermehren. Nosseni
*) Miscellanea Saxonica. Darinnen allerhand zur Sachs. Historie behörige Ur-
kunden, Privilegia etc. mitgetheilet werden. Dresden, Georg Roch 1767.
In der 2. Hälfte dieser Zeitschrift (1768) ist auch ein Aufsatz ,,Von der Erfindung
einiger in Sachsen vorhandener Marmorbrüche“, in dem Nosseni erwähnt wird.
**) Description du Cabinet Roial de Dresde touchant L’Histoire naturelle. A Dresde
et a Leipsic ches George Conrad Walther, 1755.
79
war in erster Linie Arcliitect und Künstler; ein rein wissenschaftliches
Interesse an den Gesteinen lag ihm ebenso fern, wie seinem Auftraggeber
Vater August. Wenn Geinitz*) die Meinung vertritt, Kurfürst August
habe, angeregt durch die Lectüre Agricola’s, Mineralogie getrieben und
Nosseni mit der Anlage einer Mineraliensammlung beauftragt, so beruht
dies wohl auf einem Irrthum. Geinitz nennt noch einen zweiten derartigen
,, Sammler“, David Hirschfelder. Es konnte über diesen nichts Näheres
gefunden werden. Vielleicht liegt hier eine Namensverwechselung mit einem
Steinmetzen Hirschberg vor.
Nach Nosseni’s Tode (1620 — er ist beigesetzt in der dresdner
Sophienkirche — ) unterblieben ähnliche Arbeiten. Ja, bereits gewonnene
Blöcke und angefangene Sculpturen blieben unbeachtet liegen, bis endlich
Kurfürst Johann Georg die Absicht äusserte, selbst diese alten Steinbrüche
zu besuchen. Er beauftragte zunächst den Oberlandbaumeister Wolf
Caspar Klengel, Nachforschungen nach den aufgelassenen Brüchen an-
zustellen und weiter zu fahnden, wo vielleicht dergleichen Gestein zu finden
sei. Klengel entledigte sich dieser Aufgabe, indem er selbst im Lande
umherreiste. Den schriftlichen Bericht über seine Re visionsreise besitzt
die K. Bibliothek zu Dresden**). Darin sind die aufgefundenen Orte
ämterweise aufgezählt. Wir finden z. B.: Zöblitzer und Lengenfelder
Granaten, Amethysten beim Bad unsrer lieben Frau auf dem Sand, beim
Rittergut Falkenbach, grüne ,, Flüsse“ vom Wildsberg bei Annaberg, grauen
Marmor von Langefeldt, der bis dahin zum Kalkbrennen gebraucht worden
ist, Crottendorfischen Marmor ,,von solcher perfection, dass er dem
schönsten aus Gracien undt Archipelagischen Inseln nichts bevor geben
wird“. Zwischen Elterlein und Grünhayn werden „weisse Kiesswacken“
erwähnt. In Gruna (Amt Grünhayn) traf Klengel einen Ortsrichter Namens
David Blühr, der noch Nosseni persönlich gekannt hatte und der ihm die
damals betriebenen zahlreichen Brüche der Umgebung zeigte.
Aus einem weiteren Bericht erfahren wir über den Verkauf der liegen-
gebliebenen Marmorstücke und die Neueinstellung von Arbeitern in Crotten-
dorf. Bei einer späteren Gelegenheit theilt er dem Kurfürsten nochmals
,,Observationes auff einer Obererzgebürgischen Reise“ mit. Darin wird
unter Anderem Folgendes erwähnt: weisse Kiessei zwischen Freiberg und
Marienberg, rother Hornstein von Annaberg, meergrüne und weisse Quarzen
auf Scheibenberger Revier, Jaspis von Eibenstock, Carniol von Zwickau,
rother Schiefer von Wolkenstein. ,,Auf dem Wege nach Eibenstock beim
Forsthause ohngefehr 1 Stunde von Schneeberg ist ein eingefallener To-
pasenbruch.“ Sogar Lapis Nephriticus befindet sich nach Aussage Christ.
Gerhardt’s „zum Eibenstock“.
Die Chronisten des 17. Jahrhunderts.
Der dreissigjährige Krieg hatte vollends alle wissenschaftlichen Re-
gungen versumpfen lassen; wir suchen deshalb vergebens nach minera-
logischen Veröffentlichungen von irgend welchem Werthe. Die Einzigen,
*) Das König’l. Mineralogische Museum zu Dresden. 1858.
**) Revision derer Edelgestein- und Marmorbrüche, So auff S. Churf. Durch!.
Johann Georg des Andern Befehl geschehen. Im Jahr Christi 1659 und die Relation
Sey Churf. Durchl. am 8. Novemhris selbigen Jahres überreichet worden von W. C. Kl.
0. L. B. Mscr. Dresd. a. 22b.
80
die zu retten suchten, was noch von dem geistigen Besitze besserer Zeiten
übrig war, die Chronisten, sind in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
die Erhalter mineralogischer Wissensschätze. Andreas Möller*), der
Freiberger Historiker, schöpft aus Agricola. Christian Meitzer, der
Pfarrer und Chronist von Schneeberg giebt eine besondere Dissertation**)
über den Bergbau im Erzgebirge heraus. Das Buch enthält in gedrängter
Kürze eine Beschreibung der Bergwerke, ihre Geschichte, Einrichtungen,
Instrumente, Arbeiten, Aufbereitung der Erze, Berggerechtigkeiten u. A.
Bei Allem kommt es ihm weniger auf ausführliche Erklärung, als vielmehr
darauf an, möglichst viele Worte und Redewendungen der Bergmanns-
sprache zu gebrauchen und kurz zu verdeutlichen. Seine Hauptquellen
sind Albinus und Mathesius. Unter den tauben Bergarten zählt er auf:
heissgretigen Kobelt, Pech- und lichte Blende, Fraueneiss oder Katzen-
silber, Geneiss, Spadt, Flimme, Qvertz, Klassköpff u. a. „Ertz“ ist nach
ihm, ,,was Metall in sich hält, wmil es die beste und gniesslichste Erde
ist, wie man Ertz Bischöfe hoher und grösser würdet, denn gemeine Ge-
sell-Priester“.
Die Schneeberger Chronik desselben Verfassers***), die allerdings
schon ins nächste Jahrhundert hineinragt, bietet uns ein Capitel „von
mancherley Silber Ertzen, raren Stufen und seltzamen Geschicken anderer
Metallen, wie auch edlen Steinen, so in den Zechen auff und um den
Schneeberg gebrochen“. Auch wichtige Nachrichten über die Ausbeute-
mengen der Bergwerke werden darin gegeben.
Wichtiger noch ist der Scheibenberger Pastor Christian Lehmann.
Derselbe sammelte fleissig, aber kritiklos alle Nachrichten, die er aus dem
Obererzgebirge erlangen konnte, mochten sie sich auf das Land, den Boden,
Pflanzen und Thiere, den Sagenkreis, abergläubische Gebräuche, ünglücks-
fälle oder sonst etwas beziehen. Seine Notizen sollten ,, seinen lieben
Kindern ein Natur-, Welt- und Zeitspiegel sein, in was für rauhem Gebirge
und trübseligen Zeiten sie erzogen wmrden“. Der Verfasser kam nicht
zur Veröffentlichung seiner Sammlung; aber nach seinem Tode im Jahre 1688
wurde letztere von seinem gelehrten Sohne Dr. Christian Lehmann, Super-
intendent in Freiberg, fortgeführt und schliesslich nach dessen Ableben
von einem Schwiegersöhne, dem Rector der Meissner Fürstenschule, Mag.
Theophil Grabner, 1699 herausgegeben |). Hugo Rösch ff) nennt das Buch
die „älteste und ausführlichste Kosmo- und Historiographie des sächsischen
D Theatrum Freihergeiise Chronicum, Beschreibung der alten löblichen Berg-
hauptstadt Freyberg in Meissen. Von Andr. Mollero. 1653.
**) De Hermundurorum Metallurgia Argentaria. Vom Ertzgebürgischen Silberbergk-
werck Dissertatio. Christianus Meitzer. Leipzig, Georgi 1680.
***) Historia Schneebergensis renovata. Das ist: Erneuerte Stadt- und Berg-
Chronica der im Ober-Ertz-Gebürge des belobten Meilsens gelegenen Wohl-löbl. Freyen
Bergstadt Schneeberg v. Christian Meltzern. Schneeberg 1716.
f) Christian Lehmanns Sen. weil. Pastoris zu Scheibenberg Historischer Schau-
platz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meifsnischen Ober-Ertzgebirge , da-
rinnen eine ausführliche Beschreibung dieser gantzen gebirgischen und angräntzenden
Gegend, nach ihrem Lager, Gestalt, Bergen, Thälern, Felfsen etc. etc. enthalten. Weiland
von dem seel. Autore mit grossem Fleiss aus alten Schriften und Documenten, meisten-
theils aber mühsamer eigner Erfahrung zusammengetragen — und durch öffentlichen
Druck aufgethan von den Hinterlassenen Erben. Leipzig 1699.
tf) Hugo Bösch: Christ. Lehmanns Historischer Schauplatz. Ein Quellenbuch
für erzgeb. Heimathskunde und Geschichtsforschung. Wiss. Beil. d. Leipz. Ztg. 1883,
Kr. 26, 27.
81
Hochlandes in deutscher Sprache“. In einem Capitel 5,vom Felsengebirge“
finden wir Sachsens merkwürdigste Felsformen ausführlich beschrieben
und zum Theil auch abgebildet, nämlich 1. die hohen schwarzen und
rauhen Felsen hinter Zöblitz, aus Kiessling und Feldsteinen, 2. das Pfeiler-
gestein vorn am Scheibenberger Hügel, 3. das Greitfensteinische hohe und
grosse wunderlich formirte Felsengesteine. Was Lehmann sonst unter
dem Titel „Von allerhand Steinen“ erzählt, sind Wiederholungen aus den
älteren Autoren. Die „gemeinen Steine“ erklärt er als „zerstickte Fels-
wacken, welche die Sündfluth von hohen Bergen gewaltsam abgerissen
und damit das Land herum besäet hat“. Ihre Kenntniss hält er für sehr
nöthig, weil ,, jetzt befohlen ist, die Häuser von Stein zu machen“. Trotzdem
geht seine eigene Unterscheidungskunst nicht über die allgemeine Phrase
von ,, Bruch- und Schiefersteinen“ hinaus. Blauen Schiefer erwähnt er von
Dittersdorf, „faulen“ von Schlettau. Bei Herold und Ehrenfriedersdorf
giebt es Granatenbergwerke, bei Eibenstock Lapis Lazali.
Am Ende des 17. Jahrhunderts findet sich noch einmal ein Geschichts-
schreiber, der ähnlich wie Albinus eine vollständige Monographie der
Marggraffschaft Meissen unternehmen will, weil „die alten Quellen ent-
weder vernichtet oder sehr versteckt“ seien. Es ist Joh. Conrad Knauth,
dessen schriftlichen Nachlass, Stoffsammlungen und spätere Ergänzungen
zu seinem gedruckten Hauptwerke die K. Bibliothek zu Dresden besitzt.
Knauth hat viel vorgehabt, denn seine Misnia illustrata*) ist gewisser-
massen nur ein Programm, eine Disposition für ein später zu schreiben-
des Compendium. Er liefert neben einer Chorographia, Hydrographia, Geo-
graphia, Topographia, Politigraphia, Enchoriographia auch eine Metallo-
graphia. Letztere enthält aber weiter nichts, als eine Aufzählung bekannter
Mineralien, ein einfaches Excerpt aus Albinus in genau derselben An-
ordnung. Ausserdem citirt er Agricola, Mathesius, Fabritius, die er aber
wahrscheinlich nur aus der Bergchronik kennt. Unter Anderem erwähnt
er eine Kupfergrube bei Dippoldiswalde und Spathgänge am Wolfsberg
bei Schneeberg. Schurtz citirt noch eine andere Schrift Knauth’s: ,,Der
alten Conditorii Altenzelle etc. Vorstellung. 1721“, nach der am Baderberge
bei Bosswein zwischen Muldenbrücke und Ertzdorff stark auf Zien gebaut
worden sein soll.
Walenbücher und Alchymisten.
Ehe wir zur Betrachtung der Litteratur des 18. Jahrhunderts über-
gehen, sei einer trüben mineralogischen Wissensquelle gedacht, die Jahr-
hunderte lang zur Verwirrung der Geister beigetragen hat. Es sind die
räthselhaften Walenbücher, die schon Agricola kannte und die noch im
Anfang des 19. Jahrhunderts bei vielen Leuten in hohem Ansehen standen.
*) Jo. Coiir. Knauth: Misniae illustrandae Prodromus Oder Einleitung zu des
Edlen Hochlöblichen und Hochbegabten Marggraffthumbs Meissen Landes- und Ge-
schicht-Beschreihung. Dresden, Joh Riedel 1692.
Ferner; Misniae illustrandae Chorographia, Topographia illustrata. Mscr. Dresd.
J 285. (Enthält Stoffsammlungen zu obigem Werke.)
Prodromus Historiae Misnicae auctus et continuatus oder Anhang verschiedener
Anmerckungen, so in der ersten Edition entweder übergangen worden oder zu verbesern
dienen. Dresden 1703. Von Herrn Joh. Conr. Knauth und niemals gedruckt. Mscr.
Dresd. J 228.
(Hier ist Turff von Elterlein und Scheibenberg genannt.)
Wer wai-eii die Walen? Wie man ihren Namen und ihre Herkunft auch
erklärt, als Vallenser, Valliser, Italiener, Savoyarden, Mausefallenhändler,
fahrende Schüler, Zigeuner, Juden oder aber Kelten aus grauer Vorzeit:
wohl immer verstand man unter ihnen Ausländer, die mit geheimnissvollen
Kräften ausgerüstet ins sächsische Gebirge kamen, Gold, Silber und Edel-
gesteine fanden und in ihre Heimath schleppten. Auch die Kunst, den
Metallgehalt eines Erzes durch chemische Mittel zu erhöhen, traute man
ihnen zu. Nur wenige als ,, Walen“ bezeichnete Menschen sind urkundlich
erwähnt und mit ihrem — meist gar nicht italienisch klingenden —
Familiennamen genannt. Aber ein Andenken an sie hat sich hartnäckig
fortgeerbt: das sind die nicht weniger räthselhaftenWalenbücher. H. Schurtz
bietet in seiner trefflichen Studie*) so viel Material über diesen Gegenstand,
dass wir uns hier beschränken können auf das, was dem genannten Autor
entgangen ist, resp. was von ihm nicht erwähnt wird. Schurtz nennt die
Walenbücher „zusammengetragene Notizen phantastischer Metallsucher, die
durch allerlei irrthümliche Voraussetzungen, Unvollkommenheit der mineralo-
gischen Kenntnisse und die trügerischen Aussagen der Wünschelruthe ver-
leitet wurden, in tauben Gesteinen geheimnissvolle Schätze zu vermuthen“.
,,Sie sind ein Gegenstück zu der unübersehbaren, aber hohlen alchymistischen
Litteratur mit ihrer Fülle von haltlosen und phantastischen Behauptungen,
und die Fahrten der ,, Walen“ entsprechen vollständig den ernsthaft-tollen
Bemühungen der Alchymisten.“
Da die Walenbücher meist durch Abschriften verbreitet wurden, so
erklärt sich das stereotype Wiederkehren gewisser Redewendungen und
Sätze in den einzelnen Büchern. Im zweiten Theil des früher erwähnten
Manuscripts von Klengel finden wir z. B. eine ,,Beschreibung derer
in Sachßen sich findenden Edelgesteinen, Perlen, auch andern
Erdt Schätzen p. p. auch Wo Goldtkörner uud Flammen daselbst
gefunden werden“. Die Handschrift ist wohl auch von Klengel; aber
der ganze Stil lässt keinen Zweifel zu, dass wir es mit einem abgeschriebenen
Walenbuche zu thun haben. Eine kleine Blüthenlese möge dies beweisen
und zugleich den Charakter der Walenbücher verdeutlichen:
„Im blauenschen Grundte bey Dreßden ist ein fürtrefflicher Talckgang
hafftig, unter dem Dorf, das auf dem Berge lieget, im Grund, darinnen
seynd 3 Stollen ganz tief gearbeitet.
Am Winterberge unter dem Herrn von Ponißen gelegen, nahe bei
Jonasdorf, bey des Herrn Crezschmars, da bricht ein Erz, hält viel 0 auf
dem Berge eine gelbe seynd auch graue Körner, bey einem Brünlein, ein
Birnbaum steht nicht weit davon, auf den gehe, auf der Leiten gegen die
Elben, da liegen der Körner ganz viel.
Bey der Zellen in dem Wald und Siebein bey Nassau an der Mühlen
gelegen, .da liegt gut Erz und auch guter blauer Schiefer.
Zu Odern bey Freyberg bricht gut 0 ist reich im kleinen Feuer aber
im grossen hält es nicht, man findet auch gute Körner allda.
Wenn du kommst an den Porschenstein, da findestu ein Waßer, das
heisst die Flöhe, daßelbige ist ein gross . Waßer, folge ihm nach und 1 Meil
Wegs aufwärts so findestu einen kleinen Fluss auf die rechte handt, folge
ihm nach auf einen Armbrust Schuss, darinnen wirstu finden auch etliche
*)Heinr. Schurtz: Der Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen.
Forsch, z. deutsch. Landes- u. Volksk., 5. Ld., 3. H., 1890.
83
Körner, seynd schwarz, etliche graue und tragen auch Q ist beßer den
Ungarisch.
Der Schlich oder Sandt an der Elbe, derselbe hält 12 loth Silber
ohne das Q, zu Dreßden.
Gold ist auch hei: Sittau, Glaßhutt, Stolpen, Schöneck, Eibenstock,
Frauenstein“.
Denselben Satz vom ,, fürtrefflichen Talckgang“, aber auch manche
andere Dinge erwähnt David Kellner im zweiten Theile seines ,,Berg-
und Saltzwerks -Buches“ vom Jahre 1702*).
Es wird in den Walenbüchern weniger gediegenes Gold angeführt, als
vielmehr ,, braune Körner“ (Granaten), „spitzige Marcasiten“. Wie man
auf den Gedanken kam, Granaten und Markasit für goldhaltig zu erklären,
ist schwer zu erweisen; doch die Alchymisten wollten ja noch ganz anderen
Stoffen Gold ahgewinnen. Ein tolles Gemisch von Walen- und Alchymisten-
glauben bietet eine andere Dresdner Handschrift**) von einem ,, patriotisch
gesinnten Anonyme“, der sich S. D. G. unterzeichnet. Der Verfasser ist
höchst ärgerlich, dass die massgebenden Persönlichkeiten und die praktischen
Hüttenleute sich so wenig Mühe geben, den Metallreichthum des Landes
zu heben, obgleich doch längst feststehe, dass viele Gesteine goldhaltig
sind und dass ausländische Alchymisten die Kunst der Abscheidung der
Edelmetalle und ihre Vermehrung viel besser verständen. ,,Der allmächtige
Gott giebet ja einen jeden Menschen einen natürlichen ^’erstand, warum
konnten den diejenigen, so die schönste Zeit und Gelegenheit zum Unter-
suchen, solches nicht thun. Man fürchtet sich vor dergleichen vermeinten
Kopfreißenden Arbeiten mehr, als vor einem halben Duzent Bouteillen
Wein, welche viel leichter rutschen (?), es ist aber etwas unverantwortliches,
noch mehr, wenn dergleichen Herrn, so nur vor ihr gutes Auskommen
sorgen und um den Schaden Josephs sich aber im geringsten nicht be-
kümmern, über dieses ihre Nebenchristen schändlich verachten, darum, dass
sie mehr gethan, als sie“. Im schwülstigen Stil der Alchymisten, mit vielen
geheimnissvollen Zeichen, berichtet uns der Verfasser nun über das Vor-
kommen der Metalle in Sachsen und über deren Benutzung. So sagt er
vom „Mercurius“: „Wenn jemand nach diesem fragt, so erwidere ich: dass
man denselben ebenmässig im Lande und dessen Mineram antreffen kann.
Denn wem bewusst, wo Cinober Minera vorhanden, derselbe wird auch
diesen Sbott-Vogel, durch den Gegenstand des Martis von seiner Sulphuri-
schen Gefangenschaft befreyen und denen sonst ungläubigen Thomasbrüdern
sich in einer ordentlich laufenden und blinkenden Gestalt zeigen“.
Wir begegnen Abdrücken von Walenbüchern noch mehrfach in den
bald näher zu betrachtenden ,, wissenschaftlichen“ Zeitschriften, z. B. in
*) Documenta oder alte ührkunden und Nachrichtungen, wo hin und wieder in
römischen Keiche Gold und Silber Ertzte, Goldkörner, Waschwerk, Seiffenwerk zu finden
seyn soll. Von einem der Orten wohl kundigen und erfahrenen Metallurgo im Anfang
vorigen Seculi aufgezeichnet und nach seinem Tode also hinterlassen. Itzo aber allen
Liebhabern der Metallurgi zu Lieh und Dienst zum effentlichen Druck hefördeit von D.K.D.
**) Die von Gott verliehene und begnadigte Wunder des Theuersten Sachsen Landes
über und unter der Erde nach Anleitung Deren dreyen unterschiedenen Natur- Eeiche,
als dem Eegno Animali, — , — , in was vor Arthen die vornehmsten bestehen und Worzu
selbige, jedes nach seiner Arth, zu Landes Wohlfarth, ersbriefslich und nüzlich, zur
heilsamen Betrachtung in zwo Abtheilungen kürzlichst abgefafset von Einem Patriotisch
gesinneten Anonimo. 1749. Mscr. Dresd. J. 214.
84
Horn’s Historischer Handbibliothek, Grundig’s Sammlung und den sächsischen
Miscellaneen* **)).
Der Text in letzteren stimmt völlig überein mit einem 1784 anonym
herausgegebenen Werke*), dessen Autor „ein Enkel des alten Pastor
Lehmann“ ist. Dort erfahren wir zunächst, was Golderz ist: ,,Vor allen
Dingen ist zu wdssen, dass das Golderz aus dem allerklärsten und besten
Schwefel ohne verbrennliche Feuchtigkeit und aus dem allerbeständigsten
Quecksilber aufs höchste gereinigt besteht, welche Verbindung das grösste
Feuer nicht kann auflösen“. Was er dann an alphabetisch geordneten
Fundorten anführt, entstammt einer handschriftlichen Sammlung des Pastors
Lehmann. Auch die ,, gründliche Nachricht vom Plauischen Grunde — “
die von einem hier Beagen genannten Walen 1685 in einem Schiefer-
büchlein aufgeschrieben worden sein soll, und die bereits in den Miscell.
Sax. bei Horn zu finden ist, wird wieder mit abgedruckt. Als Anhang finden
wir einen Abschnitt vom ,, Gebrauch der Berg- und Wünschelruthe, was
und wie vielerley sie sey etc. zur Nachricht entdeckt von Feudoviro.
Leipzig. Christ. Gottlob Hilscher 1784“. Der Verfasser sagt: „Ich lebe
hier im Gebirge, wo diese Ruthe täglich auf Klüfte und Gänge gebraucht
wird, auch deren Gebrauch durch die hirfahrung gebilligt wird. Nicht
weniger sehe ich, dass solche hier und da viel Nutzen schaffet; hingegen
viele Zechen bei Unterlassung derselben liegen blieben, auch andre in der
Erde' befindliche Sachen verborgen bleiben würden; darum finde ich Ur-
sache, jene anzuzeigen, zugleich aber auch denselben Missbrauch, wmlcher
jedoch den erlaubten Gebrauch nicht auf hebt, anzuzeigen“.
Das schrieb ein Mann am Ende des 18. Jahrhunderts! In demselben
Jahre, in dem schon ein Charpentier und Werner lehrte, fristeten wenige
Meilen von der wissenschaftlichen Centrale Freiberg noch die Alchymisten
ihr Dasein, und die Wünschelruthe ersetzte die Kunst des Markscheiders
und Geognosten!
Doch kehren wir zurück auf den Standpunkt der Wissenschaft um
die Wende des 17. Jahrhunderts. Es sah damals böse aus um das Bildungs-
wesen in Deutschland. Das Gelehrtenthura war verloddert und in lateinischen
Disputirübungen veräusserlicht. Der Adel und der höhere Bürgerstand
bezog seine Bildung, ja seine Sprache vom Auslande, meist von Frankreich.
Breit, aber seicht und schlammig floss der Strom der Wissenschaft dahin.
Es ist schwer, aus der bereits verwirrenden Menge der geologischen
Litteratur Sachsens jener Periode das wenige Gute auszusondern.
*) Joh. Gottlob Horns Nützliche Sammlungen zu einer historischen Hand-
ßibliothec von Sachsen und dessen incorporirten Landen. Leipzig, Wolffgang Deer 1728.
2. Theil: Joh. B eggen s Nachricht von den im Plauischen Grunde und anderwerts be-
findlichen Gold-, Silber- und Kupfter-Ertzen.
M. Christoph Gottlieb Grundig: Neue Versuche nützlicher Sammlungen zu
der Natur- und Kunstgeschichte sonderlich von Obersachsen Schneeberg, bei Carl Wilh.
Fulden. 19. Theil 1751: E. Tenzels Vorschlag zum Aufnehmen des Landes Goldwäschen.
Miscellanea Saxonica. Darinnen allerhand zur Sachs. Historie behörige Ur-
kunden, Privilegia, Geschlechtsuntersuchungen, ungedruckte Chroniken, Statuten und
Lebensbeschreibungen sächsischer Gelehrten mitgetheilet werden. Dresden, Georg Roch,
2. Theil 1768: Von denen Wahlen, oder gewissen Ausländern, welche vor Zeiten in hiesigen
Landen, sonderlich im Ertzgebirge, Goldertz aufgesucht.
**) Versuch einer mineralogischen Erdbeschreibung von Obersachsen, wie solche
ehemals ’von den sogenannten Wahlen aufgezeichnet wurden. Nebst einer Abhandlung
vom Gebrauch der Wünschelruthe. Frankfurt u. Leipzig 1784.
85
Die wissenschaftlichen Journale aus der ersten Hälfte
des 18. Jahrhunderts.
Die Seichtigkeit der damaligen wissenschaftlichen Bestrebungen, aber
auch der allmähliche Gesundungsprocess in der Zeit der grossen Geistes-
heroen kann uns nicht klarer vor Augen geführt werden, als durch eine
Sichtung der zahlreichen naturhistorischen Periodica.
Nach dem Vorbilde des Schweizer Gelehrten Scheuchzer, desselben,
der durch seine Sündfluththeorie und den Sündfluthmenschen weite Kreise
für paläontologische Dinge begeisterte, wurden viele naturwissenschaftliche
Zeitschriften ins Leben gerufen. Es waren weniger ernste Forscher, die
darin das Wort führten, sondern Jeder, der irgend etwas ,,Curioeses“ zum
besten geben konnte, vor Allem Geistliche, Aerzte, Bergleute waren will-
kommen. So entstanden meist kritiklose, frömmelnde, schwülstige Schreibe-
reien, die heute keinen Fachmann ernstlich interessiren können. Was heut zu
Tage Localblättchen unter der Firma ,, Vermischtes“ ihren anspruchslosen
Lesern auftischen, das bildete damals einen Hauptantheil des Zeitschriftinhalts.
D. Urban Gottfried Bücher machte den Anfang, indem er
1723 des ,,Sachßenlandes Naturhistorie“*) herausgab. Sein Unternehmen
hatte aber keinen rechten Erfolg. Nachdem er die ersten zwei Bogen
anonym in Pirna herausgegeben hatte, stockte schon die Lieferung. Im
nächsten Jahre setzte er die Sammlung unter etwas verändertem Titel
und mit einem anderen Verleger fort**). Viel Angebot von Aufsätzen
scheint er nicht gehabt zu haben, denn er beginnt die neue Ausgabe mit
dem wörtlichen Abdruck seiner früher veröffentlichten Artikel.
Einiges Interesse bietet der Aufsatz von dem Radeberger Bade. Wir
finden darin eine Ansicht über die Ablagerung des Haidesandes. „Das
Gehölz wird die Dresdnische Heyde genennet, durch welche ein Fluss,
die Priessnitz, zwischen hohen, oben mit Kiefern und Buchen, unten mit
Erlen bewachsenen Sandufern läuft, der oberhalb Dresden jenseit, wie die
Weisseritz diesseits in die Elbe fliesst und von den Vielen Erlen ein
braunrothes Wasser führt. Der Boden der Heyde ist meist Sand, welcher
von oben heruntergeschossen, oder von diesem Fluss herabgeschwemmet
zu sein scheint. Davon diese Declivität der sonst hohen Einfassung mehr ge-
dachter Vertiefung entstanden. Ja, es ist glaublich, wenn nicht die öfteren
West- und Südwinde den leichten Sand zurück und wieder hinan trieben, dass
selbiger sich unten noch mehr von dem abspülenden Regen häufen würde“.
Wenig Ausbeute liefert Horn’s bereits erwähnte ,, Historische Hand-
bibliothek“.
1743 folgt dann das ,, Historische Curiositätencabinet“, gewöhnlich als
,,Curiosa Saxonica“***) citirt. Hier wird uns etwas über „die Steinfelsen
*) Sachfsen- Landes Natur-Historie oder Beschreibung der Natürlichen Be sch aifen-
heit und Vermögenheit der zu Sachfsen gehörigen Provinzen. Pirna, Georg Balthasar
Ludewig 1722.
**) Sachsen- Landes Natur -Historie, In welcher Dieses Landes und der darzu
gehörigen Provintzen Natürl. Beschaffenheit, Vermögenheit und Begebenheiten in unter-
schiedenen Erzehlungen vorgestellet werden von Urban Gottfried Bücher D.
Dresden, Joh. Christoph Krause 1723.
***) Neu eröffnetes Sachs. Historisches Curiositätencabinet (1747) Worinnen in allen
12Monathen auf 24 Bogen 83 alte und neue merkw. Begebenheiten aus der Historia
Politica, Ecclesiastica, Arteficialia, Literaria, Philosophia mixta, dergl. aus Geographie,
Genealogi, Heraldica, Physica, Oeconomia, Mechanica, Natura etc. anzutreffen. Dresden,
Petr. Georg Mohrenthal. (Gezeichnet: J. C. Cander.)
86
von Liclitenliayii“, von den Sandsteintliürmen, Mauern, Schlössern, vom
Kuhstall und anderen Merkwürdigkeiten der Sandsteingebiete erzählt.
Der Titel der Zeitschrift wurde später umgeändert in ,,Analecta
Saxonica“ und nach abermaligem Wechsel des Herausgebers in „Mis-
cellanea Saxonica“ (1767—68). (Hierin die früher erwähnten Nach-
richten über die Kunstkammer, die Auffindung einiger Marmorbrüche und
die Walen.)
Recht bequem macht sich der Schneeberger Pfarrer Gottlieb Grundig
seine Redactionsarbeit. Er hatte für seine schon erwähnte ,, Sammlung“
unter Anderem auf das Programm geschrieben: Bergwerks-, Schmelz- und
Hüttensachen, Berge, Steine, Schieffer und Erden, Fossilien, Mineralien
und allerley versteinte Höltzer. Aber er holte sich die Stoffe einfach aus
anderen Schriften, sogar aus Journalen. Wir finden da friedlich bei-
einander: Bucher’s ersten Aufsatz über Dresden, Christ. Lehmann’s Be-
schreibung „Vom Geyersberg und dessen Stockwerk“, die Nachricht „von
den Lichtenhaynischen Steinfelsen“, eine Dissertation Georg Luther’s „De
terris“. Neu sind einige Berichte über den Plauischen Grund, den uns
Christian Gotth. Hofmann (13. Theil) als ein ,, Archiv voller uralter
Urkunden einer traurigen Ueberschwemmung“ schildert. „Wenn man das
Thal betrachtet, so ist nicht anders zu urtheilen, als dass es durch eine
grausame Eluth entstanden sei. Hier giebt es so viel Versteinerungen,
dass man in 2 Stunden ein vierspänniges Fuder zusammenlesen kann. Die
Felsen, woraus das Hauptgebirge beider Ränder meiner Grenzen besteht,
sind ein wildes braunes Gestein, welches sich mit Stahl und Meisel nicht
erbeuten lässt; an manchen Stellen mit schwarzen Schirl oder Wolfram,
auch Quartz- und Spaat-Plätzen, Linsen- und Kirschkorns gross, zu gleichen
Theilen untermenget ist, weshalb es füglich ein wilder Porphir geriennet
werden kann. Ihre Lage, äusserliches Ansehen und die zu tage aus-
streichenden verwitterten Gänge geben sattsam zu erkennen, dass es ein
verdruckt und verschoben Gebürge sey“.
Auch Joh. Gottlob Lehmann (7. Theil) kommt zu keinem Resultat
über unsere Syenitfelsen. ,,Ich wollte nun nichts mehr wünschen, als dass
ich Gelegenheit hätte, auch das Gebirge gleich bei der Plauischen Holz-
brücke genauer kennen zu lernen, allein auf eigne Kosten fällt dies zu
schwer, da es erstlich ein sehr festes Gestein, zum andern allzunahe am
Wasser, dass man nicht beikommen kann“.
Weitere geognostische Aufsätze in Grundig’s Sammlung berichten von
mineralogischen Seltenheiten bei Elterlein, versteinten Hölzern bei Chemnitz,
von Bädern und Brunnen des Landes, von den Schriftstellern über Edel-
steine (reiche Litteraturangaben!), vom Schmirgel am Ochsenkopf bei
Johanngeorgenstadt; endlich finden wir interessante Untersuchungen über
alte Bergbauwörter.
Joh. Christ. ThemeUs ,, Obersächsische Bergwerkshistorie“*) bietet
in 12 Heften so viel kritikloses Zeug, dass wir auf eine Blüthenlese ver-
zichten wollen.
*) Sammlung kleiner ungedruckter Ober-Ertzgebürgiscker Schriften vorgefallener
Merkwürdigen Sachen, Von allerhand in die Obersächs. Bergwerks-Historie, als
auch in die hiesige Naturwissenschaft und andern Seienden etc. einschlagenden merk-
würdigen Abhandlungen. Gesammlet von Joh. Christian Theraeln, Dr. med. und
Stadtlichter zu St Annaberg, Freyberg und Leipzig 1756.
87
Das Dresdnische Magazin*) bringt Nachrichten von versteinten
Bäumen (nebst Abbildung), von den SSternsteinen bei Chemnitz, dem Petre-
factenberg bei Zehista, und giebt eine Aufzählung sächsischer Seltenheiten
aus dem Mineralreiche (z. B. grüner Schirl von Berggiesshübel, rothes Spiess-
glaserz von Braunsdorf, 'Fopase vom Schneckenstein, Aquamarin und Berill
aus den Seifen von Eibenstock, Morion von Wolkenstein, „Richtersche
Erde^‘ von Planitz, Opal von Eibenstock u. a.). Derselbe Verfasser liefert
auch eine Zusammenstellung von Mineralien der Chemnitzer Gegend. Der
Scheibenberg mit seinen Pfeilern und Wacken wird als ein Product der
Sündfluth vorgestellt.
Trugen die bisher genannten Journale specitisch sächsischen Charakter,
so liefern uns auch allgemeine Zeitschriften manchen Baustein zu Sachsens
Geologie. Vor Allem zeichnet sich das Harnburgische Magazin**) durch
seine solidere wissenschaftliche Richtung aus. Ein trefflicher Mitarbeiter
dieses Werkes war J. C. Helk, der uns wichtige Nachrichten über das Sand-
steingebiet liefert. In seinem Aufsatze ,,von den Versteinerungen um Dreßden
und Pirna“ (4. Bd., 5. Stück) beschreibt er die ,, Porphyrfelsen“ desPlauischen
Grundes, oben darüber eine Decke von Kalk und zwischen diesen beiden
Gesteinen einen ,, unreifen Porphyr“ oder ein ,, grünlichgraues glimmerichtes
Gestein“, in dem man Kamm- und Schraubenmuscheln, Ammonshörner,
Schnecken, Seeäpfel, Luchssteine, Würmchen und Pilze findet. Auch
Koschitz, Priesnitz und Cotta b. Dr. nennt er als versteinerungsreiche Punkte.
Im Pirnaischen Sandstein kennt er Pinna marina, einen Seestern und
,,cylindrische Adern wie versteinerte Baumzweige“.
Recht interessant ist auch seine ,, Beschreibung des Pirnaischen Sand-
steingebirges“ (6. Bd., 2. Stück, 1750). Er schildert die Landschaft, die
parallelen Gesteinslagen, übersieht auch die schwache Neigung derselben
nicht und bildet sich schliesslich eine Theorie über den Ursprung der
eigenthümlichen Tafelberge: „Im Thal der Elbe kann man sehr deutlich
wahrnehmen, dass dieser Durchschnitt im Anfang nicht gewesen, indem
die Lagen der Felsen zu beyden Seiten miteinander übereinstimmen. Viel-
leicht hatte dieser Thon- und Sandhaufe das Wasser vor sich her in Bogen
gehemmt, bis es zu einer solchen Hohe gesammelt, dass es über diesen
Damm, dessen Oberfläche mit der von diesen Felsen in einer Linie war,
wegfliessen konnte. Da nun dieser Haufe nach weniger Zeit seines Ur-
sprungs (die darinnen begrabenen Muscheln zeigen, dass er ihn durch die
Ueberschwemmung gehabt) seine Festigkeit noch nicht erhalten hatte, so
spülte die Fluth die obersten Lagen hinweg und Hess nur hier und da
einzelne Stücke oder diese Felsenzacken bleiben, und riss durch diesen
Damm endlich das Thal, durch welches sich gegenwärtig der Strom der
Elbe wälzt. Vielleicht war also die Elbe im Anfang dem Rhein ähnlich,
welcher, wenn er den Bodensee gefüllet und die Höhe erstiegen hat, über
dieselbige hinfliesst, bis er sich bey Schaffhausen wieder in die Tiefe herab-
stürzt. Vielleicht wäre ein Theil von Böhmen noch gegenwärtig ein grosser
See, und vielleicht könnten wir bey Pirna eben das Spektakel wie bey
*) Dresdnisches Magazin oder Ausarbeitungen und Nachrichten zum Behuf
der Naturlehre, der Arzneykunst, der Sitten u. d. schönen Wissenschaften. Dresden,
Mich. Groll 1760, 2. Bd. 1765.
**) Hamhurgisches Magazin, oder gesammlete Schriften, zum Unterricht und
Vergnügen, aus der Naturforschung u. d. angenehmen Wissenschaften überhaupt. Ham-
burg, Georg Christ. Grund, in Leipzig, A. H. Holle (4. Band 1749.)
88
Schaffhausen sehen, wenn der pirnische Felsen der Macht, der Fluth zu
weichen, nicht so willig gewesen wäre“.
Muthet uns diese genetische Betrachtung nicht an, als wäre sie 100
oder auch 150 Jahre später geschrieben?
Dieselben ernsteren Ziele wie das Hamburgische Magazin steckte sich
die Zeitschrift „Der Naturforscher“ (Halle, J. J. Gebauers Wittwe 1774),
die ihrem Herausgeber Immanuel Walch zahlreiche trefflich illustrirte
Originalaufsätze über Versteinerungen verdankt.
Die Zahl der naturwissenschaftlichen Journale jener Periode ist noch
nicht erschöpft; doch möge obige Auswahl genügen, um das Schaffen in
den Kreisen der Gelehrten und Dilettanten des 18. Jahrhunderts zu be-
leuchten.
Curiositätenlitteratur des 18. Jahrhunderts.
,,Curiosa“ war das Schlagwort, das uns aus den Zeitschriften entgegen-
klang; die Sucht nach Curiositäten tritt auch in der übrigen Litteratur
desselben Zeitraumes hervor. Mit vielen Worten, mit reichlichen Aufblicken
zu der Weisheit und Güte Gottes wird möglichst wenig wissenschaftlich
Brauchbares oder gar Neues vorgebracht. Agricola und Albinus sind noch
lange nicht ausgeschrieben, und trotz mancher Betheuerung von der unend-
lichen Mühwaltung der Autoren ist ihr Werk meist doch wieder eine Auf-
frischung alter, längst bekannter Thatsachen. Vielfach genügt schon die
Wiedergabe des schwülstigen Titels, um das Buch, seinen Inhalt und seine
Schreibweise zu kennzeichnen. Nur Einiges sei hier erwähnt.
Da berichtet uns z. B. ein Kaiserlicher Physicus, Namens Christoph
Hellwig, „Anmuthige Berghistorien“ und „curiose Relationen“*), wärmt
die alten Märchen vom Golde, dem sonderbaren Schwefelquecksilbergebilde,
auf oder erzählt vom Rochlitzer Steinmark.
Ein Anderer unterwindet sich, särnmtliche Bergwerke der Welt mit
sämmtlichen vorkommenden Mineralien zu beschreiben. Und in der That,
es ist auch für Sachsen eine erstaunliche Fülle von Material, die Franz
Ernst Brückmann in seiner „Unterirdischen Schatzkammer“**) nieder-
gelegt hat. Freilich ist’s nicht viel Selbsterschautes; er druckt wörtlich
nicht nur lange Stellen der alten Autoren ab, sondern gleich ganze Arbeiten.
Der dicke Folioband hat zwei Theile, deren zweiter spätere Ergänzungen
bringt. Wir sehen aus den zahlreichen abgedruckten Zuschriften, Zeitungs-
ausschnitten, Ausbeutezetteln, welches Interesse der erste Theil erregt und
welches Ansehen der Verfasser genoss. Neu ist vielleicht hier die Angabe
eines Bergwerks „am Eulenberg bei Oschatz“ und ,,ein harter schwarzer
Marmor, Basaltes genannt, der allezeit sechseckig wächst“ und bei Dresden
vorkommt. Dass auch Kellner’s ,, Documenta von den Goldfunden“ wörtlich
*) Anmuthige Berg- Historien, Worinnen die Eigenschafften u. Nutz der Metallen,
Mineralien, Erden, Edel- u. andern Steinen beschrieben, nebst curiosen Relationen, was
vor denkwürdige Sachen an unterschiedlichen Orten über u. unter der Erden, vornehmlich
in der Baumanns- Hohl u. Brockelsherge zu sehen, ans Licht gegeben v. L. Christoph
Hellwig. Leipzig 1702.
**) Magnalia Dei in locis suhterraneis Oder Unterirdische Schatzkammer aller
Königreiche u. Länder in ausführlicher Beschreibung aller, mehr als MDC Bergwercke durch
alle 4 Welt-Theile. — Nebst Anmerckung aller derjenigen Länder u. Oerter wo Edel-
gesteine zu finden. In Geographischer Ordnung u. einigen Kupffer-Figuren zu besichtigen
dargestellet von Francisco Ernesto Bruckmann, Med. Dr. Bruns vic. Braun-
schweig 1727.
89
aufgenommen sind, bezeichnet hinreichend den wissenschaftlichen Standpunkt
des Verfassers.
Unter den specifisch sächsischen Schriftstellern verdient der Lockwitzer
Pastor Christian Gerber (geh. 1660, gest. 1731) genannt zu werden,
nicht weil er uns etwas Neues böte, aber weil er wenigstens sein Vaterland
auf zahlreichen Fusswanderungen selbst kennen und lieben gelernt hatte.
Sein Werk*) hat ja auch nur den Zweck, Andere zum Wandern anzuregen
und auf Sachsens Naturschönheiten, seine Felsen und Thäler, seine Boden-
schätze hinzuweisen. Ein besonderes Capitel — auch dieses finden wir
übrigens bei Brückmann wörtlich abgedruckt — zählt die sächsischen
Mineralien und ihre Fundorte auf, wiederum nach Agricola, Kentmann,
Fabricius, Albinus und Mathesius.
Viel benutzt von späteren Autoren ist ein illustrirtes Werk von Gottlob
Friedrich Mylius über des ,, unterirdischen Sachsens seltsame Wunder
der Natur“**). Mylius ist nicht Mineralog im Allgemeinen; er sucht nur
nach dem Wunderbaren, Absonderlichen, und zählt darunter vor Allem
die Versteinerungen und die ,,lapides figurati“. Seine zahlreichen Ab-
bildungen von Steinkohlenpflanzen, Muscheln, Schnecken, Seeigeln, Dendriten
zeugen von guter Beobachtungsgabe, wenn ihn dieselbe auch nicht davor
schützt, gelegentlich in einer Eisenniere das Bild eines Mannes mit Perücke
oder auf einer Schieferplatte ein versteinertes Huhn zu finden.
Was Mylius für Sachsen geleistet, wollte D. S. Büttner***) für die
Gegend von Querfurt unternehmen, wenn er auch bekennt, dass er das
„Studium physicum nur horis subcisivis und zur Recreation“ treibt. Wir
wollen ihm aber hier eine Stätte gönnen, weil er in seinen Betrachtungen
über die Entstehung der Berge auch Sachsens gedenkt. Büttner ist eif-
riger Diluvianer; überall sieht er die Spuren einer traurigen Sündfluth,
in den Versteinerungen sowohl, als in den Bergformen. Vom Pico auf
Tenereffa, dem „höchsten Berge der Welt“ bis zu den kleinen Hügeln der
Heimath erkennt man Formen, die der Fluth zu verdanken sind. Unter
Nr. 5 seiner genetischen Erklärungen schreibt er: „Ich erachte auch fel-
sichte Hügel und Berge entstanden zu seyn, daraus gleich bei der Ab-
drückung nach der Sündfluth die trucknende Sand- und Schlamm-Bänke,
theils durch die ablaufenden Wasser, theils von der Trucknung selbst
Ritze gewonnen, auch wohl theils zersprungen und abgefallen, wie die Er-
fahrung täglich lehrt. Unter diese Klasse zähle ich einige Meissnische
Felßhügel“. Hierzu giebt er zwei Bildertafeln, ,,an denen man die Strata
aus der Verschwemmung wohl sehen kann und doch nicht minder die un-
*) M. Christian Gerber: Die unerkannten Wohlthaten Gottes in dem Churfürsten-
thum Sachsen und desselben vornehmsten Städten, darinnen zugleich der Schul- und
Kirchenstaat enthalten. Dresden und Leipzig, Jac. Winklers Wwe. 1717. 2 Bände.
**) Gottlob Friedrich Mylii Memorabilia Saxoniae subterraneae i. e. Des Unter-
irrdischen Sachsens seltsame Wunder der Natur. Worinnen die auf denen Steinen an
Kräutern, Bäumen, Blumen, Fischen, Thieren und andern dergleichen, besondere Ab-
bildungen, sowohl unsers Sachsen-Landes als deren, so es mit diesem gemein haben,
gezeigt werden. Leipzig, Moritz Georg Weidmann 1720. (1. Theil 1704, 11. Theil 1718
erschienen.)
***) M. D. S. Büttners Rudera Diluvii Testes i. e. Zeichen u. Zeugen der Sündfluth,
In Ansehung des itzigen Zustandes unserer Erd- u. Wasser- Kugel, Insonderheit der
darinnen vielfältig auch zeither im Querfurtischen Revier unterschiedlich angetroffenen,
ehemals verschwemmten Thiere und Gewächse, Bey dem Lichte natürlicher Weifsheit
betrachtet und nebst vielen Abbildungen in Druck gegeben. Leipzig, Job. Friedr. Braun 1710.
90
förmliche Gestalt, welche durch gewaltige Brüche vor dieses muss kommen
seyn.“ Obgleich nicht dabei steht, woher die Abbildungen stammen, ist
wohl kein Zweifel, dass sie beide Ansichten der Greifensteine darstellen.
Die so lange vernachlässigte Lausitz fand im Anfang des 18. Jahr-
hunderts auch zwei Lobredner. Samuel Grosser*) erzählt von ,, denen
innerhalb der Schoss der Erde befindlichen Gaben Gottes“, als da sind:
Gold, Erze, Steine, Erden, Kalk. Und der Zittauer Bürgermeister Job.
Benedict Carpzov huldigt in seinem Lausitzer ,, Ehrentempel“**) eben-
falls den zahlreichen Mineralien, Bergwerken und Gesundbrunnen. Der
Goldreichthum der Lausitz ist nach Carpzov ganz erstaunlich; denn es ist
sogar vorgekommen, dass sich einem Bauern gediegener Golddraht um das
Rad gewunden und ein anderer ein Stück wie eine Wurzel aus der Erde
gezogen hat.
Das eigenartigste litterarische Erzeugniss der Periode ist jedenfalls
eine Dresdner Handschrift***), deren Verfasser sich nicht nur vorgesetzt,
alle wichtigen sächsischen Mineralien zu beschreiben, sondern auch abzubiiden.
Auf jedem der 279 Folioblätter finden wir eine Charakteristik nebst farbiger
Darstellung. Realistischer kann man wohl nicht malen, als dieser Autor,
der einfach Töpferthon, Porzellanerde u. a. auf dem Blatte zu einem grossen
Klex verreibt, oder Bleiglanzstücke, Glimmerblättchen aufleimt. Im Ueb-
rigen ist wenig von guter Naturbeobachtung zu spüren, kaum dass man
Würfelkry stalle von hexagonalen Pyramiden unterscheiden kann. Trotz-
dem möchten wir den Bildern einen gewissen Werth nicht absprechen,
insoweit es sich um Verdeutlichung alter Mineralnamen handelt. Die grosse
Menge der aufgeführten goldhaltigen Steine lässt den Einfluss der Walen-
bücher erkennen. Von den übrigen Mineralien sei folgende Auslese an-
geführt: Mercurius vivus, vor vielen Jahren bei Hartenstein gefunden.
Zinnoberertz aus dem Schonen Grund. Ganseköthig Ertz von Johann-
georgenstadt. Molybdaena vera Wasserbley von Ehrenfriedei’sdorf und
Geyer. (Mit aufgeklebten Stücken.) Grünes Bley Ertz von Zschopau. Grüner,
spiessiger Schörl. Ertzhaffte Eisenschwiele in den Pesterwitzer hohlungen
bei Döhlen. Asphaltum viride oder Pechstein. Corallenstein, eine Art
Agath von Cunnersdorff. Serpentinstein, eine grosse Seltenheit aus dem
Plauischen Grunde. Granitstein in 2 Sorten, bildet ganze Felsen im
Plauischen Grunde. Seitfenstein, Murochtus mit Dendriten, zum Reinigen
*) Lausitzische Merckwürdigkeiten , Darinnen von beyden Marggraffthümern in
fünff unterschiedenen Theilen von den Wichtigsten Geschichten — zulängliche Nachrichten
gegeben v. Samuel Grofsern, des Görlitzschen Gymnasii Eectore. Leipzig u. Budifsin,
David Richter 1714.
**) Neu eröffneter Ehren Tempel Merckwürdiger Antiquitäten des ;.Marggraffthums
Ober-Lausitz, Von Job. Benedicto Carpzovio. Leipzigu Budifsin, David Richter 1719.
***) Historia naturalis saxonica oder Vollständige Sächsische Naturhistorie aus allen
drey Reichen der Natur. 1. Aus dem Mineralreich: Eine genaue Abbildung und aus-
führliche Beschreibung aller und jeder Mineralien, so in Sachsen gefunden worden, von
Gold, Silber, Kupifer, Bley, Zinn, Eisen u. allen gantzen u. halben Metallischen Ertzen,
ingleichen allen Sächs. Edelgesteinen -Arten, nebst Anzeigung der Örter, wo selbige
gefunden werden, ferner allen feuerfesten Kalck, Marmor, Gyps, Alabaster u. allen
übrigen Steinsorten, bis auf den geringsten Sandstein, auch der Erdarten, welche in
der Landwirthschaft und bey verschiedenen Profefsionen nutzbarlich gebrauchet werden
können, auch zu Siegel Erden dienlich sind. Von einem Liebhaber u. Beflifsenen
der Naturkunde aus dem Ertzgebürge mit grofser Mühe u. Fleiss zusammengetragen
u. beinahe mit Daranwendung seiner gantzen Lebenszeit ausgearbeitet. 1771. Mscr.
Dresd. J. 61a.
91
der Wolfe .benutzt. Porphirsteini i auf dem Pöhlberg, dunkblfotbbraun mit
sch'warizen Fleqjken. Bandstein von Frohburg. Phosphorescirende Blende
von Scharffenbefg. sGneiss, dunkelgrünlichgrau, vermischte Steinart, sehr
hart und Im Feuer :beständig, dass sie dn der Schmeltzung mit denen ver-
mischten'edlem Bergarten ini Feuer .kaum zu zwingen, deswegen die Berg-
leute diese Gangart nichtigem einbrechen sehen und gern über die Halde
stürzen; bricht ‘ sehr, häufigT um :Freyberg.< 'Speckstein bei Schlettan und
Scheibenberg. Sächsische Wunders teinerde:, ein verhärtetes Steinmark.
Plänerstein. Versteinerte Krebs b. Plauen i. V. Versteinertes Medusen-
haupts im Vogtland bei Keichenbach sehr ,/rar , werden theuer ,.bezahlt.
Calcinirta Flephantenzähne her Rochlitz. ...Echinitae, Donnerkeule, Globo-
siten,*Hahnekamm-Muschelv Venusherzmuschel, Schraubenschhecken,. Flügel-
muschel, .Korallen, pfeifenartiges Korallengewächs, Seetulpen, Fungitae,
Ammonshörner, Weiideltreppmuscheh Posthörngens, Pectiniten — alles
Versteinerungen aus deni Plauischen und Schoner Grund,
er; s,'. ...d- ,^v
Berichte von Edelgesteininspectoren und anderen Beamten. - d
: Wie im 17. Jahrhlindert dfe ^Ländbäumhister Nosseni und Klengel
umherzogen, um dÄ Aufträge d& Hofes neue Bausteine zu suchen, so gab
fes äuch ilh’ 18. JätiiKundert;^ewisse‘^ Beamte,* die mit ähnlichen Forschungen
b^raut waren. Hie Schheebergef Chronik (S. 895) erwähnt, "dass über die
Edelgesteihe /Je zu Zeiteii ein gewisser Inspector bestellet gewesen“. „Und
wfe'’hnho:16T& Ch^ff; Gn.^Ö^e^^^ hiesige Bergamt ergangen, dass
Johann Nicol' In' ^achsüchung der iin Schneebergischen BergUmts-
rövier befindlichen EdUleh: ‘Gesteinen, Perlen mnd Seilfen-Goldes nicht ge-
hindert wärdeti' Rollte;; also ist“derUiahfen , als Edelgestein-Inspector bestellet
Christian Ri chfu'F alihfer;'; welcher uiiterm^ 13. Sept. an. ^1710 einige
Specificatibn ufeg^geben. Wegbn Üinläridischen ^ Diamanten, - Smaragden;
Hiäcynthen, Topasen und“ Yöh wegen des Lapidis Lazali, auch Opalen-
Prohen, ' dergleichen samint' denen Hiäcynthen hiebevör bey der Sosa in
dennn Seiffen gefunden ist. “^Gleichwie er auch allerunterthänigsten Bericht
erstattet wegen derer, Brüche zu Viehläühey Zwickau vom neu erfundenen
Jaspis; "deßgleichen von einigen' Achat- und Serpentinbrüchen“.
' ; Einen ganz besonderen "Ruf hätte sich seiner Zeit Richter durch die
Entdeckung^" der sogenaUhten „Wundererde“ erworben , die weiter nichts
ist als jEisensteinmärk."/ Wir find eine hoch trabende Ankündigung der
Entdeckung' in einem gedruckten, dem König Friedrich August gewidmeten
Berichte aus dem Jahre 1732 f). ; . *
“ 61 handcol'orirte Darstelluhgen seiner „Wundererde“**) zeigen uns die
kühne Phantasie des Malers,; mit der er an den Steinen ,, bleiche Gesichter,
Bäume, Gemsen, Vogel, römische Sturmhauben,/ sogar die ganze Auffarth
ChnSti in Wolken“' ehtdeckt Und in „Schönen Couleuren sich präsentiren
lässt, gar artig anzusehen, daran man sich belustigen kann“. In einem
- *) Saxoniae electoralis miraculhsa terra oder. Des WeLtberülimten Chur - Sachsen-
Landes bewundernswürdige Erde, Wie dieselbe durch des Höchsten Gottes sonderbahre
Gnade und verliehenen Bergwercks -Verstand, auch unermüdeten Fleiss entdecket worden
von Christian Richtern, Ihro Königl. Maj. .in Pohlen u. Churf. Durchl. zu Sachsen
bestallten Edelgestein-Inspectoreiund E. E. Raths der Bergstadt Schneeberg Assessore.
Schneeberg, Job. E. Schnitze 1752. ^ :■
**) Die Originale zu diesen Bildem befinden sich noch heute im K. Mineral.-geolo-
gischen Museum in Dresden. - . . , o ..
*
93
Schlusscapitel legt Richter seine Ansicht dar, wie wohl derartige bunt-
gefärbte Massen entstehen. Als" Probe seiner Speculationsgabe und seines
bombastischen Stils sei ein Satztheil daraus — seine Sätze pflegen ge-
wöhnlich ganze Seiten zu füllen — hier aufgenommen: Nach seinem „von
Gott verliehenen Verstände“ hat Derselbe „dieser Erden Generation wegen
genau observiret, dass sowohl die Situation des Gebürgs, als auch die
Gewitter und Regen sehr viel beytragen; denn da hat er befunden, dass
an hangenden und liegenden Gebirgen, streichenden Erden- Gänge von
weiser, brauner, gelber und allerhand einfachen couleuren Erdg, zumahl
bei denen Mercurial- und Salpetrischen Gängen sich antreffen lassen, und
er auch Selbsten erschürffet; da nun diese Erde tenuis materia, und von
denen allerreinsten Wässern ihren Ursprung hat, so geschieht es, "wenn
einstens durch starke Gewitter das Erdreich lucker gemacht wird, und
die starken Regen darzukommen, sie von solchen Gängen in sgesambt ab-
gerissen und untereinander geführet, misciret, per aquam seu humidum
viscosum gleichsam filtriret und purifleiret und also dadurch zu einer so
vielfärbichten Erden werden —
Ein anderer Bericht entstammt der Feder des Chemnitzer Edelgestein-
inspectors David Frenzei*), ist aber von einem Anonymus C. G. G. in
Freiberg herausgegeben worden. Er enthält eine trockene Aufzählung von
Steinen ans der Chemnitzer Gegend, jedoch ohne nähere Fundortangabe.
Es sind nicht nur die Edelsteine (darunter Diamanten und Rauchtopasen,
die „Mütter der echten Topasen“) und sonst noch politurfähigen Mineralien,
sondern auch „Steinarten insgemein“ angeführt, wie z. B. pechartige Steine,
Conglomeratum oder allerley Gemenge, schwarze Schiefer mit geschlän-
gelten Quarzstreifen von weisser Farbe, Schiefer mit grossen Granaten,
Hornschiefer, Gemsschiefer, Spaat, Wetzstein u. a. Vom Sande meint er:
„Wo nicht der Sand der Samen der Steine gleichsam zu nennen, so ist
er doch gewiss ein Rest ihrer Theile; und da wir mittels des Kalkes und
desselben Steine zu und in Mauern verbinden, so sehen wir genau, wie
ohngefähr die Natur selbst aus Sand Steine erzeuge und zuwege bringe“.
Die Institution der Edelgosteininspectoren scheint nur eine vorüber-
gehende, je nach Bedarf eingerichtete oder abgeschaffte gewesen zu sein.
Eine gesetzliche Verordnung über dieselbe konnte nicht gefunden werden;
vielleicht waren es bisweilen nur Bergbeflissene, die im Nebenamt die Ver-
richtung übernahmen. Aehnliche Pflichten lagen auch den „Inspectoren bei
der Manufactur des Sächs. porcellains“ ob, wie uns eine dresdner Hand-
schrift von Joh. Melchior Steinrück**) beweist. Die Arbeit bezieht
sich auf ganz Westsachsen, bietet aber nichts Neues. Wenn Steinrück
Topase von Schneeberg, Lichtenau, Rosenberg und Burkhardtsgrün er-
wähnt, wenn er berichtet, dass davon ein Stück von 45 Pfd. bei Hofe ein-
geliefert worden sei, so zeigt dies, dass der echte Schneckensteintopas
noch immer nicht bekannt war.
*) David Frenzels, Uhurf. Sachs, Edelgestein-Inspectors in Chemnitz, Verzeich-
niss der Edelgesteine, Fossilien, Naturalien, Erdarten und Versteinerungen, welche im
Bezirk der Stadt Chemnitz in Meisen gefunden und bemerket worden. Chemnitz, Joh.
Dav. Stössels Erben und Putscher 1769.
**) Joh. Melchior Steinrück, Insp. bey der Manuf. des Sächs. porcellains : Nach-
richten von denen im Churs. Ertzgebürge hin und wieder befindlichen, guthen und raren
Gesteinen, theils aus eigner Erfahrung, theils auch aus bewehrter Leuthe Schriften, mit
Ernennung der örther, wo jede Sorte anzutreffen. 1715. Mscr. Dresd. J. 375.
93
üebef letzteren giebt uns jedoch auch ein Edelgesteininspector, Namens
Johann. Gottlieb Kern, der zugleich Vorsteher des Halsbrücker „Ver-
einigt Felds^^ war, Auskunft. Die Notizen, desselben sind allerdings erst
nach . seinem "Tode von Ignatz edlen von Born*) im Jahr 1776 heraus-
gegebeii und mit 5 Kupfertafeln versehen worden. Wir erfahren daraus,
dass im Jahre 1727 der . ..Schneckenstein , oder .wohl besser die Topasen
in demselben, durch einen Mann von schlechtem Kufe entdeckt worden
seien. Er habe die Steine heimhch - verkauft, seinen Fund aber später
aus Furcht vor Strafe ' dem Kurfürsten angezeigt, worauf Dieser den ganzen
Felsen vom Besitzer v. Trutzschier käuflich erwarb.
Wesentlich höher als die ziemlich kritiklosen Berichte der Edelstein-
und Porzellaninspectoren ist eine Arbeit zu bewerthen, die der Leipziger
Professor Christian Gottlieb Ludwig**) im Aufträge des Hofes und im
Interesse des dresdner Naturaliencabinets ausführte. Er sollte eine Samm-
lung sämmtlicher sächsischer „Erden“ '—'damals ein ziemlich umfassender
Begriff.'- — anlegen, dieselben beschreiben und catalogisiren. Das Ergebniss
seiner Studien war ein gedruckter. Folioband in lateinischer Sprache mit
weitläufigen sprachlich historischen Erläuterungen der Namen, reichen
Litteraturangaben, Classificationen und schliesslich mit einer Beschreibung
der gesammelten Belegstücke, die zwar nicht ausschliesslich, aber zum
grossen Theil aus Sachsen stammten. Den Anhang bildet eine illustrirte
Beschreibung der „Terrae sigillatae“. Die ganze Sammlung Ludwig’s ist
leider bei dem grossen Zwingerbrande 1849 mit vernichtet worden.
Gründung, der Freiüerger Bergacademie.
Es waren wenig erquickliche Bilder von dem naturwissenschaftlichen
Leben in Sachsen, die uns die letzten Capitel entrollt haben, und mit
vollem Herzen können wir einstimmen in die Klage, die Ignatz von Born
über die Seichtigkeit der. mineralogischen Litteratur***) erhebt: „Wie selten
ist jetzt noch der Bergmann zugleich Naturforscher, und noch weit seltener
ist der Naturforscher Bergmann. Demungeachtet schreiben unsere Natur-
forscher mineralogische Beobachtungen ohne Ende, wenn sie auch weiter
nichts als die Lage einer Versteinerung in einem Steinbruch, oder eine
Halde irgend eines Flötzwerkes gesehen haben; ja sie bauen sogar Systeme
und Theorien der Erdkugel!“
Doch während sich noch die Grundig und Themel, die Hofmann und
Lehmann mit ihren mineralogischen Kleinigkeiten abgaben, bereitete sich
in Freiberg’ schon das grosse Ereigniss vor, das Sachsen mit einem Schlage
zum Tummelplätze der Geologen aller Länder machen sollte, die Gründung
der Bergacademief)... • -
*) Johann Göttlieh Kern: Vom Schneckensteine . .oder, dem sächsischen Topas-
felsen. Zum 1. Mal herausgegehen und mit Anmerkungen vermehrt von Ignatz edlen
von Born. Mit 5 Kupfertafeln. ' Prag 1776.
**) Terrae Musei Kegii Dresdensis, quäs digessit descripsit illustravit D. Christianus
Gottlieb Ludwig. Accedunt Terrarum sigillatarum figurae. Lipsiae, Joh. Friedr.
Gleditzsch 1749.
***) Weitere Litteraturangaben aus dem 18. Jahrhundert finden- sich bei Benjamin
Gottf ried Weinart,: Litteratur des Staatsrechts und der Statistik von Sachsen. Meissen,
W. Erbstein 1802, S. 39—81.
. f) Näheres dariiher siehe: Die Bergakademie zu Ereiberg. Zur Erinnerung an die
Feier des 100jährigen Geburtstages Werner’s am 25. September 1850. Ereiberg.
^4^
94
Je mehr der Bergbau itn sächsischen Staatshaushalt sich bemerkbar
machte, um so höher stieg das Interesse der Regierung daran,, allezeit
theoretisch und praktisch tüchtige Bergbeamte zur Verfügung zu haben.
Schon am 26. August 1702 waren deshalb laut Verordnung „300 fl. de?
putiret, dass dafür einige junge Leute zur Erlernung der Bergwerkswissen-
schatten etc. anzuführen und auf Reisen zu schicken wären“. 1709 wurde
diese Bergresolution erneuert. Aber die .intelligentesten Köpfe erkannten
bald, dass damit nicht genug gethan sei, dass nur ein geordheter SchuL
unterricht durchgebildete Beamte liefern könne. Zwei treflliche Vorkämpfer
für die Idee einer Bergacademie verdienen auch an dieser Stelle Erwähnung,
weil sie" beide in ihrem Zukunftsplahe der geologischen [ Erforschung und
Kartirung Sachsens einen Ehrenplatz hingeräumt hatten, . . . üü
Der erste war der Churf. Sächs. Bergrath Jnhann Friedrich'Henkelf).
Schon in Bezug auf die Mineralogie stellt dieser an die Bergbeflissenen
höhere Ansprüche, als man bis dahin gewöhnt war: „nicht »hur die Ertzte,
nein alle Steinarten, Steine," Erd-Hartzte und Saltze müssen behandelt
werden“. Dann aber trennt er eine besondere Geographia^ subterranea
ab, eine Wissenschaft, „Gänge, Klüffte und ganze Ertzt-Gebürge zu er-
kennen“. Die gesammten Lagerstätten eines Gebirges müssen" betrachtet
werden; man muss ins Feld und auf die höchsten Berge;~^man muss die
Lage der ganzen Gegend überhaupt besehen, muss 'das" Streichen rund
Schieben bemerken u. s. w. „Diese Wissenschaft ist ein Hauptwerk^ aber
auch sehr schwer, undv kann man offt nicht gnug Generalfif und SpeciäF
Charten haben, um sich eine recht deutliche Vorstellung zu machen.“
,,Ich habe diesfalls noch von niemand einige Erwähnung thun hören, ohne
dass ich mich erinnere von deni'grossen Leibhiz einen Vorschlag gelesen
zu haben, dass die Gegenden^ wo man vörschwemmte Müschelh hhd -ändre
frehade Sachen versteinert findet, in eine Chärte zusänimengebrächt würden;“
' Er hebt auch den grossen Nutzen einer Landesuntersüchung^^ für
Technik, Baugewerke u. a. hervor und beklagt sich bitter, wieviel in Sachsen
nach dieser Hinsicht noch ungethaii sei. ,,Es ist denen sächsisehen Natur-
forschern eine Schande — sagt er in seiner Kiesshistorie — 'dass sie ein
so schönes Sandsteingebürge haben, solches nicht von einem untersucht
und beschrieben sei.“ ünd '^an einer anderen Stelle schreibt er: ,j.Wer
hat die Lage der Steinkohlen^ die Brüche von Schmirgel, dCalek- und "Gips-
steinen in gantzen Lands, aufzusuchen und zü'^¥ntdecken'sich bemühet?
Der innländische Marmor ist auch hoch sehre unbekannt, und wärfe der Topas
nicht von einem gewinnsüchtigen Menschen aufgeSucht worden, so wüssten
wir bis dato nichts davon. Die gäntze Gegend über der Elbe, ist näcK ihrer
unterirdischen Beschaffenheit moch niemals recht' Untersucht wer deh, öhh-
geachtet das Radeberger Bad zu mineralischen Schätzen Anzeigung" giebt^^l
Noch klarer ist das Programm, das Carl Friedrich Zimmermann*) **)
entwickelt. Auch er hält die Gründung“ einer Academie für unbedingt
*) D. Johann Friedrich HenkelsKleineMineralogiseheundChymisclieScliirifften.
Auf Guthefinden des Herrn Antoris , Nehst einer Vorrede von den Bergwerck^^Wifsen-
schaöten zu Vermehrung der Cameral- Nutzungen u. mit Anmerckungen herausgegeben
von Carl Friedr. Zimmermann. Dresden u. Leipzig, Friedr. Hekel 1744.
. **) Obersächsische Berg -Academie, in welcher die Bergwerckswissenschaften nach
ihren Grund -Wahrheiten untersucht u. nach ihrem Zusammenhänge entwörffen werden.
In abgesonderten Abhandlungen ausgefertigt von Carl Friedrich Zimmermann.
Dresden u. Leipzig, Friedr. Hekel 1746. ■ - ^ ’
95
nöthig; da die ■Ausführung dieses Gedankens noch weit entfernt zu sein
scheint, entschliesst er sich, zum' Unterricht für Anfänger das ganze System
der Bergwissenschaften niederzuschreiben.
’ Auch er gedenkt dabei der Kartenaufnahmen. Man soll sich bemühen,
die Zeichnungen von ganzen Berggegenden, die Markscheider-Risse von den
Grubengebäuden, soviel man deren bekommen kann, zu sammeln; „anbey
aber soll man fleissig seyn, General- 4ind special Mappen über ein Ertzt-
Gebürge, zufolge der Geographia subterranea, zu verfertigen“. Es braucht
nach seiner Meinung kein kostspieliges Werk zu sein, einmal ganz Sachsen
nach nutzbaren Mineralien zu durchsuchen. „Alles kommt darauf an, dass
man eine Person erwehle, die mehr durch ihre Geschicklichkeit, als durch
überhäuffte Unkosten dergleichen Geschäfte auszuführen weiss. Dies aber
wird 'geschehen, wenn ein dergl. Subiectum nicht nur in dem Bergbau er-
fahren ist und sich auf Klüfte und Gänge verstehet, sondern auch vor-
nehmlich ganze Gegenden selbst zu beobachten und zu judiciren weiss ,
also" dass' er vors erste auf die ganzen Striche eines Gebürges (Juga mon-
tiüm) acht hat, und dabei besonders zu entdecken sucht, wo sie ihren
Anfang und Ende haben? Ob und wie sie mit einander gleichlaufend sind?
Wo sie Zusammentreffen oder sich von einander entfernen? Ob die Thäler
darzwischen offen oder’ geschlossen sein? Ob selbige nebst denen Bergen
verschlenimet oder ausgewaschen sein? Wie sich die Höhe der Berge und
Thäler,zu einander verhalte? — — Würde nun eine Person, welche also
nicht nur ein Bergmann, sondern auch ein Physicus und Chymicus sein
muss, zu dergl. Untersuchungen angenommen, so könnte selbige in Zeit
von 2— 3 Jahren das gantze Gnbürge des Meissner Landes durchsuchen und
die darin noch unbekannten Ertzt- Gegenden entdecken, wenn sie nur zu-
gleich gehörige Aufmerksamkeit, unverdrossenen Fleiss und Mühe, und
eine unermüdete Lust zu diesen Sachen besitzt.“
Was die beiden Propheten erträumt, sollte sich bald verwirklichen.
Als im Jahre 1765 Prinz Xaver, der damalige Administrator Sachsens
für den unmündigen Friedrich August, Freiberg besuchte, erkannte er das
“Bedürfniss für eine höhere Unterrichtsanstalt der Bergwissenschaften an ,
und so erfolgte schon am 13. November die Gründung der Bergacademie,
die. für ein Jahrhundert auch die Centrale der geologischen Kartirung
Sachsens werden sollte; Ostern 1766 begannen die Vorlesungen. Char-
pentier war der erste Professor für Mathematik (zugleich auch der erste
Schüler), Lommer verwaltete die Sammlungen, die Bibliothek und richtete
eine Mineralienniederlage ein; der Bruder des Dichters Geliert vertrat die
Hüttenkunde. Die ersten Stipendiaten waren v. Trebra, Beyer und Freies-
ieben. ^
Charpentier und seine Schule.
Schon nach dem ersten Unterrichtsjahre wurde bestimmt, dass auf
Kosten der Stipendienkasse Reisen und Localuntersuchungen gemacht
würden, damit man zu einer möglichst vollständigen systematisch-minera-
logischen Kenntniss von Sachsen gelange. Johann Friedrich Wilhelm
V. Charpentier (geboren 1728 in Dresden, hatte in Leipzig Mathematik
und Rechtswissenschaft studirt und erst nach seiner Berufung nach Frei-
berg sich dort in die Bergfächer eingearbeitet) wurde die Seele dieses
Unternehmens. Bald sah er, dass mit Schülerarbeiten allein nichts Brauch-
bares geschaffen werden könne, und so begann er 1771 selbst, das Land
96
zu bereisen. Alles wurde genau beobachtet ^ „Steinbriiche^ hole Wege,
alte und neue Bergwerke etc.^k Diese Arbeit interessirte und beschäftigte
ihn so, dass er selbst seine Lehrpflichten darüber vernachlässigte. Schliesslich
wurden die Lücken im Vorlesungscyklus so empfindlich, dass sich zu.seiner
Entlastung und Vertretung eine neue Lehrkraft nöthig machte: 1775 be-
rief die Regierung den früheren Schüler der Anstalt Werner als Lehrer.
Was dieser in den nächsten Jahren, zum Theil gleichzeitig mit Charpen-
tier, schuf, sei in einem späteren Gapitel berichtet. Die Frucht von
Charpentier’s eifrigem Bemühen war die „Mineralogische Geographie der
Chursächsischen Lande‘^ vom Jahre 1778*), Es ist schwer, dieses erste
geologische Hauptwerk über Sachsen in wenigen Sätzen hinreichend zu
würdigen. Gestützt auf ein reiches theoretisches Wissen, eine Fülle sorg-
fältiger Beobachtungen, glücklicher Combinationen hat der Verfasser hier
nicht nur Einzelheiten von localer Bedeutung geliefert, sondern ein voll-
ständiges System der Geognosie und Stratigraphie. '
Charpentier hat natürlich in Sachsen besondere Gelegenheit gehabt,
sich mit dem Urgebirge zu beschäftigen. Granit, Gneuss, Glimmerschiefer,
Porphyr, körnigen Kalkstein hält er für gleichaltrige und vielfach mit
einander wechsellagernde Schichtgesteine. Zum ersten Male finden wir
hier eine eingehende Darstellung über den ,,Gneuss^^, den er mit Cronstädt’s
„Gestellstein‘^ (saxum compositum particulis quarzosis et micaceis) identi-
ficirt. Freilich ist auch bei ihm der Begriff noch recht dehnbar. , .Noch
bei Döbeln findet er Gneussgebirge, wenn auch „sehr thonig und stücklich“.
Die ,, sogenannten Schiefer“ bei Schneeberg gehören ebenfalls zum „ver-
änderten Gneuss“', „wmnn man auch hier und da die Benennung eines
quarzigen Schiefers füglich gebrauchen könnte. Die Grenzen beider Ge-
steine gehen unmerklich in einander über; es scheint, dass sie gleichzeitig
entstanden sind oder eine sich aus der andern entwickelt habe“. Schiefrigen
Gneuss constatirt er auch auf dem Auersherge. Das Gestein des Plauen-
scheu Grundes nennt er Granit. Der Phörphyrtuff des Zeisigwaldes gilt
noch als Sandstein, während er das Gestein des Rochlitzer Berges als
thon- und porphyrartig anspricht. Den Pechstein, bei Garsebach hält er
für eine Abänderung des Porphyrs.
lieber die Entstehung der sächsischen Sandsteinmassen und des „Pläner“
drückt er sich sehr vorsichtig aus und wagt die von Helk entwickelte
Hypothese nicht ohne Weiteres anzunehmen. „Dass dieser Sandstein vom
Wasser abgesetzt sei, ist wohl unumstösslich bewiesen; wie er aber abgesetzt
worden und wie dabei Felsen von diesen Fig.uren entstanden sein mögen,
auch wie es ehedem in dieser Gegend möge ausgesehen haben,. überlasse ich
einem jeden, der Lust darzu hat, zu erklären. Ich für meinen Theil glaube,
dass, wenn man aus dem Ansehen einer Gegend dergleichen Schlüsse mit
Zuversicht herleiten wollte, der Standort des Beobachters so hoch und
sein Auge so scharf sein müsste, dass er imstande wäre., ganze Länder
mit einem Blicke zu umfassen“.
Das Sandsteingebiet bei Zittau erklärt er für die Ufer eines alten
Stromthaies, mit dem Hinweis auf die abgerundete Thalseite des Oybin.
Die nordsächsische Grauwacke gehört noch unter die phorphyrartigen
Gesteine, Der Phonolith führt den Namen Hornschiefer. Die Basalte,
namentlich von Stolpen, Annaberg und Scheibenberg finden eingehende
*) Erschienen in Leipzig bei Siegfried Lehrecht Crnsius.
97
Berücksichtigung. Er vermeidet ängstlich eine bestimmte Meinung über
deren Entstehung auszusprechen. Bald findet er, dass die Kegel oben
keinerlei kraterähnliche Vertiefung haben; bald machen ihn Bruchstücke
mit glasartigem, schlackigem Ueberzug stutzig; bald berichtet er, dass
unter dem Scheibenberg ein Stollen auf „lauter Gerülle‘‘ gekommen sei.
Auch über die Diluvialgebilde finden wir eine Andeutung: Bei Bautzen
erwähnt er, dass unter der Dammerde viel Geschiebe mit losem Sande
liegen, zum Zeichen, dass die Gegend mit Wasser bedeckt war.
Von den Mineralien findet eine besondere Behandlung der Schnecken-
steiner Topas; die beigegebenen Bildertafeln bilden eine willkommene Er-
gänzung zu den Kupfern des früher genannten Kern’schen Werkes.
Was aber Charpentier’s Buch vor Allem auszeichnet, ist die bei-
gegebene „Petrographische Karte des Churfürstenthums Sachsen und der
Incorporirten Lande“. Geologische Karten waren damals noch etwas ganz
Neues. Nach einigen verunglückten Versuchen der Engländer hatte der
berühmte thüringer Stratigraph und Vorgänger Werner’s G. Ch. Füchsel
1762 eine orographische Karte von Thüringen hergestellt, in der die ein-
zelnen Gesteinsschichten durch Zahlen angegeben sind, 1775 folgte dann
der Chursächsische Vicebergmeister Friedrich Gottlob Gläser*), indem
er zum ersten Male die Verbreitung der Hauptgesteine durch Flächen-
colorit hervorhob. Diese erste farbige geologische Kaste unterschied
1. Roth: granitartiges Gestein, 2. Gelb: Sandstein, 3. Grau: Kalkstein. Dazu
werden durch besondere Zeichen die Fundstätten von Gold, Silber, Kupfer,
Eisen und Steinkohlen angegeben.
Charpentier war der Erste, der dieses Princip auf einen grösseren
Landstrich anwandte. Er erzählt, dass er seine Karte auf Vorschlag des
schwedischen Freiherrn Tilas gezeichnet habe. Die durch barometrische
Messungen gefundenen Höhenzahlen sind auf den Elbpegel in Wittenberg
bezogen. Noch dominirt im Colorit die Eintheilung in die politischen
Kreise. Aber ausser diesen bezeichnet er durch Flächenfarben bereits
8 Gesteins- und Bodenarten: Granit, Gneus, Schiefer, Kalkstein, Gyps,
Sandstein, Flusssand, Thon und Leimen. Durch Zeichen werden dann noch
ergänzt: porphyrartiges Gestein, Hornschiefer, Basalt, Serpentinstein.
Die Karte ist für die damalige Zeit und in Anbetracht der kurzen
Arbeitsfrist eine Glanzleistung. Wir finden beim ersten Totaleindruck be-
reits fast alle Grundzüge, die eine moderne Karte von Sachsen zeigen
würde. Charpentier giebt an, dass er als Grundlage eine grössere minera-
logische Karte in vier Blättern benutzt habe. Es war leider nicht möglich,
diese Manuscriptkarte im Archiv der Bergacademie ausfindig zu machen.
Im Druck ist sie nicht erschienen, obgleich Weinart noch 1802 „eine
grössere Karte“ Charpentier’s in Aussicht stellt. Es sei aber gleich an
dieser Stelle eingeschaltet, dass sich in der Kartensammlung der K. Bi-
bliothek zu Dresden eine „Neue Karte von den Chur-Fürstenthum Sachsen
und angränzenden Ländern, 1801“ befindet, die zwar etwas kleiner, aber
genau in der Manier der petrographischen Karte Charpentier’s gezeichnet
ist. Die Farben und Zeichen stimmen völlig überein; nur „Hornschiefer“
fehlt; dafür ist neu eingefügt ein Zeichen für „braune Erde“ (Braunkohlen).
*) Friedrich Gottlob Gläser, Chursächs. Vicebergmeister zu Suhl: Versuch
einer mineralogischen Beschreibung der Gefürsteten Grafschaft Henneherg. Leipzig,
Lehr. Crusius 1775.
98
Bei Zittau fehlt aber die Angabe von Braunkoblengebieten. Verfasser und
Verleger der Karte Hessen sich nicht feststellen; das Freiberger Archiv
weist dieses Blatt nicht auf. ’ r üI ■ ' "
Mit Charpentier’s Karte sind wir schöu in die Werner’sche Periode
eingetreten; doch ehe wir der Verdienste dieses Mannes’ gedenken^ #eien
zwei Forscher genannt, die sich selbst als Ergän;zer der „Mineralogischen
Geographie‘‘ Charpentier’s bezeichnen. Der erste ist Nathanael Gottfried
Leske, ein Mann, der mit wenig Mitteln, mit Vorschuss auf das später
von ihm herauszugebende Werk*), die Lausitz bereiste, ,,um sich für sein
Lehramt geschickter zu machen“. Sein Programm war isehr umfassend':
Thiere, Pflanzen, Steine, Bewohner, Oeconomie sollten gleich vollständig
behandelt werden. Und er hat seinen Subscribenten nicht zu viel ver-
sprochen, wie uns eine kurze Inhaltsangabe der geologischen Capitel seines
Buches**) zeigen wird. Seine Reiseroute führte ihn über KÖnigsbrück,
Muskau, Görlitz, auf die Tafelfichte, nach Zittau ^und Herrhhut. ^Ueber
seine Erlebnisse berichtet er in der damals beliebten Form wissenschafV
lieber Briefe. Da Charpentier Ostsachsen, wie die meisten; seiner Vorgänge^,
ziemlich stiefmütterlich behandelt hatte, hoffte Leske auch für die Gebirgs-
kunde wesentliche Ergänzungen liefern zu können. Er fasst seine Leistungen
auf diesem Gebiete selbst zusammen: „Ich habe durch wiederholte Be-
obachtungen unleugbar bewiesen, dass der Basalt ein Product des Feuers
sein müsse, dass er nicht nur in eckigen und kugeligen Stucken,- sondern
häufig nnd fast mehrentheils in Säulen gefunden wird, die baM"' aufrecht
stehen, bald schief, bald wagerecht liegen und ^ oft duröh Querklüfte in
Glieder abgetheilt sind. Ich habe des Herrn Werners Behauptung, dass
die Basaltsäulen nicht krystallisiert, sondern durch Spaltungen des festen
Gesteins entstanden, an mehreren Orten bestätigt gefunden. Ich habe
gezeigt, dass der Tras und die Pözzolanerde nichts, als verwittertefssBasalt
sei, und endlich habe ich auf verschiedenen r Bergen! den Zusaminäenhang
des Basalts mit dem Granit ünd- die Grenzen beider Gesteinsarten entdeckt,
anderer mineralogischer Beobachtungen über das Kalksteingebirge ünd
andrer noch nicht beschriebener Steinarten nicht zu. ge denken“. = -
Leske schildert in trefflicher Weise* das Erosionsthal der Pulsnitz,
übersieht dabei nicht die Gesteinsgrenzen des „Hornschiefers“ mit dem
Granit***). Bei dem Keulenberge unterscheidet er scharf die beiden Granit^
Varietäten, die an seinem Fusse zusammenstossen. „Es lässt iiieh übrigens
wohl schwerlich die Ursache mit Gewissheit .bestimmen, woher es komme,
dass der Granit dieses Berges in der Tiefe und in den niederen Gegenden
grobkörnig, auf dem Gipfel aber feinkörnig sei. Senkten sich etwa die
grösseren Stücke der einfachen Gesteine zu der Zeit, da die ganze Gebirgs-
masse noch flüssig war, vermöge ihres grösseren Gewichts in die Tiefe?
Und suchten die feiner aufgelösten iTheile die oberen Gegenden? "Oder
konnten etwa bei der Verhärtung » dieser Gesteinsmassen äussere, uns un-
bekannte Ursachen eine solche Veränderung hervorbringen? Diesy Fragen
*) In Werner’s Nachlass heündet' sich unter die geologischen SchülerarbeiteU ein-
geheftet auch ein Brief Leskes, in dem er seinen Plan. daHegt und um Zahlung eines
Louisdor als Suhscriptionsvorschuss auf sein Reisewerk bittet.
**) Reise durch Sachsen in Rücksicht der Naturgeschichte und Oekonomie, unter-
nommen und beschrieben von N athanael Gotfried Leske. Leipzig^ J. G. Müller 1785.
***) L. meint Grauwacke. Dieser Name wurde im selben Jahre durch Fr. Wiih.
Heinr, V. Trebra zum ersten Male auf die verwandten Gesteine im HarZ angewtindt.
m
werden sicli niclit eher bestimmt beantworten lassen^ bis wir vom der
Bildung und Entstehung'-’ des Granits ■ eine ' 'gewissere' - durch unleugbare
Beobachtungen 'mehr/: als ^ 'bis jetzt bestätigte Kenntnis erhalten haben^^
-Die Granite beschäftigen Leske überall- -in " besonderem Maass'e; er be-
obachtet ihre Yerwitterungsformen.-'und giebt zahlreiche Abbildungen dazu.
Freilich rechnet er bei Erklärung der Matratzen- und Wollsackbildungen
noch mit gewaltigen Wassermassen, '^yAlles dies giebt einen deutlichen
Beweis,, dass- diese abgerundeten'. Felsen" 'ZwarT' noch.' an dem Orte ihrer
Entstehung liegen, aber durch ■■eheinalige ''grosse üeberschwemmungen viele
Veränderungen erlitten haben, .---.ausgesebwemmt und ,die . ..scharfen Kanten
des. ^Gesteins dadurch abgerundet, sein müss.en^k: , Er. .. .durchwandert -die
tertiären Sandberge, untersucht:'die-'"G-eschiebe, ■' die Thohlager und das
,.,bituminö.se Holz^^ der Zittauer .'-Gegend und; .giebt ausführliche'Scbilderungen
der oberlausitzer Sandsteinfelsen. Den Phonolith nennt er „hornstein-
artigen Porphir“, kommt also der Wahrheit schon näher,, als Charpentier;
er übersieht auch nicht, dass 'Basalt- und; Hornsteinpörphir oft in der
-Kächharschaft _ zu , finden sind.. .'...D.en,, .Basalt des! Johannissteins mit seinen
wagerechten Säulen nennt er Poiphir; das Gestein hat aber „nach allen
Kennzeichen eine grosse Aehnlichheit mit' dem ®hsalt, welche Vermuthung
jedoch nur! durch eine nähere chemische Üntersuchung vergewissert werden
kann^k vDie^ Genesis des.; Zittaüer: Gebirges fasst-: ;er folgendermas's^n zu-
sammen: „Der Granit ist die Grundlage des ganzen Gebirges, auf welcher
am Fusse einiger Berge der Sandstein aufgeschwemmt worden ist. Am
Abhange des höchsten Gebirgs und auf den höchsten Gipfeln des Vordef-
gebirgs liegt . auf dem Grapit der hornartige Porphir und ans demselben,
dem Granit selbst und auch aug dem Sandstein ist der Basalt durch
unterirdische Gewalt des Feuers r emporgehoben worden‘k Am ünglücks-
stein und an der Lausche findet Leske poröse LavascMackehy die auf
vulcanische Entstehung der Berge hindeuten. / V
' vK Alles in Allem: Leske’s Arbeit muss einen Ehrenplatz in der Geschichte
sächsischer Geologie erhalten. Er war leih trefflicher Beobachter, achtete
ebenso sehr auf Structurfeinbeiten der Gesteine, wie auf die grossen Züge
der Landschaft. Er haftete nicht an dem, was unmittelbar praktisch
nützlich ist, sondern zeigte echt geologische Auffassung der ganzen Gegend
und regesinteresse an genetischen Vorgängen. Und wenn man liest, dass
sein erster Brief vom 29. Mai 1782 datirt ist und der letzte vom 24. Sep-
tember desselben Jahres, und betrachtet darin den bibeldicken, inhaltreichen
Band, so kann man nur lebhaft bedauern, dass dieser Mann seine Absicht,
ganz Sachsen in. gleicher .Weise zu bereisen, nicht ausgeführt ; bat. Er
wäre ein „Subiectum'^ gewesen, das narih Zimmermann’s Ideal „billig und
.gut“ . gearbeitet .hätte! " ^ . .
Der zweite Ergänzer Charpentier’s ist C. A. S. Hoffmann. Je mehr
durch Männer wie Charpentier und Leske die grossen Züge der geologischen
Landschaft ins Auge gefasst wurden, um -so hiöhr trat die systematische
und topographische Mineralogie in den Hintergrund. Es ist richtig, auf
diesem Gebiete lagen weit mehr Vorarbeiten hier hatten von Agricola
und Kentmann an fast alle Autoren vuich^ hethätigt. Aber Allen hatte noch
die Dräcision'-’-i-n -der-üm'-grenzung der-.-M'inera-lbegnffe '-gefehlt, eine/ Arbeit,
die erst , dem letzten Drittel des “iB: Jahrhunderts einigermassen zu lösen
gelang. Auf Grund dieser geklärterem systematischen Ansichten wollte
Hoffmann nun wieder ans Werk gehen. Was dem Botaniker die Löcalfloren
100
sind, das sollte seine Oryktographie*) für den Mineralogen werden. Sie
sollte bieten, was Charpentier übergehen musste: zur allgemeinen Uebersicht
die Aufzählung der einzelnen Minerallagerstätten unter Berücksichtigung aller
Varietäten. Viel Neues finden wir in der systematisch geordneten Aufzäh-
lung nicht, wohl aber eine kritischere Sichtung des vorhandenen Materials.
Werner und die erste Landesuntersuehung.
Wir kommen nun zum glänzendsten Gestirn der Freiberger Berg-
academie, zum „Vater der Geologie‘^ Abraham Gottlob Werner (geb.
zu Wehrau 1750, 1769 Bergstudent in Freiberg, dann in Leipzig, 1775
Professor in Freiberg, gest. 1817 in Dresden), lieber seinen Lebensgang
ist schon so viel geschrieben worden, dass wir auf eine genauere Dar-
stellung desselben verzichten können**). Sein Wirken, seine Bedeutung für
die Wissenschaft sind ebenso oft dargestellt, meist in begeisterten Lobreden
seiner Schüler, bisweilen in scharfer Kritik von seinen Gegnern. Seit dem
Jahre 1775, in dem Werner als Professor der Mineralogie und Bergbau-
kunde in Freiberg zu wirken begann, strömten aus allen Ländern fähige
Männer, oft schon in den reiferen Jahren stehend, zusammen, um dem
hinreissenden Vortrage des Meisters zu lauschen. Werner’s erstes Ziel
war, eine präcise Kunstsprache zur Beschreibung der Mineralien und ein
brauchbares System zum Einordnen derselben zu schaffen***). Dann ging
*) C. A. S. Hoff mann: Versuch einer Oryktographie von Kursachsen. Bergmann.
Journal, herausgeg. von Alex. Wilh. Köhler, 1. Band. Freyberg 1788.
Der Verfasser benutzt schon Werner’s Forschungsresultate. Eine gute Darstellung
des Standpunktes dervorwernerschen Mineralgeographie Sachsens bietet Johann Wilhelm
Mo eil er durch Herausgabe der „Mineralogischen Geschichte des Sächsischen Erzgebirges“
„eines Ungenannten“. Hamburg, C. E. Bohn 1775.
**) Vergl. hierzu T. L. Hasse: Denkschrift zur Erinnerung an die Verdienste
des K. S. Bergraths Werner und an die Fortschritte bei der Bergakademie zu Freiberg.
Dresden u. Leipzig, Arnoldi 1848.
Zu Wemer’s Andenken, gesprochen in der Versammlung der K. Akademie der
Wissensch. zu München am 25. Oktober 1817 von Karl Caesar Bitter v. Leonhard.
Frankfurt a. M. 1817.
F. L. Becher: Die Mineralogen G. Agricola zu Chemnitz im 16. und A. G. Werner
zu Freiberg im 19. Jahrhundert. Freiberg 1819.
Fried r. Ho ff mann: Die Geschichte derGeognosie und Schilderung der vulkanischen
Erscheinungen. Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834—35.
Berlin 1838.
Christian Keferstein: Geschichte und Litteratur der Geognosie. Halle,
J. Fr. Lippert 1840.
Karl Alfred v. Zittel: Geschichte der Geologie und Paläontologie bis Ende des
19. Jahrhunderts. Leipzig u. München, Oldenbourg 1899. (23. Band der „Geschichte der
Wissenschaften in Deutschland“, herausgeg. durch die histor. Commission bei der K.
Akademie der Wissenschaften, München.)
***) Von den äusserlichen Kennzeichen der Fossilien. Leipzig, Siegfr. Lebrecht
Crusius 1774.
AxelvonKronstedtsV ersuch einer Mineralogie. Aufs neue aus dem Schwedischen
übersetzt und nächst verschiedenen Anmerkungen vorzüglich mit äusseren Beschreibungen
der Fossilien vermehrt von A. G. Werner. Leipzig 1780.
(Das Originalwerk erschien 1758 anonym in Stockholm unter dem Titel: Försök
til Mineralogie eller Mineral Bikets Upställning.)
Ausführliches und sistematisches Verzeichnis des Mineralien - Kabinets des weil,
kurf. S. Berghauptmanns Herrn Karl Eugen Pabst von Ohain, herausgegeben von
A. G. Werner Freiberg u. Annaberg 1791 u. 1792.
A. G. Werners letztes Mineral- System. Aus dessen Nachlasse auf oberbergamtliche
Anordnung berausgegeben u. mit Erläuterungen versehen v. J. C, Freiesieben. Freiberg
u. Wien 1817.
101
er weiter, classificirte auch die Felsarten, entwickelte das Grundgesetz
der relativen Altersfolge und schuf damit die Formationslehre*). Seine
genetischen Forschungen erstreckten sich auf die Vulcane**) — die er ganz
wie Agricola mit entzündeten Steinkohlenfiötzen in Verbindung brachte —
dann auf die Erzgänge***) und schliesslich gipfelten sie in jenem aus-
gesprochenen Neptunismus, der einen langen und erbitterten Streit unter
den Geologen hervorrufen sollte. Was Werner durch seine glänzende
Lehrbefähigung, durch sein Talent zum Systematisiren geleistet hat, das
wird seinen Ruhm leuchtend erhalten, so lange es noch Geologen giebt.
Wenn er sich aber aufs Gebiet genetischer Speculationen wagte, so machte
sich ein Hauptmangel in seiner eigenen Ausbildung bitter fühlbar: ihm
fehlten die Erfahrungen des Feldgeologen. „Er gehörte nicht zu dem
Kreise der reisenden, scharf beobachtenden Geognosten, die mit klarem
Blicke die Verhältnisse der Natur im Grossen übersehen^^ (Keferstein.)
Er verliess kaum das Erzgebirge, und als er in späteren Jahren grössere
Reisen machte, war er schon so in seine vorgefassten Theorien verbissen,
dass ihm nicht mehr zu helfen war. Nur seine geringe Reise -Erfahrung
erklärt es, dass er es fertig brachte, auf die eine „Neue Entdeckung am
Scheibenberger Hügeh^, den scheinbaren Uebergang zwischen Sand, Wacke
und Basalt, die weittragende Schlussfolgerung von der Neptunität des
Basaltes zu ziehen!
Nicht einmal eine gründliche Bereisung des Erzgebirges nahm er vor,
und keine geologische Karte von seiner Hand ist uns überliefert. Nichts
destoweniger sollte Werner für die geologische Kartirung Sachsens eine
bedeutsame Rolle übernehmen.
Bereits im Jahre 1788 war auf Veranlassung der Landes-Oeconomie-
Manufactur- und Commerciendeputation Befehl zur Aufsuchung von Stein-
kohlenfiötzen gegeben worden. Das Bergamt erweiterte den Antrag da-
hin, dass die Untersuchungen auch auf die Entdeckung anderer nützlicher
Mineralien ausgedehnt werde. 1789 wurde dieser Antrag genehmigt; aber
es fehlte zunächst an einem planmässigen Vorgehen. Die Bergstudirenden
erhielten allerhand Aufgaben, theils rein technischer Natur, theils Reise-
berichte oder Reisevorbereitungen, Referate über erschienene Werke.
Ein^n Einblick in die Thätigkeit jener Jahre gewähren die Manuscript-
bände im Freiberger Archiv unter dem Titel „Mineralogische Geographie“.
Erst 1798 nahm man die Arbeit ernstlich in Angriff, indem das
Oberbergamt zu Freiberg mit der Veranstaltung einer geologischen Landes-
untersuchung beauftragt wurdeund dieses den Bergrath Werner mit der Leitung
dieses Unternehmens betraute. Es war für Sachsen ein Glück, dass Werner’s
Ruhm so zahlreiche und tüchtige junge Geologen nach Freiberg führte.
Denn aus diesen musste das Personal für die Landesuntersuchung ge-
*) Doch wollen wir hier nochmals auf die trefflichen Vorarbeiten des thüringer
Geognosten G. C. Füchsel (geh. 1722) hin weisen. Siehe: Historia terrae et maris.
Act. Acad. elect. Mogunt. Ert 1762, und: Entwurf zur ältesten Erd- und Menschen-
geschichte. 1773.
**) G. A. Werner: Versuch einer Erklärung der Entstehung der Vulkanen durch
die Entzündung mächtiger Steinkohlenschichten, als ein Beitrag zu der Naturgesch, des
Basalts. Magazin f. d. Naturkunde Helvetiens, herausgeg. v. Dr. Albrecht Hopfner,
4. Band, Zürich 1789.
***) Neue Theorie von der Entstehung der Gänge mit Anwendung auf den Bergbau,
besonders den freibergischen. Ereiberg, Gerlach 1791.
102
nommen werden. Werner theilte das Land in 92 Unter suoEungsdistricte,
deren Zahl später auf 111 erhöht wurde. (Auf Antrag von Werner’s Nach-
folger Kühn wurde schliesslich die Zahl entsprechend der Gebietsverrin-
gerung Sachsens wieder reducirt.) Jeder District sollte einem älteren, theo-
retisch gebildeten und auf früheren Excursionen hinreichend geübten Aca^
demiker übergeben werden, und als Beistand wurde ein jüngerer Studirender
dem Ersteren untergeordnet. Als kartographische Unterlagen dienten die
Schenkischen Charten von Sachsen. (Später standen zur Verfügung: die
Weimarschen Sectionscharten, die Backenbergischen Charten über den
Schauplatz des 7jährigen Kriegs, die Eeymannschen Chartenmnd schliesslich
die Militairischen Charten von Sachsen.) '
Jeder Expeditionär sollte zunächst eine schriftliche ,,Relation^‘ liefern,
in der 1. ein genaues chronologisches Untersuchungsprotocoll und 2. eine
systematische^ Zusammenstellung der Ergebnisse stünden. “ Als Illustration
dazu war die Herstellung einer „illuminierten petrographischen Charte“
verlangt. Die Farbenscala, die Werner dazu festlegte, ist im Wesentlichen
dieselbe, die sich auf die neueren Karten, namentlich auf die vön Nau-
mann fortgeerbt hat. Werner benutzte Roth für feldspathreibhe Gesteine,
Grün für die Hornblende- und Augitreihe, Gelb für Sandsteinbildungen,
Blau für Kalksteine. ^ .
Die erste Arbeit der „geologischen Landesuntersuchung“ wurde am
19.’ November 1798 von Wilhelm Gottlob Ernst'Becker*) an Werner
eingeliefert. Das 430 Folioseiten starke Manuscript' entspricht einiger-
massen dem aufgestellten Programm, wenn auch die chronologische Reihen-
folge nicht ganz inne gehalten ist. Wie es .noch heute eine löbliche Sitte
unserer Landesgeologen ist, fing auch Becker seinen Bericht mit einer
allgemeinen Landschaftsschilderung an. Es handelt sich wesentlich um
das Granulitgebirge. Das Hauptgestein führt der Werfasser als „Gneiss“
ein; doch gehen ihm bei manchen AufscMusspunkten Bedenken über die
Berechtigung dieses Namens bei, und so hilft er SicK-ä vielfach mit dem
Ausdrucke „eine dem Gneiss untergeordnete GebirgsafPi. Die' Granite
machen ihm bisweilen den Eindruck von später eingeschalteten Gang-
gesteinen; doch als echter Schüler Werner’s weist er diese Vermuthung
selbst zurück. „Man könnte vielleicht nur gedachten Graiiit für einen Gang
ansehen (hier hat Werner ein grosses Fragezeichen an den Rand gemacht);
aber nebst einigen anderen Umständen bestimmen mich besonders seine
oben und unten sichtbaren Ablösungen, denselben für ein eigenes Gebirgs-
lager anzunehmen, weil ich dergleichen Gänge in der dortigen Gegend alle-
mal fest mit den Nebengesteinen verbunden ^gesehen habe.“ Nach Be-
sprechung aller einzelnen Aufschlüsse folgt ein zusammenfassendes Capitel:
,,Ueber die StructUr der in dem untersuchten Districte vorkommenden
Gebirge“. Alle Gesteinsarten sind neptunisch aufgefasst, auch der Porphyr
Nordsachsens.
Als Beigabe finden wir erstens eine topographische Uebersichtskarte
von Schenk (Amsterdam 1749), auf der mit rother Tinte die einzelnen
Reisewege eingetragen sind und zweitens die ,, illuminierte petrogfaphische
*) Auf Höchstem und Hohem Befehle im Sommer d. J. gemachte Geognostische
Beobachtungen in den Gegenden von Haynichen, Waldheim, Rochlitz, Geringswalde,
Hartha, Leisnig, Mügeln, Lommatsch, Döbeln und Rosswein, vorzüglich zu Auffindung
dort vorkommenden Turfs, Steinkohlen und andern brennlichen Fossilien von Wilh.
Gottlob Ernst Becker. Freyberg, 19. Nov. 1798.. .
103
Charte“. Das ist nün freilich nichts weniger, als ein den wirklichen Ver-
hältnissen entsprechendes hleldblatt. Man könnte naeinen, die tadellos
glatten, parallelen Gesteinsgrenzen seien mit dem Zirkel construirte Ellipsen.
Concentrisch folgen -auf einander Gneüs, Granit, Serpentin, Glimmerschiefer,
Thonschiefer, Porphyr. Pfeile deuten das in der Regel radiale Schichtenfallen
an. Andere als „uranfängliche Gesteine“ kommen nicht zur Darstellung.
Es kann nicht unsere Absicht sein, in gleicher Ausführlichkeit über die
zahlreichen Arbeiten zu berichten, die sich im Archiv der Werner’schen
Landesuntersüchung allmählich anhäuften. Es handelt sich hier nur darum,
im Allgemeinen die Arbeitsweise zu kennzeichnen. ^ Jedenfalls ist das
ursprüngliche Programm nie streng durchgeführt worden. Die einzelnen
Berichte weichen in ihrer Anordnung, wie in der Fassung des Themas
wesentlich von einander ab. So hatte z. B. Freiesieben*) nur die sehr
beschräukte' Aufgabe zu lösen, „ob der Verkauf eines Weinbergs im Spiz-
gründe einer künftigen Benutzung des dortigen Kalkbruches von Nachtheil
sein könilte“. Wir finden unter den Feldgeologen eine stattliche Reihe
vom Namen, die später in der Bergwissenschäft einen bedeutenden Ruf
besässen, z. B. Engelbrecht, Kühn;^ Breithaupt**), v. Cotta u. a.***).
Nach Werner’s Tode wurde die Direction der Landesuntersuchung vom
Bergcommissionsrath Kühn übernommen, der auch als Professor der
GeognOsie Werner’s Nachfolger war. Die Arbeiten wurden bis zum Jahre
1880 förtgeführt. Zu einer Publication der Resultate oder gar zu einer
zusämmenfassenden Darstellung derselben kam es jedoch noch nicht. Diese
Aufgabe sollte erst C. F. Naumann lösen. Doch ehe wir in diese nächste
Periode fortschreiten, seien noch einige Karten genannt, die dem Werner-
sehen Archiv mngehören, ohne dass sich ihre Zugehörigkeit zu irgend einem
Manuscript erweisen Hesse. Am ältesten ist jedenfalls die „Carte von
Ertzgebürgischen Creyss in Churf. Sachsen mit allen darinnen befindlichen
Aemtern. ln Amsterdam by-P. Schenk“. In dieses Blatt sind handschrift-
lich mit' a?other Tinte die Ei’zfundorte und zwar mit alchymistischen Zeichen
eingetragen. Ausserdem bezeichnen Bieisti Minien die Grenzen der Erz-
bezirke. Jede Angabe über Verfasser und Jahr fehlt; es ist leicht möglich,
dass -diese Karte von Werner bereits vorgefunden ist. Ein anderes sehr
sauber aüsgeführtes Blatt trägt den Titel „Der Tharandter Wald nebst
denen denselben zunächsti' umgebenden Gegenden. Freiberg 1800“. Die
mit ' Flächencolorit eingetragenen Gesteine sind: Granit, Gneuss, Thon-
schiefer, ürtrapp (— körniger Diäbas); Quarzfels, Kieselschiefer, Urkalk-
schiefer; Porphyr, -Sandstein, Sand,^ ^ Flötztrapp. Pechstein ist nicht an-
gegeben. Die Karte ist ziemlich zuverlässig und auch topographisch
bemerkunswerthv-weil sie eine Anzahl von Bergnamen enthält, die auf den
jetzigen Specialblättern verschwunden sind. Recht interessant sind acht
äneinanderpassende, aber verschieden grosse Karten, die fast das ganze
archäische Gebiet des Erzgebirges und das Elbsandsteingebiet umfassen.
Die mit Wasserfarben colorirten Blätter tragen die Gesteinsnamen mit
Bleistift eingetragen; Merkwürdigerweise ist das Granulitgebiet grössten-
, > *) Untertkän. Relation über die zu Folge Höchsten Befehles vom 29./4. bis 6./5. 1805
in der Gegend von Moritzburg und Roswig gehabte mineralogisch-bergmännische Expedition.
**) Rreithäupt’s Arbeit zeichnet sich durch eine prächtige Karte mit peinlich sauberer
Terraindarstellung in Lehmann’scher Manier aus.
***> Die Namen sind sämmtlich (nebst Archivnummer der Relationen) bei Naumann:
„Geognost. Beschreibung des Königreichs Sachsen“ zu finden.
104
theils weiss gelassen, obgleich die Karte bis Rosswein reicht; auch das
Elbthalschiefergebirge zeigt grosse Lücken. Am besten sind die Granit-
gebiete von Eibenstock und Kirchberg dargestellt, um die sich deutlich
als schmaler Streifen der Contacthof abhebt, ohne dass natürlich irgend
welche genetische Andeutung gemacht wäre. Leider fehlt auch hier jede
Angabe des oder der Autoren. Nur aus den Thatsachen, dass der seit
1788 getaufte „Syenit“ des Plauenschen Grundes bereits angegeben ist
und dass die Blätter im Catalog der oben erwähnten Karte vom Jahre 1800
vorausgehen, lässt sich schliessen, dass die Abfassung zwischen die beiden
genannten Termine fällt.
Werner’s Schüler.
Werner’s Auftreten als Lehrer hatte so befruchtend auf die geologische
Wissenschaft gewirkt, dass die Litteratur von diesem Zeitpunkte an mächtig
anschwillt, liebte zunächst auch des Meisters Autorität etwas lähmend
auf die freie Entwickelung der Meinungen, so erhob sich nach seinem
Tode bald ein frischer Kampf der Geister, der bisweilen zwar etwas hef-
tige Formen annahm, die Klärung der geologischen Probleme aber rasch
förderte. Aus der Fluth der Neuerscheinungen über die geologischen Ver-
hältnisse Sachsens heben wir nur das Wichtigste heraus.
1805 lieferte Chr. Aug. Engelbrecht eine „Kurze Beschreibung des
Weisssteins, einer im geognostischen System bis jetzt unbekannt gewesenen
Gebirgsart“. Der Verfasser hatte seiner Zeit bei der Kartirung des Weiss-
steingebietes theilgenommen, aber vor Beendigung des Protocolls Freiberg
verlassen. Wir erfahren, dass schon 1798 Werner das neue Gestein Weiss-
stein getauft und für eine Anomalie des Gneisses oder Glimmerschiefers
erklärt habe. Engelbrecht sucht im Gegensatz dazu den Weissstein als
einfache Gebirgsart anzusprechen.
Im selben Bande von Moll’s Annalen*) finden wir eine Arbeit des „tief-
eindringenden“ Friedrich Mohs (geh. 1770, gest. 1839) über „den neuen
Granit im sächsischen Erzgebirge“. Er bricht darin mit der alten An-
schauung, dass der Granit das eigentliche Urgebilde sei und unterscheidet
einen neuen Granit, der jünger sein müsse, als Thonschiefer, z. B. der
Ganggranit von Johanngeorgenstadt, der Granit von Geyer und dem Greifen-
stein. Zwar hält er immer noch an der neptunischen Entstehung des Granits
fest; aber er bemerkt die eigenartige, stets ungleichförmige Lagerung,
in Gängen oder übergreifend, die durchaus analog der neueren Porphyr-
und Flötztrappformation ist. Er schliesst daraus auf eine „unruhige,
tumultuarische Bildung“ **).
Werthvolle Aufschlüsse verdanken wir den gemeinsamen Reisen Karl
V. Raumer’ s***) und Moritz v.Engelhardt’s, die Ersterer im Jahre 1808
verarbeitete und — nachdem die betreffenden Gegenden nochmals in Ge-
meinschaft mit Rudolph v. Przystanowski bereist worden waren —
*) Annalen der Berg- und Hüttenkunde. Herausgegeben von Carl Erenbert
Freih. v. Moll, 3. Band. Salzburg 1805, S. 311—326.
**) a. a. 0., S. 326—365.
***) K. V. Raumer ist 1783 in Wörlitz geboren; er studirte zunächst Jura, ging
später zu Werner, trug sieb aber mehr mit philosophischen Problemen, als mit minera-
logischen Studien. Wegen seiner „Fragmente“ wurde er als Professor der Mineralogie
nach Breslau berufen. Nach den Kriegsjahren wurde er nach Halle versetzt ; 1823 war
er Privatlehrer in Nünberg, 1827 Professor in Erlangen, wo er 1865 starb. Er war ein
ebenso geschätzter Schulmann wie Geolog. _
105
1811 veröffentlichte*). — K. v. Raumer untersucht darin die Granite und Sye-
nite des östlichen Erzgebirges genauer und kommt zu dem Ergebniss, dass
diese beiden Gesteine nicht die ältesten seien, sondern dass sie stellen-
weise den Gneiss und Schiefer, ja sogar das üebergangsgebirge überlagern.
Die beigegebene Kartenskizze ist deshalb von Interesse, weil sie ausser
dem Fallen auch das Streichen der Schichten zur Darstellung bringt.
Auch das sächsische Weisssteingebirge wurde durch v. Raumer unter-
sucht und daraufhin 1808 von Engelhardt kartirt. Doch wurde diese
Karte erst 1819 nebst einem kurzen Text als Zugabe zu einer Arbeit über
Schlesien der Oeffentlichkeit übergeben**). Es heisst in dem Text: „Ver-
schiedene Schiefer folgen in gleichförmiger Lagerung dem Weissstein, welcher
deutlich in sie übergeht. Sie constituiren mit ihm eine eigene Gebirgs-
partie. In der Mitte dieser Partie liegt der Weissstein mit mehreren ihm
untergeordneten mächtigen Lagern von Serpentin. Um den Weissstein bilden
die Schiefer, indem sie sich gleichmässig mit dessen äussersten Schichten
wenden und wie sie von der Mitte rings nach allen Weltgegenden ab fallen,
einen vollkommen geschlossenen Mantel“. Die ausgesprochene Ansicht deckt
sich also wesentlich mit der von der jetzigen Landesuntersuchung bisher ver-
tretenen. Das Kartenbild ist ebenfalls im Ganzen dem heutigen entsprechend.
Die Schwierigkeit in der Darstellung der Grenze gegen das Hainichener
Zwischengebirge hat der Autor selbst empfunden und daher seine Darstellung
als verbesserungsbedürftig bezeichnet. Ebenso zeigen sich im Gebiete der
Zwickauer Mulde starke Abweichungen gegen die heutige Linienführung.
Noch ein Schüler Werner’s, der Schwede Heinr. Ohr. Ströhm***), tritt
in dem Streit um das Alter der Granite auf und zeigt, dass bei Freiberg
Ganggranite das Schiefergebirge durchsetzen, also jünger sein müssen.
Und da der Granit überhaupt oft gangförmig sei, könne er nach Ströhm’s
Meinung gar nicht als Glied der alten Schieferformation betrachtet werden,
sondern verhalte sich wie ein Porphyr.
Unter den Kartographen der Periode müssen wir Adolph Schippan
nennen, der nach Werner’s Tode verpflichteter Rathsgeometer und Privat-
lehrer des topographischen Zeichnens in Freiberg war. Er hat zwei
geognostische Karten in sauberster Terrainzeichnung von der Umgegend
von Freiberg und Bräunsdorf entworfen f). Die geologische Darstellung
umfasst nicht, wie damals meist üblich, nur die Urgesteine, sondern be-
rücksichtigt auch Thon, Sand, Lehm, Grus, Torflager, ja selbst die unter-
irdisch nachgewiesenen Kalkpartien. Die Gesteinsgrenzen sind farbig ein-
getragen; auf den weissen Flächen dienen als Hilfen verschiedene Zeichen:
Rechtecke, Dreiecke, Linien- und Punktsysteme.
*) Karl V. Raumer: Geognostische Fragmente. Mit einer Charte. Nürnberg,
Job. Leonh. Schräg 1811.
**) Das Gebirge Nieder-Schlesiens, der Grafschaft Glatz und eines Theils von Böhmen
und der Oherlausitz geognostisch dargestellt durch Karl v. Raumer. Mit 2 Karten.
Berlin, G. Reimer 1819. Darin S. 154: Der Weissstein des nordwestlichen Erzgebirges
und die ihn umlagernden ürschiefer.
***) Mineralogisches Taschenbuch von 1814.
t) Geognostisch -bergmännische Karte der Umgegend von Freiberg im K. S. Erz-
gebirge. Entworfen u. gezeichnet 1817 u. 1818 v. Heinr. Adolph Schippan, gestochen
von F. Hajeck 1822. Dresden, Amoldische Buchh, 1823.
Geognostisch -bergmännische Karte der Umgegend von Bräunsdorf, Riechberg,
Seifersdorf u. s. w. im K. S. Erzgebirge. Geognostisch untersucht, entworfen u. litho-
graphirt v. H. A. Schippan 1825. Freiberg, Craz u. Gerlach.
Wir wollen dieses"^ Cäpitel mit einer Würdigung -des Marines schliessen,
der bis an sein 'Lebensende der treueste ; Schüler Werner’s geblieben ist
und am meisten^ zur Verbreitung von dessen Ideen beigetragen bat: Job.
Karl Freiesieben. Derselbe ist als Abkömmling eirier alten Berg-
mannsfamilie» in Freiberg geboren. 1790 — 92 besuchte er als besonderer
Günstling Werner’s die Bergacademie, Ü792— 94 die Universität Leipzig.
Auf seinen Reisen^ imiL^Leopold von Büch .^ Alexander von Humboldt und
von Schlotheim erweiterte er seinen: Blick. ; 1796 war er Bergamtsassessor
in M^irienbergv 1799 Bergmeister. in idohanngeorgenstadt, 1800 Director
der Mansfelder Kupferwerke. .Nach Werrier’s Tode wurde er niit der
Ordnung von Werner’s bedeutendem .Nachlasse betraut und übernahm bald
darauf die Verwaltüng .der Freiberger Sammlungen. Diese Thätigkeit und
sein eigener grosser Sammeleifer verschämten ihm einen Ausserordentlichen
üeberblick über die. gesainmte mineralogische Litteratur undjeine hervor-
ragende Kenntniss der Fundorte. : Auf diesem Gebiete liegt auch seine
Hauptbedeutung für 'die Geologie rSächserisl ^ denn jvon “seinen epoche-
machenden Arbeiten; über die Dyas» des Südharzes müssen wir hier abseheh.
In seinen „Beiträgen zur mineralogischen Kenntniss von SachsenMi,(FreiT
berg 1817) giebt er eine ^grosse Zahl von - kritischen Einzelmittheilungeü.
Welch ungeheuere Litteratur ’Lreiesleben aber gesichtet hat, wird uns am
besten beim Dürchbliet der 12 Bände des Magazins für die Oryktographie
von Sachsen“ klär J).,. Wlas Hoffmann vierzig Jahre früher geleistet hatte:
eine mineralogische Ergänzung zmüem geologischenuGesammtbilde. Sachsens,
das war auch der Plan Freieslebän’s. iDie Früchte einesi Jahrzehnte langen
Sammelns = werden uns hier worgelegt: reine üebersieht aller. Mineralfund^
orte Sachsens, NotizemJiber rtechnische Verwhrthung derselbeni vor Allem
aber ein Litteraturverzeichniss, das wohll Alles. enthält, was seit Kentmann
über sächsische üMineralien püblicirt, worden 5 ist. Es ist ' kaum glaublich,
wie gewaltig die Kleinlitteratur überdiesen Gegenstand schon angeschwollen
ist; finden wir. doch; allein ^überAäcWsche Quarze gegen .500 - und. über
den Bergkrystall insbesondere mehr r als 200 Quellenangaben! So schuf
Frejesl^en ein bibliographisches Wertüber ^ die Mineraltopographie Sachsens
wie es in gleicher 'Vollständigkeit _wohl :kein Land der Erde besitzt. Sein
langes Leben beschloss er mit/einerubedeutsamen Abhandlung „über die
sächsischen Erzgänge“ (Freiberg 1843 — 45)f Er. starb 1846 auf einer Reise
in Niederauerbach, die -letzte’ Stütze der Werner’schen' Schule — zu einer
Zeit, da der Neptunismus längst YomkVulcariisirius abgelöst war und die
Ansichten sich bereits . :zu einem rriihigereri Fahrwasser durchgerungen
hatten*) **). '
*) Magazin für die Oryktographie von Sachsen. Ein Beytrag zur miheralogischeri
Kenntniss dieses Landes und zur Geschichte seiner Mineralien. In freyen Heften heraus-
gegehen von Joh Karl Freiesiehe n. 1. Heft 1828, Freyberg, Craz u. Gerlach. .
**) Ein Verzeichniss der Litteratur von 1800—1816 gieht das „Neue bergmännische
Journal, herausgegehen von„C. A. S. Hof f mann‘V 4. (letzter) Band, Freiberg 1816, S.488.
Weitere Arbeiten über Sachsen von. Werner’s Schülern nennt Ke f er stein: Ge-
schichte und Litteratur der Geognosie. Halle 1840, S. 228. .
Zusammenstellungen von Mineralienfündorten aus der Werner’schen Periode siehe
Carl Friedr. Mosch: Sachsen historisch - topographisch - statistisch und mit natur-
historischen Bemerkungen.. Dresden u. Leipzig,. Steinacker 1816; : \
Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen; enthaltend eine richtige
und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte,
Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe,; Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. Verfasst von
August Schumann. 2. Band, Zwickaü 1815.
107
Periode der Zusammenfassung.
So lange Werner lebte, hatte er eine grosse Schaar Anhänger, die
ihm blindlings folgten. Nur die gereiftesten seiner Schüler wagten es, an
den aufgestellten Dogmen zu zweifeln. Nach seinem Tode erlosch dieser
unheilvolle Autoritätsglaube; man begann einzureissen und aufzubauen.
Aber die geologische Wissenschaft war jetzt kritischer; sie kämpfte mit
schärferen Waffen; allmählich öffneten sich der gereiften Schwester die
Thore der Universität. An Stelle des einen Centrums der Bergacademie
traten nun mehrere, die in regem Wettbewerb standen.
Hand in Hand mit dieser kritischen Mauserung der Geologie ging
noch eine andere Strömung. Je mehr sich der Stoff häufte, je schwieriger
für den Einzelnen die Orientirung wurde, um so mehr empfand man das
Bedürfniss der Zusammenfassung und Schematisirung. Was Werner der
allgemeinen Mineralogie und Geognosie gegeben hatte, ein System, das
erstrebte das nächste Zeitalter für die topographische Geologie. Man
brauchte Uebersichtskarten und übersichtliche Länderbeschreibungen. Der
Erste, der es wagte, ganz Deutschland als geologisches Ganzes zu behandeln,
war Keferstein, eine heute fast vergessene Persönlichkeit.
Christian Keferstein (geboren 1784 in Halle) war ursprünglich
Advocat. Erst 1835 gab er den Staatsdienst auf, um sich als Dilettant
der Mineralogie zu widmen. Im Umgänge mit K. v. llaumer vertiefte sich
sein Wissen, er begann ßeisen zu machen und trug von diesen ein gross-
artiges Material zusammen, namentlich über Deutschland. Im Streite um
die Genesis des Basaltes suchte er zwischen Werner und seinem vulcanisti-
schen Gegner Voigt zu vermitteln, indem er den Basalt durch eine Art
Gährung in der Tiefe entstehen und durch x4ufblähung emporsteigen Hess.
1820 begann er mit Meinecke das Taschenbuch für Mineralogie heraus-
zugeben, und bald darauf ging er an den kühnen Plan, ganz Deutschland
auf 220 geologischen Blättern zu kartiren. Schon 1821 erschien die
Uebersichtskarte, der bald Karten einzelner Landstriche folgten. Als Text
dazu schrieb er eine Geologie von Deutschland*) in Form einer freien
Zeitschrift. Das System, das er darin zu Grunde legt, weicht etwas
vom Werner’schen ab. In die Gneussformation rechnet er noch immer
den Granit und Porphyr, ferner den Syenit, Gabbro, Weissstein, Horn-
blendeschiefer, Kalk, Grünstein u. A. Die einzige vulcanische ,, Formation“
umfasst: Basalt, Klingstein, Trachit, Dolerit, Wacke, Trass. Schlacken,
Bimsstein.
Die Beschreibung Sachsens finden wir im 2. Hefte des 2. Bandes.
Keferstein gliedert das Land in folgende Gebiete :
1. Sächsisch-böhmisches Erzgebirge.
2. Sächsisches Schiefergebilde.
3. Sächsisches Porphyr- und Steinkohlengebilde.
4. Die das sächsische Gebirge umgebende Ebene mit Lausitz, Sächsischer
Schweiz und dem Basaltgebilde, das ganz Sachsen durchzieht. Den Weiss-
stein stellt er dem Glimmerschiefer nahe, unterscheidet aber auch den
*) Teutschland , geognostisch - geologisch dargestellt, mit Charten und Durch-
schnittszeichnungeii, welche einen geologischen Atlas bilden. Eine Zeitschrift, heraus-
gegeben von Ch. Keferstein. Weimar. 1. Band 1821 (3. Band mit der Karte von
Sachsen 1824).
*
108
Fruchtschiefer und „geschichteten Granit“. Das sächsische Schiefergebirge
mit seinen Kieselschiefern, Grauwacken, Grünsteinen und Kalken vergleicht
er mit dem Harz. Im ,, Steinkohlengebilde“ werden Kohlensandstein und
Schieferthon unterschieden. Auch der „Alpenkalk“ von Mügeln findet
Erwähnung.
Wichtiger als der Text ist für uns die Karte, die dem 3. Bande bei-
gegeben ist*). (Maassstab 1 : 350000). Die Weiland’sche topographische
Unterlage ist nicht viel werth; die Berge des Erzgebirges gleichen fast
alle Tafelbergen, die Tiefe der Thäler erscheint stark übertrieben. Die
geologische Farbentafel verdankt Keferstein keinem Geringeren als Wolf-
gang v. Goethe, der sich für das Unternehmen sehr interessirte und den
der Autor als grossen Farbenkenner um Rath gefragt hatte. Goethe
erzählt uns selbst über die ästhetischen Grundsätze, die ihn bei der Farben-
wahl geleitet haben**). „Man suchte nur die Aufgabe zu lösen, dass der
Eindruck, welcher immer bunt bleiben musste, entschieden bedeutend und
nicht widerwärtig wäre. Der Hauptformation, welche Granit, Gneis, Glimmer-
schiefer mit allen Abweichungen und Einlagerungen enthält, ertheilte man
die Carminfarbe, das reinste, schönste Roth; dem unmittelbar anstossenden
Schiefer gab man das harmonirende reine Grün; darauf dem Alpenkalk
das Violett, auch dem Rothen verwandt, dem Grünen nicht widerstrebend.
Den rothen Sandstein, eine höchst wichtige, meist nur in schmalen Streifen
erscheinende Bildung, bezeichnete man mit einem hervorstechenden Gelb-
roth; den Porphyr andeuten sollte die bräunliche Farbe, weil sie überall
kenntlich ist und nichts verdirbt. Dem Quadersandstein eignete man das
reine Gelb zu, dem bunten Sandstein ein angeröthetes Chamois; dem
Muschelkalk blieb das reine Blau, dem Jurakalk ein Spangrün, und zu-
letzt ein kaum zu bemerkendes Blassblau der Kreidebildung. — Wird nun
der intentirte geognostische Atlas auf solche Weise durchgeführt, so wäre
zu wünschen, dass die Freunde dieser Wissenschaft sich vereinigten und
dieselben Farben zu Bezeichnung eben desselben Gesteins an wendeten, wo-
raus eine schnellere Uebersicht hervorträte und manche Bequemlichkeit
entstünde,“
Leider hat Keferstein nicht gehalten, was Goethe von ihm erhoffte,
weder in der ästhetischen Ausführung, noch in der sachlichen Zuverlässig-
keit. Die handcolorirte Karte von Sachsen zeigt merkwürdige Fehler. So
bedeckt das Quadersandsteingebirge den grössten Theil des Lausitzer Pla-
teaus ; der Granit zieht sich nur in schmalen Streifen von Radeberg nach
Königswartha, über Sebnitz und längs des Spreethaies, und dies Alles, ob-
wohl der Text die Grenzen ganz richtig wiedergiebt. Die Lausitzer Grau-
wacke fehlt vollständig. Der längst bekannte Bärenstein, der Basalt von
Wiesenthal ist nicht angegeben; der Greifenstein ist als Schiefer bezeichnet.
Die Sandsteine bei Tharandt und Dippoldiswalde, die schon 1800 richtig
umgrenzt waren, fehlen. Die Gegenden von Moritzburg, Radeberg, Königs-
brück und am Keulenberg sind weiss gelassen. Wer Keferstein aus seiner
trefflichen Geschichte der Geognosie kennt, kann kaum annehmen, dass
*) Greneral-Cliarte von dem Kgr. Sachsen nach den besten vorhandenen Hülfsmittelu
und nach den neusten äusseren und inneren Begränzungen entworfen von C. F. Wei-
land. Weimar, im Verl, des geogr. Instituts 1824. Keferstein’s geognost. Atlas,
Tafel 12.
**) Goethe ’s Sämmtliche Werke. Cotta’sche Ausgabe* Band IX, S. 553.
109
der Verfasser alle diese Dinge nicht gewusst habe. Fast möchte man
glauben, dass es sich nur um schlechtes Copiren einer Originalkarte
handelte.
Eins zeigte freilich ausserdem Keferstein’s ganzer kartographischer
Versuch unumstösslich: ein derartiges Unternehmen war für einen Mann
zu riesengross und in der damaligen Zeit unmöglich befriedigend durch-
zuführen. Dazu fehlten noch die Detailbeschreibungen für zu viele Ge-
genden Deutschlands.
Selbst ein Leopold von Buch*) konnte dies Ziel nicht erreichen.
Jener Heros der Geologie (geb. 1774 auf Schloss Stolpe, gest. 1852 in Berlin),
der auf jedem Gebiete thätig war, der einen grossen Theil Europas aus
eigener Anschauung kannte, der durch seine Theorie der Erhebungskratere
eine neue vulcanistische Aera begründete, beschloss seine geologische
Thätigkeit ebenfalls mit der Herausgabe einer geognostischen Karte von
Deutschland**).
Dieses Werk erschien seit 1826 bei Simon Schropp in Berlin ohne
Angabe des Bearbeiters. Es besteht aus 39 Blättern (dazu 3 Füllblätter
mit Titel, Farbentafel etc.), umfasst noch weite Theile von England, Frank-
reich, Norditalien, Oesterreich -Ungarn und besitzt einen Maassstab von
1 : 1088000. Die Farbentafel weist nicht weniger als 47 verschiedene
Gesteinsarten auf. Friedr. Hoffmann urtheilt über die Karte: ,,Sie ist
nächst der durch die Bemühungen der geologischen Societät von England
herausgegebenen bei weitem das vollkommenste geognostische Bild, welches
wir von einem gleich grossen bekannten Theil unserer Erdoberfläche be-
sitzen“. Auch der sächsische Antheil, der sich grösstentheils auf „Section
Dresden“ dargestellt findet, weist einen für die damalige Zeit hohen Grad
von Genauigkeit auf Das Archaicum mit seinen Granit- und Porphyr-
einschaltungen, das Steinkohlengebiet, die nordsächsischen Porphyre, der
Buntsandsein, der „Muschelkalk“ von Mügeln sind angegeben. Nur die
Grauwacke fehlt. In der Lausitz ist dieselbe zum Granit geschlagen, bei
Oschatz als Thonschiefer bezeichnet. Der Pläner des Elbsandsteingebiets
führt den Namen „Kreide“. Die Karte von Buch’s erlebte nach der An-
gabe von Zittel bis 1843 fünf Auflagen, gewiss ein Beweis für ein vor-
liegendes Bedürfniss und die Brauchbarkeit.
Trotzdem gab derselbe Verlag kurze Zeit darnach ein ähnliches Werk
heraus, das mehr Einzelheiten zu bringen bestimmt war. Der bereits
früher als Historiker genannte Friedr, Hoffmann (geb. 1797, gest. 1836
als Professor der physikalischen Erdkunde in Berlin) hatte seit 1820 den
Harz und das Tiefland Nordwestdeutschlands genauer untersucht und die
Ergebnisse seiner Forschungen 1830 in einer Karte zu 21 Blatt (nach
Zittel 24) niedergelegt. Nach Hoffmann’s Tode beabsichtigte die Firma
Simon Schropp u. Comp, unter Benutzung desselben Maassstabes eine
Kartirung des im Westen anstossenden Rheinlandes und vor Allem
ganz Südostdeutschlands anzuschliessen. Die Publication begann im Jahre
1836. Das Ueb er sichtsblatt führt 48 (nicht wie im Titel angegeben 50)
*) Leopold V. Buch’s Gesammelte Schriften. Herausgegehen von J. Ewald,
J. Roth, H. Ecl^ und W. Dames. Berlin, Georg Reimer 1867—1885.
**) Geognp^tische Karte von Deutschland und den umliegenden Staaten in 42 Blättern.
Nach den vorzüglichsten mitgetheilten Materialien herausgegehen von Simon Schropp
u. Comp. Berlin 1826.
110
neue Sectionen auf, von denen aber’ scblie’sslich nur 25 fertiggestellt
wurden*).
Auch Sachsen ist unvollendet geblieben. Sowohl der Norden (Section
Leipzig, Grossenhain, Spremberg), als auch der Süden (Section Plauen,
Zwickau, Eger, Teplitz) fehlt. Nur drei Blatt sind (wenigstens in der
Ereiberger Bibliothek) vorhanden, nämlich: 1. Penig, entworfen und ge-
zeichnet von H. Berghaus 1816, gestochen von Jäck; 2. Zittau, entworfen
und gezeichnet von Lieutenant Fils 1830 — 34, gestochen von Heinr. Brose;
3. Dresden, gestochen von Jäck, ohne Zeichnernamen und Jahreszahl.
Alle drei Blätter zeichnen sich durch Angabe von ziemlich viel Einzelheiten
aus, so dass man annehmen muss, die Autoren haben die Manuscriptkarten
des Freiberger Archivs benutzen können. Namentlich Blatt Penig kenn-
zeichnet sich durch gute Linienführung. Auf Blatt Dresden sind einige
Flüchtigkeitsfehler, die vielleicht beim Copiren der Freiberger Concepte
entstanden sind (z. B. Unterbrechung des Gneisszuges durch Granit bei
Klotzsche, Verwechselung des Buntsandsteins mit Quadersandstein). In
Ostsachsen sind fälschlich mehrere Syenitaufschlüsse angegeben und der
Töpfer unter die Basaltberge versetzt. Selbstverständlich ’ ist auch die
Sonderung von Basalt und Phonolith nicht hinreichend durchgeführt.
Der dritte zusammenfassende Geognost neben Keferstein und v. Buch
war Ami Boue (geh. 1794 in Hamburg, studirte in Schottland Medicin,
später in Paris Naturwissenschaften; er war ein Mitbegründer der Societe
geologiqüe de la France, starb 1881 in Vöslau). Seine ausgedehnten Reisen
in Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Italien, der Balkanhalbinsel, seine
internationalen wissenschaftlichen Beziehungen machten es ihm möglich,
auch grosse Gebiete zu bearbeiten. Schon 1822 erschien von ihm eine
Abhandlung ,, Memoire geologiqüe sur FAllemagne^S in der er die deutschen
geognostischen Verhältnisse mit denen Englands verglich. Fernere Arbeiten
in den ,,Annales d’histoire nat.“ von 1824 und eine Darstellung der Alpen-
gesteine (Annales des Mines 1824) bildeten die Grundlage zu seinem
Hauptwerke**), das von C. C. v, Leonhard ins Deutsche übersetzt worden
ist. Boue liefert keine Länderkunde; er geht formationsweise vor, stellt
allgemeine Sätze auf und begründet diese aufs vielseitigste durch Beispiele
aus Deutschland oder durch Vergleiche mit anderen Ländern. Es ist in
Folge dessen ziemlich umständlich, seine Ansichten über Sachsen heraus-
zufinden. Fr ist ein scharfer Gegner des Neptunismiis und tritt vor Allem
für die Gangnatur der Granite und für die Eruptivität der Porphyre ein.
„Mehr als ein deutscher Gebirgsforscher hat gegenwärtig die üeberzeugung
*) Unter dem Titel: Geognostische Charte von Sachsen, Schlesien, einem Theile
Böhmens nnd der Bheinlande in 50 Blättern. Zur östlichen und westlichen Erweiterung
der geognostischen Charte vom nordwestlichen Deutschland des Prof. Friedr. Hoffmann.
Berlin, bei Simon Schropp et Comp. 1836.
ln Bezug auf die beiden zuletzt besprochenen Karten herrscht in der Litteratur,
in Bibliothekscatalogen und Bibliographien eine unglaubliche Verwirrung. Durch Schreib-
fehler, unvollständige Wiedergabe der Titel sind eine ganze Anzahl scheinbar verschiedener
Kartenwerke daraus geworden. Als Autoren für die letzte Karte gelten z B. Schropp,
Hoffmann, von Buch, Fils, Vogel von Falckenstein. (Die letzten Beiden waren nur als
Zeichner bei einigen Sectionen beschäftigt.) Als Kartenzahl finden wir 24, 42, 50.
Einzelne Sectionen, z. B. Dresden, werden als besondere Werke behandelt. Schliesslich
werden auch die Publicationsjahre beider Karten verwechselt.
**) Ami Boue: Geognostisches Gemälde von Deutschland Mit Rücksicht auf die
Gebirgs- Beschaffenheit nachbarlicher Staaten. Herausgegeben von C. C. v. Leonhardt.
Mit 8 Steindrucktafeln. Frankfurt a. M. 1829.
111
erlangt, dass nie, selbst nicht vor den Thoren von Freiberg, geschichteter
Gneiss als vollkommen mantelförmige Ueberlagerung einer Granitmasse
gesehen worden“. „Man kann nicht genug erstaunen, dass man nicht
Ganggranite als spätere Ausfüllung im Thonschiefer ansieht, wo man doch
dieselbe Theorie für die Erzgänge aufgestellt hat“. Die eruptive Gangnatur
der Porphyre und Pechsteine von Planitz erläutert er durch geologische
Kärtchen und Profile. Ebenso wird der Pechstein im Triebischthal als
Verwandter des Porphyrs erwähnt. Selbst ein Einfluss des Porphyrs auf
das Nachbargestein wird constatirt: Ueberall, wo Porphyr in der Nähe
ansteht, hält der Bergmann seine Arbeit ein; es kommt geringwerthiger
Schiefer, überall Unregelmässigkeiten im Streichen und Fallen der Kohlen-
schicliten. Die Plänerschichten bezeichnet Boue als „chloritische Kreide“.
Eine besondere Berücksichtigung finden die tertiären Gebilde, die Boue
nicht nur in den grösseren Becken, sondern auch längs der erzgebirgischen
Thäler festlegt. Er hält die Ablagerungen für Ueberreste alter Seebecken
mit anstossenden kleineren Buchten.
Zittel urtheilt über das ganze Werk: „Es ist dies unstreitig das beste
topographisch-geologische Gemälde Deutschlands aus älterer Zeit, das mit
grosser Sach- und Litteraturkenntnis alle bis 1826 bekannten Thatsachen
zusammenfasst“ *).
Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass Heinrich v. Dechen (geb. 1800
in Berlin, gestorben 1889) namentlich auf Grund der grösseren Schropp-
schen und der Hoffmann’schen Karte 1838 seine treffliche „geognostische
Uebersichtskarte von Deutschland, Frankreich und den angrenzenden Ländern“
herausgab, die bis zur Herausgabe der im Aufträge der deutschen geolo-
gischen Gesellschaft 1869 hergestellten geologischen Karte von Deutschland
desselben Verfassers viel benutzt wurde.
Konnten auch alle diese Allgemeindarstellungen naturgemäss noch
nicht auf einer hohen Stufe der Vollkommenheit stehen, so hatten sie
doch einen hervorragenden Nutzen: sie erweiterten den Blick der Feld-
geologen. Es war nun nicht mehr angängig, geologische Streitfragen auf
dem Boden eines engbegrenzten Gebietes schlichten zu wollen. Die Er-
fahrungen Anderer in fremden Gebieten machten die Forscher befähigter,
ihr eigenes Arbeitsfeld zu bebauen. Nachdem die vielgereisten Männer
V. Buch, V. Humboldt, Boue gewirkt, nachdem Gelehrte, wie Hutton,
Playfair, Hall die Natur erfahrungen durch sinnreiche Experimente nach-
zuprüfen begonnen hatten, konnte keine so engherzige Auffassung in der
Geologie mehr Platz greifen, wie sie zu Werner’s Zeiten herrschte.
C. F. Naumann und seine Zeitgenossen.
Die gewaltigen Umwälzungen der geologischen Anschauungen bildeten
die Schule, die uns Sachsen einen der bedeutendsten topographischen
Geologen des 19. Jahrhunderts erziehen sollte: Carl Friedrich Nau-
mann**). (Geb. 1797 in Dresden, studirte in Freiberg, wurde 1823 Privat-
*) B. ist übrigens auch der Erste, der ganz Europa in einer geognostischen Karte
darstellte (Leonhard, Zeitschrift f. Mineralogie 1827). Freilich ein ganz roher Versuch,
in dem nur die Gesteine der „4 Zeitalter“ unterschieden sind.
**) H. Credner: Worte der Erinnerung an Carl Friedr. Naumann, im Verein von
Freunden der Erdkunde zu Leipzig gesprochen am 17. Dezember 1873. Leipzig, Engel-
mann 1874.
112
docent in Jena, 1824 in Leipzig, 1826 Professor der Krystallograpliie in
Freiberg, 1835 Professor der Geognosie daselbst, 1842 Professor der
Mineralogie und Geognosie in Leipzig, starb 1873). Als gläubiger Anhänger
Werner’s zog Naumann nach Norwegen; bei der Bearbeitung seiner Beise-
ergebnisse erkannte er Granit, Syenit, Porphyr als Eruptivgesteine und
den krystallinischen Kalk als Contactproduct. Mit v. Humboldt und
V. Buch fiel er dann ins andere Extrem, schwärmte für Erhebungskratere
und glaubte im sächsischen Granulitgebirge mit seinem Schiefermantel
einen solchen zu haben, bis er endlich kurz vor seinem Tode den Granulit
wieder als Schichtgestein erklärte.
Welche Dienste Naumann seiner Wissenschaft leistete, indem er sein
,, Lehrbuch der Geognosie“, das bedeutendste derartige Werk seiner Zeit,
herausgab, das steht noch mit goldenen Lettern in der Erinnerung der
gegenwärtig lebenden älteren Geologen. Hier finden wir die reichen Be-
obachtungen seines Lebens in glänzender Weise zu einem einzigen Lehr-
gebäude vereinigt. Sachsen hat ihm aber noch ein anderes Riesenwerk
zu verdanken, nämlich die „Geognostische Specialkarte“*) nebst Er-
läuterungen.
Von der Untersuchung der sächsischen geologischen Districte unter
Werner und Kühn lagen bis 1830 63 Einzelarbeiten vor. Noch fehlte aber
das zweite Hauptstück des Unternehmens: die ,, bildliche und schriftliche
Gesammtdarstellung“ des ganzen Gebietes. Um diese zu ermöglichen, Hess
zunächst die K. Kameralvermessung in Dresden mit Benutzung der besten
vorhandenen Hilfsmittel einen Atlas im Maassstab von 1 : 120 000 in
28 Sectionen herstellen. Der Ausgabe einer geologischen Karte in gleichem
Umfange traten aber finanzielle Bedenken entgegen, und so entschloss
sich die Regierung, die Kartierung auf das eigentliche Gebiet des König-
reiches Sachsen zu beschränken. Auf diese Weise blieben nur folgende
11 Blatt übrig: 6. Bautzen, 7. Zittau, 10. Dresden, 11. Teplitz, 12. Nord-
böhmen, 14. Grimma, 15. Chemnitz, 16. Johanngeorgenstadt, 18. Leipzig,
19. Plauen, 20. Hof. Im Norden wurden die Sectionen, soweit nöthig, durch
einige Grenzstriche erweitert. Um das Rechteck vollzumachen^ wurde der
Raum von Section 8 für Aufnahme des Titels und der Farbentafel bestimmt.
Zur Colorirung wurde Werner’s Scala im Allgemeinen angenommen,
einfache Farben bezeichneten die ausgedehnten Massen, gemusterte die
untergeordneten. Im Ganzen brauchte man 70 verschiedene Gesteins-
darstellungen. Buchstabensymbole, deren alphabetische Reihenfolge die
Altersverhältnisse angab, dienten zur weiteren Orientirung. Schichten-
streichen und -fallen wurden ebenfalls angedeutet. Dunklere Farbensäume
bezeichneten diejenige Grenze des Gesteins, wo es einem älteren auf liegt.
Diese Karte, ein Meisterwerk ersten Ranges, ist zum weitaus grössten
Theile Naumann’s Werk. Zwar spricht er im Vorworte der Erläuterungen**)
nur von „Revisionstouren“, die von 1830 — 34 stattgefunden hätten; aber
*) Geognostische Specialcharte des Kgr. Sachsen und der angränzenden Länder-
Ahtheilungen. Unter Aufsicht des K. Oberbergamtes bearbeitet von den Proff. 0. F.
Naumann und B. Cotta. Herausgeg. v. d. K. Bergacad. zu Freiberg. Gezeichnet u.
lithogr. V. d. K. Kameralvermessung zu Dresden.
**) Geognostische Beschreibung des Königreichs Sachsen und der angränzenden
Länderabtheilungen. Erläuterungen zu der geognostischen Charte des Kgr. Sachsen und
der angrenz. Länderabtheilungen. Herausgegeben von Dr. Carl Friedrich Naumann.
2. unveränd. Aufl. Dresden u. Leipzig 1845.
113
es finden sich so viel neue Errungenschaften in jenen Blättern dargestellt,
dass wohl kein Theil der Karte ohne Naumann’s eigenste Mitarbeit zu
Stande gekommen ist. Der Beginn der Kartenherausgabe fällt ins Jahr
1835, der Schluss ins Jahr 1845. Während der letzten Periode, namentlich
nach seiner Berufung an die Universität Leipzig (1842) theilte sich Naumann
in die Bearbeitung mit Bernhard von Cotta. Zu jeder Section wurden
kostenlose Uebersichten geliefert; denen sich später heftweise die bereits
erwähnten Erläuterungen anschlossen. Es erschienen im Ganzen 5 Hefte.
Mit der revidirten 2. Auflage des 2. Heftes schloss Naumann die Arbeit
ab. Eine geognostische Generalkarte*) 1 : 360000 folgte noch im selben
Jahre; sie bietet 24 handcolorirte Farbenunterschiede. Später hat dann
Naumann unter Benutzung der trefflichen topographischen Karte von
Oberreit das erzgebirgische Becken**) besonders in 2 Blättern dargestellt,
dem kurz vor seinem Tode eine anschliessende Karte des Hainichener
Zwischengebirges***) folgte.
Welch gewaltige Summe von Arbeit in all diesen Blättern steckt,
lässt sich im Rahmen dieser Abhandlung nicht erörtern. Aber jeder Geolog,
der heute Specialgebiete in Sachsen bearbeiten will, muss noch zurück-
gehen auf Naumann. Er war seiner Zeit weit vorausgeeilt; er erkannte
geologische Thatsachen und deutete Verhältnisse, ohne dass ihm oft die
Forschungsmethoden seiner Zeit erlaubt hätten, den strengen Beweis für
seine Behauptungen zu erbringen. Aber die Specialuntersuchung unserer
jetzigen Landesanstalt hat oft genug Gelegenheit gehabt, diesen fehlenden
Nachweis zu liefern. Ja es giebt Fälle, wo unsere Sectionsgeologen von
Naumann’s Meinung abgingen und die neuesten monographischen Arbeiten
doch zur alten Ansicht zurückkehren mussten.
Wir können Naumann’s Leistungen wohl nicht besser kritisiren, als
der berufenste Beurtheiler, sein geistiger Erbe und Nachfolger Herrn.
Credner: „Die Karten und Erläuterungen bergen einen wahren Schatz
neuer, hochwichtiger Beobachtungen und ein vollkommen klares Bild, und
erregten als die ersten Arbeiten ihrer Art in Deutschland allgemeine Be-
wunderung. Sie waren lange ein Muster für alle ähnlichen Untersuchungen.
Man erstaunt vor dem Scharfblick des Mannes, der über ungenügende
topographische Grundlagen gebietend, die verwickelte Geotektonik des
Landes so richtig zu erfassen und wiederzugeben wusste. Man wird ihn
umsomehr bewundern, wenn man bedenkt, dass die Kartirung nur eine
Ferienarbeit war und dass ihm weder eine Anlehnung an Nachbararbeiten,
noch eine Ausnutzung specieller Aufnahmen zu statten kam“.
Welchen Antheil Bernhard von Cotta (geboren 1808 bei Meiningen,
1832 — 1842 an der Forstacademie Tharandt, 1842 — 1874 Professor der
Geognosie in Freiberg, gestorben 1879) an der Herstellung der Special-
karte hat, lässt sich schwer abgrenzen. Die Erläuterungen geben darüber
ebenso wenig Auskunft, wie über die Betheiligung anderer Mitarbeiter.
*) Geognostische Generalcharte des Kgr. Sachsen und der angrenzenden Länder-
Abtheilungen. Unter Aufsicht des K. S. Oberbergamts zusammengestellt von C.F. Nau-
mann, herausgegeben v. d. K. Bergacademie zu Freiberg, gezeichnet u. lithogr. v. d. K.
Kameralvermessung zu Dresden. 1845.
**) Carl Naumann: Geognostische Karte des erzgebirgischen Bassins im Kgr.
Sachsen. Leipzig, W. Engelmann 1866. 2 Sectionen.
***) Carl Naumann: Geognostische Karte der Umgegend von Hainichen im Kgr.
Sachsen. Mit Erläuterungen. Leipzig 1871.
114
Doch hatte B. v. Cotta auch Gelegenheit, sich allein um die Erforschung
Sachsens verdient zu machen. In seinen „Geognostischen Wanderungen“*)
legte er die Erfahrungen nieder, die er namentlich auf seinen Excursionen
in der engeren und weiteren Umgebung Tharandts und Dresdens gesammelt
hatte. Auch eine Karte über die Verbreitungsgebiete der Kohlen**) ver-
danken wir ihm. In seinen späteren Lebensjahren widmete er sich mit
grossem Eifer der Popularisirung der Geologie. Seine Schriften über,, Deutsch-
lands Boden“ (1854) und die „Geologie der Gegenwart“ (1866) trugen wesentlich
zur Verbreitung geologischer Kenntnisse — auch soweit sie sich auf den
sächsischen Boden beziehen — bei und erwarben ihm grosse Anerkennung.
Es ist charakteristisch, wie sich in der Naumann’schen Aera allmählich
eine Decentralisation der geologischen Forschung einstellte. Neben Leipzig
und Freiberg traten Dresden und in geringerem Maasse noch verschiedene
andere Städte. Es bildeten sich naturforschende Gesellschaften, die sich
als Hauptaufgabe die Erschliessung des heimathlichen Bodens stellten.
Es wäre hier am Platze, die Verdienste dieser Gesellschaften, die in
emsiger Kleinarbeit am allgemeinen Werke sich betheiligten, vor Allem
die Mitwirkung der Dresdner „Isis“ zu würdigen. Wir müssen es uns ver-
sagen und auf die zahlreichen Abhandlungen dieser Gesellschaften ver-
weisen. Aber einige Männer mögen als Repräsentanten jener Bestre-
bungen in dankbarer Anerkennung erwähnt werden. Allen voran steht
Hanns Bruno Geinitz (geb. 1814 in Altenburg, seit 1837 in Dresden,
1838 Lehrer an der Technischen Bildungsanstalt, 1847 Inspector des
K. Naturaliencabinets, 1857 Director des Mineralogischen Museums, gest.
am 28. Januar 1900)***). Er wurde bald nach seiner Ankunft in Dresden der
geistige Mittelpunkt aller mineralogischen und geologischen Bestrebungen
daselbt. Was er speciell für Sachsen gethan hat, das lehrt am besten ein
Gang durch das K. Mineralogische Museum, das in vielen Theilen seine eigenste
Schöpfung ist. Von seinem selbständigen Amtsantritt an gründete er
eine besondere Abtheilung für vaterländische Mineralien und stellte sich
als Lebensaufgabe, „die Urgeschichte Sachsens in allen ihren einzelnen
Epochen zu erforschen und in dem wohlgeordneten Museum zu verewigen“.
Die paläontologische Geologie war sein eigentliches Forschungsgebiet. Hier
hat er gewaltiges Material zusammengetragen, theils auf eignen Excursionen,
theils mit Hilfe seiner vielseitigen Beziehungen. Und das Wichtigste: er
hat dieses Material in dem arbeitsreichen Leben eines halben Jahrhunderts
fast durchgängig selbst verarbeitet, beschrieben, gezeichnet. Vieles neu
‘benannt. Seine Monographien behandeln die Graptolithen (und fälschlich
*) B. V. Cotta; Greognostische Wanderungen. Dresden u. Leipzig 1836.
**) Kohlenkarte , auf welcher die Verbreitungsgebiete der Koblenformationen im
Kgr. Sachsen dargestellt sind. Herausgeg. v. B. Cotta. Freiberg, Engelhardt 1856.
***) Hanns Bruno Geinitz. Ein Lebensbild aus d. 19. Jahrh. von F. Eugen Gei nitz.
Leopoldina 1900, 36. H. Mit vollständ. Verzeichniss seiner Veröffentlichungen.
E. Kalkowsky: H. B. Geinitz, die Arbeit seines Lebens. „Isis“ 1899.
Die für Sachsen wichtigsten Werke Geinitz’s:
1850. Das Quadergebirge oder die Kreideformation in Sachsen.
1852/53. Die Versteinerungen der Grauwackenformation in Sachsen und den angrenzenden
Länderabtheilungen.
1855. Die Versteinerungen der Steinkohlenformation in Sachsen.
1856. Geognostische Darstellung der Steinkohlenformation in Sachsen mit besonderer
Berücksichtigung des Rothliegenden.
1858. Das Kgl. Museum in Dresden.
1871/75. Das Elbthalgebirge in Sachsen. ...
115
hierher gestellten Nereiten) des vogtländischen Silurs, die Pflanzen des
Carbon und der Dyas und vor Allem die Versteinerungen des Elbsandstein-
gebirges. Rastlos forschte er auf seinen Hauptgebieten weiter, immer aufs
Neue sich selbst ergänzend und verbessernd; bis kurz vor seinem Tode
war er litterarisch mit den Schätzen seines Museums beschäftigt. Die
zahlreichen Anregungen, die die „Isis“, sein Schoosskind, von ihm em-
pfangen hat, wurden ebenfalls wichtig als Anstösse für neue Arbeiten von
anderer Seite. Reiche Anerkennung ist ihm schon bei Lebzeiten zu Theil
geworden, als ein „Markstein“ ragt seine Persönlichkeit aus der Geschichte
der neueren Geologie hervor — als eine Klippe freilich auch, die oft vom
Streite der Meinungen umtost war. Denn Geinitz war äusserst conservativ,
für Argumente Anderer schwer zugänglich, und so wurde er mit der ganzen
Wucht seiner Autorität zu einem Hemmniss für die Fortentwicklung mancher
geologischen Probleme auch innerhalb Sachsens.
Der Oberst Christian August von Gutbier'“') (geb. 1798 in Ross-
Avein, 1816 in die Armee eingetreten, 1821 — 47 in Zwickau, nach dem Schles-
Aviger Feldzuge in Dresden, 1853 Untercommandant der Festung Königstein,
1863 pensionirt, 1866 in Dresden gest.) gehört ebenfalls zu den thätigsten
Mitarbeitern der Naumann’schen Aera. Jeder seiner Aufenthaltsorte wurde
der Anlass zu bedeutsamen geologischen Arbeiten. Der Zwickauer Stein-
kohlenbergbau, der in den 30 er Jahren eben aufzublühen begann, verdankt
V. Gutbier die erste gründliche stratigraphische und paläontologische
Bearbeitung* **)'^). Ein grosser Theil der fossilen Pflanzen ist von ihm neu
entdeckt und seine Sammlungen derselben bilden jetzt einen wichtigen
Bestandtheil des dresdner Museums. Er war es auch, der zuerst die
untere Dyas***) vom Carbon abtrennte und das Verhältniss zwischen
marinem Zechstein und terrestrischem oberen Rothliegenden kartographisch
fixirte. Von Königstein aus studirte er die Fels- und Verwitterungsformen
der Sächsischen Schweiz und gab darüber ein treffliches Werkf) heraus.
Die Sandformen der Dresdner Heide ff) beschäftigten ihn in seinen letzten
Lebensjahren.
Als Dritter verdient genannt zu werden Friedrich August Falloufff)
(geb. 1795 in Zörbig bei Dessau, gest. 1877 in Dietenhain bei Waldheim).
Er lebte als Advocat in Waldheim. Die benachbarten Serpentinlager bil-
deten das erste geognostische Thema*f), mit dem er sich eingehender be-
schäftigte. Seine Hauptleistuiigen liegen aber auf dem agronomischen Ge-
biete, und seine Schriften über Sachsens Boden *ff), seine agronomisch-
*) Biographie und Schriften verzeichniss in den Sitzungsberichten der „Isis“,
Dresden 1866, S. 59—63.
**) Geognostische Beschreibung des Zwickauer Schwarzkohlengehirges und seiner
Umgebungen. Zwickau 1834.
Abdrücke und Versteinerungen des Zwickauer Schwarzkohlengehirges und seiner
Umgebung. Zwickau 1835.
***) Die Versteinerungen des Rothliegenden in Sachsen. Dresden und Leipzig
1849.
f) Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz. Leipzig 1858. Mit geo-
gnostischer Karte.
ff) Die Sandformen der Dresdner Heide bezogen auf das Elbhassin. Dresden
1865.
fff) Biographie und Schriftenverzeichniss siehe in den Sitzungsberichten der „Isis“,
Dresden 1878, S. 1.
*f) Ueber das Waldheimer Serpentingehiet. Jahrbuch für Mineralogie 1843.
*ff) Grund und Boden des Kgr. Sachsen und seiner Umgebung. Dresden 1868.
116
chromatisclien Tafeln, seine Arbeiten über den Löss*) waren seiner Zeit
bahnbrechend.
Im Jahre 1843 thaten sich die Führer der sächsischen Naturforscher
zusammen, um ein übersichtliches Bild von Sachsen zu geben**). Dieses
Werk, das eine geognostische Skizze von Obersachsen und der Lausitz
enthält, bietet uns in Kürze die Grundsätze, in denen sich Naumann’s
Auffassung des sächsischen Gebirgsbaues auszeichnet. Das Erzgebirge
wird als einseitig emporgetriebene „Flarde“ der Erdkruste geschildert.
Die Granitmassen zeigen Einfluss auf die benachbarten Schichtgesteine.
Der Granulit ist ein uraltes platonisches Gebilde, das die ursprüngliche
Erstarrungskruste durchbrach und nach aussen wallartig aufwarf, sodass
das Sächsische Mittelgebirge einem „Erhebungskrater“ gleicht. Auch das
Oschatzer Grauwackengebiet ist durch den Granit des Dürrenberges empor-
gehoben und schiefgestellt worden. Das erzgebirgische Bassin gilt als sehr
alte Mulde, als Resultat von Gebirgserhebungen. Das Elbbecken wird im
SW durch eine alte Schieferabdachung begrenzt, während die rechte Thal-
seite mit ihren üeberschiebungen noch nicht recht aufgeklärt ist. Die Ein-
theilung des Kreidegebirges ist noch ziemlich einfach: Unterquader, Unter-
pläner, mittlerer, oberer Pläner, Oberquader.
Um die Ergebnisse der Naumann’schen Karte allgemeiner zugänglich
zu machen, erschienen fast gleichzeitig im Jahre 1860 zwei Nachbildungen
derselben. Die eine (1:592000) bot Henry Lange***) in seinem Atlas
von Sachsen, nebst einem Text, der sich eng an die „Gäa“ anlehnt. Die
Karte ist sachlich gut copirt, von guter, wenn auch etwas zu lichter Farben-
stimmung. Die zweite Karte stammt von Moritz von Süssmilch-
Hörnigf) (1:500000). Sie unterscheidet sich stofflich durch Einführung
des ,, jüngeren Gneiss“. Die Zahl der getrennten Gesteine ist 22; aber
der Billigkeit zu Liebe sind nur 3 Farbenplatten verwandt, alles übrige
müssen Striche und Punkte thun. So entsteht ein Bild, so undeutlich und
unruhig, dass es mit Lange’s Karte nicht entfernt rivalisiren kann.
Mit der Herausgabe dieser popularisirenden Karten können wir die
Aera Naumann’s als abgeschlossen betrachten.
Die geologische Laudesanstalt unter H. Credner.
Die Wissenschaft kennt keinen Endpunkt. Kaum war Naumann’s
Specialkarte vollendet, so begann die geologische Forschungsmethode einen
solchen Grad der Verfeinerung anzunehmen, dass die eben beendete Arbeit
in vielen Theilen veralten musste. Die Paläontologen schafften reiches
Material herbei und ebneten damit die Wege für eine genauere Alters-
gliederung der Versteinerungen führenden Formationen. Die Einführung
des Polarisationsmikroskops in die petrographische Untersuchung während
der sechziger Jahre enthüllte eine so ungeahnte Mannigfaltigkeit in der
*) Ueber den Löss bes. in Bezug auf sein Vorkommen im Kgr. Sachsen. Jahrbuch für
Mineralogie 1867.
**) Gäa von Sachsen oder physikalisch-geographische und geognostische Skizze für
das Kgr. Sachsen etc., bearbeitet von 0. F. Naumann, B. Cotta, H. B. Geinitz, A. v. Gut-
bier, M. A. Schiffner und L, Reichenbach. Dresden und Leipzig 1843,
***) Henry Langes Atlas von Sachsen. Ein geographisch-statistisches Gemälde des
Kgr. Sachsen. In 12 Karten mit erläut. Text. Leipzig, Brockhaus 1860.
t) M. V. Sü ssmilch-Hörnig: Historisch-geographischer Atlas von Sachsen und
Thüringen. Dresden, Boetticher 1860.
117
Structur und mineralogisclien Zusammensetzung der Gesteine, gab so zahl-
reiche Anhaltspunkte für deren Genesis und spätere Umwandlungen, dass
das System derselben sich vollständig umgestalten musste.
Niemand wusste diese Biesenfortschritte besser zu würdigen als Nau-
mann selbst. Er war es, der noch an seinem Lebensabend für den Plan
ein trat, von Neuem und mit grösseren Mitteln an die Ausarbeitung einer
Specialkarte von Sachsen heranzutreten, einer Karte, wie sie Preussen in
Vereinbarung mit den thüringischen Staaten bereits seit 1863 zu schaffen
begonnen hatte.
Der Plan fand bei der Regierung Anklang; aber an eine Verwirk-
lichung desselben konnte nicht eher gedacht werden, als bis eine entsprechend
genaue topographische Grundlage — deren Maassstab wegen der Ueber-
einstimmung mit Preussen 1 : 35000 sein musste — vorhanden war. Diese
zu schaffen, wurde 1871 vom K. Finanzministerium der Oberst Vollborn
berufen.. Nach einigen Experimenten über die Ausführung derselben —
ob mit Schraffen oder Höhencurven, ob einfarbig oder mit brauner Gebirgs-
und blauer Wasserplatte, ob Kupferstich oder Lithographie — konnte
Vollborn der „Isis“ in Dresden ein Programm vorlegen, dem wir folgende
Notizen entnehmen*).
Die neue Specialkarte 1 : 35000 sollte 156 Sectionen umfassen, die
sich auf 14 Gürtel oder Banden vertheilten und je 10 Gradminuten Rand-
länge erhielten. Als Unterlage dienten die alten Mensalblätter 1 -. 13000
bez. 1 : 34000 aus dem topographischen Bureau des K. Generalstabes. Jedes
dieser alten Blätter entsprach einer Quadratmeile, die Meile zu 13000
dresdner Ellen gerechnet. (Das Verhältniss der dresdner zur geographischen
Meile ist 1 : 1,19.) Diese „Meilenblätter“ waren nun zunächst im Terrain
zu revidiren und dann auf photographischem Wege auf den Maassstab
1 : 25000 zu reduciren. Jedes neue Blatt enthielt 3,379 Quadratmeilen
und war 0,5 m breit und lang. Die Gesammtfläche der Karte lässt sich
somit auf 33,55 Quadratmeter berechnen. Um die Höhenverhältnisse nach
preussischem Muster in Aequidistanten darstellen zu können, machte
sich eine grössere Zahl neuer Punktbestimmungen nöthig, die Vollborn für
ganz Sachsen auf 33000 veranschlagt. Die Kosten des Unternehmens
waren vorläufig mit 67476 Thaler 4 Neugroschen angegeben.
Nun handelte es sich um die schwierige Frage, wie die geologische
Seite des Unternehmens zu reorganisiren sei und vrer die Leitung über-
nehmen sollte. Noch stand Naumann in Leipzig am Ruder (sein Rück-
tritt erfolgte 1870); er kam also zunächst in Frage. Ihn ohne frei-
willigen Verzicht zu übergehen, war nicht gut angängig. Ebenso waren
V. Cotta und Geinitz wegen ihrer Verdienste bei der vorigen Untersuchung
in Rücksicht zu ziehen. Man dachte wohl eine Zeit lang an ein Triumvirat,
in dem Naumann die Oberleitung behielt, v. Cotta für sich die Eruptiv-
gesteine und Geinitz die paläontologischen Sachen reservirten. Aber dieser
Plan trug den Todeskeim in sich; er beruhte auf einer Arbeitstheilung,
die undurchführbar gewesen wäre. Ausserdem war noch zu bedenken,
dass ein Unternehmen von voraussichtlich Jahrzehnte langer Dauer besser
einem jüngeren Manne der neuen Schule anvertraut wurde, der einige
Garantie bot, es auch als sein Lebenswerk zu Ende führen zu können.
*) Vollborn: Die kartographische Grundlage für die neue geologische Karte von
Sachsen. Sitzungsberichte der „Isis“, Dresden 1871.
118
Dieser Meinung war auch das Ministerium, vor Allem der Decernent Ge-
heimrath Otto Freiesieben, der als Mitarbeiter bei der Naumann’schen
Kartirung die Schwierigkeiten der Aufgabe voll zu würdigen verstand, besser
als Naumann selbst, der sich die Aufnahme zunächst nur als eine mehrere
Jahre dauernde Revision dachte. Freiesieben war es auch, der zuerst
das Augenmerk der Regierung auf einen jüngeren Mann lenkte und diesen
— allen Gegenströmungen zum Trotz — zum Director der neuen Landes-
anstalt vorschlug. Dieser ,, Protege der Regierung“ war Hermann Credn er.
Credner war am 1. October 1841 in Gotha als Sohn des bekannten
thüringer Geognosten Heinrich Credner geboren. Er hatte in Clausthal,
Breslau und Göttingen seine Studien absolvirt. Seine ersten geognostischen
Arbeiten behandeln die Gegenden von Hannover und Andreasberg. In
den Jahren 1864 — 68 bereiste er die centralen und östlichen Gebiete
Nordamerikas. Nach seiner Rückkehr habilitirte er sich 1869 in Leipzig
und wurde bereits im Sommer 1870 ausserordentlicher Professor. Er trat
also nach Sachsen ein als ein Neuling, noch wenig bekannt durch litterarische
Arbeiten. Aber eins hatte er sich auf seinen nordamerikanischen Reisen
erworben, was ihn in hervorragendem Maasse zum Feldgeologen geschickt
machte: das war der freiere Blick des Weltreisenden, die im Felde ge-
sammelte Anschauung der verschiedensten Formationsgebilde.
Wir übergehen mit Stillschweigen die persönlichen Schwierigkeiten,
die dem jungen „Ausländer“ in den Kreisen sächsischer Geologen bereitet
wurden — genug, durch das thatkräftige Eintreten Freiesleben’s wurde
Credner im Sommer 1872*) mit der Organisation und Leitung der geo-
logischen Kartirung Sachsens beauftragt.
Das Jahr 1872 verging mit Vorarbeiten. David Brauns (bereits
bekannt durch seine Arbeiten über die Juraformation Norddeutschlands),
Alfred Jentzsch (damals noch Student) und Seininarlehrer E. Weise wurden
ausgesandt, um eine Anzahl Bahnlinien (zuerst Leipzig— Zeitz) geologisch
aufzunehmen, zu profiliren und damit einige Fixpunkte für die späteren
Arbeiten zu schaffen.
Am 31. Januar 1873 trat endlich die Regierung mit einer Ver-
ordnung hervor, in der die Gründung einer geologischen Landesanstalt
bekannt gegeben wird. Da wir in Ermangelung des früheren Ernennungs-
datums diese erste officielle Kundgebung als den Geburtstag der Landes-
anstalt annehmen müssen, sei ihr Wortlaut hier abgedruckt:
Verordnung,
die Bearbeitung einer neuen geologischen Karte des
Königreiches Sachsen betreffend,
vom 31. Januar 1873.
Nachdem mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Majestät des Königs die
Herstellung einer neuen geologischen Karte des Königreiches Sachsen be-
schlossen, auch der dazu nöthige Aufwand von den Ständen des Landes
bewilligt worden ist, soll zu diesem Zwecke eine specielle Untersuchung
*) Da die Ernennungsurkunde dem Besitzer abhanden gekommen ist, sind wir nicht
in der Lage, den Zeitpunkt genauer zu bestimmen.
119
des ganzen Landes vorgenommen werden, mit deren Leitung der Professor
der Geognosie an der Universität Leipzig Dr. Credner beauftragt worden ist.
Je wichtiger und werthvoller eine möglichst genaue und vollständige
Kenntniss der Bodenverhältnisse nicht blos in wissenschaftlicher Beziehung,
sondern namentlich auch für die land- und forstwirthschaftliche und ge-
werbliche Bodenbenutzung aller Art ist, um so mehr darf erwartet werden,
dass diesem gemeinnützigen Unternehmen auch von Seiten aller nicht un-
mittelbar dabei Betheiligten, insbesondere der bestehenden wissenschaftlichen
und landwirthschaftlichen Vereine, sowie von den öffentlichen Lehrern und
allen sonst sachkundigen Personen ein entsprechendes Interesse geschenkt
und vorkommenden Falls die wünschenswerthe Erleichterung und Unter-
stützung entgegen gebracht wird.
Die sämmtlichen Verwaltungsbehörden des Landes, sowie die Gemeinde-
vorstände und alle Besitzer und Verwalter von Grundstücken werden daher
aufgefordert, dem Professor Dr. Credner und seinen, von ihm legitimirten
Mitarbeitern nicht nur die Begehung von Grundstücken, sowie die Einsicht
in Karten, Schriften und Sammlungen auf Ansuchen zu gestatten und die
thunlichste Förderung ihrer Arbeiten zu gewähren, sondern auch von der
Vornahme einzelner, interessante x4.ufschlüsse über den Bau des Erd-Innern
versprechender Arbeiten, wie Wegebauten, Gräben-, Stollen-, Schacht-,
Brunnenanlagen, Bohrversuche, Steinbrüche u. s. w., sowie von dem Funde
etwaiger, für die Geologie verwerthbarer Gegenstände, wie z. B. Skelette,
Steinwerkzeuge, Urnen u. s. w. oder von Meteorfällen, Höhlenerschliessungen
u. dergl. den Professor Dr. Credner möglichst bald zu benachrichtigen,
damit derselbe nöthigenfalls die geeigneten Schritte thun kann, die sich
bietenden Aufschlüsse für die Zwecke der geologischen Landesuntersuchung
nutzbar zu machen.
Dresden, den 31. Januar 1873.
Finanz -Ministerium, Ministerium des Innern,
Ministerium des Cultus und öffentlielien Unterrichts.
(gez:) von Friesen. von Nostitz-Wallwitz. Gerber.
Leonhardi.
Gleichzeitig unterbreitete Credner der Oeffentlichkeit sein Ar beit s-
programm^). Er bezeichnet darin als Aufgabe der Landesanstalt 1. die
genaue Erforschung des geologischen Baues, des Mineralreichthums und
der Bodenverhältnisse Sachsens, 2. die Nutzbarmachung der Resultate für
Wissenschaft, Land- und Forstwirthschaft, Bergbau, Verkehr und die
übrige technische Betriebsamkeit. Diese Aufgabe sollte gelöst werden nicht
nur durch Herstellung der Karten, Profile und erläuternden Text, sondern
auch durch Publication von selbständigen Aufsätzen und grösseren Ab-
handlungen und endlich durch Herausgabe eines abschliessenden Haupt-
werkes, Die Resultate der Untersuchung, Handstücke, Dünnschliffe, Original-
karten sollten zusammen mit einer Bibliothek zu einemArchiv vereint werden.
Besondere Aufmerksamkeit sollte auch ferner der Profilirung der Eisenbahnen,
„der grossartigsten Schurfgräben, welche geologischen Untersuchungen zur Dis-
position stehen können“, gewidmet werden, um in diesen Profilen ein Netz
*) H. Credner: Die geologische Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen.
Leipzig 1873.
120
von unverrückbaren geologischen Aufscblusspunkten zu construiren, das
zur Controlle und möglichst fehlerlosen Grundlage, sowie zur späteren
Correctur der eigentlichen geologischen Aufnahme dienen sollte.
Die erste Publication der Landesanstalt war rein bibliographischer
Natur: sie brachte eine Zusammenstellung der seit 1835, also seit Beginn
der Naumann’schen Aera, veröffentlichten Litteratur über die Geologie
Sachsens*), gewissermassen das litterarische Rüstzeug der jungen Feld-
geologen.
Im Frühjahr 1873 begann die eigentliche Kartirung. Es war ein
schwerer Anfang. Schwierigkeiten aller Art gab es zu überwinden. Deutsch-
land besass damals noch keine geschulten Kräfte für eine derartige Spe-
cialaufnahme und so musste gerade in der wichtigsten Periode mit Männern
begonnen werden, die kaum die Universität verlassen hatten, die für ihre
neue Arbeit nicht viel mehr als den guten Willen mitbrachten. Die Landes-
anstalt musste sich erst selbst Mitarbeiter heranziehen, bis sie nach manchem
Fehlgriff und mancher Mühsal über einen geeigneten Stab von Forschern
verfügte.
Dazu kamen Schwierigkeiten technischer Natur. Die topographische
Kartirung war noch nicht bis zum Druck von Blättern vorgeschritten;
man war vorläufig (noch theilweise bis ins dritte Jahr hinein) auf die
photographischen Reductionsblätter angewiesen, die zum Aufträgen von
Ergebnissen mit Stift und Farbe höchst ungeeignet waren. Ausserdem
wurde die Kartirung durch die nothwendige Anpassung an das Fort-
schreiten der topographischen Arbeiten auf Gebiete gelenkt, die wegen
ihrer verwickelten Verhältnisse nicht an den Anfang gehörten. Section
Flöha und Chemnitz waren die ersten, deren Kartengrundlage fertig wurde.
Karl Alfred Jentzsch (geb. 1850 in Dresden) bearbeitete Flöha,
durch seine geologische Vielgestaltigkeit wohl eins der schwierigsten Ge-
biete, die Sachsen aufzuweisen hat. Als die Section bis auf die Nordwest-
ecke fertig kartirt war**), wurde Jentzsch nach Königsberg berufen und
seine Karte einstweilen ad acta gelegt. In Chemnitz arbeitete Theodor
Sieger t (geb. 1835 in Oelsnitz i. V.), weiter westlich begann bald darauf
Hermann Mietzsch***) (geb. 1846 in Burkhardswalde).
Im Gneissgebiet, wie im erzgebirgischen Becken sollten sich aber auch
ernste sachliche Hemmnisse in den Weg stellen. Wer hätte nach den
*) A. Jentzsch: Die geologische nnd mineralogische Litteratur des Kgr. Sachsen
und der angrenzenden Ländertheile von 1835 bis 1873. Leipzig, Engelmann 1874.
Diese Arbeit wird ergänzt durch August Erenzel’s „Mineralogisches Lexicon für
das Königreich Sachsen. Leipzig, Engelmann 1874“, eine Fortsetzung zu Freiesleben’s
Oryktographie.
Als besonders glücklicher Umstand darf wohl auch betrachtet werden, dass das
Jahr 1873 zwei Neuerscheinungen brachte, die zum ersten Male die Methode der
mikroskopischen Gesteinsuntersuchung ausführlich darlegten, nämlich
H. Kosenbusch: Mikroskopische Physiographie der petrographisch wichtigen
Mineralien. Stuttgart 1873;
F. Zirkel: Die mikroskopische Beschaffenheit der Mineralien und Felsarten.
Leipzig 1873.
**) Eine genaue Copie dieser Karte wurde dem Verfasser durch die Freundlichkeit
des Herrn Prof. Dr. Kalkowsky zugänglich gemacht, ebenso wie dessen Originalauf-
nahme des Blattes Zschopau auf photographischer Kartengrundlage.
***) Mietzsch ist der einzige Landesgeolog, der aus dem Leben geschieden ist. Er
erlebte auch die Publication seiner Aufnahmen im Steinkohlengebiet nicht mehr, denn
er starb 1877. (Nekrolog in der „Isis“ 1878, S, 2.)
121
Vorarbeiten H. Müller’s*) ahnen können, welcher weitgehenden Gliederung
allein’ die archäischen Schiefer fähig waren! Im Carbon und Rothliegenden
fehlte -trotz der früher erwähnten Arbeiten jedes Schema zu einer ein-
gehenden zeitlichen Gliederung. Die ersten beiden Geologen dieses Ge-
bietes mussten einstweilen vollständig unabhängig Vorgehen, die gefundenen
Schichten numeriren und eine Identificirung späteren Conferenzen und ge-
meinsamen Begehungen überlassen.
Sobald der Fortschritt in der topographischen Aufnahme es gestattete,
begann man das Gebiet in Angriff zu nehmen, das bisher bei den säch-
sischen Geologen stets mit besonderer Vorliebe behandelt worden war: das
Granulitgebirge. Hier arbeiteten vor Allem E. Dathe und J. Lehmann.
Noch war keine Karte endgültig fertig gestellt. Es galt erst noch,
eine Farbenscala ausfindig zu machen, die der grössten Modulation fähig
war, um alle die zahlreichen V arietäten auszudrücken, ohne eine zu grosse
Zahl von Farbsteinen nöthig zu machen. Von Preussen lagen namentlich
für das Archaicum keine Vorbilder da. Auch hier mussten Experimente
entscheiden. Die Firma Giesecke & Devrient, die bis heute den Karten-
druck in der Hand behalten hat, lieferte farbige Probedrucke der Section
Chemnitz. Man musste, um Platten zu sparen, ein sogenanntes Ueberdruck-
verfahren einschlagen, bei dem ausser den reinen Farben durch Auflegen
von Schraffirungen, Punkten und Netzen neue Nüancen erzeugt wurden.
Ausserdem machte sich zur Erleichterung der Orientirung das Anbringen
von Buchstabensymbolen nöthig. Die grossen Lettern blieben für die
Eruptivgesteine, die kleinen für die Schichtsteine reservirt; griechische
Buchstaben bezeichneten Structur- und Localvarietäten, vor- oder nach-
gesetzte lateinische die charakteristischen accessorischen Gemengtheile.
Die Ausarbeitung der Farbenscala, die bei jedem Blatte sich aufs Neue
nöthig machte, ist eine der zeitraubensten, aber auch verdienstvollsten
Arbeiten des Leiters der Anstalt.
Im Jahre 1877 konnte man endlich sagen, dass die Landesuntersuchung
festen Boden unter den Füssen hatte. In kurzer Folge erschien zuerst
Blatt Chemnitz und zwar in doppelter Ausführung (1. als natürliche Karte
mit 56, 2. abgedeckt mit 38 Farbenbezeichnungen), darauf Lichtenstein,
Zwickau, Bochlitz, ausserdem die Darstellung der Zwickauer Kohlenfelder.
Aus dem Granulitgebiet lag eine Anzahl von Blättern im Manuscript vor.
Zu gleicher Zeit trat Credner mit seinem ersten Arbeitsbericht**), der
mancherlei neue Ergebnisse zeigte, an die Oeffentlichkeit. Das Granulit-
*) Neues Jahrbuch für Mineralogie 1850, 1863, 1864.
**) Derartige Berichte erschienen in gewissen Zeitahständen an verschiedenen
Stellen, z. B.
H. Credner: Die geolog. Landesuntersuchung des Kgr. Sachsen. Vergl. Sitzungs-
berichte der „Isis“, Dresden 1874, S. 118;
Ders.: Arbeiten und Puhlicationen der geolog. Landesuntersuchung von Sachsen.
Mitth, des V. f. Erdk., Leipzig 1877;
Ders. : Die geolog. Landesuntersuchung des Kgr. Sachsen während der J ahre 1878—81.
Mitth. des V. f. Erdk. Leipzig 1880 und Leipzig hei Mutze 1881;
Ders. : Die geolog. Landesuntersuchung des Kgr. Sachsen. Leipzig 1885 ;
Ders.: Die geolog. Landesuntersuchung des Kgr. Sachsen im Jahre 1889;
Ders.: Die geolog. Landesuntersuchung des Kgr. Sachsen. Zeitschrift f. praktische
G-eologie 1893;
Ders. : Die geolog. Landesuntersuchung von Sachsen u. ihre Bedeutung f. d. Praxis.
„Civilingenieur“, Band 51, Heft 2, 1895.
Siehe auch: Geologenkalender von 1900.
122
gebirge galt nun nicht mehr als eruptiv; es gab kein feuerflüssiges Lava-
meer, keine schwimmenden metamorpliosirten Schieferschollen, keinen
Kraterwall mehr, sondern das Granulitgebiet wurde als eine echte, höchst
Wechsel volle Sedimentärbildung, als eine besondere Facies der Gneiss-
formation angesprochen. Im Erzgebirge war die flachkuppelförmige Lagerung
der Urschiefer erkannt; das Rothliegende war eingehender gegliedert. In
Nordsachsen wurde von grösstem Einflüsse für die Kartirung die Entdeckung
Torell’s*) vom nordischen Inlandeis; Credner war einer der Ersten, der
sich der neuen Anschauung anschloss und seitdem ununterbrochen für die
Lösung der Glacialprobleme gearbeitet hat. Damals freilich war an eine
volle Klarstellung der Verhältnisse noch nicht zu denken.
Wir sehen: schon am Schlüsse der ersten Arbeitsperiode waren die
Grundlinien der Geologie Westsachsens aufs Neue festgelegt. Nachdem
einmal ein erspriesslicher Anfang gemacht worden war, nahmen die Arbeiten
einen raschen Fortgang. Besonders die Untersuchung des Granulitgebirges
wurde so gefördert, dass 1880 bereits ein „geologischer Führer“**) durch
dieses Gebiet erschien, dem dann 1884 eine üebersichtskarte nebst Text-
erläuterung***) folgte. Ebenso klärten sich die Verhältnisse im Erzgebirge.
Dalmer hatte im westlichen Erzgebirge Phycoden gefunden, die einerseits
eine Abtrennung des „oberen Phyllits“ zu Gunsten des Cambriuras nöthig
machten, andererseits aber auch zeigten, wie unmerklich die archäischen
Schichten in die Versteinerungen führenden Formationen übergingen. Ferner
brachten die westlichen Sectionen hervorragend schöne Contacthöfe zur
Darstellung. Das erzgebirgische Becken wurde noch eingehender gegliedert,
besonders auf Grund der Erfahrungen im Lugauer Gebiet und in der
Chemnitzer Gegend, wo durch SterzePs werthvolle Mitarbeiterschaft
reiches paläontologisches Material zusammenfloss. Schon 1880 machte sich
eine Neuausgabe der Section Chemnitz nöthig. Besonderes Aufsehen er-
regte die Entdeckung einer eigenartigen Saurierfauna in den Süsswasser-
ablagerungen des Döhlener Beckens, deren monographische Bearbeitung eines
der grössten Verdienste Credner’s darstelltf).
Im Leipziger Flachlande war man unterdessen zu einer besseren
Gliederung des Oligocäns und Diluviums gekommen. Indem die nordischen
Geschiebe des sächsischen Diluviums von der schwedischen Landesanstalt
in Stockholm auf ihre Herkunft untersucht wurden, konnte allmählich die
Bahn festgestellt werden, die die Eismassen auf ihrem Wege durch Nord-
deutschland genommen hatten. Funde von einheimischen Gletscher-
schrammen bestätigten die Resultate, weil sie durch ihre Richtung
ebenfalls einen Anhalt für den Lauf des Eises gaben. Eine besonders
schwierige, aber auch lohnende Aufgabe war es, die Kartirung des Schwemm-
landes für die Landwirthschaft dienstbar zu machen. Zu diesem Zwecke
*) Jene denkwürdige Sitzung der deutschen geologischen Gesellschaft, in der Torell
unter grossem Widerspruch seine Ansichten darlegte, fand am 3. November 1875 statt.
Vergl. Zeitschr. d. deutsch, geolog, Gesellschaft 1875, 27. Band, S. 961.
**) H. Credner: Geolog. Führer durch das sächsische Granulitgebirge. Leipzig,
Engelmann 1880.
***) H. Credner: Das sächsische Granulitgebirge und seine Umgehung. Leipzig,
Engelmann 1884.
f) H. Credner: Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rothliegenden des
Plauenschen Grundes hei Dresden. Mit 28 Tafeln u. 102 Textfig. Sonderabdruck aus
der Zeitschrift d. deutsch, geolog. Gesellschaft 1881 — 1893, u. Natur w. Wochenschrift 1890.
Berlin, Friedländer u. Sohn. ’ ;
123
wurden die Bodenarten möglichst eingehend nach ihrem chemischen Gehalt
gegliedert. Feine senkrechte oder waagerechte Schraffen über den Farben
deutete den Grad der Durchlässigkeit an. Schliesslich wurden Tausende
von Bohrungen — namentlich durch Sauer, Hazard, Dalmer, Herr-
mann — bis zu 1 und 1,5 m Tiefe ausgeführt und die dabei gefundenen
Durchschnittswerthe der Deckschicht, sowie das Symbol für die darunter
liegende Bodenart in rother Farbe auf die Karten gedruckt. So entstand
eine Darstellung der agronomischen Verhältnisse von solcher Genauigkeit,
dass besondere Bodenkarten überflüssig wurden.
Am Ende der zweiten Arbeitsperiode erschien auch die Section, mit
der einst Jentzsch die Feldarbeit begonnen hatte, und die wegen ihrer
tectonischen Schwierigkeiten von Sauer, Siegert und Rothpletz nochmals
untersucht worden war.
Auf dem deutschen Bergmannstage in Dresden 1883 konnte Credner
zum ersten Male mit einer tectonischen Deutung des westsächsischen Ge-
birgsbaues vor die Oeflentlichkeit*) treten. Er wies zwei Faltungszeiten
nach, eine nach Ablagerung des Phyllits und eine Hauptfaltung, die mit
Ende der Culmzeit abgeschlossen war und in Westsachsen drei Sättel von
absteigender Grösse aufthürmte. Die tertiären Verwerfungen hatte bereits
Naumann richtig erkannt. Wichtig war noch die Feststellung einer grossen
Ueberschiebung bei Sachsenburg, die endlich das Räthsel von der sogenann-
ten „postsilurischen Gneissformation“ löste.
1885 lagen 48 Sectionen fertig vor, die fast ganz Westsachsen um-
fassten. Einige Schwierigkeiten bereitete noch die Aufnahme der vogt-
ländischen Silur- und Devongebiete, weil dieselbe nur unter fortwährender
Controlle mit den thüringischen Nacbbarsectionen vorwärts schreiten konnte.
E. Weise arbeitete daher hier unter stetiger Unterstützung des Geologen
Thüringens, Prof. Liebe.
Die nächsten Jahre waren der Aufnahme des Elbthalgebiets (haupt-
sächlich durch R. Beck) und des Lausitzer Granits gewidmet. Zuletzt kam
das Gebiet von Zittau an die Reihe. 1893 waren 105 Sectionen publicirt.
1895 konnte die eigentliche Kartirung als beendet erklärt werden. Denn
es bestand von Anfang an durchaus nicht die Absicht, alle 156 Sectionen
zu bearbeiten. Die Grenzgebiete sollten vielmehr zum Theil von den
Nachbarländern untersucht werden, zum Theil — wo es sich nur um
kleine sächsische Antheile handelte — auf der entsprechend vergrösserten
Nachbarsection dargestellt werden. So war die Zahl der programmgemäss
zu erledigenden Blätter auf 123 reducirt. Eine Sonderdarstellung sollten
ausser den Kohlenfeldern aber noch die Erzgangdistricte Anden, und zwar
durch den Freiberger Bergrath H. Müller.
Die soweit fertig gestellte Karte wurde durch den Sanitätsrath
Dr. Barth als Reliefkarte ausgeschnitten, eine Arbeit, die wohl auch an
dieser Stelle eine anerkennende Erwähnung verdient**). Die sächsische Re-
*) H. Credner: Ueber das erzgebirgische Faltensystem. Vortrag, gehalten auf
dem 2. allgemeinen deutschen Bergmannstag zu Dresden. Dresden, Fr. Axt.
**) Dr. Barth führte die Karten in der Weise aus, dass er unter Benutzung von je
einem einzigen Sectionsblatte die Höhenschichten ausschnitt und auf besonders zu diesem
Zwecke hergestelltes Cartonpapier aufklebte. Sämmtliche Sectionen, mit Ausnahme des
Leipziger Flachlandes, sind ohue Ueberhöhung; kein Land der Erde kann sich einer
ähnlichen plastischen Gesammtdarstellung rühmen.
124
gierung wusste den Werth dieses Reliefs zu würdigen, indem sie auf An-
regung der „Isis“ dasselbe für das K. Mineralogische Museum kaufte.
Doch die Vollendung der Arbeit war nur eine scheinbare*). Durch
erneute Verhandlung mit Preussen waren die alten Abmachungen um-
gestossen, und es wurde beschlossen, bei jeder Grenzsection von Fall zu
Fall Entscheidung herbeizuführen, welches Land die Kartirung zu über-
nehmen habe. In wenigen Wochen werden noch zwei neue Blätter von
der sächsischen Landesanstalt herausgegeben werden, nämlich Section 133
(Kauschwitz) und 141 (Misslareuth). So können wir auch heute nach drei
Jahrzehnten, trotzdem viele Blätter schon in revidirter Auflage erschienen
sind, noch immer nicht von einem völligen Abschlüsse des riesigen Karten-
werkes sprechen.
Es war nicht möglich, an dieser Stelle mehr als den historischen Gang
der officiellen Arbeiten zu schildern. Wir müssen uns versagen, auch nur
auszugsweise die vielen trefflichen Aufsätze zu berücksichtigen, die die
Landesgeologen privatim in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sonder-
abhandlungen veröffentlichten. Noch weniger können wir der vielen Klein-
arbeitgedenken, die in den Verhandlungen der sächsischen naturforschenden
Gesellschaften, in Dissertationen, Programmen etc. niedergelegt ist. Nicht
einmal alle Namen der Mitarbeiter der geologischen Landesanstalt haben
wir bisher nennen können. Aber wir möchten uns dieser Dankesschuld
nicht entziehen, zum Schlüsse die Namen jener wackeren Männer und
ihre jetzige Lebensstellung aufzuführen**):
Beck, R., Dr., o. Prof, der Geologie und Lagerstättenlehre, Bergakademie
Freiberg.
Credner, R., Dr., o. Prof, der Geographie, Universität Greifswald.
Dalmer, K., Dr., Sectionsgeolog a. D.
Dathe, E., Dr., K. Preuss. Landesgeolog.
Danzig, E., Dr., Oberlehrer, Realschule Rochlitz.
Etzold, F., Dr., Gustos, Geolog. Landesanstalt Leipzig.
Gäbert, C., Dr., K. Sächs. Sectionsgeolog.
Geinitz, E., Dr., o. Prof, der Mineralogie und Geologie, Universität
Rostock.
Hazard, J., Prof. Dr. , Agronom, Landwirthschaftl. Versuchsstation
Möckern.
Herrmann, 0., Dr., Geolog, Lehrer f. Chemie, Techn. Staatslehranstalten
Chemnitz.
Hibsch, J., Dr., Prof, für Naturwissensch., Landw. Akademie Tetschen.
Jentzsch, A., Prof. Dr., K. Preuss. Landesgeolog.
*) Anhangsweise mögen hier die Erdbehenforschnngen erwähnt sein. Dieselben
sind zwar vom Director der Landesanstalt organisirt und neuerdings durch Aufstellung
eines empfindlichen Seismometers erweitert worden. Doch werden die Kosten dafür nur,
soweit es sich um Nahebeben handelt, vom Cultusministerium (als Arbeiten im geolog.
Institut der Universität) bestritten. Sie stehen also mit der geologischen Landesanstalt
in keinem Zusammenhänge.
**) Einen Ehrenplatz verdient hier auch Dr. Alfred Wilhelm Stelzner (geh. 1840,
gest. 1895). Als Professor der Ereiberger Akademie und Sammlungsverwalter, als aus-
gezeichneter Litteraturkenner und Mikroskopiker, als Specialist für Lagerstätten hat er
sich um Sachsen grosse Verdienste erworben. Sein Rath war oft begehrt, wenn es sich
um Anlage von Bergwerken, Wassergewinnung etc. handelte. Seine ersten Arbeiten
betreffen die Granite und Zinnerzlagerstätten bei Geyer. (Biographien in der „Isis“ 1895
und „Zeitschrift f. prakt. Geologie“ 1895.)
125
Kalkowsky, E., Dr., o. Prof, der Mineralogie und Geologie an der
Techn. Hochschule und Dir. des K. Min.-geol. Museums nebst der
Prähist. Samml. Dresden.
Klemm, G., Dr., Grossh. Hess. Landesgeolog.
Lehmann-Hohenberg, J., Dr., Prof, der Geologie, Universität Kiel.
Mietzsch, H., Dr. (gestorben 1877).
Müller, Geh. Bergrath, Bergamtsrath a. D., Freiberg.
Penck, A., Dr., o. Prof, der Geographie, Universität Wien.
Rothpletz, A., Dr., a. o. Prof, der Geologie, Universität München.
Sauer, A., Dr., o. Prof, an der Techn. Hochschule Stuttgart.
Schalch, F., Hofrath Dr., Grossh. Bad. Landesgeolog.
Schröder, W., Dr., Stadtapotheker, Gera.
Siegert, Th., Prof., Sectionsgeolog, Lehrer für Mineralogie, Technische
Staatslehranstalten Chemnitz.
Sterzei, T., Prof. Dr., Oberlehrer, Höh. Mädchenschule Chemnitz.
Vater, H., Dr., Prof, der Geologie und Mineralogie, Forstakademie Tha-
randt.
Weber, E., Dr., Thonwerksbesitzer, Schwepnitz.
Weise, E., Prof., Oberlehrer, K. Seminar Plauen i. V.
Als Zugabe seien schliesslich noch einige Angaben gemacht, die mit
den wissenschaftlichen Arbeiten nicht in directem Zusammenhänge stehen,
aber doch nicht ganz ohne Interesse sein dürften.
Es wird oft gefragt, wieviel Kosten wohl die Herstellung einer Section
verursache. Wir sind in der Lage, diese Frage auf Grund der Angaben
des Herrn Geh. Bergrathes Prof. Dr. H. Credner, der von Anfang an auch
die gesammte Mühwaltung der Rechnungsführung auf sich genommen hat,
durch folgende Zusammenstellung beantworten zu können:
200 Arbeitstage im Feld ä 12 Mk. . 2400 Mk.
R PI QplrnG'fp'n I
Gehalt des Geologen (2500— 3800 Mk.) 3000 ”,
Druck incl. Text 1700 „
7200 Mk.
Es kostet demnach ein Blatt bei einer Auflage von 600 Exemplaren (früher
stellte man nur 3—400 her) dem Staate 12 Mk. Hierbei ist ausser An-
satz geblieben: Gehalt des Directors und Custos, Unterhaltung der Biblio-
thek, Herstellung der Dünnschliffe, Beschaffung der Arbeitsräume. Diese
Generalunkosten müssen zu gleichen Theilen auf die in einem Jahre fertig-
gestellten Sectionen verrechnet werden. Da die Zahl derselben von 1 — 10
schwankt, lässt sich eine mittlere Schätzung schwer ausführen; doch
dürfte sich der Selbstkostenpreis eines Exemplars leicht auf das Doppelte
der oben berechneten Summe belaufen.
Einige recht interessante Angaben über die mechanische Arbeit, die
bei der Aufnahme und Herstellung der Karten geleistet worden ist, ent-
nehmen wir einem freundlichst zur Verfügung gestellten Privatbrief des
Herrn Custos Dr. F. Etzold an den Leiter der Landesanstalt. '
Setzt man 180 Tage als Durchschnitt für die Aufnahme einer Section
und 20 km als tägliche Marschleistung, so hat der Sectionsgeolog 3600 km,
d. h. etwa den Weg von Paris bis Orenburg zurückgelegt. Hat er 11 Sec-
tionen aufgenommen, so hätte er ebenso gut den Aequator der Erde in
derselben Zeit umlaufen können. Um ein Thal mit 200 m hohen Gehängen'
126
zu kartiren, musste Hazard mindestens 25 mal hinaufsteigen — er hätte
also seine Beine nicht höher zu heben brauchen, um vom Meeresspiegel
bis auf die Höhe des Montblanc zu steigen.
Zur Reinzeichnung einer Karte sind 2 Wochen erforderlich, das macht
für 123 Sectionen 246 Wochen oder 4^/^ Jahre rein mechanischer Arbeit.
Das dreimalige Correcturlesen der Karte verschlang 123 mal 45 Arbeits-
stunden oder 690 Tage. Die Correctur der 7167 Seiten umfassenden Er-
läuterungen, die ebenfalls dreimal erfolgen musste, erforderte einen Zeitraum
von 3 mal 1344 Stunden; das ergiebt also insgesammt 1194 Tage oder
nahezu 4 Jahre ununterbrochenen Lesens.
Bis 1895 hatte die Firma Giesecke & Devrient 39500 Texthefte und
39100 Kartenblätter gedruckt, zu welch letzteren 1836 lithographische
Steine bearbeitet und 583600 Einzeldrucke ausgeführt werden mussten.
Hätte das K. Finanzministerium wie ursprünglieh geplant — • die
1836 Steinplatten gekauft, so könnte dasselbe jetzt, da jeder Stein
42 Mk. kostet und ca. 85 kg wiegt, über ein Steinlager im Werthe von
77112 Mk. und im Gewicht von 156060 kg oder 3121 Centnern verfügen,
zu dessen Transport ein Eisenbahnzug von 16 Doppellowries nothwendig
wäre!
Ausblick in die Zukunft.
„Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, der froh von ihren Thaten,
ihrer Grösse den Hörer unterhält, und still sich freuend ans Ende dieser
schönen Reihe sich geschlossen sieht.“ (Iphigenie.)
Möge diese Freude auch der Leiter der geologischen Landesanstalt
empfinden, wenn er unseren Ausführungen bis hierher gefolgt ist. Denn
wir sind jetzt nach langer Wanderung durch Jahrhunderte der Irrungen
und des Strebens an dem Zeitpunkte angelangt, da wir mit aufrichtiger
Bewunderung Herrn Geh. Bergrath Prof. Dr. H. Credner und allen seinen
wackeren Arbeitsgenossen unseren Glückwunsch zur Vollendung des dritten
Decenniums erfolgreicher Forschung darbringen dürfen.
Aber nichts in der Wissenschaft ist unübertrefflich; auch Sachsen
hat noch lohnende geologische Aufgaben zu lösen, alte, die schon seiner
Zeit auf dem Programm standen, und neue, die der Fortschritt der For-
schungsmethoden unablässig hinzufügt. Und so sei es gestattet, unseren
Rückblick zu schliessen mit einem Ausblick in die Zukunft, mit einem
Wunschzettel — nicht nur an die Adresse der Landesanstalt und der
Staatsregierung, sondern Aller, die an Sachsens Landesdurchforschung ein
Interesse haben, sei es materieller oder wissenschaftlicher Art.
Dass die vorliegenden Specialkarten verbesserungsfähig sind, braucht
an dieser Stelle nicht erst bewiesen zu werden. Jede neue Bohrung,
Schürfung, sowie veränderte theoretische Ansichten können das geologische
Bild im Einzelnen vervollständigen. Aus diesem Grunde hat die Landes-
anstalt auch bereits seit Jahren die Blätter, deren erste Auflage vergriffen
war, im Terrain revidiren und neuerscheinen lassen. Diese Arbeit wird auch
künftig jährlich einige Geologen in Anspruch nehmen. Wenn man allerdings
hört, dass die Herstellung eines Revisionsblattes fast ebenso viel, wie die erste
Bearbeitung kostet, wenn man erwägt, dass die Landesanstalt, um das einheit-
liche Gepräge des Ganzen nicht zu verletzen, gar nicht alle theoretischen,
namentlich genetischen Entdeckungen auf den Karten ausdrücken darf, so
wird man den Werth der Neuauflagen etwas niedriger einschätzen. Hier
127
sollten unseres Erachtens die monographischen Abhandlungen einsetzen,
die nicht an das Gebiet einer Section gebunden sind, Arbeiten über
Gesteinsgruppen, Tectonik, Genesis, Formationsgliederung*), Paläonto-
logie u. s. w. Nur hier könnten z. B. so schwerwiegende Fragen erledigt
werden, wie die seit Kurzem wieder aufgestellte Theorie von der Erup-
tivität des Granulites und mancher Gneisse. Man mag einwenden: für solche
Arbeiten giebt es Zeitschriften genug. Giebt aber die Landesanstalt selbst
Abhandlungen heraus (ob die Verfasser Landesgeologen sind oder nicht,
muss dabei gleichgiltig bleiben), so sichert sie sich einen grösseren Ein-
fluss auf die Wahl der Themen und auf ein planmässiges Vorschreiten.
Es fehlt in Sachsen nicht an arbeitswilligen Männern, die gern ihre Kraft
in den Dienst dieses gemeinnützigen Unternehmens stellen und wenigstens
zeitweise nach den Directiven der Landesanstalt arbeiten würden. Zugleich
wären diese Abhandlungen eine Centralstelle für Publicationen von Bohrungs-
ergebnissen etc., die sich sonst ungemein zersplittern. Die gewaltige Fülle
dieser Kleinlitteratur lässt uns überdies wünschenswerth erscheinen, dass
wieder einmal durch eine Bibliographie nach Art der Arbeit von Jentzsch
die Publicationen der letzten drei Decennien zusammengestellt würden**).
Eine fernerhin unumgänglich nöthige Arbeit ist die Herausgabe eines
Uebersichtsblattes von ganz Sachsen und eines Textes dazu. Das erstere
Werk dürfen wir wohl in nächster Zeit erhoffen, und der treffliche
bereits erschienene topographische Unterdrück lässt erkennen, wieviel Mühe
und Geld auf diese Karte verwendet wird. Auf den Text aber warten
sicher Hunderte, namentlich in der sächsischen Lehrerschaft, mit Schmerzen.
Denn wer nicht das Glück gehabt hat, H. Credner auch als hervorragenden
Lehrer in seinem Colleg über Sachsen kennen zu lernen, oder wer in
Dresden, Tharandt bez. Freiberg ähnliche Collegien gehört hat, dem fehlt
für das Verständniss einer einzelnen Section völlig die Kenntniss des Ge-
sammtbildes. Höchstens die verstreuten Notizen in Credner’s ,, Elementen
der Geologie“ können hier vorläufig einigen Ersatz bieten.
Die Verwerthung der geologischen Ergebnisse für die Praxis ist jeder-
zeit von der Landesanstalt selbst besonders hervorgehoben worden. Es
ist vielleicht nicht allseitig bekannt, dass die letztere auch officiell mit
der Beantwortung von privaten Anfragen aus technischen und Ackerbau
treibenden Kreisen beauftragt ist. Es wären sonst nicht so thörichte
Unternehmungen möglich, dass man z. B. viel Geld für Bohrungen im Gneiss
ausgiebt, um dort Steinkohlen zu finden, weil in der Nähe der Geschiebe-
lehm einige Kohleschmitzchen enthalten hatte. (Dies konnte Verfasser
erst im letzten Sommer auf Section Hammerunterwiesenthal beobachten.)
Wie werthvoll unsere Karten für die Landwirthschaft sind, wurde bereits
früher betont. Einen Theil der agronomischen Fragen, namentlich specielle
Bodenuntersuchungen, erledigt überdies jetzt Dr. Hazard im agronomischen
Institut zu Möckern -Leipzig. Dass der Bergbau allezeit den grössten
Nutzen aus den geologischen Forschungen gezogen hat, ist bekannt. Die
Gangkarten von H. Müller, die Darstellung der Kohlenbecken (zum Theil
*) Eine derartige Monographie von hervorragendem Werthe, die uns Niemand besser
liefern könnte, als H. Credner selbst, wäre die übersichtliche Behandlung des sächsischen
Diluviums.
**) Einstweilen haben wir ein derartiges , wenn auch für die Geologie bei weitem
nicht vollständiges Werk in Paul Emil Bichter: Litteratur der Landes- und Volks-
kunde des Königreichs Sachsen. Dresden 1889. Nachträge: 1 1892, 11 1894, III 1898.
128
unter Mitarbeit des Markscheiders R. Hausse) zeigen, dass auch in der
neuen Landesuntersuchung viel in dieser Richtung gethan wird. Welche
nationalöconomischen Vortheile noch in Zukunft aus der Kartirung gezogen
werden können, das beweisen schlagend die Beispiele über Anlage von
Wasserwerken, Staubecken, Thongruben, Braunkohlenschächten, Riesel-
feldern auf Grund geologischer Vorarbeiten, die Credner auf der sächsischen
Ingenieurversammlung 1894 anführte (a. a. 0.).
Soll das Riesenwerk einer solchen Specialkarte im Volke noch grössere
Würdigung finden, so müssen auch ferner geeignete Schritte zur Populari-
sirung der Ergebnisse gethan werden. Die Zeit ist jetzt günstig dafür.
Höhere Lehranstalten wie Volksschulen öffnen ihre Lehrpläne mehr und mehr
geologischen Unterweisungen. Das Vaterland muss selbstverständlich die
Unterlage derselben bieten. Dazu gehören aber geeignete Lehrmittel, vor
Allem Schulkarten. Das zu erwartende Uebersichtsblatt ist für diesen Zweck
in keiner Weise brauchbar; es ist als Wandkarte zu klein, als Handkarte
selbst für 18jährige Abiturienten viel zu reichhaltig, um mit elementaren
Kenntnissen gelesen zu werden. Die Schule braucht nur die schematisirten
grossen Züge in möglichst eindringlichen Farbentönen — und nicht zu
vergessen — billigen Preis der Blätter. Wie wir zu unserer Freude hören,
sind die Vorbereitungen zu einem derartigen Werke bereits im Gange.
Doch die Geologie ist keine isolirte Wissenschaft, sie soll befruchtend
wirken auf die benachbarten Wissensgebiete, besonders auf die Geographie,
die Landschaftskunde. Nur auf Grund der Gesteinskenntniss ist es möglich,
zu einer vertieften Auffassung der Landschaftszüge zu gelangen. Nur dem
geologisch Vorgebildeten wird der innige Zusammenhang zwischen Boden
und Pflanzenwelt, Bodencultur, Siedelungen, Bevölkerungsdichte, Verkehrs-
geographie völlig erschlossen. In den Einleitungscapiteln der Texterläuter-
ungen unserer Karte liegt in dieser Beziehung noch ein gewaltiger Schatz,
den zu heben insbesondere die Localmonographien berufen sind.
Und so mögen sich alle Zeit in Sachsen Männer finden, die bereit
sind, mit zu arbeiten an dem grossen Werke vaterländischer Forschung.
Möge alle Zeit Sachsen das Lob verdienen, das ihm Zittel spendet: das
in geologischer Beziehung am genauesten erforschte Musterland Deutsch-
lands zu sein!
YIII. Bereicherungen der Flora Saxonica
in den Jahren 1899 — 1902.
Von Dr. B. Schorler.
Die letzte Liste der Bereicherungen der Flora Saxonica findet sich in
den Isis “Abhandlungen 1898. Seit dieser Zeit ist wieder einiges Neue
hinzugekommen. Das Bemerkenswertheste ist in Folgendem aufgeführt. Es
sind in der Hauptsache neue Standorte. An neuen Arten sind, wenn wir
von den Einschleppungen absehen, zwei festgestellt worden, xiimMch. Dactylis
Aschersoniana Graebner und ütricularia ochroleuca R. Hartm. Um ein
leichtes Nachschlagen und Vergleichen in Wünsche’s Excursionsflora (jetzt
Pflanzen des Königreiches Sachsen) zu ermöglichen, ist wieder wie in den
früheren Jahren dessen Reihenfolge, also jetzt das Engler’sche System,
der Aufzählung zu Grunde gelegt. Verfasser möchte die Gelegenheit nicht
vorübergehen lassen, ohne abermals an alle sächsischen Floristen die
Bitte zu richten, dem botanischen Institut der Technischen Hochschule zu
Dresden von ihren neuen Funden, seien es nun Phanerogamen oder
Kryptogamen, Mittheilung zu machen und eventl. Belegexemplare dem
Herbarium der Flora Saxonica daselbst einzusenden. Das Herbarium ist
bereits auf 240 Fascikel mit ca. 25000 Einzelblättern angewachsen. Allen
den Herren, die durch ihre Funde das Herbarium bereichert haben, wird
auch an dieser Stelle verbindlichst gedankt.
Nephrodium Thelypteris Desv. Grossenhain: im Bärenbruch zwischen
Bauda und Görzig, aber bis jetzt nur in dürftigen Exemplaren gefunden.
(H. Hofmann, 5. September 1901.) lieber die weitere Verbreitung dieser
Art siehe Drude: Hercynischer Florenbezirk, S. 237.
Dactylis Aschersoniana Graebner. Unter diesem Namen hat Graebner
bereits 1899 im Notizblatt des K. Bot. Gartens und Museums zu Berlin
Nr. 17, II, S. 274 eine von D. glomerata gut unterschiedene Art beschrieben,
die von ihm auch in Sachsen bei Leipzig und im Dresdner Grossen Garten
beobachtet wurde. Sie dürfte in Sachsen auf buschigen sonnigen Hügeln
und in Laubwäldern auch noch weiter verbreitet sein. Im Herbarium der
Flora Saxonica liegt ein am 5. Juli 1868 wahrscheinlich von E. Vogel ge-
sammeltes Exemplar, das die Bezeichnung Dactylis glomerata var. trägt
und aus der schattigen Schlucht hinter dem Felsenkeller im Plauenschen
Grunde stammt. Das ist auch, wie ich mich überzeugt habe, Dactylis
Aschersoniana Graebn. Da das Notizblatt oder auch die Synopsis von
Ascherson und Graebner nicht allen botanischen Mitgliedern der ,,Isis“ zur
Verfügung steht, so seien hier nach der Synopsis die Unterscheidungs-
merkmale der beiden nahe verwandten Arten angeführt:
130
Dactylis glomerata L.
Pflanze graugrün.
Dicht rasenförmig.
Blätter mit meist deutlich rückwärts
rauher Scheide.
Blatthäutchen zerschlitzt.
Kispe geknäuelt, stets aufrecht.
Bispenäste abstehend oder zurück-
geschlagen.
Aehrchen meist 3 — 4blüthig.
Untere Hüllspelze 1 nervig,
obere am Kiele steif haarig gewimpert,
beide derb.
Dactylis Aschersoniayia Graebn.
Pflanze lebhaft hellgrün.
Grundachse kriechend, wenig oder
nicht verzweigt, bis 1 dm lange
dünne Ausläufer treibend.
Blätter mit glatter Scheide.
Blatthäutchen meist nicht zerschlitzt.
Rispe nicht geknäuelt, überhängend.
Rispenäste anliegend, nur zur Blüthe-
zeit abstehend.
Aehrchen meist Gblüthig.
Beide Hüllspelzen Snervig,
kahl und
durchsichtig häutig.
Ueber die Tracht giebt die Synopsis II, S. 382 an:
„D. Ascher soniana fällt an den Standorten, an denen sie meist in
grossen Mengen vorkommt und oft sogar eine ganz charakteristische
Formation bildet, durch ihre eigenartige Tracht sofort auf. Die schlaff
überhängenden Blätter erinnern an Melica^ die Stengel sind sehr schlank
und hoch und tragen an der Spitze die überhängende schlanke, wenig
auffällige, hellgrüne Rispe und stehen fast stets einzeln an der Pflanze.
Dazu kommt, dass man noch Anfang Juni auch an sonnigen Standorten
kaum eine Rispe findet, erst Mitte Juni ragen dieselben aus der Scheide
hervor. Die abgestorbenen Stengel bleiben sehr lange stehen, mindestens
bis zur Mitte des folgenden Sommers und drücken dadurch den Beständen
ein ganz charakteristisches Gepräge auf.“
Heleocharis multicaulis Koch. Die Art ist nur auf den NO. von
Sachsen, auf die Lausitzer Teich-Hügellandschaft (Territorium 9 von Drude’s
Hercynischem Florenbezirk) beschränkt. Hier findet sie sich an seichten
torfigen Teichrändern mit den Rhynchospora-kiiQn vergesellschaftet, wie
es scheint, gar nicht so selten. Nach dem ersten von Drude 1895 bei
Grossgrabe nordöstlich von Königsbrück entdeckten sächsischen Standort
haben wir auf einer gemeinsamen Excursion am 1. und 2. September 1900
noch weitere Standorte bei Döbra, nordöstlich von Kamenz, und bei Königs-
wartha und Caminau aufgefunden. In den Teichen zwischen diesen beiden
letzten Orten sind ihre Rasen so zahlreich, dass ihr gegenüber Rhynchospora
fusca zurücktritt. Die Linie Grossgrabe-Döbra- Königswartha- Caminau
bildet vorläufig die südliche Verbreitungslinie dieser Art, soweit sie in
Sachsen verläuft.
Leucojum vernum L. Elbsandsteingebirge: im Polenzthale von Neu-
stadt bei Stolpen bis zur Frinzthalmühle häufig, an manchen Stellen in
grossen Mengen (Ostermaier).
Salix molissima Ehrh. (= 8. amygdalina L.><:purpureaL.). Pirna: bei
Pratschwitz, auch bei Loschwitz und üebigau angepflanzt (R. Missbach,
October 1902).
Fumaria officinalis L. var. Koch. Dresden: am Eisenbahn-
einschnitt bei Oberau, greg. (Fritzsche, 3. Juni 1902).
131
Dentaria enneaphylla L. Elbsandsteingebirge: im Polenzthal mit
Asperula^ Daphne und Arum maculatiim zahlreich (Ostermaier).
Bosa gallica L. Am 21. December 1902 theilte mir Herr Hofmann-
Grossenhain mit, dass er diese Art im letzten Sommer unterhalb Meissen
am Zadeler Abhang aufgefunden habe und dass dieses Vorkommen weder
Wünsche noch Schlimpert erwähnten. Ich habe auch unter den von
Schlimpert seiner Zeit dem Herbarium der Flora Saxonica eingesandten
Belegexemplaren den Standort nicht vertreten gefunden, er ist also neu.
Potentilla Fragariastrum Ehrh. Am 12. Mai 1902 im Rabenauer
Grunde zwischen der Rabenauer und der Spechtritz-Mühle von Herrn Dr.
Wolf aufgefunden. Die Befürchtung, die Dr. Wolf in seinen ,,Potentillen-
Studien“, S. 12 aussprach, dass der einzige bisher sicher nachgewiesene
Standort in Sachsen im Weisseritzthal durch die Hochfluth zerstört worden
und dadurch die Art aus der sächsischen Flora verschwunden sei, ist also
zum Glück nicht in Erfüllung gegangen.
Fotentilla collina ^thyrsifiora Hülsen (s. Wolf: Potentillen - Studien,
S. 30). Meissen: am Strassengraben «bei Brockwitz (Fritzsche).
f Fotentilla intermedia L. (non aliorum). Auf Schutt- und Bauplätzen
an der neuen Strasse zwischen Dresden und Vorstadt Plauen. Eingeschleppt.
Vaterland Central-Russland. 1901 zum ersten Male bei Dresden resp. in
Sachsen beobachtet (Dr. Wolf).
f Medicago arabica All. Diese durch ihre purpurrothen Flecken auf
den Blättern leicht kenntliche Pflanze wurde am 3. December 1902 von
Herrn J. Hottenroth-Gersdorf für das Herbarium der Flora Saxonica ein-
gesandt mit der Angabe, dass die Pflanze in der Umgegend von Gersdorf
bei Hohenstein -Ernstthal heimisch zu werden anfängt. Im Sommer des
Jahres 1901 wurde ein Exemplar, 1902 dagegen sechs Exemplare gefunden.
Der Finder meint, dass die Pflanze mit dem Wollstaub in die Gersdorfer
Gegend gekommen ist, der dort vielfach zur Düngung der Kartoffelfelder
gebraucht wird. Die Pflanze ist in Südeuropa verbreitet und an ver-
schiedenen Stellen in Deutschland durch fremde Wolle eingeführt und
verwildert.
Trifolium ochroleucum L. Die Art war bisher in Sachsen nur aus
der Gegend von Meissen und Penig (s. Sitzungsber. und Abh. d. Isis 1895,
Abh. IV, S. 52) bekannt. Am 1. Juli 1900 fanden wir sie auch im Gott-
leubathal oberhalb Pirna bei Neundorf in ca. 180 m Höhe auf einem nach
SW. gerichteten bebuschten Hang mit Astragalus glycyphyllos und Trifolium
montanum in wenigen Exemplaren. Möglicherweise stammen diese nur,
aus einer Cultur. Auf jeden Fall ist aber auf das Vorkommen der wichtigen
Art an jener Stelle zu achten.
Symphytum tuberosum L. Meissen: auf den Wiesen am Gosebach bei
Naundörfel ganz vereinzelt unter typischen Wiesenpflanzen (Fritzsche,
4. Juni 1902).
Stachys alpina L. Auf meinen diesjährigen Excursionen im Erzgebirge
fand ich am 19. August in voller Blüthe Stachys alpina am Nordosthange
des Plessberges bei Abertham (in Böhmen) in 950 m Höhe copiös mit Clino-
podium und Aspidium ‘^lobatum unter Gebüsch zwischen Basaltblöcken.
Der Standort scheint schon sehr lange bekannt zu sein. Celakovsky giebt
in seinem Prodromus, S. 358 an ,,Blösslingberg und Wölfling bei Abertham
(Reiss)“. Der erstere ist der jetzige Plessberg. Der Standort ist aber durch
neuere Funde nicht mehr bestätigt worden, daher schreibt auch Garcke
132
noch in der 17. Auflage seiner Flora „angeblich auf dem Blössberge und
am Wölfling bei Abertham“. Der von Reiss entdeckte Standort dieser
Pflanze existirt also noch. Er ist dadurch interessant, dass er der einzige
im Hercynischen Florenbezirk ist, wo Stachys alpina wirklich wie in den
Sudeten und Karpathen Gebirgspflanze ist. Die Standorte in Sachsen im
Zschopauthal bei Kriebstein und Steina liegen nur 200 — 250 m hoch.
Utricularia 0 ehr oleuca R. Hartm. Angeregt durch eine Arbeit von
H. Glück in den Berichten der Deutschen Botan. Gesellschaft 1902, H. 3,
S. 141, untersuchte ich die Utricularien im Herbarium der Flora Saxonica.
Während Utricularia vulgaris und U. minor hier sehr reich und an den
verschiedensten Standorten gesammelt vertreten sind^ sind nur zwei Bogen
mit U. intermedia vorhanden. Das eine Exemplar stammt aus dem
Reichenbach’schen Herbarium und ist bei Lausa gesammelt. Es ist ein
typisches U. intermedia Hayne. Das zweite Exemplar habe ich selbst am
21. Juni 1896 nördlich von Grossenhain bei Frauenhain in der Runze bei
Roden (Section 17 der topographischen Karte) gesammelt und seiner Zeit
als U. intermedia bestimmt. Bei einer erneuten Untersuchung nach den
von Glück aufgestellten Unterscheidungsmerkmalen von U, intermedia
Hayne und U. ochroleuca R. Hartm. entpuppten sich meine sterilen Exemplare
als zweifellose U. ochroleuca. Da U. intermedia von verschiedenen Stand-
orten im nördlichen Theile von Sachsen angegeben ist, z. B. Grossenhain:
bei Zabeltitz, Dresden: bei Seiffersdorf, Grünberg, Ottendorf (s. Wünsche),
so dürfte es sich empfehlen, die von dort stammenden Pflanzen einer
nochmaligen Prüfung zu unterziehen. Es wird wahrscheinlich unter dieser
Art die zum mindesten gute Subspecies vertreten sein. Die sterilen Exemplare
der beiden Arten lassen sich leicht durch folgende der Glück’schen Arbeit
entnommene Merkmale unterscheiden: Bei U. intermedia sind die grünen
assimilirenden Blätter schlauchlos, die Blattzipfel stumpf mit aufgesetzter
Spitze und die kleinen Stacheln am Blattrande sitzen direct dem Rande
ohne Seitenläppchen an; bei U. ochroleuca dagegen tragen die grünen
assimilirenden Blätter sporadisch Schläuche, die Blattzipfel laufen allmählig
in eine lange Spitze aus und die kleinen Stacheln am Blattrande sitzen
öfters zu zweien einem winzigen kleinen Seitenläppchen auf.
Diese nordatlantische Art ist für Sachsen neu, denn der in Wünsche’s
Flora angegebene Standort Sohra liegt nordöstlich von Görlitz. Ihr Vor-
kommen ist, wie auch das von Utricularia intermedia Hayne ausschliesslich
auf die Lausitzer Teich -Hügellandschaft, also Territorium 9 des Hercyni-
schen Florenbezirks, beschränkt.
Phyteuma orhiculare L. Meissen: auf den Wiesen am Gosebach bei
Naundörfel, selten (Fritzsche).
IX. Der Burgwall auf dem Staubenberge
bei Westewitz.
Yon Clemens Vogel, Lehrer in Dresden.
Wenige Kilometer unterhalb der Einmündung der Zschopau in die
Freiberger Mulde erheben sich in fast gleicher Höhenlage am linken Mulden-
ufer mehrere Berge, die dem Abfalle des Sächsischen Mittelgebirges ange-
hören. Es sind dies, wenn man der Laufrichtung der Mulde folgt, der
Spitzstein, der Staubenberg, der Gackenberg und der Tannenberg.
Am meisten bekannt und auch am meisten besucht ist unter diesen
Erhebungen der erstgenannte Berg, der Spitzstein. Man erzählt von diesem
Berge, dass hier in uralten Zeiten eine Opferstätte gewesen sei. Auch
geht von ihm die Sage, dass hier ein Lindwurm gehaust habe, der endlich
von einem Ritter von Stauben getödtet worden sei.
Es ist jedoch, sowohl wenn man die Kuppe des Berges, als auch den
tiefer liegenden, fast senkrecht aus der Mulde aufsteigenden Felsvorsprung
besichtigt, heute nichts mehr zu finden, das die Annahme einer uralten
Opferstätte auf diesem Berge stützt.
Ist somit ein zur Auffindung vorgeschichtlicher Reste unternommener
Besuch des Spitzsteins bis jetzt ohne Erfolg, so hat man seine helle
Freude, wenn man dem zweiten der vorgenannten Berge, dem Stauben-
berge oder dem Stauben, wie er in der Volkssprache kurz genannt wird,
einen Besuch abstattet; denn dieser Berg trägt eine Wallanlage, die nicht
allein in Hinsicht auf ihren Umfang zu den grössten aller derartigen An-
lagen in Sachsen gerechnet werden darf und hierdurch bereits die Auf-
merksamkeit älterer Forscher erregt hat*), sondern die sich auch des sehr
seltenen Vorzuges rühmen kann, dass sie bis heute in allen ihren Theilen
wohl erhalten ist.
Der Stauben selbst, der Träger dieses Walles, überragt mit einer
Höhe von 234 m den Gipfel des Spitzsteins nur um 3 m. Da die Thalsohle
der nahe vorbeifliessenden Mulde hier ungefähr 145 m hoch liegt, so
beträgt die relative Höhe des Berges in seinem höchsten Theile etwa 89 m.
Wie die geologische Karte des Königreichs Sachsen angiebt, besteht
der Stauben wie die anderen vorgenannten Berge aus Leisniger Quarz-
*) K. Preusker: Blicke in die vaterländische Vorzeit, III. Bd. Leipzig 1844, S. 230.
0. Schnster: Die alten -‘Heidenschanzen Deutschlands. Dresden 1869, S.83, Nr. 65.
R. B e h 1 a : Die vorgeschichtlichen Rund wälle im östlichen Deutschland. Berlin 1888,
S. 96, Nr. 11.
134
porphyr, einem Gestein, das in frischem Zustande aus einer rothbraun bis
gelblichbraun gefärbten Grundmasse gebildet wird, worin 6—7 mm lange
Feldspathe, glasglänzende Orthoklase, ferner rauchbraune Quarzkrystalle
und Magnesiaglimmerblättchen ausgeschieden sind. Im verwitterten Zu-
stande bildet dieses Gestein eine dunkelbraune, seltener weisslich gelbe,
grobkörnige Masse.
Der Gipfel des Staubenberges bildet ein Plateau von der Gestalt eines
rechtwinkeligen Dreiecks, wovon die eine Kathete 520 und die andere
400 m lang ist. Das Plateau senkt sich nach Norden und Osten hin mehrere
Meter. Die Abhänge sind steil, am steilsten im Südwesten und Nord-
osten. Bei dem südwestlichen Abhange dürfte die Neigung etwa 45 Grad
erreichen. Da der Staubenberg im südwestlichen Theile seine grösste
Höhe erreicht, so ist der Anblick von dieser Richtung aus am eindrucks-
vollsten. Die Stirnansicht des Berges ist dem Muldenthale zugekehrt.
Der Berg scheint von der Natur zu einer Befestigungsanlage im grossen
Stile wie geschaffen.
Der ganze Berg hat einen sehr schönen Fichtenbestand. Der Wald
ist Staatsforst und gehört zum Forstrevier Minkwitz.
Die Bewohner der nächstgelegenen Dörfer wissen von dem Berge zu
berichten, dass da oben eine alte Burg gestanden haben soll. Auch er-
zählt man, dass einem auf dem Berge Geister nachwandeln. Grössere
an das alte Erdschanzwerk anknüpfende Sagen sind nicht vorhanden.
Der Wall selbst zieht sich rings um das Bergplateau herum. Er ist ein
geschlossener Ringwall. Er verläuft immer an der Grenze des Plateaus und ist
da so aufgeworfen, dass sein äusserer Abfall in den Abhang des Berges über-
geht. Da das Plateau die Form eines rechtwinkeligen Dreiecks hat, so trifft
diese Gestalt im Wesentlichen auch für den Wall zu. Nach einer im Juli 1901
von mir unternommenen sorgfältigen Messung beträgt die Länge des Walles
135
1670 m. Es ist dies eine Ausdehnung, wie sie selten bei alten Wall-
anlagen vorkommt. Die mittlere Höhe des Walles ist etwa 1,50 m, an
• manchen verdrückten Stellen ist er nur 1 m hoch. Oben ist der Wall
1,80 — ^ ni breit. Nach Innen fällt er 4 — 5 m ab, nach Aussen ist der
Abfall meist etwas länger. Der Wall hat somit eine Basis von 9 — 10 m.
Am schönsten zeigt sich der Wallcharakter im südöstlichen Theile des
Berges, wo das Plateau etwas abfällt. Bei einer Höhe von 1,80 — 2 m kann
man nicht selten einen äusseren Schrägabfall von 15—17 m Länge treffen.
Sehr schön tritt auch der Wallcharakter im nordwestlichen Theile des
Berges hervor, wo sich das Plateau ebenfalls etwas senkt.
Im südöstlichen Theile ist der Wall an vier unmittelbar nebeneinander
liegenden Stellen durchstochen. Nach den Mittheilungen eines Holzfuhr-
mannes hatte hier vor einigen Jahren ein Fuchs seinen Bau im Walle.
Um den Fuchs herauszujagen, Hess der Förster seine Dachshunde in die
Laufröhren hinein. Der Fuchs aber verscharrte den Hunden die Röhren,
dass sie nicht wieder heraus konnten. Jetzt blieb dem Förster nichts
weiter übrig, als den Wall an mehreren Stellen durchstechen zu lassen.
Unbeabsichtigt ist uns mit diesen Durchstechungen ein Einblick in den
Aufbau des Walles verschafft worden.
Der Wall besteht zunächst aus einem etwa 1,20 ni hohen Aufwurfe
sehr lockerer, gelblicher Erde. Dieser Aufwurf ist bogenförmig überdeckt
mit einer etwa 20— 30 cm hohen Steinschicht, und über dieser befindet
sich wieder eine Schicht Erde. Kalkmörtel ist bei der Steinschicht nicht
verwendet worden.
Die zum Wallaufwurfe erforderlichen Erdmassen sind dem Berge
selbst entnommen, indem man unmittelbar an der inneren Wallseite den
Boden abgestochen hat. Deshalb zieht sich auch an der Innenseite des
Walles in seiner ganzen Ausdehnung eine mehrere Meter breite Eintiefung
hin. Das Steinmaterial ist allem Anscheine nach aus den Thälern herauf-
geschafft worden. Es besteht theils aus Quarzporphyr, theils aus Fluss-
geschieben.
In den Erdmassen des Walles kommen kleine Thonscherben vor. Auch
findet man darin Holzasche.
Zwei fahrbare Wege führen vom Muldenthale her auf den umwallten
Gipfel des Staubenberges. Beide zweigen von dem von Westewitz nach
Kloster- Buch führenden Wege ab. Der Westewitz zunächst abzweigende
Weg verläuft Anfangs in südwestlicher Richtung, wendet sich aber dann
in nördlicher Richtung dem Berggipfel zu. Der andere, etwas weiter thal-
abwärts abzweigende Weg führt in südlicher Richtung direct auf den Berg,
ist infolgedessen ziemlich steil. Der Wall hat somit zwei fahrbare Ein-
gangspforten, eine von Süden und eine von Norden her. Dass beide Ein-
gänge die alten, ursprünglich angelegten Eingangspforten sind, geht daraus
mit grösster Sicherheit hervor, dass bei der südlichen Eingangspforte der
Wall besonders hoch und breit ist, und dass bei der nördlichen Eingangs-
stelle der Wall auf beiden Seiten über 50 m einwärts biegt. Durch diese
Wendung nach Innen wird bei dem Wege, der vom Muldenthale her direct
auf den Gipfel führt, die Steigung etwas gelindert. Von den Holzfuhr-
leuten und Waldarbeitern wird die südliche Eingangspforte „Oberthor“
und die nördliche, etwas niedriger gelegene „Niederthor“ genannt, Be-
zeichnungen, die auch darauf hindeuten, dass der Wall ursprünglich diese
136
beiden Eingänge hatte. An beiden Thoren rückt der Wall unmittelbar
an den Weg heran und lässt ihm nur eine Breite von 2 m. Jetzt hat der
Berggipfel noch einen dritten Zugangsweg im südöstlichen Theile. Dieser
Fahrweg ist aber unzweifelhaft erst später zur leichteren Holzabfuhr an-
gelegt worden. Bemerkt sei hierzu noch, dass sich bei Westewitz eine
alte Furth durch die Mulde befindet, die noch heute benutzt wird. Eben-
falls ist hier eine alte Fährstelle.
Da der Gipfel des Staubenberges gegenwärtig mit hohen Bäumen be-
wachsen ist, so ist der Wall bequem zu begehen. Nur am Oberthore
muss man sich, falls man den Wall nicht verlassen will, eine Strecke von
etwa 50 m durch kleine, eng aneinander stehende Fichten durcharbeiten.
Innerhalb des Walles findet man im südwestlichen Theile des Berg-
plateaus Beste eines ehemaligen Gemäuers. Der Grundriss desselben ist
jedoch nur wenig umfangreich. Die Länge lässt sich sicher feststellen,
sie beträgt 10 m. Die Breite ist etwa 4 m. Die Form ist ein Rechteck.
Unmittelbar anschliessend an dieses Gemäuer findet man Mauerreste von
gleicher Breite, aber von nur etwa 5 m Länge. Die Steine dieses Mauer-
werkes sind unbehauene oder wenigstens sehr wenig behauene Quarz-
porphyrsteine. Da diese Mauerreste im höchsten Theile des Berges Vor-
kommen, so darf man wohl annehmen, dass hier ein Wächter wohnte und
das Gebäude ein „Lug ins Land“ war.
Dieses wenig umfangreiche Mauerwerk, das übrigens nur ganz wenig
aus dem Boden hervorragt, mag für die Bewohner der nächstgelegenen
Dörfer Veranlassung gewesen sein, anzunehmen, dass auf diesem Berge eine
mittelalterliche Burg gestanden habe, welcher Meinung auch Preusker ist.
In östlicher Richtung von diesen Mauerresten, fast in der Mitte
des Bergplateaus, findet man einige recht grosse Porphyrsteine und in
einiger Entfernung um sie her mehrere weniger grosse. Welchem Zwecke
diese Steine ehemals dienten, vermag ich nicht zu enträthseln.
Fragen wir nach dem Zwecke des Burgwalles auf dem Staubenberge,
so ist bei der gewaltigen Ausdehnung des Walles und der Grösse des von
ihm umschlossenen, etwa 12 Hectar grossen Gebietes die Annahme, dass
hier nur eine Stätte der Gottesverehrung gewesen sei, vollständig ausge-
schlossen. Der Wall war lediglich zu Vertheidigungszwecken angelegt,
war ein militärisches Schanzwerk, und zwar ein solches erster Klasse.
Gross genug, um in seinem Innern eine zahlreiche Bevölkerung der näheren
oder weiteren Umgebung mit den erforderlichen Hausgeräthen, Nahrungs-
vorräthen, Zugthieren u. s. w. aufzunehmen, bot der umwallte Berggipfel
in dieser Gegend die örtlich denkbar günstigsten Verhältnisse zur Ver-
theidigung und zur siegreichen Abwehr anstürmender Bedränger. Selbst
im Falle einer siegreichen Erstürmung der Wallburg bot sich hier noch
die Möglichkeit einer rettenden Flucht in die angrenzenden grossen Wal-
dungen, die vom Erzgebirge bis hierher an die Mulde herabreichten.
Es erübrigt nur noch, der Frage nahe zu treten, welches Volk den
Burgwall auf dem Staubenberge angelegt hat. Man könnte sich versucht
fühlen zu antworten, dass das zweifellos die Sorben -Wenden waren, da
der Staubenberg an der südlichen Grenze der in dieser Gegend vorkom-
liienden sorbischen Niederlassungen liegt. Aus der Beurtheilung der bisher
in den Erdmassen des Walles aufgefundenen Scherben ergiebt sich jedoch
mit Sicherheit, dass der Wall älteren Ursprunges ist, dass Germanen die
137
Erbauer des Walles waren. Alle Scherben sind nänalich mit der Hand
ohne Benutzung der Drehscheibe hergestellt und gleichen solchen aus den
Urnenfeldern vom Lausitzer Typus. Ein einziger Scherben hat Verzierung.
Das Muster besteht aus einem um das Gefäss herumführenden breiten
Striche und aus einer Keihe schräggestellter, etwa 1 cm langer Einzel-
striche darunter. Die Striche verlaufen gerade.
Für diejenigen, die den Staubenberg einmal besuchen wollen, mag
zum Schlüsse noch bemerkt werden, dass Westewitz Station der Leipzig-
Döbeln -Dresdener Eisenbahn ist.
X. Eückblicke auf die Bearbeitung der Pflanzen
geographie von Sachsen und Thüringen.
Von Dr. Oscar Drude.'
Seit Beginn meiner eigenen Wirksamkeit in unserer botanischen Section
bis zum jetzt erfolgten Abschluss des 6. Bandes der „Vegetation der Erde“*),
welcher unter dem Titel: „Der Hercynische Florenbezirk; Grundzüge
der Pflanzenverbreitung im mitteldeutschen Berg- und Hügellande vom
Harz bis zur Rhön, bis zur Lausitz und dem Böhmer Walde“ die pflanzen-
geographischen Verhältnisse Sachsens in ihrer natürlichen Verbindung mit
den anschliessenden Landschaften behandelt, habe ich der Section unaus-
gesetzt Berichte geliefert über die Fortschritte dieser Arbeit, und es er-
scheint wie eine Pflicht, heute darauf hinzuweisen, dass nunmehr ein
grosser Theil dieser Bestrebungen an einem bestimmten Ruhepunkte an-
gelangt ist.
Am 22. Januar 1880 hielt ich in der botanischen Section unserer Ge-
sellschaft einen Vortrag über die moderne Bearbeitung der Flora von
Sachsen (Isis-Sitzungsber. 1880, S. 12 — 16), in dem als leitender Gedanke
ausgeführt ist: Die älteren Florenwerke, von denen auch Sachsen eine treff-
liche Reihe besitzt, sowie die heutigen Excursionsfloren kennen nur den
systematisch-classificirenden und beschreibenden Theil; sie fügen von geo-
graphischen Betrachtungen nur die Standorte der im systematischen Cataloge
genannten Pflanzen auf. Seitdem aber die Pflanzengeographie als ein
streng wissenschaftlicher und sich neben die Systematik einordnender, zu-
gleich aber auch Physiologie und Klimatologie berücksichtigender Gesichts-
punkt geltend gemacht hat, genügt für eine botanische Landesdurchforschung
nicht mehr die Aufstellung eines Pflanzencataloges mit Angabe der Fund-
stätten, sondern es ist ein besonderer pflanzengeographisch-biolo-
gischer Theil neben jenen zu stellen, welcher noch in allen die Flora
Sachsens behandelnden Werken bislang vermisst wird.
Dies damals gefällte ürtheil, zu einer Zeit, wo ich noch nicht alle in
Zeitschriften versteckten Einzelabhandlungen kannte, bedarf nur einer ge-
ringen Einschränkung. Sehen wir die ausführlichen, jetzt im ersten Ab-
schnitt des „Hercynischen Florenbezirkes“ von Dr. Schorler für dieses Buch
sorgfältig zusammengestellten und zu historischen Uebersichten verarbeiteten
Litteratur-Register vom Weissen Elsterlande (S. 27) bis zur östlichen Lausitz
(S. 31) und dem Erzgebirge (S. 35) durch, so finden wir wenige im wahren
*) Mit 5 Vollbildern, 16 Textfiguren und 1 Karte; 671 S. Lex. 8®. W. Engelmann,
Leipzig 1902. (Directer Bezugspreis für unsere Mitglieder 20 Mark.)
139
Sinne pflanzengeographische oder auch biologisch-klimatische Abhandlungen
aus der Zeit vor 1880. Während westlich von uns die Flora des Saale-
thaies auf den Muschelkalk -Gehängen um Jena in Bogenhard schon im
Jahre 1850 eine in Anbetracht der damaligen Zeit und der Jugend des
Verfassers ganz bedeutende Arbeitsleistung hervorgerufen hatte, deren
Studium noch heute den Leser mit genussreicher Belehrung erfüllt, war
in Sachsen die beste Arbeit, eine Programm -Arbeit des Dresdner Kreuz-
gymnasiums 1855 von C. T. Sachse: „Zur Pflanzengeographie des Erz-
gebirges“, doch nicht zu weiterer Bedeutung gelangt und hatte keine Er-
weiterungen im Gefolge. Der im Jahre 1843 unter der Anregung von
Geinitz entstandene botanische Theil der „Gaea von Sachsen“ enthielt
nichts als eine nach vier Districten eingetheilte Listen -Aufstellung. Nur
eine Zwickauer Programm-Arbeit von Dr. Otto Gern dt aus dem Jahre 1877
war eine wirklich pflanzengeographische Arbeit über die Gliederung der
deutschen Flora mit besonderer Berücksichtigung Sachsens, die aber die
Species-Areale und nicht die im Lande zusammenkommenden Pflanzenbe-
stände, die Formationen, berücksichtigte. Kleinere Beiträge hatte Fallou
schon 1845 in seinen geologischen Skizzen über die Gebirgsformationen
zwischen Mittweida und Rochlitz (Zschopau und Mulde) und ihren Einfluss
auf die Vegetation geliefert, auch Reichel hatte schon im Jahre 1837 die
Standorte der selteneren und ausgezeichneteren Pflanzen in der Umgegend
Dresdens in Gruppen gebracht, während Wobst**) im Jahre 1880 die Ver-
änderungen der Dresdner Flora im Programm der Annenrealschule behandelte.
Auch möchte, was Dresdens Flora anbetrifft, nicht unerwähnt bleiben, dass die
botanische Bibliothek der Technischen Hochschule unter der Hinterlassen-
schaft von Friedrich August II. ein von diesem in mitteleuropäischer Flora
so ausserordentlich tief durchgebildeten und mit seltener Arbeitsfreudigkeit
schaffenden König eigenhändig ausgearbeitetes Manuscript besitzt, in welchem
die Flora von Dresden durchaus richtig nach den Gesichtspunkten geo-
graphischer Floristik gewürdigt wird, das Elbthal mit seinen seltenen
Standorten und der Abhang des Erzgebirges von Süden her und endlich
der granitische Höhenzug im Norden als Ausläufer des Lausitzer Granits
mit seinen eingestreuten Moorwiesen und Teichen als gut geschiedene Theile
der Gesammtflora hervortreten. Willkomm’s im Jahre 1866 in der Tha-
randter Festschrift veröffentlichte Arbeit über die Vegetationsverhältnisse
im unteren Weisseritz - Gebiet brachte Beiträge für den Uebergang der
Hügelformationen im Plauenschen Grunde zu den Bergwaldschluchten am
Abhänge des Erzgebirges, aus dessen oberen Torfmooren schon 20 Jahre
früher Binder prächtige Schilderungen über den dortigen Vegetationsbestand
der Moorkiefer (Pinus ohliqua) in der damals noch erscheinenden „Allge-
meinen deutschen naturforschenden Zeitung Isis“ veröffentlicht hatte.
So erkennt man aus dieser Auslese pflanzengeographischer Sonder-
abhandlungen, dass nur in wenigen Schriften (wie von Sachse und Gerndt)
grössere Gesichtspunkte für die sächsische Pflanzengeographie entwickelt
waren und dass ausserdem nur recht zerstreute Landschaften zum Gegen-
stände für Vegetationsschilderungen gemacht waren, die aber gegenseitig
nicht auf einander Rücksicht nahmen. Das von mir 1880 für die pflanzen-
geographische Durchforschung Sachsens aufgestellte Programm, welches
**) Wie schon F. Burckhardt im Jahre 1853 für die Flora der Umgehung von Görlitz.
(Ahh. naturw. Ges. Görlitz IV, S. 55 — 59.)
*
140
bei der 50jährigen Stiftungsfeier im Jahre 1885 einen erneuten Ausdruck
im Festvortrage erhielt, hatte demnach in erster Linie für die allgemeine
und gleichartige Aufstellung der Zielpunkte zu sorgen und musste auch
zunächst nach einer natürlichen Abgrenzung des Arbeitsgebietes fragen.
Diese entwickelte sich von selbst aus meinen in Deutschlands Pflanzen-
geographie^") schon zum Theil niedergelegten Studien, wonach das deutsche
Mittelgebirgsland von West nach Ost zweckmässig in drei Hauptabtheilungen
zerlegt wird: das rheinische, das hercynische und das sudetische.
Sachsen gehört mit Thüringen zu dem hercynischen Hügel- und Berglande,
welches mit vielen seiner Arten scharf Front macht gegen die im Norden
sich ausdehnende, nach West und Ost getheilte deutsche Niederung;
die Westgrenze des hercynischen Bezirkes läuft vom Vogelsberge zum Weser-
gebirge, die sehr viel schmälere Ostgrenze scheidet sich zwischen Reichen-
berg und Görlitz an der Neisse von dem hier im Isergebirge am weitesten
gen West vorgeschobenen Sudetenzuge; die Südgrenze läuft vom Fichtel-
gebirgsknoten noch gen SSO über die Bergregion des Böhmer- und Bayeri-
schen Waldes hinweg bis zum Durchbruch der Moldau aus dem Gebirge.
In diesem Umfange ist nun das hercynische Berg- und Hügelland in
dem vorliegenden Bande der „Vegetation der Erde“ in pflanzengeogra-
phischer Hinsicht bearbeitet. Berg- und Hügelland werden in der Hauptsache
durch die 400—500 m-Linie geschieden; an Nordhängen in tief eingeschnit-
tenen Thälern liegt die Grenze tiefer unten, während sie an Südhängen auf
Kalk- und Basaltboden viel höher ansteigt und in der Rhön ihre grösste
Durchschnittshöhe (600 m) erreicht. Das Bergland besteht fast ganz aus
krystallinischen Gesteinen mit den Sedimenten der paläozoischen Perioden
vom Gambrium bis Steinkohlengrauwacken, das Hügelland aus denselben
Gesteinen mit weiten Flächen und Höhenzügen vom Zechstein bis zur
Kreide, mit gelegentlichem Tertiär (besonders im Territorium der unteren
Saale) und mit mächtigen diluvialen Ueberschüttungen von der Nordgrenze
des ganzen Bezirkes her bis weit in das Innere hinein. Das Saalethal
trennt das Hügelland in der Hauptsache in eine kleinere Osthälfte mit
viel Silicatböden aus krystallinischen Gesteinen, Kreidesandsteinen und
Diluvium, und in eine grössere Westhälfte mit sehr viel Muschelkalkbergen,
Zügen von Buntsandstein, Mulden von Keuper, denen sich im Norden
kleinere Höhen von kalkreichen Jura- und Kreidegesteinen anschliessen ;
das Hügelland westlich der Saale verfügt demnach über wesentlich viel
mehr kalkreiche Böden. Diese konnten einer anderweiten Besiedelung in
den seit der Eiszeit über unser Land ergehenden wechselvollen Perioden
sich darbieten, so dass die Bodenunterlage ein nicht unwesentlicher Factor
für die Abgrenzung der verschiedenen natürlichen Landschaften des
Hügellandes ist. Dieselben werden folgendermaassen geschieden:
I. Westhercynischer (hessisch -südhannöverscher) Gau.
1. Weserland. — 2. Braunschweiger Land. — 3. Hügelland der
Werra und Fulda mit der Rhön.
H. Mittelhercynischer (thüringischer) Gau,
4. Thüringer Becken. — 5. Hügelland der unteren Saale. —
6. Land der Weissen Elster.
*) Bd. I, Stuttgart 1895.
141
III. Osthercynischer (sächsischer) Gau.
7. Muldenland. — 8. Hügelland der mittleren Elbe. — 9. Lau-
sitzer Hügelland.
Aus diesem zusammenhängenden Hügellande heben sich wie langge-
zogene Inseln die hercynischen Bergländer heraus, deren Umgrenzung
sich nach orographischen und hypsometrischen Linien dann von selbst
ergiebt. Es sind folgende:
10. Das Lausitzer Bergland (einschliesslich Elbsandsteingebirge,
Jeschken). — 11. Der Harz. — 13. Der Thüringer Wald. —
13. Das Fichtelgebirge mit dem Frankenwalde und dem vogt-
ländischen Berglande. — 14. Das Erzgebirge. — 15. Der Böhmer-
und Bayerische Wald.
Während die hercynischen Hügellandschaften sämmtlich zu der in
Deutschlands Pflanzengeographie Bd. I, Karte, in grösserem Umfange ab-
gegrenzten mittel- und süddeutschen Vegetationsregion (Reg. UI) gehören,
bilden die sechs Berglandschaften den in Deutschland am weitesten gen
Norden vorgeschobenen Theil der Berglands- und subalpinen Waldregion
(Reg. IV), und es hat sich daher als zweckmässig erwiesen, auch bei der
Behandlung und Vertheilung des Stoffes im hercynischen Florenbezirk stets
dieser Zweitheilung nach Vegetationsregionen im weiteren Sinne eingedenk
zu bleiben und dies in der Gliederung hervortreten zu lassen.
In einem Vortrage vor der botanischen Section am 30. October 1898
(siehe Isis-Abhandlungen 1898, S. 83 — 91) habe ich der ausgedehnten Reisen
und Excursionen gedacht, welche zur floristischen Durchmusterung dieses
hercynischen Länderraums nothwendig waren; ich habe darin der werth-
vollen Hülfe meiner Assistenten am botanischen Institut der Technischen
Hochschule, der dankbar anzuerkennenden Unterstützung des K. Cultus-
ministeriums für Sammlungsförderung und Reisekosten gedacht, und ich
will darauf heute nicht noch einmal zurückkommen. Nur muss betont
werden, dass der Herbarium- Gustos Dr. Bernhard Schorler seit einem
Jahrzehnt sich zu meinem unentbehrlichen Genossen in den floristischen
Aufnahmen und treuen Mitarbeiter in der Bewältigung der Herbarium-
massen herausgebildet hat, dass er auch insbesondere die bryologischen
und algologischen Aufnahmen und Bestimmungen, unausgesetzt aus dem
reichen Schatz der Erfahrungen unseres Bibliothekars C. Schiller bereichert,
mit diesem gemeinsam oder allein gemacht hat, so dass ich selbst darin
nur wenig zu arbeiten hatte, so anziehend auch sowohl Moosstudien für
die Gebirgsfelsen als Algenstudien für den Jahreszeitenwechsel in den Ge-
wässern sind. Und was auf diesen Gebieten an Einzelaufnahmen und
grösseren Vorarbeiten zusammengebracht und geleistet ist, hat nur zum
kleinsten Theile in der jetzt vorliegenden Pflanzengeographie des hercy-
nischen Florenbezirks Raum finden können, rechnet vielmehr auf Vervoll-
ständigung in den kommenden Jahren und auf Veröffentlichung in ganz
anderer Form. Das bleibt mit vielem Anderen eine Sorge der Zukunft.
In dem erwähnten kurzen Programm vom Jahre 1880 waren die Arbeiten
gegliedert besonders in die floristischen Aufnahmen der Standorte und
Species -Verbreitung, in die phänologischen Beobachtungen, richtig
vertheilt über das ganze Land, und in die Bearbeitung der Vegetations-
142
formationen. Die floristischen Aufnahmen haben zu einem stattlichen
Herbarium der Flora von Sachsen und Thüringen mit den angren-
zenden hercynischen Landschaften geführt; aus kleinem Anfänge von damals
sieben Fascikeln ist heute eine Sammlung von SöOFascikeln und 30000 Spann-
blättern geworden. Hierbei habe ich die starke Unterstützung unserer
Isis -Mitglieder dankbar hervorzuheben, welche damals für diesen Zweck
erbeten wurde: C. F. Seidel, der nun schon nicht mehr unter den Lebenden
weilt, übermachte sein an Standorten aus älterer Zeit sehr reiches Her-
barium dem botanischen Institut; ebenso schenkte Albert Kuntze sein
schönes Herbar, in dem allerdings die sächsische Flora hinter Südeuropa
und dem Orient zurücktritt. Prächtige Specialsammlungen von Farnen
konnten wir erwerben; die reichen Sammlungen von Ruhus und Rosa
sind besonders der uneigennützigen Arbeit von Professor K. Wobst zu
verdanken; die Herren Schlimpert (f), Fritzsche, Hoffmann, Müller, Wolff
und viele Andere, deren Namen auch von Dr. Schorler in dessen Be-
richten über neue Funde in der Flora Saxonica erwähnt werden, haben
mit Herrn Schiller’s Moosbestimmungen wesentlich zur Bereicherung unseres
Quellenmaterials beigetragen. Viel Material wurde käuflich erworben,
besonders auch aus Thüringen, von wo ausser unseren eigenen Formations-
aufnahmen die Zugänge an seltenen Pflanzen etwas spärlicher flössen; aber
die Namen Lutze und Zabel brauchen nur unter den Sammlern genannt
zu werden, um deren gediegene Arbeit auch für diesen Gau zu kenn-
zeichnen.
Die phänologischen Beobachtungen kamen nach 1880 zuerst zu
einer zusammenfassenden Gestaltung. Schon im folgenden Jahre wurde
ein Aufruf zu gemeinsamer Anstellung derselben in der „Isis“' erlassen*),
und seit dem Jahre 1882 bis jetzt haben solche Beobachtungen noch nicht
wieder aufgehört. Schon in der Sitzung vom 19. Juni 1884 trug Ober-
förster Kosmahl über dreijährige Ergebnisse am Westrande des Elbsand-
steingebirges vor, und in den Jahren 1891 und 1892 bearbeitete ich selbst
die bis dahin gewonnenen Resultate, den zweiten Theil gemeinsam mit
Dr. A. Naumann**). Dazu kam noch eine kleinere Arbeit von mir in den
Mittheilungen der Oekonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen***)
über die Culturzonen Sachsens, beurtheilt nach der Länge der Vegetations-
periode. So konnte denn in dem V[. Bande der „Vegetation der Erde“
die Phänologie verhältnissmässig kurz und mit den seit 1892 durch Hinzu-
fügung thüringer Stationen gewonnenen Ergänzungen im allgemein klima-
tisch-geographischen Abschnitte besprochen werden, besonders unter Be-
rücksichtigung der Länge der Vegetationsperiode. Bekanntlich fällt
bei uns die Frühlingshauptphase (in Dresden Ende April) zusammen mit
dem Ueberschreiten der mittleren Temperaturcurve von 10^ C., und wir
treten mit dieser, durch die Obstbaumblüthe ausgezeichneten Phase in die
,, warme Jahreszeit“ mit Temperatur [> 10^ C. ein. Es hat sich nun heraus-
gestellt, dass diese ,, warme Jahreszeit“, welche sich auch als die thermisch
charakterisirte Vegetationsperiode bezeichnen lässt, nur an sehr wenigen
Orten die Dauer von sechs Monaten erreicht oder übersteigt; nach Regel
beträgt sie in der wärmsten Lage Thüringens (bei Jena) nur 176 Tage
*) Isis-Abhandl. 1881, Abh. I, S. 1 — 24.
**) Ebenda 1891, Abh. VI, und 1892, Abh. XHI.
***J 1891—92 Nr. V.
143
und dauert in Erfurt und Arnstadt nur 163 — 165 Tage, also nur 5^2 Mo-
nate. An der oberen Grenze des Hügellandes bei 400 — 500 m dauert diese
warme Jahreszeit nur noch — 5 Monate, und so muss man also der
hercynischen Hügelregion die Andauer von 4^2 — 6 Monaten oder kaum
irgendwo darüber für die warme Vegetationsperiode zumessen. Auch in
Dresden besitzt sie nach den genauen, auf Pentaden durchgeführten Dar-
stellungen der Jahrestemperatur- Curve von Neubert aus dem 40 -jährigen
Zeiträume von 1848 — 88 nicht mehr als 165 Tage, beginnend mit dem
1. Mai und endend mit dem 13. October*). Nach den von Franz Wolf in
seiner vortrefflichen Darstellung der klimatischen Verhältnisse der Stadt
Meissen**) gegebenen Dekadenmitteln der Temperatur scheint auch hier
dieselbe Länge der Vegetationsperiode ^ 10^ C. von 165 Tagen heraus-
zukommen; die letzte Dekade des April mit 9,35^ C. als Mittel und die
erste Dekade des Mai mit 10,37® C. zeigen auch hier die gleiche Wende-
zeit wie in Dresden, und ähnlich im October.
Die Frostdauer (Tage unter Null) besetzt an der genannten wichtigen
Demärcationslinie von 400 — 500 m den nicht unbeträchtlichen Zeitraum
von 2^/2“ 3 Monaten. — . Steigen wir auf zu der nächst höheren Grenze
von allgemeiner Bedeutung, nämlich zu der Buchen- und Tannengrenze
gegenüber dem oberen geschlossenen Fichtenwald, so finden wir hier die
warme Jahreszeit nur noch 3^/2 — 4 Monate andauernd, die Frostzeit da-
gegen schon 4 — 5 Monate, also beträchtlich länger. Die von Buche^
Tanne, Bergahorn und Fichte zusammengesetzten Bergwaldungen breiten
sich also im hercynischen Bezirk in einer Höhenschicht von ca. 400 m
Breite aus, an deren unterem Rande die warme Jahreszeit ^ 10® C. noch
beträchtlich über der mittleren Andauer des Frostes überwiegt, während
an ihrem oberen Rande umgekehrt die Frostdauer über die warme Jahres-
zeit überwiegt. — Als phänologisch den frühesten Frühling besitzendes
Gebiet hat sich die Gegend der Weissen Elster und Saale von Gera und
Halle gezeigt, wo der Frühling zwei Tage früher als im Dresdner Elbthal
einzieht.
Die Bildung der Vegetationsformationen hat unter den Programm-
Punkten als der wichtigste im Zusammenhang mit den Arealen besonderer
,, Leitpflanzen“ die grösseste Arbeit erfordert und ihr ist in dem „Hercy-
nischen Florenbezirk“ daher auch der ganze Abschnitt III von S. 90 — 276
gewidmet. Ueber ihn hier eingehender zu berichten, ist um so weniger
nothwendig, als die Grundzüge der Formationsgliederung bereits im Jahre
1888 der botanischen Section***) vorgelegt worden sind; später haben sie
nochmals, in zehn Hauptgruppen zusammengefasst, in dem Vortrage über
die Resultate der floristischen Reisen in Sachsen und Thürin gen f) Ver-
wendung gefunden, unter Hinzufügung einiger für sie besonders kennzeich-
nender Arten.
Die Arealgeographie dieser Leitpflanzen ist von hervorragender
Bedeutung, und sie ist nur durch ausgedehntere Studien nach Herbarien
und Florenwerken weit über Deutschlands Grenzen bis in die arktische,
Steppen- und Mediterranzone hinein zu gewinnen. Daraus gingen die in
*) Isis - Abhandl. 1888, Abh. V (S. 37) mit Taf. I.
**) Meissen 1890 (L. Mosche), S. 96 — 97; Zeitraum von 1855 — 1888.
***) Isis -Abh. 1888, Nr. VI: Die Vegetationsformationen und Charakterarten im
Bereich der Flora Saxonica.
f) Isis -Abh. 1898, S. 86—87.
144
demselben Vortrage 1898 (S. 91) kurz gekeunzeiclineten Areal -Signaturen
hervor, von denen ich an den zugehörigen Stellen meines Buches ausge-
dehnte Verwendung gemacht habe.
Von den Areal-Genossenschaften, welche zugleich durch ihre
biologischen Ansprüche an sonnige Lage und trockenen, felsigen Boden oder
Lösslehm eine ganz bestimmte Formationsgruppe, die der sonnigen Hügel
(lichte Haine, Grassteppen und felsige Geröllflora) auszeichnen, ist in der
hercynischen Flora keine bestimmter charakterisirt, als die der pontischen
Pflanzenarten, zwischen %v eiche sich aus ganz anderer Richtung herkom-
mend in Thüringen viele und im sächsischen Hügellande wenige Bürger
der Voralpen-F eisen gemischt haben. Dieser Gruppe interessanter Pflanzen
war schon in der Festschrift der ,,Isis“ vom Jahre 1885 eine Abhandlung
gewidmet, der dann im Jahre 1895 eine zweite, gemeinsam mit Dr. Schorler
bearbeitete, folgte: „Die Vertheilung östlicher Pflanzengenossenschaften
in der sächsischen Elbthal -Flora und besonders in dem Meissner Hügel-
lande“; eine Karte zeigt die wichtigsten Standorte abwärts von Dresden
an. Dieselbe Gruppe von Arten, erweitert auf das grössere hercynische
Gebiet, hat dann nochmals im Jahre 1900 einer Abhandlung über „die
postglaciale Entwickelungsgeschichte der hercynischen Hügelformationen“*)
zur wichtigsten Unterlage gedient, um die Wirkungen der Eiszeit und der
nachfolgenden Steppenperiode zu erläutern. Aus ihr sind in dem jetzt
vorliegenden Buche die langen Ausführungen über die trockenen Hügel-
formationen (S. 159 — ^210) und die entwickelungsgeschichtlichen Skizzen
im 5. Abschnitt (S. 620 •— 637) geworden. Die betreffenden Areale treten
nunmehr unter den Signaturen PM und Po nebst H^ oder Mm der früher
erwähnten Arealbezeichnungen auf.
Fast durchgängig verschiedene Areale treten in den Torfmooren der
Niederung und denen des Berglandes auf, und als Beispiele für die Be-
deutung solcher Arealformen mögen deren Charakterarten (gemäss Ab-
schn. III, Cap. 5, S. 228) hier folgen:
a) Niederungsmoore im Bereich unserer Flora.
NAtl (nordatlantisches Areal, siehe Isis 1898, S. 93).
Hydrocotyle, Erica Tetralix, Drosera intermedia.
ME^ (mitteleuropäisches Areal).
Rhynchospora fusca, alba, —
b) Gebirgsmoore.
AE® und AE® (arktisch-nordeuropäisches und mitteleuropäisches Areal).
Betula nana und carpathica. —
Empetrum nigrum, Andromeda polifolia, Vaccinium uliginosum und
Oxycoccus, Eriophoruni vaginatum^ TrichopJiorum (Scirpus)
caespitosum und alpinum, Sedum villosum,
BU® (boreal-uralisches Areal, nicht hocharktisch).
Scheuchzeria palustris, Carex pauciflora und limosa. [Ledum
pälustre mit gleichem Areal jetzt fast nur noch in Niederungs-
mooren.]
H® (Areal der mitteleuropäischen Hochgebirgsgruppe).
Pinus montana allein in mehreren Varietäten.
*) Tsis-Abh. 1900, 11. Heft, S. 70— 84.
145
Etwa die Hälfte des ganzen Buches ist der besonderen Schilderung
der oben aufgefiihrten 15 Landschaften gewidmet in der Absicht, den
Besonderheiten ihrer floristischen Vertheilung auf geographischer Grund-
lage gerecht zu werden; hier sind zahlreiche Skizzen eingestreut, die auf
den eigenen Reisen und Excursionen durch oftmals im Jahreszeitenwechsel
sich ergänzende Aufnahmen gewonnen wurden.
Eine Karte zeigt die genaue Abgrenzung der Territorien und zugleich
die Hauptgrenzen gewisser grosser Areal-Genossenschaften (besonders der
pontischen Arealgruppe), durch grünes Colorit die Ausbreitung der Berg-
formationen; von Vegetationslinien, mit denen die Karte nicht beladen
werden sollte, haben nur diejenigen der Tanne und Fichte Aufnahme ge-
funden. Fünf Vollbilder und eine grössere Zahl in den Text eingestreuter
Autotypien stellen Charakterlandschaften der Hercynia als Standplätze aus-
geprägter Formationen dar, Felsabstürze von Basalt und Granit, die Baum-
grenze am Brocken und Jeschken (durch Wind -Depression), Hochmoore
im Erzgebirge; mehrere kleine Kärtchen im Text sind der Abhängigkeit
der Formations-Ausbreitung vom orographischen Aufbau gewidmet (Rhön,
Brocken, Böhmer- Wald).
Wenn in dem an Umfang nicht unbeträchtlichen Buche die allgemeine
Vertheilung der Charakterarten und der Formationen in Sachsen und
Thüringen so weit dargestellt ist, als überhaupt ein Werk wie die „Vege-
tation der Erde“ auf deutschem Gebiete eingehenderer Schilderung seine
Bände öffnen kann, so ist nur noch kurz darauf hinzuweisen, dass sehr
viele Dinge verschwiegen bleiben mussten, weil sie nur localfloristisches
Interesse haben. Diese bleiben ergänzenden Abhandlungen Vorbehalten,
zumal einer alle Species enthaltenden Aufzählung. Es fehlt ferner die
biologische Darstellung des Pflanzenkleides im Wechsel der Jahres-
zeiten, ein genaueres Eingehen auf Culturgeographie mit klimatisch -
phänologischer Grundlage, die Kartographie der Formationen und ihrer
in Isis 1888, S. 63 genannten wichtigen Leitpflanzen. Zusammen mit der
planmässigen Einreihung der Moose, Flechten (und zum Theil der Pilze),
sowie der Algen in die grossen Formationen giebt es demnach noch viel
Arbeit für die Zukunft!
«
i
Taf. 1,
Abliandl. d. Isis in Dresden, 1902.
40
Tafel 11.
Fig. 1 — 3. DruckscMeferiger Turmalingranit vom Höllenhübel
bei Maxen, Text S. 34.
Zwischen gekreuzten Nicols. Vergl. auch die Erklärung zu Taf. I.
Fig. 1. Vergrösserung 18. Die linke Hälfte des Bildes zeigt porphyr-
artige Trümmerstructur, die rechte sehr feinstreifige druckschiefe-
rige Bänderung. Die grossen abgedrückten Feldspathstücke in der
Mitte gleichen vorgeschobenen Dämmen oder Felsen, an denen sich der
„Fluss“ der rechten Hälfte staut.
Fig. 3. Vergrösserung 12. Ein grösserer, wie zerdreht aussehender
Quarz in einem feineren sericitreichen Gemenge mit porphyrartiger
Trümmerstructur.
Fig. 3. Vergrösserung 13. Flammenstreifig zerdrückter grösserer
Quarz. Schmale spitz zulaufende Quarzstengel mit streifiger Polarisation
sind durch sehr feines, mit Sericitschuppen gemengtes Quarzzerreibsel
getrennt.
Fig. 4, Text S. 37. Vergrösserung 8. „Körniger feldspathreicher
Hornhlendefels^^ von Gablenz bei Stollberg. Die Leistenform der
(hellen) Feldspäthe und die Diahasstructur sind deutlich erkennbar. Weil
absichtlich ein etwas dickeres Präparat zur Darstellung gewählt wurde,
können die dunklen und stark lichtbrechenden Gemengtheile wie Uralit
(oben Mitte), Epidot, Titaneisen mit Leukoxenrand im Bilde nicht unter-
schieden werden.
Fig. 5, Text S. 35. Vergrösserung 14. Aschenstructur im Porphyrtuff
aus dem Oederaner Wald. Dicker Schliff. Die dunklen Stellen des
Bildes sind zum grössten Theile jene, auf Seite 35 erwähnten Glas-
scherbchen und Bimssteinbröckchen. Am auffälligsten tritt das Stück
rundblasigen Bimssteines in der Mitte hervor.
Fig. 6. Vergrösserung 170. Fester Andesittuflf aus der Quebrada
de las Vueltas in Columbien, Südamerika. (Vergl. Reiss und Stübel,
Colombia H, S. 93, 94.) Der Tuff ist reich an vollständig frischen Glas-
scherbchen und Bimssteinstückchen, die als vulcanischer Staub
den Tuff mit haben bilden helfen. In der Mitte ein rundblasiges Bims-
steinbröckchen.
Das Bild ist der Abzug einer Positivplatte, also ein Negativ. In
Wirklichkeit sind die Glasscherben farblos und wasserhell, heben sich
aber dann weniger scharf von der hellen Umgebung ab.
Abhandl. d. Isis in Dresden, 1902.
Taf. U.
(3.
der
Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
ISIS
Dresden.
Herausg-eg-eben
von dem Redactions-Oomite.
Jahrgang 1902.
Janixax* bis dTixrii.
Mit 3 Tafeln.
In Commission der K. Säch/. H'ofbuchhandliing'^ Burdach.
s( ■ i i 5 1- ■/ •
1 •
|, ■p ^ •
1
n
■ ■ -7. ■ ^ ■ ,r--'
n
'
■1
~l
l_
1
1
J
J
i
Redactions-Comitö für 1902.
Yorsitzender: Prof. Dr. Fr. Fo erster.
Mitglieder; Prof. Dr. J: Deichmiiller^ ' D-eh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude, Prof.
Dr. E. Kalkowsky, Heh. Hofrath Prof. Dr. H. Nitsche, Prof. Dr. A. Sehlossmann
und Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Verantwortlicher Pedacteur: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Inhalt.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3. — Drude, 0.: Temperaturverhältnisse, Fauna und Flora
des Plattensees S. 4. — Engelhardt, H.: Neue Litteratur S. 3. — Heller, K.:
Neue Methode der Präparation von Schmetterlingen S. 3 ; Fauna von Celebes S.4.—
Nits che, H. : Der Kranich als Brutvogel im Königreich Sachsen S. 3; neuere An- .
schauungen über das Wesen der ParthenOgenesis und die künstliche Erzeugung der-
selbe, neue Litteratur S. 4. — Schiller, K.; Die biologische Station im Adirondac-
Gebirge S. 3. — ^ Schneider, 0.: Melanismus bei corsischen Käfern S. 3. —
Schorler, B.: Neue Litteratur S 3. — Thallwitz, J.; Die Thierwelt der Hoch-
gebirgsseen, neue Litteratur S. 3. — Viehmeyer, H.: Heber Höhlenkäfer S. 3.
II. Section für Botanik S. 4. — - Drude, 0.; Die Ooniferen Europas und des Kau-
kasus und die Grenzen der westpontischen Waldflora um Wien S. über Iris para-
doxa^ das neue biologische Quartier im K. Botanischen Garten S. 6. — Fritzsche, F.:
Vorlagen S. 6. — Menzel, P. : Beziehungen jetztlebender Abietineen zu denen des
Tertiärs S. 6. — Neumann- Spallart, G. von: Vorlage S. 6. — Pohle, ß.: Die
Pflanzengeographie von Nordrussland S. 4.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6. — Deninger, K.: ßeisehilder aus
Sardinien S. 7. — Stübel, A.: Genetische Verschiedenheit vulcanischer Berge S. 7.
— Wagner, P.: Heber den Würmsee und über die Insel Hsedom S. 6.
lY. Section für prähistorische Forschungen S. 7. — Deichmüller, J.: Neue Litteratur
S. 7. — Döring, H.: Funde aus neolithischen Herdstellen hei Lockwitz und vom
Burgwall Kopschien S. 7. — Ludwig, H.: Die neolithische Siedelung von Seeb-
schütz S, 7. — Excursion nach dem. Pfaffenstein S. 7.
Y. Section für Physik, Chemie und Physiologie S. 8. — Fo er st er. Fr.: Einwirkung
von Jod auf Alkali S. 8. — Hallwachs, W.: Heber Strahlung und Temperatur-
hestimmung durch Strahlung S. 8. — Müller, M. E.: Quantitative Bestimmung der
Halogene durch Elektrolyse S. 8. — Pehenstorff, H.: Hnterrichtsversuche über
Toninterferenz -Erscheinungen S. 8. — Schlossmann, A.: Fettausscheidung durch
die Faeces S. 8.
YI. Section für reine und angewandte Mathematik S. 8. — Gravelius, H. : Auf-
suchung und Discussion von Periodicitäten bei meteorologischen und klimatologischen
Erscheinungen S. 9. — Heger, P. : Besondere Kreise in homogenen Coordinaten
S. 8; die Kugeln, welche die Seiten eines windschiefen Vierecks berühren S 10. —
Krause, M.: Theorie der trigonometrischen Functionen S. 9. — Vieth, J. von: :
Die Dual -Arithmetik von Oliver Byrne S. 9.
YIT. Hauptversammlungen S. 10. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 11. —
Pechenschaftsbericht für 1901 8 10 und, 12. ^ Voranschlag für 1902 S. 10. — Grün-
dung einer Section für Physiologie und Biologie S. 10. — Helm, G.: Denkmal für
Otto voiiGuericke S.IO. — Lewicki, E.; Heber Dampftuijbinen.S. PL -r^ Sehorler, B.:; ‘
Geschichte der Floristik bis auf Linne S. lOl --- Vater,' H.: ^Hhtwickelung der Petro-; j
graphie in ihren Grundzügen S.IO. — Excursion nach dem Stadtkrankenhaus , in; 1
Dresden- Johannstadt, nach Moritzburg S. TI. 1 . . r
Bi Abhandlungen.
Bergt, W.: lieber einigt sächsische Gesteine. Mit 2 Tafeln. S. 29. '
Graveliiis, H.: Methodische Bemerkungen zur Discussion von Beriodicitäten in der
Klimatologie. S. 24.
Mammen, F.: Analyse der Kalke von Tharandt und Braunsdorf. S. 23.
Schorler, B.: Geschichte der Floristik bis auf Linne. S. 3,
Die Verfasser sind allein verantivortUch für den Irnhalt ihrer
Abhandlungen*
Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen .50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge unentgeltlich, eine grössere Anzahl gegen Er-
. ‘ ‘ stattung der Herstellungskosten.
SitzungsKalehder für 1902^
September. 25. Hauptversammlung.' ' ■ • > r' ■
OctoW*. , 2. Physik und' Chemie. ' 9. ‘ Mathematik’. 16.: Prähistorische Forschungen.
" 23. Zoologie. '30. Hauptversammlung; ' ' ' ' :
T?ovember. 6. Botanik. 13. Mineralogie und Geologie. 20. Physik und Chemie.
27;. Hauptversammlung.' ' ' ” 'V., ; : . ■ -
December.- ' 4. Zoologie und Botanik. 11. PrähistoTische..Fm,schpngen.—r Mathematik.
18.- Hauptversammlung. , . . ,
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der ,,Isis‘S welche durch die Burdach’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. .Dresden 1860. 8. 1 M. 50 Pf.
Pestschrift. Dresden 1885. ,8. ... . . . . . . . . . 3 M. — Pf.
Schneider, 0.: Natnrwissensch. Beiträge zur Kenntniss der
Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 ... . . . . . . . . . 1 M, 20 ?Pf.
Sitzungsberichte, Jahrgang 1863 ! . . , . ' . . ... . 1 M, 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . IM. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 M. — - Pf.
Sitzungsberichte, Jahrgang 1869 . , . 3 M, 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April- Juni, October-December 2 M. — Pf,
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December , . . , . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, pro Jahrgang . . 4M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni . . . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-December .....SM. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-Decelnber 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1901, pro Jahrgang . 5 M. — Pf
Sitzungsberichte und Abhandlungen, Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1902. Januar- Juni. 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Eabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft ,,Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Prof. Dr. Deicinntiller, Dresden-A., Zwingergebäude,
K. Mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins-
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber
in den Sitzungsberichten quittirt wird.
Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.
der
NaturwissensehaMiehen Gesellschaft
^6 i
ISIS
in üresden.
Herausgegeben
von dem Redactions-ComitO.
Jahrgang 1902.
Juli bis December.
Mit 1 Abbildung im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1903. ,
Redactions -Comite für 1902.
Vorsitzender; Prof. Dr. Fr. Fo erst er.
Mitglieder; Geh. Hofrath Prof. Dr, H. Kitsche (f), Oberlehrer Dr. J. Thallwitz,
Geh. Hofrath Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Dr. J. Deich-
müller, Prof. Dr. A. Schlossmann und Prof. Dr. Ph. Weinmeister.
Verantwortlicher Redacteur: Prof. Dr. J. Deichmüller.
Sitzungskalender für 1903.
.Januar. 8. Botanik. 15. Mineralogie und Geologie. 22. Physik, Chemie und Physio-
logie. 29. Hauptversammlung.
Februar. 5. Prähistorische Forschungen, 12. Mathematik. 19. Zoologie. 26. Haupt-
versammlung.
März. 5. Botanik. 12. Mineralogie und Geologie. 19. Physik, Chemie und Physio-
logie. 26. Hauptversammlung.
April. 2. Zoologie. 16. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 23. Botanik.
30. Hauptversammlung.
Mai. 7. Mineralogie und Geologie. 14. Physik, Chemie und Physiologie. 21. Excursion
oder :28. Hauptversammlung.
Juni. 11. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 18. Zoologie und Botanik.
25. Hauptversammlung.
September. 24. Hauptversammlung.
October. 1. Botanik und Zoologie. 8. Mathematik. 15. Mineralogie und Geologie.
22. Physik, Chemie und Physiologie. 29. Hauptversammlung.
November. 5. Zoologie. 12. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 19. Botanik.
23. Hauptversammlung.
December. 3. Mineralogie und Geologie. 10. Physik, Chemie und Physiologie. 17. Haupt-
versammlung.
r
'k
' •
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der „Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8 1 M. 50 Pf.
Festschrift. Dresden 1885. 8 3 M. — Pf»
Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntniss der
Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . . . . 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1868 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Juni, October-December 2 M. — Pf»
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, pro Jahrgang . . 4M. — PI
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar-Juni . . . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juh-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf»
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1902, pro Jahrgang 5 M. — Pt
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf»
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 35 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Prof. Dr. Deiclmiüller, Dresden-A., Zwingergebäude
K. Mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
9^^ Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins-
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber
in den Sitzungsberichten quittirt wird.
Druck von Wilhelm Baensch 1h Dresden.
I
iVi'.Jv